Lele und Tatz, der Bär

Lele und Tatz, der Bär

Heidemarie Steigerwald


EUR 16,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 66
ISBN: 978-3-99131-460-8
Erscheinungsdatum: 04.10.2022
Lele, das fünfjährige Mädchen, voller Neugier und Fantasie, und ihr bester Freund Tatz, ein Bär aus Stoff, erleben zusammen spannende Abenteuer und zeigen in berührender Weise, wie eine gute Freundschaft entstehen kann und bestehen bleibt.
Lele feiert ihren fünften Geburtstag

Es war an ihrem fünften Geburtstag. Lele hatte sich ein Stofftier gewünscht, es sollte ein Bär sein. Tatsächlich, auf ihrem Geschenketisch saß ein Bär, und was für ein Riesenbär, er war größer als Lele. Der Bär schaut Lele mit seinen braunen Augen an. Das Mädchen meint, ein Zwinkern in seinen Augen zu sehen. Das war der Beginn einer tiefen Freundschaft.
Ich werde ihn „Tatz“ nennen, das passt gut zu seinen großen Tatzen. Am Abend, als sich Lele schlafen legt, setzt sie ihren Bären auf einen Stuhl vor ihrem Bett. Sehr bald ist sie eingeschlafen. Tatz sitzt ganz ruhig da und schaut das schlafende Menschenkind unentwegt an. Allmählich wird es ihm langweilig, er rutscht auf dem Stuhl hin und her. Schließlich steht er auf und tapst im Zimmer herum. „Ach, wenn Lele doch aufwachen würde.“ Tatz klopft mit seinen Pfoten auf Leles Bettdecke. Endlich hat der Bär Erfolg. Das Mädchen wacht auf und schaut erstaunt im Zimmer umher. Ihr Bär sitzt nicht mehr auf dem Stuhl, er steht vor ihrem Bett und winkt ihr zu: „Komm, kleine Lele, ich zeige dir die Schönheiten der Welt.“ Er nimmt das Mädchen auf seinen Rücken. Lele hält sich vertrauensvoll am zotteligen Pelz des Bären fest. Nein, das hätte sie sich nicht träumen lassen. Mit großen Bärenschritten trägt Tatz das Kind aus der Stadt, über Felder, durch den Wald, über einen Höhenzug bis sie im Tal einen breiten Fluss vor sich sehen. „Das ist der Rhein“, belehrt Tatz das Mädchen. „Siehst du die Anlegestelle für die Schiffe dort unten? Wenn du möchtest, machen wir eine lustige Schifffahrt auf einem Fährschiff.“ „Ja, Tatz, das ist eine gute Idee. Schaukelt das Schiff auch nicht zu stark?“ „Nein, Lele, hab keine Angst.“ Tatz macht besonders große und schnelle Schritte, und schon betreten sie den Steg, der zum Schiff führt. „Bleib hier an der Reling stehen, Lele, ich bin gleich wieder da“, sagt der Bär und verschwindet in der Kapitänskajüte. Wenige Minuten später erscheint Tatz, der Bär, wieder. Aber wie sieht er nur aus? Auf seinem Kopf sitzt etwas schief eine Kapitänsmütze, er trägt einen weißen Anzug mit Abzeichen auf der Schulter. „Da staunst du, was Lele? Ich bin hier der Kapitän und fahre täglich viele Passagiere von Köln nach Düsseldorf. Das Schiff heißt deshalb ‚KD‘, die ‚Köln-Düsseldorfer‘. Schau, der Name steht außen auf dem Schiff. Gleich geht unsere Fahrt los, Lele. Du darfst die Schiffsglocke dreimal läuten, dann wird der Anker eingeholt und das Schiff setzt sich in Bewegung.“ Nun hört Lele die Stimme von Tatz durch den Lautsprecher sagen: „Hier spricht der Kapitän, herzlich willkommen auf der ‚Köln- Düsseldorfer-Fähre‘. Meine Damen und Herren, werfen Sie noch einen Blick auf den Kölner Dom und auf die Severins-Brücke, unser Schiff nimmt Kurs rheinabwärts auf Düsseldorf. Ich wünsche allen großen und kleinen Gästen eine fröhliche Fahrt.“ Tatz kommt zurück und schlägt dem Mädchen vor: „Wir können uns die Räume auf dem Schiff ansehen, sie heißen anders als die Zimmer in einer Wohnung. Schauen wir doch zuerst in die ‚Kombüse‘ hinein, das ist die Küche. Der Schiffskoch bereitet gerade ein schmackhaftes Mittagsessen zu. Den Speiseraum nennt man ‚Messe‘. Hier sind die Schlafräume, die ‚Kojen‘ für die Matrosen. Der Kapitän bewohnt eine größere ‚Kajüte‘. Auf einem Schiff musst du auch wissen, dass ‚backbord‘ die linke Seite heißt und ‚steuerbord‘ die rechte Seite des Schiffes ist.“



