Schwung holen … und weiter mit Mut und Stärke
Neues aus meiner Lebensreise mit Rollstuhl und Hand-Bike
EUR 20,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 278
ISBN: 978-3-7116-1784-2
Erscheinungsdatum: 22.10.2026
Nach einer traumatischen Reha beginnt eine bewegende Reise zu neuen Perspektiven. Zwischen Rückschlägen, Epigenetik, Vergebung und dem unerschütterlichen Willen, niemals aufzugeben, entsteht eine inspirierende Botschaft: Weiter – mit Mut und Stärke.
1
Weiter
Schwung holen …und weiter mit Mut und Stärke, so lautet der Titel dieses Buches. Nach der starken Aufforderung eines Schwung holens folgt das weiter! Weiter mit Mut und Stärke! Weiter – was bedeutet dieses Wort mit nur fünf Buchstaben? Ich habe dieses Wort in meinen Buchtitel integriert. Das Wort „weiter“ isoliert betrachtet und noch mit einem Ausrufezeichen versehen, ist es für mich wie ein Befehl zum Weitergehen oder Laufen. Hier lassen sich auch als Synonyme „voran“ und „vorwärts“ einsetzen.
In dem Fall ist dieses Wort ein großer Antrieb dafür, seine Schritte voranzusetzen, um nicht stehen zu bleiben. Nicht nur man würde stehen bleiben, sondern auch ich. Ich will weiter. Also werde ich gehen, auch wenn meine Geh-Möglichkeiten sich momentan noch auf meine vier Räder unter mir beschränken.
„Weiter“ muss sich nicht nur auf das rein Physische, allein auf die physische Bewegung wie das vorher erwähnte Gehen oder Laufen stützen, sondern es kann sich auch auf das Psychische oder Metaphysische und dergleichen mehr in unserem Inneren beziehen. In dem Fall ist unsere innere Entwicklung zu einer Weiterentwicklung gefragt. Bei der Aufforderung „erweitere deinen Horizont“ meinen wir, dass wir unsere Sicht vergrößern, erweitern. Unsere Sicht in die innere oder äußere Welt ist weiter geworden. Wohin will ich mich weiter entwickeln? Das ist die Frage, die nicht nur ich mir dringend stellen muss, nein, eigentlich sollte jeder sich diese Frage vor allen Fragen vorrangig stellen. Meine richtige Antwort wird sich sicher im Weitergehen herauskristallisieren!
Ein weiterer Aspekt zu dem Wort weiter ist rein praktisch, wenn wir sagen, wir müssen zum Beispiel eine Hose oder einen Rock weiter machen. Was bedeutet das? Es besteht der Bedarf, aus etwas zu Kleinem etwas Größeres zu machen. Im Falle eines Rockes oder einer Hose ist dies der Umfang. So verhält es sich auch, wenn wir sagen, wir erweitern unseren Blick oder deutlicher ausgedrückt unseren Horizont, Blickwinkel, dann bekommen wir eine größere oder weitere Sicht. Wir können mehr sehen oder erkennen. Dieses lässt sich auch auf innere Werte anwenden, wenn unsere innere Sicht auf die Welt, die Dinge größer, weiter wird. In allen Fällen ist in verschiedener Hinsicht etwas weiter geworden.
Wenn wir sagen, wir wollen unsere Reise weiter fortsetzen, unseren Weg weiter vorangehen, so wird sich auf diesem Weg immer Neues rechts und links des Weges finden, immer wieder taucht ein neuer Horizont auf, bestenfalls auch neue Erkenntnisse, neue Erlebnisse und Menschen, vielleicht begegnen wir auch einem großen Glück!
So liegt in diesem kleinen Wort mit fünf Buchstaben weiter sehr viel!
Wenn ich meinem Buch das Wort weiter voranstelle, so will ich damit nicht nur die Fortsetzung eines vorwärts andeuten, sondern will auch sehen, was mir an Erkenntnissen, Begegnungen und Erlebnissen beim Weitergehen oder zurzeit noch bei einem Weiterfahren mit Rollstuhl und Hand-Bike an meinem Wege begegnet.
Bisher ist mir sehr viel Verschiedenes begegnet. Dies lässt sich in meinem Buch: „Vorwärts – Aufgeben ist keine Option“ nachlesen. Viele Dinge sind absolute Kleinigkeiten, aber daraus setzt sich das Leben zusammen und nicht nur das Leben an sich, sondern auch jeder Tag. Jeder erlebt an jedem Tag sehr viel, nur nimmt er alles wirklich wahr? Wenn ich morgens oder zu einer anderen Zeit auf dem Bahnsteig an vielen Menschen vorbeifahre, so liebe ich es, ihnen einen guten Morgen oder einen guten Tag zu wünschen. Leider nehmen viele dieses gar nicht richtig wahr. Sie sind mit ihrem Handy beschäftigt und es kommt nur ein sehr dünnes guten Morgen zurück, wo ich den Eindruck habe, dass sie gar nicht bemerkt haben, was sie gerade zu sagen versucht haben. Andere haben ihre Ohrstöpsel in den Ohren und nehmen überhaupt nichts wahr. Ansonsten ist vieles pure Routine und die eigentliche Besonderheit dabei wird nicht erkannt. Vielleicht ist es bei dem Weg zum Bahnhof nur ein fröhlicher Morgengruß von jemandem, der einem gerade zufällig begegnet. Vielleicht begegnet einem auch im Büro eine Besonderheit, jeden Tag tauscht man mit dem Kollegen Dokumente, Rechnungen, Lieferscheine und Angebote aus, doch heute kommt die Kollegin mit zwei Tassen Kaffee, einfach so, weil das Wetter so schön ist. Erinnern wir uns an die schöne Geste noch am Abend oder ist es einfach an uns vorbeigegangen? Doch können dieser Morgengruß und die kleine Aufmerksamkeit des Kaffees, wenn man dieses bewusst wahrgenommen hat, uns den ganzen Tag über begleiten und fröhlich stimmen! So ergeht es mir oft.
