Alltag & Lebensführung

Sind Männer Tanzbären?

Peter Angst und Anja Fehr

Sind Männer Tanzbären?

Wege zu lustvoller Liebe

Leseprobe:

Einleitende Gedanken – Peter Angst


Ein Artikel mit Folgen

Natürlich war es ein bisschen provokant und leichtsinnig, in einer gut-schweizerischen Familienzeitschrift einen Artikel mit dem Titel Männer sind keine Tanzbären – oder doch? zu platzieren. Danach hagelte es Leserbriefe und Anrufe mit sehr unterschiedlichen Standpunkten: anklagende Frauen mit Rechtfertigungen und aufgescheuchte Männer, die sich gegen diese Metapher der Tanzbären kräftig wehrten. Interessanterweise gab es aber von beiden Geschlechtern auch positives Feedback und wohlwollende Kommentare.
Da die Reaktionen sehr heftig waren und mich in unzählige Diskussionen verwickelten, begann ich, meine Thesen, die ich mit einem zwinkernden Auge geschrieben hatte, nochmals zu überdenken und etwas ausführlicher zu beschreiben. Damit dieses Buch aber nicht allzu theorielastig und umfangreich wird, werde ich doch eher kurz in meinen Aussagen bleiben und Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, das vertiefte Nachdenken überlassen.
Sicher werden nun einige Rosinen pickende Journalistinnen oder einäugige Journalisten verärgert „frauenfeindliche Sätze“ aus dem Kontext reißen, mit einem eigenen Kommentar böse kontern und versuchen, mich in die böse Ecke zu stellen. Nun habe ich bereits Buße und Vorsicht walten lassen und allzu provokante Sätze wieder entfernt, weil ich die Frauen immer noch sehr schätze und bewundere und gerne den friedlichen Dialog mit ihnen suche.
Und weil wir, Weibchen und Männchen, nur gemeinsam einen Ausweg aus der jetzigen Geschlechtertragödie finden können, habe ich eine junge, intelligente Paarberaterin gebeten, kritisch und offen zur ganzen Problematik Stellung zu nehmen, damit schon in diesem Buch eine gleichwertige, partnerschaftliche Ausgeglichenheit herrscht, die zur kernigen Wahrheitsfindung dringend notwendig ist.
Anschließend werden wir – eine junge Fachfrau und ich alter Mann – versuchen, gemeinsam einige Impulse für ein besseres Miteinander zu geben. Dabei werden wir zwei wichtige Themen deutlich beim Namen nennen: die Sexualität und die Treue. Mit unseren Ansichten werden wir auch dort wunderbar „missverstanden“ werden können. Und doch macht es Sinn, offen darüber nachzudenken. Im Bewusstsein, dass Ehen und Partnerschaften immer ewige Baustellen sein werden und dass sich das Liebesglück immer ein bisschen verstecken wird. Dafür bleiben liebende und suchende Menschen in Aufbruch und Vitalität.
Der nun folgende Artikel eines besorgten älteren Paartherapeuten mag auch das Ergebnis eines übermüdeten Helfers sein, der überall nur noch Probleme sieht. Oder mit Maslow gesprochen: „Wenn ihr einziges Werkzeug der Hammer ist, neigen sie dazu, jedes Problem für einen Nagel zu halten.“


Männer sind keine Tanzbären – oder doch?

