Bon Camino - Mit 70 auf dem Jakobsweg

Bon Camino - Mit 70 auf dem Jakobsweg

Reinhold Heers


EUR 17,90
EUR 10,99

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 112
ISBN: 978-3-99064-853-7
Erscheinungsdatum: 03.02.2020
Pilgerausweis, Jakobsmuschel und den Rucksack umgehängt: Los geht es! 800 Kilometer durch Spanien auf dem Camino Francés. Ziel: die Kathedrale in Santiago de Compostela. Dazwischen Strapazen und Glücksgefühle des Pilgerns, festgehalten in Tagebuchnotizen.
Die Motivation

Kurz nach Erscheinen habe ich das Buch von Hape Kerkeling „Ich bin dann mal weg“ im Jahr 2006 gelesen, und seit dieser Zeit kamen immer wieder die Gedanken hoch, doch auch diesen Weg zu gehen. Aber es gab ja immer vielfältige Gründe, es bei den Gedanken zu belassen. Familie, Arbeit, wenig Zeit, es fehlte einfach der richtige Anstoß. Im Frühjahr 2017 habe ich ein Buch von Eduard Freundlinger gelesen, der auch auf dem Camino gepilgert war und sein Leben, sowohl privat als auch beruflich, anschließend auf den Kopf gestellt hatte. Nun, das war und ist überhaupt nicht meine Absicht. Trotzdem war das Interesse erneut geweckt. Aber es war nicht der Auslöser.
Ein ganz banales Ereignis trieb mich in die Vorbereitungen: Wie fast jeden Morgen habe ich auch Anfang März 2017 bei meinem Bäcker die Frühstücksbrötchen geholt. Und dabei erzählte mir die junge Verkäuferin, dass sie über Ostern mit ihrer Mutter auf den Jakobsweg von Porto nach Santiago gehen werde. Das ließ mich aufhorchen! Eine junge Frau, gefärbte Haare, Piercing im Gesicht, Tätowierungen – und pilgern? Spontan habe ich ihr am nächsten Morgen das Buch von Hape Kerkeling geschenkt.
Kurz nach Ostern der erste Kontakt: Mit Begeisterung erzählte sie von ihren Erlebnissen. Und das würde sie wiederholen.
Nun gab es bei mir kein Zurück mehr: Was diese junge Frau kann, das kann ich auch.



