Alltag & Lebensführung

Negative Emotionen umbauen

Christian Ziegler

Negative Emotionen umbauen

Die Hypnose des genialen Milton Erickson einfach, sanft und selber anwenden

Leseprobe:

„Heute sind diese nebelverhangenen
Berge mein Zuhause …
Ich habe euer Leid gesehen,
hier, auf den Feldern der Zerstörung
habe ich eure Feuertaufe erlebt …
Es gibt so viele Welten, so viele Sonnen.
Wir haben nur diesen einen Planeten.
Und doch ist es so, als käme jeder von uns
Von einem anderen Stern …
Wir sind Narren, wenn wir Krieg führen
gegen unsere Waffenbrüder.“

(Dire Straits, „Brothers in Arms“)



0 Einleitung

Willkommen bei der Hypnotischen Gefühlsmeditation (HGM). Die HGM vereinigt die Vorteile der Hypnose, der Emotionsregulation und der Meditation. Diese einzigartige Dreierkombination verstärkt zudem die Wirksamkeit der Einzelkomponenten um ein Vielfaches.

Vorteile der Hypnose: Mit ihr zapfst du deine unbewussten Stärken an.

Vorteile der Gefühlsregulation: das Wahrnehmen, Benennen, Aushalten und Steuern vor allem der NEGATIVEN EMOTIONEN: All das setzt deine emotionale Entwicklung und damit deine Gesundheit in Gang.

Vorteile der Meditation: Durch häufiges Wiederholen und Dir-Zeit-Nehmen prägst du eine bestimmte Einstellung deinem Leben gegenüber.

Synergien: (Vorteile einzig durch das Zusammenwirken in der Dreierkombination ohne zusätzlichen Kraftaufwand). In der Dreierkombination müssen die einzelnen Komponenten aufeinander eingehen, sie können ihre Vorteile den beiden andern nicht vorenthalten. Ich nenne das den Vorteil durch gegenseitige Abhängigkeit.

Die Meditation macht die Hypnose besser, weil:
Meditation fördert Selbstverantwortung und entfernt falsche Wundererwartung.
Meditation unterstreicht Disziplin und Nachhaltigkeit.
Meditation entfernt Hypnose aus ihrem mysteriösen Raum und macht sie für jeden zugänglich.

Meditation macht die Gefühlsregulation besser, weil:
Meditation schenkt dir Achtsamkeit, Geduld und einen ruhigen Geist: alles Voraussetzungen, damit Emotionen sich zu Freundinnen entwickeln können. Denn die Sprache der Emotionen ist nicht so schnell wie die Sprache des Geistes.

Hypnose macht die Meditation besser, weil:
Hypnose vervielfacht das Veränderungspotential.


Hypnose macht die Gefühlsregulation besser, weil:
Dank intensiver Konzentration wird es dir möglich, direkt in die Emotionen einzusteigen und sie von innen her umzubauen.

Emotionsregulation macht Meditation besser, weil:
Emotionsregulation ermöglicht der Meditation den Zugang zu den gesundheitlich und entwicklungspsychologisch relevanten Bereichen der Emotionen.

Emotionsregulation macht Hypnose besser, weil:
Emotionsregulation erschließt die emotionalen Ressourcen. Sie verhindert eine rein technische Ausübung der Hypnose. Sie ermöglicht, dass die Antwort auf die Probleme vollständig aus dem eigenen Innern stammt, damit authentisch und langlebig wird.
Emotionen bieten der intensiven hypnotischen Konzentration einen passenden Fokus.

