Leo und das goldene Boot
EUR 22,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 128
ISBN: 978-3-99185-035-9
Erscheinungsdatum: 09.03.2026
Leo landet durch einen Zufall in einer verborgenen Welt, wo ein fantastisches Abenteuer auf ihn wartet. Um nach Hause zurückzukehren, muss er ein Geheimnis lüften. Eine Geschichte voller Abenteuer, Mut und Freundschaft – für alle, die gerne träumen.
1
„Mama, ich bin mit den Hausaufgaben fertig. Darf ich zu Max?“
„Ja, aber sei vorsichtig, bleib auf dem Gehweg und ruf mich an, sobald du da bist.“
„Mama, ich bin zehn Jahre alt! Ich kann alleine zu Max gehen, ohne dass mir etwas passiert.“ Er zog seine Jacke an und verabschiedete sich, ohne auf die Antwort seiner Mutter zu warten, da er sie ohnehin schon kannte.
„Du weißt, dass ich mir Sorgen mache, also ruf an!“
Er verdrehte die Augen und schloss die Haustür hinter sich. In Gedanken war er schon bei der Strickleiter, die sein Freund Max und er machen wollten. Sie hatten in den letzten Wochen ein Baumhaus auf dem großen Nussbaum in Leos Garten gebaut und waren fast fertig. Nur die Leiter fehlte noch. Max hatte dafür zwei dicke Seile besorgt und Leo überlegte bereits, wie sie die Trittbretter an den Seilen befestigen sollten.
In Gedanken versunken kam Leo an eine Baustelle, die den Gehweg versperrte. Er musste auf die Straße ausweichen und bemerkte den Lastwagen nicht, der von hinten angefahren kam. Haarscharf rauschte der Lastwagen an ihm vorbei und riss ihn mit lautem Hupen aus seinen Gedanken. Leo erschrak, sprang mit einem Satz wieder auf den Gehweg und blieb dort mit zitternden Knien und rasendem Herzen stehen. Das war knapp!
Während er versuchte, sich zu beruhigen, hörte er ein seltsames Geräusch. Es klang, als würde jemand mit Schwimmflossen durch einen seichten Teich patschen. Da es dort jedoch keinen Teich gab und folglich auch niemand mit Schwimmflossen unterwegs sein sollte, lauschte er genauer, um zu hören, woher das Geräusch kam.
Es schien aus einem Loch der Baustelle zu kommen. Leo stellte sich auf die Zehenspitzen, um den Grund der Mulde zu sehen, aber sie war zu weit weg. Er sah sich um und als er sicher war, dass ihn niemand beobachtete, stieg er über das Absperrband der Baustelle und ging zum Loch.
Dort hatte sich Wasser gesammelt und darin strampelte ein Feuersalamander. Er versuchte verzweifelt, aus dem Loch zu klettern, fiel aber immer wieder zurück ins Wasser.
Leo zögerte nicht. Er legte sich auf den Bauch, griff hinein, packte den Feuersalamander und holte ihn heraus. Als er den Lurch aus der Nähe betrachtete, sah er dessen Flecken golden in der Sonne glänzen. Er hatte immer gedacht, Feuersalamander hätten gelbe Flecken. „Du bist wunderschön“, flüsterte er. Dann brachte er den Feuersalamander zum Straßenrand und setzte ihn vorsichtig auf den Boden.
Erst jetzt bemerkte er den weißen Schleim, den das Tierchen auf seiner Hand hinterlassen hatte, und bekam Angst. War der Schleim bestimmter Salamanderarten nicht giftig? Schnell streifte er den Schleim, so gut es ging, an seiner Hose ab und rannte das letzte Stück zu Max.
Als dieser die Tür öffnete, erzählte er seinem Freund völlig außer Atem, was geschehen war.
Max schubste ihn eilig ins Badezimmer zum Händewaschen. „Du hast noch mal Glück gehabt, nichts zu sehen.“
„Ja, es brennt und juckt auch nicht.“
Max lächelte und schob seine Brille an der Nase hoch, was er immer tat, wenn er die Lösung für ein Problem gefunden hatte. „Und falls das Jucken noch kommt, hat meine Mutter eine Salbe, die dagegen hilft! Komm, ich zeig dir die Seile, die mir mein Onkel für die Leiter geschenkt hat.“
„Warte kurz, ich muss zuerst meine Mutter anrufen, sonst dreht sie noch durch.“
Natürlich erzählte Leo seiner Mutter weder vom Lastwagen noch vom Feuersalamander.
