Alltag & Lebensführung

Charaktere des Alltags – Wegweiser durch die Suppe des Lebens

B. Meier-Arian

Charaktere des Alltags – Wegweiser durch die Suppe des Lebens

Auch für Männer geeignet!

Leseprobe:

Einleitung

Ein gewisses Stigma ist immer noch mit dem Besuch einer Psychotherapie-Praxis verbunden, allerdings gibt es in verschiedenen Ländern auch unterschiedliche Wahrnehmungen zu diesem Thema. In manchen Gegenden der USA gehört es praktisch dazu, einen eigenen Psychoexperten zu haben. In vielen Ländern Europas ist diese Einstellung aber (noch) nicht angekommen. Im letzten Jahrzehnt sind es vor allem die Berufstätigen, die aufgrund einer psychischen Erkrankung einen Psychologen oder Arzt aufsuchten. Seit 2006 steigen die Zahlen der dokumentierten psychischen Diagnosen in Deutschland, bis 2016 um mehr als 50 %, und die AU-Tage um mehr als 80 %. Laut Berichten von Krankenkassen sind psychische Erkrankungen für 15 % aller AU-Tage verantwortlich. In den USA ist ungefähr ein Drittel der Bevölkerung von irgendeiner psychologischen/mentalen Dysfunktion betroffen. Wenn man die Lebenszeit mit berücksichtigt, so ergibt sich sogar eine Prävalenz von 57,4 %! Das bedeutet, mehr als jeder zweite Amerikaner entwickelt in seinem Leben eine mentale Problematik. Unter diesen Menschen sind aber nicht nur Erwachsene, auch Kinder leiden zunehmend unter Depressionen, Schlafstörungen, posttraumatischer Belastungsstörung, ADHS, Angst- und Panikattacken, Schizophrenie, Autismus und anderen Erkrankungen, die ihre Lebensqualität einschränken. Schätzungen aus dem Jahr 2017 zeigen, dass fast jeder zweite Jugendliche mit einem psychischen Problem zu kämpfen hat. Da der gesamte Bereich um psychische Probleme in der heutigen Gesellschaft offensichtlich deutlich zunimmt, sollte es im öffentlichen Interesse sein, etwas mehr über Psychotherapie im Allgemeinen zu erfahren und die Hemmung davor zu verlieren, sich jemandem anzuvertrauen. Sich zu öffnen und über Probleme zu sprechen fällt nicht jedem leicht und kann auch mal sehr unangenehm sein oder sich anfühlen, als ob man sich eine Blöße gäbe. Manche haben Angst, was andere über sie denken könnten, manche haben einfach nur Schwierigkeiten, das auszuformulieren, was ihnen wirklich auf dem Herzen liegt. Diese Probleme können vielfältige Hintergründe haben, teilweise sind es nur kleinere Familien- oder Arbeitskonflikte, die im Rahmen einer Gesprächstherapie schnell gelöst werden können. Manchmal sind die Situationen aber so verzwickt, dass es schwierig oder sogar unmöglich ist, das Problem vollständig zu beseitigen. Hier sind dann Strategien für den Umgang mit diesem von größerem Nutzen für den Klienten. Freunde und Familie sind immer die erste Möglichkeit, Probleme zu besprechen und Lösungen zu finden, jedoch ist es schwierig, wenn gerade diese ein Teil des Problems sind oder wenn man sie nicht belasten möchte. Oftmals ist es hilfreicher, wenn eine neutrale Person mit Erfahrung im Konfliktmanagement die Situation beurteilt und Möglichkeiten findet, den Knoten zu lösen.

