Cover: Meine größte Grenzerfahrung

Meine größte Grenzerfahrung
Die Umwanderung der Schweiz entlang dem Kulturerbe Landesgrenze. Einfach spektakulär.


EUR 27,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 240
ISBN: 978-3-7116-0556-6
Erscheinungsdatum: 25.06.2025
3'000 Kilometer und 150'000 Höhenmeter entlang dem spannenden Kulturerbe, der „Perlenkette“ eigenwilliger Grenzsteine, kunterbunter Überraschungen und fantastischer Landschaften. Auch zu den äussersten Punkten – mit erhellenden Erkenntnissen und Grenzwertigem.
Einleitung


Gleich zu Beginn des Buches „Erkenntnisse, Grenzwertiges und Erhellendes“ als Resümee zur Grenztour. Das Kapitel „Grenze, Grenzzeichen und Geschichte“ vermittelt Hintergrundinformationen zum ganz besonderen Kulturgut und Denkmal Landesgrenze. Die Richtungsänderung im Leben des Verfassers und wie es zur Idee der Schweiz-Umwanderung kommt, leitet zum Hauptinhalt des Buches über.

Das Kapitel „Die Grenzerfahrung“ beinhaltet den Erlebnis- und Tourbericht entlang der Landesgrenze, so wie der Autor ihr begegnet ist, was es anzutreffen gibt und einem widerfahren kann. Durchgehend chronologisch strukturiert in sieben Abschnitte und Tagesetappen. Dieses wird durch thematisch spannende Vertiefungen und Entdeckungen auf der Grenztour gezielt ergänzt. Erfrischende und überraschende Aspekte, Orientierungspunkte sowie Tipps zum (Weit-)Wandern runden das Bild entlang der Schweizer Landesgrenze ab.

Im Epilog schließlich der Versuch, die Grenz-Weit-Wanderung als eine Art Gefühlswelt zu beschreiben. Abkürzung entlang der Landesgrenze, meine größte Grenzerfahrung, einfach spektakulär!




Erkenntnisse, Grenzwertiges und Erhellendes


Je nach Erhebungstool mit der Bewegungs-App auf dem Smartphone oder der Kartendigitalisierung unterscheiden sich die zurückgelegten Grenztourwerte. Bei rund 3’000 km Wegstrecke und 4’600 Leistungskilometern umwandere ich die Schweiz im Vergleich zur effektiven Grenzlänge eigentlich 1,5 Mal. Dies ergibt rund 4,4 Mio. Schritte.
Der südliche, gebirgige Abschnitt meiner Tour von St. Gingolph am Genfersee nach Balzers im Fürstentum Liechtenstein unterscheidet sich topografisch grundlegend vom nördlichen, flacheren Abschnitt von Balzers nach St. Gingolph. Sind es bei Letzterem rund 48 (davon vier Halb-)Etappen bei 1’100 km und 23’000 Höhenmetern (durchschnittlich 23 km und 480 Höhenmeter pro Tag), sind im südlichen Streckenabschnitt rund 85 (davon 13 Halb-)Etappen bei total 1’800 km und 126’000 Höhenmeter zu bewältigen (durchschnittlich 21 km und 1’480 Höhenmeter pro Tag). Ein typischer Wandertag beinhaltet dabei acht bis neun Stunden reine Wanderzeit, 25 bis 35 km Wegstrecke und 1’500 ansteigende Höhenmeter.