Eine Schifffahrt auf dem Rhein

„Jetzt muss ich wieder selber das Steuer in die Hand nehmen, gerade kreuzt ein großer Schleppkahn. Er hat Kohle geladen und kommt aus Rotterdam, dem größten Hafen Europas. Es wird einige Wellen geben, dann schaukelt unser Schiff ein wenig hin und her. Halte dich einfach an der Reling fest, Lele.“ Nach gut einer Stunde hat die Köln-Düsseldorfer ihr Ziel erreicht. Das Schiff geht vor Anker. Tatz wirft ein schweres Tau um einen Pier, macht geschickt einen Seemannsknoten und lässt die Gangway, den Steg zum Festland, herunter. „Meine Damen und Herren“, so tönt Tatz‘ Stimme durch den Lautsprecher, „Wir sind nun in Düsseldorf, in der Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen. Besuchen Sie die weltberühmte Königsstraße, als ‚Kö‘ bekannt. Den Damen empfehle ich einen Einkauf in den schicken Modegeschäften, dort gibt es wunderbare Kleidung aus aller Herren Länder Ich wünsche Ihnen einen schönen Aufenthalt.“ „Lele, gleich habe ich wieder Zeit für dich, dann machen wir uns auf den Heimweg.“ Tatz verschwindet in der Kapitänskajüte und tritt als brauner, zotteliger Bär wieder heraus. „Schwing dich auf meinen Rücken und halte dich gut in meinem Fell fest, denn jetzt geht es im Eilschritt nach Hause.“ Es dauert tatsächlich nicht lange, da setzt Tatz das Mädchen vorsichtig ab, Lele ist nämlich in der Zwischenzeit eingeschlafen. Sie kann sich gerade noch selber ins Bett legen und zudecken, schon schläft sie tief und fest. Tatz macht es sich auf dem Stuhl so gemütlich wie möglich und fällt nach wenigen Minuten in einen tiefen Schlaf.
Als Lele am Morgen aufwacht, fällt ihr Blick zuerst auf Tatz, ihren neuen Spielkameraden. Der Bär schaut Lele mit seinen braunen Augen an. Das Mädchen meint, ein Zwinkern in seinen Augen zu sehen, als wolle er sagen: „Unser Ausflug heute Nacht bleibt unser Geheimnis.“
Tagsüber nimmt Lele ihren Bären überall mit hin: Beim Essen sitzt er neben ihr am Tisch, beim Roller-Fahren steht er vor ihr auf dem Trittbrett, und wenn Lele Bücher anschaut, blickt Tatz mit ins Bilderbuch. Ja, Tatz ist ihr bester Freund!
Abends, als Lele zu Bett geht, setzt sie Tatz auf einen Stuhl vor ihrem Bett. Es dauert nicht lange, dann ist das Mädchen eingeschlafen. Der Bär schaut seine kleine Freundin unentwegt an, bis es ihm zu langweilig wird. Er rutscht auf seinem Stuhl hin und her und fängt an, zu summen und zu brummen. „Wenn Lele doch bald aufwachen würde.“ Jetzt trommelt Tatz mit seinen Pfoten auf Leles Bettdecke. Endlich schlägt das Mädchen die Augen auf und schaut ihren Freund erstaunt an. Der Bär winkt ihr zu: „Komm, kleine Lele, ich zeige dir die Schönheiten der Welt.“ Das Mädchen zieht sich warm an. Dann klettert es auf Tatz‘ Rücken und hält sich an seinem zotteligen Pelz fest. Schon setzt sich der Bär mit großen Schritten in Bewegung. Er trägt das Mädchen über Täler und Berge, durch den Wald und über Felder bis sie die Stadt Nürnberg vor sich sehen. „Siehst du dort unten die Landebahn für Flugzeuge? Wenn du möchtest, steigen wir in ein Flugzeug und machen einen kleinen Rundflug.“ „Oh, fliegen wollte ich schon immer. Das ist eine gute Idee, Tatz!“ So trägt der Bär das Mädchen zur Start- und Landebahn, dort steht schon ein Motorflugzeug bereit. „Warte hier, Lele ich bin gleich wieder da.“ Mit diesen Worten verschwindet der Bär hinter einer Tür. Wenige Minuten später tritt ein Pilot heraus, er trägt einen Pilotenoverall, dazu eine Pilotenkappe. Aber der Pilot ist doch Tatz, seine stoppeligen Haare im Gesicht verraten ihn. „Da staunst du, was Lele?! Schau, ich habe einen Pilotenschein und dieses Flugzeug ist mein eigenes.“