Vielleicht ist es höchste Zeit, meinen Traumberuf als Paarberater aufzugeben, denn ich sehe überall nur noch Tanzbären! Tagtäglich kommen selbstsichere Frauen in meine Praxis mit einem Tanzbären an der Leine. Unaufgefordert eröffnen die Ehefrauen meist wortgewandt, an was es dem Bären mangele, wie schlecht er tanze und was er dringend zu ändern habe. Keine Silbe wird verloren über mögliche Mängel der Bärenführerinnen.
Seltsamerweise begegne ich aber nicht nur an meinem Arbeitsplatz den Tanzbären. Überall treffe ich sie, die männlichen Bären an unsichtbaren, kurzen oder langen Leinen. Gut genährt sitzen sie neben den Bärinnen, üben aktives Zuhören und sind froh, wenn sie nicht reden müssen. Oder ich sehe sie die Einkaufstaschen schleppen und wie sie ab und zu verstohlen nach den jungen Bärinnen gucken.
Natürlich werde ich nun mit diesen Zeilen von feministischer Bärinnenseite mit Steinen beworfen werden, oder ich bekomme eine Anklage von den Tierschützerinnen. Und sicher werden mir die chronischen Frauenversteher böse in den Rücken beißen. Aber ich kann nicht anders! Nun muss ich diese Beobachtung der Welt mitteilen. Bereits verlieren die männlichen Bären neben ihrem Haar auch ihre Potenz. Denn mit Leichtigkeit werden sie von den heutigen Bärinnen mit ihrer verbalen Überlegenheit leise „kastriert“. Die Erwartungen sind bedrohlich hoch geworden. Die verunsicherten Tanzbären werden gegenwärtig so hart geführt, dass sie immer weniger selbst „verführen“ können. Der wilde Bär ist längst zu einem Kuschelbär verkommen. Und die wenigen Wilden in den kitschigen Filmen oder im Bündnerland sind ebenfalls längst unter Kontrolle. Ich werde anhand der nun folgenden Umschreibungen belegen, dass dieses neuzeitliche Tanzbären-Phänomen bereits alle Generationen erfasst hat.
Beginnen wir mit den Jungbären: Es ist beeindruckend und zugleich beängstigend, wie die heutigen jungen, bildhübschen und gestylten Bärinnen eine Sicherheit ausstrahlen und mit ihrem lockeren, selbstbewussten Fordern den Takt der jungen Tanzbären angeben. Zu Tausenden hüpfen nun die bubenhaften Jungbären bis zur Erschöpfung durch die überfüllten Diskotheken, saufen und hoffen Wochenende um Wochenende, dass sie noch in dieser Nacht endlich von einer jungen Bärin entdeckt und belohnt werden. Die jungen Bärinnen aber beherrschen die Szene, sie beurteilen, sie bestimmen, sie entscheiden, ob „es“ tatsächlich stattfinden wird. Sie belohnen knallhart die am besten auftretenden Balzbären. Vorbei die Zeiten, in denen die Jungbären die Weibchen zum Tanz auswählten. Vorbei auch die Zeit, in der die Jungbären stolz ihre Brusthaare wachsen ließen. Heute rasieren sie den ganzen Körper, parfümieren sich und duschen täglich, so als wollten sie lieber Bärinnen sein.
Szenen der Mitte-Bären: Die weiblichen Jungbären wollen Familien und sie bekommen sie auch. Nun hat die Bärin ein, zwei oder drei kleine Jungbären, die sie liebevoll pflegt und beschützt wie eine richtige Bärenmutter. Dafür wird sie von den kleinen Teddybären heiß geliebt und gebraucht, so sehr, dass sie den alten Bären mit seinen Bedürfnissen eigentlich nur noch als störend empfindet. Ihre Liebe gilt nun ganz den Kleinbären. Der alte Brummbär soll gefälligst genügend Futter nach Hause bringen, ohne Gebrumm in der Bärenhöhle sein Amt erledigen und wenn er motzt, bekommt er sofort Liebesentzug aufgebrummt. Oder noch brutaler: Er wird in eine Therapie geschleppt. Dort wird eine weibliche Therapeutin psychologisch und pfannenfertig aufzeigen, dass der Alte tatsächlich ein schwieriger Problembär geworden ist.
Sehr tragisch enden meine Beobachtungen bei den Altbären: Da ist die Not am größten. Denn die Bärin beherrscht die Höhle. Sie hat in all den Jahren die Höhle zu ihrem Reich gemacht und der tapfer arbeitende Bär ist zu Hause längst nur noch der Gast. Nun kommt der pensionierte Bär heim und … er stört. Nun wird es eng für den alten Bären. Entnervt wird ihm mitgeteilt, wo die Hausschuhe zu tragen sind, was Ordnung und Sauberkeit in der Höhle bedeuten. Auch mit dem Futter ist es so: Wenn die alte Bärin auf gesunde Nahrung wie Blätter und Körnli umstellt, dann sind die schönen Fleischtage halt vorbei. Bald fällt der gefährliche Satz: „Es stimmt nicht mehr für mich!“ Ende der Bärenstange. Und wenn es ihm nicht passe, könne er ja gehen. Oft bleibt dann den hilflosen Altbären nur noch der Ausweg in die ewigen Jagdgründe. Vielleicht sterben die Altbären darum einige Jahre früher als ihre Bärinnen. Das alles geschieht längst ohne gesellschaftlichen Aufschrei und ohne Sondersendungen. Im Gegenteil, mit größter Selbstverständlichkeit leben die alten Bärenführerinnen noch ein paar Jährchen und verspeisen am helllichten Tage ihre Schwarzwälder Torten oder bestellen sich noch einen Bärenteller.
Gerechtigkeitshalber muss noch erwähnt werden, dass wir Tanzbären natürlich auch eine gewisse Mitschuld an unserer Tragödie haben. Wir sind träge, weich und faul geworden. Statt bärenstark durch die Wälder zu streifen, hocken wir lieber in den Höhlen, fressen Nüsschen, trinken Bier, gucken fern und lassen uns in Ketten legen.

