Nina und die Schimmerfeen

Nina und die Schimmerfeen

Susanne Hendler


EUR 13,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 92
ISBN: 978-3-99064-001-2
Erscheinungsdatum: 30.01.2018
Eines Abends erscheint eine Schimmerfee in Ninas Zimmer und bittet sie, das Reich des ewigen Strahlens zu retten. Denn dieses wird durch ein böses Wesen bedroht! Nina macht sich auf den Weg und erlebt eine Welt, die so ganz anders ist als unsere …
Legende - Die Schimmerfeen



Immer, wenn jemand eine Wachskerze anzündet, wird eine von uns geboren.
Wenn die Flamme erwacht, schlüpft eine Schimmerfee aus dem glimmenden Docht. Wir sind nur sichtbar für diejenigen, die mit dem Herzen sehen, und zaubern wir uns in eure Gedanken, verbreiten wir die schönsten Träume und Fantasien.










Nina




Hallo, darf ich mich kurz vorstellen? Miau! Mein Name ist Felix, meine Hobbys sind Fressen, Schlafen, Mäusefangen und Spielen. Ich bin eine herkömmliche Hauskatze und nicht wirklich etwas Besonderes, obwohl ich zur Ordnung der Raubtiere gehöre. Mein Fell ist rot gestreift, ich wiege stolze 4,5 Kilo und ich sehe einer etwas dicklichen Comic-Katze ähnlich. Ich glaube, ihr wisst, wen ich meine, den faulen Garfield. Ich mag zwar keine Lasagne, aber sonst bin ich nicht wirklich ein Kostverächter. Ich bin der Kater von Nina und ich erzähle euch ihre Geschichte. Ich habe sie zwar nicht selbst erlebt, aber sie hat sie mir persönlich erzählt. Also entschuldigt bitte, wenn ich hin und wieder meine Kommentare dazu abgebe. Ursprünglich war ich die Katze ihrer Großmutter, aber die ging mit ihrer großen Liebe nach Amerika und ich bin ihr wirklich dankbar, dass sie mich hier in meiner gewohnten Umgebung zurückließ. Tja, am besten beschreibe ich euch einmal Nina, damit ihr euch ein Bild von ihr machen könnt.
Nina ist zehn Jahre alt, sie hat blondes Haar und braune Augen und am liebsten trägt sie Jeans. „Die sind viel bequemer als Kleider!“, sagt sie immer. Sie lebt gemeinsam mit ihren Eltern in einem kleinen Haus am Stadtrand von Leoben. Nina ist ein ganz normales Mädchen, aber anstatt ständig fernzusehen, setzt sie sich oft in eine gemütliche Ecke und liest ein spannendes Buch. Sie sagt: „Auf diese Weise kann ich mir alles genau so vorstellen, wie ich es gerne hätte.“ Sie nennt es Kopfkino. Manche Kinder können mit Ninas Vorstellungskraft nicht umgehen, deshalb nennen sie sie eine Träumerin. Doch das ist ihr egal: „Ich kann keinen zwingen, mich zu mögen“, sagt sie dann. Außerdem hat sie ja Lisa, ihre Eltern, ihre geliebte Oma und mich. Ich liebe Nina, denn sie krault mir immer meinen Kopf und meine Lieblingsstelle, meinen Hals, außerdem füttert sie mich mit diesen leckeren Häppchen, die sind besonders schmackhaft. Das Mädchen besucht das Gymnasium der Stadt und ihr Lieblingsfach ist Deutsch. Sie schreibt gerne Aufsätze und besonders mag sie Fantasiegeschichten, die sie mir dann immer am Abend vor dem Kamin erzählt. Mathematik liegt ihr nicht, da Nina mit Logik nicht viel am Hut hat. Sie erklärt sich die Dinge auf ihre eigene Art. Sie mag Professor Stramm nicht leiden, da der immer so ernst und steif ist. Ständig ermahnt er sie, da sie in der Stunde oft träumt, und dann lachen alle Mitschüler über sie. Außerdem sind ihr Zahlen furchtbar unsympathisch und den Geruch ihres Rechenbuches mag sie auch nicht. Ihre beste Freundin ist Lisa, ihr erzählt sie ihre größten Wünsche und ihre tiefsten Ängste, mir natürlich auch, und oft kann man die beiden beobachten, wie sie ihre Köpfe zusammenstecken und kichern. Lisa liebt Ninas Fantasiegeschichten und sie bewundert die Freundin für ihre ausgedachten Erzählungen, stundenlang kann sie ihr zuhören und mit ihr über die lustigsten Dinge diskutieren. Sie haben sich zusammen sogar ein Spiel ausgedacht, das heißt: „Was wäre, wenn …?“ Das Spiel funktioniert so: Eine der beiden sucht sich jemanden aus, den sie nicht leiden kann, und überlegt, was mit dieser Person geschehen würde, wenn zum Beispiel der Mond vom Himmel fallen würde oder eine Krähe ein Nest in ihren Haaren bauen würde. Die beiden Freundinnen können sich bildlich alles ganz genau vorstellen und dann können sie sich vor lauter Lachen nicht mehr halten. Ein Wort ergibt das andere und dadurch entstehen dann so fantastische Geschichten, dass es einfach nur zum Schießen ist. Man kann sich vorstellen, dass das für die anderen oft nicht so lustig ist, denn die wissen ja nicht, warum die beiden so furchtbar lachen müssen. Ninas Vater ist ein hoffnungsloser Realist und all seine Versuche, aus seiner Tochter auch einen Realisten beziehungsweise eine Realistin zu machen, scheiterten. Aus mir wollte er auch einen Vorzeigekater machen, aber das kommt gar nicht in die Tüte, ich bin, wie ich bin, und basta! Nach langen Diskussionen und einem Zwinkern von Ninas Mama gab er es endlich auf. Ihre Mama arbeitet in einem Büro und nach der Arbeit nimmt sie sich viel Zeit für ihre Tochter. Sie ist der Meinung: „Ein Kind soll ein Kind sein dürfen.“ Sie akzeptiert Nina so, wie sie ist, und staunt oft über ihre Fantasie und ihre spezielle Art, Dinge zu erklären. Ninas Großmutter, also mein Exfrauchen, ist vor einem Jahr nach Amerika gezogen, darum ist Nina oft sehr traurig. Ihre Oma lernte einen Mann kennen und verliebte sich in ihn; leider lebt der aber in den USA. Früher wohnten ihre Großmutter und ich genau gegenüber von Nina und sie verbrachte oft den ganzen Nachmittag bei ihrer Großmutter und mir. Übernachtungsabende bei Omi waren besonders lustig, denn diese hatte die lustigsten Ideen und Vorschläge. Bei ihrer Abreise schenkte sie ihr mich und immer wenn Nina sich mal wieder ganz doll nach ihrer Oma sehnt, dann nimmt sie mich ganz fest in den Arm und drückt mich. Nun, ich lasse es halt über mich ergehen - mit leisem Knurren. Was soll ich machen? Ich bin nun mal eben eine Katze. So, aber jetzt zu Ninas Geschichte, wie gesagt, ich war zwar nicht selber dabei, deshalb weiß ich nicht, ob sich alles genau so zugetragen hat, aber ich glaube Nina - und Katzen können nicht lügen, also erzähle ich euch die ganze Wahrheit.










