Cover: Das Schweigen des Buddhas

Das Schweigen des Buddhas


EUR 17,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 120
ISBN: 978-3-7116-1160-4
Erscheinungsdatum: 10.02.2026
Diese Geschichten wurden von Yoga-Gurus, Sufi ,Zen- und Tao-Meistern sowie christlichen Mönchen erzählt. Sie öffnen uns die Augen für den größten Schatz, den Osten und Westen der Welt geschenkt haben – die Selbsterkenntnis.
Das neugierige Fischmädchen


Es war einmal ein kleines Fischmädchen namens Mala. Es lebte in einem großen Ozean. Mala war sehr neugierig und stellte viele Fragen an ihre Eltern.

Eines schönen Tages fragte sie ihre Mutter:

„Ich habe gehört, dass es einen großen Ozean gibt. Bist du schon einmal in einem solchen Ozean geschwommen?“

Ihre Mutter antwortete:

„Nein, mein süßes Kind, ich kenne ihn nicht, du solltest lieber deine Großmutter fragen.“

Das kleine Fischmädchen schwamm zu seiner Großmutter und stellte die gleiche Frage noch einmal, und die Großmutter antwortete:

„Mein liebes Kind, ich habe viel über diesen großen Ozean gehört, aber ich kenne ihn auch nicht!“

Die kleine Mala wurde enttäuscht, aber ihr Wissensdurst um die Existenz des großen Ozeans war immer noch da.

Sie wuchs heran und wurde ein großer Fisch, und dann sah sie eines Tages einen seltsamen neuen Fisch!

Sie fragte den neuen Fisch:

„Woher kommst du? Ich habe dich hier noch nie gesehen!“

Der neue Fremde antwortete:

„Ich komme von weit her, aus einem anderen Gewässer, und habe mich verirrt!“

Da fragte das neugierige Fischmädchen den Neuankömmling:

„Kommst du vom großen Ozean?“

Der Neuankömmling antwortete:

„Nein, aber ich habe von diesem großen Ozean gehört, doch ich weiß nur wenig darüber!“

Der neugierige Fisch war überglücklich, ein wenig über den großen Ozean zu erfahren, und sagte dann:

„Lass mich alles über diesen großen Ozean wissen.“

Der neue Fisch antwortete:

„Ich habe von einem alten Fisch gehört, dass der große Ozean sofort zu dir kommt, wenn du in Schwierigkeiten bist und wenn du ihn in deinem reinen Herzen rufst.“

Mala war verwirrt, als sie solche Worte von dem neuen Fisch gehört hatte, denn sie hatte keine Ahnung von solchen Ereignissen.

Tage vergingen und das neugierige Fischmädchen lebte weiter mit dem unerfüllten Durst nach Wissen!

Eines Tages hörte Mala ein lautes Motorengeräusch auf dem Wasser, und sie fühlte ein unbehagliches Gefühl in sich. Sie wollte wegschwimmen, aber dann war es schon zu spät. Plötzlich fand sie sich im Fischernetz gefangen, und sie war nicht allein. Im Netz waren viele ihrer Freunde, die um Hilfe riefen. Auch das Fischmädchen bekam keine Luft mehr und begann, um sein Leben zu kämpfen. Mala hatte das Gefühl, dass sie bald sterben würde. Dann gab es ein Licht in ihren Gedanken, und sie erinnerte sich an die Worte des seltsamen Fisches: „Wenn du in großer Not bist, denke an den großen Ozean in deinem Herz.“

Mala schloss ihre Augen und mit ihrem reinen Herzen rief sie den großen Ozean, dass er zu ihr kommen soll.

Plötzlich erhob sich eine große Welle, die gegen das Fischernetz rauschte. Das Netz wurde geöffnet, und alle Fische, die im Netz gefangen waren, landeten wieder im Wasser.

Sobald das neugierige Fischmädchen sich im Wasser befand, schrie es vor Freude:

„Wow, ich habe den großen Ozean gefunden! Er war so nah bei mir, und doch habe ich versucht, ihn draußen zu finden!“

So ist es auch mit dem Allmächtigen: ER ist in uns, aber stets suchen wir ihn draußen!




Eintritt verboten!


Eines Tages ging ein farbiger Mann in eine Kirche und stellte fest, dass die Tür verschlossen war. Der Farbige wusste nicht, dass die Kirche nur für Weiße bestimmt war. Er klopfte an die Tür. Der Priester öffnete und fragte nach dem Grund seines Klopfens. Der Mann sagte, dass er gerne in der Kirche beten möchte. Der Priester zögerte, ihm zu sagen, dass die Kirche nur für Weiße sei. Also sagte er ihm, dass in dieser Kirche nur Menschen mit reiner Seele und reinem Geist beten dürfen. Daraufhin fragte ihn der Farbige, wie er einen solchen Zustand erreichen könne. Der Priester sagte: „Bitte gehen Sie in sich und beten Sie mit reinem Herzen, und eines Tages werden Sie feststellen, dass Sie eine reine Seele geworden sind. Wenn es so weit ist, dann können Sie zu mir zurückkommen.“

Der Farbige dankte dem Priester und ging weg.

