Genug vom Richtigen
Ein Leitfaden zum inneren und äußeren Aufräumen
EUR 19,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 214
ISBN: 978-3-7116-1128-4
Erscheinungsdatum: 12.11.2025
Ist nicht jedes Leben zu kurz für zu viel Zeug? Wie wäre es mit: „einfacher, langsamer, bewusster“ anstatt wie so oft „höher, schneller, weiter“?Ein Leitfaden, der Minimalismus als wunderbares Werkzeug zu Ordnung und Fülle im Innen wie im Außen versteht.
Vorwort
Es ist mir wirklich schwergefallen, mich beim Schreiben dieses Buches auf das für mich Wesentliche zu beschränken und, wie ich fand, ausdrucksstarke Passagen, gar Seiten, zu streichen.
Genug vom Richtigen ist der Titel. Also war für mich die logische Konsequenz, so viel wie nötig und so wenig wie möglich zu schreiben. Da dieses Buch ein praktischer Leitfaden für die Tasche (Hand oder Hose) sein soll, habe ich Kapitel für Kapitel überlegt, was gesagt werden will, was wesentlich ist. Ohne Schnickschnack und ohne die Seiten nur um des Schreibens willen auszufüllen. Wie bei der Frage: „Wie geht es dir? Eigentlich? Wirklich?“, musste ich innehalten und nachspüren, ob ich wirklich alles Wichtige zu Papier gebracht habe. Was will ich eigentlich – wirklich sagen?
Ich habe versucht, mich auf die Schätze, auf die Quintessenz zu beschränken, ganz im Sinne des Minimalismus. Da ich selbst viel Literatur zum Thema gelesen habe und bei aller Lesefreude oft dachte: Geht es auch kürzer?, wollte ich mal etwas anderes machen und es einfach halten. Ich hoffe, dass dieses Buch dich bei deinem Aufräumprojekt inspirieren, motivieren und ein Stück weit begleiten wird. Wenn es dich zwischendurch zum Lachen oder zum Weinen bringt – super! Lass dich übrigens nicht davon abschrecken, dass ich in manchen Kapiteln verstärkt über Frauen spreche: Ich bin halt eine und kann daher nur aus Frauenperspektive Erfahrungen teilen. Trotzdem gilt: Egal, wie du heißt, wer du bist, was du hast, was du in deinem Leben getan oder erlebt hast oder was nicht – dein Interesse am Aufräumen reicht.
Dieses Buch ist ein Gabentisch der besonderen Art: Du kannst dich hier chronologisch von vorne nach hinten durcharbeiten, du kannst aber auch wild hin- und herspringen oder auch mal pausieren. Jedes Kapitel ist in sich abgeschlossen und gleichzeitig mit den anderen verbunden.
Du findest hier einzelne Häppchen, Fingerfood, die zusammen ein großes Ganzes ergeben. Nimm dir gerne das, was dir appetitlich oder gesund erscheint, und lasse den Rest da.
Die Kapitel über das äußere Ausmisten findest du relativ am Anfang des Buches, weil es hier um sichtbares Loslassen und Aufräumen geht. Wenn du direkt in die Umsetzung kommst, siehst du in diesem Bereich sehr schnell Ergebnisse. Geschrieben habe ich darüber jedoch erst ganz zuletzt, weil die innere Aufräum-Arbeit mittlerweile immer wichtiger für mich geworden ist. Hier geht es um Themen wie Haltung, Vergänglichkeit, Vergebung und Beziehungen. Themen, die mir viel zu wichtig sind, als dass ich sie aussparen könnte. Themen, die unsichtbar sind und die nicht anhand von Checklisten abgearbeitet werden können. Themen, über die oft nicht ehrlich gesprochen wird, die es jedoch wert sind, sich mit ihnen gründlich auseinanderzusetzen. Das geht umso besser, je mehr Ressourcen im Außen frei werden.
Im Anschluss geht es darum, wie du die neu entstandene Ordnung dauerhaft halten kannst, was du mit den ausgemisteten Dingen tun kannst und wie du dich nach dem ersten Grundreinemachen auch innerlich immer mehr befreien kannst. Ich gebe dir Werkzeuge mit auf den Weg, die dir auch nach dem Ausmisten dabei helfen sollen, aufgeräumt zu bleiben.
Inneres und äußeres Aufräumen gehören für mich untrennbar zusammen. Das äußere Aufräumen lässt sich leichter messen und skalieren. Das innere Aufräumen ist ein lebenslanger Prozess, der stetige Bereitschaft, Aufgeschlossenheit und radikale Ehrlichkeit erfordert. Das einmalige Aufräumen eines Raumes ist kinderleicht. Das Ausmisten von Habseligkeiten mittelschwer, weil hier Emotionen mit reinspielen. Ordnung zu halten, ist eine Kunst, die meiner Erfahrung nach genaueres Hinschauen braucht, denn hierzu gehört zum Beispiel auch das Ausmisten von hinderlichen Glaubenssätzen und Gewohnheiten.
Mein Buch darf dich gern anstupsen, vielleicht auch pieksen, aber vor allen Dingen soll es dir Einsichten und Aussichten geben. Du findest hier eine Schatztruhe, aus der du dir nehmen kannst, was dich anspricht.
Danken möchte ich an dieser Stelle meiner hervorragenden Entourage aus Familie und Freunden: Ihr werdet euch in dem ein oder anderen Kapitel sicher wiederfinden und euch an unsere intensiven Gespräche erinnern. J
Und last, but not least: Du wirst in diesem Buch immer wieder über das Wort Gott stolpern.
