Cover: Als Trottel ist man glücklicher

Als Trottel ist man glücklicher


EUR 12,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 76
ISBN: 978-3-99146-605-5
Erscheinungsdatum: 26.08.2024
Was passiert, wenn wir bereit sind, auf das Ansehen der Welt und unseren eigenen Egoismus zu verzichten? „Wer nichts sein will, wird was werden.“ Ganz unter dieser Annahme eröffnet Thomas Hofmann verschiedene Aspekte des persönlichen Glücks.
Lebenswelt von heute

Betrachtet man die Lebenswelt mit ihrem dazugehörigen Zeitgeschehen von heute, so scheint alles darauf hinauszulaufen, man solle sich stets bemühen, bei allen in Achtung zu stehen und ein möglichst perfektes Bild von sich selbst abzugeben. So wird bereits schon in den letzten Schulklassen gelehrt, in Bewerbungen seine Fehler zu verschweigen, oder Arbeitszeugnisse dürfen keine implizit negativen Urteile enthalten. Auch bei der Partnerwahl kann als modern angesehen werden, nicht mehr mit jenem Menschen, welchen man liebt, etwas anzufangen, sondern denjenigen zu bevorzugen, welcher vernünftiger – in anderen Worten besser und gehaltvoller – erscheint. Schließlich hat nicht zuletzt im Freundeskreis derjenige das Sagen, welcher am meisten zu beeindrucken vermag.

Es ist also kein Wunder, dass der Mensch von heute gerade davon besessen ist, sich gut zu profilieren, seine Schwächen möglichst zu verbergen, um bloß auf keinen Fall als Trottel angesehen zu werden oder den Verdacht zu erwecken, er sei etwas schlechter als die anderen. Denn man will ja schließlich einen guten Job, eine tolle Frau haben und auch sonst bei dem Rest der Welt als jemand gelten, man will wer sein. Hier stellt sich zugleich die Frage, vor wem man denn jemand sein möchte. Den meisten Menschen scheint es zu reichen, angesehen bei Vorgesetzten, dem attraktiven Geschlecht und Freunden zu sein, sozusagen als ein geachteter Mensch zu gelten, um die entsprechenden Vorteile daraus ziehen zu können. Dem etwas tiefsinnigeren Menschen wird dies vielleicht nicht reichen, und er will auch vor sich selbst etwas gelten. Er will sich morgens im Spiegel betrachten können, um sich tagtäglich zu sagen, was für eine coole Socke oder toller Hecht er doch ist. Hierbei stellt sich wiederum die ernst zu nehmende Frage, ob jener Mensch auch wirklich tief im Innersten davon überzeugt ist, wie toll er ist, oder ob er nicht dazu neigt, sich selbst etwas vorzuspielen, um sich letztendlich besser zu sehen, als er wirklich von sich selbst denkt. Am gehaltvollsten scheinen mir jene Menschen zu sein, welche vor Gott als jemand Tolles gelten wollen. Freilich droht hier auch die Gefahr, in eine krankhafte Religiosität zu fallen, in welcher man heiliger sein möchte als der Papst. Dennoch kann Gott als die Objektivität schlechthin angesehen werden und kommt in der eigenen Beurteilung wohl am ehesten dem Gewissen gleich, welches der innerste Kern des Selbst eines jeden Menschen ist. Prinzipiell, denke ich, besitzt jeder Mensch zwei grundsätzlich unterschiedene Arten der Ausstrahlung. Die Ausstrahlung, welche ich als relative Ausstrahlung bezeichnen möchte, bestimmt die Attraktivität einer Person. Sie ist unter anderem davon abhängig wie gut und stark sich eine Person zu fühlen vermag und wirkt daher auf das direkt spontane Erscheinungsbild bei anderen Personen. Jene andere, jedoch wichtigere Ausstrahlung, nenne ich absolute Ausstrahlung. Sie macht sich meist in der Intuition bemerkbar, ob ein bestimmter Mensch gut oder schlecht sei, lässt uns intuitiv wahrnehmen, wie nett ein Mensch ist, und bestimmt letztendlich auch, wie sehr uns dieser in Gedanken bleibt. Denn sie ist nichts anderes als die im Leben angesammelte Liebe, die ein Mensch in sich trägt. Was bringt es uns letztendlich, wenn uns auch alle Menschen lieben mögen, wir selbst uns aber (wenn auch insgeheim) hassen?! Oder wie Jesus Christus eins sagte: „Was hat ein Mensch davon, wenn er die ganze Welt gewinnt, er selbst dabei aber seine Seele verliert?“




