Bildung statt „Anlern-Drill“!

Bildung statt „Anlern-Drill“!

Werner Winkler


EUR 13,90
EUR 8,99

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 72
ISBN: 978-3-95840-301-7
Erscheinungsdatum: 25.10.2017
Statt klassischem Auswendiglernen und Abfragen sollen sich Schüler die Themen anhand klarer Nahziele in Etappen erarbeiten und dabei echtes Verständnis entwickeln. Ein starkes Buch mit zahlreichen neuen Impulsen - so sollte der Unterricht der Zukunft aussehen.
Vorweg bemerkt


Neben Eltern, Medien und Kirchen trägt die Schule Verantwortung für die Einstellung der Jugend zu sich selbst, zur Gesellschaft, Kultur, Wirtschaft und Politik!

Weil bei uns ein beachtlicher Teil des Nachwuchses (jährlich Zigtausende) über unsere Bildungs-Einrichtungen und -Methoden keinen Anschluss an das kulturelle, soziale, politische und ökonomische Leben findet, ist der innere Friede gefährdet …
Um das abzuwenden, muss Unterricht anders gestaltet werden und jeweils alle Schüler mitnehmen können, nicht nur den „bürgerlich“ konditionierten Teil bzw. die „Leichtlerner“ und die „braven Stoffschlucker“.

Es ist anmaßend, Schülern ein „Pensum“ aufdrücken zu wollen, dem der Bezug zur eigenen Lebenswirklichkeit weitgehend fehlt.
Die jetzige Unterrichtspraxis lässt theoriebezogene Mengen „anlernen“, erschwert die Identifikation mit unserer Realität und schiebt die persönliche Entwicklung für lange Zeit aufs Abstellgleis. Sie legt mit dem Anlern-Pensum die Selbstbestimmung des Nachwuchses lahm …
Etablierte Pädagogen scheint das wenig zu stören. Sie kennen nur die traditionelle Vorgehensweise und strotzen vor „Selbstsicherheit“. Sie wissen immer, was richtig ist …

Am Ende sind die Kompetenzen der Schulabgänger oft sogar für eine Fachausbildung unzureichend …

Weniger Angepasste werden „mechanisch“ ausgebootet und damit deren Integration infrage gestellt.
Als Quasi-Migrant habe ich 1961 in NRW Abitur gemacht.
(Uns „Spätaussiedlern“ wurde neben Russisch das Große Latinum angeraten, weil es „formale Bildung“ bringe … Das hat es wohl auch, aber es war die falsche Priorität. Englisch wäre richtig gewesen. – Englisch brauchte und brauche ich täglich.)

Unsere Allgemeinbildung stützt sich auf hochgegriffene Inhalte und eine überholte Unterrichtsweise. Sie geht mit ihrem Fächer-Pensum-Denken an den Bedürfnissen der Gesellschaft und der Schüler großenteils vorbei …

Ab 1975 habe ich 24 Jahre lang überwiegend Zuwanderer unterrichtet: in Deutsch (als Fremdsprache), in Polnisch und in Sozialwissenschaften. Die Diskrepanz zwischen dem, was die Schüler fürs Hineinwachsen in unser Gemeinwesen brauchten, und dem, was amtlich Pflicht war, behinderte meine Arbeit sehr … Besonders das traditionelle Stunden-Takt-Schema ließ nur sehr bedingt effektives Arbeiten zu.

Meine Erfahrung vor Ort kann gegen Tausende von „Wissenschafts-Studien“ nicht viel ausrichten …
Dennoch bemühe ich mich um die Weiterentwicklung des schülerorientierten Unterrichtens!

Weil wir nach 30/40 Jahren „Reformbemühen“ noch immer in der Bildungsmisere stecken, wird vielleicht auch mal ein Praktiker Gehör finden, aber wahrscheinlich erst nach weiteren 10 Jahren … Nur schade um die verlorene Zeit!




Allgemeines


Bildung ist ein Produkt aus Veranlagung, aus Prägung durch die Familie, die Religionen, die Schule, aus Erlebnissen, Erfahrungen, Auseinandersetzungen, aus Vorbildern, aus Eigenverantwortung, aus Charakter, aus Liebe, Strenge und indessen auch besonders aus Medieneinflüssen, aber kaum aus „Anlernleistungen“.