Kapitel 1
Die Schimmerfeen




Immer wenn jemand eine Wachskerze an-zündet, wird eine von uns geboren.
Wenn die Flamme erwacht, schlüpft eine Schimmerfee aus dem glimmenden Docht.
Wir sind nur sichtbar für diejenigen, die mit dem Herzen sehen, und zaubern wir uns in eure Gedanken, verbreiten wir die schönsten Träume und Fantasien.

Es war spät nachts, als Nina durch ein Geräusch an ihrem Ohr munter wurde. Sie richtete sich auf, um dem störenden Ton nachzugehen. Es war dunkel und nur die Sichel des Mondes, der durchs Fenster schien, erhellte das Zimmer. Sie rieb sich die Augen und allmählich gewöhnte sie sich an die Dunkelheit. Angestrengt hörte sie auf jedes Knistern und Knacken. Da war das vertraute Ticken der Uhr, das Krachen der alten Holzdielen, das Rauschen des Windes vor dem Fenster und in der Ferne hörte sie das Tropfen des Wasserhahns im Badezimmer.
Aber - was war das? Sie vernahm ein seltsames Surren. Vorsichtig schaute sie sich um und dann sah sie es! Ein zartes, insektengroßes, leuchtendes Wesen schwebte anmutig durch den Raum. Für Glühkäfer war es zu früh, denn es war Mitte März und diese Käfer bewegen sich nur im Sommer durch die Lüfte.
Nina schlich sich aus ihrem Bett, um die Kreatur, deren Herkunft sie nicht erraten konnte, zu beobachten.
Sie starrte an die Wand und erkannte eine kleine Figur mit schimmernden Flügeln. Bei jeder Bewegung versprühte das Wesen glitzernde Sterne.
Nina fürchtete sich nicht, denn tief im Innersten fühlte sie, dass sie nicht in Gefahr war. Sie kniete sich auf den Boden und hielt ihre Hand auf, in der Hoffnung, die kleine Lichtkreatur würde sich daraufsetzen.
„Wer bist du?“, fragte sie leise, um die kleine Gestalt nicht zu erschrecken oder gar ihre schlafenden Eltern aufzuwecken. Das leuchtende Wesen schien sie zu verstehen und setzte sich auf ihre Handfläche.
„Mein Name ist Lumara, ich gehöre zur Spezies der Lichtgestalten. Ich kenne dich, dein Name ist Nina und du wurdest am 12.09.2005 geboren. Ich weiß, dass es dir vor Schlangen ekelt und dass du dich vor Gewittern fürchtest. Dein Lieblingsessen sind Spaghetti, deine Lieblingsfarbe ist Gelb und wenn du lachst, ist das ansteckend für all jene, die sich in deiner Nähe befinden.“

