Alltag & Lebensführung

Selbstliebe macht glücklich

Marion Rohrbach-Stadler

Selbstliebe macht glücklich

Leseprobe:

Hello Daddy

Dem Entschluss meiner Mutter folgend, welche mir nach dem Tode meines Papis ihren dringlichen Wunsch nach einem Treffen mit meinem leiblichen Vater mitteilte, flogen wir zusammen nach London. Meine Mutter gab sich erst nach dem Tode ihres Mannes das Recht dazu, denn sie hätte ihn zu seinen Lebzeiten nie damit konfrontieren und verletzen wollen. Nun aber hatte sie das tiefe Bedürfnis, das längst Versäumte nachzuholen und mir die Möglichkeit zu geben, meinen leiblichen Vater kennenzulernen, wovon ich allerdings gar nicht angetan war. Ich hatte lernen müssen, mein bisheriges Leben ohne ihn zu leben, und jetzt sollte ich längst vergangene emotionale Verletzungen wieder aufleben lassen, welche ich doch so viele Jahre zu verdrängen und mit ihnen zu leben versucht hatte.
Trotzdem der Gedanke an eine Begegnung zwiespältige Gefühle in mir weckte, spürte ich doch, dass sie für mich und meinen weiteren Lebensweg sehr wichtig war. Und natürlich war ich auch neugierig auf ihn, wobei diese Neugier nur der sichtbare Teil eines Eisberges war, unter welchem ich das tiefe, emotionale Bedürfnis versteckte, meine Herkunft, meine Wurzeln und einen erheblichen Teil meiner eigenen Identität kennenzulernen. Um mich selbst als ganzheitlichen Menschen kennen, verstehen und lieben zu können, musste ich also diesen Schritt wagen. Viele beängstigende Gedanken schossen mir dabei durch den Kopf. Wie würde ich mich fühlen, falls ich ihn unliebenswürdig fände? Wie würde ich darauf reagieren, falls er mich bei unserer ersten Begegnung nicht als seine eigene Tochter anerkennen würde, obwohl es daran keine Zweifel gab? Warum sollte ich ihm überhaupt Wohlwollen entgegenbringen? Hatte er nicht meine schwangere Mutter und mich im Stich gelassen? Mein Ego fand zuerst alle erdenklichen Ausflüchte, um mich dieser Erfahrung zu entziehen, aber intuitiv wusste ich, dass es für mich unausweichlich war, diesen Meilenstein zu überschreiten. Es war mir auch klar geworden, dass alles von meiner inneren Einstellung abhing. Also entschloss ich mich, so positiv und vertrauensvoll wie möglich an diese Sache heranzugehen, denn ich wollte nicht nur mir, sondern auch meiner Mutter zur Möglichkeit verhelfen, die schmerzhafte Vergangenheit in eine bereichernde Gegenwart umzuwandeln. Meine Mutter fand nach einiger Informationssuche seinen Wohnort und seine Telefonnummer. Als sie ihn anrief, war seine Ehefrau aus dritter Ehe am Telefon, welche von dieser ganzen Geschichte keine Ahnung zu haben schien! Natürlich standen meinem leiblichen Vater nun ausführliche Erklärungen bevor, was sicherlich auch für ihn und seine Ehefrau belastend gewesen sein muss.
Am Tage unserer ersten Begegnung trafen wir uns in einem altmodischen Hotel, in welchem meine Mutter und ich untergebracht waren. Mein leiblicher Vater und seine Frau saßen auf einem geblümten Sofa, welches sich in der Blumenstruktur von derjenigen der dahinter liegenden Wandtapete nur wenig abhob. Beide waren sichtlich verlegen und hielten sich an ihren Händen. Meine Mutter, ebenfalls nervös, stellte uns einander vor. Ich konnte nicht umhin, diesen großen, ziemlich gut aussehenden, schlanken Herrn sympathisch zu finden. Er machte auf mich einen eingeschüchterten, aber herzlichen Eindruck, den ich auch von seiner Frau hatte. Sie war diejenige, die mit englischem Small Talk das Gespräch eröffnete – während mich mein Vater sichtlich betroffen und sehr bewegt ansah. In seinen Augen konnte ich wie in einem offenen Buch all das lesen, was nie zwischen uns ausgesprochen worden war – und ich konnte nicht fassen, dass ich schon jetzt eine Vertrautheit zu ihm fühlte, obwohl ich ihn doch noch gar nicht kannte! Meine Mutter und seine Frau ließen uns daraufhin eine Weile alleine, damit wir ungestört miteinander Bekanntschaft schließen konnten – sicherlich war dies auch für meine Mutter und die Ehefrau meines Vaters ein ganz intensiv erlebter Moment. Für jeden von uns überschlugen sich die Gedanken, und jeder war bestrebt, seine Gefühle zu ordnen und die Kontrolle zu bewahren, denn die emotional intensive Spannung war für alle spürbar.