Anschließend gingen die beiden Freunde in den Garten hinter dem Haus. In einer Ecke stand ein Gartenhäuschen, in dem Max’ Vater sein Gartenwerkzeug aufbewahrte. Dort hatten sie auch die Bretter gelagert, die von den Arbeiten am Baumhaus übrig geblieben waren.
„Die Seile sind im Gartenhaus“, erklärte Max und wollte die Tür des Gartenhäuschens öffnen. Sie war abgeschlossen. Max stieg auf einen Stuhl, der neben dem Gartenhäuschen stand, und streckte sich bis zu den Dachbalken. Von dort holte er eine Schnur, an der ein Nagel festgeknotet war, und am Nagel hing der Schlüssel. Während Leo über diesen Schlüsselhaken staunte, nahm Max den Schlüssel von der Schnur und sperrte die Tür auf.
Leos Blick fiel auf eine riesige Wassermelone. „Was ist denn das?“
„Das ist eine Luftmatratze. Hat mir mein Vater von seiner letzten Geschäftsreise mitgebracht.“
Leo fand die Vorstellung, auf einer Wassermelonenscheibe über den See zu paddeln, lustig und grinste.
Den restlichen Nachmittag verbrachten sie damit, die Trittbretter an den Seilen zu befestigen, und am frühen Abend war die Trittleiter für ihr Baumhaus fertig.
2
Einige Wochen später kam Leo mit dem Zeugnis aus der Schule und freute sich auf die Sommerferien. Von seinen Eltern bekam er ein kleines Gummiboot geschenkt, das er sofort ausprobieren wollte.
„Mama, können wir zum See fahren?“
„Ja, das ist eine gute Idee. Es ist sowieso zu warm, um etwas anderes zu machen.“
Leo pumpte sein neues Boot auf und quetschte es auf die Rückbank des Autos.
Sein Vater, der eigentlich arbeiten wollte, überlegte es sich anders, schnappte sich eine Zeitung und stieg zu Mama und Leo ins Auto.
Während der Fahrt hatte Leo das Autofenster geöffnet und genoss den Fahrtwind im Gesicht. Er streckte die Hand aus dem Fenster und ließ sie im Wind auf- und abgleiten. Im Radio liefen die Nachrichten. Schon wieder wurde ihre Nachbarin, Frau Ziegler, erwähnt, die vor drei Wochen spurlos verschwunden war.
„Das ist schon sehr seltsam. Wie kann jemand einfach so verschwinden? Es gab keine Einbruchsspuren und sie hat keine Nachricht hinterlassen. Wo sie wohl sein mag?“, überlegte Leos Mutter.
„Wahrscheinlich sitzt sie auf einer wunderschönen Insel, trinkt Ananassaft und freut sich, ihre Ruhe zu haben!“
„Daniel, darüber macht man keine Witze! Vielleicht ist ihr etwas zugestoßen“, tadelte Leos Mutter seinen Vater.
Als sie am See ankamen, breiteten sie ihre Badetücher an einem schattigen Plätzchen neben dem Waldrand aus. Leos Vater verschwand hinter seiner Zeitung, nur seine Glatze schaute oben heraus.
Leo zog sich aus. Unter seinen Klamotten hatte er seine rote Badehose an.
„Passend zu deinem Gummiboot!“, lachte seine Mutter.
Leo schnappte sich das Boot und die beiden Paddel und rannte los. „Ich mache eine Runde mit dem Boot!“
„Pass aber auf! Fahr nicht zu weit raus und komm den anderen Badegästen nicht zu nahe!“
Leo rannte zum Ufer und warf das Gummiboot in den See. Dann stieg er hinein und befestigte die Paddel an den Seiten. Als er noch einmal den Blick hob, um sicherzugehen, dass kein Badegast in der Nähe war, sah er ein goldenes Leuchten mitten im See. Es war zu weit weg, um erkennen zu können, was es war. Er schaute sich um. Niemand außer ihm schien es zu bemerken. Was konnte das sein? Jemand, der mitten im See mit einem Spiegel die Sonne reflektierte? Äußerst unwahrscheinlich. War es eine Boje? Die anderen Bojen im See waren rot oder weiß, also auch nicht sehr wahrscheinlich.