Manche Menschen sehen den Wald vor Bäumen nicht und leben, ohne sich Gedanken um die Gefühle anderer zu machen. Manche wiederum sind sehr sensibel, fühlen ihre Umgebung sehr stark und sehen, wenn irgendetwas mit den sie umgebenden Menschen nicht stimmt, nehmen sich Zeit und gehen auf sie ein. Oftmals ist es im Rahmen einer Beratung notwendig, die Menschen in diesen jeweiligen Extremen abzuholen und sie entweder mehr auf ihre Umgebung aufmerksam zu machen und ihre Wahrnehmung zu stärken oder aber sie mehr auf sich selbst fokussieren und sich weniger Gedanken um ihre Mitmenschen machen zu lassen. Beides kann im Zweifel schon viele Dinge vereinfachen. Im Zentrum des Konzepts sollte auch die Idee der Handlungsfähigkeit stehen. Diese Handlungsfähigkeit beruht aber auf der Erkenntnis der Existenz eines Problems, was die eigentliche Hürde darstellen kann. Erkenntnisse über sich und seine Umwelt zu sammeln und darauf seine Handlungsfähigkeit zu stärken, erfordert aber manchmal, dass man die Augen aufmacht und die Menschen in der eigenen Umgebung genau anschaut. Manchmal fängt man an, sie in einem anderen Licht zu sehen, was gelegentlich eine schmerzhafte Erfahrung sein kann. Aber das kann doch einige Dinge im Leben verständlich machen, die immer wieder zu passieren scheinen und für die man bisher keine Erklärung hatte.

In diesem Buch sind nun verschiedene Charaktere des Alltags beschrieben, wie sie ticken, wie sie entstanden sind und wie man mit ihnen umgehen kann, um im Leben handlungsfähig zu bleiben und eigene Entscheidungen treffen zu können. Fast jeder Leser wird sich in mindestens einem dieser Kapitel wiederfinden, vielleicht ein oder zwei Ideen für den Umgang mit persönlichen Problemen daraus mitnehmen und vielleicht auch erstmalig erkennen, dass es überhaupt ein Problem gibt. Jeder hat in seinem Leben irgendwelche Konflikte, die irgendwie gemanagt werden müssen. Aber je näher einem die Person steht, mit der dieser Konflikt ausgetragen werden muss, desto schwieriger ist es, diesen überhaupt erst zu erkennen, zu benennen und ihn so zu lösen, dass für beide Seiten ein zufriedenstellendes Ergebnis entsteht. Wenn man aber meint, das Problem erkannt zu haben, aber sich nicht sicher ist, ob man hier den Nagel auf den Kopf getroffen hat, wird man vielleicht im Rahmen der einzelnen Kapitel eine Bestätigung für seine eigene Gedankenwelt finden und Erleichterung in dem Wissen, dass man das Ganze schon nicht komplett falsch gesehen hat.

Die Namen sowie Umstände wurden für das Buch angepasst, die Inhalte sind aber wahr und wirklich geschehen. Die einzelnen Kapitel überlappen teilweise inhaltlich und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Geschichten sind kein Ersatz für eine echte, gut durchgeführte Therapie oder Beratung und sind nicht tiefenpsychologisch ausgerichtet, sondern sollen das Ganze mit etwas Humor auflockern sowie einfacher und verständlicher darstellen. Die Kapitel sind nach Persönlichkeitsmerkmalen benannt, die diesen Charakterzug beschreiben sollen. Das heißt jedoch nicht, dass sie andere Merkmale ausschließen. Es sind immer mehrere Charaktereigenschaften in einem Menschen vorhanden, allerdings dominieren manche und fließen in viele Entscheidungsprozesse mit ein. Dies vereinfacht die Darstellung erheblich und weist auf Dinge hin, die wohl jeder Leser in seinem Leben wiedererkennen wird. Es begegnen uns täglich Menschen, die schüchtern oder dominant sind, Schwätzer und Menschen, die uns mit ihrer Art einfach umhauen. Wer reagiert wie auf wen? Was für einen Partner soll ich mir suchen? Haben mir meine Eltern die richtigen Werte mit auf den Weg gegeben? Wie gehe ich mit Menschen um, die mich ausnutzen? Diese und mehr Fragen werden in den folgenden 34 Kapiteln erörtert und werden im Stile des eher seltenen Genres „Psychotainment“ präsentiert. Bitte verstehen Sie dieses Buch nicht als psychologisches Lehrbuch oder als Möglichkeit, andere bloßstellen zu können. Es soll sinnvolle Impulse geben, die dazu anregen, sein eigenes Leben zu verbessern, seine Stärken zu fördern, seine Schwächen zu reduzieren sowie herauszufinden, in welchen Bereichen man sich noch entwickeln kann, um das Maximum aus dem Leben herauszuholen. Die Thesen, Interpretationen und Empfehlungen sind das Produkt jahrelanger Erfahrungen und nicht immer daten- oder studienbasiert. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!