Eines ist für mich auf jeden Fall sicher, ich werde, solange es irgend geht, weiter zum Training nach Lüneburg oder Bad Bevensen zur DianaKlinik fahren. Auch werde ich weiter damit fortfahren, dass ich meine Augen und Ohren offenhalte, um zu erfahren, wie andere Menschen schwere und als unheilbar eingestufte Krankheiten gesund hinter sich lassen konnten. Wie haben sie es geschafft? Wie konnte das passieren? Das ist etwas, dem ich weiter nachgehen werde.
In dem Buch „Vorwärts, Aufgeben ist keine Option“ hatte ich von Dr. Saray Stancic berichtet, die nur wenige Jahre nach meiner Diagnose weit entfernt in Amerika auch an Multiple Sklerose erkrankte. Sie hat es geschafft, durch Änderungen in ihrem Leben die MS hinter sich zu lassen. Heute kann man ihr nicht mehr ansehen, dass es eine Zeit gab, in der sie mit Rollstuhl, Rollator oder Gehstock unterwegs war. Es ist also möglich, unheilbar in heilbar zu verwandeln.
In dem Buch Vorwärts – Aufgeben ist keine Option! habe ich manche Kapitel mit den Worten beendet: mein Weg geht weiter, immer weiter … In diesem Sinne gehe ich meinen Weg immer weiter und schaue, was mir links und rechts des Weges begegnet.
Seit meinem Unfall 2011 ist bis zum Herbst 2022 sehr viel passiert, ganz besonders in den letzten zwei, drei Jahren.
Um die Weihnachtszeit 2019 wurde bekannt, dass es ein Virus gibt, das sehr ansteckend sein soll und tödlich sein kann. Es wirkt sich aus ähnlich einer heftigen Grippe mit hohem Fieber. Das Ganze wird aus China berichtet, also sehr weit weg. Das Virus wird genannt Covid-19. Zu der Zeit hatte ich nicht gedacht, dass dieses Virus die nächsten drei Jahre die gesamte Welt beeinflussen soll.
Wie werde ich durch diese aufregenden Zeiten weitergehen? Bleibe ich zuversichtlich und voller Hoffnung, was auch immer auf mich zukommt? Ich denke, dieses sollte keine Frage sein. Die globale Situation kann ich nicht lösen, nur meine eigene Situation kann ich so gestalten, dass sie voller Hoffnung, Liebe und Zuversicht ist. Gute und hoffnungsvolle Schwingungen auszusenden, das ist das, was nur helfen kann. Angst und Verzweiflung ist nie ein guter Ratgeber gewesen. Ich bleibe meinem Grundsatz treu, mein Weg geht weiter, immer weiter!
Lasst uns schauen, was mir auf meinem Weg begegnet.
2
Weiter mit einem Schock!
Der Schock am 12. März 2020, 12 Uhr
Am 12. März 2020 bin ich wie immer zum Training in der DianaKlinik, Bad Bevensen. Ich will gerade Pause machen, da bekomme ich die Nachricht, dass um 12 Uhr das gesamte Trainingszentrum geräumt sein muss. Die DianaKlinik hat zum Schutze ihrer Reha-Patienten beschlossen, alles Training bis auf Weiteres auszusetzen.
Völlig überstürzt, fassungslos und ratlos packe ich meine Sachen und erreiche gerade noch den Metronom kurz nach 12 Uhr am Bahnhof in Bad Bevensen. Wenig später bin ich zu Hause. Da ahne ich noch nicht, dass ich dort für sehr lange Zeit „gefangen“ sein werde.
Schon seit Wochen sind alle Tagesthemen von einem neuartigen Coronavirus beherrscht, es wird Covid-19 genannt. Virologen, Experten und die Politik überbieten sich in Statements über die Einschätzung der Gefährlichkeit dieses Virus. Es wird darüber gestritten, welche Maßnahmen ergriffen werden sollten. Über allem steht die Frage, wie ansteckend ist das Virus wirklich, denn inzwischen wird bereits über diverse Todesfälle berichtet.
Ich fahre jetzt nur noch einmal wöchentlich nach Lüneburg zum Kieser-Training, das darf zu meinem großen Glück noch stattfinden. Wenig später werden alle Fitnessstudios und dergleichen und leider auch das Kieser-Training geschlossen.
Nun bin ich restlos isoliert zu Hause mit der Konsequenz, dass mein Training vorerst zu Ende ist!
Ich trainiere an meinem neuen Trainingsort, dem Badezimmer, so oft ich kann! An der Toilette übe ich an meinen Haltegriffen aufzustehen und hinzusetzen und immer wieder aufzustehen und hinzusetzen, nach links zu drehen, nach rechts zu drehen und einfach freihändig stehen zu bleiben. Mir kann nichts passieren, meine Haltegriffe sind immer zum Zupacken in unmittelbarer Nähe. Mein Stehen wird immer besser. Das freut mich, ein kleiner Lichtblick in schweren Zeiten.
Ab und an fahre ich mit meinem Hand-Bike nach Bienenbüttel oder mache einen kurzen Ausflug in die nahe Natur. Leider fahre ich nicht viel, ich bin immer allein. Das fällt mir im Moment sehr schwer. Ich sehne mich sehr danach, wieder etwas zusammen machen zu können.
Treffen mit anderen geht nicht mehr. Ein Treffen im „Dorfgespräch“, dem Bienenbüttler Restaurant, ist auch nicht mehr möglich. Es ist geschlossen, überall ist alles geschlossen, nichts ist möglich.
