Nasenflügel und Arvenholz
Tipps für gutes Schlafen
EUR 21,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 64
ISBN: 978-3-99130-581-1
Erscheinungsdatum: 05.02.2025
Die Ursache für eine Schlafstörung klärt sich oft erst nach Jahren. Was aber kann Ihnen helfen? Als Musiklehrer, Vater und Hausmann hat Dieter Frei Erkenntnisse rund um den Schlaf gesammelt. Sie erhalten zudem viele Übungsanleitungen und praxisnahe Tipps.
Vorwort
Wer Probleme mit seinem Schlaf hat, setzt alles daran, diese zu lösen. Sogar das vorliegende Büchlein wirst du durchlesen, um für dein Zähneknirschen, Schnarchen oder deine Apnoe Linderung zu finden, und dabei auch stillschweigend akzeptieren, dass wir im Sinne der Gleichberechtigung das generische Femininum verwenden.
Als Holzbläser habe ich mich während meines Studiums gleich mehrmals mit Atmung befassen müssen. Spätere Ereignisse haben vieles bestätigt, was ich über Atmung, Gesundheit und Schlaf lernen musste.
Weltweit sind nur zwei Holzarten bekannt, die ätherische Öle abgeben. Arvenholz – auch Zirbe genannt – ist eine davon. Einem Ratschlag folgend flog ein Musikerkollege in seinem Privatjet über den Atlantik in die Südtiroler Berge. Seine letzte Hoffnung legte M. in eine Schale aus Arvenholz (Abbildung 3 im Anhang).
Bei Schlafproblemen, welche auf tief liegende Probleme zurückgehen, können meine Ratschläge fachärztliche Betreuung nicht ersetzen. In der weltweiten Flut an Ratschlägen sind die vorliegenden vielleicht nicht einmal das Geld wert. Den Preis gesenkt, sollte das Verhältnis wieder stimmen. Ich habe keinen Gewinn und du keinen grossen Verlust.
Dieter Frei
1 Frau Frei
Wer keine kleinen Kinder und auch keine Enkelinnen hat, kann das Kapitel überspringen.
Frau Frei, mit mir leider nicht verwandt, war die Säuglingsberatungsschwester – heute Fachfrau Säuglinge – unseres Quartiers. Inzwischen sind unsere vier Söhne erwachsen. Von den Säuglingsproblemen haben wir nur noch Spätfolgen.
Damals – vor rund 30 Jahren – war für mich als Hausmann der wöchentliche Besuch der «Mütterberatung» lehrreich, denn Frau Frei, eine 70-jährige Bündnerin, hatte Erfahrungen rund um das Säuglingswesen angehäuft.
Während zwei Mütter ihre Kleinen gänsegleich mit Joghurt zu füllen versuchten, was nicht gelingen wollte, da diese sich wehrten, lobte Frau Frei gut hörbar «unser» reines Stillen. Wenn ich jeweils von der Beratung nach Hause kam, sagte ich unter der Tür mumma bunna und erleichtert fiel mir die Mutter um den Hals.
Ich war damals einer der ersten Hausmänner in unserem Quartier, also nannte ich mich stilgerecht männliche Hausfrau. Wenn ich abends von der anderen Teilzeit-Arbeit nach Hause kam und beim Aufräumen helfen musste, war ich so müde, dass ich stehend hätte schlafen können. Der Zusammenhang zwischen Beschäftigung und Schlafbedürfnis wird nicht immer erkannt.
Schlafen – genauer durchschlafen – ist mit einem Neugeborenen nicht möglich. In der ersten Zeit – Vaterschaftsurlaub gab es noch nicht – musste ich nachts schlafwandelnd wickeln, herumtragen oder Zwiebeln schneiden. Verglichen mit dem Stillen ist das aber kaum erwähnenswert.
