Systemsprenger? Ja Bitte!
Die TOP 10 Regeln, die dein Kind brechen darf, um erfolgreich im Leben zu sein
EUR 18,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 100
ISBN: 978-3-7116-1345-5
Erscheinungsdatum: 11.05.2026
Systemsprenger willkommen! Dieses Buch bricht alte Schul- und Erziehungsmythen auf und zeigt klar, warum Kinder Regeln brechen müssen, um ihr volles Potenzial zu entfalten. Provokant, alltagstauglich und fundiert– eine Pflichtlektüre für Eltern starker Kinder!
Einleitung
Das Problem sind nicht die Kinder –
das Problem ist das System
Kinder, die heute in Regelschulen als „Systemsprenger“ gelten, sind keine ungezogenen Störenfriede, die den Unterricht sprengen. Sie sind die sensiblen Fühler einer Gesellschaft und Bildungspolitik sowie eines veralteten Schulsystems, in denen etwas grundlegend schiefläuft. Sie sprengen nicht das System und sind das Problem – sondern sie zeigen das Problem, was am System nicht mehr funktioniert.
Denn unser Schulsystem ist nicht zeitgemäß. Im Kern ist es ein Relikt des 19. Jahrhunderts. Es wurde nicht geschaffen, um Kinder in ihrer Einzigartigkeit zu fördern und ihre Potenziale zu entfalten. Das Ziel war ein anderes: Menschen zu formen – zu Soldaten, fleißigen Arbeitern, gehorsamen Untertanen. Schule diente als Werkzeug des Staates, um Ordnung, Kontrolle und Machterhalt zu sichern.
Eigenständiges Denken, Hinterfragen, Kreativität, Individualität? Unerwünscht! Stattdessen: Gleichmacherei, Disziplin, Bewertung, Konditionierung und strikte Anpassung. Wer nicht in die vorgesehene Form passte, wurde gebrochen und passend gemacht, bestraft oder aus der (überlebenswichtigen) Gemeinschaft ausgeschlossen.
Und genau diese Strukturen prägen bis heute noch viele Klassenzimmer: Kinder sollen stillsitzen, folgen, funktionieren. Lernen bedeutet oft noch Frontalunterricht, stumpfsinniges Auswendiglernen, Drill und Bewertung statt Explorationsfreude, Neugier, Beziehung und Sinn. Noch immer wird Bildung zu oft als hierarchische Einbahnstraße verstanden – nicht als lebendiger, wechselseitiger Prozess auf Augenhöhe, der sich an den individuellen Bedürfnissen und Interessen des Kindes orientiert, Spaß macht und sinnerfüllend ist. Wieso werden Kinder nicht in die Gestaltung von Schulen, Unterrichtsformen und des Lehrplanes miteinbezogen und haben Mitspracherecht? Sie sind doch die „Kunden“. Wie lange würde ein Unternehmen namens Schule am freien Markt überleben, wenn die Kundenzufriedenheit so zu wünschen übriglässt?
Wir leben längst im 21. Jahrhundert – in einer Welt, die sich rasant verändert: Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, globale Vernetzung, komplexe Herausforderungen. Die Anforderungen an junge Menschen haben sich drastisch gewandelt. Berufe, auf die Kinder in unseren Schulen momentan vorbereitet werden, wird es nach Beendigung ihrer Schullaufbahn nicht mehr geben. Was heute zählt, sind Flexibilität, schnelle Anpassung an den Wandel äußerer Umstände, Kreativität, Kommunikation, emotionale Intelligenz und eigenständiges Denken sowie verantwortungsvolles Handeln.
Wenn unser Schulsystem – wie erwähnt – noch immer von veralteten Strukturen geprägt ist, dann dürfen wir uns nicht wundern, dass Kinder, die anders denken, fühlen oder handeln, als „Systemsprenger“ abgestempelt werden. In Wahrheit sind sie die Mutigen, die uns zeigen, dass Anpassung und Gehorsam längst keine Schlüssel zum Erfolg mehr sind.
Denn: In einer Welt, die sich rasant verändert, ist nicht der brave Mitläufer gefragt – sondern die kreative Querdenkerin, der neugierige Hinterfrager, der nicht zögert zu handeln, die mutige Gestalterin. Das sind die Problemlöser von morgen!