Kapitel 1
Struktur und Persönlichkeit

Das limbische System

Um Emotionen besser zu verstehen, wenden wir uns dem Gehirn zu, insbesondere dem limbischen System. Der Begriff „limbus“ leitet sich aus dem Lateinischen ab und bedeutet „Saum“. Der Franzose Paul Broca entdeckte es im späten 19. Jahrhundert und setzte den Grundstein für emotionale Forschung. Der Begriff „limbisches System“ wurde 1949 vom Physiologen MacLean definiert. In den 50er-Jahren wurde der Begriff in den USA aufgenommen und weiterentwickelt. Mittlerweile kennt man verschiedene Anteile, die zusammengenommen den Apparat bilden, der emotionale Entwicklung und Abwicklung hauptsächlich verarbeitet: Hypothalamus, Hippocampus, Fornix, Amygdala und der limbische Cortex. Von diesen Arealen gehen Nervenstränge in verschiedene Hirngebiete und kommunizieren mit ihnen, unter anderem mit dem Frontallappen, dem Ort der höheren komplexen kognitiven und emotionalen Funktionen. Das unterstreicht, welche Wichtigkeit emotionale Erlebnisse auf die Entwicklung der Persönlichkeit und Entscheidungsfindung im Leben haben. Des Weiteren gibt es eine direkte Verbindung mit dem Hypothalamus, der Stoffwechselregulation betreibt. Das limbische System ist ein sehr alter Teil des Gehirns und lässt sich in allen Säugetieren nachweisen. Besonders ausgeprägt ist es bei Jagdhunden, da es eng mit dem Riechhirn verbunden ist.

Hypothalamus: eine Art Steuerzentrale für Stoffwechselvorgänge wie Schlaf­‑Wach‑Rhythmus, Hunger-/Durst-Gefühl, Sexualtrieb, Schmerz und Körpertemperatur. Von ihm aus werden Hormone produziert, die sowohl direkte Wirkung auf Organe (Brust, Niere, Wehentätigkeit) als auch Signalwirkung für die Hypophyse haben, eine kleine Drüse, die weitere Hormone zur Steuerung von Schilddrüse, Wachstum, Steroidsynthese, Fettstoffwechsel und Weiteres ausschüttet.

Hippocampus: ist bekannt für den Sitz des Gedächtnisses und seine Empfindlichkeit gegenüber Sauerstoffmangel. Bei einem Herzstillstand sind die Hippocampuszellen mit die ersten, die ihre Funktion verlieren und sterben. Deswegen ist nach einer Reanimation häufig das Gedächtnis gestört. Der Hippocampus spielt auch bei der Entstehung von Alzheimer‑Demenz eine Rolle.

Fornix: Lateinisch, bedeutet Wölbung, Kuppel oder Bogen. Im Englischen bedeutet das Wort „fornication“ Unzucht. Die Geschichte dazu stammt aus der Zeit der Römer, als Aquädukte gebaut wurden, um eine kontinuierliche Wasserversorgung der Stadt zu gewährleisten. Bevor die Aquädukte die Stadt erreichten, wurde ein kleiner Bogen eingebaut. Unter diesen Bögen fanden sich die Prostituierten, die, man kann es nur annehmen, Unzucht betrieben. Aber zurück zum Gehirn: Der Bogen (Fornix) verbindet den Hippocampus mit dem Zwischenhirn und dem Vorderhirn. Dementsprechend ist es die Verbindung der Gefühlswelt mit der bewussten Wahrnehmung und verschiedenen Kontrollzentren.

Amygdala: auch Mandelkern genannt, gilt als eine wichtige Struktur im Rahmen von Angstentstehung. Sie bewertet Erinnerungen und belegt sie mit emotionalen Inhalten. Bei als bedrohlich wahrgenommenen Situationen werden die weitergeleiteten Signale zu der vermehrten Produktion von Hormonen wie Dopamin, Serotonin, Acetylcholin, Adrenalin und Cortisol führen. Diese Erfahrungen werden wieder mit Erinnerungen abgeglichen und für zukünftige Situationen gespeichert. Das nennt man lernen.

Limbischer Cortex: Wichtig für die Weiterleitung von Informationen an weitere Hirnstrukturen, Konsolidierung und Wiederherstellung von Erinnerungen mit Herstellung persönlicher Bedeutung.

Ohne das limbische System wären wir wohl gefühllose Zombies, die ihren Erinnerungen keine Bedeutung zuordnen können, die Lernfähigkeit wäre drastisch eingeschränkt, zudem wären viele Stoffwechselfunktionen und das Einordnen von Erlebnissen nicht möglich.