Nach einigen Monaten traf der Priester den farbigen Mann zufällig draußen auf dem Marktplatz. Er wollte wissen, wie es dem Farbigen ergangen war, und fragte ihn, warum er nicht in die Kirche gekommen sei. Der Mann lächelte und sagte ihm, dass er seinem Rat gefolgt ist und jeden Tag gebetet hat.

Eines Tages wollte er die Kirche wieder besuchen und darin beten, aber in der Nacht zuvor hatte er einen wunderbaren Traum gehabt. In seinem Traum ist ihm Gott erschienen und sagte, dass ihn seine Gebete sehr glücklich gemacht haben. Der Farbige war überwältigt, Gott persönlich zu begegnen, und dankte ihm für seinen Besuch. Daraufhin erwiderte Gott: „Mein liebes Kind, du hast jetzt ein reines Herz und eine reine Seele. Hast du einen Wunsch, den ich dir erfüllen kann?“

„Oh ja, Heiliger Vater, ich wollte diese Kirche in der Nähe meines Hauses besuchen“, antwortete der Farbige.

In seiner Erzählung hielt der Farbige inne und fragte den Priester: „Sind Sie sicher, dass Sie die Antwort Gottes hören wollen?“

Oh ja, der Priester war begierig, die Antwort zu erfahren.

„Gut“, sagte der farbige Mann: „Der Gott lächelte und sagte:

Mein liebes Kind, in dieser Kirche wird der Eintritt auch mir nicht gewährt!“




Die Taube und zwei Prinzen


Einmal spielten zwei Prinzen im Garten. Der ältere Prinz schoss mit seinem Pfeil eine Taube und lief los, um sie zu suchen. Der jüngere Prinz sah auch, dass sein Bruder eine Taube geschossen hatte. Er lief ebenfalls los, um sie zu suchen.

Der jüngere Prinz fand die Taube am Boden liegen, hob sie auf und entfernte den Pfeil aus ihr. Die Taube war noch am Leben, aber es floss Blut aus ihr, da sie verwundet war. Der jüngere Prinz zerriss sein Hemd und verband die Wunde der Taube. Doch dann kam der ältere Bruder, um die Taube zu suchen, und sah sie in den Händen seines jüngeren Bruders. Der Ältere bat seinen jüngeren Bruder, ihm die Taube zu geben, da sie ihm gehöre. Der jüngere Bruder weigerte sich mit dem Argument, er habe die Taube gefunden und ihr das Leben gerettet, deshalb gehöre die Taube ihm. Beide begannen, miteinander zu streiten. Der König, der mit einem buddhistischen Mönch im Garten spazieren ging, hörte die Streitereien der beiden Söhne und rief sie zu sich.

„Was ist das Problem?“, fragte der König seine Söhne.

Der ältere Bruder sagte: „Lieber Vater, ich habe die Taube mit meinem Pfeil abgeschossen, also gehört die Taube mir.“

Der König bat den jüngeren Sohn, die Taube seinem Bruder zu geben.

Aber der jüngere Sohn antwortete: „Lieber Vater, die Taube gehört mir, denn ich habe sie zuerst verwundet am Boden gefunden und ihr das Leben gerettet.“

Da sagte der König: „Meine lieben Söhne, die Taube gehört dem jüngeren Sohn, denn er hat das Leben gerettet, und wer das Leben rettet, ist besser als der, der das Leben nimmt.“

Der König wandte sich an den buddhistischen Mönch und fragte ihn nach seiner Meinung zu diesem Vorfall.

Der buddhistische Mönch antwortete: „Lieber König, es ist wahr, dass der jüngere Sohn besseres Karma als der ältere Sohn gemacht hat, indem er das Leben der Taube gerettet hat, anstatt das Leben zu nehmen, aber die Taube gehört niemandem!“




Guru Nanak und ein Glas Milch


Einmal machte Guru Nanak (indischer Mystiker) auf seiner Reise durch Indien außerhalb eines Dorfes eine Pause. Er suchte Schutz unter einem großen Banyan-Baum. Als die Dorfbewohner hörten, dass der große Mystiker Guru Nanak sich außerhalb ihres Dorfes aufhielt, begannen viele Dorfbewohner, ihn zu besuchen.