Der Glaube, zu dem ich über die Jahre gefunden habe, hat mir maßgeblich beim Aufräumen geholfen. Ich habe keine Intention, zu belehren oder zu missionieren. Du musst nicht glauben oder dich für spirituell halten, um aus diesem Buch Nutzen ziehen zu können. Ich schreibe nur über meinen eigenen kleinen Mikrokosmos und meine Erfahrungen und Erkenntnisse zum Thema Ausmisten.
Fühl dich eingeladen, unvoreingenommen dein Herz und deinen Geist einen Spalt breit zu öffnen und vielleicht eine neue Sichtweise auf bestimmte Themen hineinzulassen.
Ich wünsche dir Spaß, Inspiration und Motivation beim Lesen!
Melanie-Maria
Meine Reise zum Minimalismus –
wie ich mir selbst begegnete
Ich bin ausgiebig um die ganze Welt gereist. Sogar bis nach Australien und Neuseeland. Die Reisen erforderten, dass ich mein Gepäck auf das Wesentliche reduzierte. Nur mit dem Rucksack auf dem Rücken unterwegs zu sein, hieß, Entscheidungen zu treffen und mich festzulegen. Ich wurde über die Jahre immer routinierter und wusste immer besser, was mir wirklich wichtig war und was ich brauchte. Später wurde mir klar, dass ich am Reisen neben den zauberschönen Landschaftseindrücken und den faszinierenden Menschen, die ich dort kennenlernte, vor allem DAS liebte: die Leichtigkeit des Seins. Nur das dabeizuhaben, was ich wirklich zum Leben brauchte. Und das war nicht viel. Noch viel später wurde mir bewusst, dass ich beim Reisen zwar meinen Besitz hinter mir lassen konnte, nicht jedoch mich selbst und meinen inneren Ballast. Ich nahm mich immer mit und die geografische Kur funktionierte irgendwann nicht mehr für mich.
So kam es, dass ich im Frühjahr 2010 in der Nähe von Melbourne an einem Strand lag, dessen Anblick locker ein Postkartenmotiv hätte sein können. Weißer Pudersand bis zum Horizont und glitzerndes Wasser. Kein Mensch weit und breit. Nur ich lag dort bäuchlings, das Gesicht in meine Hände vergraben. Verzweifelt war ich, weil ich nicht mehr weiterwusste. Im Außen war auf den ersten Blick alles gut, meine Selbstständigkeit lief gut, ich hatte einen fürsorglichen, wunderbaren Freund und war eigentlich mit allem versorgt.
In meinem Inneren war jedoch sehr viel alter Ballast, der mir auf dieser mehrwöchigen Australien-Reise um die Ohren flog.
Ich hatte Tage zuvor eine Frau in meinem Alter auf der Straße kennengelernt und mich mit ihr auf einen Kaffee verabredet. Ihr Name war Amber. Sie erzählte mir von ihrem Leben als Minimalistin und ihre Geschichte beeindruckte mich nachhaltig. Amber gab mir einen sehr persönlichen Einblick in ihr abgespecktes Leben und sie hatte eine Leichtigkeit in ihrer Stimme, die ich total anziehend fand. Sie war dankbar für die kleinen Dinge des Lebens und in ihr wohnte eine fast kindliche Freude. Unser anfangs locker-flockiges Gespräch ging rasch in einen sehr aufwühlenden Deeptalk über, als sie über Themen wie Vergebung und Vergänglichkeit sprach. Das waren für mich abstrakte Worte, über die ich mir bis dahin noch nie ernsthaft Gedanken gemacht hatte. Amber sprach über ihren inneren Aufräumprozess (so würde ich das aus heutiger Sicht bezeichnen) und ich war vor allem eines: bewegt. Ich wollte haben, was sie hatte. Sie besaß wenig, hatte aber viel. Ich merkte beim Zuhören und Fragenstellen, dass ich noch weit davon entfernt war. Weit weg von äußerer und innerer Ordnung.
Jetzt jedenfalls lag ich noch immer aufgelöst am Strand und war unfähig, die Schönheit um mich herum aufzunehmen. Das Weinen nahm irgendwann ein Ende, die Tränen hatte der Sand aufgefangen. In mir war Stille. Ich traf an diesem einen Nachmittag die Entscheidung, mein Leben aufzuräumen. Und zwar von Grund auf.
Noch in Australien besorgte ich mir alles an Literatur zum Thema Minimalismus, was ich kriegen konnte. Ich las viel über Aufräumen und innere Arbeit und reiste einige Wochen später motiviert und voller neuer Eindrücke nach Deutschland zurück. Dort wartete mein Freund auf mich. Und mein Zeug. Und meine nicht bereinigten Themen. An dieser Stelle würde ich so gerne sagen, dass sich nach dieser intensiven Reise alles schnurstracks zum Positiven entwickelte und mein Aufräum- und Heilungsprozess nach wenigen Monaten in Gänze abgeschlossen war. Eine lückenlose Heldinnenreise sozusagen.
Lief bei mir aber nicht so. Keine Erleuchtung und auch kein happy-ever-after. Ich mistete in Windeseile mit voller Entrümpelungswut Undinge aus und blieb dann stecken. Und zwar so richtig. Monatelang. Mehr Zeit statt Zeug war für mich damals wirklich kein schöner Zustand. Ich war noch nicht wirklich dazu bereit, mir meine eigentlichen Themen ehrlich anzuschauen. Also pröddelte ich weiter vor mich hin und war ganz schnell wieder in meinem Alltagstrott. Ich konzentrierte mich wieder vermehrt auf das Außen. Und erzählte mir die Geschichte, dass doch alles soweit okay lief. Schublade wieder zu.
