Cover: The way of living

The way of living
Deutsche Fassung


EUR 19,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 122
ISBN: 978-3-7116-0574-0
Erscheinungsdatum: 24.02.2025
Geringfügige Anpassungen führen oft zu großartigen und erfolgreichen Ergebnissen – Adrian Gsell zeigt uns als Optimierungscoach, wie einfach es ist, unser Leben so zu gestalten, dass es unserer Vorstellung entspricht.
Niemand verdient es,
bewundert zu werden


Betrachten wir zunächst Abbildung 1: ein Gefälle, auf dem eine Kugel und darüber ein Würfel ruhen. Dies ist eine Momentaufnahme.

Der Würfel sagt zur Kugel: „Ich bewundere deine Leichtigkeit, einfach davonzurollen“, und die Kugel erwidert: „Und ich bewundere deine Standhaftigkeit, an Ort und Stelle zu bleiben.“

Was können wir aus diesem Szenario lernen? Die Kugel rollt, weil sie zu wenig Haftung hat, um an einem Hang stehen zu bleiben, während der Würfel aufgrund seiner großen Auflagefläche unbeweglich ist. Im übertragenen Sinne zeigen uns diese Objekte, dass wir alle unterschiedliche Fähigkeiten besitzen. Doch im Gegensatz zu Objekten haben wir die Möglichkeit zu entscheiden, wie wir unsere Fähigkeiten einsetzen.

Wenn wir jemanden bewundern, geschieht das oft, weil diese Person etwas kann, was wir nicht oder nicht so gut können. Nehmen wir einen Athleten, der an der Spitze der Weltrangliste steht. Wir bewundern seine Leistungen, seinen Erfolg und vielleicht sogar seinen Lebensstil. Aber ist diese Bewunderung gerechtfertigt? Die meisten würden wahrscheinlich mit JA antworten. Immerhin trainiert er hart, verzichtet auf vieles und achtet auf eine überdurchschnittlich gesunde Ernährung. Doch ich persönlich denke, NEIN!

Weshalb diese radikale Ansicht? Ganz einfach: Er kann nicht anders, weil er vom Drang getrieben wird, seine Fähigkeit optimal zu nutzen. Er verbessert sich so lange, bis er der Beste ist, weil er es kann. Für ihn wäre es unerträglich, nicht exzessiv trainieren zu dürfen oder ungesund zu essen. Doch im Gegenzug ist er vielleicht nicht in der Lage, einen Nagel in die Wand zu schlagen, um ein Bild aufzuhängen. Letztendlich ist er ebenso ein Mensch wie du und ich, mit Stärken und Schwächen. Denken wir an einen Nobelpreisträger, dessen IQ um ein Vielfaches höher als unserer ist, der jedoch völlig unorganisiert lebt und ständig seine Schlüssel sowie sein Smartphone sucht. Eine treffende Parodie findet sich z. B. in der Serie „The Big Bang Theory“ mit den nerdigen Wissenschaftlern, allen voran Sheldon Cooper.

Anstatt jemanden zu bewundern (oder schlimmer noch, neidisch zu sein), sollten wir uns über seinen Erfolg freuen und uns darauf konzentrieren, was wir selbst gut können. Bewunderung schafft eine Hierarchie, in der wir uns unterordnen. Es gibt sicher etwas, was wir besser können als die Person, die wir ab heute nicht mehr bewundern sollten.

Natürlich dürfen herausragende Leistungen nicht unbeachtet bleiben. Deshalb sollten wir gegenüber solchen Personen lieber Respekt zeigen, als sie zu bewundern. Wenn wir jemanden respektieren, bleiben wir auf Augenhöhe, ohne dass ein Ungleichgewicht entsteht.

Wir sind, wer wir sind, aufgrund unserer Fähigkeiten und Erfahrungen.




Der Lösungsbaum


Bei Problemen neigen viele Menschen dazu, Symptome zu bekämpfen, statt die Ursache zu beseitigen. Ein Grund dafür ist oft die Schwierigkeit, die wahre Ursache zu erkennen. Abbildung 2 soll helfen, die Ursache zu ermitteln. Wie das funktioniert, erläutere ich in diesem Kapitel.

