Cover: Seltsame Urtiere - Die grünen Meeresschildkröten

Seltsame Urtiere - Die grünen Meeresschildkröten
Ein erzählendes Sachbuch über Leben und Verhalten dieser Tiere - bereichert mit alten und neuen Geschichten


EUR 24,90

Format: 18 x 27 cm
Seitenanzahl: 112
ISBN: 978-3-99146-903-2
Erscheinungsdatum: 27.08.2024
Schildkröten zählen zu den bekanntesten Reptilien der Welt, dennoch haben sie etwas Mysteriöses an sich. 'Seltsame Urtiere' nimmt die Leser mit auf eine Reise durch die Weltmeere und wirft so Licht auf das Leben dieser außergewöhnlichen Lebewesen.
Vorwort


Tortuga – das spanische Wort für „Schildkröte“ – ist in diesem erzählenden Sachbuch eine Grüne Meeresschildkröte, die zu jenen urzeitlichen Tieren gehört, über die wir im Allgemeinen recht wenig wissen.

Der Anfang beschreibt die Evolution dieser Tiere im Erdmittelalter, ihre ungewöhnliche Frühform und ihre weitere Entwicklung vom Land- zum Meerestier vor etwa 110 Millionen Jahren. Nach dieser Sachebene kann der Leser dann auf einer erzählerischen Ebene Tortuga auf ihren abenteuerlichen Wanderzügen durch die Meere begleiten und mit ihr exemplarisch viel Wissenswertes über die Art der Grünen Meeresschildkröten erfahren.

So ist das Buch ein Umweltbeitrag, der z. B. berichtet, wie Tortuga – gleich allen Grünen Meeresschildkröten – als Lungenatmer am Beginn ihres langen Lebens ihrem Ei-Gelege am Sandstrand entschlüpft und fluchtartig dem nahen Meer zustrebt, um ihr weiteres Leben dort zu verbringen. Man kann ihr durch die unendlichen Wasserwelten folgen und erfährt Wissenswertes über ihren Körperbau, ihr Leben, Aussehen und Verhalten, über ihre besonderen Fähigkeiten, ihre Sinnesfunktionen, Atmung und Ernährung; ebenso über Gefahren und lebensbedrohende Umweltschäden. Schließlich kommen auch ihr unglaublicher Orientierungssinn und überraschende Begegnungen mit anderen Meeresbewohnern zu Worte, bis hin zur Befruchtung, nach der sie zielstrebig selbst über tausend Kilometer und mehr wieder ihrem Heimatstrand zustrebt, um am Ort der eigenen Geburt nun ihrerseits ein Nistgelege zu graben, dort hinein ihre Eier zu legen und danach sorgfältig alles mit wärmendem Sand zu bedecken.

Der Text liest sich wie eine Erzählung; die Bilder illustrieren das Geschehen oder veranschaulichen die Informationen genauer.

Zwischen Großkapiteln stehen Mythen, Märchen, Berichte nach alten Vorlagen und Legenden über Schildkröten, denn zu allen Zeiten und unter vielen Völkern wurden den Schildkröten ganz besondere Kräfte zugesprochen. Wegen ihrer Länge sind diese Geschichten im entsprechenden Originalton gestrafft nacherzählt.

Das Buch ist für Schüler ab etwa 10 Jahren und für Erwachsene geeignet – zum Lesen oder Vorlesen oder Weitererzählen.




Seltsame Urtiere – Die Grünen Meeresschildkröten

Ein erzählendes Sachbuch über Leben und Verhalten dieser Tiere, bereichert mit alten und neuen Geschichten




Vor einer langen, langen Zeit …


I Einige Sachinformationen über Meeresschildkröten


Vor Urzeiten

genauer gesagt: vor über 240 Millionen Jahren – da entwickelten sich bereits Frühformen, also Vorläufer der eierlegenden Ur-Schildkröten. Schildkröten als Reptilien erschienen im Laufe der Jahrmillionen in vielen Arten, da sie sich ihrer Umgebung anpassten: zwar nicht an kalte Länder, aber an Trockengebiete, Wüsten, Moore oder Seen, an tropische, subtropische oder gemäßigte Zonen. Dort leben sie auch heute noch als Land-, Wasser-, Fluss-, Sumpf- oder Wüstenschildkröten. Es gibt Riesenschildkröten, Weichschildkröten, Schlangen- und Wendehalsschildkröten, Lederschildkröten und viele Arten mehr … Doch zurück zu den Anfängen:




Was war das für eine ferne Zeit, in der Schildkröten begannen, die Erde zu bevölkern?


Man weiß von einer unendlich langen Urzeit der Erde, in der sich nach und nach das Leben entwickelte. Auch erforschte man, dass sich schon vor etwa 380 Millionen Jahren in den Gliedmaßen von manchen im Wasser lebenden Flossentieren Knochen ausbildeten, aus denen später die Arme und Beine der vierbeinigen Landtiere entstanden. Danach begann eine Zeit, die man das Erdmittelalter nennt. Diese Zeitspanne wird in drei Abschnitte unterteilt, die man als Trias, Jura und Kreide bezeichnet. In unserer Umwelt begegnet man in der Landschaft und anhand von Fossilien vielen Spuren aus jener Zeit. Gemeint sind beispielsweise die Berge mit Kalksteinschichten, in denen man Fossilien von Fischen, Ammoniten, Belemniten, Muscheln, aber auch Urvögeln, Sauriern und allerlei Pflanzen findet.

In der Trias (im Erdmittelalter, vor etwa 252 bis 201 Millionen Jahren) gab es im Wasser zum Beispiel Quallen, Muscheln, Krebse, Fische, Korallen, ebenso Algen und andere Wasserpflanzen. Auch Meeresechsen, Scheinkrokodile und Vorläufer von Flugsauriern, ersten Dinosauriern und Fischsauriern lebten bereits. Auf dem Land gediehen neben frühen Formen von Schlangen und Echsen, Tausendfüßlern und Skorpionen auch Pflanzen wie Schachtelhalme, Farne, Farnpalmen, Bärlappgewächse, Blattpflanzen und Bäume wie Ginkgo und Kiefern.

Und: Eine Art Urschildkröte tauchte auf.


Im Jahr 2008 fand man in China die Fossilien der bis dahin ältesten Ur-Schildkröte der Welt mit einem flachen Panzer, weshalb sie den Kopf noch nicht einziehen konnte. Später gab es auch entsprechende Funde in Thailand und Grönland. Sie hatte einen stachelbewehrten Hals und auch der Schwanz war mit Dornen besetzt: wohl als Waffe. Ihr Name lautet Proganochelys (das bedeutet: Vorher-Schildkröte, weil sie eine Vorgängerin der Schildkröten ist). Dieses ausgestorbene Landtier hat vor etwa 220 Millionen Jahren gelebt.




Doch wie war diese seltsame Umwandlung vom Reptil zu einem Tier mit Rücken- und Bauchpanzer entstanden?


Vor einigen Jahren, zwischen 2008 und 2011, gab es in Baden-Württemberg eine Sensation: Man fand das sogenannte „missing link“, also ein bis dahin fehlendes Zwischenglied zwischen den aus der Frühzeit bekannten Reptilien und dem gepanzerten Tier. Dieser Fossilienfund im ehemaligen Vellberger See in Süddeutschland war nun sogar 240 Millionen Jahre alt, weshalb man diese Urschildkröte Pappochelys rosinae nannte. Pappo (griechisch) bedeutet: Großvater, der Name lautet also:

Großvater- oder Opa-Schildkröte.


Dieses ebenfalls längst ausgestorbene Tier sah wie eine geschuppte Eidechse aus und maß samt dem langen Schwanz etwa 30 cm (s.voriges Bild). Als spannend erwies sich nun aber: Die typischen Merkmale einer Schildkröte lagen bereits unter der Haut und im Skelett dieses Urtieres verborgen, denn: Die Rippen hatten sich verbreitert und bildeten zusammen mit der Wirbelsäule die Urform eines Rückenpanzers. Die Bauchrippen waren verdickt, gegabelt und sollten später einmal den Bauchpanzer bilden. Stabförmige Schulterblätter verbanden innerhalb des Rippenkorbes den Rücken- und Bauchpanzer, und eine Verbindung vom Becken zum Bauchpanzer und zu den Hinterbeinen sorgte zusätzlich für Stabilität. So konnte man erkennen: Der Schildkrötenpanzer ist keine extra Hülle, sondern mit dem Körper verwachsen; er macht später immerhin etwa 30 % des gesamten Schildkrötengewichts aus!
Der Panzer selbst ist unter den Wirbeltieren eine einmalige Entwicklung. Pappochelys hatte (noch) Zähne. Der Schädelbau mit seinen kräftigen Knochen ließ die Wissenschaftler nun vermuten, dass die Schildkröten mit der Linie der Reptilien, Eidechsenarten und frühen Saurier verwandt sind.

Also: Außen noch eine Art Eidechse, innen schon fast eine Schildkröte!




Ein Blick zurück in die graue Vorzeit


Es gab in der Erdgeschichte mehrere Male weltweite Katastrophen, die fast das ganze Leben auslöschten. Aber jene Wesen, die versteckt überlebt hatten, entwickelten sich danach je nach ihrer Art in 3 bis 15 Millionen Jahren doch wieder neu und weiter. Die Evolution (die Entwicklung der Lebewesen) ist also sehr schöpferisch und lebensstark.
Ursache der Katastrophen waren zum Beispiel gigantische Meteoriteneinschläge oder Vulkanausbrüche mit saurem Regen, die die Gewässer übersäuerten; zudem verringerte sich der Sauerstoff. Und wegen der Aschewolken verfinsterte sich die Erde, da das Sonnenlicht nicht durchdringen konnte; oder es gab gigantische Erdbeben, Eiszeiten und tödliche Hitzewellen. Eine solche Katastrophe ereignete sich am Ende des Erdaltertums, im sogenannten Perm, (Dauer von Perm: 300 bis 252 Millionen Jahre). Danach war fast alles Leben ausgelöscht, doch aus den Überlebenden entwickelten sich jene Wesen des Erdmittelalters, die für die Trias erwähnt wurden, so auch die Urschildkröte Pappochelys und ihre Nachkommen.

Aber: Auch die Trias endete in einem weltweiten Massensterben, bei dem über 80 % aller Lebensformen ausstarben. Im folgenden Erdzeitalter des Jura (Dauer: 201 bis 145 Millionen Jahre) und der Kreide (145 bis 66 Millionen Jahre) belebten erneut Wesen die Erde, die sich angepasst hatten. Dazu zählten nun auch die riesigen Dinosaurier und andere Giganten. Nach einer weiteren weltweiten Katastrophe begann die Erdneuzeit (vor 66 Millionen Jahren bis heute), in der sich kleinere Sauriernachfahren, neue Tierarten, Vögel, Säugetiere und die ebenfalls überlebenden Schildkrötenarten weiterentwickelten. Letztere zeigen bis heute, wie perfekt sie sich an ihre Umwelt anpassen können.

Im Jura (vor etwa 201 bis 145 Millionen Jahren) war die Welt schon reich bevölkert: Mit Tieren und Pflanzen wie bereits in der Trias, mit Fischen, Ammoniten, Belemniten und Seelilien, mit Libellen, verschiedenen Dinosaurierarten und Urvögeln, mit ersten Säugetieren und nun auch mit Nadelgehölzen und Mammutbäumen.

In dieser Zeit gab es bereits Schildkröten mit einem richtigen Panzer, in den sie hineinkriechen konnten. Auf dem Bild sieht man, wie eine Schildkröte gerade dabei ist, sich in ihrem schützenden Panzer zu verkriechen.

In der Kreide (etwa von 145 bis 66 Millionen Jahren) entwickelten sich weitere Tier- und Pflanzenarten. Riesige Saurier und Reptilien bevölkerten nun die Erde und verschiedene Säugetiere konnten sich durchsetzen. Blütenpflanzen machten die Welt bunter und auch Laubbäume wie Eiche, Ahorn oder Walnuss gediehen.

Und: Nun gab es viele verschiedenartige Schildkröten, auch Riesenschildkröten. Sie vermehrten sich auf der ganzen Erde. Noch heute kann man auf den Seychellen-Inseln und auf den Galapagos-Inseln Riesenschildkröten beobachten.

Schildkröten können unterschiedlich alt werden: Kleinere Landschildkröten erreichen etwa 10 Jahre, andere 40 oder 50 Jahre, und von Riesenschildkröten weiß man sogar ein Alter von bis zu gut 150 Jahren oder mehr.




Zurück in die Urzeit – eine kleine Erdgeschichte


Pangäa: Im Zeitalter der Trias sah die Erde ganz anders aus. Es gab nur einen riesigen Urkontinent namens Pangäa. Die übrige Erde war von einem gewaltigen Meer bedeckt. Doch auf Pangäa wuchsen bereits Pflanzen und lebten viele Tiere, die eben für das Erdmittelalter erwähnt wurden.