Alfred Adler und das Streben nach Macht

Folgen wir den Ansätzen des großen Psychologen und Freud-Schülers Alfred Adler, so ist der Mensch dazu veranlagt, stets nach zwei Dingen zu streben: Gemeinschaft und Macht.
Irgendwo scheint jeder Mensch diese beiden Dinge zu wollen, und ich denke, man kann diese These zumindest auch nicht vollkommen abstreiten. Wie Aristoteles schon sagt, ist der Mensch ein zoon politikon, sozusagen ein nach Gemeinschaft strebendes Wesen. Jeder Mensch will und hat in der Regel Kollegen, Bekannte, Freunde, vielleicht auch eine Freundin oder einen Ehepartner. Theologische Ansichten verdeutlichen dies, indem sie behaupten, der Mensch sei aus Liebe geschaffen und zur Liebe hin bestimmt. Und in der Tat entsteht jenes unbeschreibliche Wesen eben auch aus der sexuellen Vereinigung von Mann und Frau, welcher zwar nicht immer, aber grundsätzlich durchaus als ein Akt der Liebe angesehen werden kann. Die grausamen Versuche des Kaisers Friedrich II. zeigten schließlich, dass ein Mensch ohne jegliche Zuneigung nicht einmal des Lebens fähig zu sein scheint und letztendlich sogar zum physischen Tode verurteilt ist. Hier können auch Ansätze der heiligen Hildegard von Bingen betrachtet werden, die stets den Zusammenhang zwischen Körper, Geist und Seele betonte, was schon vermuten lässt, inwiefern eine seelische Verarmung auch den Körper in Mitleidenschaft zu ziehen vermag. Letztendlich findet auch der Mensch nur durch den Nächsten zu sich selbst. Wer denkt, er könne auf eigene Faust sein Selbstwertgefühl aufbauen, wird es ebenso schnell wieder verlieren.