In dem Dorf lebte noch ein anderer Guru, und als er hörte und sah, dass so viele Dorfbewohner Guru Nanak besuchten, wurde er ein wenig besorgt. Da er nicht viel über Guru Nanak wusste, dachte er, dass Guru Nanak die Dorfbewohner in die Irre führen könnte. Also wollte er den großen Meister prüfen. Der Guru im Dorf bat seinen Anhänger, zu Guru Nanak zu gehen und ihm ein Glas Milch zu bringen.

Der Bote war von diesem Geschenk überrascht, aber er folgte dem Wunsch seines Meisters. Der Anhänger des Dorf-Gurus besuchte Guru Nanak und überreichte ihm ein Glas mit Milch. Guru Nanak dankte ihm für das freundliche Geschenk und bat dann einen seiner Anhänger, der in seiner Nähe saß, einige Rosenblätter zu bringen, die er dann auf die Milch streute.

Dann bat Guru Nanak den Boten, er möge im Gegenzug seinem Guru bitte auch ein Geschenk von ihm überreichen.

Der Dorfbewohner war etwas verwirrt, aber er stellte Guru Nanak keine Frage und kehrte mit Glas Milch mit Rosenblättern zurück und brachte das Geschenk seinem Guru zurück. Als der Dorf-Guru dies sah, freute er sich und sagte: „Jetzt bin ich der glücklichste Mann im Dorf.“

Der Schüler verstand die ganze Geschichte nicht und bat seinen Guru, ihm die Bedeutung der Geschenke zu erklären.

Der Dorf-Guru sagte: „Ich habe das Glas voller Milch geschickt, um Guru Nanak zu sagen, dass die Menschen in diesem Dorf mit ihrem Guru zufrieden sind und ein neuer Guru sie in die Irre führen könnte. Guru Nanak verstand mein Bedenken und nahm das Glas Milch an, um zu sagen, dass er derselben Meinung war. Dann aber streute er einige Rosenblätter auf die Milch, um zu zeigen, dass im Glas immer noch Platz ist und die Milch nicht überläuft. Damit vermittelte er mir, dass seine und meine Lehre ohne jeden Konflikt nebeneinander existieren können.“




Der letzte Wunsch eines Diebes


Einst wurde ein Dieb zum Tode verurteilt. Kurz vor seiner Hinrichtung fragte der König nach seinem letzten Wunsch. Der Dieb sagte, er habe einige magische Perlen, die ihm sein Meister geschenkt habe. Diese magischen Perlen seien sehr speziell und wenn man sie in einer Vollmondnacht in den Boden säe, könnten sie in einigen Monaten zu einem Perlenbaum heranwachsen. Das sei sein letzter Wunsch.

Der König wurde sehr neugierig und gierig. Er sagte dem Dieb, dass er seine Hinrichtung für die nächsten zehn Tage aufschieben könne, da nach zehn Tagen Vollmond sei und man dann seinen Wunsch erfüllen könne.

In der Vollmondnacht ging der Dieb mit der königlichen Sicherheit in seine Hütte, grub die Perlen aus der Ecke seiner Hütte aus und kam dann zum Palastgarten, wo der König auf ihn wartete. Nachdem er einen guten Platz ausgesucht hatte, säuberte der Dieb den Boden und grub ein kleines Loch, um die Perlen dort unterzubringen. Doch plötzlich hielt er inne und sagte dem König, dass er laut seinem Meister die Perlen nicht mit seinen Händen aussäen dürfe. Der König wunderte sich und fragte nach dem Grund. Der Dieb sagte: „Alle wissen, dass ich ein Dieb bin. Mein Meister sagte mir, dass die Perlen von einer Person ausgesät werden sollten, die noch nie in ihrem Leben gestohlen hat. So gebe ich Euch die Perlen, da Ihr ein König seid und die ideale Person für diese Arbeit“, und übergab die Perlen seinem Herrn. Als der König die Perlen in seinen Händen sah, schaute er zu seinem Minister, um die Arbeit an ihn weiterzugeben. Der Minister schaute zum General und der General schaute wieder zurück zum König. Niemand war bereit, die Perlen zu säen. Dann fing der König plötzlich laut zu lachen an und sprach zum Dieb: „Mein lieber Untertan, wir alle können diese Perlen nicht säen, weil wir alle Diebe sind, und ich bin der größte davon. Ich habe meine Feinde verraten und das Land an mich gerissen. Wir alle sind Diebe, einige von uns größere und einige kleinere. O Dieb, ich vergebe dir! Du kannst jetzt gehen. Du bist ein freier Mann!“
...
5 Sterne
Das Schweigen des Buddhas - 05.07.2026
Anita

Asit Vashistha hat eine inspirierende Sammlung von Geschichten aus unterschiedlichen Kulturen zusammengestellt. Kurzweilig erzählt und tiefgründig in der Aussage. Ein tolles Buch für Yogis und alle, die sich mit Bewusstsein und Achtsamkeit beschäftigen.

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