„Bildung“ lässt sich nicht als „Wissen“ in die Köpfe einprogrammieren. Bildung braucht Zeit zur Entfaltung und Verinnerlichung, vor allem durch Aktivitäten innerhalb realer Kontexte. Dann erst wird Wissen zum Eigentum.
Hauptgegner ganzheitlicher Bildung ist die gegenwärtige Beschulungspraxis mit der allzu starken Ausrichtung auf Mengen von Fächer-Stoff-Info-Häppchen.
Ganzheitliche Herausforderungen kommen zu kurz.

Zudem sind die üblichen Hausaufgaben ineffektiv. Die Benotung von Anlernleistungen und der Mangel an Muße führen bei zu vielen zu innerer „Leere dank Stofffülle“.

„Wir brauchen Spitzenkräfte!
Auf vielen Gebieten … Daher Zuwanderungsgesetze.“
„Und was ist mit den einheimischen Genies?“
„Die müssen erst Abitur machen
und dann sind sie zu alt für Spitzenleistungen.“

Die traditionelle Bildung gibt sich vorwiegend informativ: Dozieren, Anlernen, Wiedergeben, (Vergessen) …

Reformversuche kreiseln in verselbstständigter Sprache um klassisch-romantische oder sozial-romantische Ideale, immer mit dem Ziel, reichlich Fächerstoff einzutrichtern.
Doch die Zeiten und die Schüler haben sich geändert und verlangen mehr Lebensnähe und Praxisbezug …
Nach vielen Reformversuchen steht noch immer das Trichtern von „klassischem“ Fächer-Wissen im Mittelpunkt, obwohl wir längst den PC dafür haben …

Die Pflege der Kultur der Vergangenheit
ist kein Ersatz für Kultur der Zeit!

Wer unsere „Schul-Bildung“ (in Sek. I) reformieren will, muss sich lösen können: von der üblichen Organisation und Gestaltung des Unterrichts und von der traditionellen Stoffaufstellung, die schon früh auf „Hochschulreife“ abzielt; vom systematischen Anlernen auf Fächerebene; von der Benotung der Anlern-Leistungen; vom kurzatmigen Fächer- und Lehrerwechsel; von den herkömmlichen Hausaufgaben und dem Glauben, dass Schüler das, was sie wiedergeben, auch verstanden und verinnerlicht haben, und dass das, was in den Jahren erreicht werden soll, auch erreicht wird …

Die „Bürgerlichen“ sind so vorgeprägt, dass sie das „Pensum“ bewältigen können; brave Schlucker kämpfen um Noten … Für einen beachtlichen Teil der Schüler bleibt Bildung befremdliche Wissensaneignung!
Um „durchzukommen“, verzichten viele auf eigene Interessen, dopen und/oder sind renitent …
Es ist ein Unterschied, ob wer (in Sek. I) für die Allgemeine Studierfähigkeit lernt oder für das Verstehen der erlebten und erlebbaren Wirklichkeit und ob die Lernarbeit ausreichend kontextgebunden ist oder nicht.

Fächer sollen dem Verstehen der Wirklichkeit dienen
und nicht für die Wirklichkeit stehen wollen!
Vor allem nicht für die vieler Schüler.

Wenn Bildung fruchten soll, muss es – neben dem Erwerb von Grundfertigkeiten – auch die Gelegenheit geben, von klein an persönliche Stärken zu entfalten, aber dann parallel in nur zwei Bereichen, nicht in 10/12 Fächern …

Allgemeinbildung muss das Allgemeine meinen!

Weil Demokratie vom Bildungsniveau der vielen abhängt, ist das effektive Einbeziehen der Migranten und Bildungsfernen unverzichtbar; denn sie sollen zu mittragenden Bürgern und kritischen Wählern werden … Indessen wird das Wahlvolk von „Machern“ mit Versprechungen von fester Arbeit und höherem Einkommen manipuliert.
Aufgrund ihrer recht „passiven“ Anlern-Bildung geht es den „Wahlbürgern“ kaum um sachbezogene Problemlösungen.
Aus Mangel an Kenntnissen von Zusammenhängen sind sie für Demagogie empfänglich oder sie nutzen ihr Wahlrecht erst gar nicht… Auch hier liegt ein Versäumnis der allzu „anspruchsvollen Info-Bildung“ vor!