«Ich kann nicht schlafen!» Dieses vornächtliche Rufen kennen alle Eltern. Als guter Vater bist du gewappnet, erzählst Gutenachtgeschichten und hängst zwei Schlaflieder in hoher Lage an. Du beobachtest, wie alle Augenlider schwer werden. Du kannst gerade noch aufstehen. Beim Verlassen des Kinderzimmers solltest du die Türe wegen des Schletzgeräusches offenlassen. Wenn du dir dann auf der untersten Lautstärke die zweite Halbzeit anschaust, hörst du abermals: «Ich kann nicht schlafen!». Die Lautstärke war zu hoch, du bist zu früh aufgestanden oder entgegen dem Ratschlag hast du die Türe doch geschlossen. Nun hilft nur noch die Notlösung. Du sagst am Bettlein mit beruhigendem Ton:
«Du musst gar nicht schlafen, du musst nur ruhig sein!»
Inzwischen sind zwei Tore gefallen und die Spannung ist gross, als es wieder ertönt: «Ich kann nicht schlafen», diesmal aus einem anderen Zimmer.
Wie in allen Familien war auch bei uns der Säuglingsschnupfen zu Gast. Die kurze Nachtruhe war auf ein Minimum zusammengeschrumpft. Ich schnitt eine halbe Zwiebel, hängte diese in einem Tüchlein übers Bett, währenddessen meine Partnerin ein Kissen unter das Köpfchen gelegt hatte und die Nasenflügelchen leicht nach unten ziehend massierte. Das Hinterköpfchen muss hochgelagert sein, sodass das Kinnlein nach unten zeigt! Schliesslich netzten wir mit einem Lappen die Lippchen, damit das Mündlein für einige Minuten geschlossen bleibt, und schon fertig war die Prozedur. Mit einem feinen Geräusch säuselte das Atemlein wieder. Nach einer kleinen Siegerumarmung konnten wir delfingleich weiterschlafen. Freis Hausmittel stellten die vom Kinderarzt verschriebenen Medikamente buchstäblich in den Schatten unserer Nachttischlampe.
Herzlichen Dank, Frau Frei.
PS: Was für die Kleinen gilt, gilt ebenso für uns Grosse! Mit hochgelagertem Hinterkopf bei tiefem Kinn läuft so manches von alleine aus den oberen Höhlen in die unteren Höhlen und dann raus oder ganz runter. Falls es nicht laufen will, gibt es noch den Haushaltpapiertrick. Du rollst ein Stück zu einem spitzigen Stäbchen und machst einen Sprung zum PS von Kapitel 9.
2
Auf der Suche nach dem verlorenen Glück
Überspringen, wenn du keine kleinen Kinder oder Enkelinnen hast
Vor der Geburt unseres ersten Kindes bekamen wir von einer Bekannten ein Buch mit dem Titel Auf der Suche nach dem verlorenen Glück. Die Autorin lebte lange Zeit bei Ureinwohnern Amerikas nahe des Silver Valleys, wenn ich mich nicht irre. Für uns junge Eltern waren ihre Ratschläge Gold wert. Das Neugeborene brauche nicht abgedunkelte Ruhe und auch kein eigenes Bettchen. Im Gegenteil schreie es gut hörbar nach Nähe, Wärme und Hautkontakt. Wir nehmen unsere Kinder immer und überall mit. Nachts dürfen sie in unserem Bett schlafen. Wie die Bäckerinnen das Brot, drehen wir unsere Schützlinge. Den verlorenen Schnuller stecken wir an seinen Platz zurück, ohne dabei jedes Mal aufstehen zu müssen. Den grossen Kinderwagen stellen wir in den Keller und tragen unsere Kleinen die ersten Monate im Snuggli, denn Babys wollen Puls und Körperwärme spüren, in unruhigen Nächten für ein paar Minuten vom Vater herumgetragen werden und – Muttermilch, mehr nicht. Dieses Buch war für uns wiedergefundenes Glück.
3 Der Zähneknirscher
Lesen! Ist ja kurz.