Teil I
Meine Vorbereitung

Der erste Weg führte mich in meine Buchhandlung. Hier wurde mir klar, dass ich offensichtlich nicht der Einzige war, der sich für den Jakobsweg interessierte, denn die Auswahl an begleitenden Büchern war groß. Ich entschied mich aus praktischen Gründen für einen Führer in Taschenbuchformat, und die Wahl fiel auf das Outdoorhandbuch „Camino Francés“ von Raimund Joos, das gerade frisch überarbeitet worden war.
Übereifrig fing ich an, mir Gedanken zur Umsetzung der Idee zu machen. Doch nach dem Lesen der allgemeinen Anmerkungen wurde ich auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt: Es braucht Vorbereitung, es braucht Zeit, und es braucht eine gute Planung!
Hier erschien mir ein Vorbereitungsseminar hilfreich, das im Oktober in Oberdischingen bei Ulm stattfinden sollte, durchgeführt von dem Autor des Buches, der schon seit 1992 regelmäßig auf den Jakobswegen unterwegs ist. Zunächst als Pilger, später auch als Herbergsvater, ist der studierte Pädagoge und Theologe jetzt als Autor unterwegs und macht regelmäßig Updates seiner Bücher. Bei dem Versuch einer Anmeldung kam vom Anrufbeantworter: „Bin auf dem Jakobsweg, melde mich nach meiner Rückkehr.“ Und so war es auch.
Das Seminar im Cursillo-Haus St. Jakobus fand in einer ganz familiären Umgebung statt. Sechs Teilnehmer, davon drei schon mit Erfahrungen auf dem Camino. Viele gute Tipps und Empfehlungen, interessante Vorträge mit vielen Bildern, die eindrücklich die Schönheit, aber auch die Belastungen des Weges aufzeigten. Und gute Gespräche, die verdeutlichten, dass auch so etwas zum Pilgern gehört. In dieser kleinen Gruppe sind wir ein kleines Teilstück des deutschen Jakobsweges gepilgert – und ich hatte meinen ersten Stempel im Pilgerausweis, dem Credencial.
Aufgrund der Hinweise, was etwa Wetter und Belegung des Weges anging, hatte ich meine Reisezeit von Mitte Mai bis Ende Juni 2018 vorgesehen. Und so begann ich Anfang des Jahres mit den konkreten Vorbereitungen.
Da ich vorher noch nie über mehrere Tage wandernd unterwegs war, mussten alle notwendigen Ausrüstungsgegenstände einschließlich der Bekleidung gekauft werden. Besonderes Augenmerk hatte ich auf die Wahl der Schuhe gelegt. Und das hat sich ausgezahlt: Die Trekkingstiefel saßen gut am Fuß, aber nach der ersten längeren Wegstrecke um den Werdersee herum schmerzte der linke Außenknöchel. Selbst der Gang zum Orthopädieschuhmacher mit dem Versuch zu weiten oder die Anfertigung einer kleinen Einlage änderten nichts an dem Problem. Also: Schuhe tauschen, was relativ problemlos ging. Eine kleine Eigenbeteiligung wurde verrechnet, und jetzt hatte ich Halbschuhe von derselben Marke, die den Außenknöchel frei ließen. Ein erneuter Wanderversuch über 22 Kilometer, diesmal sogar mit dem ganzen Gepäck im Rucksack, verlief reibungslos. Die Wanderstrecke führte durch meine alte Heimat: Aschwarden – Rade – Meyenburg – Hinnebeck – Stellerbruch.
Zur weiteren Vorbereitung hatte ich mir aus dem Netz ein Verzeichnis der Unterkünfte, und nicht nur Herbergen, runtergeladen und ausgedruckt, was sich später auf dem Weg als überaus hilfreich herausstellen sollte.
