?Fragezeichen?

?Fragezeichen?

Jürgen Geisbüsch


EUR 16,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 52
ISBN: 978-3-99131-310-6
Erscheinungsdatum: 27.09.2022
Essay über die vielen Fragezeichen vor und während der Pandemie-Zeit und was danach kommen könnte. Mit mehreren literarischen Querverweisen und (Rück-)Blicken auf Politik und Gesellschaft.
EINLEITUNG

In allen gelesenen Büchern und Werken von vielen prominenten und bekannten Schriftstellern werden uns immer nur Empfehlungen vorgetragen, die sinnvoll sind beziehungsweise sein sollen. Doch die Entwicklung zeigt uns, dass auch diese Empfehlungen auf wenig Erfolg stießen und immer wieder nur eines dokumentierten:
Es ist der Mensch, der andere Tugenden an den Tag legen muss, um die sogenannte „heile Welt“ zu erreichen. Zu unterschiedlich sind meines Erachtens die Gesinnungen unserer Völker auf der Erde, obwohl wir alle das Gleiche sind: MENSCH. Dalai Lama sprach in seinem Appell davon, dass Ethik über Religion stehen müsse. Er zielte sogar darauf, dass die unterschiedlichen Religionen eher schädlich sein können. Und es stellte sich immer mehr heraus: Sie können nicht nur schädlich sein – sie sind es. In unserem historisch prägenden Jahr 2015 trafen nicht nur hierzulande verschiedenartige Religionen aufeinander, die das Lebensbild dieser Welt gänzlich veränderten.
Der Sinn beziehungsweise das Ziel nach Gemeinsamkeit war dann nicht mehr praktizierbar, da verschiedenartige Mentalitäten aufeinandertrafen, die – so auch unser Ex-Kanzler Helmut Schmidt – niemals zu einer Einheit zusammenwachsen können.
Und recht hatte unser leider schon verstorbener Ex-Kanzler allemal.

Die Entwicklung und Forschung treiben uns immer mehr weg von dem Menschsein, das eigentlich durch Empathie und Achtsamkeit zu einer Gesamtheit auf unserem Planeten eben jenes gemeinschaftliche Zusammenleben in einem gesunden „Wir-Gefühl“ erzeugen sollte.
Und zwangsläufig komme ich dann immer wieder auf den leider schon verstorbenen erstklassigen Schriftsteller Roger Willemsen zurück, der in seinem letzten Werk unter dem Titel „WER WIR WAREN“ auf vieles hinwies, was mich gerade in der jetzigen Situation mehr denn je nachdenklicher stimmt. Und dahingehend stelle ich mir die Frage „WER WIR SEIN WERDEN“ …

In einem gesonderten Kapitel in diesem Werk nehme ich hierzu noch genauer Stellung.



?FRAGEZEICHEN?
Weshalb ein solcher Titel?

Sicherlich macht sich ein Autor Gedanken bei der Titelvergabe.
Gerade in der Pandemie-Zeit wurden wir allesamt immer stärker mit Fragezeichen konfrontiert.
Auf viele spezifische Fragen wussten selbst Fachexperten keine plausible Antwort.
Es wurde und wird spekuliert, diskutiert, debattiert – ohne messbaren Erfolg.
Und mit 60 Jahren stellt man sich als Bürger, mit Blicken – sowohl zurück als auch nach vorn, tagtäglich Fragen, auf die man selbst eher zögernde oder gar keine Antworten weiß.
Hinzu kommt: Manche Antworten, zum Beispiel der führenden Politiker/innen, erscheinen einem eher paradox, realitätsfremd oder gar utopisch. Oftmals erscheinen mir die Vorhaben dieses Personenkreises eher als reines Wunschdenken.
Und während ich beim Schreiben in meiner „Kammer“ (Anmerkung: meine schriftstellerische Werkstätte) sitze, habe ich das Gefühl, dass der Fragenkatalog kein Ende nimmt.