Mein Vater bat mich, mich neben ihn zu setzen. Dann nahm er meine Hand in die seinige und schaute mich mit ausdrucksvollen Augen, die intensive und gemischte Gefühle ausdrückten, an. Er kämpfte sichtlich mit seiner Rührung, welche er vergeblich zu verbergen und zu meistern versuchte. Ich fühlte mich dabei innerlich ebenso aufgewühlt wie er, obwohl auch ich mich bemühte, äußere Haltung zu bewahren. Nach einigen Sekunden wortloser Stille, in denen er meine Hand so innig festhielt, als ob er sie für immer an die seine binden wollte, bat er mich mit fast versagender, rauer Stimme um Verzeihung. Die Tatsache, dass er mich als seine Tochter anerkannte, und seine Bitte um Verzeihen lösten in mir erleichterte Glückstränen aus, welche ich nun nicht mehr verbergen konnte. Es gab für niemanden mehr auch nur den geringsten Zweifel. Wenn unsere Gefühle hörbar gewesen wären, dann hätte wohl in diesem Moment das Largo von Händel ertönt! Dieser Moment war überwältigend und reichte weit über alles hinaus, was ich je zu träumen gewagt hatte. Die emotionale Distanz, welche wir beide soeben noch als Selbstschutz versucht hatten, aufrecht zu erhalten, gab es nicht mehr! Nun gab es kein Zurück in verletzten Stolz, in vergangene Kränkungen, Anschuldigungen und in längst verjährte Lügen mehr – es gab nur noch einen Vater und seine Tochter, welche sich einander auf eine seltsame, unerklärbare Weise bereits nahe standen, obwohl sie sich zum ersten Male in ihrem Leben in die Arme schlossen.
Ich war den Rest dieses Tages von der Intensität meiner Gefühle wie benommen und brauchte ein paar Stunden Zeit, um das Erlebte zu verinnerlichen. Aber ich fühlte mich auch sehr glücklich, ihn kennengelernt zu haben. Hätte ich meine Ängste vor erneuten emotionalen Verletzungen nicht überwunden und hätte ich mich in Anschuldigungen ihm gegenüber gefangen gehalten, dann hätte ich mich selbst um diese, für mein inneres Gleichgewicht lebenswichtige Erfahrung gebracht. Auch für meine Mutter war die Tatsache, dass ich dank ihrer Entscheidung meinen Vater endlich kennengelernt hatte, eine vollbrachte „Wiedergutmachungsaktion“, welche ihr schrittweise half, ihm und sich selbst zu verzeihen.
In den darauf folgenden Jahren haben sich mein Daddy, wie ich ihn fortan nannte, und ich ein paar Mal in der Schweiz und in England getroffen. Sehr berührt war ich, als ich erfuhr, dass er aus erster Ehe einen Sohn und eine Tochter hatte, die Julia hieß … Was für ein bedeutungsvolles Augenzwinkern des Lebens, welches mir zuerst meine Lieblingspuppe Julia und dann eine Schwester namens Julia geschenkt hatte. Obwohl meine Schwester Julia von meinem Daddy von meiner Existenz erfahren hatte, habe ich sie jedoch nie getroffen. Ich weiß nur, dass sie mit ihrem italienischen Ehemann glücklich verheiratet ist und sechs Kinder hat!
Dies ist nun schon über zehn Jahre her, in denen ich und mein Daddy wöchentlich in telefonischem Kontakt stehen. Ich kann dazu sagen, dass ich in ihm weniger einen Vater als einen väterlichen, liebevollen Freund erkenne, den ich in der Zwischenzeit kennen- und schätzen gelernt habe. Wir gleichen uns in unserem Körperbau und vor allem aber in der Art, unsere Gefühle zeigen zu können, herzlich und liebevoll zu sein. Ist es nicht wundervoll, dass mich das Leben auf diese Weise bereicherte und mich erst dann zu ihm führte, als ich bereit war, ihm und meiner Mutter zu vergeben? Traurig bin ich nur darüber, dass er seinerseits noch unter seiner Vergangenheit leidet und nicht bereit ist, sich mit mir darüber auszusprechen. Aber auch wenn ich ihm heute den Weg weisen könnte, sich von den Verletzungen der Vergangenheit zu befreien, so muss ich doch akzeptieren, dass niemandem geholfen werden kann, der nicht bereit ist, sich helfen zu lassen.
Ganz anders hingegen ging meine Mutter auf mich und meine helfende Hand zu. Sie spürte, dass ich ihr mit aller Kraft meines Herzens verziehen hatte. Hätte ich nicht gelernt, zu verzeihen, wären wir beide wohl lebenslang in der Vergangenheit verhaftet geblieben und hätten dabei die Gelegenheit verpasst, diese als Chance für unsere Gegenwart anzunehmen.
Die Beziehung zu meiner Mutter wurde daraufhin immer enger, und wir kamen uns über die Jahre hinweg immer näher. In schweren Lebenssituationen sucht sie heute meinen Beistand und Rat, so wie auch sie stets ein offenes Ohr und Herz für mich hat. Ich fühle mich ihr tief verbunden, da unserer Mutter-Tochter Beziehung keine unbewältigte Vergangenheit mehr im Wege steht. Heute zählt meine Mutter zu meinen besten Freundinnen und Vertrauten, und darüber bin ich sehr dankbar und glücklich.