Hinter den „hohen Ansprüchen“ der jetzigen Schulbildung steht (wohl eher unbewusst) kaum Selbstkritik, dafür aber viel Selbstgefälligkeit…




Infrage gestellt


Der traditionelle Unterricht (Stundentakt, 10//12 parallele Fächer/Woche, übliche Hausaufgaben, theoriebetontes Über-Pensum, Benotung, mangelhafte Alltags-Einbindung …) ist verantwortlich für die Abneigung vieler Schüler gegenüber dieser Art Schule, von der sie zugleich total vereinnahmt werden.

Der Anlern-Druck und das abgehobene Stoffpensum für „irgendwann“ machen passiv, verhindern Engagement, bewirken bei vielen eine innere Leere und provozieren negatives Sozialverhalten.
Es liegt am theoriebetonten Anlernen von Fächerpensum, wenn Schüler die Schule –, hinsichtlich Privatleben wie Berufsausbildung – schlecht vorbereitet verlassen.

Bedenkt man, dass nach 8 bis 10 Jahren „Schulbildung“ ein beachtlicher Teil der Abgänger die Grundfertigkeiten unzureichend beherrscht oder gar nicht, sodass zusätzlich zig Fördermaßnahmen ergriffen werden müssen, damit mancher doch noch zum Azubi befähigt werden kann, dann muss was nicht stimmen!

Weil längst nicht mehr vorwiegend „bürgerlich“ konditionierte Kinder und Jugendliche unsere Bildungseinrichtungen besuchen, sondern ein bunter Schüler-Mix, sollte nicht weiterhin jeder auf traditionelle Bildungsideale hin geformt werden, sondern auf die realen Anforderungen der Gegenwart; denn für die traditionellen Bildungs-Ideale fehlen vielen Schülern passende Voraussetzungen sowie die Wertschätzung von „Bildung an sich“ … Bildung soll ihre Würdigung indessen in der Aufschlüsselungsfähigkeit des Erlebbaren finden.

Wir dürfen nicht erwarten, dass die Festigung von Kenntnissen und Fertigkeiten durch Hausaufgaben erbracht werden kann, wenn klar ist, dass das nur denen gelingt, die die „richtigen Eltern“ haben und Sinn und Geld für Nachhilfeunterricht.
Warum eigentlich soll, was Schule leisten müsste,
über Hausaugaben oder Nachhilfe erbracht werden?

Bildungsferne, wie andere, brauchen festes Grundwissen und automatisierte Grundfertigkeiten. Das muss jedoch der Unterricht erbringen, nicht die Hausaufgaben.

Neben die Vermittlung von Grundfertigkeiten gehört die Entfaltung persönlicher Begabungen „von klein an“, aber parallel in nur zwei Bereichen, nicht wöchentlich nebeneinander in 10 Fächern …
„Virtuos“ zu werden, gelingt nur bei zeitgemäßer Gestaltung und Organisation des Unterrichtsgeschehens.

Nicht jeder Schüler ist über die Grundbildung hinaus ein fächer-bezogener Alleskönner …
Bei den meisten Schülern reichen Begabung, Energie und Zeit sehr wohl für 2 Schwerpunktbereiche …
Das heißt, sie benötigen – zwecks Entfaltung ihrer Stärken – intensive Beschäftigung in den für sie passenden Bereichen.

Die Verantwortlichen sollten sich von dem überfrachteten und überholten „Fächer-Pensum“ lösen und die Unterrichtsabläufe zeitgemäß verändern.