Ich kam zu dem Entschluss, dass gerade in unserer digitalisierten und hektisch-pulsierenden Gegenwart die Anzahl der Fragezeichen stetig steigt. Ist es die Ungewissheit auf eine schnellere, unnahbare, trockenere Zukunft, in der Vorhaben und Schlagwörter wie Empathie, Achtsamkeit, Zwischenmenschlichkeit und Solidarität nur noch wie eine Farce über die Lippen gehen?
So beinhalten viele meiner Kapitel Fragen, mit denen sich der Leser ganz bewusst beschäftigen sollte. Denn: Nur, wer hinterfragt, kommt auch zu einem Entschluss.
Insofern soll mein neues Werk dazu inspirieren, sich selbstbewusst dieser Welt mit all den vielen Fragen zu stellen, um letztendlich für sich selbst zufriedenstellende Antworten zu finden, die einem einen harmonischen Lebensweg ebnen.



VORWORT

Warum ein solch außergewöhnlicher Titel? Es sind die Fragezeichen unseres Lebens, die uns tagtäglich begegnen. Über die Jahre und Jahrzehnte summieren sich diese.
Und viele Schicksalsschläge und Katastrophen werfen zusätzliche Fragezeichen auf.
Wie reagieren wir? Unser Kopf ist voller Gedanken und Fragen. Da hilft mir persönlich das leidenschaftliche Schreiben. Was ich schreibe oder notiere, habe ich aus meinem Kopf aussortiert. Ja, ich habe meinen Kopf befreit und entleert von vielen Gedanken, die mich belasten, um so wieder Freiraum in meinem Gehirn zu schaffen. Eine Bereinigung innerhalb meines Kopfes, die Raum schafft für die schöneren und positiveren Gedankengänge in meinem Leben.
Die Antwort auf manche Frage kann somit durchaus ein oder mehrere Ausrufezeichen (!) sein.
Ein Ausrufezeichen (!) für lebensbejahende Visionen.
Ein Ausrufezeichen (!) kann aber auch ein Hilferuf bedeuten: ein Signal an jene, die meine Nöte, Ängste und Befürchtungen dann vielleicht besser verstehen. Es gibt sie und wird sie immer wieder geben – Fragen in unserem Leben, auf die wir bis zum Lebensende keine Antworten erfahren.



DAS GANZE LEBEN BESTEHT AUS FRAGEZEICHEN

In mehreren Interviews musste ich meinen Gesprächspartnern Fragen stellen. Fragen, auf die man mehr oder weniger zufriedenstellende Antworten erhalten hat.
Teilweise bestanden aber die Antworten aus sogenannten rhetorischen Gegenfragen.
Kinder fragen sehr viel, Kinder stellen Fragen, die ein Erwachsener gar nicht stellen würde.
So, der kleine Nils, der immer beobachtete, dass man den Wasserhahn zu Hause schnell abdrehen sollte, nicht zuletzt, um Wassergeld zu sparen.
Beim Spaziergang mit Opa Toni am romantischen Bachlauf dann die äußerst kreative Frage eines kleinen Kindes: „Opa Toni, warum kann man den Bach nicht abdrehen?“
Eine berechtigte Frage, die selbst Opa Toni mehr als verwunderte und auf die er so recht keine Antwort wusste.
Und wieder war dies ein Beweis für mich, dass die schlaueren Fragen – oder ganz einfach, die kreativen Fragen –, zusehends von Kindern gestellt werden, agieren unsere Kinder doch ganz einfach unbefangener.
Dies kann man auch ganz deutlich beim Sprechen von Kindern unter Kindern beobachten. Der Erwachsene hingegen denkt zu viel nach, bevor er ins Gespräch oder in Kontakt mit Mitmenschen tritt. Oftmals besteht dieses Nachdenken dann aus Vorurteilen, die sich im Nachhinein häufig als nicht gerechtfertigt erweisen.