Abstand, Isolation und Einsamkeit ist die Prämisse.
Ob alles in der Form nötig ist, das ist sehr die Frage, und hier muss jeder für sich selbst die Antwort finden. Bei vielen herrscht Angst vor dem Corona-Virus, Covid-19. Eines wird mir immer klarer, durch die mediale Berichterstattung und das nicht enden wollende Mitteilen von tödlichen Verläufen und das ständige Zählen von Todeszahlen wird sehr viel Angst geweckt. Man hat jetzt völlig vergessen, dass wir jedes Jahr, besonders im Herbst und Winter, viele Grippefälle hatten. Dies scheint durch das Tragen von Masken ausgeblieben zu sein. In „normalen“ Jahren wird nie viel darüber berichtet, dass jedes Jahr um die 20.000 Tote durch Grippeinfektion zu beklagen sind. Ich finde es erschreckend, alles in reinen Zahlen auszudrücken. Die Zahlen sind sehr hoch, einfach Angst einflößend. Dazu kommt, dass eine Zahl vollkommen unpersönlich ist und doch verbirgt sich hinter jeder dieser Zahlen immer ein Schicksal, und damit sind meistens auch viele andere Schicksale verbunden. Woran sind die Menschen wirklich gestorben, war die Grippe die alleinige Ursache oder nur ein Faktor von anderen Krankheitsursachen, die den Menschen bereits sehr, sehr stark geschwächt hatten und nun nicht mehr genügend Abwehr gegen die Infektion bestand?
Für mich ist Angst der größte Türöffner für jede Art von Infektionsgeschehen. Sei’s der herbstliche Schnupfen, die Erkältung und die Grippewelle. Ich habe festgestellt, wann immer ich denke, hoffentlich werde ich nicht angesteckt und bekomme eine Erkältung, so bin ich mit fast 100-prozentiger Sicherheit die nächsten Tage im Bett und kann mich „ausruhen“. Die Grippewelle hat mich niedergestreckt. Was wir nie vergessen dürfen, jedes Jahr sterben, wie schon gesagt, durch die Grippewelle sehr viele Menschen.
Wir befinden uns gerade in einer sehr unübersichtlichen Lage zwischen Virologen, sogenannten Experten, der Politik, der medialen Berichterstattung und unserer eigenen Wahrnehmung.
Ich weiß es nicht
Inzwischen ist Nikolaustag im Jahre 2020 vergangen. An dem Tag habe ich sogar einen Nikolaus aus Schokolade geschenkt bekommen.
Nur wo war das?
Heute, am 10. Dezember 2020, bin ich glücklich wieder zu Hause. Ein paar Tage zuvor war das aber bei Weitem nicht so. Am Freitagabend, den 4. Dezember, war ich schon schwer zu Bett gekommen, ich hatte etwas Fieber, aber das reichte, um mich nicht richtig bewegen zu können.
Abends habe ich den Pflegedienst angerufen, ob er mir zu Bett hilft, worüber ich wenig später sehr dankbar war. Ich habe mich gefreut, endlich zu Bett zu sein.
Der nächste Morgen gestaltet sich unerwartet schwierig, ich komme nicht aus dem Bett! Eine Entzündung in meinem linken Bein, meinem linken Unterschenkel, hat sich anscheinend feurig entflammt. Der Unterschenkel ist warm und hatte wahrscheinlich das Fieber ausgelöst, wodurch ich in der Bewegung stark eingeschränkt wurde.
Der Kontakt mit dem Pflegedienst ist auch schwierig, da ich die Telefontasten nicht richtig bedienen kann. Dummerweise habe ich mich zu den Coronamaßnahmen, die bisher getroffen wurden, etwas fraglich geäußert. Inzwischen verstehe ich alles nicht mehr, wir tragen Masken, wir halten Abstand, wir haben fast keinen Kontakt, die meisten bleiben zu Hause oder gehen nur kurz einkaufen, aber warum steigen trotz all der Maßnahmen die Zahlen der neu Infizierten und halten sich auf einem sehr hohen Niveau. Warum? Ich wiederhole wie ein Mantra: „Ich verstehe alles nicht mehr“. Wo kommen die vielen Infektionen her? Es gibt gar nicht mehr viele Ansteckungsmöglichkeiten, Restaurantbesuche, wo mehr Leute zusammenkommen können, gibt es nicht mehr. Alle Restaurants, Cafés und Kinos sowie Theater sind geschlossen. Ich verstehe alles nicht mehr, ich versinke immer tiefer in Ratlosigkeit und einfach Unverständnis.
Mein Pflegedienst hat nun große Sorge, dass ich die Maske nicht getragen habe und mich mit dem Coronavirus angesteckt habe, da ich mit einem Mal Fieber habe. Dadurch, dass ich alle Corona-Maßnahmen infrage gestellt habe, bin ich als Querdenker und Maskenverweigerer eingestuft worden, dabei suche ich nur Antworten, nicht mehr – nur Antworten! Ich bin weder das eine noch das andere, aber ich weiß einfach nicht mehr, was ist richtig, was ist notwendig und vor allen Dingen was wirkt? Ich weiß es nicht und verstehe es nicht, die Infektionszahlen steigen und steigen! So zieht der Pflegedienst es vor, nicht zu kommen, da er die Mitarbeiter und alle Kunden, die naturgemäß fast alle aus älteren Menschen bestehen, vor Ansteckungen schützen will. Das verstehe ich in gewisser Weise. Ich bin fast nur zu Hause, wenn ich mal aus der Haustür komme, bin ich immer mit Maske unterwegs, ob ich muss oder nicht, da ich nicht mehr weiß, wo was nötig ist. Mehr kann ich nicht tun.