Auf Seite 119 am Ende des Buches finden Sie verschiedene ernsthafte und amüsante Leserbriefe zu diesem Thema.


Die leisen irdischen Veränderungen

„Der Mann wird abgeschafft.?Und er paktiert mit dieser Entwicklung, statt sich zu wehren. ?Statt mannhaft zu sein, tut er alles, um zu genügen.“
Markus Fäh, Psychologe

Es muss vielleicht gar ein himmlischer Plan dahinter stecken, dass etwas so Verrücktes am helllichten Tage sich verändern konnte und so viele kluge Männer scharenweise überlistete. Dabei haben doch große Männer immer wieder weise und versöhnliche Sätze gesprochen wie: „In der Ehe kommt es darauf an, dass die Fehler zueinander passen“, von Charles de Ligne. Oder wie der humorvolle Oscar Blumenthal sagte: „Wer eine glückliche Ehe führen will, muss bei allen Streitfragen mit mannhafter Energie auf dem Willen seiner Frau bestehen.“
Und Jeremias Gotthelf hat vorausgesagt: „Im Hause muss beginnen, was leuchten soll im Vaterland.“ Paradoxerweise hat nun tatsächlich ein neues „Wetterleuchten“ zu Hause begonnen – nur eben im Frauenland!
Der Wahrheit zuliebe müssen wir hier kurz erwähnen, dass schon in der Frühzeit auf dieser Erde weibliche, stark geprägte Kulturen lange Zeit existiert haben. Und dass damals schon die Macht der Göttinnen und der Priesterinnen in matrizentrischen Gemeinschaften groß und mächtig gewesen ist. Ja, und die Männer brachten lange Zeit tapfer das Frischfleisch ans Lagerfeuer und waren stolz auf ihre Jagdkünste. Dann aber drängten sie immer mehr grob an die Macht. Listig erfanden sie nach und nach ihre männlichen Vorzüge, auch mithilfe religiöser Geschichten und Gesetzgebungen. Ja, sie waren recht erfinderisch, diese eigenartigen Wesen, die nicht einmal gebären konnten. Bald hatte für sie alles seine Richtigkeit und ihre Bevorzugung war himmelschreiend. Auch die Ehe selbst war eine männerfreundliche Erfindung und wurde gar von ihren Religionen und ihren Volksführern abgesegnet – deren Repräsentanten natürlich auch männlich waren.
Wohl war es richtig und fair, dass endlich eine Emanzipation auf Erden stattfand, damit nicht nur der muskelstarke Mann alles innerhalb und außerhalb der Familien bestimmten konnte. Es mussten neue Kompromisse zwischen den Geschlechtern gefunden werden. Aber irgendetwas ist wohl doch aus dem Ruder gelaufen. Weil vieles unmerklich und weiblich geschickt im Kleinen passiert und die Veränderungen nicht männlich laut angekündigt werden, ist es wahrscheinlich für die Männchen schwierig, dieses überbordende Desaster rechtzeitig zu erkennen und zu stoppen. Fast unmerklich leise verändert sich nämlich in