Leo ruderte los. Was immer es war, es blendete so stark, dass er immer noch nichts erkennen konnte, obwohl er dem Leuchten schon nähergekommen war. Er ruderte weiter, bis er es erreicht hatte und staunte: Es war ein goldenes Boot! Obwohl es immer noch funkelte, blendete es ihn nicht mehr so stark und er konnte es sich genau anschauen. Es sah aus wie ein einfaches Ruderboot, nur etwas kleiner, ohne Ruder und komplett aus Gold. So weit er konnte, beugte er sich zu dem goldenen Boot. Es schien leer zu sein und war auch nicht befestigt. Leo schaute sich um, aber er sah keine Schwimmer in der Nähe. Er wollte sich das Boot genauer anschauen, vielleicht würde er einen Hinweis auf die Besitzer finden.
Leo packte das Seil, das an seinem Gummiboot befestigt war, und sprang damit ins goldene Boot. Beim Absprung stieß Leo das Gummiboot weg und bei der Landung fiel ihm auch noch das Seil aus den Händen. Er wollte es aus dem Wasser fischen, verlor dabei jedoch das Gleichgewicht und fiel kopfüber hinein. Erschrocken schloss er die Augen.
Das Wasser fühlte sich seltsam an. Irgendetwas stimmte nicht. Er fühlte sich nicht schwerelos wie sonst, wenn er im Wasser war, sondern hatte das Gefühl, als würde er auf etwas sitzen. Langsam öffnete er die Augen. Er war gar nicht im Wasser, sondern saß am Strand einer kleinen Insel. Der Sand unter ihm war golden. Leo traute seinen Augen nicht und schaute sich um. Die Insel war klein, nicht viel größer als sein Gummiboot. In der Mitte standen zwei Palmen. Ein wenig entfernt sah er eine weitere kleine Insel. Dort schien der Sand jedoch rot zu sein.
Was war passiert? Hatte er sich etwa den Kopf gestoßen? Leo wartete darauf, aufzuwachen und das besorgte Gesicht seiner Mutter zu sehen, aber es geschah nichts. Er zwickte sich in den Arm. „Autsch!“ Er schien nicht zu träumen. Er stand auf und versuchte, seine Gedanken zu ordnen. Wo war er und wie war er hierhergekommen? Der Sand unter seinen Füßen funkelte golden wie das Boot, das er im See gefunden hatte. Er schaute hinüber zur anderen Insel. Das Rot erinnerte ihn an sein Gummiboot. Moment mal, das konnte doch kein Zufall sein! Ein goldenes Boot und ein rotes Boot, eine goldene Insel und eine rote Insel. Er ging zum Wasser und schaute hinein. Tatsächlich, anstatt des Meeresgrunds sah er das goldene Boot, als würde er es von unten betrachten! Er konnte es zwar nicht erklären, aber er schien unter dem goldenen Boot gelandet zu sein.
„Mama, ich bin mit den Hausaufgaben fertig. Darf ich zu Max?“
„Ja, aber sei vorsichtig, bleib auf dem Gehweg und ruf mich an, sobald du da bist.“
„Mama, ich bin zehn Jahre alt! Ich kann alleine zu Max gehen, ohne dass mir etwas passiert.“ Er zog seine Jacke an und verabschiedete sich, ohne auf die Antwort seiner Mutter zu warten, da er sie ohnehin schon kannte.
„Du weißt, dass ich mir Sorgen mache, also ruf an!“
Er verdrehte die Augen und schloss die Haustür hinter sich. In Gedanken war er schon bei der Strickleiter, die sein Freund Max und er machen wollten. Sie hatten in den letzten Wochen ein Baumhaus auf dem großen Nussbaum in Leos Garten gebaut und waren fast fertig. Nur die Leiter fehlte noch. Max hatte dafür zwei dicke Seile besorgt und Leo überlegte bereits, wie sie die Trittbretter an den Seilen befestigen sollten.
In Gedanken versunken kam Leo an eine Baustelle, die den Gehweg versperrte. Er musste auf die Straße ausweichen und bemerkte den Lastwagen nicht, der von hinten angefahren kam. Haarscharf rauschte der Lastwagen an ihm vorbei und riss ihn mit lautem Hupen aus seinen Gedanken. Leo erschrak, sprang mit einem Satz wieder auf den Gehweg und blieb dort mit zitternden Knien und rasendem Herzen stehen. Das war knapp!
Während er versuchte, sich zu beruhigen, hörte er ein seltsames Geräusch. Es klang, als würde jemand mit Schwimmflossen durch einen seichten Teich patschen. Da es dort jedoch keinen Teich gab und folglich auch niemand mit Schwimmflossen unterwegs sein sollte, lauschte er genauer, um zu hören, woher das Geräusch kam.
Es schien aus einem Loch der Baustelle zu kommen. Leo stellte sich auf die Zehenspitzen, um den Grund der Mulde zu sehen, aber sie war zu weit weg. Er sah sich um und als er sicher war, dass ihn niemand beobachtete, stieg er über das Absperrband der Baustelle und ging zum Loch.