Bis zu jenem Tag im Herbst 2010, als die Polizei plötzlich vor meiner Tür stand und mir mitteilte, dass mein Freund mit seinem Motorrad auf dem Weg zur Arbeit tödlich verunglückt war. Ich tat alles, was ich zu diesem Zeitpunkt tun konnte: Ich flüchtete. In eine Großstadt. Ich rannte weg und ich schaute weg. Dann starb wenige Monate später unerwartet mein Opa und kurze Zeit darauf auch noch mein Vater. Jetzt musste ich hinschauen. Ich hatte durch das stetige Ausmisten zwar nur noch wenig Besitztümer, aber dafür eine Seele voll mit Ballast. Voll mit Trauer. Voll mit Unvergebenheit. Jetzt ging es auf meine Art und zu meinen Bedingungen nicht mehr weiter: Ich hisste die weiße Flagge und kapitulierte. Ich wollte und ich musste mein inneres Haus aufräumen.
Es gab jedoch kein Rezept dafür, keine Raum-für-Raum-Checkliste, die ich einfach auf meine To-do-Liste setzen und abhaken konnte. Ehrgeizig, wie ich halt bin, und bisweilen verbissen, probierte ich vieles, wirklich sehr vieles aus, um meinen Aufräumprozess zu beschleunigen. Ich wollte fertigwerden. Ankommen. Mein persönlicher Werkzeugkoffer füllte sich und ich konnte irgendwann akzeptieren, dass es dauert mit dem ganzheitlichen Aufräumen und Heilwerden. Ich konnte annehmen, dass das Gras nicht schneller wächst, wenn ich daran ziehe. Manchmal geht es zwei Schritte nach vorne und dann wieder drei zurück. Heute weiß ich, dass ich bis zum letzten Atemzug nicht fertig sein werde mit dem Aufräumen und Ausmisten von Dingen, von Missverständnissen, von Irrtümern und anderen (zwischen-)menschlichen Hürden. Das Gras wächst halt so schnell, wie es wächst. Alles, was ich tun kann, ist, meine Straßenseite, so gut es geht, auf täglicher Basis in Ordnung zu halten und das Ergebnis Gott zu überlassen. Immer mehr wird mir klar, dass ich nur wenig weiß und dass ein Großteil des Lebens Mysterium bleibt. Durch das Ausmisten auf allen Ebenen habe ich einen immer schärferen Fokus und einen Filter entwickelt für meine Ziele und für das, was ich in mein inneres und äußeres Zuhause lasse. Ich bin mittlerweile nicht mehr offen für alles, und dazu hat mein Glaube beigetragen, den ich in diesen mitunter sehr schweren Zeiten finden durfte. Aber diese Geschichte kommt in ein anderes Buch, weil es sonst den Rahmen sprengen würde. Ein Freund sagte einmal: Wer immer ganz offen ist, kann nicht ganz dicht sein. Und so sehe ich das inzwischen auch. Ich bin nicht mehr bestechlich und ich kann es mir leisten, mein eigenes Ding zu machen. Deshalb ist dieses Buch entstanden und der Wunsch, meine Erfahrungen und Erkenntnisse über Minimalismus mit dir zu teilen. Ich wünsche dir beim Lesen viele Aha-Momente und Mut, dich auf Neues einzulassen.
MeinZelt – her mit den guten Gedanken
Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte.
Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen.
Achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.
Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter. Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.
Unbekannt
Ich liebe es: Ich möchte mir ganz gezielt eine Dokumentation über Eichhörnchen auf YouTube ansehen, und vorgeschaltet wird ohne meinen Wunsch eine Werbung, in der mir ein anerkannter Mindset-Coach erzählt, dass ich durch die Arbeit mit ihm oder ihr für den Rest meines Lebens glücklich und frei sein werde. Dabei wollte ich mir doch nur eine Tierdoku ansehen und ein wenig abschalten. Der ganze Mindset-Hype nervt mich manchmal. Meiner Meinung nach kann aus einem Cornichon keine Gurke mehr werden, auch mit passendem Mindset nicht. Und: Irgendwo in der Mitte ist sie wohl zu finden, die Wahrheit.
Und es stimmt: Ohne ein auf meine Ziele abgestimmtes MeinZelt (so nenne ich mein Gedankengut) wird es schwierig, etwas zu verändern und in Gänze auszumisten. Das Ausmisten erfordert an irgendeinem Punkt ganz gewiss das Verlassen meiner Komfortzone und damit auch meiner obsoleten Denkmuster. Es war für mich sehr wichtig zu begreifen, wie sehr meine Gedanken auf meine Handlungen, meine Einstellung und meine Stimmung Einfluss nehmen. Da ich von innen nach außen leben möchte, komme ich an regelmäßiger Innenschau und innerer Aufräumarbeit nicht vorbei. Ich weiß, wo ich hinmöchte und was ich in meinem Inneren wachsen lassen möchte. Ich sehe das Ziel hinter dem Ziel. Das gibt mir Antrieb.
Ich kann nur das verändern, was mir bewusst ist. Ich wusste lange Zeit nicht, welche Gedanken tatsächlich in meinem Kopf herumspukten. Ich handelte größtenteils unbewusst und war mit meiner Aufmerksamkeit immer mehr im Außen als im Innen unterwegs. Ich gab die Verantwortung für meinen inneren Zustand an Menschen, Umstände und Ereignisse ab. Das ließ mich in negativen Feedback-Schleifen verharren und ich konnte mir gar nicht vorstellen, diese zu verlassen. Meistens unzufrieden und größtenteils missgünstig gelangte ich an meinen persönlichen Tiefpunkt, an dem ich erkannte, was ich durch meine Haltung und meine Gedanken im Außen manifestierte. Ich konnte mir meine eigenen Geschichten über das Leben und meine Mitmenschen nicht mehr glauben. Es musste sich etwas verändern, und zwar in mir!