Diesem stark in der Seele verankerten Streben nach Gemeinschaft steht nun das ebenso ähnlich starke Streben nach Macht zwar nicht immer, aber doch teilweise sehr oft entgegen. Es liegt wohl im Menschen, dass er sich selbst verwirklichen will, „jemand sein“ will, es sich selbst oder den anderen beweisen will, wie gehaltvoll er ist. Auf den verschiedensten Weisen versucht er nun, dies zu tun. Wege dorthin gibt es viele. Die einen versuchen es im Sport, andere durch Bildung und Wissenschaft, wiederum andere engagieren sich politisch. Selbstverständlich tritt man dadurch in den Wettstreit mit anderen, vergleicht sich, wie man denn so dasteht im Vergleich. Da gibt es natürlich die Einen, die besser sind als die meisten, von denen es wiederum aber auch nur manche ertragen können und sich nicht angegriffen fühlen, wenn jemand noch besser ist, was ohnehin immer wieder passieren wird. Aber jenes Streben nach Macht kann auch krankhafte Züge annehmen, nämlich dann, wenn man keinen Besseren mehr duldet. Da es aber nun mal unmöglich ist, immer der Beste und Gehaltvollste zu sein, verbittern solche Menschen sehr schnell, indem sie krankhaft versuchen, sich über andere zu stellen, und hierdurch der Liebe unfähig werden. Oft zeigen sich solche Machtspielchen nicht einmal unbedingt in offiziellen Wettbewerben oder Stellungen, sondern finden in der persönlichen Begegnung statt. Schon alleine der Tatsache geschuldet, dass zwei Menschen nie genau gleichwertig an Intellekt, Ausstrahlung, Moral und Persönlichkeit sein können, entstehen hier oft teilweise auch unausgesprochene innere Konflikte. Es wird gekämpft, wer von beiden denn nun der coolere, intelligentere, kurzum derjenige mit mehr Persönlichkeit ist, und damit über den anderen steht. Einer solchen Verhaltensweise ist es wohl oft geschuldet, inwiefern der potentiell beste Freund gerade die Person sein mag, mit welcher man sich am wenigsten versteht. Gerade dieses Machtstreben zerstört letztendlich die eigene Persönlichkeit, da dies oft auf Kosten des eigenen Gewissens geht, von welchem die Stärke der Persönlichkeit und des Selbstwertgefühls radikal abhängig ist. Gleichsam mit der Persönlichkeit scheint es auch mit dem Intellekt radikal bergab zu gehen, und ich vermute ein solch, oder jedenfalls rebellisches Verhalten steckt unter anderem auch hinter der Entstehung der Demenzkrankheit. Es ist der alte biblische Kampf Satans, welcher sich gegen Gott auflehnt, da er es nicht ertragen kann, jemand noch Höheres über sich zu haben. Dieser Kampf findet ständig und fast überall statt. Unter Arbeitskollegen, im Freundeskreis, ja oft sogar in der eigenen Familie. Insbesondere vermute ich den häufigsten Grund für Ehescheidungen darin, dass sich die Hierarchie innerhalb der Beziehung ändert, und nun die vorerst geistig überlegene Person es nicht ertragen kann, den sonst so überschaubaren Ehepartner plötzlich nun als den geistig Überlegenen akzeptieren zu sollen. Bedenkt man die Tatsache, inwiefern Verschlossenheit und Rebellion immer zum seelisch-geistigen Untergang führen, gegenseitige Annahme und Liebe jedoch immer zum Aufstieg, so wird klar, weshalb geistig hochstehende Menschen, welche es nicht verschmerzen können, nicht die Besten zu sein, sich selbst verderben, während geistig niedrig stehende Menschen, welche sich in ihrer Demut öffnen, schließlich so viel Liebe entwickeln, um zu den Besten zu zählen. So erfüllt sich auf diese Weise das Jesuswort: „Die Ersten werden die Letzten sein, und die Letzten werden die Ersten sein.“
Es scheint eben doch jeder Mensch tief im Innersten genau zu wissen, was er denn getan und gelassen hat, oder was er sonst für ein Mensch war in seinem bisherigen Leben, wodurch er durch sein eigenes Gewissen nahezu gezwungen wird, sich daraufhin selbst zu lieben oder sich selbst zu hassen. Die beste Möglichkeit, das Streben nach Macht mit dem gleichzeitigen Streben nach Liebe zu vereinigen, ist wohl, sich bewusst zu werden, inwiefern man an stärkeren Persönlichkeiten selbst wachsen kann. Öffnet man sich für die Liebe und die Freundschaft mit ihnen, wird man schließlich selbst davon profitieren, indem man an Intellekt und Moral hinzugewinnt und so auch selbst in der eigenen Persönlichkeit wächst. Lasst uns also stets nach Menschen suchen, die besser sind als wir selbst, denn sie sind etwas Besonderes, der Ehre und der Achtung würdig, wir können von ihnen lernen, und sie sind es mehr wert, geliebt zu werden, als andere. Es flackert hier gewissermaßen eine religiöse Komponente auf, sich an demjenigen zu orientieren, was über uns steht. Denn die Suche nach immer größeren Persönlichkeiten und Lehrmeistern findet letztendlich in Gott seine erhabenste Form, da er als Höchster über allem und jedem steht. Rudolf Otto bezeichnete dieses Verhältnis einst als faszinosum et tremendum, als faszinierend und verängstigend zugleich. Wie sehr wir auch von der Größe und Weisheit Gottes angetan sind, wie sehr sie uns auch anzieht, sie wird auch immer etwas Beängstigendes haben, eben weil er so viel größer und mächtiger, und dadurch auf eine gewisse Weise unheimlich und seltsam auf uns wirkt, was wir in abgestufter Weise auch wiederum von besseren Menschen sagen können. Öffnen wir uns jedoch Gott, gewinnen wir nicht nur einen starken Freund an unserer Seite, sondern kommen wir zudem mit uns selbst ins Reine.