Und genau das unterstreicht auch das Ergebnis meiner zahlreichen Recherchen. Dabei habe ich immer wieder festgestellt: Die Menschen, die heute als erfolgreich, sehr erfolgreich – auf allen Ebenen – gelten, die Verantwortung für sich und für andere übernehmen, die Gesellschaft tragen sowie ein selbstbestimmtes, glückliches und sinnerfülltes Leben führen, haben eine verblüffende Gemeinsamkeit:
Sie alle brechen Regeln!
Und damit meine ich nicht gesetzliche Regeln wie z. B. die Straßenverkehrsordnung, die unser Zusammenleben schützen. Sondern überholte Glaubenssätze, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden: „Sei brav“ – „Mach es allen recht“ – „Tu, was dir gesagt wird“ – „Vermeide Fehler“
Diese Regeln – oft tief verankert – verhindern, dass Kinder sich selbst, ihre Genialität und ihre Bedürfnisse entdecken, ihr Potenzial entfalten und in die Kraft kommen, ihre Träume umzusetzen.
In diesem Buch findest du 10 solcher Regeln. Und du erfährst, warum es nicht nur erlaubt, sondern notwendig ist, sie zu brechen – um zu wachsen, sich selbst treu zu bleiben und erfolgreich, glücklich und erfüllt zu leben.
„Systemsprenger? Ja bitte!“ ist ein Plädoyer für eine neue Schule:
Eine Schule, die Kinder nicht mehr verbiegen, bewerten, sondern in ihrer Entwicklung begleiten will.
Eine Schule, die Raum schafft für Individualität, Kreativität und gehirngerechtes sowie gesamtheitliches Lernen – in Verbindung mit evolutionären Grundbedürfnissen, in Beziehung, Bewegung, in der Natur und mit ganz viel Begeisterung.
Eine Schule, die nicht mehr dazu dient, ein Machtsystem mit Überwachung, Bestrafung und Anpassung abzusichern, sondern die Entfaltung freier, starker Persönlichkeiten ermöglicht, die ihre Berufung finden und (aus)leben dürfen.
Ich wünsche mir, dass dieses Buch euch wunderbaren Eltern Mut und Einsicht gibt, den Blickwinkel zu wechseln und alte Glaubenssätze sowie Regeln zu hinterfragen. Das wünsche ich auch euch, ihr großartigen Lehrkräfte, die ihr Unglaubliches jeden Tag aufs Neue meistert. Denn die Herausforderungen werden immer größer! Ihr seid oft gefangen im Schulsystem, das euch zwingt, als Weisungsempfänger in der Schulhierarchie zu funktionieren und sich der Verwaltung, administrativen Herausforderungen sowie den veralteten Lehrplänen und Unterrichtsmethoden zu unterwerfen. Dies alles geschieht trotz immer größerer Anforderungen wie fehlendem Fachpersonal, Klassen mit unterschiedlichem Leistungsniveau der einzelnen Schüler, ein Sammelsurium aus bildungsnahen und bildungsfernen Familien, einer steigenden Zahl von Kindern mit Migrationshintergrund, gestrichenen Geldern und mangelnder Anerkennung sowie angemessener Vergütung.
Wenn ihr dieses Buch in den Händen haltet, dann ist das ein großer Schritt in die richtige Richtung, um neue, zeitgemäße und kindgerechte Wege zu gehen. Noch (!) könnt ihr eure Kinder in Deutschland nicht aus dem System Schule nehmen, herrscht hier doch die Schulpflicht (anders als in Ländern wie Österreich oder der Schweiz). Ihr könnt allerdings euren Kindern im System Schule den Rücken stärken und ihnen zeigen, dass sie gut sind, so wie sie sind. Gerade dann, wenn sie nicht ins Raster Regelschule passen. Vielleicht ist genau das ihr und unser größtes Geschenk.
Diesbezüglich schließe ich mich den so trefflich formulierten Worten des großartigen Hirnforschers Gerald Hüther an:
„Jedes Kind ist hochbegabt!“
Viel Spaß beim ENT-WICKELN und der vollen POTENZIAL-ENTFALTUNG deines Kindes wünscht dir
Deine
Birgitta Schmeißer
Break the Rules #1
Vermeide den Fehler
„Den größten Fehler, den man im Leben machen kann, ist,
immer Angst zu haben, einen Fehler zu machen.“
(Dietrich Bonhoeffer)
Wenn wir als Kleinkind das Laufen lernen, legen wir pro Tag 14.000 Schritte zurück und fallen dabei etwa 100-mal hin. Geht man davon aus, dass ein Kleinkind am Tag sechs Stunden wach ist und nicht schläft, macht das nach Adam Riese 17-mal Hinfallen pro Stunde.