Grenzlinien und Grenzschutz


Ich wandere möglichst nahe entlang der Landesgrenze, jedoch bei weitem nicht durchgehend unmittelbar auf der Grenze. Meine Ausführungen beschränken sich entsprechend auf meinen individuellen Weg. Wie ich feststelle, ist die Schweizer Landesgrenze – natürlich auch immer jene des jeweiligen Nachbarlandes – im Gelände oft durch eine natürliche Begrenzung wie Gewässer oder Bergkamm ersichtlich. Wo dies nicht der Fall ist oder ergänzend, markieren meist markante, immer wieder unterschiedlich gestaltete und geformte Grenzsteine das hoheitliche Gut. Sie sind teils seit dem
16. Jahrhundert auch Zeugen territorialgeschichtlicher Entwicklungen beidseits der Grenze.
Bezogen auf die Gesamtgrenze sind physisch und optisch abschottende Grenzmarkierungen wie Zäune, Mauern und Stelen auf einer verschwindend kleinen Länge anzutreffen. Dies vor allem im Bereich des südlichsten Punktes der Schweiz nahe Chiasso, in grenzübergreifenden Siedlungsgebieten wie Basel und Kreuzlingen und im Bereich von Zollübergängen. An verschiedenen Orten entlang der südlichen Grenze sind noch Überreste ehemaliger Stacheldrahtzäune aus Kriegszeiten ersichtlich, wogegen vor allem im nördlichen Teil oft un- und umgenutzte Bunkeranlagen anzutreffen sind. Im gebirgigen Teil habe ich solche verschiedentlich gesehen, jedoch wohl oft nicht wahrgenommen. Vielerorts sind ehemalige Zollhäuser zu sehen, welche oft ungenutzt sind und sich selbst überlassen werden. Immer wieder sind auch umgenutzte und an Dritte veräußerte ehemalige Zollbauten anzutreffen. Zollkontrollen habe ich nur an stark begangenen Grenzübergängen festgestellt.
Mit der Schaffung einer schweizerischen Außengrenze 1848 wurde das Einziehen der Zölle neu organisiert. Für die Zollsicherheit waren aus Spargründen vorerst kantonale Landjäger verantwortlich. Einzig in den Kantonen Genf und Tessin kamen eidgenössische Grenzwächter zum Einsatz. Zu den Hauptaufgaben der Grenzwächter gehörte die „Entdeckung, Verhinderung und Unterdrückung des Schmuggels“. Nach dem 1. Weltkrieg nahmen die Aufgaben (u. a. Personenkontrolle) zu. Das zwischen 1915 und 1920 massiv ausgebaute Grenzwachtkorps wurde in der Zwischenkriegszeit verschiedentlich gegen demonstrierende und streikende Arbeiter eingesetzt. Während des 2. Weltkriegs war es für die Aufnahme und Wegweisung von Flüchtlingen verantwortlich. Das seit 1991 auch Frauen offenstehende Grenzwachtkorps erhielt in den 1990er Jahren eine neue, auf Mobilität beruhende Einsatzdoktrin. Neben der angestammten Bekämpfung des Schmuggels wurden dem Grenzwachtkorps vermehrt polizeiliche Aufgaben übertragen.
Seit dem 12. Dezember 2008 gehört die Schweiz zum Schengenraum, der über 400 Mio. Europäer und 28 Staaten umfasst. Aufgrund des Abkommens entfallen systematische Personenkontrollen an der Landesgrenze, dafür sind vermehrt mobile Polizeikontrollen in Grenznähe vorgesehen. Das Prinzip lautet: „Abbau der Binnengrenzen, Verstärkung der Außengrenzen“. Das Schengen-Abkommen bezieht sich nur auf Personen. Der Warenverkehr wird an der Grenze weiterhin kontrolliert, da die Schweiz nicht Mitglied der EU-Zollunion ist. Dank des Abkommens haben die Schweizer Behörden im Rahmen der Kriminalitätsbekämpfung Zugang zur Datenbank Schengen-Informations-System (SIS).