Eine Nacht zu Hause im Schlafsack habe ich als nicht sehr problematisch empfunden, und das gab mir die Sicherheit, auch solche Nächte auf dem Weg zu überstehen.
Da Lufthansa Biarritz nicht anfliegt, erfolgte die Buchung bei Air France, und HOP! flog mich hin. Das Hotel in Bayonne, die Zugfahrt nach Saint-Jean-Pied-de-Port und die Übernachtung in Orisson waren vorgebucht, alles andere musste dann vor Ort entschieden werden.
Die Post und die Zeitung waren abbestellt, Ingrid vom Nachbarhaus in die Pflege der Pflanzen eingewiesen, bei Freunden hatte ich mich telefonisch verabschiedet und der Familie die Nummer des Telefons übermittelt.
Nachdem nun die Ausrüstung zusammen war, die Schuhe eingelaufen, die Vorbuchungen erledigt waren: Es konnte losgehen!



Der Weg

Tag 1
24.05.2018
Bremen–Paris–Biarritz–Bayonne
Unterkunft: Ibis Styles Bayonne Centre Gare

Eigentlich sollte man annehmen, dass die Nacht unruhig verlief. Aber nein, gut geschlafen, pünktlich aufgestanden und wie jeden Morgen: ab zum Bäcker und Brötchen geholt. Derweil lief die Kaffeemaschine. Nach einem Frühstück konnte es losgehen. Pünktlich um 09.00 Uhr erschien das Taxi. Mit meinem gepackten Rucksack unter dem Arm startete ich. Das Einchecken problemlos, bei fast voller Maschine war mein Nebenplatz frei. In Paris Charles de Gaulle dann viereinhalb Stunden Wartezeit bis zum Weiterflug nach Biarritz. Hier kam zum ersten Mal eine innere Unruhe auf: Wird alles gut gehen? Bin ich auf dem richtigen Weg? Aber auch: Jetzt geht es endlich los. Konzentriertes Lesen war nicht möglich. Immer wieder habe ich den Pilgerführer in die Hand genommen – aber auch immer wieder in der Hosentasche verschwinden lassen. Dann die Ansage: Der Abflug wird sich verzögern, weil die Maschine aus Biarritz wegen schlechten Wetters verspätet reinkommen wird. Schlechtes Wetter? Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Sollte es etwa gleich mit Regen und Sturm losgehen? Im Pilgerführer waren nur Fotos im Sonnenschein!
Der Flug war ein wenig unruhig. Nach der Ankunft gab es zwar dunkle Wolken, aber es war mild und blieb trocken. Für die Suche nach dem richtigen Bus nach Bayonne fehlte mir der Schwung, also mit dem Taxi Richtung Hotel. Bayonne: eine einzige Baustelle! Straßen gesperrt, Brücke zum Hotel dicht; also Umwege fahren. Nach kurzer Suche fand der Taxifahrer auch den Weg zum Hoteleingang.
An der Rezeption stand bereits ein Paar mit Rucksäcken: auch Pilger. Mein Zimmer wurde mir unkompliziert zugewiesen. Da es ein Doppelzimmer war, konnte ich mich ausbreiten und den Rucksack so packen, wie ich es für sinnvoll erachtete. Irgendwie kam bei mir die Frage auf, ob ich nicht selbst den einfachen Standard des Hotels noch mal auf dem Weg vermissen würde (es sollte so sein!). Das Hotel lag direkt neben dem Bahnhof, und so zog ich los, um mir das bereits bezahlte Bahnticket nach Saint-Jean-Pied-de-Port aus dem Automaten zu holen, was auch problemlos funktionierte. Nach einem Spaziergang Richtung Altstadt aß ich in einem kleinen Restaurant direkt am Fluss Adour zu Abend. So gestärkt ging es zurück ins Hotel und auch pünktlich ins Bett.