Mein Besuch im HGZ
Was nun tun? Unsere Chrissi hier am Hof telefoniert mit meinem Hausarzt und sie kommen überein, dass ich ins Krankenhaus muss. Das sehe ich ein und wenig später kommt bereits der Rettungsdienst und fährt mich in das HGZ, das Herz- und Gefäßzentrum in Bad Bevensen. Dort war ich Anfang des Jahres schon einmal mit derselben Ursache, nur im anderen Bein. Sie hatten mir damals sehr gut geholfen.
Auch diesmal erlebe ich, dass alle unglaublich nett und freundlich, hilfsbereit sind. Noch am späten Abend bekomme ich eine erste Infusion mit einem Antibiotikum.
Durch das Coronavirus wurde der Haupteingang mehr oder weniger geschlossen. Es können nur noch Mitarbeiter passieren oder Menschen, die zu Fuß mit einer Einweisung in das HGZ kommen. Sonst wird keiner durchgelassen.
Wir müssen durch einen Lieferanteneingang am anderen Ende des Gebäudes. Der Weg führt durch unglaublich lange unterirdische Gänge, bis wir endlich den Fahrstuhl erreicht haben, der nach oben in die Station führt. Dort erwartet man mich bereits und ich komme in ein Isolierzimmer.
Oh, was ist das für ein Aufwand, der dort herrscht. Jeder, der zu mir kommt, trägt einen Kittel, eine Haube aus Plastik, Handschuhe aus Plastik, den Mundschutz ohnehin und alles wird nach dem kurzen Besuch bei mir in einer großen Tüte entsorgt. Was ist das für eine Menge Material, denn die Tüte, der Müllbeutel ist bald voll. Als Erstes wird gleich der Abstrich für den üblichen PCR-Test auf das Coronavirus gemacht. Er wird wohl am nächsten Tag irgendwann vorliegen. Ansonsten folgt die übliche Untersuchung mit Blutdruck, Blut abnehmen, EKG und anderem.
Dadurch, dass ich ganz allein im Zimmer bin, kann ich die Ruhe genießen. In der Nacht schlafe ich sehr gut.
Am hellen Tag sehe ich aus dem Fenster die Kiefern, den Wald, der um die Klinik herum ist. Wie schön, ich schaue nicht auf eine Hauswand und das soll auch für die Zeit meines Aufenthalts so bleiben. Nachdem der PCR-Test und zusätzlich ein Schnelltest, der aufgrund meines Fiebers noch in der Nacht gemacht wurde, beide negativ waren, werde ich in ein anderes Zimmer verlegt. Auch hier habe ich Glück, mein Bett steht direkt am Fenster und ich sehe den Wald, die Kiefern noch viel näher.
Mit den veganen Mahlzeiten will es zu Anfang noch nicht klappen, ich werde vegetarische Mahlzeiten zu mir nehmen. Das sollte für die kurze Zeit kein Problem sein, ich merke aber, dass mir der Joghurt nicht so gut bekommt. Die Krankenschwestern helfen mir, das Brot fertig zu machen und es in meinen Mund zu bekommen. Das ist mir durch die vom höheren Fieber verursachte Bewegungseinschränkung leider momentan nicht möglich. Die Bewegungseinschränkung ist bei Fieber auf die MS zurückzuführen. Bei übermäßiger Hitze oder Wärme wird die Bewegungsfähigkeit sehr stark eingeschränkt. Das macht sich auch in den Fingern bemerkbar. Auch das Halten eines Bechers ist schwierig, so bekomme ich einen Schnabelbecher mit einem Strohhalm, das geht gut. Mit jedem Tag wird es besser und zuletzt konnte ich wieder alles weitgehend allein machen.
Am Sonntagnachmittag kommt dann die gute Nachricht, dass der PCR-Test auf das Coronavirus ebenfalls negativ ist. Ich bin frei von den so gefürchteten Coronaviren! So bleibt als einzige Ursache die Entzündung im linken Bein. Ob sie durch die Entzündung im linken Zeh beeinflusst war? Ich weiß es nicht.
Alles in allem liege ich hilflos im Bett. An ein Aufstehen ist nicht zu denken. Was soll werden? Wieder weiß ich es nicht.
Ich merke inzwischen, immer wieder sage ich: ich weiß es nicht. Was ist aus mir geworden? Noch am Jahresanfang bin ich bei jedem Wetter zweimal die Woche freudig in die DianaKlinik zur DianaMedicalSport mit dem Hand-Bike gefahren. Vier Stunden Training und ganz, ganz viel Spaß dabei. Was war das für eine schöne Zeit! Ich war so lebendig. Ich war so voller Freude und Zuversicht. Wir hatten viel geschafft, unsere Übungen, um wieder zum Laufen zu kommen, wurden mit jedem Mal besser! Dann kam der 12. März um 12 Uhr mit der Verkündigung, wir müssen alle sofort die Trainingsfläche verlassen! Ab sofort ist geschlossen. Damals habe ich es noch als einen üblen vorübergehenden Scherz empfunden. Das Lachen aus diesem Scherz sollte immer, immer weniger werden. Zuletzt ist es ganz verhallt. Ein Dreivierteljahr kein vernünftiges Training mehr, meine Kräfte werden weniger. Was kann ich tun, damit die Muskeln ein bisschen erhalten bleiben? Zusätzlich zu meinem neuen Trainingsort, dem Badezimmer, fahre ich ab und an mit dem Hand-Bike, der Schwung hierfür geht immer mehr verloren, das Anziehen mit der dicken Winterjacke, die Extraschuhe, Handschuhe, Mütze, Schal, alles das ist so viel Aufwand. Damals hatte ich ein Ziel, das Training, das ist eigentlich derselbe Aufwand, aber er ist mir leichtgefallen.