Verbindend oder trennend


„Menschen suchen Nähe, brauchen aber auch Abstand voneinander. Bereits in der Jungsteinzeit waren Behausungen von Siedlern mit Rutengeflecht umgeben und noch heute sind Gartenzäune aus Wohngebieten nicht wegzudenken. Am Arbeitsplatz werden eifrig Schutzwälle aus Topfpflanzen, Linealen oder Kugelschreibern gebaut und in den öffentlichen Verkehrsmitteln helfen Zeitungen oder Aktenmappen beim alltäglichen Errichten von Bollwerken.
Was im Kleinen gilt, gilt auch im Großen. Betrachtet man den Staat als Zweckverband, zu dessen wichtigsten Aufgaben der Schutz des Zusammenlebens von Menschen gehört, ist es nicht verwunderlich, dass schon früh durch Verträge oder stillschweigende Übereinkünfte Scheidelinien zwischen Territorien festgelegt wurden. Oft dienten Berge, Flüsse oder Wälder als Grenzen. […] Es gibt politisch-ideologische, ethnisch-kulturelle und ökonomische Gründe, Mauern zu bauen und Grenzen zu befestigen. Schutzwälle sollen Feinde oder Terroristen abhalten und verhindern, dass Fremde ins Land kommen. Nach innen sollen sie ein Gefühl der Sicherheit vermitteln, den Menschen außerhalb klarmachen, dass sie keinesfalls ‚dazugehören‘. Manchmal sollen Mauern auch das eigene Volk daran hindern, ihrer Heimat den Rücken zu kehren.“
Ob eine Grenze (nur) trennt oder (auch) verbindet, ist, wie auf der Tour erkannt und erfahren, beides. Eine Staatsgrenze ist naturgemäß der gemeinsame Teil zweier benachbarter Staaten und damit vordergründig auch eine kulturelle, gesellschaftliche und sprachliche Grenze. Manifestiert sich die Grenze bei hoheitlichen Aspekten wie persönlichem Passdokument oder bei Autokennzeichen im klar abgrenzbaren Schwarz-Weiß-Schema, zeigen sich bei Themen wie Sprache, Kultur und Gesellschaft alle Schattierungen und Farbnuancen.
Die Grenze nimmt beispielsweise beim Verkehr von und nach benachbarten Staaten eine wahrlich verbindende Funktion ein. So finden im nahen Ausland Wohnende z. B. Arbeit in der Schweiz, die Schweiz wiederum rekrutiert damit fehlende Arbeitskräfte – oder umgekehrt. Eine Landesgrenze löst sich in den Köpfen der dort lebenden und arbeitenden Bevölkerung zu einem großen Teil auf. Und bei gesellschaftlichen Ereignissen, wie in den Etappen 98 und 119 beschrieben, kann eine Grenze wie Leim, also verbindend wirken. Das beste Beispiel ist die Schweiz als Willensnation selber. Denn würden die Sprachgrenzen beigezogen, bestünde die Eidgenossenschaft aus drei bis vier noch kleineren Staaten. Oder deren Gebiete wären den jeweiligen Nachbarländern zugewiesen, ganz nach dem Motto zum Schweizer Pavillon anlässlich der Weltausstellung 1992 in Sevilla „La suisse n’existe pas“.
Entlang der Landesgrenze sind beidseits auffallend viele Flaggen der jeweiligen Nation zu sehen, was auf einen gewissen Nationalstolz und die Neigung zur Eigenständigkeit des jeweiligen Landes schließen lässt. In guten Zeiten dürfte eine Landesgrenze den Hang zum Verbindenden, in schlechten Zeiten den Hang zum Trennenden haben, wo man sich lieber auf den eigenen Bereich zurückzieht.
Auf der Tour zu beobachten sind verbindende wie auch trennende Grenzen. Als Beispiel dient Kreuzlingen-Konstanz, wo seit Jahren die „Kunstgrenze“ einen vorherigen Maschendrahtzaun ersetzt. Hier wirkt die Verbindung der Ortsteile dies- und jenseits der Landesgrenze stärker, als wenn die Grenze optisch gar nicht sichtbar wäre. Auch gibt es hier z. B. einen neun Kilometer langen, mehrtägigen, grenzüberschreitenden Flohmarkt. Einige hundert Meter weiter trennen dieselben Städte jedoch weiterhin Gitterzäune mitten durchs Wohngebiet.