Die Neuerungen in meinem Denken und in meinem Handeln erfolgten schrittweise, teilweise in ganz kleinen Schrittchen. Durch beständige Wiederholung etablierte ich neue Trampelpfade in Form von neuen Gedanken und neuem Verhalten.
Und es hört nicht auf. Alte, hinderliche Gedanken kommen immer wieder, sind immer noch hörbar. Aber ich muss ihnen ja nicht unbedingt glauben und auch nicht danach handeln. Die Arbeit an meinem MeinZelt ist für mich zu einer täglichen Aufgabe geworden. So wie Zähneputzen. Ich benutze Mental Floss genauso wie Zahnseide.
In die Tat umsetzen
Wie steht es um dein MeinZelt? Fühlst du dich dort wohl oder hast du Stinkegedanken, die du loslassen möchtest? Was soll in deinem Leben anders sein? Möchtest du mehr Freude? Mehr Gelassenheit? Wie lange noch willst du auf die Veränderung warten?
Wenn du dir Veränderung in deinem Leben wünschst, dann fange bei dir an und sei du selbst die Veränderung. Du kriegst, was du glaubst und was du gibst. In der nicht sichtbaren Welt ein anerkanntes Prinzip. Wenn du dir Freude wünschst, dann gib Freude rein! Wenn du denkst, „da ist keine Freude“ oder „im Außen müsste mehr Freude sein“, dann ist das auch so. Eigne dir andere, förderliche Gedanken über dich und dein Leben an und handle danach. Manchmal reicht es schon, sich auf einen Gedanken zu konzentrieren, der nur 2 % besser als der vorherige ist. Du musst wirklich nicht alles glauben, was dir an Gedanken in den Kopf fällt. Gedanken kommen, Gedanken gehen. Wenn du Minimalismus in allen Lebensbereichen praktizieren möchtest, dann ist es eine gute Idee, passende Gedanken zu behalten, sie proaktiv zu denken und den Rest immer wieder auszumisten. Das, was du siehst, ist deine individuelle Bewertung von der Welt. Und die kannst du korrigieren, wenn du das willst. Das erfordert Bewusstheit und Disziplin.
Kurzes Gedankenspiel: Welche Farbe hat eine Zitrone, wenn du eine blau gefärbte Brille aufsetzt? Nein!! Sie ist nicht grün, falls das deine Antwort war. Sie ist auch nicht blau. Es handelt sich immer noch um eine gelbe Zitrone, du nimmst sie nur anders gefärbt wahr. Zwei Menschen können in vergleichbaren Umständen sein und doch ganz unterschiedlich darauf blicken. Dankbar, ärgerlich, neidisch oder sogar freudig und lernbereit.
Du entscheidest. Immer.
Du darfst immer wieder überprüfen, welche Brille du gerade aufhast und sie bei Bedarf durch eine bessere ersetzen.
Oder, um beim Obst zu bleiben: die Zitrone einfach gar nicht bewerten und die Dinge annehmen, so wie sie sind. Das wäre dann schon spirituell fortgeschritten und ich selbst bin da meistens auch nicht. Fangen wir also im Kleinen an.
Ich kann meine Gedanken nicht mehr nicht wahrnehmen, vor allem die destruktiven. Ich bin mir darüber im Klaren, dass die Lösung für all meine Probleme zwischen meinen Ohren liegt: in meiner Wahrnehmung und meinen Bewertungen von Menschen, Situationen und Orten. Manchmal behalte ich die Kackebrille auch bewusst auf, bis es wirklich weh tut und stinkt. Jedoch nie für lange Zeit. Das Alte ist schließlich vertraut und eingeübt. In alte Denkmuster zu fallen ist menschlich, sich nicht wieder hinauszubewegen, ist dumm. Finde ich.
Es geht um Fortschritt statt um Perfektion. Was sich für mich bewährt hat: Ich übe mich täglich darin, gute, förderliche und für mich wahre Gedanken zu tanken und bewusst zu denken, also meinen Geist zu trainieren und zu überholen. Der Begriff Gehirnwäsche hat für mich eine ganz neue Bedeutung gewonnen. Außerdem nehme ich auch aktiv eine Körperhaltung ein, die mich auf- und ausrichtet.
Glaubst du nicht? Probiere es doch mal aus für 30 Tage. J
Hier ist mein Rezept für ein gutes MeinZelt:
- Früh aufstehen (da ist der Geist noch relativ unbeschrieben), Gedanken kommen und gehen lassen. Beobachten.
- Aufrecht und selbstbewusst ans offene Fenster stellen, alles gut durchlüften und hartnäckige Stinke-Gedanken nach draußen schicken. Gegebenenfalls abschütteln, falls sie hartnäckig sind.
- Vollwertige Literatur frühstücken und verdauen (für mich ist das vor allem die Bibel, aber auch andere spirituelle Superfoods).
- Über den Tag verteilt ausreichend viele förderliche Gedanken (die deinen Werten und Zielen entsprechen) trinken, laut aussprechen und entsprechendes Verhalten an den Tag legen (trotz NULL-BOCK-STIMMUNG!).
- Kurze Dankbarkeitssnacks zwischendurch.