Ein Kind ist intrinsisch motiviert, bei einem Misserfolg immer wieder aufzustehen und es erneut zu versuchen. Zusätzlich wird es von den Eltern und dem Umfeld „sizilianisch“ (… die Sizilianer sind ja bekanntlich, wie alle Italiener, die Weltmeister im Loben bei Kindern) gelobt und ermutigt, nicht aufzugeben und weiterzumachen.
Undenkbar die Vorstellung, dass das Kind beim Laufenlernen nach dem ersten Hinfallen sich weigert, es erneut zu versuchen, und den Eltern signalisiert:
So, ich habe jetzt (nicht nur die Windel, sondern auch) die Nase voll und schlage „Wurzeln“ im Kinderwagen!
Liebe Eltern, Ihr habt jetzt den Joker gezogen und dürft mich ein Leben lang durch die Weltgeschichte kutschieren.
Und so wie beim Laufenlernen geht es mit allen Fertigkeiten, die wir noch nicht können und lernen dürfen. Sei es das eigenständige aufs Töpfchen gehen, das selbstständige Anziehen oder der Umgang mit Messer und Gabel beim Essen.
Schulnoten werden hierfür nicht vergeben.
Eine amüsante Vorstellung, für das Sockenanziehen die Note „4–“ zu bekommen, da man aus zwei verschiedenen Sockenpaaren z. Bsp. eine Tigersocke mit einer Dinosauriersocke kombiniert und die Tigersocke auch noch „auf links“ gedreht ist.
Der Ernst des Lebens fängt dann mit der Einschulung an. Kaum kommen wir in die Schule, dreht sich das Blatt um 180 Grad.
Ab diesem Zeitpunkt wird uns eingeimpft, dass es das oberste Gebot ist, Misserfolg und Fehler zu vermeiden. Noch schlimmer, man wird für einen Fehler sanktioniert und zu einem Fehlervermeider (v)erzogen.
Die Kinder entwickeln sog. „Anti-Fehler-Programme“, um Fehler zu vermeiden und in der Schule und in der Gesellschaft nicht „blöd“ dazustehen.
Wir Menschen sind die einzigen Lebewesen, die bei der Begehung von Fehlern Schuldgefühle und Minderwertigkeitskomplexe haben. Diese bringen natürlich negative Emotionen mit sich, die es zu vermeiden gilt. Zu diesen „Anti-Fehler-Programmen“ kann es in der Schulzeit gehören, sich aus Angst weniger bzw. nicht zu melden und seine eigenen Ideen und Vorstellungen nicht in die Außenwelt zu bringen, sich zurückzunehmen und anzupassen sowie sein eigenes Potenzial zu begrenzen und sich nicht weiterzuentwickeln.
Dieses Gefühl der Angst und der Demütigung kenne ich nur allzu gut aus eigener schmerzlicher Erfahrung aus meiner Schulzeit.
Ich weiß noch, als wäre es gestern, wie ich in der 7. Klasse meines strengen und konservativen Gymnasiums, auf das ich von meinem Vater gezwungen wurde, um Latein zu lernen (ich wollte viel lieber Französisch lernen und mit meinen besten Freundinnen auf ein weniger prestigeträchtiges Gymnasium gehen), von meiner strengen Deutschlehrerin Frau D. – vor der gesamten Klasse (!) – aus dem Lateinunterricht raus zitiert wurde.
Der nach Desinfektions- und Linoleumreinigungsmittelgeruch des nüchtern gehaltenen Schulflures des alten Schulgebäudes, das – durch die hohen Decken und großen Säulen – wie ein angsteinflößendes Gerichtsgebäude mich noch kleiner, als ich mich eh schon fühlte, machte, liegt mir noch heute stechend in der Nase.