Vorteile der HGM als Ganze gegenüber den einzelnen Komponenten:
Vorteile der HGM gegenüber der Meditation: Die HGM ist jederzeit anwendbar, gerade auch in brenzligen Situationen des Alltags, wenn die Emotionen durchbrennen. Es überwindet die Kluft zwischen heiligem Ruheraum und hektischem Alltag. Die HGM benötigt bedeutend weniger Zeit, kann auch nebenbei angewendet werden, wenn keine wichtige Aufgabe ansteht.
Gegenüber der Hypnose: Der Anwendende kann selbst und bewusst bestimmen, wie viel er zulassen will. Loslassen gelingt einfacher und Kontrollverlust verliert den bedrohlichen Aspekt. Kein Leistungsdruck oder Versagensangst, dass etwas nicht gelingen könnte. Keine Gefahr des Überschwemmt-Werdens mit unerwünschten, unbewussten Inhalten.
Gegenüber der (kognitiven) Emotionsregulation: Statt von Neu-Bewertung spreche ich von Umbau der Emotionen: Damit passiert keine Bevormundung oder Einmischung in die Gefühlslandschaften durch das Denken, sondern es entsteht eine gleichberechtige Kooperation und Verbesserung der gegenseitigen Kommunikation zwischen „Hirn“ und „Herz“.

Über die Grenzen eines Selbsthilfebuches: Manche Menschen brauchen für die erfolgreiche Selbsthypnose einen Therapeuten als Coach, welcher ihnen auch nonverbal die benötigte Unterstützung geben kann. Was du direkt im Kontakt mit einem kompetenten Menschen erlebst, kann eine große motivierende Wirkung auf dich ausüben.

Begriffsklärung zu den Wörtern Gefühl und Emotion

In der deutschen Sprache besitzt das Wort „Gefühl“ zwei verschiedene Bedeutungen: Es meint a) Körperempfindungen, wie eine Berührung, ein Druck oder ein Hautschauer; und b) Emotion wie Angst, Freude oder Trauer und sehr viele mehr. Da Sprache nicht so eindeutig ist wie Mathematik, vermischen sich beide Bereiche auch noch: Emotionen entstehen zwar im Säugetierhirn und können ausschließlich nur in Hirnschaltungen existieren. So sehen wir vielen Menschen ihre Emotionen nicht an, weil ihre Körper- oder Sprachbeteiligung der Emotionen fast vollständig fehlt. Häufiger verbinden sich jedoch Körperreaktionen mit den Emotionen. Am einfachsten scheint mir der Vergleich mit einer Violine: Die Saiten der Violine, auf denen ein Ton entsteht, entsprechen den Schaltkreisen im Säugetierhirn des Menschen. Der menschliche Körper kommt dem Resonanzkasten der Violine gleich. Im englischen Wort „feeling“ vereinen sich Spüren, Erinnern und Überlegen. Im Gegensatz ist „emotion“ von „Erfahrungswissen“ weitgehend unberührt. Während der HGM konzentrierst du dich neben dem Bild auf das englische „feeling“, das du am besten als „Spürwissen“ wahrnimmst. Dieses ist mehr eine Ahnung als nur eine einfache Körperwahrnehmung.
In diesem Buch verwende ich „Emotion“ und „Gefühl“ gleichbedeutend. Bei einer reinen Körperempfindung gebrauche ich einzig das Wort „Körperempfindung“.
Während der HGM fokussierst du in der Regel auf eine negative Emotion, nur ausnahmsweise auf eine positive Emotion wie Sehnsucht, Stolz, Vorfreude oder Angstlust. „Negativ“ und „positiv“ ist bei der Bezeichnung einer Emotion nicht wertend gemeint. Negative Emotionen kommen einem einzig unangenehmer vor als positive. Positive Emotionen dienen mehr dem sozialen Kontakt. Negative Emotionen informieren uns im Grund über die eigenen Bedürfnisse und sind, einmal gebändigt, für die Selbstentwicklung überaus wichtig.




1 Die Entstehungsgeschichte der Hypnotischen Gefühlsmeditation (HGM)

Die drei Bestandteile der HGM

Lass mich für dich zu Beginn die HGM definieren. Die HGM ist eine meditative Form der Selbsthypnose, die du fast überall anwenden kannst, wenn du nicht gerade mit etwas Wichtigem beschäftigt bist. Das ist einer ihrer Vorteile, nämlich, dass sie wenig Zeit beansprucht. Sie kann präventiv in der Abgeschiedenheit praktiziert werden oder im Notfall während eines stark emotionalen Zustandes, welcher durch die HGM abgemildert wird. Genauso einfach ist die Technik der HGM. Sie besteht einzig und allein aus drei Bestandteilen: 1. Intensive Konzentration auf 2. eine negative Emotion und 3. auf ein dazu passendes Bild. Das Geheimnis der HGM liegt in ihrer Einfachheit, welche in deinem Innern viel auslöst. In Kapitel 3 findest du die praktische Anleitung zur HGM. Vorerst möchte ich dir erzählen, wie die HGM entstanden ist.