- Keine Junkfood-Gedanken abends vor dem Einschlafen (wie wir uns hinlegen, bestimmt, wie wir aufstehen).
- Genießen, wie der Geschmack gesunder Gedankenpralinen dein MeinZelt versüßt.
...
Es ist mir wirklich schwergefallen, mich beim Schreiben dieses Buches auf das für mich Wesentliche zu beschränken und, wie ich fand, ausdrucksstarke Passagen, gar Seiten, zu streichen.
Genug vom Richtigen ist der Titel. Also war für mich die logische Konsequenz, so viel wie nötig und so wenig wie möglich zu schreiben. Da dieses Buch ein praktischer Leitfaden für die Tasche (Hand oder Hose) sein soll, habe ich Kapitel für Kapitel überlegt, was gesagt werden will, was wesentlich ist. Ohne Schnickschnack und ohne die Seiten nur um des Schreibens willen auszufüllen. Wie bei der Frage: „Wie geht es dir? Eigentlich? Wirklich?“, musste ich innehalten und nachspüren, ob ich wirklich alles Wichtige zu Papier gebracht habe. Was will ich eigentlich – wirklich sagen?
Ich habe versucht, mich auf die Schätze, auf die Quintessenz zu beschränken, ganz im Sinne des Minimalismus. Da ich selbst viel Literatur zum Thema gelesen habe und bei aller Lesefreude oft dachte: Geht es auch kürzer?, wollte ich mal etwas anderes machen und es einfach halten. Ich hoffe, dass dieses Buch dich bei deinem Aufräumprojekt inspirieren, motivieren und ein Stück weit begleiten wird. Wenn es dich zwischendurch zum Lachen oder zum Weinen bringt – super! Lass dich übrigens nicht davon abschrecken, dass ich in manchen Kapiteln verstärkt über Frauen spreche: Ich bin halt eine und kann daher nur aus Frauenperspektive Erfahrungen teilen. Trotzdem gilt: Egal, wie du heißt, wer du bist, was du hast, was du in deinem Leben getan oder erlebt hast oder was nicht – dein Interesse am Aufräumen reicht.
Dieses Buch ist ein Gabentisch der besonderen Art: Du kannst dich hier chronologisch von vorne nach hinten durcharbeiten, du kannst aber auch wild hin- und herspringen oder auch mal pausieren. Jedes Kapitel ist in sich abgeschlossen und gleichzeitig mit den anderen verbunden.
Du findest hier einzelne Häppchen, Fingerfood, die zusammen ein großes Ganzes ergeben. Nimm dir gerne das, was dir appetitlich oder gesund erscheint, und lasse den Rest da.
Die Kapitel über das äußere Ausmisten findest du relativ am Anfang des Buches, weil es hier um sichtbares Loslassen und Aufräumen geht. Wenn du direkt in die Umsetzung kommst, siehst du in diesem Bereich sehr schnell Ergebnisse. Geschrieben habe ich darüber jedoch erst ganz zuletzt, weil die innere Aufräum-Arbeit mittlerweile immer wichtiger für mich geworden ist. Hier geht es um Themen wie Haltung, Vergänglichkeit, Vergebung und Beziehungen. Themen, die mir viel zu wichtig sind, als dass ich sie aussparen könnte. Themen, die unsichtbar sind und die nicht anhand von Checklisten abgearbeitet werden können. Themen, über die oft nicht ehrlich gesprochen wird, die es jedoch wert sind, sich mit ihnen gründlich auseinanderzusetzen. Das geht umso besser, je mehr Ressourcen im Außen frei werden.
Im Anschluss geht es darum, wie du die neu entstandene Ordnung dauerhaft halten kannst, was du mit den ausgemisteten Dingen tun kannst und wie du dich nach dem ersten Grundreinemachen auch innerlich immer mehr befreien kannst. Ich gebe dir Werkzeuge mit auf den Weg, die dir auch nach dem Ausmisten dabei helfen sollen, aufgeräumt zu bleiben.
Inneres und äußeres Aufräumen gehören für mich untrennbar zusammen. Das äußere Aufräumen lässt sich leichter messen und skalieren. Das innere Aufräumen ist ein lebenslanger Prozess, der stetige Bereitschaft, Aufgeschlossenheit und radikale Ehrlichkeit erfordert. Das einmalige Aufräumen eines Raumes ist kinderleicht. Das Ausmisten von Habseligkeiten mittelschwer, weil hier Emotionen mit reinspielen. Ordnung zu halten, ist eine Kunst, die meiner Erfahrung nach genaueres Hinschauen braucht, denn hierzu gehört zum Beispiel auch das Ausmisten von hinderlichen Glaubenssätzen und Gewohnheiten.
Mein Buch darf dich gern anstupsen, vielleicht auch pieksen, aber vor allen Dingen soll es dir Einsichten und Aussichten geben. Du findest hier eine Schatztruhe, aus der du dir nehmen kannst, was dich anspricht.
Danken möchte ich an dieser Stelle meiner hervorragenden Entourage aus Familie und Freunden: Ihr werdet euch in dem ein oder anderen Kapitel sicher wiederfinden und euch an unsere intensiven Gespräche erinnern. J
Und last, but not least: Du wirst in diesem Buch immer wieder über das Wort Gott stolpern.
Der Glaube, zu dem ich über die Jahre gefunden habe, hat mir maßgeblich beim Aufräumen geholfen. Ich habe keine Intention, zu belehren oder zu missionieren. Du musst nicht glauben oder dich für spirituell halten, um aus diesem Buch Nutzen ziehen zu können. Ich schreibe nur über meinen eigenen kleinen Mikrokosmos und meine Erfahrungen und Erkenntnisse zum Thema Ausmisten.
