Wie war das noch mal - vor Corona

Wie war das noch mal - vor Corona

Eva Gugg


EUR 15,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 118
ISBN: 978-3-99131-117-1
Erscheinungsdatum: 09.12.2021
Ein Elfjähriger bewältigt die Coronakrise mithilfe seiner Erinnerungen an die schönen Erlebnisse mit seinen geliebten Großeltern, durch die er insbesondere auch das unbeschwerte und rustikale Leben auf dem Lande schätzen und lieben lernt
VORWORT
Mein Dank gilt meiner jetzt sechzehnjährigen Enkelin Sarah, die mich durch ihren Fleiß und ihren Eifer in der Schule ermuntert und inspiriert hat, dieses Buch zu schreiben. Mit viel Hingabe und Engagement,
angefangen in der Volksschule, hat sie unlängst die zweite Klasse einer touristischen Fachschule mit herausragenden Zeugnisnoten abgeschlossen. Jetzt ist sie voller Tatendrang und Begeisterung dabei, ihren Traum zu verwirklichen, einmal irgendwo auf der Welt im Management eines Fünfsternehauses oder in der Chefetage in einem anderen Bereich tätig zu sein.
Dies zu erreichen, ist ihr jede Kraftanstrengung wert.
Sie ist ein liebenswertes, sympathisches, wissensdurstiges, regsames Mädchen, das das Skifahren in den heimischen Lecher Bergen, den Strand und das Meer liebt. Für gutes Essen und kulinarische Schlemmereien gibt sie alles.
Danke, liebe Sarah!