unseren göttlichen Ehen für die Männer fast alles zum Schlimmeren. Leider erkennen sie viel zu spät die Tragödie, die innerhalb ihrer Ehen stattfindet. Ja, und wie so oft auf der Welt sind es halt doch die Ringe, die Ketten machen! Das heißt, mit zwei münzkleinen Ringchen, die den männlichen Bären mit viel Romantik und mit Segen der Kirche und des Staates feierlich an die Tatzen gesteckt werden, fängt vieles an. Das Heiraten wird für die Männchen heute oft zur Falle, weil in den Höhlen zu Hause vorwiegend die listigen Weibchen regieren.
Längst hüpfen und hopsen nun junge und alte Männer wie Tanzbären zu Tausenden nach den Wünschen der listigen Frauen und meinen bei aufrechtem Gang und ohne Alkohol, es müsste alles so sein. Viele von ihnen sind aber im Innersten unter ihrem dicken Fell auch tief unglücklich und haben längst ihre Potenz verloren. Dann kompensieren die Aktiven, was das Zeug hält, mit ihrer Willenskraft, schwimmen durch die Meere, flüchten auf die höchsten Berge oder pedalen auf ihren Fahrräder als einsame Cowboys auf den Landstraßen. Der Rest passt sich irgendwie an, hüpft so gut es geht und hofft irgendwann auf längere Leinen, wird depressiv und sehnt sich nach den ewigen Jagdgründen! Ja, längst hat ein Heer von schlauen Frauen die muskelstärkeren Männer ausgehebelt und sie zu tragischen Tanzbären gemacht. Anhand einer anderen Tierart verdeutlicht: Die freien Feldhasen sind längst zu Stallkaninchen verkommen. Aber wie um Gottes Willen ist dies alles nur möglich geworden? Ein Großteil dieser schicksalsvollen Veränderungen hat in unserer Gesellschaft nämlich bereits stattgefunden, ohne männliches Gebrüll und Demonstrationen.
Wahrscheinlich sind die Männer immer noch zu sehr mit der externen Macht, mit Technik, Kriegen und Geldverdienen beschäftigt. Und sie lesen keine Bücher! Reihenweise unterschätzen und vernachlässigen sie das Beziehungsleben und die Macht der Frauen und deren Psychologie. Kurz: Die Männer scheinen den „stillen Wechsel der Macht“ im Partnerleben verschlafen zu haben. Dabei hatte Esther Vilar schon im letzten Jahrhundert in ihrem Buch Der dressierte Mann ziemlich deutlich darauf hingewiesen: „Herr im Haus ist die Frau. Sie dressierte den Mann mit heimtückischen Tricks zum unterwürfigen Sklaven und schickt ihn dann zum Geldverdienen hinaus ins feindliche Leben. Als Gegenleistung stellt sie ihm ihre Vagina in bestimmten Intervallen zur Verfügung.“


Den Frauen gehört die Welt

„Falls Sie etwas erklärt haben möchten, ?fragen Sie einen Mann.?Falls Sie etwas erledigt haben möchten, ?fragen Sie eine Frau.“
Margaret Thatcher

