Alltag & Lebensführung

Das Schulexperiment

Damian Gsponer

Das Schulexperiment

Vom Abstellgleis auf die Überholspur

Leseprobe:

Vorwort

Schön, dass du dich auf „Das Schulexperiment“ einlässt. Es ist wahrlich ein Experiment, dessen Ausgang – während du diese Zeilen liest – noch völlig offen ist.

Schritt für Schritt hilft es dir, deine Einstellung und deine Lerntechnik zu verbessern und so in deiner Ausbildung erfolgreich zu werden.

Das Buch umfasst 16 Kapitel. Mit Ausnahme des letzten ist jedes dieser Kapitel in drei Bereiche unterteilt. Es beginnt jeweils mit einem Teil meiner Geschichte. Anschließend folgt ein konkreter Tipp. Es ist sinnvoll dass du dich auf all diese Tipps einlässt. Du kannst aber auch nur diejenigen herauspicken, welche für dich persönlich passen. Der letzte Teil des Kapitels lässt dir Raum für deine Gedanken und Notizen oder ist mit Übungen versehen, mit denen du eine Technik gleich anwenden kannst.

Durch diese Dreiteilung hast du verschiedene Möglichkeiten, das Buch zu lesen. Du kannst alles von Anfang bis Schluss durchlesen und durcharbeiten (meine Empfehlung). Bist du lediglich an meiner Geschichte interessiert, kannst du die Tipps und die Übungen weglassen. Dasselbe gilt umgekehrt: Bist du nur an den Tipps interessiert, dann kannst du meine Geschichte weglassen. Wie es dir beliebt.

Auf der Website www.gd-vs.ch kannst du mir gerne Rückmeldungen und Kommentare zum Buch mitteilen. Willst du einen Tipp vertiefen oder mich live erleben, dann empfehle ich dir den Besuch meiner Seminare.

Viele dieser Tipps habe ich aus Kursen, Büchern, Videos oder von Bekannten. Sie stellen eine Auswahl derjenigen dar, die mir selber weitergeholfen haben. Am Schluss des Buches, unter „Referenzen“, findest du eine unvollständige Liste von Menschen, denen ich diese Tipps verdanke.

Und nun wünsche ich dir viel Spass beim Lesen!

Liebe Grüße

gd



Kapitel 1

Das ist gut
Wir schreiben das Jahr 2011. Der Saal ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Ich schreite zum Rednerpult und erzähle folgende Geschichte:

Diese Geschichte erzählt von einem König in Afrika, der einen engen Freund hatte, mit dem er aufgewachsen war. Der Freund hatte die Gewohnheit, jede Situation, die sich in seinem Leben ereignete, sei sie positiv oder negativ, genau zu betrachten und zu sagen: „Das ist gut!“
Eines Tages waren der König und sein Freund gemeinsam auf der Jagd. Der Freund hat die Waffen des Königs geladen und sie ihm gereicht. Anscheinend hatte der Freund irgendeinen Fehler beim Laden der Waffe gemacht, denn nachdem der König die Waffe entgegennahm und damit schoss, wurde der Daumen des Königs getroffen und weggerissen. Sein Freund reflektierte auch über dieses Ereignis und sagte wie immer: „Das ist gut“. Auf diesen Ausspruch reagierte der König zornig und meinte: „Nein, das ist nicht gut!“ und er ließ seinen Freund dafür ins Gefängnis werfen.
Es war etwa ein Jahr später, als der König in einem Gebiet auf der Jagd war, das er besser gemieden hätte. Er wurde von Kannibalen überwältigt und sie schleppten ihn in ihr Dorf. Sie fesselten ihn, sammelten Holz, machten einen großen Scheiterhaufen und banden ihn darauf fest. Als die Kannibalen herantraten, um den Scheiterhaufen anzuzünden, sahen sie, dass dem König ein Daumen fehlte. Da sie abergläubig waren, aßen sie nie jemanden, der nicht alle Glieder hatte. Aus diesem Grund banden sie den König los und jagten ihn davon.
Nachdem er heimgekehrt war, erinnerte er sich an den Unfall, der ihm seinen Daumen gekostet hatte, und es tat ihm wirklich leid, dass er seinen Freund deshalb ins Gefängnis werfen liess.
Er ging sofort ins Gefängnis, um mit seinem Freund zu sprechen und ihn zu befreien. Er sagte ihm: „Du hattest recht, es war gut, dass ich meinen Daumen verloren habe.“ Dann erzählte er ihm, was ihm widerfahren war. „Darum tut es mir aufrichtig leid, dass ich dich ins Gefängnis werfen ließ. Bitte vergib mir, das war wirklich schrecklich von mir.“ „Nein“, sagte sein Freund. „Das war gut!“
„Was meinst du damit, dass es gut war? Es kann doch nicht gut sein, wenn man seinen besten Freund für ein Jahr ins Gefängnis wirft!“
„Doch, es war gut, denn hättest du mich nicht ins Gefängnis geworfen, wäre ich mit dir auf der Jagd gewesen!“

Mit dieser Geschichte wende ich mich als Schuldirektor an gut sechzig Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern und Verwandte. Kurz später drücke ich den Jugendlichen ein Papier in die Hand, das ich selber nie erhalten habe. Das Diplom zum Abschluss der obligatorischen Schulzeit.

Warum ich keinen Schulabschluss habe und wie ich gleichwohl zu einem der jüngsten, wenn nicht sogar zum jüngsten Schuldirektor wurde, erfährst du in diesem Buch.