Die enorme Entwicklung der Gehirnstruktur der Menschen in den letzten Jahrmillionen ermöglichte es den Emotionen, eine zentrale Rolle in unserem Erleben einzunehmen. Die Beteiligung des Gehirns mit Neocortex und seine Verbindung zum limbischen System haben beispielsweise die Mutter-Kind-Bindung entstehen lassen, die die Grundlage für den familiären Zusammenhalt und das langfristige Engagement für die Kindererziehung bildet, um die menschliche Entwicklung zu fördern.

Der Schalter des Gehirns, der das Temperament der Amygdala beruhigt, befindet sich am anderen Ende des Neokortex (Hirnrinde), im präfrontalen Gyrus hinter der Stirn. Wenn eine Emotion wahrgenommen wird, führen die präfrontalen Gyri sofort eine Kosten-Nutzen-Analyse aller vorstellbaren Reaktionen durch und vermitteln dann die geeignetste. Bei Tieren geht es um die Abwägung, wann sie angreifen und wann sie fliehen sollen. Für uns Menschen geht es ebenfalls um existentielle Absicherung, aber auch darum, wann wir beschwichtigen, überzeugen, mitfühlend sind, behindern, Schuld provozieren, Tapferkeit vortäuschen oder Verachtung zeigen. Wenn wir nach einem Misserfolg traurig oder nach einem Sieg glücklich sind, wenn wir nachdenklich und wütend darüber sind, was jemand gesagt oder getan hat, dann ist das das Resultat einer funktionierenden Hirnrinde.
Emotionen sind uns daher sehr wichtig. In der Wechselwirkung zwischen Emotion und Vernunft leitet sich die emotionale Fähigkeit ab, mit der rationalen Seele zu kommunizieren und aktuelle Entscheidungen zu treffen. Diese komplementäre Beziehung zwischen dem limbischen System und Neocortex, Amygdala und präfrontalen Lappen bedeutet, dass alle Instanzen vollständig am emotionalen Leben teilnehmen.
Die Funktion dieser Gehirnregionen ist entscheidend für die Kontrolle unseres emotionalen Lebens und spiegelt sich in der Entwicklung unserer emotionalen Intelligenz wieder. Der Intelligenzquotient, der seit langem als Indikator für die intellektuellen oder kognitiven Fähigkeiten einer Person gilt, wird auch als IQ abgekürzt. Es gibt jedoch verschiedene Arten von Intelligenz, und logisches Denken ist nicht immer der Schlüssel zum Erfolg beziehungsweise zu einem erfüllten Leben. Dies führte zu Untersuchungen, die klären sollten, ob es eine Art allgemeine Intelligenz gibt oder ob sie aus verschiedenen Attributen besteht, die eine unabhängige individuelle Fähigkeit ausmachen. Es wurde ein umfassendes Konzept entwickelt, das insbesondere emotionale Intelligenz umfasst. Aus dieser Arbeit ist das Wort „emotionale Intelligenz“ hervorgegangen, welches immer noch ein wesentlicher Bestandteil der psychologischen Untersuchung und Forschung ist.

Die IQ-Punktzahl oder ein schulischer Leistungstest geben uns eine objektive Rückmeldung über unsere logische Denkfähigkeit, sind jedoch für den beruflichen Erfolg im späteren Leben häufig nicht der entscheidende Faktor. Auch wenn Menschen mit hohem IQ häufiger höhere Berufseinkünfte erzielen als Menschen mit niedrigem IQ, gibt es viele Ausnahmen, da der IQ nur circa 20 % zum Erfolg im Leben beiträgt, 80 % werden aus anderen Faktoren zusammengesetzt.

Die soziale Zugehörigkeit wird von vielen Faktoren bestimmt, u. a. dem IQ. Jedoch können zufällige Lebensereignisse und externe Einflüsse, familiärer Halt u. a einen deutlichen Einfluss auf die weitere Entwicklung eines Jugendlichen oder jungen Erwachsenen nehmen.