Das kann ich bestätigen, denn könnten Katzen lachen, dann würde ich es bestimmt auch tun.

„Ich wurde geboren, als deine Taufpatin deine Kerze in der Sankt-Jakob-Kirche am heiligen Licht anzündete und seit diesem Tag bin ich dein stetiger Begleiter, denn du bist mein Schützling. Dein Wohl habe ich mir zur Aufgabe gemacht.“
„Warum bin gerade ich dein Schützling und nicht jemand anders?”, unterbrach Nina. „Weil du meine Bestimmung bist, dich und mich verbindet so etwas wie ein durchsichtiges Band. So wie eine Mutter ihr Kind erkennt, so erkannte ich, dass du zu mir gehörst. Nenn es Instinkt, wenn du willst.“ Nina nickte, um zu zeigen, dass sie verstanden hatte, und Lumara erzählte weiter:
„Ich kenne deine tiefsten Gedanken, deine größten Träume und deine schlimmsten Ängste. Ich war bei dir, als du dein erstes Wort gesagt hast, deine ersten Schritte gemacht hast und deinen ersten Zahn verloren hast. Ich tröstete dich, wenn du weintest, ich wärmte dich, wenn du frorst, und hattest du Angst, vertrieb ich sie dir mit den schönsten Gedanken. Ich weiß, dass deine beste Freundin Lisa heißt und dass du ihr alles erzählst und ihr ganz und gar vertraust. Deinen Kater nennst du Felix und wenn er etwas anstellt, schimpfst du mit ihm.“

Ich glaube, das hat sie erfunden, aber ich nehme es ihr nicht übel, denn manchmal kann ich wirklich ein richtiger Wildfang sein.

„Ich kenne deine Vorlieben, deine Hobbys und alles, was dich zornig macht. Wenn du dir im Kopf Fragen stellst, ob etwas richtig oder falsch ist, dann bin ich es, die dir die Antwort gibt, ganz leise und sanft in deinen Gedanken.
Ich weiß auch, dass du die Gabe hast, mit dem Herzen zu sehen, so wie deine Mutter, deine Großmutter und deine Urgroßmutter vor dir.“
„Was heißt das, mit dem Herzen sehen?“, wollte das Mädchen wissen und schaute die Fee mit fragenden Augen an. „Es gibt Menschen, die denken nur mit ihrem Kopf. Sie sehen die Dinge entweder schwarz oder weiß. Begegnen sie einem Bettler, dann sehen sie nur die Lumpen, die er am Körper trägt und dass er keiner richtigen Arbeit nachgeht. Schauen sie ein Haus an, beurteilen sie es nach seiner Form, nach seiner Farbe, nach seinem Zustand und nach seinem Wert. Für diese Individuen ist alles nutzlos, was aus der Rolle fällt und nicht in ihr Weltbild passt.
Dann gibt es aber auch solche Menschen, wie du einer bist. Treffen sie einen Bettler, dann werfen sie ihm ein Geldstück in den Hut. Sie fragen sich, warum der arme Mann hier wohl auf der kalten Straße sitzt, und wahrscheinlich würden sie ihm helfen, um seine Lage zu verbessern. Sehen sie ein Haus, dann denken sie an die Bewohner, die ein und aus gehen. Sie sehen das, was hinter den Wänden passiert. Jeder Riss und jeder fehlende Ziegel erzählt ihnen eine Geschichte. Und du hast diese Fähigkeit, du siehst mit deinem Herzen. Du siehst alles in Farbe. In deiner Welt würde man es Empathie nennen, aber es geht weit darüber hinaus.“ Die Schimmerfee blickte dem Mädchen tief in die Augen und Nina fühlte ein wenig Stolz in sich.

Ja, so ist Nina tatsächlich, das kann ich bestätigen, denn wenn ich eine Maus fange, lästiges Ungeziefer, dann nimmt sie, sie mir weg und macht Wiederbelebungsversuche. Hallo, ich bin eine Katze, meine Vorfahren ernährten sich hauptsächlich von diesen kleinen grauen Pelzviechern! Normalerweise werden Haustiere dafür gelobt, aber Nina schimpft mit mir. - Aber nun weiter mit der Geschichte.