Bei mir überwiegt immer mehr das Gefühl, ich sei wieder wie 2011 in das tiefe Tal umgezogen, wo die Sonne nicht mehr scheint und es immer schattig, trostlos und kühl ist. Dies beschreibe ich in meinem Buch „Vorwärts – Aufgeben ist keine Option“. Wo bin ich?
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Weiter
Schwung holen …und weiter mit Mut und Stärke, so lautet der Titel dieses Buches. Nach der starken Aufforderung eines Schwung holens folgt das weiter! Weiter mit Mut und Stärke! Weiter – was bedeutet dieses Wort mit nur fünf Buchstaben? Ich habe dieses Wort in meinen Buchtitel integriert. Das Wort „weiter“ isoliert betrachtet und noch mit einem Ausrufezeichen versehen, ist es für mich wie ein Befehl zum Weitergehen oder Laufen. Hier lassen sich auch als Synonyme „voran“ und „vorwärts“ einsetzen.
In dem Fall ist dieses Wort ein großer Antrieb dafür, seine Schritte voranzusetzen, um nicht stehen zu bleiben. Nicht nur man würde stehen bleiben, sondern auch ich. Ich will weiter. Also werde ich gehen, auch wenn meine Geh-Möglichkeiten sich momentan noch auf meine vier Räder unter mir beschränken.
„Weiter“ muss sich nicht nur auf das rein Physische, allein auf die physische Bewegung wie das vorher erwähnte Gehen oder Laufen stützen, sondern es kann sich auch auf das Psychische oder Metaphysische und dergleichen mehr in unserem Inneren beziehen. In dem Fall ist unsere innere Entwicklung zu einer Weiterentwicklung gefragt. Bei der Aufforderung „erweitere deinen Horizont“ meinen wir, dass wir unsere Sicht vergrößern, erweitern. Unsere Sicht in die innere oder äußere Welt ist weiter geworden. Wohin will ich mich weiter entwickeln? Das ist die Frage, die nicht nur ich mir dringend stellen muss, nein, eigentlich sollte jeder sich diese Frage vor allen Fragen vorrangig stellen. Meine richtige Antwort wird sich sicher im Weitergehen herauskristallisieren!
Ein weiterer Aspekt zu dem Wort weiter ist rein praktisch, wenn wir sagen, wir müssen zum Beispiel eine Hose oder einen Rock weiter machen. Was bedeutet das? Es besteht der Bedarf, aus etwas zu Kleinem etwas Größeres zu machen. Im Falle eines Rockes oder einer Hose ist dies der Umfang. So verhält es sich auch, wenn wir sagen, wir erweitern unseren Blick oder deutlicher ausgedrückt unseren Horizont, Blickwinkel, dann bekommen wir eine größere oder weitere Sicht. Wir können mehr sehen oder erkennen. Dieses lässt sich auch auf innere Werte anwenden, wenn unsere innere Sicht auf die Welt, die Dinge größer, weiter wird. In allen Fällen ist in verschiedener Hinsicht etwas weiter geworden.
Wenn wir sagen, wir wollen unsere Reise weiter fortsetzen, unseren Weg weiter vorangehen, so wird sich auf diesem Weg immer Neues rechts und links des Weges finden, immer wieder taucht ein neuer Horizont auf, bestenfalls auch neue Erkenntnisse, neue Erlebnisse und Menschen, vielleicht begegnen wir auch einem großen Glück!
So liegt in diesem kleinen Wort mit fünf Buchstaben weiter sehr viel!
Wenn ich meinem Buch das Wort weiter voranstelle, so will ich damit nicht nur die Fortsetzung eines vorwärts andeuten, sondern will auch sehen, was mir an Erkenntnissen, Begegnungen und Erlebnissen beim Weitergehen oder zurzeit noch bei einem Weiterfahren mit Rollstuhl und Hand-Bike an meinem Wege begegnet.
Bisher ist mir sehr viel Verschiedenes begegnet. Dies lässt sich in meinem Buch: „Vorwärts – Aufgeben ist keine Option“ nachlesen. Viele Dinge sind absolute Kleinigkeiten, aber daraus setzt sich das Leben zusammen und nicht nur das Leben an sich, sondern auch jeder Tag. Jeder erlebt an jedem Tag sehr viel, nur nimmt er alles wirklich wahr? Wenn ich morgens oder zu einer anderen Zeit auf dem Bahnsteig an vielen Menschen vorbeifahre, so liebe ich es, ihnen einen guten Morgen oder einen guten Tag zu wünschen. Leider nehmen viele dieses gar nicht richtig wahr. Sie sind mit ihrem Handy beschäftigt und es kommt nur ein sehr dünnes guten Morgen zurück, wo ich den Eindruck habe, dass sie gar nicht bemerkt haben, was sie gerade zu sagen versucht haben. Andere haben ihre Ohrstöpsel in den Ohren und nehmen überhaupt nichts wahr. Ansonsten ist vieles pure Routine und die eigentliche Besonderheit dabei wird nicht erkannt. Vielleicht ist es bei dem Weg zum Bahnhof nur ein fröhlicher Morgengruß von jemandem, der einem gerade zufällig begegnet. Vielleicht begegnet einem auch im Büro eine Besonderheit, jeden Tag tauscht man mit dem Kollegen Dokumente, Rechnungen, Lieferscheine und Angebote aus, doch heute kommt die Kollegin mit zwei Tassen Kaffee, einfach so, weil das Wetter so schön ist. Erinnern wir uns an die schöne Geste noch am Abend oder ist es einfach an uns vorbeigegangen? Doch können dieser Morgengruß und die kleine Aufmerksamkeit des Kaffees, wenn man dieses bewusst wahrgenommen hat, uns den ganzen Tag über begleiten und fröhlich stimmen! So ergeht es mir oft.