Dort hatte sich Wasser gesammelt und darin strampelte ein Feuersalamander. Er versuchte verzweifelt, aus dem Loch zu klettern, fiel aber immer wieder zurück ins Wasser.
Leo zögerte nicht. Er legte sich auf den Bauch, griff hinein, packte den Feuersalamander und holte ihn heraus. Als er den Lurch aus der Nähe betrachtete, sah er dessen Flecken golden in der Sonne glänzen. Er hatte immer gedacht, Feuersalamander hätten gelbe Flecken. „Du bist wunderschön“, flüsterte er. Dann brachte er den Feuersalamander zum Straßenrand und setzte ihn vorsichtig auf den Boden.
Erst jetzt bemerkte er den weißen Schleim, den das Tierchen auf seiner Hand hinterlassen hatte, und bekam Angst. War der Schleim bestimmter Salamanderarten nicht giftig? Schnell streifte er den Schleim, so gut es ging, an seiner Hose ab und rannte das letzte Stück zu Max.
Als dieser die Tür öffnete, erzählte er seinem Freund völlig außer Atem, was geschehen war.
Max schubste ihn eilig ins Badezimmer zum Händewaschen. „Du hast noch mal Glück gehabt, nichts zu sehen.“
„Ja, es brennt und juckt auch nicht.“
Max lächelte und schob seine Brille an der Nase hoch, was er immer tat, wenn er die Lösung für ein Problem gefunden hatte. „Und falls das Jucken noch kommt, hat meine Mutter eine Salbe, die dagegen hilft! Komm, ich zeig dir die Seile, die mir mein Onkel für die Leiter geschenkt hat.“
„Warte kurz, ich muss zuerst meine Mutter anrufen, sonst dreht sie noch durch.“
Natürlich erzählte Leo seiner Mutter weder vom Lastwagen noch vom Feuersalamander.
Anschließend gingen die beiden Freunde in den Garten hinter dem Haus. In einer Ecke stand ein Gartenhäuschen, in dem Max’ Vater sein Gartenwerkzeug aufbewahrte. Dort hatten sie auch die Bretter gelagert, die von den Arbeiten am Baumhaus übrig geblieben waren.
„Die Seile sind im Gartenhaus“, erklärte Max und wollte die Tür des Gartenhäuschens öffnen. Sie war abgeschlossen. Max stieg auf einen Stuhl, der neben dem Gartenhäuschen stand, und streckte sich bis zu den Dachbalken. Von dort holte er eine Schnur, an der ein Nagel festgeknotet war, und am Nagel hing der Schlüssel. Während Leo über diesen Schlüsselhaken staunte, nahm Max den Schlüssel von der Schnur und sperrte die Tür auf.
Leos Blick fiel auf eine riesige Wassermelone. „Was ist denn das?“
„Das ist eine Luftmatratze. Hat mir mein Vater von seiner letzten Geschäftsreise mitgebracht.“
Leo fand die Vorstellung, auf einer Wassermelonenscheibe über den See zu paddeln, lustig und grinste.
Den restlichen Nachmittag verbrachten sie damit, die Trittbretter an den Seilen zu befestigen, und am frühen Abend war die Trittleiter für ihr Baumhaus fertig.
2
Einige Wochen später kam Leo mit dem Zeugnis aus der Schule und freute sich auf die Sommerferien. Von seinen Eltern bekam er ein kleines Gummiboot geschenkt, das er sofort ausprobieren wollte.
„Mama, können wir zum See fahren?“
„Ja, das ist eine gute Idee. Es ist sowieso zu warm, um etwas anderes zu machen.“
Leo pumpte sein neues Boot auf und quetschte es auf die Rückbank des Autos.
Sein Vater, der eigentlich arbeiten wollte, überlegte es sich anders, schnappte sich eine Zeitung und stieg zu Mama und Leo ins Auto.
Während der Fahrt hatte Leo das Autofenster geöffnet und genoss den Fahrtwind im Gesicht. Er streckte die Hand aus dem Fenster und ließ sie im Wind auf- und abgleiten. Im Radio liefen die Nachrichten. Schon wieder wurde ihre Nachbarin, Frau Ziegler, erwähnt, die vor drei Wochen spurlos verschwunden war.
„Das ist schon sehr seltsam. Wie kann jemand einfach so verschwinden? Es gab keine Einbruchsspuren und sie hat keine Nachricht hinterlassen. Wo sie wohl sein mag?“, überlegte Leos Mutter.