Grenzweg


DIE Schweizer Grenzwanderung existiert nicht. Eine signalisierte schon gar nicht. Meine Tour ist mit dem Wandern auf Wegen möglichst nahe der Grenze als Referenzweg dennoch weitgehend definiert. Im nördlichen Teil kommt es oft vor, dass ich spontan direkt auf der Grenze statt auf Wegen unterwegs bin. Da auf meiner Smartphone-App die angrenzenden Gebiete der Nachbarländer, jedoch ohne Wanderwegbezeichnungen, abgebildet sind, habe ich lange keine weiteren Karten konsultiert. Ich hätte mich diesbezüglich vorsorglich wohl etwas vertiefter mit alternativen Kartengrundlagen befassen sollen, um, falls erforderlich, bei Unklarheiten rasch und bedenkenlos reagieren zu können. Dies kann gerade bei schwierigen Verhältnissen entscheidend sein. Die angelegte Konzeption, welche auch ein dosiertes Maß an Abenteuer zulässt, hat sich für mich hingegen sehr bewährt.
Die Grenzwanderung ist äußerst vielseitig und abwechslungsreich. Bei sehr unterschiedlichen Landschaften können sowohl vielseitig strukturierte als auch mutmaßlich langweilige flache Streckenabschnitte interessant sein. Entscheidend ist, sich auf die Landschaft einzulassen, manchmal etwas genauer hinzuschauen und das Schöne, Besondere und auch Einfache bewusst sehen zu wollen. Berge sind nicht einfach Erhebungen und eine Ebene ist nicht einfach flach. Um jede Ecke, über jede Kuppe eröffnet sich eine neue Landschaft mit ihrem ganz eigenen Reiz – auch wenn diese schön monoton sein mag. So freue ich mich nach tage- oder wochenlangem Wandern in den Bergen, bei jedem Schritt konzentriert auf den steinigen Untergrund, immer wieder auf eine scheinbar langweilige Strecke, wo ich einfach nur gehen kann. Meinen Gedanken nachhängen, wandernd meditieren, die Umgebung auf mich wirken lassen. Mich mit mir selber, der Welt und beliebigem auseinandersetzen.
Während den ersten Wandertagen der Weitwanderung spielt mein Kopf noch wild und wirr mit Gedanken. Nach etwa einer Woche, wenn nichts Dringendes mehr zu verarbeiten ist, wird es zunehmend möglich, immer wieder in einen meditativ-gelassenen Zustand zu gelangen und auch intuitiv „anfliegenden“ Gedanken nachzuspüren.
Spannend ist es auch, dem ganz Kleinen und mutmaßlich Unbedeutenden am Wegrand vertiefte Beachtung zu schenken, gerade im Gegensatz zu weiten, mächtigen Landschaften. In diesem Zusammenhang ist es immer wieder interessant zu beobachten, wie kleine Strukturen im Großen zu finden sind – und umgekehrt.
Auf der anderen Seite mag ich auch die sportliche Herausforderung sehr. Schwer bepackt, fit und schwungvoll den Berg hoch, womöglich bereits in morgendlicher Frische. Um nach einiger Zeit womöglich in einen „Tunnel“ zu kommen, im „Flow“ und im Einklang mit sich und dem Umfeld oder gar mit dem Universum zu sein.
Die Vielseitigkeit der Grenzwanderung zeigt sich auch im Historischen, in immer wieder tragischen Ereignissen rund um die Landesgrenze, im Kulturellen einschließlich der Grenzmarkierungen oder im Wissenschaftlichen und Interessanten zu Natur und künstlich Geschaffenem, u.v.m.
Step by step ist die Devise für die ganze Tour, von allem Anfang an, d. h. bereits mit dem ersten Gedanken. Der erste Schritt ist der Wichtigste, dann der nächste. Die Rahmenbedingungen schaffen, die Planung angehen. Vom Denken zum Gehen. Den ersten physischen Schritt machen, einen Schritt nach dem andern tun. Sich möglichst über jeden von diesen freuen. Das Gesamtziel vor Augen haben, sich jedoch nicht beirren lassen ob dem noch vor einem liegenden langen Weg. Wenn Richtung und Verfassung stimmen, werde ich irgendwann am Ziel sein.
Es ist durchaus angezeigt, auch Schritte zurück zu machen oder gar umzukehren. Damit zeigt sich die Stärke des Berggängers – des Alpinisten ohnehin. Darin habe ich mich geübt, auch wenn es mir nicht immer gelingt. Wenn es schwierig wird, kann es hilfreich sein, konkrete Zwischenziele zu setzen und somit kleine Erfolge zu erzielen. Denn es raubt unnötig Energie, sich dauernd zu vergegenwärtigen, wie weit und anstrengend der Weg noch ist. Sind Teilziele zu groß, kann ich überfordert sein, sind sie zu klein, unterfordert.
Ein großes Ziel vor Augen ist gut. Beim Weitwandern verspüre ich kaum Bedarf für tagelange Pausen. Vielmehr zieht es mich weiter, Tag für Tag. Obwohl ich bei der Schweizumwanderung höchstens abschnittsweise auf einem Pilgerweg unterwegs bin, fühle ich mich immer wieder als Reisender auf dem Weg zur inneren und äusseren Einkehr.
Ich habe Wetterglück. Und wenn nicht, ergibt sich kombiniert mit einer anderweitigen Gegebenheit die Möglichkeit für eine kurze Auszeit. Ob dies auch ein Ergebnis davon ist, vertrauensvoll unterwegs zu sein? Gesundheitlich habe ich bis kurz vor Schluss jedenfalls kaum Probleme. Kondition kann man sich durchs Gehen aneignen, sie muss nicht zwingend vorgängig umfassend antrainiert werden. Wichtig ist, auf seinen Körper zu hören, Zeichen zu erkennen und ernst zu nehmen. Was mir im sportlichen Ehrgeiz und angesichts der gesetzten (Tages-) Ziele nicht immer gelingt.
Gutes Material ist nicht alles, aber ohne macht es einfach weniger Spaß. Ein 18 kg schwerer Rucksack inklusive Getränke, Früchte und dgl. habe ich für mich als Grenze für das Traggewicht erkannt. Meist bin ich wohl mit rund 15 kg unterwegs. Ich schaue beim Wandermaterial wohl auf das Gewicht. Es ist letztlich jedoch nicht entscheidend, ein halbes Kilogramm mehr oder weniger mitzutragen. Von abgeschnittenen Zahnbürsten und Kleideretiketten halte ich nicht viel. Ein gutes Gefühl, Qualität und ein motivierender Komfort, den natürlich jeder für sich definieren muss, scheinen mir wichtiger. Maßgebend ist, auf „Unnötiges“ gänzlich zu verzichten. Mutig ausprobieren lautet die Devise. Erstaunlich, mit wie wenig Weitwandernde auskommen, ohne eigentlich etwas zu vermissen. Da besitze ich durchaus noch Potenzial.