„Ich mag Montage nicht.“

An einem trüben Therapietag reihen sich die Stunden zäh aneinander. Bei den Patienten verkriechen sich Aggression und Wut im Untergrund, sickern ein wenig durch die Poren, können sich aber nicht in Worte kleiden. Da kommt mir Bob Geldofs Song „I don’t Like Mondays“ in den Sinn. Der Song fängt Feuer in meinem Innern, begeistert wie Bob Geldof vor vielen Jahren auf der Bühne des Life Aid Konzerts, während viele Tausende Fans im Wembley Stadion mittanzten.
Bob Geldof singt von einem unglücklichen 16-jährigen Mädchen, das aus ihrer Wohnung mit einer Pistole auf die Schule gegenüber zielt, zwei Menschen tötet und neun verletzt. Ein Reporter telefoniert simultan und fragt sie, warum sie das tue. Ihre Antwort: „Nichts los. Ich mag keine Montage.“
Ich lasse den Auftritt im Wembley Stadion auf Youtube bei einigen Therapien erklingen, weise auf Bobs leidenschaftliche Mimik hin. Die Patienten sollen Zugang zu den eigenen Aggressionen finden.
„Der Silliziumchip in ihrem Kopf schaltet auf Überlast.
Und niemand wird heut’ zur Schule gehen, sie sorgt dafür, dass sie zuhause bleiben.
Und Vati versteht es nicht, er hat immer gesagt, dass sie die Beste ist.
Und er kann keine Gründe sehen, denn es gibt keine Gründe. Welchen Grund musst DU sehen?“
Bob Geldofs Wut auf der Life Aid Bühne ist nicht jene sinnlose Wut des unglücklichen Mädchens,
sondern SEINE Wut richtet sich gegen die sinnlosen Umstände, welche zu Hunger und Tod in Afrika führen. SEINE Wut wandelt sich in einen konstruktiven Kampf für mehr Gerechtigkeit und Chance benachteiligter Menschen. Dafür engagiert er sich und sagt am Schluss des Liedes: „Mir wird gerade klar, heute ist der beste Tag in meinem Leben.“
Bob Geldof hat so Geburtshelfer gespielt für meine Hypnotische Gefühlsmeditation (HGM), welche darauf zielt, scheinbar sinnlose, negative Emotionen in konstruktive Lebensgefährten zu verwandeln. In jenem Moment im Sommer 2015 wusste ich das WIE noch nicht, aber es begann in meinem Innern zu keimen. Es musste eine einfache Methode für eine konstruktive Umwandlung geben! Warum sonst habe ich so lange mit verschiedenen Hypnoseformen im sicheren Rahmen gepröbelt? Denn die klassische Hypnose wirkt bei verschiedenen Problemen nicht genügend gut. Auch für die Selbsthypnose zu Hause musste ein einfacheres Verfahren her! Patienten nicht zur Veränderung geeignet. Die hypnotische Veränderungsmacht soll sich einzig in den Dienst der Patienten-Bedürfnisse stellen, deshalb ist Selbsthypnose der beste Weg zu deinem Wohlbefinden. HGM ist Meditation und Selbsthypnose in einem.