An einem Skiwochenende teilte ich das Zimmer mit einem Bruxisten. Er war kein Belgier und ein netter Kerl. In der Nacht aber rieb er seine Zähne wie Backsteine aneinander. Unter hohem Druck aufeinandergepresst erzeugen sie unangenehme Geräusche. Der Silsersee im Engadin macht ähnliche Geräusche, wenn er gefriert. Er macht sie nur ein Mal im Jahr, während ein Zähneknirscher diese mehrmals macht.
Er beginnt mitten in der Nacht und bleibt für längere Zeit bei seiner Tätigkeit, die er im Schlaf beherrscht. Wie Schnarcher schläft auch der Bruxist tief.
Was die Medizin bei Bruxismus neben der Knirscherschiene noch anbietet, weiss ich nicht. Obwohl Säuglinge keine Backenzähne haben, hätte Frau Frei auch hier Abhilfe gewusst. Leider musst du dich hier mit meinem Ratschlag begnügen:
Probiere es mal mit Gesangsunterricht. Dort wird einiges über Kieferhaltung und Muskelspannung gesprochen. Womöglich wirst du dann auf unnötige Spannungen stossen und diese abbauen.
Allerdings wird dabei auch dein Portemonnaie abgebaut.
4 Der Fersenstrecker
Dieses Kapitel kannst du überspringen, wenn du mit deiner Nase deine Knie berühren oder mindestens – dies gilt nur für männliche Leserinnen – aus einer kleinen Distanz draufspucken könntest.
Der aufrechte Gang des Homo sapiens bedeutet Muskelarbeit im Gesäss, auch wenn du den ganzen Tag rumsitzt. Das Dehnen wird zu einem Muss. Stretching war in den Achtzigerjahren ein «Hype». Die durch täglichen Gebrauch verkürzten Sehnen werden mit Dehnübungen wieder in die ursprüngliche Länge gezogen. Stretching ist die amerikanische Version des heute so beliebten Yogas. Unsere Nachbarin kam allwöchentlich glücklich von den «Sitzungen» nach Hause. Also sassen meine Frau und kurz darauf auch ich – der Gesundheit, des Friedens und der Liebe zuliebe als einziger Mann mit zehn Frauen – im selben Kurs. Der Gedanke, dass es auch Ballettkurse gibt, tröstete mich.
Die Trainerin, Gisela, war fachlich hervorragend, wollte ihre Arbeit gut machen und schenkte meinen Sehnen zusätzliche Aufmerksamkeit. Diese aber waren um Längen zu kurz, um die Nasenspitze auch nur in Spucknähe der Knie zu bringen. Schon beim blossen Aufrechtsitzen begann ich zu zittern. Ohne Wenn und Aber kniete Gisela auf meinem Rücken und versuchte meinen Oberkörper runterzudrücken. Nach solchen «Wrestling-Einlagen» waren wir beide jeweils schweissgebadet. Ich solle diese Übung jeden Tag zu Hause machen. Gisela meinte es gut mit mir.
Dass ich einen unbeweglichen Rücken habe, beschäftigte mich sehr. Die beschriebenen Dehnungen jeden Tag zu Hause auszuführen, überforderte mich, bin ich ja nicht der Typ, der auf einer Gummimatte vor dem Fernseher Yogaübungen macht, auch nicht amerikanische. Deshalb habe ich Jahre später – immer noch an Gisela denkend – den Fersenstrecker erfunden:
Nachts im Bett auf der Seite liegend, die Knie an die Brust gezogen, fahre ich meine Waden aus und drücke kurz vor dem Einschlafen auf den Knopf der Fernbedienung. Nun rollt ein Motörchen am Bettrand die an meiner Ferse befestigte Schnur auf und zieht die Beine in die Länge. «Oh, grösstes aller Wohlgefühle», hätte Goethe gerufen und den Leiden des Jungen Werthers mit einem angehängten Kapitel Abhilfe verschafft. Mit dem patentierten Fersenstrecker wäre ich ebenso reich wie J. K. Rowling.