Tag 2 25.05.2018
Bayonne–Saint-Jean-Pied-de-Port–Orisson
Unterkunft: Albergue de Orisson
Strecke:
8 km, 600 Höhenmeter,
Aufstieg auf 800 m, 3 Stdn.

Um 06.00 Uhr klingelte der Wecker. Das war vor meiner gewohnten Zeit zu Hause. Ich hatte mir fest vorgenommen, nicht den hektischen Aufbruch der Pilger mitzumachen, die zum Teil bereits im Dunkeln starten, um früh am Ziel zu sein und so ein gutes Bett zu bekommen. Aber hier war es etwas anderes: Der Zug sollte um 07.42 Uhr starten, und vorher war ja noch Frühstücken angesagt. Ich saß allein im Frühstücksraum und genoss den Kaffee und das Weißbrot. Und dann den Rucksack umgehängt: schon ein merkwürdiges Gefühl! Unsicherheit machte sich breit: Sitzt er auch richtig, wie stramm muss ich ihn festziehen? Eigentlich noch gar nicht, denn es ging ja nur einige Meter bis zum Bahnhof. Dort angekommen stellte ich fest, dass gar kein Zug fuhr, sondern ein Bus: Schienenersatzverkehr sozusagen, denn in einem Tunnel für den Zug wurde gebaut. Etwa zehn Personen mit Rucksack stiegen ein, einer ohne Gepäck. Auch die Pilger von der Hotelrezeption waren dabei. Kurze Begrüßung, aber noch ohne Pilgergruß. Irgendwie ist man ja noch nicht auf dem Weg. Die Fahrt führte durch reizvolle Landschaften. Als dann die ersten hohen Berge auftauchten, gab es schon ein gewisses Kribbeln im Bauch: Da willst du rüber. Jetzt wird es ernst!
Nach gut eineinhalb Stunden Fahrt Ankunft am Bahnhof von Saint-Jean-Pied-de-Port. Die Bahnhofstoilette war geöffnet: Ich war der Erste, andere folgten. Aufregung!
Dann ein vager Blick auf andere Pilger: Was machen die? Wie setzen die den Rucksack auf? Wo geht es lang? Nur nicht anmerken lassen, dass man unsicher ist. Ach, einfach erst einmal folgen.
Saint-Jean-Pied-de-Port ist ein kleines, typisch baskisches Städtchen mit etwa 2000 Einwohnern. Die Altstadt mit ihren engen Gassen und die Zitadelle stammen aus dem 17. Jahrhundert. Auf Baskisch heißt die Stadt Donibane Garazi. Die Straßenschilder und Ortsnamen sind im baskischen Teil der Navarra in Baskisch und Spanisch beschriftet.
Zunächst begab ich mich ins Pilgerbüro und hatte Glück, dass die Schlange von Pilgern noch nicht so lang war. Der erste Stempel auf dem Weg landete in meinem Pilgerpass, dem credencial de peregrino. Zugleich legte ich mir gegen eine Spende die obligatorische Jakobsmuschel zu und befestigte sie hinten am Rucksack.
Verpflegung für unterwegs musste ich noch besorgen: Obst, ein kleines Brot. Also machte ich mich auf die Suche nach einem Supermarkt. Auch hier war ich nicht der einzige Pilger. Vor mir wollte ein Kunde mit Karte bezahlen: nein, nur Bargeld. Er legte einen 50-Euro-Schein hin: böse Blicke der Kassiererin. Wie gut: Ich hatte Kleingeld. Vor dem Laden verstaute ich nun das Gekaufte im Rucksack, als plötzlich ein dicker Tropfen auf meinen Kopf fiel. Sollte es etwa anfangen zu regnen? Der Blick zum Himmel verriet aber Wolken mit Sonnenschein. Der Griff auf meinen Kopf brachte es an den Tag: ein Vogelschiss!!! Das kann nur Glück bedeuten!
Und nun ging es wirklich los. Acht Kilometer mit einer Höhendifferenz von 600 Metern lagen vor mir. Um es vorweg zu sagen: Drei Stunden habe ich gebraucht. Es war mal Teerstraße, es war mal Feldweg, mal ging es steil bergauf, mal sehr steil! Schritt für Schritt ging es aufwärts, und immer wieder eine Pause. Ja, auch getrunken habe ich unterwegs. Es hatte auch nicht lange gedauert, bis die Einsicht kam, wie wichtig es ist, Pausen einzulegen. Zumal es anderen Pilgern nicht viel anders erging. Ich war nicht allein unterwegs: Mal überholten mich Pilger – immer mit einem „Bon Camino!“ –, dann überholte ich sie wieder. Auch das war eine Möglichkeit, irgendwann in ein kurzes Gespräch zu kommen. Grundsätzlich bin ich aber allein gegangen. Nur so konnte ich meine Gehgeschwindigkeit finden, konnte frei sein in den Gedanken und mich auf mich und den Weg konzentrieren. Und ich stellte fest: Das ist nicht langweilig. Aufnehmen, was am Wegesrand ist, erkennen, was der Blick in die Ferne bietet, und spüren, wie doch das Gehen anstrengend in bergigen Gegenden ist. Und dann die Erfahrung, dass nach jedem Hügel und Berg ein neuer kommt. Das Ziel der heutigen Etappe war auch nicht auszumachen, denn ich ging bereits seit einiger Zeit in Wolken. Erst wenige Meter vorher waren die Umrisse der Herberge zu erkennen.