Der Zusammenhang zwischen Testergebnissen und den entsprechenden Leistungen verliert zunehmend an Bedeutung, wenn man die Eigenschaften, die ein Mensch sonst mitbringt, in die Betrachtung miteinbezieht. Zu diesen Eigenschaften gehören die Fähigkeiten, sich selbst zu motivieren, bei Enttäuschungen nicht aufzugeben, die Impulsivität zu unterdrücken, die eigenen Emotionen anzupassen, negative Gedanken zu vermeiden beziehungsweise diese in die korrekte Perspektive zu setzen.

Im Gegensatz zum IQ, der in fast einhundert Jahren von Hunderttausenden untersucht wurde, ist emotionale Intelligenz ein etwas neueres Konzept. Eine feste Korrelation zwischen EQ und Erfolg im Leben lässt sich bis jetzt nicht ableiten, dementsprechend auch keine Vorhersage treffen. Es ist jedoch aufgrund der verfügbaren Daten anzunehmen, dass ihre Wirkung mindestens so groß oder größer ist als die des IQ.

Die bisherige Lehre geht davon aus, dass Erfahrungen und Schulungen keine Änderung der Intelligenz per se erreichen können. Empirische Untersuchungen legen jedoch nahe, dass Erfahrungen im frühen Leben emotionale Fähigkeiten entwickeln, die sich auf vielen Ebenen positiv auswirken und zu dem Begriff Intelligenz beisteuern können.

In den letzten Jahren wird zunehmend angenommen, dass sprachliche und mathematische Fähigkeiten zwar einen Teil der Intelligenz darstellen und messbar machen, jedoch nicht allein über den weiteren Erfolg im Leben entscheiden können. Ein erweitertes Konzept der Intelligenz integriert Emotionen und emotionale Lernfähigkeit, die sich in vielen Situationen im Leben positiv auf Entwicklung und Erfolgschancen sowohl beruflich als auch privat auswirkt. Man denke nur an die teilweise spontan benutzten „Soft Skills“ bei Vertragsabschlüssen oder an Feinfühligkeit in einer Partnerschaft, die u. a. dafür Sorge tragen kann, dass eine Beziehung funktioniert.

Die eigenen Emotionen zu kennen ist eine Fähigkeit, die nicht allen Menschen gleichermaßen innewohnt. Selbstwahrnehmung, das Erkennen eines Gefühls während es auftritt, ist die Grundlage der Emotionalen Intelligenz. Auf den ersten Blick scheinen unsere Gefühle offensichtlich, aber wenn wir gezielt darüber nachdenken, stellen wir oftmals fest, dass wir unsere wahren Gefühle nicht wirklich bemerken oder diese erst später spüren. Achtsamkeit ist verantwortlich für die Wahrnehmung von Gedanken und Gefühlen. Dies bedeutet in gewisser Weise, wachsam zu sein, als unparteiischer oder interessierter Beobachter. Wachsamkeit erfordert die Aktivierung des Neocortex, um die auftretenden Emotionen zu identifizieren und zu benennen. Das führt zu einer Art Bewusstsein, welches nicht von Emotionen beeinflusst werden kann, vielmehr ist es eine neutrale Haltung, die auch in turbulenten Situationen unsere Selbstreflexion bewahrt. Diese Erkenntnis ist jedoch etwas anderes als die Anstrengungen, die wir unternehmen, um nicht einem emotionalen Impuls zu folgen. Die Einsicht „Es ist Wut, was ich fühle“ bietet einen größeren Freiheitsgrad – nicht nur die Möglichkeit, an der Wut zu arbeiten, sondern auch die zusätzliche Möglichkeit, sie loszuwerden.
Der Schlüssel zur emotionalen Gesundheit liegt auch darin, unsere bedrängenden Emotionen im Auge zu behalten. Extreme Emotionen, die zu intensiv sind oder zu lang andauern, können unsere Stabilität beeinträchtigen. Natürlich können wir nicht nur eine Art Emotion fühlen und ständig glücklich sein. Es gibt einige Hinweise darauf, dass Leiden konstruktiv sein und zu einem kreativen und spirituellen Leben führen kann. Leiden kann die Seele trainieren. Tiefen und Höhen gehören zum Leben, aber ein gewisses Maß an Ausgeglichenheit ist mittel- und langfristig anzustreben. Negativen Emotionen sollte nicht zu viel Raum gegeben werden, um die angenehmen Emotionen nicht darin zu ersticken.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 264
ISBN: 978-3-903271-93-7
Erscheinungsdatum: 29.10.2020
EUR 24,90
EUR 14,99

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