Alltag & Lebensführung

Bilder, Ideen und Themen zur Lösungsorientierung

Rolf Reinbold

Bilder, Ideen und Themen zur Lösungsorientierung

Bei näherem Hinsehen und gutem Zuhören findet man brauchbare Lösungen

Leseprobe:

Vorwort

Ziel dieses Buches, mit Bildern und kurzen Erläuterungen Anregungen zu schaffen, um Ihnen die vielseitigen Möglichkeiten „des lösungsorientierten Denken und Handelns“ vorzustellen.
Den größten Nutzen aus den folgenden Seiten ziehen Sie, wenn Sie die Lösungsorientierung als innere Haltung einnehmen und anwenden. Aber das sollte letztendlich Ihre Entscheidung bleiben.

Da ich selbst seit vielen Jahren den wahren Wert des lösungsorientierten Denkens und Handelns für mich erkannt und in der Gänze umgesetzt habe, kann und muss ich mich von dem früher gelernten und vorgelebten Denken absolut distanzieren. Ich selbst arbeite seit vielen Jahren in einer Jugendhilfeeinrichtung und sehe den täglichen Erfolg dadurch gewährleistet, indem ich mir die lösungsorientierte Sprache angeeignet habe. Der autoritäre, als auch der antiautoritäre Erziehungsstil sind überalterte Erziehungsstile. Beide sind nicht mehr zeitgemäß und letztendlich auch nicht ergebnisorientiert. Natürlich bleibt es dem geneigten Leser selbst und damit Ihnen überlassen, was Sie daraus machen. Stellen Sie sich bitte selbst die Frage, wie Sie Ihrem Gegenüber begegnen wollen.

Ein Satz von Peter Altenberg, der mich in meiner pädagogischen Einstellung bestätigt, lautet:

„Einen Menschen zu erziehen, heißt, ihm zu sich selbst verhelfen!“

Meine Absicht ist es, mit Bildern und kurzen Erläuterungen Anregungen zu schaffen, um Ihnen die vielseitigen Möglichkeiten „des lösungsorientierten Denken und Handelns“ vorzustellen.
Mein Sinneswandel hin zum lösungsorientierten Leben wurde durch meinen Arbeitgeber entfacht. Während einer 2-jährigen Fortbildung konnte ich die Erkenntnisse noch nicht so weit zuordnen, um zu ahnen, dass dieser Ansatz mein weiteres Leben „auf den Kopf“ stellen würde.

Ich möchte mich an dieser Stelle ausdrücklich bei meinem Bereichsleiter, Herrn Bucher und dem Referenten, Herrn Prof. Dr. Gerald Hüther, der auf einer Fachtagung sprach, auf der auch ich anwesend sein durfte, recht herzlich für den „Samen“ bedanken, der von diesen bekennenden Menschen des lösungsorientierten Ansatzes ausgestreut wurde.

Einen weiteren intensiven und herzlichen Dank richte ich an meine KollegInnen und an meinen Freund, Harald Frank Gerstner, die ihren erworbenen „Goldschatz“, ihr Wissen über das systemische, lösungsorientierte Arbeiten nicht zurückhielten und mich dabei mitprägten, obwohl es gar nicht ihre Absicht war.

Vielen Dank an Euch für all die Bereicherungen!

Mein Dank gilt natürlich auch all den Menschen, die in ihrem Alltag mit Menschen die Lösungsorientierung anbieten, sein Gegenüber damit zu stärken und dem „negativen Denken“ und dem „Bevormunden“ damit den Kampf angesagt haben.
Wie sagte damals der Neurobiologe, Prof. Dr. Hüther, während einer Fachtagung:
„Wenn es Ihnen, liebe Teilnehmer dieser Fachtagung, in Ihrer Arbeit gelingt, den Menschen, die mit Ihnen im Austausch sind, seien es Kinder oder Erwachsene, Themen der Pädagogik und des Alltags unter Berücksichtigung der Aspekte:

– einladen – ermutigen – inspirieren

näher zu bringen, dann ist etwas Wunderschönes passiert!“

Fühlen Sie sich eingeladen und ermutigt durch die Informationen der folgenden Buchseiten, für sich das Geheimnis der Lösungsorientierung zu erkennen und in Ihrem Leben zuzulassen. Vielleicht werden Sie ja inspiriert, um „neue Wege“ einzuschlagen, da das bisher Gelernte durchaus auch überdacht werden darf.