Versöhnung

Nachdem ich den Weg der Selbstliebe während vieler Jahre zu gehen versucht hatte, erschuf ich mir die Möglichkeit, meine vergangene Ehe nicht als „gescheitert“, sondern als wertvolle Erfahrung zu betrachten, welche mich erkennen ließ, dass ich von niemand anderem als mir selbst erwarten konnte, mich glücklich und zufrieden zu machen. Ich verstand, dass mein (Ehe)-Partner zwar eine leckere Kirsche auf meiner Sahnetorte sein konnte, dass ich meine Sahnetorte aber selbst backen musste.
In der Folge davon teilte ich meinem Ex-Mann meine Dankbarkeit darüber mit, dass er mir als wertvoller Spiegel geholfen hatte, viel über mich selbst zu lernen. Ich war ihm dankbar für die schöne gemeinsame Zeit, für seine Absicht, mich glücklich machen zu wollen, und für unsere zwei Söhne, auf welche wir beide sehr stolz sind. Nun war ich endlich bereit, meinen Teil der Verantwortung am Verlauf unserer Beziehung ohne Schuldzuweisung und ohne Schuldgefühle anzunehmen. Ich erkannte, wie ich durch unsere Lebensumstände dazu gezwungen worden war, einen neuen Weg zu suchen, der mich schlussendlich zu mir selbst führte. Wäre ich damals nicht bereit gewesen, an mir selbst zu arbeiten, wäre ich heute nicht, wer ich bin – eine Frau, die bewusst zu denken, zu leben, zu lieben und ihre Liebesfähigkeit stets zu erweitern versucht.
Da wir andere Menschen so lieben, wie wir uns selbst zu lieben fähig sind, und uns andere Menschen so lieben, wie sie sich selbst zu lieben fähig sind, können wir unsere Liebesbeziehungen als Spiegel unserer eigenen Liebesfähigkeit ansehen. Seit jeher wurde der tiefe Sinn des Begriffes „Liebe“ mit Leidenschaft, Sexualität, Zärtlichkeit, Zuneigung oder mit dem Bedürfnis, geliebt zu werden, verwechselt. Liebe ist in erster Linie eine Energie, die man zuerst aus sich selbst heraus entfalten muss, um sie anderen schenken zu können. Diese Energie der Liebe entspricht in ihrer reinsten Form dem Respekt und der Dankbarkeit, die man für alles Erschaffene und für alle Wesen auf menschlicher, tierischer oder pflanzlicher Ebene empfindet.
Liebe ist eine Gabe, welche ich heute ohne Erwartungen zu schenken versuche. Aber ich gebe mir auch das Recht, nicht immer fähig dazu zu sein, erwartungslos geben und lieben zu können. Das Wichtige für mich dabei ist, diese Erwartungen klar zu formulieren und mit dem Menschen, dem gegenüber ich diese Erwartungen habe, abzuklären, ob er sie im Einklang mit sich selbst erfüllen kann und will oder nicht. Wenn dies nicht der Fall ist, versuche ich, ein allfälliges „Nein“ nicht als Ablehnung meiner Person, sondern als Zeichen dafür zu verstehen, dass die andere Person ihre eigenen Grenzen respektiert und dass sie ein Anrecht auf andere Bedürfnisse, Wertvorstellungen und Überzeugungen hat wie ich.