DER BAUM

Getrennt von der Wurzel, ohne Verbindung zur Quelle,
steht er nun im Zimmer an besonderer Stelle.
Noch ist er frisch und noch voller Saft.
Er scheint voller Leben, voll Frische und Kraft.
Ein Zeichen für Hoffnung, für Licht in der Welt
und doch schon fast tot, weil die Wurzel ihm fehlt.
So wird er zum Gleichnis für den Zustand der Welt,
die ohne Verbindung zu Gott ins Chaos verfällt.
Noch scheint sie zu leben, noch reicht ihre Kraft,
um den Eindruck zu erwecken, dass der Mensch es schon schafft.
Der Mensch will herrschen und retten und bleibt dennoch nur Gast,
saniert und kuriert statt an der Wurzel, am Ast.
Geschmückt wie der Baum, verschönt und verziert.
Das Geschöpf ohne Schöpfer ist erschöpft und frustriert.
Verbindung zur Wurzel ist nötiger als je zuvor.
Es stirbt und geht ein, was seinen Ursprung verlor.



EIN ORT, WO DICH DIE BÄUME KENNEN

Es kann ein Dorf in der Eifel, im Hunsrück oder im Westerwald sein, der Asphalt einer Hauptverkehrsstraße in Berlin, Hamburg oder Essen, ein Mietshaus in einem Vorort, eine Villa am Stadtrand, ein Garten, in dem der erste Frost den Einzug hält, ein gewundener Waldweg, die Silhouette einer Hügelkette im Nebel, Sonnenlicht, das sich auf der Oberfläche eines Sees spiegelt. All das und vieles mehr kann Heimat sein.
Jeder Ort, und sei er für andere Menschen noch so unscheinbar oder gar hässlich, kann bei dem, der hier schon lange lebt oder hier geboren ist, ein tiefes Gefühl von Vertrautheit, Nähe, Sehnsucht oder Geborgenheit heraufbeschwören. Dafür müssen wir diesen Ort nicht einmal unbedingt lieben. Mancher wollte als junger Mensch der Enge seiner Jugendstraßen entfliehen, um dann später doch immer wieder zurückzukehren, getrieben von einer unbestimmten Anziehungskraft. Es kann auch vorkommen, dass wir erst erkennen, wie viel uns die Orte unserer Herkunft bedeuten, wenn wir von ihnen getrennt sind. Der Schriftsteller Fjodor Dostojewski sagte einmal: „Ohne Heimat sein heißt leiden“. Aber warum ist das so? Warum sind uns die Straßen und Häuser, die Wälder und die Wiesen der Heimat so viel kostbarer als all die anderen Orte, an denen wir sind oder waren? Gegenden, die vielleicht viel besonderer, aufregender oder schöner sind?
In manchen Ländern, speziell des Ostens, in denen man sich bekanntlich mit Seelenschmerzen gut auskennt, gibt es ein Sprichwort: „Nicht dort, wo du die Bäume kennst, sondern da, wo die Bäume dich kennen, ist deine Heimat“. Schön gesagt. Und tatsächlich ist Heimat vor allem der Ort, an dem wir uns immer wieder selbst begegnen können. Es ist der Ort, an dem die Bäume nicht nur den Menschen kennen, der wir heute sind, sondern auch den, der wir einmal waren.



