Cover: Reise in die Welt der Bäume

Reise in die Welt der Bäume


EUR 32,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 302
ISBN: 978-3-99130-625-2
Erscheinungsdatum: 03.07.2025
Die Welt der Bäume ist überaus faszinierend – gerade auch für Kinder. Ihnen dieses Wissen näherzubringen, hat sich Silva Anna Lill in ihrem Buch „Reise in die Welt der Bäume“ auf die Fahnen geschrieben.
Frühlingsausflug


Als Amelie an diesem Morgen im Gespräch mit ihrem Drachen innehält und aus dem Fenster in den strahlend blauen Himmel schaut, ist sie sich sicher, was sie mit ihrer Mutter heute unternehmen wird. Es ist der erste schöne Frühlingstag in diesem Jahr und die morgendlichen Sonnenstrahlen wärmen ihr Gesicht. „Ein bisschen Zeit habe ich sicherlich noch“, denkt sie und fährt fort, von Hendriks gestrigem 10. Geburtstag und den aufregenden, manchmal aber auch ein wenig Angst einflößenden Klettertouren hoch in den Bäumen des Kletterparks zu erzählen. Als sie die Schritte ihrer Mutter auf ihr Zimmer zukommen hört, hängt sie ihre Drachenmarionette vorsichtig zurück an ihren Haken. Der Drache ist, abgesehen von Hendrik, Amelies bester Freund, der alles über ihre spannendsten Abenteuer und größten Geheimnisse weiß, dem sie aber auch all ihre Ängste und Sorgen anvertraut.

„Was für ein schöner Frühlingstag!“, freut sich Amelies Mutter. „Wollen wir einen Spaziergang in den Park machen?“ „Gerne“, erwidert Amelie und freut sich im Stillen über ihre richtige Vorahnung. Sie läuft in den Flur, zieht sich geschwind Jacke und Schuhe an und rennt hinunter in den Fahrradkeller. „Mama läuft, ich fahre mit meinem Fahrrad!“ Auf ihrem Weg zum Park laufen bzw. fahren sich Mutter und Tochter vergnügt gegenseitig über ihre Schatten. Während des Spaziergangs hört Amelie ihre Mutter immer wieder begeisterte Ausrufe machen, wie: „Oh, jetzt blühen bald die Kirschbäume!“ oder „Guck mal, da steht ja eine Esskastanie, die habe ich noch nie zuvor bemerkt. Da müssen wir im Herbst unbedingt Maronen sammeln!“

Am Abend, als Amelie bereits im Bett liegt und sich ihre Mutter zu ihr gesetzt hat, denkt sie noch immer über ihren gemeinsamen Spaziergang vom Vormittag nach. Denn woher weiß ihre Mutter eigentlich, welches die Kirschbäume sind, wo doch noch keine Kirschen am Baum hängen, und woran erkennt sie die Esskastanie, wenn doch erst im Herbst die Maronen unter dem Baum liegen? „Mama, woran erkenne ich, vor welchem Baum ich stehe?“ „Das ist gar nicht so schwer, aber jetzt wird geschlafen. Morgen früh werde ich dir zeigen, wie du die Bäume voneinander unterscheiden kannst. Gute Nacht!“