Ebenfalls Pate für die HGM…

stand eine witzig-gewagte Szene aus dem Film „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“.
Der krebskranke Gus steckt sich lässig eine Zigarette in den Mund. Die ebenfalls krebskranke Hazel ist entsetzt:
Hazel: „Denkst du, damit wirkst du cool, oder so? Damit hast du alles ruiniert… Das ist ein tödlicher Fehler.“
Gus: „Hazel Grace, die schaden einem nicht, solange man sie nicht ansteckt. Ich mach sie nie an. Das ist eine Metapher. Du steckst dir das tödliche Ding zwar zwischen die Zähne, gibst ihm aber nicht die Macht, dich zu töten: eine Metapher.“
Gus beruhigt Hazel mit neckischem Unterton. Die humorvolle Metapher schweißt die beiden angesichts der Bedrohung ihrer Krankheit zusammen. Oberflächliche Harmonie wird nicht zelebriert und Verletzlichkeit nicht ausgeblendet. Wie eine Metapher stellt sich auch die HGM der Gefahr und verwandelt Unsicherheit in eigene Stärke.


Die beiden Seiten des Lebens: Anziehung und Vermeidung

Unbedingt muss ich jetzt den namhaften Psychologen Julius Kuhl nennen in seiner Rolle als Assistent bei der Geburt der HGM. Sein Persönlichkeitsmodell und die persönliche Begegnung mit ihm haben mich über mehr als ein Jahrzehnt inspiriert. Ich will sein Persönlichkeitsmodell für euch liebe Leserinnen und liebe Leser, verständlich und einfach skizzieren.
Simpel ausgedrückt: Es gibt Gut und Böse im Leben, Anziehung und Vermeidung, positive und negative Emotionen. Positive Emotionen entstehen im zwischenmenschlichen Kontakt. Negative Emotionen treten auf, wenn du dich in Gefahr befindest. Eine solche Bedrohung bugsiert dich jedoch zu deinen Stärken, sobald du mit der Gefahr klarkommst.


Das Leben ist keine bequeme Fahrt im Lehnstuhl.

Schon die alten Lateiner erklärten „per aspera ad astra“, dass du über die Härten zu den Sternen gelangst. Wie wenn du einen Berggipfel erklommen hast und dich oben freuen kannst. Dies könnte eine Metapher sein, dass du zu dir selbst, zu deiner Lebendigkeit, zu deinen Emotionen und zu deinem Leben gefunden hast.
Diese Überlegungen und Kuhls Persönlichkeitsmodell ließen mich zuerst mit der „Hypnotischen Meditationen des Fehlenden“ experimentieren. Du weißt, Fehler, und wenn dir etwas fehlt, erzeugen in dir Spannung und Unwohlsein. Der Fokus auf das Fehlende rief jedoch zu starke Reaktionen hervor; ich fand heraus, dass der Fokus auf die negativen Emotionen dein Selbstmanagement besser fördert. Die negativen Emotionen zeigen gleichwohl an, dass etwas fehlt. Und aus dem emotional Fehlenden entstehen ebenfalls Bedürfnisse. Auch erzeugen die negativen Emotionen jenes lebendige Gegengewicht zur hypnotischen Konzentration, welches die fortgesetzte Meditation erleichtert.


Der meditative Aspekt in der HGM

Wieso bin ich überhaupt dazu gekommen, den meditativen Aspekt der Hypnose beizufügen? Vielleicht, weil Meditation gerade Mode ist? Oder weil wissenschaftlich bewiesen ist, dass sowohl Hypnose (Revenstorf) wie auch Meditation einen Langzeiteffekt bewirken? (Davidson) Noch wichtiger: Ich wollte den Menschen ein einfaches Mittel zur Hand geben, das ihnen zu Hause und in brenzligen Situationen leicht verfügbar ist. Ich wusste schon lange, dass Hypnose unser Verhalten im Alltag verändert. Dass Hypnose an die Ressourcen unserer Kindheit anknüpft. Warum nicht unsere jugendliche Flexibilität in Hypnose immer wieder trainieren? So habe ich gemerkt, dass der meditative Aspekt es dir am besten ermöglicht, meine hypnotische Hilfe in Selbsthilfe zu transferieren. Ich bin zutiefst überzeugt, es gibt nur Hilfe zur Selbsthilfe.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 262
ISBN: 978-3-903155-46-6
Erscheinungsdatum: 13.07.2017
Durchschnittliche Kundenbewertung: 5
EUR 27,90
EUR 16,99

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