Be connected

Wie sich schon bei Alfred Adler oder auch Aristoteles andeutete, scheint unser ganzes Leben darauf hinauszulaufen, mit anderen innerlich verbunden zu sein. Hierbei ist zu betonen, dass es nicht um möglichst viele oberflächliche Freundschaften und Bekanntschaften gehen mag, sondern um wahrhaftige innere, geistige Vernetzungen. Solche geistigen Vernetzungen sind allerdings nur möglich, insofern ich mein Gegenüber auch respektiere. Wird in heutigen Zeiten Respekt oft als bloßes oberflächliches Kommunizieren oder höfliche Umgangsformen verstanden, so denke ich, geht diese Bezeichnung weit an wirklichem Respekt vorbei. Wahrer Respekt ist meiner Meinung nach immer etwas Inneres, ja, eine prinzipielle Bereitschaft, mich vom anderen anrühren zu lassen, offen für eine Freundschaft mit ihm zu sein. So hat nach der Bindungstheorie von John Bowlby die Mutter etwa 2 Jahre nach der Geburt Zeit, um eine stabile emotionale Verbindung zu ihrem Kind herzustellen. Gelinge dies, entwickle sich das Kind positiv, da es ein gewisses Urvertrauen erfahren habe, auf Basis dessen es weitere Entdeckungen und Erfahrungen machen, neue Verbindungen eingehen könne. Gelinge dies der Mutter allerdings nicht, sei das Kind für sein Leben lang geschädigt, da ohne grundsätzliches Urvertrauen auch kein wahres Selbstwertgefühl oder die Basis und Offenheit für Neues geschaffen werden könne. Nicht selten würden sich solche Kinder – welche im Übrigen etwa die Hälfte der Gesellschaft ausmachen – in unguten Leidenschaften verlieren, dem Alkohol oder Drogenkonsum ergeben oder anderweitig auf eine schiefe Bahn geraten. Freilich sind die meisten Menschen unserer Gesellschaft keine Drogenabhängigen oder Schwerverbrecher, jedoch würde ich die psychische Stabilität der Masse der Gesellschaft dennoch stark in Frage stellen. Es mag uns wohl klar einsichtig erscheinen, inwiefern eine starke geistige Vernetzung mit anderen Menschen zu Selbstwertgefühl führen mag, aber sich auch wiederum positiv auf die Gesellschaft auswirkt. Der französische Naturwissenschaftler und Theologe Teilhard de Chardin ging sogar so weit, eine Weiterentwicklung des Lebens darin zu sehen. So scheint es wissenschaftlich bewiesen, inwiefern innerhalb der Erdgeschichte bereits mehrere, immer höher entwickelte Menschenarten existierten, wobei hier de Chardin den Urgrund jener Weiterentwicklung in geistiger Vernetzung sieht, welche sich im Laufe der Zeit auch körperlich auszuwirken vermochte. Wer mag wissen, ob der Homo sapiens sapiens die letzte Gattung des Menschen sein wird?! Dies mag freilich die uralte Frage aufwerfen, ob nun die Schöpfungstheorie der Bibel oder doch die Naturwissenschaft recht habe, und ich plädiere dafür, dass es Gott war, welcher jenen naturwissenschaftlichen Prozess angestoßen habe, wobei ich den Affen bereits mehr als Mensch als als Tier sehe. Doch zurück zur geistigen Vernetzung. Ausschlaggebend für die seelische Entwicklung ist wohl wie gesagt nur die wahre Verbindung zu anderen Menschen. Mit je mehr Personen ein Mensch geistig vernetzt ist, desto mehr Persönlichkeit mag er haben, desto mehr wird er sich „getragen“ fühlen und wissen, was sich natürlich auch positiv auf das Selbstwertgefühl auswirken mag. Kommt es zu Streitigkeiten, ist des Öfteren jenes Phänomen zu beobachten, bei welchem sich der eine nonverbal abgelehnt fühlt und daraufhin zu wüten beginnt, während der andere sich etwa durch entgegengebrachte Beschimpfungen legitimiert sieht, den anderen gerade erst recht abzulehnen. Doch oft sind unsere Vernetzungen und Beziehungen vielleicht nicht so, wie wir uns diese denken. So mag es sein, dass wir mit dem eigenen Ehepartner vielleicht gar nicht mal so stark verbunden sind, und es fällt sicher nicht leicht, zuzugeben, eine stärkere geistige Verbindung mit dem Metzgerei-Fachverkäufer um die Ecke zu haben, insofern es denn wirklich so ist. Aber wahrscheinlich stehen uns wirklich manchmal flüchtige Bekannte seelisch näher als offizielle Freunde. Prinzipiell, denke ich, liegt der Unterschied zwischen einem