LEBENSHÜRDEN

Lange habe ich mir überlegt, wie doch alles auf unserem Planeten zustande kommt. …
Und hilfreich hierbei war und ist mir mein Lieblingsfoto von der Nordsee unter dem Titel „HÜRDEN“.
Wir alle müssen im Leben HÜRDEN nehmen, mal schwer, mal weniger schwer und manchmal doch so leicht und einfach. Doch bei allen Barrieren, die sich uns in den Weg stellen, gibt es nur eins:

„NIEMALS AUFGEBEN!“

Der Kampf wird sich lohnen, und am Ende ist man zufrieden. Zufrieden, ganz egal, wie der Stand der Dinge ist. Hauptsache, man hat sich den Weg selbst geebnet.
Wenn ich Barrieren erwähne, fällt mir doch die ach so viel zitierte „Karriere“ ein.
Was ist das überhaupt? Ist es eine steile Karriere, wenn ich den tausendsten Like bei einem Buch als Autor erreicht habe oder mein Werk gar ein Bestseller ist? Nein, Bestseller produzieren wir ALLE. Unsere Geschmacksrichtungen sind generell unterschiedlich. Nicht jeder mag Romane, nicht jeder schmökert gerne in einem gruseligen Krimi, nicht jeder ist angetan von psychologisch-tiefgründigen Ratgeberbüchern und so weiter und so fort.
Und zum Glück ist es so. Wir sind alle unterschiedlich. Aber eines haben wir alle gemeinsam: Wir haben unsere LEBENSHÜRDEN zu überwinden. Und dabei benötigen wir unsere eigene Kraft, um unseren EIGENEN LEBENSWEG zu gehen, der durchaus auch mal über Umwege führen kann.



DER FADEN DES LEBENS

Beim Ausritt stürzte seinerzeit der französische Edelmann und Philosoph Michel de Montaigne von seinem Pferd. Er ist nicht bei Bewusstsein, als die Bediensteten ihren noch lebenden, aber schwer verletzten Herrn ins Schloss bringen. Und dennoch kann er sich später an den Vorfall erinnern: „Es war, als hinge mein Leben an einem seidenen Faden“, schreibt er.
So dünn und zum Zerreißen gespannt empfand Montaigne die Verbindung seines Körpers zum Hier und Jetzt. Aber die Verbindung hielt stand. Montaigne erholte sich, wurde wieder ganz gesund. Der Faden hatte ihn gehalten.
Überhaupt scheint das Bild des Fadens eine große symbolische Kraft zu besitzen. Ariadne gelingt es, mithilfe eines Fadens aus dem todbringenden Labyrinth des Minotaurus zu entkommen. Der sprichwörtliche rote Faden hat seitdem so manchem geholfen, einen Weg durch allerlei komplizierte Umstände zu finden. Und so steht das Bild des Fadens einerseits für den Weg, den wir einschlagen können, für Orientierung und sicheres Geleit. Es macht aber auch deutlich, wie zerbrechlich manche Verbindungen sein können. Entscheidend aber ist, dass sie die Kraft haben, zu halten, solange der Faden nicht reißt, und mag er noch so dünn sein.
Aber ist es nicht eigentlich so, dass jeder von uns so einen Lebensfaden spinnt? Mit jedem Gedanken, jedem Wort und jeder Tat fügen wir ihm etwas hinzu. Zentimeter für Zentimeter wird er länger und länger. Aber der Faden, der unser Leben ausmacht, wird nicht einfach nur auf einer Spule aufgerollt. Er ist auch nicht stets straff und zum Zerreißen gespannt. Im Gegenteil: Wir nehmen diesen Faden und verweben ihn. Und indem wir das tun, wird daraus etwas Starkes, etwas Belastbares und zugleich sehr Schönes. So entstehen im Laufe der Zeit Muster in vielen Farben und Formen der Teppich unseres Lebens. Und der ist bunt, vielfältig und einmalig auf der Welt. Denn der einzelne Faden mag dünn sein und reißen können. Das Gewebe des Lebens ist es nicht. Es mag kein fliegender Teppich sein, den wir da knüpfen, aber er trägt uns und verbindet uns mit den Menschen und der Welt. Für Montaigne wurde der Reitunfall zum lebensverändernden Erlebnis. Die Erfahrung, dass selbst ein seidener Faden ausreichen kann, um mit dem Leben in Kontakt zu bleiben, trug dazu bei, ihm die größte Angst des Daseins zu nehmen.

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