Jetzt haben die Männer die Bescherung. Zwar verdienen sie in den Berufen immer noch mehr als die Frauen, hocken auf verdammt vielen Machtstühlen und hecken immer noch Kriege aus. Aber mit der Gleichberechtigung in Partnerschaften hat sich die Krise intern in den Häusern einseitig zugespitzt. Längst haben die Frauen mehr als ein Wort zu sagen, nicht selten verfügen sie im Beziehungsleben über die Hauptthemen und das letzte Wort. Aber es musste ja so kommen, ihr dösenden Männer: Erfahrungsgemäß tun Frauen mehr fürs Paarleben, jedenfalls mehr als die Männchen – und wer viel „macht“, bekommt bekanntlich mit der Zeit auch viel Macht!
Die Männchen hingegen sind gegenwärtig am Verstummen, verlieren büschelweise ihr Haar und reihenweise ihre natürliche Potenz – dies nicht nur wegen zu engen Hosen und Viagra. Ja, die Lage ist todernst. Auch sterben die Männchen ohne Kriege und trotz Anrecht auf ein gleich langes Leben noch immer früher weg. Während die Weibchen noch einige stattliche Lebensjahre auf Erden verweilen und genüsslich Süßigkeiten verschlingen, sind ihre Männchen schon längst mausetot! Natürlich gibt es deswegen keinen Aufschrei, Sondersendungen oder gar solidarische Protestmärsche.
Nein, Totenstille. Alles ist völlig normal. Ernsthaft: Ist diese gegenwärtige Emanzipation und Frauenpower nicht auch ein bisschen übertrieben? Viele heutige Weibchen machen das Eheleben zu einer Arena. Darin werden die Männchen wie Tanzbären gehalten. Und wenn ihnen die Bändigung des Bären nicht selbst gelingt, zerren sie die armen Kerle in eine Eheberatung. Und wer sitzt dort? Meistens eine emanzipierte Therapeutin mit sehr weiblichen Ansichten.
Darum bräuchte es längst den Appell: Liebe Frauen – mäßigt euch! Drosselt um der Liebe willen euer Tempo. Ihr rennt in die Einsamkeit. Bereits leben in unserem Lande mehr Singles allein in ihren Wohnungen als Familien. Mit wem wollt ihr zukünftig überhaupt noch streiten? Wenn die Männchen nicht mehr Schritt halten können, habt ihr bald nichts Männliches mehr zu lieben und zu hassen. Euch gehört doch sowieso die Zukunft. Oder noch exakter: Die Zukunft ist längst weiblich!
Unsere Schulen und Universitäten sind in weiblichen Händen. Zwar versuchen einige böse Buben immer noch ein bisschen die wilden Männer zu markieren, aber ihnen gehören höchstens noch die Pausenplätze und in den Klassenzimmern sind sie längst ins Hintertreffen geraten.
Eine geschickte Umerziehung findet statt. Nicht nur den alten Bären sagen die Frauen was schlechtes Benehmen ist. Bereits den kleinen Teddys wird resolut beigebracht, dass dümmliches Kräftemessen und sinnloses Umherwirbeln vorbei sei. Und wenn die kleinen Buben allzu wild umherzappeln, dann bekommen sie eine größere Portion Beruhigung verabreicht. Vorwiegend Knaben erhalten gegenwärtig die unglückliche Diagnose ADHS aufgebrummt und nun wird ihnen deswegen tonnenweise Ritalin verfüttert, damit sie ruhig sitzen und endlich ein anständiges mädchenhaftes Verhalten aufweisen.
Die streitbare Alice Schwarzer sagte schon vor langer Zeit sehr erfolgreich ins Mikrofon: „Wenn wir wollen, dass es unsere Töchter einmal leichter haben, müssen wir es unseren Söhnen schwerer machen.“
Und in vielen Büros hängen bereits spöttische Sprüche wie: „Suche fünf mutige Männer oder – eine Frau.“


Männer auf dem Rückzug

„Ich entscheide die großen Dinge und meine Frau die kleinen. ?Welche Dinge groß oder klein sind, bestimmt meine Frau.“
Uwe Seeler