Bekannten und einem Freund darin, inwiefern uns beide in der Distanz mögen, aber nur der Freund dies in der persönlichen Begegnung auch zum Ausdruck bringen mag, während der Bekannte in der Regel eher distanziert bleiben mag. Aber auch hier gibt es freilich Mischformen. Sind wir hingegen in einen Menschen verliebt, befinden sich unsere Seelen im Stadium geistigen Zusammenwachsens, während bei echter Liebe bereits eine feste geistige Bindung zu bestehen vermag, welche dann nicht mehr übertrieben emotional ist, sondern eher eine tiefe Vertrautheit intendiert. Primär aber wird eine Beziehung wahrscheinlich eher durch jene Zeit der Abwesenheit aufrechterhalten als durch die Zeit der personalen Begegnung. Wird nämlich in Zeiten der Abwesenheit schlecht voneinander gedacht, wird sich im Stillen die Beziehung von sich aus erledigen und es wird das Bedürfnis, sich wieder beim anderen zu melden, abhandenkommen. Gerade deshalb ist es enorm wichtig, unsere Begegnungen auch weiter im Herzen zu tragen und unsere Bekannten nicht abzulehnen, sobald diese von der Bildfläche verschwunden sind, was sich als ganz selbstverständlich von einem aufrichtigen Menschen verstehen sollte. Mit gewissen Menschen hingegen kann man eher vernetzt sein, wenn man sich in Distanz hält. Es sind Menschen, welche grundsätzlich nichts gegen einen haben, aber sich innerlich dennoch gegen eine Freundschaft wehren. Dies können sowohl Bekannte als auch ehemalige Freunde sein. Sucht man hier Kontakt, wird sich die Beziehung dramatisch verschlechtern, während in der Distanz dennoch eine gegenseitige Wertschätzung und Harmonie zu spüren sein mag. Auch eine Freundschaft kann sich erheblich bessern, wenn man sich nicht jeden Tag sieht, da sie hierdurch weniger zur Gewohnheit verkommen mag und auf diese Weise etwas Besonderes bleibt. Wir neigen oft dazu, Menschen, welche wir mögen, als gute Menschen zu betiteln, während wir verhasste Menschen als böse bezeichnen. Hier wollen wir uns bewusst machen, inwiefern das eine mit dem anderen nicht grundsätzlich etwas zu tun haben muss. Ein Mensch kann uns zugeneigt sein, da er uns attraktiv, sympathisch oder anderweitig positiv empfinden mag, während er ansonsten das größte Schwein der Stadt ist. Folglich mögen wir ihn. Bei einem anderen Menschen hingegen lösen wir aus irgendeinem Grund einen Komplex aus, oder wir geraten zufällig mit ihm in Streit. Folglich mögen wir ihn nicht, obwohl er vielleicht abgesehen davon der feinste Mensch des gesamten Bezirks sein mag. Wie oben bereits angesprochen, ist es immer ratsam, möglichst aufgeschlossen und vernetzungswillig durch das Leben zu gehen, was allerdings nur durch innere Ruhe und Gelassenheit möglich ist. Ich möchte diesen Abschnitt mit einem Gedanken des großen Geisteswissenschaftlers Wilhelm von Humboldt beenden, welcher zu bedenken gab, dass es doch immer unsere Beziehungen zu anderen Menschen seien, welche das Leben erst lebenswert machen würden.




Es ist entspannend, ein Trottel zu sein

Schon allein daher lohnt es sich, nicht zu rebellieren, denn die Rebellion ist meiner Meinung nach der Vater der Selbstzerstörung. Wir werden hierauf später noch genauer zu sprechen kommen. Auch ist wohl jede äußere Rebellion oder Demonstration genau dann am niveau– und wirkungsvollsten, wenn im Selben dabei auf innere Rebellion verzichtet wird. Dasjenige, was wir oft so sehr festhalten, und es sich gleichzeitig so sehr lohnt abzulegen, ist unser Stolz, welchen schon der heilige Augustinus im 4. Jahrhundert als Wurzel allen Übels bezeichnete. Als moderne Menschen sind wir gewohnt zu denken, wir seien nichts ohne unseren Stolz, sozusagen der Niveaulosigkeit und Erbärmlichkeit preisgegeben. Das Gegenteil ist der Fall. Unser Stolz ist es nämlich, der uns vieles entgehen lässt, von vielem Guten fernhält und uns in die schwierigsten Komplexe führt.
...

Das könnte Ihnen auch gefallen :

Cover: Als Trottel ist man glücklicher

Klaus Porombka

Die wundersame Reise des Dominique

Buchbewertung:
Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder