8 - 10 Jahre

Lakrizia im Labyrinth der Rätsel

Jette Mitzkus

Lakrizia im Labyrinth der Rätsel

Leseprobe:

Die kleine Hexe Lakrizia klappte ihr Hexenbuch zu. Sie war sehr zufrieden mit sich. Schon die ganze Woche brodelte es in ihrer Hexenküche. Sie versuchte einen Kitzelzauber aus Kichererbsen und Lachmöwenfedern, Eingeschlafenefüßekribbeln und Pusteblumen zu kochen. Sie freute sich schon darauf, das neue Rezept beim nächsten Hexentreffen auszuprobieren.
Es war gar nicht so einfach, die Zutaten eines neuen Zaubertrankes richtig zusammenzustellen. Sie ging lächelnd hinüber zum Herd und rührte in dem großen Topf. Da machte es auf einmal „PLOPP“, und Lakrizia sah einen dunklen Klumpen in der Suppe verschwinden. Sie erwischte gerade noch einen winzigen Fuß und fischte eine tropfende Fledermaus aus der Suppe. Die Hexe Lakrizia hatte zwei gute Freunde: die beiden Fledermäuse Flick und Flack. Sie wohnten zusammen in einem schiefen, kleinen Häuschen am Waldrand. Lakrizia linste zu ihrem Hut. Flack hing daran, fest eingewickelt in seine Flügel, und schlief. Dann musste das verschmierte Ding in ihrer Hand ihre zweite Fledermaus Flick sein.
„Flick, mein kleines Zappelchen! Hast du dich mal wieder im Kunstfliegen geübt?“, fragte Lakrizia verschmitzt.
Sie setzte die triefende Fledermaus ab.
Flick schaute sie verwirrt an und schüttelte sich, dass es in alle Richtungen spritzte.
Angeekelt wischte er einen Rest Suppe aus seinem Gesicht.
Dann rappelte er sich auf und wollte erhabenen Schrittes davonmarschieren. Doch schon verzog sich sein Gesicht zu einem leichten Grinsen.
Er begann leise zu kichern. Dann prustete er los, dass sein kleiner Bauch vor lauter Lachen bebte. „Der Kitzelzauber scheint zu wirken“, freute sich die kleine Hexe.
Lakrizia sah liebevoll zu der Fledermaus, die sich glucksend auf dem Tresen wälzte.
Sie liebte ihre zwei kleinen Freunde, den flatterigen Flick genauso wie den Faulpelz Flack, der immer noch schnarchend an der Hutkrempe hing. „Oh, ich habe die geraspelte Nieswurz vergessen!“ Lakrizia krümelte etwas von dem Gewürz in die Suppe und ging dann zum Tisch,
um es dem Rezept hinzuzufügen.

Doch was war das? Da lag kein Buch. Ihre Schreibfeder befand sich auf dem Tisch, aber weit und breit kein Hexenbuch!
Flick kam angeflattert und setzte sich auf ihre Hutspitze. Er schaute ungläubig auf den Tisch, auf dem bis gerade eben Lakrizias Hexenbuch gelegen hatte. Die Stelle war jetzt leer.