Bestimmung der Bäume


Bereits beim Frühstück greift Amelie ihre Frage vom Vorabend wieder auf und erwartungsvoll fixiert sie mit ihren grün-braunen Augen das Gesicht ihrer Mutter. „Du weißt ja bereits, dass Bäume unterschiedlich aussehen können“, beginnt diese zu erklären, „und sogar der gleiche Baum im jahreszeitlichen Verlauf sein Aussehen verändert.“ Sie hält inne und überlegt: „Ich glaube, bevor ich auf die Unterschiede eingehe, ist es ratsam zuallererst ihre Gemeinsamkeiten festzuhalten. Amelie, kannst du mir sagen, was bei allen Bäumen gleich ist?“ „Also sie sind ziemlich groß, haben Blätter, Zweige und einen Stamm, blühen und tragen im Herbst Früchte“, sprudelt es aus ihrer Tochter heraus. „Das ist ziemlich viel, aber eine Gemeinsamkeit hast du noch vergessen: Es ist der Teil des Baumes, den man nicht sieht.“ „Ach ja, die Wurzeln!“, lacht Amelie. „Nun hast du alles Wesentliche genannt. Alle Bäume bestehen aus einer Wurzel, einem Stamm und einer Krone. Die Wurzeln halten den Baum im Erdreich fest und verhindern, dass er bei Wind und Sturm umfällt. Über die Wurzeln nimmt der Baum seine Nahrung, nämlich Wasser und die darin gelösten Nährsalze, auf. Die Krone besteht aus vielen Ästen und Zweigen, an denen die Blätter wachsen. Mit Hilfe der Blätter gewinnt der Baum seine Energie zum Leben. Dies wird Photosynthese genannt und ist für den Baum ebenso wichtig wie für uns Menschen die Nahrung, aus der wir unsere Energie fürs Überleben gewinnen. Ohne Energie könnten wir weder atmen, uns bewegen, wachsen oder Krankheiten abwehren. Ebenso ergeht es dem Baum. Ganz zum Nutzen von uns Menschen und den Tieren entsteht bei der Photosynthese auch noch Sauerstoff, den der Baum an seine Umwelt abgibt und wir zum Atmen benötigen.

Wurzel und Krone eines Baumes werden durch den Stamm miteinander verbunden. Alle Stämme erfüllen zwei wesentliche Aufgaben. Zum einen bringen sie die Krone des Baumes ans Licht. Untereinander konkurrieren die Bäume nämlich um den besten Platz am Licht, denn je mehr Sonnenlicht auf seine Blätter fällt, desto mehr Zucker kann der Baum mit Hilfe der Photosynthese für sein Wachstum gewinnen. Zum anderen ist im Inneren des Stammes ein Leitungssystem verborgen, über das Wasser und Nährstoffe aus der Wurzel in die Blätter und Zucker aus den Blättern in die Wurzel transportiert werden.“

Das schnelle, zustimmende Nicken Amelies macht ihrer Mutter deutlich, dass ihre Tochter das meiste davon entweder schon weiß oder, wenn nicht, gerne zum eigentlichen Thema kommen möchte. „Gut, das soll an dieser Stelle auch genug sein“, lächelt sie. „Kannst du mir nun ein paar Dinge nennen, in denen sich die Bäume voneinander unterscheiden?“ „Ja, die Bäume sind unterschiedlich groß und ihr Stamm ist mal ganz glatt und mal ganz rau. Die Blätter sind verschieden groß und haben unterschiedliche Formen und Farben. Dann gibt es auch die Tannenbäume, die Nadeln tragen.“ Amelie überlegt kurz, dann fallen ihr noch weitere Unterschiede ein: „Die Früchte der Bäume sind auch sehr verschieden, es gibt Äpfel, Birnen, Kirschen, Nüsse, aber auch Früchte, die man nicht essen darf. Und auch die Blüten sehen unterschiedlich aus, denn einige stehen wie Kerzen auf den Zweigen, andere aber kann man erst sehen, wenn man direkt unter dem Baum steht.“ „Klasse!“, wird sie von ihrer Mutter gelobt. „Bäume, die Laubblätter tragen, werden übrigens Laubbäume genannt und verlieren im Herbst ihre Blätter. Bäume, die Nadeln tragen, heißen Nadelbäume und die meisten verlieren ihre Nadeln im Winter nicht und sind deshalb immergrün, auch wenn es draußen kalt ist und Schnee liegt. Der Unterschied in der Größe eines Baumes besteht einerseits in der Baumart, andererseits in seinem Standort. Denn im Wald, wo ganz viele Bäume nebeneinanderstehen und sich gegenseitig beschatten, versucht jeder Baum über seinen Nachbarn hinaus zu wachsen, um mehr Licht und Luft zu bekommen. Bäume wachsen aber nicht nur nach oben zum Himmel empor, sondern breiten sich auch unter der Erde aus. Dabei wachsen die Wurzeln einiger Bäume tief in die Erde hinein, andere dagegen breiten sich flach unter dem Erdboden aus.“