Da mir bis heute niemand dieses Zaubergerät mit Schnurwinde und Fernbedienung konstruieren konnte, begnüge ich mich mit einem Kirschsteinkissen, welches auch das Zurückgleiten in die jämmerliche Sehnenverkürzung verhindert.
Vielen Dank, Gisela.
PS: Wer Genaueres über Sehnen und Muskeln wissen möchte, lese das faszienierende Buch: Die Arthrose-Lüge von Liebscher-Bracht & Bracht.
5 Bett und Zubehör
Dieses Kapitel kann überspringen, wer erst kürzlich ein neues Bett, eine schadstoffarme Matratze oder eine neue Decke gekauft hat.
«Wie man sich bettet, so liegt man». Dieser Volksweisheit folgend leisteten wir uns vor langer Zeit ein Hüsler-Nest. Aus unbehandeltem Naturholz, ungeleimt, nur mit zwei Holzschrauben fixiert, ist dieses Bett nach über 30 Jahren immer noch im Handel erhältlich. Es ist das beste im ganzen Land,
… das Arvenbett aber, hinter den sieben Bergen bei
AMAR-Arvenmöbel in Müstair/GR, ist …
… ebenso gut.
Jahrelang schliefen wir auf harten Matratzen. Als wir eines Tages weichere kauften, fielen wir «in alle Wolken». Als wir noch die Daunendecke gegen eine nachhaltige Schweizer Schafwolldecke eintauschten, erwachten wir aus einem Dornröschenschlaf. Die Feuchtigkeit, die der Körper in der Nacht abgibt, konnte die Schafwolle spielend aufnehmen. Ist sie zusätzlich ein Schweizer Produkt, kannst du mit dem ruhigen Gewissen noch besser schlafen.
Das Arvenbett aber ist die Krönung. Wer einen wittchenhaften Schlaf möchte, soll sich sofort auf den Siebenbergen-Weg machen. Achtung, keine Äpfel von fremden Leuten!
Vielen Dank, liebe Schweizer Schafe und lieber Marcus.
PS: Frage Marcus nach dem Bett «Dieter» mit den Einschnitten für die Hände!
GeheimTipp: «sleepgreen» Luzern.
Wer Probleme mit seinem Schlaf hat, setzt alles daran, diese zu lösen. Sogar das vorliegende Büchlein wirst du durchlesen, um für dein Zähneknirschen, Schnarchen oder deine Apnoe Linderung zu finden, und dabei auch stillschweigend akzeptieren, dass wir im Sinne der Gleichberechtigung das generische Femininum verwenden.
Als Holzbläser habe ich mich während meines Studiums gleich mehrmals mit Atmung befassen müssen. Spätere Ereignisse haben vieles bestätigt, was ich über Atmung, Gesundheit und Schlaf lernen musste.
Weltweit sind nur zwei Holzarten bekannt, die ätherische Öle abgeben. Arvenholz – auch Zirbe genannt – ist eine davon. Einem Ratschlag folgend flog ein Musikerkollege in seinem Privatjet über den Atlantik in die Südtiroler Berge. Seine letzte Hoffnung legte M. in eine Schale aus Arvenholz (Abbildung 3 im Anhang).
Bei Schlafproblemen, welche auf tief liegende Probleme zurückgehen, können meine Ratschläge fachärztliche Betreuung nicht ersetzen. In der weltweiten Flut an Ratschlägen sind die vorliegenden vielleicht nicht einmal das Geld wert. Den Preis gesenkt, sollte das Verhältnis wieder stimmen. Ich habe keinen Gewinn und du keinen grossen Verlust.
Dieter Frei
1 Frau Frei
Wer keine kleinen Kinder und auch keine Enkelinnen hat, kann das Kapitel überspringen.
Frau Frei, mit mir leider nicht verwandt, war die Säuglingsberatungsschwester – heute Fachfrau Säuglinge – unseres Quartiers. Inzwischen sind unsere vier Söhne erwachsen. Von den Säuglingsproblemen haben wir nur noch Spätfolgen.