Jemanden vorbehaltslos zu lieben bedeutet auch, ihn so anzunehmen, wie er ist, ohne ihn verändern zu wollen; und ihm ohne Kritik und Vorwürfe ein Recht auf seine eigenen Bedürfnisse, Wünsche, Überzeugungen, Erwartungen, Ängste, Grenzen und Schwächen zuzugestehen. Lieben bedeutet für mich, zu akzeptieren, dass jeder Mensch ausschließlich für seine eigene persönliche und spirituelle Entwicklung auf dieser Welt ist, die er nur durch seine eigenen Erfahrungen erleben kann. Auch wenn wir als Eltern unseren Kindern gewisse Erfahrungen ersparen möchten, so ist es doch sinnvoll, anzuerkennen, dass sie nicht nur ihre eigenen Erfahrungen selbst erleben, sondern auch ihre eigenen Rückschlüsse daraus ziehen dürfen, und dass in ihrem Lebensplan vielleicht Erfahrungen vorgesehen sind, die nicht unseren Vorlieben entsprechen.
Die Art und Weise, wie wir die Liebe anderer zu gewinnen versuchen, ist sehr aufschlussreich. Wenn wir mit allen Mitteln versuchen, von anderen geliebt zu werden, bedeutet das ein Mangel an Selbstliebe und emotionale Abhängigkeit. Je mehr wir in uns selbst Liebe gesät haben, desto mehr Liebe strahlen wir aus, und desto mehr Liebe ziehen wir an, ohne dass wir dafür anderen Menschen um jeden Preis gefallen müssen.
Mein Ex-Mann verstand schlussendlich, dass ich meine Entscheidung nicht gegen ihn, sondern für mich getroffen hatte. Ich war sehr erleichtert, dass wir beide unsere Scheidung in gegenseitigem Respekt gütlich hinter uns gebracht hatten und dass auch unsere Kinder allmählich begannen, meine Entscheidung zu begreifen und zu akzeptieren. Nachdem ich in meinem Herzen die Zeit, die wir zusammen verbracht hatten, als bereichernde Erfahrung abschließen konnte und mir selbst für meine Entscheidung verziehen hatte, fühlte ich mich bereit, mich als Therapeutin und Kursleiterin im Bereich der Persönlichkeitsentfaltung selbstständig zu machen.
Die darauf folgenden fünf Jahre zählten zu den glücklichsten meines Leben, denn ich konnte genau das umsetzen, was ich immer als meine Lebensaufgabe erachtet hatte. Nach Ablauf der ersten vier Jahre meiner beruflichen Selbstständigkeit wurde mir dann das große Glück vergönnt, meinen jetzigen Lebenspartner und mit ihm auch meine Zwillingsseele kennenzulernen. Wie vieles hatte sich in meinem Leben positiv verändert! Heute akzeptiere ich, dass ein Wiederaufbau nur durch eine Phase vorausgehenden Abbaus möglich ist. Dabei taucht das Bild eines Puzzles vor mir auf, das nicht mehr meinen Wünschen entspricht und das ich verändern möchte. Bevor ich jedoch nicht bereit bin, das bestehende Puzzle abzubauen, so lange kann ich am bestehenden Puzzle nichts verändern (was allerdings nicht zerstören bedeutet, wenn ich dabei bewusst jene Puzzleteile auswähle, die ich in mein neues Puzzle übernehmen will). Ich stimme zu, dass diese Phase des Abbaus verunsichernd sein kann, denn damit entziehen wir uns für einen gewissen Zeitraum die uns vertraute und als Sicherheit empfundene Grundlage, auch wenn diese nicht mehr unseren Bedürfnissen und Wünschen entspricht. Dieser Schritt braucht Selbstvertrauen, Mut, Glauben an sich selbst und an seine Wertvorstellungen. In dieser Phase sieht man unzählige Puzzleteilchen vor sich liegen, die zusammen einen großen, ungeordneten Haufen ergeben, der wie ein Lebenschaos erscheint. Aber dieser Übergang ist notwendig und unabdingbar, um vergangene Erlebnisse loszulassen und damit für neue Erfahrungen Raum zu schaffen…

Liebe Leserin, lieber Leser!