Fühl dich eingeladen, unvoreingenommen dein Herz und deinen Geist einen Spalt breit zu öffnen und vielleicht eine neue Sichtweise auf bestimmte Themen hineinzulassen.
Ich wünsche dir Spaß, Inspiration und Motivation beim Lesen!
Melanie-Maria
Meine Reise zum Minimalismus –
wie ich mir selbst begegnete
Ich bin ausgiebig um die ganze Welt gereist. Sogar bis nach Australien und Neuseeland. Die Reisen erforderten, dass ich mein Gepäck auf das Wesentliche reduzierte. Nur mit dem Rucksack auf dem Rücken unterwegs zu sein, hieß, Entscheidungen zu treffen und mich festzulegen. Ich wurde über die Jahre immer routinierter und wusste immer besser, was mir wirklich wichtig war und was ich brauchte. Später wurde mir klar, dass ich am Reisen neben den zauberschönen Landschaftseindrücken und den faszinierenden Menschen, die ich dort kennenlernte, vor allem DAS liebte: die Leichtigkeit des Seins. Nur das dabeizuhaben, was ich wirklich zum Leben brauchte. Und das war nicht viel. Noch viel später wurde mir bewusst, dass ich beim Reisen zwar meinen Besitz hinter mir lassen konnte, nicht jedoch mich selbst und meinen inneren Ballast. Ich nahm mich immer mit und die geografische Kur funktionierte irgendwann nicht mehr für mich.
So kam es, dass ich im Frühjahr 2010 in der Nähe von Melbourne an einem Strand lag, dessen Anblick locker ein Postkartenmotiv hätte sein können. Weißer Pudersand bis zum Horizont und glitzerndes Wasser. Kein Mensch weit und breit. Nur ich lag dort bäuchlings, das Gesicht in meine Hände vergraben. Verzweifelt war ich, weil ich nicht mehr weiterwusste. Im Außen war auf den ersten Blick alles gut, meine Selbstständigkeit lief gut, ich hatte einen fürsorglichen, wunderbaren Freund und war eigentlich mit allem versorgt.
In meinem Inneren war jedoch sehr viel alter Ballast, der mir auf dieser mehrwöchigen Australien-Reise um die Ohren flog.
Ich hatte Tage zuvor eine Frau in meinem Alter auf der Straße kennengelernt und mich mit ihr auf einen Kaffee verabredet. Ihr Name war Amber. Sie erzählte mir von ihrem Leben als Minimalistin und ihre Geschichte beeindruckte mich nachhaltig. Amber gab mir einen sehr persönlichen Einblick in ihr abgespecktes Leben und sie hatte eine Leichtigkeit in ihrer Stimme, die ich total anziehend fand. Sie war dankbar für die kleinen Dinge des Lebens und in ihr wohnte eine fast kindliche Freude. Unser anfangs locker-flockiges Gespräch ging rasch in einen sehr aufwühlenden Deeptalk über, als sie über Themen wie Vergebung und Vergänglichkeit sprach. Das waren für mich abstrakte Worte, über die ich mir bis dahin noch nie ernsthaft Gedanken gemacht hatte. Amber sprach über ihren inneren Aufräumprozess (so würde ich das aus heutiger Sicht bezeichnen) und ich war vor allem eines: bewegt. Ich wollte haben, was sie hatte. Sie besaß wenig, hatte aber viel. Ich merkte beim Zuhören und Fragenstellen, dass ich noch weit davon entfernt war. Weit weg von äußerer und innerer Ordnung.
Jetzt jedenfalls lag ich noch immer aufgelöst am Strand und war unfähig, die Schönheit um mich herum aufzunehmen. Das Weinen nahm irgendwann ein Ende, die Tränen hatte der Sand aufgefangen. In mir war Stille. Ich traf an diesem einen Nachmittag die Entscheidung, mein Leben aufzuräumen. Und zwar von Grund auf.
Noch in Australien besorgte ich mir alles an Literatur zum Thema Minimalismus, was ich kriegen konnte. Ich las viel über Aufräumen und innere Arbeit und reiste einige Wochen später motiviert und voller neuer Eindrücke nach Deutschland zurück. Dort wartete mein Freund auf mich. Und mein Zeug. Und meine nicht bereinigten Themen. An dieser Stelle würde ich so gerne sagen, dass sich nach dieser intensiven Reise alles schnurstracks zum Positiven entwickelte und mein Aufräum- und Heilungsprozess nach wenigen Monaten in Gänze abgeschlossen war. Eine lückenlose Heldinnenreise sozusagen.
Lief bei mir aber nicht so. Keine Erleuchtung und auch kein happy-ever-after. Ich mistete in Windeseile mit voller Entrümpelungswut Undinge aus und blieb dann stecken. Und zwar so richtig. Monatelang. Mehr Zeit statt Zeug war für mich damals wirklich kein schöner Zustand. Ich war noch nicht wirklich dazu bereit, mir meine eigentlichen Themen ehrlich anzuschauen. Also pröddelte ich weiter vor mich hin und war ganz schnell wieder in meinem Alltagstrott. Ich konzentrierte mich wieder vermehrt auf das Außen. Und erzählte mir die Geschichte, dass doch alles soweit okay lief. Schublade wieder zu.