Eines ist für mich auf jeden Fall sicher, ich werde, solange es irgend geht, weiter zum Training nach Lüneburg oder Bad Bevensen zur DianaKlinik fahren. Auch werde ich weiter damit fortfahren, dass ich meine Augen und Ohren offenhalte, um zu erfahren, wie andere Menschen schwere und als unheilbar eingestufte Krankheiten gesund hinter sich lassen konnten. Wie haben sie es geschafft? Wie konnte das passieren? Das ist etwas, dem ich weiter nachgehen werde.
In dem Buch „Vorwärts, Aufgeben ist keine Option“ hatte ich von Dr. Saray Stancic berichtet, die nur wenige Jahre nach meiner Diagnose weit entfernt in Amerika auch an Multiple Sklerose erkrankte. Sie hat es geschafft, durch Änderungen in ihrem Leben die MS hinter sich zu lassen. Heute kann man ihr nicht mehr ansehen, dass es eine Zeit gab, in der sie mit Rollstuhl, Rollator oder Gehstock unterwegs war. Es ist also möglich, unheilbar in heilbar zu verwandeln.
In dem Buch Vorwärts – Aufgeben ist keine Option! habe ich manche Kapitel mit den Worten beendet: mein Weg geht weiter, immer weiter … In diesem Sinne gehe ich meinen Weg immer weiter und schaue, was mir links und rechts des Weges begegnet.
Seit meinem Unfall 2011 ist bis zum Herbst 2022 sehr viel passiert, ganz besonders in den letzten zwei, drei Jahren.
Um die Weihnachtszeit 2019 wurde bekannt, dass es ein Virus gibt, das sehr ansteckend sein soll und tödlich sein kann. Es wirkt sich aus ähnlich einer heftigen Grippe mit hohem Fieber. Das Ganze wird aus China berichtet, also sehr weit weg. Das Virus wird genannt Covid-19. Zu der Zeit hatte ich nicht gedacht, dass dieses Virus die nächsten drei Jahre die gesamte Welt beeinflussen soll.
Wie werde ich durch diese aufregenden Zeiten weitergehen? Bleibe ich zuversichtlich und voller Hoffnung, was auch immer auf mich zukommt? Ich denke, dieses sollte keine Frage sein. Die globale Situation kann ich nicht lösen, nur meine eigene Situation kann ich so gestalten, dass sie voller Hoffnung, Liebe und Zuversicht ist. Gute und hoffnungsvolle Schwingungen auszusenden, das ist das, was nur helfen kann. Angst und Verzweiflung ist nie ein guter Ratgeber gewesen. Ich bleibe meinem Grundsatz treu, mein Weg geht weiter, immer weiter!
Lasst uns schauen, was mir auf meinem Weg begegnet.
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Weiter mit einem Schock!
Der Schock am 12. März 2020, 12 Uhr
Am 12. März 2020 bin ich wie immer zum Training in der DianaKlinik, Bad Bevensen. Ich will gerade Pause machen, da bekomme ich die Nachricht, dass um 12 Uhr das gesamte Trainingszentrum geräumt sein muss. Die DianaKlinik hat zum Schutze ihrer Reha-Patienten beschlossen, alles Training bis auf Weiteres auszusetzen.
Völlig überstürzt, fassungslos und ratlos packe ich meine Sachen und erreiche gerade noch den Metronom kurz nach 12 Uhr am Bahnhof in Bad Bevensen. Wenig später bin ich zu Hause. Da ahne ich noch nicht, dass ich dort für sehr lange Zeit „gefangen“ sein werde.
Schon seit Wochen sind alle Tagesthemen von einem neuartigen Coronavirus beherrscht, es wird Covid-19 genannt. Virologen, Experten und die Politik überbieten sich in Statements über die Einschätzung der Gefährlichkeit dieses Virus. Es wird darüber gestritten, welche Maßnahmen ergriffen werden sollten. Über allem steht die Frage, wie ansteckend ist das Virus wirklich, denn inzwischen wird bereits über diverse Todesfälle berichtet.
Ich fahre jetzt nur noch einmal wöchentlich nach Lüneburg zum Kieser-Training, das darf zu meinem großen Glück noch stattfinden. Wenig später werden alle Fitnessstudios und dergleichen und leider auch das Kieser-Training geschlossen.
Nun bin ich restlos isoliert zu Hause mit der Konsequenz, dass mein Training vorerst zu Ende ist!
Ich trainiere an meinem neuen Trainingsort, dem Badezimmer, so oft ich kann! An der Toilette übe ich an meinen Haltegriffen aufzustehen und hinzusetzen und immer wieder aufzustehen und hinzusetzen, nach links zu drehen, nach rechts zu drehen und einfach freihändig stehen zu bleiben. Mir kann nichts passieren, meine Haltegriffe sind immer zum Zupacken in unmittelbarer Nähe. Mein Stehen wird immer besser. Das freut mich, ein kleiner Lichtblick in schweren Zeiten.
Ab und an fahre ich mit meinem Hand-Bike nach Bienenbüttel oder mache einen kurzen Ausflug in die nahe Natur. Leider fahre ich nicht viel, ich bin immer allein. Das fällt mir im Moment sehr schwer. Ich sehne mich sehr danach, wieder etwas zusammen machen zu können.
Treffen mit anderen geht nicht mehr. Ein Treffen im „Dorfgespräch“, dem Bienenbüttler Restaurant, ist auch nicht mehr möglich. Es ist geschlossen, überall ist alles geschlossen, nichts ist möglich.
Abstand, Isolation und Einsamkeit ist die Prämisse.