Ergänzung für den Leser:

Ich wurde im Vorfeld, bevor das Manuskript zum Buch wurde, immer wieder gefragt, ob dies ein Buch für „nur“ pädagogische Fachkräfte wird. Meine klare Antwort lautet, dass es keine Zugangs- oder Umsetzungsvoraussetzungen gibt, die einem davon abhalten, lösungsorientiertes Denken und Handeln bei sich selbst oder in der Erziehung seines Kindes anzuwenden. Also, aus meiner Sicht, ein Buch für Jedermann.
Ich möchte Sie ermutigen, diesen Ansatz Ihrem Gegenüber, egal ob es Ihr Kind, Ihr Partner, Ihr Nachbar oder Ihr Arbeitskollege ist, anzubieten. Diese Art von Sprache und Denken ist für jeden positiv prägend, nämlich wertschätzend. Lassen Sie erst einmal die Bilder, Ideen und Themen der Lösungsorientierung auf sich wirken.

Negative Nebenwirkungen für Sie, für Ihr Kind als auch für Ihr Umfeld kann ich aus meiner Sicht in der Gänze ausschließen.
Die Langzeitwirkung für Ihr Gegenüber besteht darin, dass er/sie positiv gestärkt und dadurch selbstbewusster im Alltag auftreten kann. Das durch den lösungsorientierten Ansatz geprägte Wesen ist in der Lage, sich selbstkritisch zu reflektieren, ohne sich selbst latent infrage zu stellen und wird auch anderen Menschen wertschätzend begegnen.

Für eine Lösung braucht man nicht das passende Problem zu finden!



Was ist lösungsorientiertes Denken und Handeln?

Jeder Mensch hat jeden Tag, zu unterschiedlichen Ereignissen, Eindrücke und in der Regel auch Reaktionen, die mit Sicherheit auch gepaart mit Gefühlen sind. Aus dem Gelernten, Erworbenen werden unsere zukünftigen Reaktionen abgerufen. Diese werden bei jeder Person sehr unterschiedlich ausfallen.
Lösungsorientierung bedeutet, dass Probleme effizient gelöst werden können, ohne, dass man die Ursachen kennen muss, d.h. man konzentriert sich nicht auf die Probleme, sondern definiert Ziele und die Gewinne aus der Zielerreichung, plant Schritte der Umsetzung, macht sich der verfügbaren Ressourcen bewusst und verstärkt positive Entwicklungen, die sich bereits abzeichnen.
Die Zugänge zur Lösung zwischenmenschlicher Probleme beruhten traditionell auf der Vorstellung, man müsse sie genau identifizieren und analysieren, wenn eine Lösung gefunden werden sollte.
Der Nachteil dieses Zugangs ist, dass er beinahe unvermeidlich Anschuldigungen auslöst. Die meisten von uns erleben Beschuldigungen als ungerechtfertigte Anklagen. Wir kränken uns oder verteidigen uns oder versuchen, die Schuld jemand anders zuzuschieben. Die daraus resultierende Atmosphäre erstickt Zusammenarbeit, beeinträchtigt die Kreativität eines Teams und vermindert Energie und Begeisterung, die der anstehenden Arbeit sonst zur Verfügung stünden.
Manchmal führt dies auch zu Problemen, manchmal sogar zu schwerwiegenden Problemen.

Es gibt sehr unterschiedliche Arten von Problembewältigungen:

„Ich suche einen Schuldigen, der mir das angetan hat, weil ich durch ihn ein schlechtes Gefühl zu mir habe!“

- „Ich jammere bei vielen Menschen über das Unglück im Leben, in der Hoffnung, dass es mir hilft!
- „Ich ignoriere die Erlebnisse auf meine Art und hoffe, dass es nicht wieder hochkommt!“
- „Ich ziehe mich zurück, habe keinen Austausch mit Menschen, weil ich sowieso keine Lösung mehr zu meinen Fragen finde!“

Oder aber auch:

„Ich nehme mein Schicksal in meine Hände und suche nach Lösungen, die mir helfen, bis ich wieder einen Weg für mich gefunden habe!“

Gehören Sie zu dem Personenkreis, der am Schluss zitiert ist, der Wege und Lösungen sucht? Dann haben Sie es im Leben deutlich leichter, mit Problemen klarzukommen. Erfreulicherweise ist die Zugehörigkeit zu den oben aufgeführten Gruppen nichts, was unveränderlich ist. Wenn Sie also bisher eher zu den anderen Gruppen neigten, so können Sie das ändern! Im Folgenden finden Sie hilfreiche Einstellungen und ganz konkrete Handlungsansätze für den konstruktiven und lösungsorientierten Umgang mit Schwierigkeiten aller Art.
Fragen Sie sich bitte nicht „Ob…“, sondern „Wie?“ und „Was?“
Viele Menschen, die vor einer Herausforderung stehen, fragen sich:
- Ob ich das wohl schaffen kann?
- Ob das überhaupt zu schaffen ist?
- Ob da nicht ganz viel schief gehen kann, wenn ich das versuche?

Diese Gedanken sind verständlich. Je größer eine Aufgabe und je bedrohlicher ein Problem ist, desto stärker werden auch unsere Zweifel. Wir sind uns nicht sicher, ausreichende Fähigkeiten oder Stärken zu haben. Sich Gedanken über die Grenzen der eigenen Möglichkeiten zu machen, ist grundsätzlich nicht schlecht. Nur als Start für die Bewältigung sind sie eher hemmend. Sie lassen nämlich eine Aufgabe oder ein Problem oft viel größer erscheinen, als es tatsächlich ist. Probieren Sie es mal mit einer anderen Herangehensweise. Mit einer, die Ihnen nicht das Gefühl gibt, vor einer schier unüberwindlichen Mauer zu stehen, sondern die Türen für die verschiedensten Lösungsmöglichkeiten öffnet. Versuchen Sie es einmal mit Fragen wie:
- Wie könnte das zu schaffen sein?
- Was würde es möglich sein, das Problem zu lösen?
- Was brauche ich ganz konkret, um das Problem zu lösen?
- Wer oder was könnte mir dabei helfen?
- Was könnte der erste Schritt sein, diese Schwierigkeit zu überwinden?

Fragen dieser Art beschönigen nicht die Tatsache, dass es unter Umständen schwierig werden könnte. Mit diesen Fragen bewegen wir uns aber dennoch direkt in den Raum der möglichen Lösungen. Lösungen, die uns weiter bringen, als über Grenzen nachzudenken.

Fangen Sie an Lösungen zu lieben, bevor Sie an geliebten (ungewohnten) Problemen festhalten.

Wenn wir ein Problem haben, dann wollen wir es am liebsten von heute auf morgen einfach weghaben und vergessen können. Wir sehen es als lästig an und wünschten, wir könnten es wie unserem Müll einfach entsorgen. Dabei vergessen wir eines: jedes Problem birgt unendlich viele Möglichkeiten für uns, als Mensch zu wachsen und dazuzulernen.
Dementsprechend ist ein sehr nützlicher Ansatz für die Lösung von Problemen, Herausforderungen jeder Art als Lernaufgabe wertzuschätzen und auch den Lösungsweg selbst lieben zu lernen. Das ist viel weniger theoretisch, als es vielleicht klingt – denn tatsächlich macht genau das fast jeder Mensch in bestimmten Bereichen. Wer z.B. eine Sportart oder ein Instrument erlernen will, steht zunächst vor einer großen Herausforderung. Menschen, die nun nur auf das – noch nicht erreichte – Ziel schauen, hadern mit sich und ihren Fähigkeiten. Sie sind unzufrieden damit, noch nicht so gut zu sein und vergeuden viel Energie mit Selbstkritik. Darüber vergeht ihnen schnell der Spaß an der Sache und sie geben auf. Anders ist es bei denjenigen, die die Sache selbst lieben und für die, die Begeisterung für die Tätigkeit entwickeln. Sie können trotz Frustphasen den Lernprozess genießen und gewinnen so aus ihrer Freude die Kraft zum Durchhalten.
Was für Lernprozesse gilt, gilt auch für das Problemlösen. Probleme zu lösen, ist nichts anderes, als dazuzulernen – Fähigkeiten, Erkenntnisse, Erfahrungen. Mathematiker z.B. genießen das Lösen schwieriger mathematischer Probleme – sie fühlen sich dadurch herausgefordert. Und wenn Sie vielleicht gerne Rätselraten, dann wenden Sie bereits diesen hilfreichen Grundsatz des lösungsorientierten Denkens ganz praktisch an.
Für anstehende Problemlösungen, bei denen Ihnen das noch nicht so leicht fällt, können Sie die folgenden Denkfragen nutzen:
- Was könnte gut an diesem Problem sein – für mich und/ oder für andere?
- Was kann ich durch dieses Problem/dieser Herausforderung lernen?
- Welche Erfahrungen kann ich dabei machen?