Die Schildkröten lebten noch an Land und in Binnengewässern. Sie entwickelten jenen Körperbau, der sich bis heute kaum verändert hat: Wie erwähnt, wuchsen ihre Rippen samt der Wirbelsäule mit deren Wirbelbögen an Rücken und Bauch zu einem Knochenpanzer zusammen, der wie eine schützende Kapsel funktioniert. An den Körperseiten verbinden sich der Rücken- und Bauchpanzer. Diese Stellen rechts und links nennt man Brücke.
Öffnungen hat die Kapsel für den Hals mitsamt den Vorderbeinen und ebenso hinter der Brücke für die Hinterbeine und den Schwanz.

Die Vorderbeine enden eigentlich mit fünf Fingern, die Hinterbeine mit fünf Zehen, nur erkennt man sie kaum mehr, denn sie sind mit Krallen bewehrt und die fünfte Zehe an den Hinterbeinen ist etwas höhergestellt. Mit ihren stämmigen Beinen bewegen sich Schildkröten schiebend langsam vorwärts.
Dieser einmalige Körperbau war bei den Schildkröten damals bereits so entwickelt, wie wir ihn heute kennen, aber da begann sich die Erde auf einmal zu verändern: Der Urkontinent Pangäa brach langsam auf und nahm dabei auch die Schildkröten auf eine unendliche Reise mit.




Die Kontinentalverschiebung


Diese Veränderung geschah in der Zeit des späten Jura und der Kreidezeit ab etwa 150 Millionen Jahren und danach. Riesige Landmassen lösten sich langsam vom Urkontinent ab, drifteten auseinander und bildeten neue Kontinente: Nord- und Südamerika, Asien mit Europa, später dann Indien, das von Afrika aus in den asiatischen Kontinent stieß, außerdem Grönland als Rieseninsel, Australien und die Antarktis.
Nur Afrika blieb als Rest des Urkontinents „stehen“.
Zwischen den Kontinenten entstanden riesige Meere: der Atlantik, der Pazifik, der Indische Ozean und die Nord- und Südpolarmeere. Das Ergebnis ist unsere heutige Erde mit ihren Erdteilen, Meeren, Inseln, Gebirgen und Flüssen. Das alles dauerte Abermillionen von Jahren, und auch heute noch bewegen sich die Kontinente weiter; wir erleben das beispielsweise an der Wirkung von Vulkanen, Erdbeben, Veränderungen der Küstenlinien und an Erdspalten, die sich öffnen und ausdehnen.
Mit all diesen Kontinenten verteilten sich auch die Tierarten über die Erde. Sie entwickelten sich zu eigenen, zweckmäßigen Gestalten, je nachdem, ob sie in offener Landschaft, im Wasser, in der Luft, im Gebirge oder in Höhlen, in Höhen oder Tiefen, in Kälte oder Wärme oder in abgeschiedenen Nischen lebten und noch leben.
Vor 60 Millionen Jahren gab es riesige Landschildkröten in Europa, Indien und Amerika. Sie wogen über eine Tonne. Mit dem Aufkommen der Säugetiere allerdings verschwanden diese Riesenschildkröten in den meisten Ländern, da ihre Eier und Jungen gefressen wurden. Nur auf einsamen Inseln ohne Säugetiere hielten sich Riesenformen, z. B. auf den Galapagos – Inseln, den Seychellen und auf den Maskarenen im Indischen Ozean. Diese Urtiere sind inzwischen streng geschützt.
...
4 Sterne
Seltsame Urtiere - Die grünen Meeresschildkröten - 12.01.2025
Alois Gohm, Bermatingen

Wie bereits an anderer Stelle ausgeführt, habe ich das genannte Buch von Frau Helga Zitzlsperger zu Weihnachten 2024 als Geschenk erhalten.Vorweg gesagt: Ich bin ein Verwaltungsmensch und politisch Interessierter, kein Biologe, auch kein Lehrer und auch nicht mehr jung (77 Jahre), aber Lesen gehört zu einer meiner Lieblingsbeschäftigungen. Das Buch hat mir viele naturwissenschaftliche Details vermittelt, die ich bisher in dieser Kompaktheit und Zusammenschau selten gelesen habe. Vor allem hat mir auch gefallen, dass nicht nur Fakten aufgeführt und dargestellt werden, sondern die sachlichen Kapitel abwechselnd durch Kapitel über Geschichten bzw. Märchen ergänzt bzw. bereichert werden. Dieses Buch gebe ich gerne weiter an unsere (schon erwachsenen) Kinder und Kindeskinder.

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