Ob alles in der Form nötig ist, das ist sehr die Frage, und hier muss jeder für sich selbst die Antwort finden. Bei vielen herrscht Angst vor dem Corona-Virus, Covid-19. Eines wird mir immer klarer, durch die mediale Berichterstattung und das nicht enden wollende Mitteilen von tödlichen Verläufen und das ständige Zählen von Todeszahlen wird sehr viel Angst geweckt. Man hat jetzt völlig vergessen, dass wir jedes Jahr, besonders im Herbst und Winter, viele Grippefälle hatten. Dies scheint durch das Tragen von Masken ausgeblieben zu sein. In „normalen“ Jahren wird nie viel darüber berichtet, dass jedes Jahr um die 20.000 Tote durch Grippeinfektion zu beklagen sind. Ich finde es erschreckend, alles in reinen Zahlen auszudrücken. Die Zahlen sind sehr hoch, einfach Angst einflößend. Dazu kommt, dass eine Zahl vollkommen unpersönlich ist und doch verbirgt sich hinter jeder dieser Zahlen immer ein Schicksal, und damit sind meistens auch viele andere Schicksale verbunden. Woran sind die Menschen wirklich gestorben, war die Grippe die alleinige Ursache oder nur ein Faktor von anderen Krankheitsursachen, die den Menschen bereits sehr, sehr stark geschwächt hatten und nun nicht mehr genügend Abwehr gegen die Infektion bestand?
Für mich ist Angst der größte Türöffner für jede Art von Infektionsgeschehen. Sei’s der herbstliche Schnupfen, die Erkältung und die Grippewelle. Ich habe festgestellt, wann immer ich denke, hoffentlich werde ich nicht angesteckt und bekomme eine Erkältung, so bin ich mit fast 100-prozentiger Sicherheit die nächsten Tage im Bett und kann mich „ausruhen“. Die Grippewelle hat mich niedergestreckt. Was wir nie vergessen dürfen, jedes Jahr sterben, wie schon gesagt, durch die Grippewelle sehr viele Menschen.
Wir befinden uns gerade in einer sehr unübersichtlichen Lage zwischen Virologen, sogenannten Experten, der Politik, der medialen Berichterstattung und unserer eigenen Wahrnehmung.
Ich weiß es nicht
Inzwischen ist Nikolaustag im Jahre 2020 vergangen. An dem Tag habe ich sogar einen Nikolaus aus Schokolade geschenkt bekommen.
Nur wo war das?
Heute, am 10. Dezember 2020, bin ich glücklich wieder zu Hause. Ein paar Tage zuvor war das aber bei Weitem nicht so. Am Freitagabend, den 4. Dezember, war ich schon schwer zu Bett gekommen, ich hatte etwas Fieber, aber das reichte, um mich nicht richtig bewegen zu können.
Abends habe ich den Pflegedienst angerufen, ob er mir zu Bett hilft, worüber ich wenig später sehr dankbar war. Ich habe mich gefreut, endlich zu Bett zu sein.
Der nächste Morgen gestaltet sich unerwartet schwierig, ich komme nicht aus dem Bett! Eine Entzündung in meinem linken Bein, meinem linken Unterschenkel, hat sich anscheinend feurig entflammt. Der Unterschenkel ist warm und hatte wahrscheinlich das Fieber ausgelöst, wodurch ich in der Bewegung stark eingeschränkt wurde.
Der Kontakt mit dem Pflegedienst ist auch schwierig, da ich die Telefontasten nicht richtig bedienen kann. Dummerweise habe ich mich zu den Coronamaßnahmen, die bisher getroffen wurden, etwas fraglich geäußert. Inzwischen verstehe ich alles nicht mehr, wir tragen Masken, wir halten Abstand, wir haben fast keinen Kontakt, die meisten bleiben zu Hause oder gehen nur kurz einkaufen, aber warum steigen trotz all der Maßnahmen die Zahlen der neu Infizierten und halten sich auf einem sehr hohen Niveau. Warum? Ich wiederhole wie ein Mantra: „Ich verstehe alles nicht mehr“. Wo kommen die vielen Infektionen her? Es gibt gar nicht mehr viele Ansteckungsmöglichkeiten, Restaurantbesuche, wo mehr Leute zusammenkommen können, gibt es nicht mehr. Alle Restaurants, Cafés und Kinos sowie Theater sind geschlossen. Ich verstehe alles nicht mehr, ich versinke immer tiefer in Ratlosigkeit und einfach Unverständnis.
Mein Pflegedienst hat nun große Sorge, dass ich die Maske nicht getragen habe und mich mit dem Coronavirus angesteckt habe, da ich mit einem Mal Fieber habe. Dadurch, dass ich alle Corona-Maßnahmen infrage gestellt habe, bin ich als Querdenker und Maskenverweigerer eingestuft worden, dabei suche ich nur Antworten, nicht mehr – nur Antworten! Ich bin weder das eine noch das andere, aber ich weiß einfach nicht mehr, was ist richtig, was ist notwendig und vor allen Dingen was wirkt? Ich weiß es nicht und verstehe es nicht, die Infektionszahlen steigen und steigen! So zieht der Pflegedienst es vor, nicht zu kommen, da er die Mitarbeiter und alle Kunden, die naturgemäß fast alle aus älteren Menschen bestehen, vor Ansteckungen schützen will. Das verstehe ich in gewisser Weise. Ich bin fast nur zu Hause, wenn ich mal aus der Haustür komme, bin ich immer mit Maske unterwegs, ob ich muss oder nicht, da ich nicht mehr weiß, wo was nötig ist. Mehr kann ich nicht tun.
Mein Besuch im HGZ
Was nun tun? Unsere Chrissi hier am Hof telefoniert mit meinem Hausarzt und sie kommen überein, dass ich ins Krankenhaus muss. Das sehe ich ein und wenig später kommt bereits der Rettungsdienst und fährt mich in das HGZ, das Herz- und Gefäßzentrum in Bad Bevensen. Dort war ich Anfang des Jahres schon einmal mit derselben Ursache, nur im anderen Bein. Sie hatten mir damals sehr gut geholfen.