Frau D., die ihrem äußeren Erscheinungsbild zu urteilen eine Kopie von der „Denver-Clan-Blondine Krystle Carrington“ (für die jüngeren Semester: Der Denver-Clan war in den 90er-Jahren eine amerikanische Fernsehserie mit Kultstatus, die auch die deutschen Bildschirme eroberte) darstellte, rollte mit den Augen, verzog ihr Gesicht und hielt mir schnaufend ein aufgeschlagenes Diktatheft direkt unter die Nase.
Die Verfasserin der Handschrift besagten Schulheftes war mir sehr wohl bekannt. Es handelte sich eindeutig um meine Wenigkeit. Heute würde ich sagen: um meine Großartigkeit! Da half jetzt auch kein Stoßgebet mehr, nach dem Motto: „Lieber Gott, lass Lücke wachsen!“. Da musste ich jetzt durch!
Der Text meines Heftes war mit unzähligen roten Randbemerkungen und durchgestrichenen Wörtern sowie Buchstaben übersät. Man hätte meinen können, eine rote Farbbombe wäre zwischen den Seiten explodiert.
Frau D. donnerte:
„Birgitta, Du hast 36 Fehler!“
Das war schließlich nicht zu übersehen. War doch alles überdimensional und mit einer gefühlten Kohorte von roten F’s markiert.
„Du musst Dich wirklich mehr anstrengen und üben, sonst schaffst Du das Probehalbjahr nicht!“ zischte Frau D.
Von den restlichen 234 Wörtern, die ich richtig geschrieben hatte, unter 100 % Einsatz mein Bestes zu geben (ich hatte ja nicht nebenbei ein Micky-Maus-Heft gelesen, Handys gab es ja als Ablenkungstool zu diesem Zeitpunkt noch nicht), erwähnte sie nichts.
Immerhin, um in der Welt der Zahlen zu bleiben, hatte ich 87 % richtig geschrieben und nur 13 % der Wörter noch (!) nicht adäquat auf das Papier gebracht.
Noch heute, 35 Jahre später, bin ich von dieser gefühlten „Hinrichtung“ und Demütigung zutiefst tangiert.
Immer wieder frage ich mich: Warum fällt es Lehrkräften und Erwachsenen so schwer, den Fokus bzw. das Scheinwerferlicht nicht auf das zu lenken, was halt (noch nicht) klappt bzw. auf die scheinbaren Schwächen, als den Lichtstrahl auf das zu richten, was gelingt?
Der Lehrauftrag müsste doch die Entwicklung, das „Auswickeln“ des vollen Potenzials bzw. das Wachstum und nicht die „Schrumpfung“ des Kindes als Zielsetzung haben.
Wie wichtig ist es doch, Schüler und Schülerinnen zu motivieren und zu ermutigen, Fehler zu wagen, daraus zu lernen und es beim nächsten Mal anders bzw. besser zu machen, sich eigenständig zu entwickeln, anstatt die Angst zu schüren, Fehler zu begehen.
Wo doch bekannt ist, dass Angst der größte Killer von Leistung und Fortschritt ist und Kreativität nur in einem angstfreien Umfeld entstehen kann.
Hierzu eine kleine Geschichte:
„Der geniale Erfinder Thomas Alva Edison erfand 1879 die Glühlampe.
Er unternahm fast 9000 Versuche, bis er die Glühlampe zur Marktreife entwickelte.
Nach dem 1000. Versuch sprach ein Mitarbeiter vom Scheitern.
Edison erwiderte:
„Ich bin nicht gescheitert. Ich kenne jetzt 1000 Wege, wie man keine Glühlampe baut.“
Was wäre, wenn er entmutigt aufgegeben hätte, sich wegen seiner Fehler und seines Scheiterns gegrämt hätte?“
Wie oft gibt man viel zu schnell auf, aus Angst, erneut zu scheitern oder sich im Außen lächerlich zu machen? Da sollten wir uns doch lieber an das Mindset von Edison halten: Fehler und Rückschläge als Möglichkeit nutzen, zu lernen, um weiter an der Lösung zu arbeiten, um seinem Ziel näher zu kommen.
Und hast du schon einmal bemerkt, dass die Worte Fehler und Helfer aus den gleichen Buchstaben bestehen?
Erfolgreiche Fehler:
10 sensationelle Dinge, die nur zufällig durch Fehlschläge erfunden wurden:
Sekundenkleber, Champagner, Kaffee, Klettverschluss, Kartoffelchips, Tarte Tatin, Penicillin, Feuerwerk, Streichhölzer, Post-it
Praxis-Tipp:
Wenn dein Kind einen Fehler macht, dann sage:
„Glückwunsch! Da ist unser Helfer! Was sagt er uns?