„Ich bin deine ganz persönliche Schimmerfee und ich bewahre dich vor großen Dummheiten. Es gibt nicht mehr sehr viele von uns Lichtgeschöpfen, denn seit das elektrische Licht erfunden wurde, werden Kerzen immer seltener und nur zu bestimmten Anlässen angezündet, und wenn die Fantasien und die Träume durch den Wunschfresser weiter zerstört werden, dann werden wir sehr bald alle sterben. Denn die Kreatur aus dem Dunklen Reich trennt uns von unseren Schützlingen und raubt uns somit unsere Kraft. Wir können nur durch die Energie der schönen Gedanken, die in den Köpfen der Menschen erwachen, leben. Jede gute Tat macht uns stärker; jede Art von Böswilligkeit schwächt unseren Körper.
Seit Computer und Handys die Kommunikation und Fernsehen und Kino das Lesen ersetzen und seit die Gier nach Geld und Macht sich immer mehr verbreitet und viele Menschen erfasst, weichen die Träume und die Fantasien der grauen Wirklichkeit. Die Menschen benötigen weniger ihren Kopf, denn all diese Medien werfen vorgefertigte Bilder aus und wir Schimmerfeen werden nicht mehr gebraucht. Die Träume weichen der harten Wahrheit. Unsere Hoffnung lag in den Kindern, aber auch diese stehen immer mehr unter Leistungsdruck und unsere Zeit macht sie zu kleinen funktionierenden Robotern. Sie werden zu Realisten erzogen und viel zu früh mit der grauen Realität konfrontiert. Zeiten wie diese erlauben keine Träumereien. Die meisten kennen keine Reisen in die Welt der Fiktion und das Bauen von Luftschlössern ist nicht mehr in Mode.
Du hattest das Glück, mit dieser Gabe geboren zu werden, du kannst durch sie den süßen Verführungen des Wunschfressers widerstehen. Meine Bestimmung ist es, dich zu begleiten und dir dein Leben bunter und wärmer zu gestalten.“

Nina horchte und kniff sich selbst in die Wange, um sich zu vergewissern, dass sie nicht träumte, aber sie war hellwach und das Wesen auf ihrer Hand war kein Fantasiegebilde. Sie rieb sich erneut die Augen, aber das Geschöpf saß so wahrhaftig auf ihrer Hand, wie ihr linkes Ohr angewachsen war.
Sie starrte die kleine zierliche Figur an und verspürte eine tiefe innere Zufriedenheit, sie erfreute sich an ihrer eigenen, ganz persönlichen Schimmerfee! Nina dachte an ihre innere Stimme, die ihr so oft sagte, wie sie sich richtig zu verhalten hatte, und die sie schon so oft vor Gefahren gewarnt hatte. Sie hatte immer gemeint, ihr Gewissen spräche zu ihr, aber nun wusste sie es besser, viel besser.
Die Schimmerfee nahm ihren Kopf zwischen ihre beiden Hände und schaute Nina abwartend an; sie schien zu wissen, was in dem Mädchen vorging, und als Nina beifällig nickte, lächelte sie und fuhr fort: „Ich begleite dich auf all deinen Reisen, die du durch die Welt der Gedanken machst. Ich erlebe mit dir die tollsten Abenteuer, wenn du wieder eines deiner Bücher liest. Ich besiegte mit dir Kapitän Hook und seine Piraten, ich fand mit dir verborgene Schätze und verlassene Orte. Ich kämpfte mit dir gemeinsam gegen Drachen und andere Bestien und den Froschkönig küsste ich mindestens zehn Mal und immer wieder wurde er zu einem wunderschönen Prinzen. Ich flog mit Peter Pan durch die Lüfte und grub mich bis zum Mittelpunkt der Erde, ich betrat den Mond und den Mars kenne ich wie meine eigene Westentasche. Ich habe mit dir so viel Unfassbares erlebt und ich bin dankbar, dass ich als deine Schimmerfee geboren wurde. Ich weiß auch, dass du mutig und stark bist und das Zeug dazu hast, unsere Welt, die Lichterwelt, zu retten. Nina, bitte hilf mir! Hilf mir, dass Kinder wieder Kinder sein können, dass sie unbeschwert ins Erwachsenenleben entlassen werden können.
Du kannst das, du hast die Kraft und den Mut dazu! Die Legende der Lichterwelt besagt, dass ein Menschenkind mit der Herzensstärke einer Löwin das Reich des Ewigen Strahlens retten wird.
Derjenige, der mit dem Herzen sieht und dessen Wärme das Eis der Realität zum Schmelzen bringt, wird das Reich des Ewigen Strahlens aus der Verdammnis führen!“

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