Bis zu jenem Tag im Herbst 2010, als die Polizei plötzlich vor meiner Tür stand und mir mitteilte, dass mein Freund mit seinem Motorrad auf dem Weg zur Arbeit tödlich verunglückt war. Ich tat alles, was ich zu diesem Zeitpunkt tun konnte: Ich flüchtete. In eine Großstadt. Ich rannte weg und ich schaute weg. Dann starb wenige Monate später unerwartet mein Opa und kurze Zeit darauf auch noch mein Vater. Jetzt musste ich hinschauen. Ich hatte durch das stetige Ausmisten zwar nur noch wenig Besitztümer, aber dafür eine Seele voll mit Ballast. Voll mit Trauer. Voll mit Unvergebenheit. Jetzt ging es auf meine Art und zu meinen Bedingungen nicht mehr weiter: Ich hisste die weiße Flagge und kapitulierte. Ich wollte und ich musste mein inneres Haus aufräumen.
Es gab jedoch kein Rezept dafür, keine Raum-für-Raum-Checkliste, die ich einfach auf meine To-do-Liste setzen und abhaken konnte. Ehrgeizig, wie ich halt bin, und bisweilen verbissen, probierte ich vieles, wirklich sehr vieles aus, um meinen Aufräumprozess zu beschleunigen. Ich wollte fertigwerden. Ankommen. Mein persönlicher Werkzeugkoffer füllte sich und ich konnte irgendwann akzeptieren, dass es dauert mit dem ganzheitlichen Aufräumen und Heilwerden. Ich konnte annehmen, dass das Gras nicht schneller wächst, wenn ich daran ziehe. Manchmal geht es zwei Schritte nach vorne und dann wieder drei zurück. Heute weiß ich, dass ich bis zum letzten Atemzug nicht fertig sein werde mit dem Aufräumen und Ausmisten von Dingen, von Missverständnissen, von Irrtümern und anderen (zwischen-)menschlichen Hürden. Das Gras wächst halt so schnell, wie es wächst. Alles, was ich tun kann, ist, meine Straßenseite, so gut es geht, auf täglicher Basis in Ordnung zu halten und das Ergebnis Gott zu überlassen. Immer mehr wird mir klar, dass ich nur wenig weiß und dass ein Großteil des Lebens Mysterium bleibt. Durch das Ausmisten auf allen Ebenen habe ich einen immer schärferen Fokus und einen Filter entwickelt für meine Ziele und für das, was ich in mein inneres und äußeres Zuhause lasse. Ich bin mittlerweile nicht mehr offen für alles, und dazu hat mein Glaube beigetragen, den ich in diesen mitunter sehr schweren Zeiten finden durfte. Aber diese Geschichte kommt in ein anderes Buch, weil es sonst den Rahmen sprengen würde. Ein Freund sagte einmal: Wer immer ganz offen ist, kann nicht ganz dicht sein. Und so sehe ich das inzwischen auch. Ich bin nicht mehr bestechlich und ich kann es mir leisten, mein eigenes Ding zu machen. Deshalb ist dieses Buch entstanden und der Wunsch, meine Erfahrungen und Erkenntnisse über Minimalismus mit dir zu teilen. Ich wünsche dir beim Lesen viele Aha-Momente und Mut, dich auf Neues einzulassen.
MeinZelt – her mit den guten Gedanken
Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte.
Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen.
Achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.
Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter. Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.
Unbekannt
Ich liebe es: Ich möchte mir ganz gezielt eine Dokumentation über Eichhörnchen auf YouTube ansehen, und vorgeschaltet wird ohne meinen Wunsch eine Werbung, in der mir ein anerkannter Mindset-Coach erzählt, dass ich durch die Arbeit mit ihm oder ihr für den Rest meines Lebens glücklich und frei sein werde. Dabei wollte ich mir doch nur eine Tierdoku ansehen und ein wenig abschalten. Der ganze Mindset-Hype nervt mich manchmal. Meiner Meinung nach kann aus einem Cornichon keine Gurke mehr werden, auch mit passendem Mindset nicht. Und: Irgendwo in der Mitte ist sie wohl zu finden, die Wahrheit.
Und es stimmt: Ohne ein auf meine Ziele abgestimmtes MeinZelt (so nenne ich mein Gedankengut) wird es schwierig, etwas zu verändern und in Gänze auszumisten. Das Ausmisten erfordert an irgendeinem Punkt ganz gewiss das Verlassen meiner Komfortzone und damit auch meiner obsoleten Denkmuster. Es war für mich sehr wichtig zu begreifen, wie sehr meine Gedanken auf meine Handlungen, meine Einstellung und meine Stimmung Einfluss nehmen. Da ich von innen nach außen leben möchte, komme ich an regelmäßiger Innenschau und innerer Aufräumarbeit nicht vorbei. Ich weiß, wo ich hinmöchte und was ich in meinem Inneren wachsen lassen möchte. Ich sehe das Ziel hinter dem Ziel. Das gibt mir Antrieb.
Ich kann nur das verändern, was mir bewusst ist. Ich wusste lange Zeit nicht, welche Gedanken tatsächlich in meinem Kopf herumspukten. Ich handelte größtenteils unbewusst und war mit meiner Aufmerksamkeit immer mehr im Außen als im Innen unterwegs. Ich gab die Verantwortung für meinen inneren Zustand an Menschen, Umstände und Ereignisse ab. Das ließ mich in negativen Feedback-Schleifen verharren und ich konnte mir gar nicht vorstellen, diese zu verlassen. Meistens unzufrieden und größtenteils missgünstig gelangte ich an meinen persönlichen Tiefpunkt, an dem ich erkannte, was ich durch meine Haltung und meine Gedanken im Außen manifestierte. Ich konnte mir meine eigenen Geschichten über das Leben und meine Mitmenschen nicht mehr glauben. Es musste sich etwas verändern, und zwar in mir!