Amelie springt vom Frühstückstisch auf und läuft ins Wohnzimmer zum großen Bücherregal. Hier nämlich steht ein Buch, in das ihre Mutter hin und wieder Blätter, die sie auf ihren Spaziergängen gesammelt hat, hineinlegt. „Können wir uns dieses Buch zusammen anschauen?“, ruft Amelie fröhlich auf dem Weg zurück in die Küche. „Mein Pflanzenbestimmungsbuch! Genau das wollen wir machen, Bäume bestimmen, denn wir sind ja schon mitten im Thema. Weißt du, was mit Pflanzenbestimmung gemeint ist, Amelie?“ Amelie schüttelt ihren blonden Lockenkopf. Ihre Mutter räumt das Frühstücksgeschirr zur Seite und holt Papier und Bleistift aus der Küchentischschublade hervor. „Bei der Pflanzenbestimmung versucht man anhand bestimmter Merkmale herauszufinden, um welche Pflanze es sich genau handelt. Das wesentlichste Unterscheidungsmerkmal der Bäume sind ihre Blätter, denn kein Blatt eines Baumes gleicht dem eines anderen und deshalb dreht sich bei der Bestimmung der Bäume alles um ihr Blatt. Als Allererstes betrachtest du deshalb den Zweig eines Baumes sehr genau und musst herausfinden, wie die Blätter am Zweig stehen und welche Form sie haben.“

Amelies Mutter beginnt zu zeichnen und zu erklären.

(Interessierst du dich näher für die Erläuterungen von Amelies Mutter, dann findest du diese im Anhang 1 „Form und Blattstellung von Laub- und Nadelblättern“)

„Mama, hast du einen Lieblingsbaum?“, fragt Amelie diesen Abend beim Zubettgehen. Nachdenklich antwortet ihre Mutter: „Mmm, einen Lieblingsbaum habe ich eigentlich nicht, denn jeder Baum hat für mich etwas Besonderes. Einige haben wunderhübsche Blüten, andere leckere Früchte und wiederum andere bieten vielen Tieren ein schönes Zuhause. Aber ich werde mal tief in mich hineinhorchen, und vielleicht ist da ja doch ein Baum, den ich ganz besonders gernhabe. Machst auch du dich auf die Suche nach deinem Lieblingsbaum, Amelie?“ „Ja, das mache ich!“