WIE WAR DAS NOCH MAL – VOR CORONA?
Wieder einmal saß Markus in seinem Zimmer an seinem PC und erledigte die von seinen Lehrern erhaltenen Aufgaben im Homeschooling.
Markus bemühte sich sehr, ein guter Schüler zu sein, und hatte sich ganz fest vorgenommen, sich seine Träume zu erfüllen.
Außerdem hatte er ja seinem Opa ein Versprechen abgegeben, und wenn er ein Versprechen abgab, dann war ihm das grundsätzlich „heilig“.
Irgendwann, so hoffte er inständig, wie viele andere auch, würde sich das Leben, das durch diese Pandemie aus den Fugen geraten war, wieder etwas normalisieren.
Der wievielte komplette Lockdown war es dieses Mal?
Markus zählte schon lange nicht mehr mit. Das hatte er bereits vor längerer Zeit aufgegeben.
Dieses heimtückische Virus hatte sich schon so oft verändert. Da gab es dieses gemeine englische Virus, das gefährliche südafrikanische Virus, das brasilianische Virus, das japanische Virus und jetzt auch noch eine indische Variante.
Markus musste innerlich lächeln und dachte bei sich selbst, dass es, bis alle Ländernamen durch wären, noch ganz schön lange dauern könnte, bis alles wieder in halbwegs gewohnten und geordneten Bahnen verlaufen würde. Wenn man einmal länger darüber nachdachte … das waren nicht gerade erfreuliche Umstände, unter denen sie da gegenwärtig lebten.
Sich weiter damit zu befassen, schien ihm im Moment nicht der Mühe wert. Zu oft hatte er sich darüber schon mit seinen Eltern, seinen Freunden und auch mit seinen Lehrern auseinandergesetzt und sich endlose, hitzige, jedoch wenig erfolgreiche und zielführende Diskussionen geliefert. In diesem Moment wollte er einfach nur seine Seelenruhe.
Nur eines wusste er bereits zum jetzigen Zeitpunkt, und das ganz bestimmt und mit hundertprozentiger Sicherheit: Er wollte seinen Traum verwirklichen, einmal in einem angesehenen und bedeutenden gastronomischen Fünfsternebetrieb als Direktor beziehungsweise im Management tätig zu sein. Dabei hatte er keine bestimmten Vorstellungen bezüglich des Ortes – einfach irgendwo draußen in der großen, weiten Welt.
Reisen unternehmen, Neues entdecken, Aufgaben meistern, Herausforderungen bewältigen. Ja, das war sein großer, innigster Zukunftswunsch. Um dieses Ziel zu erreichen, um seinen Traum zu verwirklichen und zu leben, dafür würde er alles tun!
Wie gerne dachte er zurück an die Zeit vor Corona.
Zum Beispiel an seinen ersten, nicht unbedingt freiwilligen, jedoch ereignisreichen Aufenthalt bei den Großeltern auf dem Land.
An den ersten aufregenden Angelausflug mit seinem Großvater.
An seine außergewöhnliche Freundschaft mit Ilse.
An den nächtlichen Überfall des listigen, gerissenen Fuchses auf das Hühnerhaus und die darauffolgende dramatische, aufregende Verfolgungsjagd Bastis und was danach geschah.
Das alles lag jetzt schon so weit zurück. Manchmal kam es ihm vor wie eine Ewigkeit.
Markus war noch eine kurze Weile damit beschäftigt, die letzten Fragen der Aufgabenseite in Biologie zu beantworten; den Rest des Tages war er vom Schulunterricht erlöst.
Durch das offene Fenster drangen ein lautes, angriffslustiges Lachen und niveauloses Geschwätz aus dem Hof der Siedlung, in der die Bayers wohnen.
Markus hatte nicht das geringste Interesse, daran teilzunehmen. Es war ihm zuwider, sich aus dem Fenster zu lehnen, um mit den anderen zu diskutieren.
Dort unten hatten sich die Jungs, unter anderem Adrian vom Nebenhaus, mit seinen Freunden Yusuf und Ömer, Sven und Oliver zusammengefunden. Auch einige Mädchen waren dabei, unter anderem Alex und die wirklich attraktive blonde Silke. Sie alle taten lautstark kund, wie wenig Interesse sie am Schulunterricht und somit auch an ihrer Ausbildung hätten.
Markus hatte sich schon vor geraumer Zeit von dieser Gruppe distanziert, was ihm nur gehässiges und hämisches Gewieher einbrachte.
Er lehnte sich, nun doch etwas geschafft von den fünf Stunden Unterricht im distance learning, in seinem bequemen Drehsessel, der ein Weihnachtsgeschenk seines Vaters war, zurück und seine Gedanken schweiften wieder einmal weit ab, zurück in die Zeit, wie es
vor der Pandemie war.
Er konnte sich noch sehr gut an den ersten längeren Aufenthalt bei Oma und Opa Bayer auf dem Land erinnern. Und das war jetzt schon einige Jahre her.

WIE DAS GANZE BEGONNEN HATTE …
Ach ja.
Er musste schmunzeln.
Er hörte noch Mias gellenden Schrei: „Maaaama!!!!
Er hat es schon wieder getan!!“
Ja, damals …
Damals war Mias Zimmer für Markus noch sehr interessant gewesen und alles in diesem in Pink und Rosa gehaltenen Raum zog ihn einfach magisch an.
Trotz ständig auferlegtem Betretungsverbot für ihr Zimmer übten all die Fläschchen mit den bunten Inhalten und die Flakons mit den verschiedensten Düften eine unerklärliche, rätselhafte Anziehungskraft auf ihn aus. All diese „Stifte“, besonders die in den Rottönen, waren für ihn unglaublich faszinierend. Wie durch einen geheimnisvollen Zauber zogen sie ihn immer wieder aufs Neue an und verleiteten ihn dazu, das von der Familie auferlegte Verbot zu ignorieren.
Ach, war das herrlich, damit zu hantieren und alles auszuprobieren! (Auch wenn dies genau das war, was er eigentlich auf keinen Fall tun sollte.)
Man konnte richtig tolle Kunstwerke auf Mias Spiegel zustande bringen, was jedoch bei seiner Schwester gar nicht gut ankam!
Dabei ging auch ab und zu von alldem etwas daneben, auf den Boden oder auf den Hocker mit dem glänzenden, rosafarbenen Bezug. Auch konnte er sich gar nicht mehr daran erinnern, wo die einzelnen Objekte, die er für seine realitätsfernen Kunstwerke verwendete, gestanden hatten.
Sein Schwesterherz bemerkte es sofort – auf den ersten Blick –, wenn sich Markus wieder einmal verbotenerweise an ihrem ach so geliebten Schminktisch zu schaffen gemacht hatte. Komischerweise war Mia
nie erbaut über seine künstlerischen Aktivitäten …
Heute konnte er besser nachvollziehen, warum Mia damals immer so verärgert war. Er wäre auch nicht begeistert, würde sich jemand an seinen Lieblingssachen vergreifen.
Nun, damals … aber diese Zeit gehörte ja jetzt der Vergangenheit an.