Wir dürfen wieder etwas lernen und wachsen!“
...
Das Problem sind nicht die Kinder –
das Problem ist das System
Kinder, die heute in Regelschulen als „Systemsprenger“ gelten, sind keine ungezogenen Störenfriede, die den Unterricht sprengen. Sie sind die sensiblen Fühler einer Gesellschaft und Bildungspolitik sowie eines veralteten Schulsystems, in denen etwas grundlegend schiefläuft. Sie sprengen nicht das System und sind das Problem – sondern sie zeigen das Problem, was am System nicht mehr funktioniert.
Denn unser Schulsystem ist nicht zeitgemäß. Im Kern ist es ein Relikt des 19. Jahrhunderts. Es wurde nicht geschaffen, um Kinder in ihrer Einzigartigkeit zu fördern und ihre Potenziale zu entfalten. Das Ziel war ein anderes: Menschen zu formen – zu Soldaten, fleißigen Arbeitern, gehorsamen Untertanen. Schule diente als Werkzeug des Staates, um Ordnung, Kontrolle und Machterhalt zu sichern.
Eigenständiges Denken, Hinterfragen, Kreativität, Individualität? Unerwünscht! Stattdessen: Gleichmacherei, Disziplin, Bewertung, Konditionierung und strikte Anpassung. Wer nicht in die vorgesehene Form passte, wurde gebrochen und passend gemacht, bestraft oder aus der (überlebenswichtigen) Gemeinschaft ausgeschlossen.
Und genau diese Strukturen prägen bis heute noch viele Klassenzimmer: Kinder sollen stillsitzen, folgen, funktionieren. Lernen bedeutet oft noch Frontalunterricht, stumpfsinniges Auswendiglernen, Drill und Bewertung statt Explorationsfreude, Neugier, Beziehung und Sinn. Noch immer wird Bildung zu oft als hierarchische Einbahnstraße verstanden – nicht als lebendiger, wechselseitiger Prozess auf Augenhöhe, der sich an den individuellen Bedürfnissen und Interessen des Kindes orientiert, Spaß macht und sinnerfüllend ist. Wieso werden Kinder nicht in die Gestaltung von Schulen, Unterrichtsformen und des Lehrplanes miteinbezogen und haben Mitspracherecht? Sie sind doch die „Kunden“. Wie lange würde ein Unternehmen namens Schule am freien Markt überleben, wenn die Kundenzufriedenheit so zu wünschen übriglässt?
Wir leben längst im 21. Jahrhundert – in einer Welt, die sich rasant verändert: Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, globale Vernetzung, komplexe Herausforderungen. Die Anforderungen an junge Menschen haben sich drastisch gewandelt. Berufe, auf die Kinder in unseren Schulen momentan vorbereitet werden, wird es nach Beendigung ihrer Schullaufbahn nicht mehr geben. Was heute zählt, sind Flexibilität, schnelle Anpassung an den Wandel äußerer Umstände, Kreativität, Kommunikation, emotionale Intelligenz und eigenständiges Denken sowie verantwortungsvolles Handeln.
Wenn unser Schulsystem – wie erwähnt – noch immer von veralteten Strukturen geprägt ist, dann dürfen wir uns nicht wundern, dass Kinder, die anders denken, fühlen oder handeln, als „Systemsprenger“ abgestempelt werden. In Wahrheit sind sie die Mutigen, die uns zeigen, dass Anpassung und Gehorsam längst keine Schlüssel zum Erfolg mehr sind.
Denn: In einer Welt, die sich rasant verändert, ist nicht der brave Mitläufer gefragt – sondern die kreative Querdenkerin, der neugierige Hinterfrager, der nicht zögert zu handeln, die mutige Gestalterin. Das sind die Problemlöser von morgen!
Und genau das unterstreicht auch das Ergebnis meiner zahlreichen Recherchen. Dabei habe ich immer wieder festgestellt: Die Menschen, die heute als erfolgreich, sehr erfolgreich – auf allen Ebenen – gelten, die Verantwortung für sich und für andere übernehmen, die Gesellschaft tragen sowie ein selbstbestimmtes, glückliches und sinnerfülltes Leben führen, haben eine verblüffende Gemeinsamkeit:
Sie alle brechen Regeln!