Eines Tages kam ein Freund zu mir. Er war DJ und erzählte, dass er eine Woche vor jedem Auftritt nicht schlafen könne. Er war zu nervös, weil er Angst hatte, beim Live-Auftritt zu versagen. Nach längeren Diskussionen stellte sich heraus, dass er täglich mehrere Joints rauchte, was seine Psyche so beeinflusste, dass er an seinen Fähigkeiten zweifelte. Wir erkannten, dass das Kiffen ihn unsicher und antriebslos machte. Diese Unsicherheit wirkte sich auf verschiedene Bereiche seines Lebens aus, was zu weiteren Problemen führte. Seine Antriebslosigkeit führte zu noch mehr Konflikten in seinem Umfeld. Der Ursprung seiner Probleme war somit gefunden. Würde er mit dem Kiffen aufhören, würden sich viele seiner Probleme lösen, nicht nur die Nervosität vor seinen DJ-Sets und den daraus resultierenden Schlafstörungen.

Trotz dieser Erkenntnis entschied er sich weiterhin, Marihuana zu konsumieren, weil die berauschende Wirkung für ihn einen höheren Stellenwert hatte. Dies führte schließlich zu einer GHB-Abhängigkeit, welcher er in jungen Jahren erlag. So traurig diese Geschichte endet, zeigt sie die Folgen von Ursache und Wirkung und dass jeder selbst entscheiden muss, welchen Weg er einschlägt.

Wenn du dich einmal mit einem Problem konfrontiert siehst, beginne ganz oben am Lösungsbaum und frage dich, woher das Symptom kommen könnte. Wenn du den Auslöser ermittelt hast, frage dich, ob dies die Wurzel des Problems ist oder ob es eine Folge eines weiteren Problems ist. Mit dieser Methode arbeitest du dich immer weiter nach unten, bis du die Ursache identifiziert hast. An der Wurzel angekommen, wirst du erkennen, dass daraus weitere Probleme entstanden sind. Deshalb sollte nie nur Symptombekämpfung betrieben werden. Das Problem muss an der Wurzel behandelt werden, sonst bleiben zu viele Probleme bestehen.

Es gibt eine Redewendung: Wenn ein Obdachloser am Meer Hunger hat, gibst du ihm einen Fisch oder zeigst du ihm, wie man fischt? Nach dem Verzehr des Fisches wird er spätestens am nächsten Tag wieder hungrig sein. Wenn du ihm jedoch zeigst, wie man fischt, wird er unabhängiger und kann sich selbst versorgen. Das Symptom des Hungers wird durch die Ursache des Fischens gelöst. Im Idealfall fischt er mehr Fische, als er essen kann, und entwickelt daraus ein Geschäft, von welchem er künftig leben, sich eine Wohnung leisten und eine Familie gründen kann.

In der ersten Nacht nach meiner Geburt haben meine Eltern beschlossen, mich nicht hochzuheben, um mich zu beruhigen, als ich weinte. Sie erzählten, dass es nicht einfach für sie war, meine Schreie zu ignorieren. Sie mussten sich gegenseitig im Bett festhalten, damit sie nicht zu mir ins Zimmer kamen. Nach dieser Nacht habe ich jede darauffolgende Nacht zufrieden durchgeschlafen, was nicht nur mir, sondern auch meinen Eltern die notwendige Erholung verschaffte.

Fun Fact: Vielleicht benötige ich deswegen auch heute noch 10 Stunden Schlaf pro Nacht.




Mangelnde Achtsamkeit


Eines der größten gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit ist die fehlende Achtsamkeit der Menschen. Jeder schaut nur noch auf sich selbst und bewegt sich oft wie mit Scheuklappen durch die Welt.

Nehmen wir zum Beispiel die Kleinunternehmer, die gegeneinander arbeiten, weil sie Angst haben, dass ihnen der Mitbewerber etwas wegnehmen könnte. Sie stehen ständig in Konkurrenz zueinander, anstatt einen gesunden Wettbewerb zu leben. Ich bin überzeugt, dass wirtschaftlich mehr erreicht werden könnte, wenn Kleinstbetriebe vermehrt miteinander arbeiten würden.