Tipp 1

Wie deine schulische Situation momentan auch immer ist: Sie ist gut! Selbst dann, wenn sie dir schlimm, traurig und aussichtslos erscheint. Deine jetzige Situation gehört zu deinem Leben, sie hat dich zu dem gemacht, was du jetzt bist und noch wichtiger à sie kann dir helfen, das zu werden, was du sein möchtest! Doch dazu brauchst du ein JA zu ihr und den Willen, sie dir nützlich zu machen!

Akzeptiere deine jetzige Situation so wie sie ist und glaube daran, dass sie gut ist und dich in deinem Leben weiterbringt!



Kapitel 2 

Erste Gehversuche

26 Jahre früher

Als Kind bin ich ungezähmt, wild, lebendig. Familienfilme von früher bestätigen dies. Heute würde man mich wohl als hyperaktiv bezeichnen. Weder bin ich reif für die Schule noch ist die Schule reif für mich.

Gleichwohl beginnt – zumindest meine (Vor-)Schulkarriere – sehr positiv. An den Kindergarten habe ich nur gute Erinnerungen. Das Spielen, Bauen, Kämpfen … ist auf mein Können ausgerichtet. Ich würde behaupten, dass dies die allerbeste Form war, meine natürlichen Fähigkeiten auszubilden und weiterzuentwickeln. Im Kindergarten lerne ich so natürlich, wie in allen anderen Schuljahren zusammen nicht mehr. Ich habe Freiraum und werde angenommen, wie ich bin. Die Welt ist in Ordnung.

Selbst an die dritte Klasse, in der ich neun Jahre alt war, hege ich noch beste Erinnerungen. Wir brüten Hühner aus und meine Eltern erlauben mir, drei davon (ein Hahn und zwei Hühner) mit nach Hause zu nehmen. Bald entdecke ich, dass sich damit Taschengeld verdienen lässt. Ich verkaufe ein Ei für 50 Rappen und beginne zu züchten. Zu meinen Spitzenzeiten habe ich 35 Hühner und entsprechend viele Kunden in der Nachbar- und Verwandtschaft. Die Hühner sind – neben dem Fußball – meine Welt. Ich gebe ihnen Namen, führe Gottesdienste mit ihnen durch, lese ihnen vor und bade sie (wohl gegen ihren Willen) in unserem Teich.

Gegen Ende der Primarschule dann werde ich ein kleiner Rebell. In der vierten Klasse erhalte ich meine erste Ohrfeige – und dies am ersten Advent. Ich kann mich noch gut an die Situation erinnern. Ich stand einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Getan habe ich – zumindest diesmal – nichts.

Einmal getreten entwickle ich eine Abneigung gegenüber der Lehrperson. Später gibt es eine weitere ähnliche Situation.

Die Primarschule geht in diesem Stil weiter. Die Handarbeitslehrerin packt mich an den Haaren, weil ich auf ein selber gemachtes Engelsbild „FC Bayern München“ geschrieben habe. Der Zorn wächst weiter und ich weigere mich bei jeder möglichen Gelegenheit, irgendwo mitzumachen.

Ein Beispiel. Ich wohne in einem sehr katholischen Gebiet. Bin zu diesem Zeitpunkt auch noch katholisch. Es ist und war schon immer so, dass die Primarschüler (nur die Boys natürlich) der Kirche als Messdiener zur Verfügung standen. Jeder macht das, das gehört sich einfach so. Auch meine beiden älteren Brüder taten dies. Und dieses Jahr, ich gehe in die fünfte Klasse, dürfen erstmals auch die Mädchen mitmachen und messdienen. Als der Lehrer im Klassenverband die Schülerliste abliest und eine Einteilung vornehmen will, bestätigt jeder Schüler seinen und neuerdings auch jede Schülerin ihren Einsatz. Alle Schülerinnen und Schüler beteiligen sich. Ausgenommen einer: ich. Ich sitze da und teile dem Lehrer mit, dass ich nicht messdienen werde. Er schaut mich mit ungläubigem Blick an und fragt ein zweites Mal nach. Ich bleibe standhaft. Damian wird nicht messdienen. Punkt. Schluss. Mich kann niemand dazu zwingen.

Natürlich werde ich anschließend für verschiedene Ämter wie das Fahnentragen usw. bestimmt. So habe ich gespürt, dass meine Haltung nicht alle erfreut hat.

Mich als kleiner, einzelner Schüler gegen die Lehrperson und schlimmer noch die Kirche aufzulehnen, ist noch nicht mein Rebellions-Höhepunkt, doch rückblickend schon recht spannend zu betrachten.



Tipp 2

Im Laufe der Jahre seinen Gerechtigkeitssinn zu entwickeln, ist eine gute Sache. Auch für Dinge einzustehen, die man nicht korrekt findet. Lernen, für etwas Gutes zu kämpfen, ist wichtig!

Doch habe ich einen großen Fehler gemacht. Einen Fehler, der mir noch sehr, sehr lange zu schaffen machen sollte. Ich habe Ungerechtes mit Provokation vergolten. Und dies wurde meine Strategie. Und sobald Provokation zur Strategie wird, entwickeln sich Missgunst, Zorn oder gar Hass in dir. Auf einmal gehst du mit dieser Haltung zur Schule. Später nimmst du diese Haltung mit nach Hause. Und noch später ist es zu deiner Lebenshaltung geworden. Und dies nimmt dir viel Energie weg.

Wenn du dich über eine Lehrperson oder einen anderen Menschen ärgerst, gibst du ihm sehr viel Macht über deine Lebensfreude. Oder fühlen sich schlechte Gedanken über einen Menschen gut an? Magst du das Gefühl von Hass in dir?


Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 84
ISBN: 978-3-99038-520-3
Erscheinungsdatum: 16.09.2014
Durchschnittliche Kundenbewertung: 5
EUR 17,90
EUR 10,99

Herbstlektüre