Toby
EUR 26,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 84
ISBN: 978-3-99185-161-5
Erscheinungsdatum: 26.05.2026
Ein schneeweißes Fohlen, ausgestoßen von seiner Herde, träumt von einem Ort, an dem es dazugehören darf. Gemeinsam mit dem Hund Niklas begibt sich Toby auf eine zauberhafte Reise voller Mut, Freundschaft und Hoffnung.
„Oh mein Gott! Wie konnte mir das nur passieren?“, schrie die schönste aller Stuten, als sie ihr Neugeborenes sah.
Der ohrenbetäubende Schrei zerriss die Stille und die Ruhe des Waldes und kündigte ein großes Unglück im Leben der Herde an. Die Pferde, die ungeduldig um die junge Mutter herumstanden, rannten vor Schreck auf und davon und wiederholten fassungslos:
„Oh mein Gott!, oh mein Gott!“
All dies geschah inmitten eines wunderschönen Laubwalds, in dem ein berühmtes Gestüt lag. Ein kleines Fohlen wurde erwartet! Spannung lag in der Luft, es war ein Tag voller Freuden. Alle zählten die Minuten, bis das Junge geboren werden sollte. Alle malten sich aus, wie hübsch es aussehen würde: schwarz, schlank und mit langen Beinen. Später würde es womöglich den Ruhm der schwarzen Herde vermehren, galt seine Mutter doch als die schönste und begabteste Stute überhaupt.
So groß die Freude über die Ankunft des neuen „Pferdebürgers“ war, so groß waren jetzt das Entsetzen und die Enttäuschung über das Neugeborene. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel kam die Ernüchterung. Die Pferde konnten es nicht fassen. „Was für eine Strafe, was für ein Unglück!“, murmelten einige vor sich hin. Keines von ihnen hatte jemals zuvor etwas so Scheußliches wie dieses Fohlen gesehen. Sein Fell war weiß und dünn, seine rosa Haut schien mit den deutlich sichtbaren Adern durch das matte Fell hindurch, sodass das Pferdekind rosarot wirkte. Seine langen Wimpern erinnerten an schmutzigen Schnee und seine Augen leuchteten rubinrot. Das Pferdchen war unbeschreiblich hässlich, fast unwirklich und mit nichts zu vergleichen.
Ratlos und verzweifelt riefen die Pferde den Tierarzt Doktor Winter zu Hilfe. Sie hofften, er könne am Aussehen des Pferdchens etwas ändern, denn so konnte es unmöglich in der Herde bleiben. Es musste etwas geschehen!
Der Doktor war sehr beliebt bei den Tieren und wurde immer voll Freude erwartet. Manche rieben ihr Gesicht an ihm als Zeichen ihrer Liebe. Er streichelte sie dann am Hals und hatte für jedes stets ein kleines Geschenk dabei. Diesmal war es anders und sie rannten aufgeregt um ihn herum. Sie zeigten weder Interesse an Geschenken noch an Liebkosungen. Doktor Winter hatte die Herde noch nie so unruhig, ja geradezu panisch erlebt.
Der Doktor untersuchte das Fohlen und stellte fest, dass es völlig gesund war:
„Es fehlt ihm lediglich der Schutz vor der Sonne auf seiner Haut. Es ist ein Albino. Es darf tagsüber nicht ins Freie hinaus. So etwas gibt es bei Tieren und auch bei Menschen. Es kommt nur sehr selten vor und es gibt auch kein Mittel dagegen. Leider!“
Gerade weil es so grundverschieden von den anderen Tierkindern war, denen er bisher auf die Welt geholfen oder die er behandelt hatte, wusste Doktor Winter, wie schwer es das Pferdchen haben würde. Er nahm es in die Arme, streichelte seine zarte, helle Haut und flüsterte ihm ins Ohr:
„Mein Kleines, ich wünsche dir viel Glück in deinem Leben. Du wirst es brauchen.“ Das Pferdekind schmiegte sich an den Körper des Arztes und leckte ihm das Gesicht ab.
Seine Mutter dagegen schämte sich seiner und dachte: „Was soll ich bloß mit einem schneeweißen, schrecklich hässlichen Nachwuchs anfangen? Wie soll es hier überleben? Es kann nicht einmal ans Tageslicht! Ein „Albino“, wie der Doktor es genannt hatte.“
Sie konnte keine Liebe für ihr Fohlen empfinden.