„Wahrscheinlich sitzt sie auf einer wunderschönen Insel, trinkt Ananassaft und freut sich, ihre Ruhe zu haben!“
„Daniel, darüber macht man keine Witze! Vielleicht ist ihr etwas zugestoßen“, tadelte Leos Mutter seinen Vater.
Als sie am See ankamen, breiteten sie ihre Badetücher an einem schattigen Plätzchen neben dem Waldrand aus. Leos Vater verschwand hinter seiner Zeitung, nur seine Glatze schaute oben heraus.
Leo zog sich aus. Unter seinen Klamotten hatte er seine rote Badehose an.
„Passend zu deinem Gummiboot!“, lachte seine Mutter.
Leo schnappte sich das Boot und die beiden Paddel und rannte los. „Ich mache eine Runde mit dem Boot!“
„Pass aber auf! Fahr nicht zu weit raus und komm den anderen Badegästen nicht zu nahe!“
Leo rannte zum Ufer und warf das Gummiboot in den See. Dann stieg er hinein und befestigte die Paddel an den Seiten. Als er noch einmal den Blick hob, um sicherzugehen, dass kein Badegast in der Nähe war, sah er ein goldenes Leuchten mitten im See. Es war zu weit weg, um erkennen zu können, was es war. Er schaute sich um. Niemand außer ihm schien es zu bemerken. Was konnte das sein? Jemand, der mitten im See mit einem Spiegel die Sonne reflektierte? Äußerst unwahrscheinlich. War es eine Boje? Die anderen Bojen im See waren rot oder weiß, also auch nicht sehr wahrscheinlich.
Leo ruderte los. Was immer es war, es blendete so stark, dass er immer noch nichts erkennen konnte, obwohl er dem Leuchten schon nähergekommen war. Er ruderte weiter, bis er es erreicht hatte und staunte: Es war ein goldenes Boot! Obwohl es immer noch funkelte, blendete es ihn nicht mehr so stark und er konnte es sich genau anschauen. Es sah aus wie ein einfaches Ruderboot, nur etwas kleiner, ohne Ruder und komplett aus Gold. So weit er konnte, beugte er sich zu dem goldenen Boot. Es schien leer zu sein und war auch nicht befestigt. Leo schaute sich um, aber er sah keine Schwimmer in der Nähe. Er wollte sich das Boot genauer anschauen, vielleicht würde er einen Hinweis auf die Besitzer finden.
Leo packte das Seil, das an seinem Gummiboot befestigt war, und sprang damit ins goldene Boot. Beim Absprung stieß Leo das Gummiboot weg und bei der Landung fiel ihm auch noch das Seil aus den Händen. Er wollte es aus dem Wasser fischen, verlor dabei jedoch das Gleichgewicht und fiel kopfüber hinein. Erschrocken schloss er die Augen.
Das Wasser fühlte sich seltsam an. Irgendetwas stimmte nicht. Er fühlte sich nicht schwerelos wie sonst, wenn er im Wasser war, sondern hatte das Gefühl, als würde er auf etwas sitzen. Langsam öffnete er die Augen. Er war gar nicht im Wasser, sondern saß am Strand einer kleinen Insel. Der Sand unter ihm war golden. Leo traute seinen Augen nicht und schaute sich um. Die Insel war klein, nicht viel größer als sein Gummiboot. In der Mitte standen zwei Palmen. Ein wenig entfernt sah er eine weitere kleine Insel. Dort schien der Sand jedoch rot zu sein.
Was war passiert? Hatte er sich etwa den Kopf gestoßen? Leo wartete darauf, aufzuwachen und das besorgte Gesicht seiner Mutter zu sehen, aber es geschah nichts. Er zwickte sich in den Arm. „Autsch!“ Er schien nicht zu träumen. Er stand auf und versuchte, seine Gedanken zu ordnen. Wo war er und wie war er hierhergekommen? Der Sand unter seinen Füßen funkelte golden wie das Boot, das er im See gefunden hatte. Er schaute hinüber zur anderen Insel. Das Rot erinnerte ihn an sein Gummiboot. Moment mal, das konnte doch kein Zufall sein! Ein goldenes Boot und ein rotes Boot, eine goldene Insel und eine rote Insel. Er ging zum Wasser und schaute hinein. Tatsächlich, anstatt des Meeresgrunds sah er das goldene Boot, als würde er es von unten betrachten! Er konnte es zwar nicht erklären, aber er schien unter dem goldenen Boot gelandet zu sein.