Und damit meine ich nicht gesetzliche Regeln wie z. B. die Straßenverkehrsordnung, die unser Zusammenleben schützen. Sondern überholte Glaubenssätze, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden: „Sei brav“ – „Mach es allen recht“ – „Tu, was dir gesagt wird“ – „Vermeide Fehler“
Diese Regeln – oft tief verankert – verhindern, dass Kinder sich selbst, ihre Genialität und ihre Bedürfnisse entdecken, ihr Potenzial entfalten und in die Kraft kommen, ihre Träume umzusetzen.
In diesem Buch findest du 10 solcher Regeln. Und du erfährst, warum es nicht nur erlaubt, sondern notwendig ist, sie zu brechen – um zu wachsen, sich selbst treu zu bleiben und erfolgreich, glücklich und erfüllt zu leben.
„Systemsprenger? Ja bitte!“ ist ein Plädoyer für eine neue Schule:
Eine Schule, die Kinder nicht mehr verbiegen, bewerten, sondern in ihrer Entwicklung begleiten will.
Eine Schule, die Raum schafft für Individualität, Kreativität und gehirngerechtes sowie gesamtheitliches Lernen – in Verbindung mit evolutionären Grundbedürfnissen, in Beziehung, Bewegung, in der Natur und mit ganz viel Begeisterung.
Eine Schule, die nicht mehr dazu dient, ein Machtsystem mit Überwachung, Bestrafung und Anpassung abzusichern, sondern die Entfaltung freier, starker Persönlichkeiten ermöglicht, die ihre Berufung finden und (aus)leben dürfen.
Ich wünsche mir, dass dieses Buch euch wunderbaren Eltern Mut und Einsicht gibt, den Blickwinkel zu wechseln und alte Glaubenssätze sowie Regeln zu hinterfragen. Das wünsche ich auch euch, ihr großartigen Lehrkräfte, die ihr Unglaubliches jeden Tag aufs Neue meistert. Denn die Herausforderungen werden immer größer! Ihr seid oft gefangen im Schulsystem, das euch zwingt, als Weisungsempfänger in der Schulhierarchie zu funktionieren und sich der Verwaltung, administrativen Herausforderungen sowie den veralteten Lehrplänen und Unterrichtsmethoden zu unterwerfen. Dies alles geschieht trotz immer größerer Anforderungen wie fehlendem Fachpersonal, Klassen mit unterschiedlichem Leistungsniveau der einzelnen Schüler, ein Sammelsurium aus bildungsnahen und bildungsfernen Familien, einer steigenden Zahl von Kindern mit Migrationshintergrund, gestrichenen Geldern und mangelnder Anerkennung sowie angemessener Vergütung.
Wenn ihr dieses Buch in den Händen haltet, dann ist das ein großer Schritt in die richtige Richtung, um neue, zeitgemäße und kindgerechte Wege zu gehen. Noch (!) könnt ihr eure Kinder in Deutschland nicht aus dem System Schule nehmen, herrscht hier doch die Schulpflicht (anders als in Ländern wie Österreich oder der Schweiz). Ihr könnt allerdings euren Kindern im System Schule den Rücken stärken und ihnen zeigen, dass sie gut sind, so wie sie sind. Gerade dann, wenn sie nicht ins Raster Regelschule passen. Vielleicht ist genau das ihr und unser größtes Geschenk.
Diesbezüglich schließe ich mich den so trefflich formulierten Worten des großartigen Hirnforschers Gerald Hüther an:
„Jedes Kind ist hochbegabt!“
Viel Spaß beim ENT-WICKELN und der vollen POTENZIAL-ENTFALTUNG deines Kindes wünscht dir
Deine
Birgitta Schmeißer
Break the Rules #1
Vermeide den Fehler
„Den größten Fehler, den man im Leben machen kann, ist,
immer Angst zu haben, einen Fehler zu machen.“
(Dietrich Bonhoeffer)
Wenn wir als Kleinkind das Laufen lernen, legen wir pro Tag 14.000 Schritte zurück und fallen dabei etwa 100-mal hin. Geht man davon aus, dass ein Kleinkind am Tag sechs Stunden wach ist und nicht schläft, macht das nach Adam Riese 17-mal Hinfallen pro Stunde.