Ein Teil der Herde empfand großes Mitgefühl für das Fohlen, aber es gab auch Pferde, die es verspotteten oder sich gar über das Unglück freuten. Die Stute, die bei Turnieren immer nur den zweiten Preis gewonnen hatte und deshalb auf die Mutter des Neugeborenen besonders neidisch war, lästerte böse:
„Keine von uns hat je so eine Schande über die schwarze Herde gebracht.“ Um die anderen Pferde gegen die Wunderhübsche und ihren kleinen Sohn aufzubringen, wieherte sie ihnen eindringlich zu:
„Nehmt das weiße Fohlen unter keinen Umständen an. Das Fohlen ist ein schlechtes Zeichen. Es bringt uns nur Unglück! Das würde das Ende der ruhmreichen schwarzen Herde bedeuten. Das Fohlen muss weg!“
Sie schnaubte und spottete so lange, bis auch die anderen das kleine Pferdchen ausschlossen und ihm sogar das Futter wegnahmen.
Keiner kümmerte sich um das Pferdekind. Wenn es versuchte, sich der Herde zu nähern, wurde es mit Hufen getreten und gequält. Also ging das Pferdchen ihr lieber aus dem Weg. Meist lag es im Schatten eines Baumes und träumte davon, so schwarz wie die anderen und ein geliebtes Mitglied seiner Familie und der Herde zu sein! Noch dazu wünschte es sich einen weißen Stern auf der Stirn.
Eines Tages verschwand die Sonne plötzlich am helllichten Tag. Der Tag wurde zur Nacht. Dass eine dicke Wolke sich vor die Sonne schleichen konnte, das kannte das Pferdchen. Es wusste auch, dass sie wieder strahlen würde, sobald der Wind die Wolke vertrieben hatte. Jetzt war das anders.
Die älteren Pferde hatten schon einmal davon gehört. „Der Mond küsst wieder die Sonne“, lachte das eine Pferd. „Alter Hut“, erwiderte das andere. Sie warteten geduldig, bis dieses Naturschauspiel, die Sonnenfinsternis, vorüber war.
Das Fohlen dagegen hatte so etwas noch nie erlebt. „Wenn es für immer Nacht bleibt, wird mein Leben noch bitterer sein als bisher“, dachte es. Und als es sein Köpfchen auf seine rosaroten Hufe legte, fing es bitterlich an zu weinen. Es fürchtete sich so sehr in der Dunkelheit.
Unweit vom Gestüt weidete eine Schafherde – bewacht von einem großen Hund. Dieser hatte alle ihm anvertrauten Tiere zu Beginn der Sonnenfinsternis in den Stall getrieben. Als er sie in Sicherheit wusste, bellte er den Mond an: „Beeile dich doch!“, und legte sich zum Faulenzen hin.
Der Hund war schon eingedöst, als er in der Nähe lautes Weinen vernahm. Er hob seinen Kopf und drehte sich mit gespitzten Ohren in die Richtung, aus der die Laute kamen. „Wer weint denn hier so herzzerreißend?“, fragte er irritiert. Er sprang auf und es dauerte nicht lange, bis er das Pferdchen fand.
„Warum weinst du?“
Das Fohlen antwortete nicht. Der Hund legte sich zu ihm und fragte weiter:
„Kann ich dir helfen?“
„Mir kann niemand helfen.“
„So schlimm kann es doch nicht sein!“
„Doch, niemand liebt mich. Niemand will mich haben. Nicht einmal meine Mutter“, schluchzte es und fuhr fort:
„Ich wünsche mir ganz große Flügel, um weit weg an einen Ort, wo die anderen so sind wie ich, fliegen zu können.“
„Das verstehe ich nicht. Warum?“
„Schau mich doch an!“
„Wie soll ich dich in der Dunkelheit anschauen?“
„Ich bin schneeweiß. Meine Augen sind rot. Sie sagen, ich gehöre nicht zu der schwarzen Herde. Sie sagen, ich habe meiner Familie Schande gebracht. Unser Tierarzt nannte mich einen Albino.“
„Aber warum ist das denn so schlimm?“, fragte der Hund.