Mein Pilgerbruder Bernd, den ich auf dem Vorbereitungsseminar kennengelernt hatte, war bereits vor Ort. Ohne uns abzusprechen, hatten wir beide denselben Anflugtag. Bernd hatte allerdings in Saint-Jean übernachtet und konnte so früher starten. Tagesziel erreicht: Ein erfrischendes kleines Bier weckte wieder die Lebensgeister.
Während alle Pilger auf die Bettenverteilung warteten, klarte es etwas auf, und der Blick war frei über ein wunderschönes Tal, in dem die Wolken unter uns lagen. Die Terrasse direkt am Hang wurde zu einem beliebten Platz, auch wenn die Temperaturen durchaus etwas wärmer hätten sein können.
Jetzt wurde es spannend! Die Betten wurden verteilt. Nach welchem Muster? Ich weiß es nicht. Jedenfalls landete ich in einem Zimmer mit fünf Doppelstockbetten, natürlich oben. Gemischte Belegung, drei Männer, sieben Frauen. Etwas hilflos stand ich vor dem Bett. Die Pilgerschwester unter mir fing sofort an, sich einzurichten. Einmalbettlaken und Kissenbezüge lagen auf jedem Bett. Platz für die Rucksäcke gab es eigentlich nicht, also irgendwie auf den Fußboden am Bettende. Ohne aktiv zu werden, ging ich erst einmal raus. Ich musste meine Gedanken sortieren. Wo bist du hier gelandet? Aber alles innere Gejammer nutzte nichts; auch ich musste mich einrichten. Also zurück ins Zimmer, Bettlaken ausgebreitet, Schlafsack rausgeholt und ausgebreitet (nur gut, dass ich zu Hause schon mal eine Nacht darin geschlafen hatte und so wusste, dass es funktioniert). Was brauchte ich denn sonst noch aus dem Rucksack? Waschzeug, Handtuch, neues Shirt, Socken? Irgendwann war ich so weit, dass ich auch duschen gehen konnte. Jeder hatte bei der Bettzuweisung eine Münze bekommen, die für fünf Minuten Wasser in der Dusche ausgelegt war. Zwei Duschen für Männer waren da. Jetzt hieß es aufpassen, wann wieder eine frei war. Wie gut, dass ich Badeschuhe mitgenommen hatte. Der Raum stand unter Wasser. Münze in den Automaten und Wasser marsch. Warmes Wasser kam von oben, und die Zeit reichte tatsächlich, um vernünftig zu duschen. Ich musste ja auch meine Haare waschen, denn der Vogelschiss war noch in Erinnerung. Da ich nicht wusste, wie ich die Handtücher hinterher wieder trocken bekommen sollte, hatte ich nur das kleinere von beiden mitgenommen. Wie aber damit alles abtrocknen? Und dann das merkwürdige haptische Gefühl beim Anfassen des Handtuches. Aber irgendwie hat es geklappt: Mit einem sauberen Gefühl ging es in den Schlafraum zurück.
Ich hatte bemerkt, dass meine Vorduscher, insbesondere die Frauen, ihre jeweiligen nassen Sachen auf eine Leine gehängt hatten. Der noch freie Platz war meiner. Was Shirt und Socken anging: Die wollte ich am nächsten Tag noch mal tragen. Wozu hatte ich viel Geld für Merino-Sachen ausgegeben? Der Verkäufer hatte doch auf die Vieltrageeigenschaft extra hingewiesen. Und der nächste Tag würde wieder schweißtreibend sein.
Jetzt kam eine entspannte Phase: Ich saß auf der Terrasse zusammen mit Bernd, ein (oder zwei?) Glas Wein bewirkten eine gewisse Lockerheit. Das Wetter klarte auf, und ein herrlicher Blick über das weite Land mit den Bergen und Tälern entschädigte wirklich für den mühsamen Aufstieg – und die erste Berührung mit einer Pilgerherberge.
Für 18.30 Uhr war das gemeinsame Abendessen angekündigt: das berühmte Pilgermenü, das mich während der ganzen Zeit positiv begleiten sollte. An einfachen Holztischen versammelten wir uns alle im Speiseraum. Buntes Stimmengewirr sorgte für eine lebhafte Lautstärke. Nach einer Gemüsesuppe, die prima schmeckte und auch ausreichend vorgehalten wurde, gab es Hähnchenteile mit Kartoffeln und Gemüse. Selbst vegetarische Kost war nach Vorbestellung vorhanden. Dazu natürlich Weißbrot, Wasser und Rotwein. Es konnte nachgeschenkt werden. Abgeräumt wurde gemeinsam. Die Wirtin hielt eine kleine Ansprache, begrüßte uns und forderte uns auf, dass wir uns vorstellen sollten. Es war wirklich ein gemischter Haufen: US-Amerikaner, Engländer, Belgier, Italiener (einer von ihnen hielt eine Rede auf Italienisch, doch keiner verstand ihn!), Spanier, drei Deutsche, Japaner (sprach keine Fremdsprache), Südkoreaner, Taiwanese, Moldawier. In der Überzahl waren es Frauen, nur ein Paar war dabei.
Und dann kam die Nacht!
Katzenwäsche am Abend: Welcher Waschplatz ist frei? Welche von den zwei Herrentoiletten? Eine war gleich in einem Holzverschlag neben unserem Raum, aber nachts nicht beleuchtet. Es war schon speziell.
Gegen 21.00 Uhr waren alle in den Betten. Irgendwie war ich auch in meinem oberen Bett angekommen. Die Ersten waren schon eingeschlafen, da ging immer wieder die Tür auf und zu. Bums! Raschel-raschel! Von Einschlafen bei mir keine Spur. Was ich allerdings jetzt gut kann, ist zu unterscheiden, ob Männlein oder Weiblein schnarcht. Und Schnarchen unterschiedlicher Menschen kann sogar in einem gewissen Einklang ablaufen. Irgendwann bin ich dann wohl doch eingeschlafen. Aber die Nacht war für mich kurz, denn gegen 06.00 Uhr war bereits allgemeines Aufstehen. Unruhe nicht nur in unserem Raum. Mein erster Gedanke: Gang zur Toilette, noch war sie frei.test
5 Sterne
Absolut empfehlenswert. Nachvollziehbar, realistisch, ansprechend geschrieben - 14.02.2020
Oliver

Ein absolut realistische geschriebenes Buch. Wer sich einen Eindruck verschaffen will, wie und was mit dem Jakobsweg auf einen zukommt, der ist mit diesem Buch gut beraten und hat einen absolut realistisch geschriebenen Begleiter für seine Wanderplanung. Note 1 oder 5 Sterne!

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