Damals – vor rund 30 Jahren – war für mich als Hausmann der wöchentliche Besuch der «Mütterberatung» lehrreich, denn Frau Frei, eine 70-jährige Bündnerin, hatte Erfahrungen rund um das Säuglingswesen angehäuft.
Während zwei Mütter ihre Kleinen gänsegleich mit Joghurt zu füllen versuchten, was nicht gelingen wollte, da diese sich wehrten, lobte Frau Frei gut hörbar «unser» reines Stillen. Wenn ich jeweils von der Beratung nach Hause kam, sagte ich unter der Tür mumma bunna und erleichtert fiel mir die Mutter um den Hals.
Ich war damals einer der ersten Hausmänner in unserem Quartier, also nannte ich mich stilgerecht männliche Hausfrau. Wenn ich abends von der anderen Teilzeit-Arbeit nach Hause kam und beim Aufräumen helfen musste, war ich so müde, dass ich stehend hätte schlafen können. Der Zusammenhang zwischen Beschäftigung und Schlafbedürfnis wird nicht immer erkannt.
Schlafen – genauer durchschlafen – ist mit einem Neugeborenen nicht möglich. In der ersten Zeit – Vaterschaftsurlaub gab es noch nicht – musste ich nachts schlafwandelnd wickeln, herumtragen oder Zwiebeln schneiden. Verglichen mit dem Stillen ist das aber kaum erwähnenswert.
«Ich kann nicht schlafen!» Dieses vornächtliche Rufen kennen alle Eltern. Als guter Vater bist du gewappnet, erzählst Gutenachtgeschichten und hängst zwei Schlaflieder in hoher Lage an. Du beobachtest, wie alle Augenlider schwer werden. Du kannst gerade noch aufstehen. Beim Verlassen des Kinderzimmers solltest du die Türe wegen des Schletzgeräusches offenlassen. Wenn du dir dann auf der untersten Lautstärke die zweite Halbzeit anschaust, hörst du abermals: «Ich kann nicht schlafen!». Die Lautstärke war zu hoch, du bist zu früh aufgestanden oder entgegen dem Ratschlag hast du die Türe doch geschlossen. Nun hilft nur noch die Notlösung. Du sagst am Bettlein mit beruhigendem Ton:
«Du musst gar nicht schlafen, du musst nur ruhig sein!»
Inzwischen sind zwei Tore gefallen und die Spannung ist gross, als es wieder ertönt: «Ich kann nicht schlafen», diesmal aus einem anderen Zimmer.
Wie in allen Familien war auch bei uns der Säuglingsschnupfen zu Gast. Die kurze Nachtruhe war auf ein Minimum zusammengeschrumpft. Ich schnitt eine halbe Zwiebel, hängte diese in einem Tüchlein übers Bett, währenddessen meine Partnerin ein Kissen unter das Köpfchen gelegt hatte und die Nasenflügelchen leicht nach unten ziehend massierte. Das Hinterköpfchen muss hochgelagert sein, sodass das Kinnlein nach unten zeigt! Schliesslich netzten wir mit einem Lappen die Lippchen, damit das Mündlein für einige Minuten geschlossen bleibt, und schon fertig war die Prozedur. Mit einem feinen Geräusch säuselte das Atemlein wieder. Nach einer kleinen Siegerumarmung konnten wir delfingleich weiterschlafen. Freis Hausmittel stellten die vom Kinderarzt verschriebenen Medikamente buchstäblich in den Schatten unserer Nachttischlampe.
Herzlichen Dank, Frau Frei.
PS: Was für die Kleinen gilt, gilt ebenso für uns Grosse! Mit hochgelagertem Hinterkopf bei tiefem Kinn läuft so manches von alleine aus den oberen Höhlen in die unteren Höhlen und dann raus oder ganz runter. Falls es nicht laufen will, gibt es noch den Haushaltpapiertrick. Du rollst ein Stück zu einem spitzigen Stäbchen und machst einen Sprung zum PS von Kapitel 9.