Motivation


Was macht für mich das Weit­wandern – entlang der Schweizer Grenze – aus? In schöner Landschaft unterwegs sein, Neues kennenlernen, in einem gewissen Maße das abenteuerlich Ungewisse, das Sportliche, das lange Wandern, Zeit haben mit sich selbst. Täglich auf seinem Weg zu sein mit einem klaren Ziel. Wissen, was am nächsten Morgen zu tun ist. Wandern auf einem vorgegebenen Weg bringt schon einmal eine gewisse Entspannung mit sich. In Gedanken beim anstehenden Wegabschnitt, bei Verpflegungsmöglichkeiten und dem Flüssigkeitshaushalt, der anstehenden Etappeneinteilung mit geeigneter Übernachtungsmöglichkeit, den anstehenden Witterungsverhältnissen usw., bin ich immer in einer Art Überlebensmodus. Zusammen mit der Konzentration auf den Weg, dem stets sicheren Aufsetzen der Füße, kann dies mental anstrengend sein.
Entlang der Grenze ist der Weg einigermaßen vorgegeben, trotzdem weiche ich oft davon ab, kürze der Grenze nach ab und optimiere somit „möglichst nahe zur Grenze“. Auch der sportliche Aspekt, etwas zu leisten, vielleicht gar an körperliche und mentale Grenzen zu kommen, sagt mir zu.
Für mich besteht Abenteuer auch darin, nicht nur auf (Haupt-)Wegen oder vorgegebenen Routen unterwegs zu sein. Die Abwechslung mit steilen Anstiegen und auch mal langweiligen Strecken. Nicht genau zu wissen was auf einen zukommt. Das Improvisieren und zwischendurch auch Überwinden. Etwas zu machen, das noch nicht allzu viele zuvor gemacht haben, reizt mich, und trotzdem das Risiko nicht zu strapazieren.
Alleine unterwegs, ohne zu wissen, wo der Weg genau durchführt. Langweilig wird es mir nie. Allein bin ich fast immer, einsam fühle ich mich jedoch kaum einmal. Und wenn, dann nur für kurze Zeit. Bei sich selbst sein und sich doch nicht alleine fühlen, ist wunderschön. Auch in Gesellschaft bin ich gerne.
Was ich immer mehr spüre, für mich und auch durch Aussagen anderer: Die Schweiz oder wohl einfach sein Heimatland zu umwandern ist etwas ganz Spezielles. Ich frage mich, warum andere zuvor kaum darauf gekommen sind – oder die Idee nicht realisiert haben. Immer mehr spüre ich auch die Qualität der Einfachheit, kombiniert mit der unglaublichen Erdung auf einer derartigen Tour. Beim Essen, beim Schlafen, um dann wohl auch den einfachen Luxus wieder zu schätzen und zu genießen – und gerade dadurch (noch) mehr zu leben. So habe ich erfahren, dass es wirklich möglich ist, mit weniger (noch) besser zu leben.
...
5 Sterne
Nicht nur für (Weit-) Wanderer - 14.08.2025
Maxi S.

Sehr persönlich und gleichzeitig informativ nimmt der Autor die Leser mit auf seine Wanderung. Viele Fotos untermalen die eindrucksvolle Landschaft der Schweiz und seiner Nachbarländer. Anhand von detaillierten Karten kann man sich gut an der Route orientieren und sich einen Überblick verschaffen. Ein inspirierendes Buch, nicht nur für (Weit-)Wanderer.

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