Leipzig Käthe-Kollwitz-Straße

Leipzig Käthe-Kollwitz-Straße

Frank Gerhard Kowalew


EUR 23,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 74
ISBN: 978-3-99131-807-1
Erscheinungsdatum: 16.03.2023
Der kleine Junge Mo wohnt in der Käthe-Kollwitz-Straße in Leipzig – doch nicht in der, die ihr vielleicht kennt! Er lebt in der Steinzeit! Mit seiner Sippe, seinem weisen Großvater und einem unerwarteten tierischen Freund bestreitet er so manches Abenteuer!
Vor vielen tausend Jahren sah es in Leipzig ganz anders aus.
Es war eine hüglige Landschaft mit vielen großen Bäumen. Es lebten dort etliche Tiere.
Manche von ihnen waren für Menschen sehr gefährlich.
Es gab Mammuts, Bisons, Wollhaarnashörner, Löwen, Schreckenswölfe und noch viel mehr an Tieren, die schon lange ausgestorben sind. Aber manche Arten, wie der Löwe in Afrika oder der Bison in Amerika, haben bis heute überlebt.
Aber das gefährlichste Tier, das damals lebte, war der Säbelzahntiger!
Mit einer Schulterhöhe von 120 Zentimetern und einem Gewicht bis zu 400 Kilogramm war der Säbelzahntiger ein Monstrum. Seine gefährlichen Eckzähne konnten bis zu 28 Zentimeter lang werden.
In der heutigen Käthe-Kollwitz-Straße lebte eine Sippe Steinzeitmenschen in einer großen Höhle.
Dort suchten die Menschen Schutz vor den gefährlichen Raubtieren. Sie verließen die Höhle nur zur Jagd oder zum Beeren- und Holzsammeln.
Aber um zu überleben, mussten die Steinzeitmenschen oft ihre Höhle verlassen. Im Höhleneingang brannte ständig ein Feuer, um die gefährlichen Tiere fernzuhalten.
In der Mitte der Höhle brannte ein zweites Feuer, um Fleisch zu rösten und um alle zu wärmen. Die Steinzeitmenschen verzehrten viel Fleisch. Es gab auch wenig Alternativen.
Pilze und Beeren gab es nur im Sommer bis in den Herbst hinein.
Fleisch von Tieren gab es das ganze Jahr.
Besonders die Winter waren sehr hart und gefährlich. Es gab wenig Deckung und Schutz im Schnee. Der Schnee war oft sehr hoch und die Tiere, die man erbeutet hatte, mussten manchmal über weite Strecken getragen werden.
In der heutigen Käthe-Kollwitz-Straße in Leipzig lebte ein Junge namens Mo.
Mo war ein sehr trauriger Junge. Warum? Das werdet ihr gleich erfahren.
Sein Großvater Fro war das Oberhaupt der Sippe. Er wurde dazu bestimmt, weil er viel Erfahrung hatte und auch viele gute Ideen, die für das Überleben der Sippe entscheidend waren.
Eine seiner Ideen war es, im Sommer große Vorräte an Holz zu sammeln, um es möglichst nicht im Winter zu tun.
Unterm Schnee ist das Holz sehr feucht.
Außerdem lauerten oft Säbelzahntiger und Schreckenswölfe im tiefen Schnee versteckt!
Eine andere Idee, die sein Großvater hatte, war es, Fleischvorräte für den harten Winter zu horten. Oft gab es tagelange Schneestürme und eine Jagd war dann unmöglich.
Das Fleisch wurde getrocknet und dadurch für längere Zeit haltbar gemacht.
Seine Großmutter Ra war vor einem Jahr beim Holzsammeln von einem Säbelzahntiger getötet worden. Nur die Reste von ihrem Rentierfell, das sie immer trug, waren von ihr übrig geblieben.
Mo musste oft an sie denken.
Großmutter konnte immer so schöne Geschichten erzählen. Dabei streichelte sie Mo immer liebevoll durchs Haar. Sie war klug und weise. Man konnte Großmutter alles fragen.
Sie hatte immer eine Antwort. Einmal fragte Mo seine Großmutter: „Großmutter, warum ist es nicht immer Sommer und schön warm? Der Winter ist so kalt und oft müssen wir hungern!“
„Lieber Mo, es ist wie Tag und Nacht. Der Tag ist hell und man kann viele wichtige Dinge tun.
Die Männer gehen auf Jagd, die Frauen und Kinder zerlegen die Beute oder sammeln Holz, Beeren und Pilze. Das ist sehr anstrengend und in der Nacht schlafen wir, unser Körper erholt sich, damit wir am Tage wieder viel Kraft für diese Arbeiten haben. In der Natur ist es nicht anders.
Die Pflanzen fangen im Frühjahr an zu wachsen und zu blühen, bekommen viele Blätter und Früchte bis in den Herbst hinein.
Im Winter ruhen sie dann, um fürs nächste Frühjahr wieder genügend Kraft zu haben, um wieder zu wachsen und zu blühen.“
Warum Mo oft traurig war, hat viele Gründe.
Er vermisste seine Großmutter Ra. Oft kullerten ihm nachts Tränen leise über sein Gesicht.
Wie alle anderen Jungen wünschte sich Mo, ein stolzer, mutiger Jäger zu werden. So wie sein Vater.
Doch ein Bein von Mo war kürzer als das andere. Und weil er dadurch nicht so schnell laufen konnte, durfte er nie mit zur Jagd wie die anderen Jungen in seinem Alter.
Von den anderen Kindern wurde er oft verspottet. Manche nannten ihn Hinke­-