2
Auf der Suche nach dem verlorenen Glück
Überspringen, wenn du keine kleinen Kinder oder Enkelinnen hast
Vor der Geburt unseres ersten Kindes bekamen wir von einer Bekannten ein Buch mit dem Titel Auf der Suche nach dem verlorenen Glück. Die Autorin lebte lange Zeit bei Ureinwohnern Amerikas nahe des Silver Valleys, wenn ich mich nicht irre. Für uns junge Eltern waren ihre Ratschläge Gold wert. Das Neugeborene brauche nicht abgedunkelte Ruhe und auch kein eigenes Bettchen. Im Gegenteil schreie es gut hörbar nach Nähe, Wärme und Hautkontakt. Wir nehmen unsere Kinder immer und überall mit. Nachts dürfen sie in unserem Bett schlafen. Wie die Bäckerinnen das Brot, drehen wir unsere Schützlinge. Den verlorenen Schnuller stecken wir an seinen Platz zurück, ohne dabei jedes Mal aufstehen zu müssen. Den grossen Kinderwagen stellen wir in den Keller und tragen unsere Kleinen die ersten Monate im Snuggli, denn Babys wollen Puls und Körperwärme spüren, in unruhigen Nächten für ein paar Minuten vom Vater herumgetragen werden und – Muttermilch, mehr nicht. Dieses Buch war für uns wiedergefundenes Glück.
3 Der Zähneknirscher
Lesen! Ist ja kurz.
An einem Skiwochenende teilte ich das Zimmer mit einem Bruxisten. Er war kein Belgier und ein netter Kerl. In der Nacht aber rieb er seine Zähne wie Backsteine aneinander. Unter hohem Druck aufeinandergepresst erzeugen sie unangenehme Geräusche. Der Silsersee im Engadin macht ähnliche Geräusche, wenn er gefriert. Er macht sie nur ein Mal im Jahr, während ein Zähneknirscher diese mehrmals macht.
Er beginnt mitten in der Nacht und bleibt für längere Zeit bei seiner Tätigkeit, die er im Schlaf beherrscht. Wie Schnarcher schläft auch der Bruxist tief.
Was die Medizin bei Bruxismus neben der Knirscherschiene noch anbietet, weiss ich nicht. Obwohl Säuglinge keine Backenzähne haben, hätte Frau Frei auch hier Abhilfe gewusst. Leider musst du dich hier mit meinem Ratschlag begnügen:
Probiere es mal mit Gesangsunterricht. Dort wird einiges über Kieferhaltung und Muskelspannung gesprochen. Womöglich wirst du dann auf unnötige Spannungen stossen und diese abbauen.
Allerdings wird dabei auch dein Portemonnaie abgebaut.
4 Der Fersenstrecker
Dieses Kapitel kannst du überspringen, wenn du mit deiner Nase deine Knie berühren oder mindestens – dies gilt nur für männliche Leserinnen – aus einer kleinen Distanz draufspucken könntest.
Der aufrechte Gang des Homo sapiens bedeutet Muskelarbeit im Gesäss, auch wenn du den ganzen Tag rumsitzt. Das Dehnen wird zu einem Muss. Stretching war in den Achtzigerjahren ein «Hype». Die durch täglichen Gebrauch verkürzten Sehnen werden mit Dehnübungen wieder in die ursprüngliche Länge gezogen. Stretching ist die amerikanische Version des heute so beliebten Yogas. Unsere Nachbarin kam allwöchentlich glücklich von den «Sitzungen» nach Hause. Also sassen meine Frau und kurz darauf auch ich – der Gesundheit, des Friedens und der Liebe zuliebe als einziger Mann mit zehn Frauen – im selben Kurs. Der Gedanke, dass es auch Ballettkurse gibt, tröstete mich.