Im Flugzeug, Lele schaut aus dem Fenster

Lele staunt wirklich, was ihr Freund nicht alles kann und besitzt! Voller Vorfreude steigt sie ins Flugzeug und findet einen Platz am Fenster. Tatz begibt sich ins Cockpit und wirft den Motor an. Jetzt hört man seine tiefe Stimme: „Meine Damen und Herren, liebe Passagiere, in wenigen Minuten startet unser Flugzeug und fliegt von Nürnberg nach Berlin. Bitte anschnallen beim Start.“ Das Flugzeug rollt auf die Startbahn, das Motorengeräusch wird immer lauter. Jetzt spürt Lele, wie die Maschine vom Boden abhebt und an Flughöhe gewinnt. Bald schon hat das Flugzeug die nötige Höhe erreicht und fliegt ganz ruhig und gleichmäßig. Das Mädchen schaut aus dem Fenster. Sie sieht die Häuser von Nürnberg immer kleiner werden, bis sie ganz verschwinden. „Jetzt fliegen wir sogar über den Wolken, sie sehen aus wie Wattebäusche“, denkt Lele. Sie fühlt sich ganz sicher, denn vorne sitzt ja Tatz, ihr Bär, am Steuer und hat alles im Blick. Eine Stewardess bietet den Fluggästen Getränke und Gebäck an. Lele wählt eine Tasse Kakao und ein Glas Tomatensaft. „Als Gebäck nehme ich den ‚Berliner Ballen‘, wenn ich schon mal nach Berlin fliege.“ Eigenartig, nun fängt das Flugzeug an, etwas unruhig hin und her zu schwanken. Der Pilot Tatz meldet sich: „Sehr geehrte Flugpassagiere, seien Sie unbesorgt, das Flugzeug gerät auf dieser Strecke ab und zu in stärkere Windverhältnisse. Mein Co-Pilot und ich haben das Flugzeug gut und sicher im Griff. Es dauert auch nicht mehr lange, bis wir in Berlin landen. Ja, da sind schon die ersten großen Häuser und Kirchen von Berlin, der Alexanderplatz und das Brandenburger Tor. Bitte wieder anschnallen, wir landen in wenigen Minuten.“ Lele spürt wie das Flugzeug an Höhe verliert und schließlich mit den ausgefahrenen Rädern auf der Landebahn aufsetzt und ausrollt. Die Passagiere steigen über eine hohe Treppe aus, die an das Flugzeug herangefahren wird. Nun erscheint auch Tatz lachend und nimmt Lele an die Hand. „Komm, ich zeige dir die Stadt Berlin, aber zuvor stärken wir uns im Hotel ‚Adlon‘, das ist das beste Nobelhotel in ganz Berlin.“ Zuerst wechselt der Bär sein Pilotendress gegen einen schicken und modernen Anzug, und auch das Mädchen bekommt ein wunderschönes Kleid zum Anziehen. Tatz und Lele betreten die Eingangshalle des Hotels und werden gleich an einen Tisch geführt. Der Bär bestellt eine Tasse Kakao für Lele und für sich einen starken Mocca. „Wie gut die Schokolade schmeckt mit ganz viel Sahne obendrauf.“ Nach einem Stadtrundgang geht es wieder heimwärts. Tatz nimmt das Mädchen huckepack auf seinen starken Rücken und trägt es sicher und mit schnellen Schritten wieder nach Hause. Vorsichtig legt er Lele aufs Bett und deckt sie behutsam zu. Nach den aufregenden Erlebnissen schläft das Mädchen tief und fest. Tatz nimmt sich ein Kissen aus der Sofaecke und macht es sich auf seinem Stuhl bequem. Auch er schläft schnell ein und schnarcht wie ein Bär.

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