Die Neuerungen in meinem Denken und in meinem Handeln erfolgten schrittweise, teilweise in ganz kleinen Schrittchen. Durch beständige Wiederholung etablierte ich neue Trampelpfade in Form von neuen Gedanken und neuem Verhalten.
Und es hört nicht auf. Alte, hinderliche Gedanken kommen immer wieder, sind immer noch hörbar. Aber ich muss ihnen ja nicht unbedingt glauben und auch nicht danach handeln. Die Arbeit an meinem MeinZelt ist für mich zu einer täglichen Aufgabe geworden. So wie Zähneputzen. Ich benutze Mental Floss genauso wie Zahnseide.
In die Tat umsetzen
Wie steht es um dein MeinZelt? Fühlst du dich dort wohl oder hast du Stinkegedanken, die du loslassen möchtest? Was soll in deinem Leben anders sein? Möchtest du mehr Freude? Mehr Gelassenheit? Wie lange noch willst du auf die Veränderung warten?
Wenn du dir Veränderung in deinem Leben wünschst, dann fange bei dir an und sei du selbst die Veränderung. Du kriegst, was du glaubst und was du gibst. In der nicht sichtbaren Welt ein anerkanntes Prinzip. Wenn du dir Freude wünschst, dann gib Freude rein! Wenn du denkst, „da ist keine Freude“ oder „im Außen müsste mehr Freude sein“, dann ist das auch so. Eigne dir andere, förderliche Gedanken über dich und dein Leben an und handle danach. Manchmal reicht es schon, sich auf einen Gedanken zu konzentrieren, der nur 2 % besser als der vorherige ist. Du musst wirklich nicht alles glauben, was dir an Gedanken in den Kopf fällt. Gedanken kommen, Gedanken gehen. Wenn du Minimalismus in allen Lebensbereichen praktizieren möchtest, dann ist es eine gute Idee, passende Gedanken zu behalten, sie proaktiv zu denken und den Rest immer wieder auszumisten. Das, was du siehst, ist deine individuelle Bewertung von der Welt. Und die kannst du korrigieren, wenn du das willst. Das erfordert Bewusstheit und Disziplin.
Kurzes Gedankenspiel: Welche Farbe hat eine Zitrone, wenn du eine blau gefärbte Brille aufsetzt? Nein!! Sie ist nicht grün, falls das deine Antwort war. Sie ist auch nicht blau. Es handelt sich immer noch um eine gelbe Zitrone, du nimmst sie nur anders gefärbt wahr. Zwei Menschen können in vergleichbaren Umständen sein und doch ganz unterschiedlich darauf blicken. Dankbar, ärgerlich, neidisch oder sogar freudig und lernbereit.
Du entscheidest. Immer.
Du darfst immer wieder überprüfen, welche Brille du gerade aufhast und sie bei Bedarf durch eine bessere ersetzen.
Oder, um beim Obst zu bleiben: die Zitrone einfach gar nicht bewerten und die Dinge annehmen, so wie sie sind. Das wäre dann schon spirituell fortgeschritten und ich selbst bin da meistens auch nicht. Fangen wir also im Kleinen an.
Ich kann meine Gedanken nicht mehr nicht wahrnehmen, vor allem die destruktiven. Ich bin mir darüber im Klaren, dass die Lösung für all meine Probleme zwischen meinen Ohren liegt: in meiner Wahrnehmung und meinen Bewertungen von Menschen, Situationen und Orten. Manchmal behalte ich die Kackebrille auch bewusst auf, bis es wirklich weh tut und stinkt. Jedoch nie für lange Zeit. Das Alte ist schließlich vertraut und eingeübt. In alte Denkmuster zu fallen ist menschlich, sich nicht wieder hinauszubewegen, ist dumm. Finde ich.
Es geht um Fortschritt statt um Perfektion. Was sich für mich bewährt hat: Ich übe mich täglich darin, gute, förderliche und für mich wahre Gedanken zu tanken und bewusst zu denken, also meinen Geist zu trainieren und zu überholen. Der Begriff Gehirnwäsche hat für mich eine ganz neue Bedeutung gewonnen. Außerdem nehme ich auch aktiv eine Körperhaltung ein, die mich auf- und ausrichtet.
Glaubst du nicht? Probiere es doch mal aus für 30 Tage. J
Hier ist mein Rezept für ein gutes MeinZelt:
- Früh aufstehen (da ist der Geist noch relativ unbeschrieben), Gedanken kommen und gehen lassen. Beobachten.
- Aufrecht und selbstbewusst ans offene Fenster stellen, alles gut durchlüften und hartnäckige Stinke-Gedanken nach draußen schicken. Gegebenenfalls abschütteln, falls sie hartnäckig sind.
- Vollwertige Literatur frühstücken und verdauen (für mich ist das vor allem die Bibel, aber auch andere spirituelle Superfoods).
- Über den Tag verteilt ausreichend viele förderliche Gedanken (die deinen Werten und Zielen entsprechen) trinken, laut aussprechen und entsprechendes Verhalten an den Tag legen (trotz NULL-BOCK-STIMMUNG!).
- Kurze Dankbarkeitssnacks zwischendurch.
- Keine Junkfood-Gedanken abends vor dem Einschlafen (wie wir uns hinlegen, bestimmt, wie wir aufstehen).
- Genießen, wie der Geschmack gesunder Gedankenpralinen dein MeinZelt versüßt.
...