Wir brauchen Verfahren, die die Alltagsertüchtigung einbeziehen und die die nicht akademisch vorgeprägten Schüler besser mitnehmen können …

Ohne steten realen Bezug bleibt Lernen – besonders bei „Bildungsfernen“ – Programmierungs-Drill …
Die üblichen Tests, die Klassenarbeiten, die Benotungen und ferne „Abschlussprüfungen“ fungieren letztendlich als Druckmittel …

Statt Schüler zu früh an „akademisierte“ Lernprogramme heranführen zu wollen, sollten Lernprogramme Schüler „akademisch“ an die Lebenswirklichkeit heranführen …
Schüler brauchen wenig von dem, was sich „traditionell“ mit dem Begriff „Bildung“ verbindet …, denn im Vergleich zum Bildschirmhagel steht für sie die „bürgerliche Info-Beschulung“ „öde“ und „uncool“ im Abseits.

Schule muss Angebote machen, mit denen sie Schüler (Sek. I) in eine zeitgemäße aktive Bildungsarbeit führen kann.
Die Schüler sollen kontextbezogen zu „wissenschaftlichen“ Erklärungen naheliegender Phänomene gelangen.
Einsichten in reale Zusammenhänge und aktive Bewährung sind für „Bildung“ entscheidend …!

„Spezieller Fächerstoff“ gehört an die Uni …




Skizze des hier vorgestellten alternativen Unterrichtparadigmas


Es ist ineffektiv, in Sek. I theoriebezogen eine allgemeine Studierfähigkeit vorbereiten zu wollen … Das wirkt auf zu viele Schüler befremdlich oder gar erdrückend …
Eine „akademisierte Lernvertiefung“ ist in Sek. I für alle gut, aber nur dann verdaulich, wenn sie parallel in nur zwei Bereichen erfolgt und nicht rundum in 10 Fächern …

Voraussetzung für ein nachhaltiges Lernen ist die Zweiteilung des Unterrichts in Grundbildung (Lernsäule) und Talententfaltung von klein an (Fördersäule). ?Die Grundbildung muss länderweit vergleichbar sein und Grund-Wissen und Grund-Fertigkeiten fest vermitteln. ?Die Talententfaltung, die sich gemäß Begabung und Neigung auf nur zwei Bereiche konzentriert, ermöglicht echte Vertiefung und entlastet Schüler wie Lehrer.
Das „alternative“ Unterrichtsparadigma erübrigt die üblichen Hausaufgaben durch „zu Ende lernen“ während der Unterrichtszeit. Da hilft Tüftelei und Anwendung. (Sinnvolle Hausaufgaben ergeben sich aus Projektarbeit.)
Klar umrissene Einheiten gliedern den Unterricht in Etappen, die stets „Teil-Abschlüsse“ anstreben. – Der Unterricht führt (viertel oder halbjährlich) von „bestanden“ zu „bestanden“ und erübrigt Noten und „Sitzenbleiben“.
Die Beschränkung auf 3, (4) Lernbereiche pro Woche (statt 10/12 Fächer) ermöglicht Konzentration und sorgt für Nachhaltigkeit. (Die Unterrichtseinheiten werden in Doppel- und Vierfachstunden oder auch an ganzen Vormittagen erteilt.)
Das Sammeln von Ideen, das Aufbereiten und Erproben von?Unterricht verantworten SPEZIELLE TEAMS … ?Nur mit Hilfe solcher Teams lässt sich heute ein länderweit vergleichbarer Grundplan für Sek. I erstellen.

Bis Klasse 10 soll es nicht um die Systematik von „Fächern“ gehen, sondern um „wissenschaftliche“ Erklärungen der erlebten und erlebbaren Wirklichkeit. Das Einüben von Fertigkeiten durch Anwenden in Kontexten muss Vorrang haben.

So werden nicht Mindestansprüche der Fächer bedient, sondern der Erwerb von wirklich allgemeinem Wissen und allgemeinen Grundfertigkeiten „fachwissenschaftlich“ gesichert.
Voraussetzung für eine effektive Unterrichtsarbeit ist ein alternatives Unterrichtparadigma …
Das jetzige Paradigma ist überholt. Es wirkt auf nicht bürgerlich vorgeprägte Schüler befremdlich. (Zuwanderer, sozial Schwache, Flüchtlinge)

Wenn Schüler am „Anlernen“ scheitern, dann weil sie ein „akademisiertes“ Pensum mit Gedächtnisleistung bewältigen sollen, statt die Wirklichkeit „akademisch“ verstehen zu lernen.

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