Ein Kind ist intrinsisch motiviert, bei einem Misserfolg immer wieder aufzustehen und es erneut zu versuchen. Zusätzlich wird es von den Eltern und dem Umfeld „sizilianisch“ (… die Sizilianer sind ja bekanntlich, wie alle Italiener, die Weltmeister im Loben bei Kindern) gelobt und ermutigt, nicht aufzugeben und weiterzumachen.
Undenkbar die Vorstellung, dass das Kind beim Laufenlernen nach dem ersten Hinfallen sich weigert, es erneut zu versuchen, und den Eltern signalisiert:
So, ich habe jetzt (nicht nur die Windel, sondern auch) die Nase voll und schlage „Wurzeln“ im Kinderwagen!
Liebe Eltern, Ihr habt jetzt den Joker gezogen und dürft mich ein Leben lang durch die Weltgeschichte kutschieren.
Und so wie beim Laufenlernen geht es mit allen Fertigkeiten, die wir noch nicht können und lernen dürfen. Sei es das eigenständige aufs Töpfchen gehen, das selbstständige Anziehen oder der Umgang mit Messer und Gabel beim Essen.
Schulnoten werden hierfür nicht vergeben.
Eine amüsante Vorstellung, für das Sockenanziehen die Note „4–“ zu bekommen, da man aus zwei verschiedenen Sockenpaaren z. Bsp. eine Tigersocke mit einer Dinosauriersocke kombiniert und die Tigersocke auch noch „auf links“ gedreht ist.
Der Ernst des Lebens fängt dann mit der Einschulung an. Kaum kommen wir in die Schule, dreht sich das Blatt um 180 Grad.
Ab diesem Zeitpunkt wird uns eingeimpft, dass es das oberste Gebot ist, Misserfolg und Fehler zu vermeiden. Noch schlimmer, man wird für einen Fehler sanktioniert und zu einem Fehlervermeider (v)erzogen.
Die Kinder entwickeln sog. „Anti-Fehler-Programme“, um Fehler zu vermeiden und in der Schule und in der Gesellschaft nicht „blöd“ dazustehen.
Wir Menschen sind die einzigen Lebewesen, die bei der Begehung von Fehlern Schuldgefühle und Minderwertigkeitskomplexe haben. Diese bringen natürlich negative Emotionen mit sich, die es zu vermeiden gilt. Zu diesen „Anti-Fehler-Programmen“ kann es in der Schulzeit gehören, sich aus Angst weniger bzw. nicht zu melden und seine eigenen Ideen und Vorstellungen nicht in die Außenwelt zu bringen, sich zurückzunehmen und anzupassen sowie sein eigenes Potenzial zu begrenzen und sich nicht weiterzuentwickeln.
Dieses Gefühl der Angst und der Demütigung kenne ich nur allzu gut aus eigener schmerzlicher Erfahrung aus meiner Schulzeit.
Ich weiß noch, als wäre es gestern, wie ich in der 7. Klasse meines strengen und konservativen Gymnasiums, auf das ich von meinem Vater gezwungen wurde, um Latein zu lernen (ich wollte viel lieber Französisch lernen und mit meinen besten Freundinnen auf ein weniger prestigeträchtiges Gymnasium gehen), von meiner strengen Deutschlehrerin Frau D. – vor der gesamten Klasse (!) – aus dem Lateinunterricht raus zitiert wurde.
Der nach Desinfektions- und Linoleumreinigungsmittelgeruch des nüchtern gehaltenen Schulflures des alten Schulgebäudes, das – durch die hohen Decken und großen Säulen – wie ein angsteinflößendes Gerichtsgebäude mich noch kleiner, als ich mich eh schon fühlte, machte, liegt mir noch heute stechend in der Nase.
Frau D., die ihrem äußeren Erscheinungsbild zu urteilen eine Kopie von der „Denver-Clan-Blondine Krystle Carrington“ (für die jüngeren Semester: Der Denver-Clan war in den 90er-Jahren eine amerikanische Fernsehserie mit Kultstatus, die auch die deutschen Bildschirme eroberte) darstellte, rollte mit den Augen, verzog ihr Gesicht und hielt mir schnaufend ein aufgeschlagenes Diktatheft direkt unter die Nase.