Inwieweit kann dieses Problem bzw. das Lösen desselben meinen Horizont und meine Fähigkeiten erweitern?

Lösungsorientierung ist ein systematischer Weg, wahrgenommene Probleme in Ziele zu „verwandeln“ und die Energie darauf zu richten, diese Ziele für eine bessere Zukunft auch zu erreichen.
Lösungsorientierung ist insofern anders, als sie den Blick hauptsächlich darauf richtet, was funktioniert, anstatt darauf, was nicht funktioniert. Die Betonung liegt dabei auf der Zukunft anstatt der Vergangenheit, auf Ressourcen, Erfolg und positiver Entwicklung statt auf Versagen.
Lösungsorientierung hat seit jeher erfolgreiche Veränderung in das Leben von Menschen gebracht.
Seit kurzer Zeit ist Lösungsorientierung für noch weitere Anwendungen attraktiv geworden. Der Ansatz kann nicht nur in der therapeutischen Arbeit angewendet werden, sondern auch im Rahmen jeglicher Problemlösung, der Konfliktregulierung, des sportlichen Trainings, der persönlichen Entwicklung und ganz besonders bei der Entwicklung von Organisationen.

Lösungsorientierung bedeutet aber weit mehr als nur eine Methode, um Menschen zu helfen. Sie ist ein Bezugsrahmen, der durch Zusammenarbeit menschliche Systeme dazu anregt, die erwünschten Veränderungen zustande zu bringen.



Lösungsorientiertes Handwerkszeug

Lösungsorientierte Gespräche

Ihr Interesse und Ihre Haltung für das lösungsorientierte Denken und Handeln fließen deswegen natürlich auch in Ihre Gespräche ein.
Ihr Gegenüber, dies kann Ihr Kind, Partner, ein Verwandter, Nachbar, ein Vereinsmitglied oder Arbeitskollege sein, erfreut sich schon jetzt. Machen Sie bitte aber keine Vorschläge zur Lösung von Problemen, sondern fragen Sie Ihr Gegenüber, was er/sie braucht oder was sie tun wollen. Die Frage nach den Wünschen und Zielen vermittelt Wertschätzung, schafft Beziehung und impliziert die Möglichkeit und das Zutrauen in die eigene Veränderung.
Hier nun ein kurz gefasstes Raster, Beispiele von Fragen als Anleitung für „lösungsorientierte Fragen in Gesprächen“:

Der Zeitpunkt der Gespräche
Ziel: Die Planung von „lösungsorientierten Gesprächen“ gibt dem Gegenüber Wertschätzung und verleiht dem Gespräch die entsprechende Bedeutung und Wichtigkeit. Meist sind dies geplante Gespräche, in denen wir uns bewusst Zeit nehmen für Ziele, Wünsche, Fortschritte und Erfolge.

Die Einstiegsfrage
(die Frage nach dem Ziel/Wunsch)
„Was ist Ihr Ziel, wenn Sie hierher kommen?“
„Was muss in dieser Stunde geschehen, dass Du am Ende sagen kannst, es hat sich gelohnt, ein Gespräch geführt zu haben?“
„Bei welchem Ziel kann ich Dir wie helfen?“

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 176
ISBN: 978-3-99038-585-2
Erscheinungsdatum: 29.09.2014
Durchschnittliche Kundenbewertung: 5
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Herbstlektüre