Dieser erste autobiografische Teil erzählte meinen eigenen Werdegang, der in mir den Wunsch weckte, dich an Erfahrungen teilhaben zu lassen, welche mich und mein Leben äußerst wertvoll bereichert haben.
Im weiteren Verlauf des Buches schildere ich nun die beiden essenziellen Themen Selbstliebe und Selbstverwirklichung sowie die daraus gewonnenen Erkenntnisse, die ich an dich weitergeben möchte.
Möge dich dieser zweite Teil als Ratgeber auf dem Weg zu dir selbst begleiten und dazu beitragen, dein Herz zu berühren und zu öffnen, indem er dich ermutigt, dich selbst zu lieben, an dich zu glauben und dich sinngebend zu entfalten.



Was ist Selbstliebe?

Ein sich selbst liebender Menschen kennt und bejaht, schätzt und respektiert sich selbst und steht für seine eigenen Belange, Wünsche und Interessen ein, ebenso wie er diejenigen anderer Menschen respektiert. Er hat ein offenes Herz für sich selbst und andere Menschen, verfügt über ein positives Selbstbild und ein solides Selbstvertrauen. Er übernimmt Eigenverantwortung für seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse und versucht, sich selbst bedingungslose Liebe entgegenzubringen, welche auf Selbstakzeptanz basiert. Er versucht, alle Aspekte seiner Persönlichkeit anzunehmen; auch diejenigen, welche ihm weniger gefallen, indem er akzeptiert, dass er sie selbst erschaffen hat.
Ein sich selbst liebender Mensch anerkennt, dass sich seine Ängste, Grenzen, Überzeugungen, Wünsche, Vorlieben, Stärken und Talente ständig verändern und weiterentwickeln; und dass er darin keinesfalls anderen Menschen gleichen muss. Er erkennt sich selbst und andere Menschen als unvergleichbares und einzigartiges Wesen, auch wenn er sich noch weit davon entfernt fühlt, seinem eigenen Idealbild zu entsprechen. Die Suche nach übersteigertem Perfektionismus steht in diesem Zusammenhang für die Angst, als nicht perfekt zu gelten und deshalb nicht liebenswert zu sein können, und hat nichts mit Selbstliebe zu tun. Sich selbst zu lieben bedeutet, zu wissen und zu akzeptieren, dass wir alle in jedem Moment unseres Lebens aus dem Wissen heraus handeln, das uns zu diesem Zeitpunkt zur Verfügung steht, womit wir auch unsere Fähigkeiten und unsere zeitweiligen Grenzen respektieren.
Sich selbst anzunehmen und seine Lebenserfahrungen sinnvoll umsetzen zu können, bedingt die Fähigkeit, sein eigener Beobachter sein zu können. Eine Distanz zu erschaffen, in welcher man sich selbst wohlwollend von oben (wie sein eigener Schutzengel) beobachtend über die Schulter zusieht, erlaubt, vieles mit mehr Mitgefühl uns selbst und anderen gegenüber zu sehen. Denn alle Geschehnisse unseres Lebens haben den Zweck, uns zu lehren, uns selbst lieben zu lernen, bevor wir fähig sind, unseren Nächsten wie uns selbst zu lieben …
Einer der grundlegendsten Wege zur Selbstliebe ist Selbsterkenntnis. Im Wissen, dass wir auf dieser Erde leben, um uns als menschliche und spirituelle Wesen weiterzuentwickeln, haben wir das Recht auf unsere individuelle „Entwicklungsreise“, um aus ihren Erfahrungen zu lernen und an ihnen zu wachsen. Wir alle sind Wesen mit der schöpferischen Kraft, uns ein sinnerfülltes Leben zu erschaffen, und wir alle haben die freie Wahl, an unserer Weiterentwicklung zu arbeiten. Jeder neue Tag, jedes neue Erlebnis, ob wir es nun für uns als positiv oder negativ bewerten, trägt zu unserem Entwicklungspotenzial bei, wenn wir daran zu wachsen bereit sind! Inneres Wachsen bedingt, aufmerksam und wach mit uns selbst umzugehen und in uns hinein zu hören. Wirkliche Selbstliebe bedeutet auch, uns mit der Quelle bedingungsloser Liebe verbunden zu fühlen, aus welcher die Energie alles Lebenden besteht. Sich selbst Eins mit dem Leben und dem großen Ganzen zu fühlen und das Leben zu lieben ist das wirksamste körperliche, seelische und geistige Heilmittel, das es gibt.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 208
ISBN: 978-3-99048-118-9
Erscheinungsdatum: 10.12.2015
EUR 17,90
EUR 10,99

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