„Ich habe keinen Schutz vor der Sonne“, erklärte das Fohlen. „Tagsüber kann ich mich nur im Schatten aufhalten. Ich darf nicht in die Sonne! Ich darf nicht umherspringen wie die anderen!“ Und schon kullerten die Tränen an seinem Gesichtchen herunter. „Niemand mag mich.“
„Doch, ich mag dich. Aber sag mal, wie wärst du denn gerne?“, fragte der Hund neugierig weiter.
…
Der ohrenbetäubende Schrei zerriss die Stille und die Ruhe des Waldes und kündigte ein großes Unglück im Leben der Herde an. Die Pferde, die ungeduldig um die junge Mutter herumstanden, rannten vor Schreck auf und davon und wiederholten fassungslos:
„Oh mein Gott!, oh mein Gott!“
All dies geschah inmitten eines wunderschönen Laubwalds, in dem ein berühmtes Gestüt lag. Ein kleines Fohlen wurde erwartet! Spannung lag in der Luft, es war ein Tag voller Freuden. Alle zählten die Minuten, bis das Junge geboren werden sollte. Alle malten sich aus, wie hübsch es aussehen würde: schwarz, schlank und mit langen Beinen. Später würde es womöglich den Ruhm der schwarzen Herde vermehren, galt seine Mutter doch als die schönste und begabteste Stute überhaupt.
So groß die Freude über die Ankunft des neuen „Pferdebürgers“ war, so groß waren jetzt das Entsetzen und die Enttäuschung über das Neugeborene. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel kam die Ernüchterung. Die Pferde konnten es nicht fassen. „Was für eine Strafe, was für ein Unglück!“, murmelten einige vor sich hin. Keines von ihnen hatte jemals zuvor etwas so Scheußliches wie dieses Fohlen gesehen. Sein Fell war weiß und dünn, seine rosa Haut schien mit den deutlich sichtbaren Adern durch das matte Fell hindurch, sodass das Pferdekind rosarot wirkte. Seine langen Wimpern erinnerten an schmutzigen Schnee und seine Augen leuchteten rubinrot. Das Pferdchen war unbeschreiblich hässlich, fast unwirklich und mit nichts zu vergleichen.
Ratlos und verzweifelt riefen die Pferde den Tierarzt Doktor Winter zu Hilfe. Sie hofften, er könne am Aussehen des Pferdchens etwas ändern, denn so konnte es unmöglich in der Herde bleiben. Es musste etwas geschehen!
Der Doktor war sehr beliebt bei den Tieren und wurde immer voll Freude erwartet. Manche rieben ihr Gesicht an ihm als Zeichen ihrer Liebe. Er streichelte sie dann am Hals und hatte für jedes stets ein kleines Geschenk dabei. Diesmal war es anders und sie rannten aufgeregt um ihn herum. Sie zeigten weder Interesse an Geschenken noch an Liebkosungen. Doktor Winter hatte die Herde noch nie so unruhig, ja geradezu panisch erlebt.
Der Doktor untersuchte das Fohlen und stellte fest, dass es völlig gesund war:
„Es fehlt ihm lediglich der Schutz vor der Sonne auf seiner Haut. Es ist ein Albino. Es darf tagsüber nicht ins Freie hinaus. So etwas gibt es bei Tieren und auch bei Menschen. Es kommt nur sehr selten vor und es gibt auch kein Mittel dagegen. Leider!“
Gerade weil es so grundverschieden von den anderen Tierkindern war, denen er bisher auf die Welt geholfen oder die er behandelt hatte, wusste Doktor Winter, wie schwer es das Pferdchen haben würde. Er nahm es in die Arme, streichelte seine zarte, helle Haut und flüsterte ihm ins Ohr:
„Mein Kleines, ich wünsche dir viel Glück in deinem Leben. Du wirst es brauchen.“ Das Pferdekind schmiegte sich an den Körper des Arztes und leckte ihm das Gesicht ab.
Seine Mutter dagegen schämte sich seiner und dachte: „Was soll ich bloß mit einem schneeweißen, schrecklich hässlichen Nachwuchs anfangen? Wie soll es hier überleben? Es kann nicht einmal ans Tageslicht! Ein „Albino“, wie der Doktor es genannt hatte.“
Sie konnte keine Liebe für ihr Fohlen empfinden.