Die Verfasserin der Handschrift besagten Schulheftes war mir sehr wohl bekannt. Es handelte sich eindeutig um meine Wenigkeit. Heute würde ich sagen: um meine Großartigkeit! Da half jetzt auch kein Stoßgebet mehr, nach dem Motto: „Lieber Gott, lass Lücke wachsen!“. Da musste ich jetzt durch!
Der Text meines Heftes war mit unzähligen roten Randbemerkungen und durchgestrichenen Wörtern sowie Buchstaben übersät. Man hätte meinen können, eine rote Farbbombe wäre zwischen den Seiten explodiert.
Frau D. donnerte:
„Birgitta, Du hast 36 Fehler!“
Das war schließlich nicht zu übersehen. War doch alles überdimensional und mit einer gefühlten Kohorte von roten F’s markiert.
„Du musst Dich wirklich mehr anstrengen und üben, sonst schaffst Du das Probehalbjahr nicht!“ zischte Frau D.
Von den restlichen 234 Wörtern, die ich richtig geschrieben hatte, unter 100 % Einsatz mein Bestes zu geben (ich hatte ja nicht nebenbei ein Micky-Maus-Heft gelesen, Handys gab es ja als Ablenkungstool zu diesem Zeitpunkt noch nicht), erwähnte sie nichts.
Immerhin, um in der Welt der Zahlen zu bleiben, hatte ich 87 % richtig geschrieben und nur 13 % der Wörter noch (!) nicht adäquat auf das Papier gebracht.
Noch heute, 35 Jahre später, bin ich von dieser gefühlten „Hinrichtung“ und Demütigung zutiefst tangiert.
Immer wieder frage ich mich: Warum fällt es Lehrkräften und Erwachsenen so schwer, den Fokus bzw. das Scheinwerferlicht nicht auf das zu lenken, was halt (noch nicht) klappt bzw. auf die scheinbaren Schwächen, als den Lichtstrahl auf das zu richten, was gelingt?
Der Lehrauftrag müsste doch die Entwicklung, das „Auswickeln“ des vollen Potenzials bzw. das Wachstum und nicht die „Schrumpfung“ des Kindes als Zielsetzung haben.
Wie wichtig ist es doch, Schüler und Schülerinnen zu motivieren und zu ermutigen, Fehler zu wagen, daraus zu lernen und es beim nächsten Mal anders bzw. besser zu machen, sich eigenständig zu entwickeln, anstatt die Angst zu schüren, Fehler zu begehen.
Wo doch bekannt ist, dass Angst der größte Killer von Leistung und Fortschritt ist und Kreativität nur in einem angstfreien Umfeld entstehen kann.
Hierzu eine kleine Geschichte:
„Der geniale Erfinder Thomas Alva Edison erfand 1879 die Glühlampe.
Er unternahm fast 9000 Versuche, bis er die Glühlampe zur Marktreife entwickelte.
Nach dem 1000. Versuch sprach ein Mitarbeiter vom Scheitern.
Edison erwiderte:
„Ich bin nicht gescheitert. Ich kenne jetzt 1000 Wege, wie man keine Glühlampe baut.“
Was wäre, wenn er entmutigt aufgegeben hätte, sich wegen seiner Fehler und seines Scheiterns gegrämt hätte?“
Wie oft gibt man viel zu schnell auf, aus Angst, erneut zu scheitern oder sich im Außen lächerlich zu machen? Da sollten wir uns doch lieber an das Mindset von Edison halten: Fehler und Rückschläge als Möglichkeit nutzen, zu lernen, um weiter an der Lösung zu arbeiten, um seinem Ziel näher zu kommen.
Und hast du schon einmal bemerkt, dass die Worte Fehler und Helfer aus den gleichen Buchstaben bestehen?
Erfolgreiche Fehler:
10 sensationelle Dinge, die nur zufällig durch Fehlschläge erfunden wurden:
Sekundenkleber, Champagner, Kaffee, Klettverschluss, Kartoffelchips, Tarte Tatin, Penicillin, Feuerwerk, Streichhölzer, Post-it
Praxis-Tipp:
Wenn dein Kind einen Fehler macht, dann sage:
„Glückwunsch! Da ist unser Helfer! Was sagt er uns?
Wir dürfen wieder etwas lernen und wachsen!“
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