Nächtlicher Besuch


„Amelie, wach auf!“, hört Amelie eine leise Stimme dicht an ihrem Gesicht flüstern und spürt ein sanftes Klopfen gegen ihre Schulter. „Wach doch bitte auf!“, vernimmt sie noch ein zweites Mal. „Wer ist das? Die Stimme kenne ich nicht“, rätselt Amelie schläfrig und öffnet einen Augenblick später vorsichtig ihre Augen. „Das ist ja mein Drache!“, ruft sie voller Erstaunen. „Pssst! Nicht so laut!“, erwidert dieser schnell. Kerzengerade in ihrem Bett sitzend sieht Amelie ihren Drachen mit leuchtenden Augen an. „Kleine Amelie, es ist die Zeit gekommen, mich dir vorzustellen und mehr über mich zu erzählen. Ich heiße Mawo und lebe seit mehr als hundert Jahren auf dieser Welt. Viele Kinder habe ich in dieser Zeit durch ihre Kindheit hindurch begleitet. Es war kein Zufall, dass du mich auf dem Flohmarkt in einer alten Truhe entdecktest. Ich wusste, dass du vorbeikommen würdest, und hatte dort bereits auf dich gewartet. Das Schicksal führt mich zu Kindern, die eine große Liebe zur Natur in sich tragen. Ihnen zeige ich die Welt der Pflanzen und Tiere auf eine ganz besondere Weise. Nun, Amelie, habe ich geplant, dich auf eine Reise in die Welt der Bäume mitzunehmen. Möchtest du das?“ „In die Welt der Bäume reisen?“, wiederholt Amelie Mawos Worte und ist über das Lebendigwerden des Drachens und dessen Erzählungen sehr verwirrt. Mawo legt seinen Kopf auf ihre Beine, schließt seine Augen und lässt ihr Zeit, all das eben Gehörte in Ruhe in sich aufzunehmen. Allmählich wird Amelies Herzschlag ruhiger und sie antwortet mit klarer Stimme: „Das möchte ich sehr, sehr gerne.“ Sie überlegt noch einen Moment, traut sich dann aber doch zu fragen: „Können wir Hendrik auf unsere Reise mitnehmen?“ „Dies wollte ich dir auch vorschlagen. Schön, dass du mir zuvorgekommen bist. Bedenke, dass jede Reise auch eine Reise ins Ungewisse ist. So werden wir eventuell der einen oder anderen Gefahr begegnen, bei der die Hilfe eines Freundes wichtig sein könnte. So, Amelie, wenn du willst, können wir mit unserer Reise sofort beginnen.“ Fröhlich springt Amelie vom Bett herunter und zieht sich geschwind einen roten Pullover, eine grüne Kordhose und braune Stiefel an: „Wie reisen wir denn?“ „Das wirst du gleich sehen“, und der Drache verzieht sein rotes Maul zu einem breiten Grinsen. „Wie ich dich kenne, wird es dir sehr viel Spaß bringen. Bitte gehe jetzt ans Fenster.“ Am Fenster angekommen springt dieses vor Amelie auf und der Drache fliegt an ihr vorbei ins Freie. „Aber was ist das jetzt?“, staunt Amelie erneut. Eben noch war der Drache nicht größer als ihre Puppe, nun aber wird er von Sekunde zu Sekunde größer und größer, bis er fast dreimal so groß ist wie sie selbst. „Wir fliegen!“, ruft Mawo ihr von draußen zu. Trotz seiner Größe spürt Amelie keine Angst vor ihm, denn seine großen, schwarzen und freundlichen Augen schenken ihr tiefstes Vertrauen. Schnell hüpft sie aufs Fensterbrett, steigt von dort auf seinen Rücken und klemmt ihre Beine fest an seinen Körper. Dann schaut sie zum Himmel hinauf, denn das sie umgebende Licht ist recht ungewöhnlich. Es scheint weder Tag noch Nacht zu sein. Ein großer leuchtender Vollmond und funkelnde Sterne strahlen auf sie herunter, und gleichzeitig durchziehen rote und hellblaue Streifen den Nachthimmel, so dass Häuser, Bäume und Straßen für Amelie klar zu erkennen sind. „Jetzt holen wir Hendrik ab“, ruft ihr Mawo zu, „halt dich gut fest!“ Die schwarzen Flügel des Drachens beginnen langsam auf und ab zu schlagen und die Reise beginnt. Vor Hendriks Zimmerfenster angekommen unterbricht Mawo seinen Flug. Amelie klopft vorsichtig an und ruft leise seinen Namen. Wenige Minuten später brennt Licht im Zimmer, und Amelie erkennt Hendriks braunen Wuschelkopf. Hendrik, der kaum glauben kann, was er vor seinem Fenster sieht, kneift, um sich zu vergewissern, dass er auch nicht träumt, seine Augen zusammen und öffnet sie wieder. Aber er muss erkennen, dass draußen tatsächlich seine Freundin Amelie auf dem Rücken eines Drachens sitzt, der so aussieht wie ihre Drachenmarionette, jedoch sehr viel größer und ohne Fäden. Er öffnet das Fenster und Amelie springt geschickt vom Rücken des Drachens in die Mitte des Raumes. Hendrik ist so überrascht, dass er zunächst gar nichts sagen kann. Amelie nimmt ihn bei der Hand, setzt sich mit ihm auf sein Bett und schildert ihm die Ereignisse des Abends. Hendrik, der vor keinem Abenteuer zurückschreckt, ist von Amelies Geschichte hellauf begeistert und seine großen blauen Augen funkeln vor Aufregung. „Da möchte ich unbedingt mit!“, freut er sich und springt vom Bett. Schnell zieht er einen blauen Pullover, Jeans und Turnschuhe an. Beide Kinder steigen aufs Fensterbrett und von dort auf Mawos Rücken. Nachdem sie sicheren Halt gefunden haben, hebt der Drache seine Flügel, schwingt zum Himmel hinauf, und mit kräftigem Flügelschlag setzen sie nun zu dritt die Reise fort.
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5 Sterne
Großartiger, lehrreicher Lesespaß - 13.08.2025
Annette Meyer

Eine spannende und nebenbei lehrreiche Lektüre für Klein und Groß, sehr einfühlsam geschrieben.

5 Sterne
Lesespaß für die Ganze Familie - 06.08.2025

Super schönes Buch, dass mit viel Herz und Spannung lehrreiches über die Baum-Welt vermittelt!

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