Vorbei sind die Tage, in denen der Mann zu Hause noch bärenstarke Auftritte hatte und das stolze Oberhaupt der Familie war. Mitfühlend muss man den heutigen Männern in unserer Gesellschaft zugestehen, dass sie in einer schwierigen Zeit des schmelzenden Umbruchs leben. Die Rollen haben sich gewaltig verändert, v. Vorwiegend in Partnerschaften und Ehen. Dies lässt sich leicht illustrieren: Während noch vor ein, zwei Generationen ein männerfreundliches Modell zu beobachten war, in dem sie die Chefs der ganzen Familie waren und die Frauen ergeben zudienten, konnten die Herren bereits eine Generation später das Modell nicht mehr halten, ohne dass sie täglich Vorwürfen und Streitereien ausgesetzt waren.
Früher haben die Väter noch dominierend die Erziehung der Söhne und Töchter im Auge behalten. Das heißt, vorwiegend die Buben wurden mehrheitlich von dominierenden Vätern geprägt. Diese durften, wenn sie es für notwendig hielten, ihre kleinen Teddys auf den Rücken werfen oder ihnen einen vorsorglichen, Einhalt gebietenden Klaps versetzen. Nun sind es meistens die Mütter, die kompetent erfühlen, was ihre Söhne fürs Leben brauchen und das letzte Wort in der Familienerziehung haben. Somit werden heute die jungen Männer meist von starken Mütter-Frauen geprägt. Nicht selten schlummern in heutigen Männern auch eigenartige Vorstellungsmuster über sehr starke Frauen aus der Kindheit, die später ihr Mogeln und Fluchtverhalten prägen. All diese enormen Veränderungen unserer Zeit verunsichern viele Männer bis unters Fell und lösen oft konfuse Ängste oder gar Überreaktionen aus.
Und nun hockt der Mann tief in der Tinte. Seine Muskelkraft ist nicht mehr gefragt. Und wehe, wenn er bei Konflikten oder Stress seine Kräfte einsetzt, wie er es über Jahrtausende gemacht hat! Dann rumpelt es böse in der Partnerschaft. Egal, wer den Streit vom Zaun gerissen hat: Schleunigst wird der Mann wegen häuslicher Gewalt – teils sogar mit staatlicher Fürsorge – aus dem Haus gejagt. Und er gilt als böser Problembär!
Aber auch alltäglich präsente wilde Sexualität ist nicht mehr erwünscht. Längst sind die Männer flott anständig zivilisiert worden, da sie höchstens noch im Lustleben auf Abruf gebraucht werden. Leider funktioniert das bei vielen Männern nicht so selbstverständlich und leicht wird er zum impotenten Problembären deklariert. Man erkennt heute leicht zwei Männerarten: einerseits den ewigen „Potenzbären“, der viel Lust und Kreativität besitzt, der aber dummerweise auch beständig hinter den Weibchen her ist. Leicht kann dieser Potenzbär zum Problembären diagnostiziert werden. Und dann gibt es reihenweise den „Vernunftbären“, der sehr weiblich und vernünftig sein kann. Auch mit seiner eigenen Lust geht er sehr sparsam um, eignet sich gut als folgsamer Hausmann und neuerdings auch bestens als Tanzbär.
„Männer sind furchtbar schlau …“, singt Herbert Grönemeyer. Doch mit dem Schlausein, da ist man(n) sich nicht mehr so sicher. Denn im Glasperlenspiel der Partnerschaften benimmt man(n) sich eher weniger schlau und lässt sich leicht von zarten Frauen über den Tisch ziehen. Ja, vielleicht ist es heute einfacher, als aufrichtiges Meerschweinchen auf die Welt zu kommen statt als stolpernder Tanzbär.
Ein kleiner Trost an all meine Tanzbären. Eine kluge Psychologin schrieb einmal: „Über Jahre haben die Frauen den ‚starken Wolf‘ zu einem Schoßhündchen und Haustier gemacht. Einige von ihnen habe nun aber wieder Sehnsucht nach dem alten starken Wolf! Hört, hört ihr die Hoffnung, liebe Bärenbrüder: Vielleicht kommt Morgenröte auf. Und eines Tages werden wir Tanzbären vielleicht wegen alter Sehnsucht von den Leinen gelassen?“

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 132
ISBN: 978-3-99038-861-7
Erscheinungsdatum: 26.02.2015
Durchschnittliche Kundenbewertung: 5
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