Die Trainerin, Gisela, war fachlich hervorragend, wollte ihre Arbeit gut machen und schenkte meinen Sehnen zusätzliche Aufmerksamkeit. Diese aber waren um Längen zu kurz, um die Nasenspitze auch nur in Spucknähe der Knie zu bringen. Schon beim blossen Aufrechtsitzen begann ich zu zittern. Ohne Wenn und Aber kniete Gisela auf meinem Rücken und versuchte meinen Oberkörper runterzudrücken. Nach solchen «Wrestling-Einlagen» waren wir beide jeweils schweissgebadet. Ich solle diese Übung jeden Tag zu Hause machen. Gisela meinte es gut mit mir.
Dass ich einen unbeweglichen Rücken habe, beschäftigte mich sehr. Die beschriebenen Dehnungen jeden Tag zu Hause auszuführen, überforderte mich, bin ich ja nicht der Typ, der auf einer Gummimatte vor dem Fernseher Yogaübungen macht, auch nicht amerikanische. Deshalb habe ich Jahre später – immer noch an Gisela denkend – den Fersenstrecker erfunden:
Nachts im Bett auf der Seite liegend, die Knie an die Brust gezogen, fahre ich meine Waden aus und drücke kurz vor dem Einschlafen auf den Knopf der Fernbedienung. Nun rollt ein Motörchen am Bettrand die an meiner Ferse befestigte Schnur auf und zieht die Beine in die Länge. «Oh, grösstes aller Wohlgefühle», hätte Goethe gerufen und den Leiden des Jungen Werthers mit einem angehängten Kapitel Abhilfe verschafft. Mit dem patentierten Fersenstrecker wäre ich ebenso reich wie J. K. Rowling.
Da mir bis heute niemand dieses Zaubergerät mit Schnurwinde und Fernbedienung konstruieren konnte, begnüge ich mich mit einem Kirschsteinkissen, welches auch das Zurückgleiten in die jämmerliche Sehnenverkürzung verhindert.
Vielen Dank, Gisela.
PS: Wer Genaueres über Sehnen und Muskeln wissen möchte, lese das faszienierende Buch: Die Arthrose-Lüge von Liebscher-Bracht & Bracht.
5 Bett und Zubehör
Dieses Kapitel kann überspringen, wer erst kürzlich ein neues Bett, eine schadstoffarme Matratze oder eine neue Decke gekauft hat.
«Wie man sich bettet, so liegt man». Dieser Volksweisheit folgend leisteten wir uns vor langer Zeit ein Hüsler-Nest. Aus unbehandeltem Naturholz, ungeleimt, nur mit zwei Holzschrauben fixiert, ist dieses Bett nach über 30 Jahren immer noch im Handel erhältlich. Es ist das beste im ganzen Land,
… das Arvenbett aber, hinter den sieben Bergen bei
AMAR-Arvenmöbel in Müstair/GR, ist …
… ebenso gut.
Jahrelang schliefen wir auf harten Matratzen. Als wir eines Tages weichere kauften, fielen wir «in alle Wolken». Als wir noch die Daunendecke gegen eine nachhaltige Schweizer Schafwolldecke eintauschten, erwachten wir aus einem Dornröschenschlaf. Die Feuchtigkeit, die der Körper in der Nacht abgibt, konnte die Schafwolle spielend aufnehmen. Ist sie zusätzlich ein Schweizer Produkt, kannst du mit dem ruhigen Gewissen noch besser schlafen.
Das Arvenbett aber ist die Krönung. Wer einen wittchenhaften Schlaf möchte, soll sich sofort auf den Siebenbergen-Weg machen. Achtung, keine Äpfel von fremden Leuten!
Vielen Dank, liebe Schweizer Schafe und lieber Marcus.
PS: Frage Marcus nach dem Bett «Dieter» mit den Einschnitten für die Hände!
GeheimTipp: «sleepgreen» Luzern.