WIE ES WEITERGING …
Aufgeschreckt durch das laute Geschrei und Mias hysterisches
Gekreische kam Frau Bayer, Mias und Markus’ Mutter, aufgebracht aus der Küche gerannt.
Mia brauchte gar nichts zu sagen. Sie zeigte nur mit ihrem dunkelrot lackierten Fingernagel in Richtung Markus.
Frau Bayer wusste sofort Bescheid. Ihr finsterer Blick verhieß gar nichts Gutes.
Und schon stand sie in Markus’ Zimmer.
„Ach Maxi“, meinte sie verzagt, „was soll ich nur mit dir machen?“
Damals hatten ihn noch alle Maxi genannt.
Als er etwas älter war, so ungefähr sieben Jahre, hatte er bei dem wöchentlich stattfindenden Familienmeeting alle aufgefordert, dass ab sofort ausnahmslos sein voller Namen ausgesprochen werden sollte.
Seit dieser Zeit war er Markus. Und so sollte es auch bleiben.
Nur eine Person durfte, wie von jeher, Maxi zu ihm sagen, und das war seine Oma.
Da stand nun Mama Bayer in Markus’ Zimmer, sah ihn bekümmert an, schüttelte traurig den Kopf und meinte nur kurz angebunden, dass es so nicht mehr weitergehen könne.
Ja, damals standen die Zeichen wirklich auf Sturm.
Graue, dunkle Wolken zogen am Himmel der sonst so harmonischen Familie Bayer auf.
Markus konnte sich überhaupt nicht vorstellen, was seine Mutter damit meinte, so kann es nicht weitergehen.
Er sollte es jedoch schon bald erfahren.
Im Nachhinein gesehen war der „Schuldspruch“, der dann folgte, das Allerbeste, was ihm passieren konnte.
Der Familienrat, also Mama, Papa und Mia, trat zusammen. Mia war auch dabei, schließlich war sie die „geschädigte Person“.
Mia war ja schon fast erwachsen, denn im kommenden Herbst würde sie sechzehn werden.
Sie hatte für die Ferien einen Job in einer Gärtnerei angenommen. Ihr Traum war, Floristin zu werden.
Ihr schwebte vor, eines Tages einen eigenen kleinen Betrieb zu haben, in dem sie nach ihren eigenen Vorstellungen und gemäß ihrer eigenen Fantasie arbeiten könnte. Kunstvolle Blumengebinde wollte sie kreieren.
Aus der Wohnküche, wo hinter verschlossener Tür die Familienkonferenz stattfand, hörte man anfangs nur Mias hysterisches und lautes Geschrei und Geheul.
Wieder und wieder hörte man ihre beschwörenden Bekundungen, wie bösartig ihr kleiner Bruder doch wäre und dass sie das nicht mehr länger aushalten könnte.
Tränenüberströmt verließ sie wütend das Familienmeeting und verschwand mit lautem Türknallen in ihrem Zimmer.
Man hörte nur noch gedämpfte Stimmen und Gemurmel.
Markus konnte an seinem Lauschposten im Flur überhaupt nichts mehr verstehen.
Frustriert trat er klopfenden Herzens den Rückzug in sein Zimmer an.
Dann plötzlich wurde es ganz still.
Das konnte nichts Gutes bedeuten. Auf einmal überfielen Markus Nervosität und Unbehagen.