Auch im Alltag finden sich viele Situationen, in denen Personen unachtsam sind. Wer kennt es nicht? Man steht im Supermarkt, etwas zurückversetzt vor den Regalen, um den Überblick zu behalten und das richtige Produkt wählen zu können. Oft kommt es vor, dass sich jemand direkt vor einen stellt und die Sicht blockiert. Bis diese Person ihren Artikel gefunden hat, vergeht eine gefühlte Ewigkeit. In unserer Region wurden Superstores mit extrabreiten Gängen errichtet, damit die Kunden mehr Platz haben. Doch dies führt dazu, dass die Leute mit ihren Einkaufswagen quer in den Gängen stehen und den Weg versperren. Mehr Platz wird auf kreative Weise genutzt, aber nicht immer sinnvoll.

Oder man steht vor einem Lichtsignal und der Verkehr von links hat Grün. Die Kreuzung ist verstopft, aber trotzdem fahren so viele Autofahrer wie möglich los, um die Kreuzung noch stärker zu blockieren. Wenn die eigene Ampel auf Grün schaltet, ist es unmöglich, die Kreuzung zu passieren. Diese und viele ähnliche Beispiele zeigen, wie oft Achtsamkeit im Alltag fehlt.

Weshalb fällt es uns so schwer, mehr aufeinander zu achten und ein friedliches Umfeld zu schaffen? Das liegt vermutlich an unseren Genen. Wir streben nach dem größtmöglichen Vorteil mit dem geringstmöglichen Aufwand. Vereinfacht gesagt: Der Mensch ist ein Egoist, und das hat schwerwiegende Auswirkungen auf unsere Gesellschaft. In meiner Freizeit besuchte ich eine Bekannte mit meinem neu aufgebauten Custom-Chopper. Ihr Mann sagte, er wolle auch so ein Bike besitzen. Seine Frau entgegnete: „Dann fang mal an zu sparen“, und er antwortete: „Ich möchte nicht sparen, ich will so ein Motorrad.“ Ich, ich, ich, meins, meins, meins! Wir sind wie die Möwen im Animationsfilm „Findet Nemo“.

Mach dir einmal bewusst, was auf unserem Planeten alles schiefläuft, und du wirst erkennen, dass die Ursache oft auf egozentrische Personen zurückzuführen ist. Es gibt leider zu viele Narzissten und Soziopathen auf der Welt. Das beginnt mit dem Nachbarn, der keinen Parkplatz anmietet, um Kosten zu sparen, dafür aber sein Fahrzeug täglich auf dem Besucherfeld abstellt, und endet bei den korrupten Diktatoren dieser Welt.

Dabei könnte es so viele schöne Erlebnisse und bereichernde Begegnungen geben, wenn wir achtsamer miteinander umgehen würden. Ich erinnere mich an ein Ereignis, bei dem ich einer jungen Frau zusah, wie sie an einem Zierbrunnen Wasser in ihre PET-Flasche füllte. Ich ging zu ihr hin und informierte sie, dass dies kein Frischwasser sei, da der Brunnen nur Dekoration ist und dasselbe Wasser immer wieder umwälzt. Bei genauerem Hinsehen erkannte sie, dass das Wasser bereits verunreinigt war. Sie schenkte mir ein liebevolles Lächeln und war sehr dankbar für diesen wertvollen Hinweis. Auch meine Freunde, die mein Handeln beobachtet hatten, lobten mich dafür. Es braucht so wenig, um aufeinander zu achten, insbesondere bei Menschen, die wir nicht kennen, aber denen wir täglich begegnen. Wäre es nicht besser für uns alle, wenn die Menschheit mehr aufeinander achten würde?
...
5 Sterne
The way of living - 14.11.2025
Nicole Feldmann

The Way of Living hat mir sehr gut gefallen. Das Buch ist unglaublich inspirierend, und die vielen abwechslungsreichen Kapitel machen das Lesen spannend und angenehm. Eine klare Empfehlung!

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