Auch diesmal erlebe ich, dass alle unglaublich nett und freundlich, hilfsbereit sind. Noch am späten Abend bekomme ich eine erste Infusion mit einem Antibiotikum.
Durch das Coronavirus wurde der Haupteingang mehr oder weniger geschlossen. Es können nur noch Mitarbeiter passieren oder Menschen, die zu Fuß mit einer Einweisung in das HGZ kommen. Sonst wird keiner durchgelassen.
Wir müssen durch einen Lieferanteneingang am anderen Ende des Gebäudes. Der Weg führt durch unglaublich lange unterirdische Gänge, bis wir endlich den Fahrstuhl erreicht haben, der nach oben in die Station führt. Dort erwartet man mich bereits und ich komme in ein Isolierzimmer.
Oh, was ist das für ein Aufwand, der dort herrscht. Jeder, der zu mir kommt, trägt einen Kittel, eine Haube aus Plastik, Handschuhe aus Plastik, den Mundschutz ohnehin und alles wird nach dem kurzen Besuch bei mir in einer großen Tüte entsorgt. Was ist das für eine Menge Material, denn die Tüte, der Müllbeutel ist bald voll. Als Erstes wird gleich der Abstrich für den üblichen PCR-Test auf das Coronavirus gemacht. Er wird wohl am nächsten Tag irgendwann vorliegen. Ansonsten folgt die übliche Untersuchung mit Blutdruck, Blut abnehmen, EKG und anderem.
Dadurch, dass ich ganz allein im Zimmer bin, kann ich die Ruhe genießen. In der Nacht schlafe ich sehr gut.
Am hellen Tag sehe ich aus dem Fenster die Kiefern, den Wald, der um die Klinik herum ist. Wie schön, ich schaue nicht auf eine Hauswand und das soll auch für die Zeit meines Aufenthalts so bleiben. Nachdem der PCR-Test und zusätzlich ein Schnelltest, der aufgrund meines Fiebers noch in der Nacht gemacht wurde, beide negativ waren, werde ich in ein anderes Zimmer verlegt. Auch hier habe ich Glück, mein Bett steht direkt am Fenster und ich sehe den Wald, die Kiefern noch viel näher.
Mit den veganen Mahlzeiten will es zu Anfang noch nicht klappen, ich werde vegetarische Mahlzeiten zu mir nehmen. Das sollte für die kurze Zeit kein Problem sein, ich merke aber, dass mir der Joghurt nicht so gut bekommt. Die Krankenschwestern helfen mir, das Brot fertig zu machen und es in meinen Mund zu bekommen. Das ist mir durch die vom höheren Fieber verursachte Bewegungseinschränkung leider momentan nicht möglich. Die Bewegungseinschränkung ist bei Fieber auf die MS zurückzuführen. Bei übermäßiger Hitze oder Wärme wird die Bewegungsfähigkeit sehr stark eingeschränkt. Das macht sich auch in den Fingern bemerkbar. Auch das Halten eines Bechers ist schwierig, so bekomme ich einen Schnabelbecher mit einem Strohhalm, das geht gut. Mit jedem Tag wird es besser und zuletzt konnte ich wieder alles weitgehend allein machen.
Am Sonntagnachmittag kommt dann die gute Nachricht, dass der PCR-Test auf das Coronavirus ebenfalls negativ ist. Ich bin frei von den so gefürchteten Coronaviren! So bleibt als einzige Ursache die Entzündung im linken Bein. Ob sie durch die Entzündung im linken Zeh beeinflusst war? Ich weiß es nicht.
Alles in allem liege ich hilflos im Bett. An ein Aufstehen ist nicht zu denken. Was soll werden? Wieder weiß ich es nicht.
Ich merke inzwischen, immer wieder sage ich: ich weiß es nicht. Was ist aus mir geworden? Noch am Jahresanfang bin ich bei jedem Wetter zweimal die Woche freudig in die DianaKlinik zur DianaMedicalSport mit dem Hand-Bike gefahren. Vier Stunden Training und ganz, ganz viel Spaß dabei. Was war das für eine schöne Zeit! Ich war so lebendig. Ich war so voller Freude und Zuversicht. Wir hatten viel geschafft, unsere Übungen, um wieder zum Laufen zu kommen, wurden mit jedem Mal besser! Dann kam der 12. März um 12 Uhr mit der Verkündigung, wir müssen alle sofort die Trainingsfläche verlassen! Ab sofort ist geschlossen. Damals habe ich es noch als einen üblen vorübergehenden Scherz empfunden. Das Lachen aus diesem Scherz sollte immer, immer weniger werden. Zuletzt ist es ganz verhallt. Ein Dreivierteljahr kein vernünftiges Training mehr, meine Kräfte werden weniger. Was kann ich tun, damit die Muskeln ein bisschen erhalten bleiben? Zusätzlich zu meinem neuen Trainingsort, dem Badezimmer, fahre ich ab und an mit dem Hand-Bike, der Schwung hierfür geht immer mehr verloren, das Anziehen mit der dicken Winterjacke, die Extraschuhe, Handschuhe, Mütze, Schal, alles das ist so viel Aufwand. Damals hatte ich ein Ziel, das Training, das ist eigentlich derselbe Aufwand, aber er ist mir leichtgefallen.
Bei mir überwiegt immer mehr das Gefühl, ich sei wieder wie 2011 in das tiefe Tal umgezogen, wo die Sonne nicht mehr scheint und es immer schattig, trostlos und kühl ist. Dies beschreibe ich in meinem Buch „Vorwärts – Aufgeben ist keine Option“. Wo bin ich?
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