DAS URTEIL
Er hörte, wie sich die Tür der Küche langsam öffnete.
Kurz hörte man noch ein leises, gedämpftes Diskutieren.
Dann war es so weit.
Papa, der Verkünder des Urteils, betrat mit ernstem und bedenklichem Gesichtsausdruck Markus’ Zimmer und verkündete mit fester Stimme, dass der Familienrat zu dem endgültigen und unumstößlichen Entschluss gekommen sei, dass Markus noch vor den Ferien zu Oma und Opa aufs Land gehen werde.
Markus’ Vater war fest davon überzeugt, ihm damit etwas Nutzbringendes zu vermitteln.
Das Urteil war verkündet, so hatte man es entschieden und daran gab es nichts zu rütteln.
Markus war über das, wie er meinte, viel zu strenge und außerordentlich grausame Urteil über alle Maßen bestürzt, sprachlos und entsetzt.
Stillschweigend und zähneknirschend saß er auf dem Teppichboden in seinem Zimmer und starrte die in den Farben seines Fußballklubs gestrichene Wand an.
Mit bleischweren Beinen stand er auf und setzte sich auf den Rand seines Bettes. Mutlosigkeit machte sich in ihm breit.
Sein Blick schweifte durch sein kleines, behaglich eingerichtetes Zimmer. Das hier war seine Burg, seine Zufluchtsstätte.
Seine Eltern, besonders Papa, hatten ihm ein wirklich schönes und gemütliches, eigentlich ein vollkommenes eigenes Reich in seinem Zuhause geschaffen. Und nun sollte er fernab jeglicher Zivilisation aufs Land?!
5 Sterne
Wie war das doch mal - vor Corona - 31.03.2022
Barbara

Eine gelungene Geschichte, die vor allem die Generation der Großeltern in glückliche Erinnerungen schweifen lässt. Das Buch ist leicht zu lesen und macht einfach Freude für Jung und Alt.

5 Sterne
Sehr gelungene Geschichte für Jung und Alt  - 18.03.2022
Cornelia

Eine äußerst gelungene Geschichte die sowohl Kinder und Jugendliche , als auch Erwachsene anspricht. Die Erzählperspektive ist gut überlegt und lädt dazu ein, in den eigenen Erinnerungen zu schwelgen. Die im Buch beschriebenen Ferien, ließen mich sogar etwas wehmütig werden, da sie mich so sehr an meine eigene Kinderheit erinnern. Die tierischen Nebendarsteller gestalten die Geschichte besonders auflockernd und lebendig! Ich würde dieses Buch auf jeden Fall weiterempfehlen. Ein großes Lob an die Autorin!!

5 Sterne
Wunderbare Geschichten - 10.02.2022
Elisabeth Eder

Geschcihten die das Leben schreibt, leichter Lesefluss, tolles Buch für Kinder und Erwachsene.

5 Sterne
Wie war das doch mal - vor Corona - 31.12.2021
Christl Besl

Ich habe das Buch mit großem Interesse gelesen und war begeistert. Eine Lektüre für 8 bis 10 Jahre, sehr flüssig und gut verständlich geschrieben, kurze Kapitel, die den Leser nicht überfordern, aber doch so spannend sind, dass man nicht mehr aufhören kann.Die Erinnerungen lassen Erwachsene zurück an ihre Kinderheit denken und sind für diese auch eine unterhaltsame Lektüre.Das Buch kann unbedingt weiter empfohlen werden. Es ist wichtig, Kinder für das Lesen zu begeistern und dieses Buch hat alle Voraussetzungen dafür.Glückwunsch an die Autorin.

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