Ein Teil der Herde empfand großes Mitgefühl für das Fohlen, aber es gab auch Pferde, die es verspotteten oder sich gar über das Unglück freuten. Die Stute, die bei Turnieren immer nur den zweiten Preis gewonnen hatte und deshalb auf die Mutter des Neugeborenen besonders neidisch war, lästerte böse:
„Keine von uns hat je so eine Schande über die schwarze Herde gebracht.“ Um die anderen Pferde gegen die Wunderhübsche und ihren kleinen Sohn aufzubringen, wieherte sie ihnen eindringlich zu:
„Nehmt das weiße Fohlen unter keinen Umständen an. Das Fohlen ist ein schlechtes Zeichen. Es bringt uns nur Unglück! Das würde das Ende der ruhmreichen schwarzen Herde bedeuten. Das Fohlen muss weg!“
Sie schnaubte und spottete so lange, bis auch die anderen das kleine Pferdchen ausschlossen und ihm sogar das Futter wegnahmen.
Keiner kümmerte sich um das Pferdekind. Wenn es versuchte, sich der Herde zu nähern, wurde es mit Hufen getreten und gequält. Also ging das Pferdchen ihr lieber aus dem Weg. Meist lag es im Schatten eines Baumes und träumte davon, so schwarz wie die anderen und ein geliebtes Mitglied seiner Familie und der Herde zu sein! Noch dazu wünschte es sich einen weißen Stern auf der Stirn.
Eines Tages verschwand die Sonne plötzlich am helllichten Tag. Der Tag wurde zur Nacht. Dass eine dicke Wolke sich vor die Sonne schleichen konnte, das kannte das Pferdchen. Es wusste auch, dass sie wieder strahlen würde, sobald der Wind die Wolke vertrieben hatte. Jetzt war das anders.
Die älteren Pferde hatten schon einmal davon gehört. „Der Mond küsst wieder die Sonne“, lachte das eine Pferd. „Alter Hut“, erwiderte das andere. Sie warteten geduldig, bis dieses Naturschauspiel, die Sonnenfinsternis, vorüber war.
Das Fohlen dagegen hatte so etwas noch nie erlebt. „Wenn es für immer Nacht bleibt, wird mein Leben noch bitterer sein als bisher“, dachte es. Und als es sein Köpfchen auf seine rosaroten Hufe legte, fing es bitterlich an zu weinen. Es fürchtete sich so sehr in der Dunkelheit.
Unweit vom Gestüt weidete eine Schafherde – bewacht von einem großen Hund. Dieser hatte alle ihm anvertrauten Tiere zu Beginn der Sonnenfinsternis in den Stall getrieben. Als er sie in Sicherheit wusste, bellte er den Mond an: „Beeile dich doch!“, und legte sich zum Faulenzen hin.
Der Hund war schon eingedöst, als er in der Nähe lautes Weinen vernahm. Er hob seinen Kopf und drehte sich mit gespitzten Ohren in die Richtung, aus der die Laute kamen. „Wer weint denn hier so herzzerreißend?“, fragte er irritiert. Er sprang auf und es dauerte nicht lange, bis er das Pferdchen fand.
„Warum weinst du?“
Das Fohlen antwortete nicht. Der Hund legte sich zu ihm und fragte weiter:
„Kann ich dir helfen?“
„Mir kann niemand helfen.“
„So schlimm kann es doch nicht sein!“
„Doch, niemand liebt mich. Niemand will mich haben. Nicht einmal meine Mutter“, schluchzte es und fuhr fort:
„Ich wünsche mir ganz große Flügel, um weit weg an einen Ort, wo die anderen so sind wie ich, fliegen zu können.“
„Das verstehe ich nicht. Warum?“
„Schau mich doch an!“
„Wie soll ich dich in der Dunkelheit anschauen?“
„Ich bin schneeweiß. Meine Augen sind rot. Sie sagen, ich gehöre nicht zu der schwarzen Herde. Sie sagen, ich habe meiner Familie Schande gebracht. Unser Tierarzt nannte mich einen Albino.“
„Aber warum ist das denn so schlimm?“, fragte der Hund.
„Ich habe keinen Schutz vor der Sonne“, erklärte das Fohlen. „Tagsüber kann ich mich nur im Schatten aufhalten. Ich darf nicht in die Sonne! Ich darf nicht umherspringen wie die anderen!“ Und schon kullerten die Tränen an seinem Gesichtchen herunter. „Niemand mag mich.“
„Doch, ich mag dich. Aber sag mal, wie wärst du denn gerne?“, fragte der Hund neugierig weiter.
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