fuß.
Keiner gab sich mit einem Jungen ab, der humpelte und für die Jagd nicht geeignet war.
Bald würde Mo ein Geschwisterchen be­-
kommen.
Darauf freute sich Mo sehr. Endlich würde er jemanden zum Spielen und Herumtollen haben.
Aber es musste erst laufen und sprechen lernen.
Bis dahin verging noch viel Zeit.
Mo mit seinen sieben Jahren musste als einziger Junge mit den Frauen Holz, Pilze und Beeren sammeln.
Die anderen Jungen in seinem Alter trainierten für die Jagd oder behauten Steine für Pfeilspitzen.
Sein Vater Dro war der beste Jäger und führte die Jägergruppe an.
Mo, seine Mutter Tri und sein Großvater waren sehr stolz auf ihn. Mo würde ihn so gern bei der Jagd begleiten.
Die Erwachsenen hatten nie Zeit. Es gab immer viel zu tun.
Großvater war der Einzige, der sich manchmal für Mo Zeit nahm.
Sein Großvater erzählte ihm viel über seine Kindheit, über die Jagd und wie er als junger Mann einen Säbelzahntiger mit seinem Speer getötet hatte.
Heute schläft er auf dessen Fell. Auch sein Großvater war oft sehr traurig. Manchmal sah Mo, wie sein Großvater allein in einer Höhlenecke saß und die Reste von Großmutters Rentierfell in seiner Hand hielt.
„Mo?“ „Ja, Vater.“ „Komm her.“ Dro drückte seinen Sohn und strich ihm übers Haar.
Das machte er immer, wenn er zur Jagd ging. „Pass schön auf deine Mutter auf und sei auf der Hut, wenn du Beeren, Pilze oder Holz sammeln gehst.“ „Ja, Vater.“
Mo ging mit drei Frauen, fünf Mädchen und einem Beschützer Holz sammeln.
Der Beschützer der Gruppe war Gap. Ein sehr guter, erfahrener Jäger.
Bei seiner letzten Jagd war er von einem Bison an der Schulter verletzt worden.
Seine Verletzung war noch nicht ausgeheilt und deshalb übernahm Gap die Beschützerrolle.
Er ging voraus und lauschte in den Wald hinein.
Jedes Geräusch, ein Knistern, ein Schrei eines Vogels konnte Gefahr bedeuten.
Für den langen Winter brauchten sie sehr viel Holz. In der Nähe der Höhle war schon alles Holz weggesammelt und so mussten sie immer tiefer in den Wald.
Das gesammelte Holz wurde der Länge nach sortiert und auf mehrere Stapel gelegt.
Mit geflochtenen Lederstreifen wurde das Holz dann zusammengebunden.
Die Gruppe sammelte immer mehr Holz, als sie tragen konnten.
Waren die Holzstapel hoch genug, brauchten sie es dann später nur noch bündeln und zur Höhle tragen.
Der Beschützer entschied, wann der Stapel hoch genug war und wann es wieder zurück ging.
Sie waren ein ganzes Stück weit entfernt von ihrer Höhle. Hier gab es viele Pilze und Holz im Überfluss. Bald hatten sie jede Menge Holz gestapelt.
Die Frauen waren dabei, größere Bündel für sich selbst und kleinere Bündel für die Kinder zusammenzubinden.
Plötzlich rief Gap: „Halt! Geht vorsichtig und leise zurück! Lasst alles Holz liegen. Ich habe frische Spuren von mehreren Schreckenswölfen entdeckt. Schnell, klettert alle auf die Bäume!“
Gap half den Mädchen, hochzuklettern.
Plötzlich kamen Schreckenswölfe aus allen Richtungen auf sie zu gestürmt.
Gap schrie: „Klettert, so hoch ihr könnt!“
Einen der Wölfe konnte Gap mit seinem Speer außer Gefecht setzen.
Dieser bekam den Speer von Gap in den Hinterlauf. Er jaulte und heulte. Gap sprang nun selbst auf einen Baum und kletterte in die Baumkrone.
Die Wölfe versuchten, an den Baumstämmen hochzuklettern. „Haltet euch gut fest!“, schrie Gap.
„Wir müssen hier warten, bis die Jäger von der Jagd zurückkommen! Hier oben sind wir fürs Erste sicher.“
Die Wölfe schlichen um die Bäume herum. Nach einer Stunde waren alle verschwunden.
„Bleibt, wo ihr seid, keiner verlässt den Baum, bis die Jäger zurück sind.“ Gap wusste, dass die Wölfe in der Nähe nur darauf warteten, das sie die schützenden Bäume verließen.
Zu der Angst gesellten sich noch Hunger und Durst. Alle verhielten sich still auf den Bäumen. Einige der Frauen und Kinder drückten ihre Köpfe fest an den Baum, den sie umklammerten.
Die Anspannung war sehr groß. Plötzlich fing einer der Wölfe vermutlich der Leitwolf an zu jaulen. Alle anderen Wölfe stimmten ein. Gap hatte recht. Die Wölfe lauerten noch ganz in der Nähe. Sie warteten nur darauf, dass sie die Bäume verließen. Wollten die Wölfe erneut angreifen? Bange schauten alle auf Gap. „Habt keine Angst die Jäger werden bald hier sein.“ Dann kehrte wieder Ruhe ein. Gap wusste es musste einen Grund geben warum die Wölfe heulten. Dann endlich vernahmen sie die Rufe der Jäger.

Das könnte ihnen auch gefallen :

Leipzig Käthe-Kollwitz-Straße

Sandra Duft

Das Ferienlager

Buchbewertung:
*Pflichtfelder