Nur ein paar Lichter, die sich nach und nach auflösten, wirbelten über die Tischplatte.
Doch ihr Hexenbuch blieb verschwunden.
Jemand hatte es gestohlen. Und dieser Jemand konnte nur ihr Erzfeind, der mächtige Zauberer Knurzelbeck, sein.
„So ein Halunke!“, rief Lakrizia verärgert, „aber so einfach kommt der mir nicht davon. Ich werde mir mein Buch zurückholen!“ Alle ihre Rezepte und Hexensprüche waren in ihrem Hexenbuch gesammelt. Wenn es in die falschen Hände geriet, könnte es viel Unheil anrichten. Sie durfte gar nicht daran denken, was Knurzelbeck damit anstellen würde. Zum Glück kannte nur sie den Zauberspruch, um das Buch zu öffnen.
Also machte sich Lakrizia mit ihren Fledermäusen auf den Weg. Sie wanderten mehrere Tage, bis sie endlich das Reich des Zauberers erreicht hatten. Als sie vor seinem Schloss standen, pochte Lakrizia laut an das große Tor. Sogleich öffnete es sich und Knurzelbeck stand vor ihnen.
„Ich grrrüße dich, meine Liebe! Ich habe dich schon
errwartet.“ Knurzelbeck ließ beim Sprechen das „R“ in seinem Mund rollen, sodass es sich anhörte, als würde
er Mundwasser gurgeln.
Er trat beiseite und ließ die Hexe eintreten.
Lakrizia schaute sich um. Ihr Hexenbuch war natürlich nirgends zu sehen.
„Dein Besuch erfrreut mich sehrrr! Was verrrleiht mirr die Ehrre?“, surrte Knurzelbeck.
„Du bist ein Narr, du weißt, weswegen ich gekommen bin! Wo ist mein Hexenbuch? Was willst du damit, du kannst es doch nicht öffnen! Ich werde dir den Öffnungszauber sicher nicht verraten. Also kannst du damit nichts anfangen. Gib mir das Buch zurück, und wir
vergessen diesen peinlichen Vorfall!“
Ein gemeines Grinsen breitete sich über das Gesicht des Zauberers aus.
„Du bist derr Narrrr, Lakrrizia. Weißt du nicht, was geschieht, wenn ich das Buch zerrrstöre?“
Das hatte Lakrizia nicht bedacht. Würde das Hexenbuch mit all den Zaubersprüchen zerstört werden, würde sie ihre Hexenkraft auf immer verlieren. Das durfte sie nicht zulassen!
„Was verlangst du von mir?“, fragte sie den Zauberer.
„Wirrr spielen ein Spiel!“, antwortete Knurzelbeck.
„Das hätte ich mir ja denken können! Dieser alte Griesgram hat immer wieder einen neuen Schabernack auf Lager“, ging es Lakrizia durch den Kopf.
Die Hexe blickte ihn fragend an.

„Das Buch ist im Labyrrinth der Rrätsel aufbewahrrt.
Die Rrregeln sind einfach: Löst du alle Aufgaben rrrichtig,
so findest du dein Hexenbuch und kannst es mit nach Hause nehmen. Solltest du jedoch ein Rätsel falsch lösen, so bin ich zurr Stelle, und das Buch gehörrt mirrr. Mitsamt
seinem Öffnungszauberr. Weigerrst du dich, mitzuspielen, werde ich es auf der Stelle zerrstören. Nun, was sagst du?“
Lakrizia starrte den Zauberer entsetzt an. Das Labyrinth der Rätsel!
Sie kannte nicht viele, die da wieder herausgefunden hatten. Aber ihr blieb keine Wahl. Sie musste es versuchen. „Einverstanden! Wann geht es los?“, fragte sie.

„Jetzt soforrt. Ich wünsche dirrr viel Spaß beim Verrlierren!“ Mit einem boshaften Lachen und einem lauten Knall war der Zauberer verschwunden, und Lakrizia stand allein in dem kleinen Raum.
Vor ihr hatte sich ein Loch in der Wand aufgetan.
Sie blickte hindurch und sah das riesige Labyrinth vor sich.

„Kann ich das allein schaffen?“, fragte sich die kleine Hexe entmutigt.
Sie ging langsam den gewundenen Pfad zum Labyrinth hinunter. Es war von einer hohen Mauer umgeben, und Lakrizia sah keinen Eingang.
„Wenn ich nur jemanden hätte, der mir zur Seite steht, dann würde es sicher leichter zu bewältigen sein.“
Sie rieb sich die Nase, das machte sie immer, wenn sie nachdachte.
Und dann kam ihr die Idee. „Dass ich da nicht gleich draufgekommen bin!“ Menschenkinder sind doch schlau und rätseln gern!
Irgendwo würde sie sicher eins finden, das sie begleiten würde!
Lakrizia hob die Hände und murmelte:

Es zischte, rauschte und brauste, dann wurde es wieder ruhig.
Lakrizia lief ein Stück die Mauer entlang. Sie war sehr gespannt, ob der Hexenspruch Wirkung gezeigt hatte und ein Menschenkind sie unterstützen würde. Und vor allem wollte sie jetzt unbedingt das erste Rätsel finden und lösen.
Plötzlich bildeten sich auf der Mauer seltsame Formeln und Ziffern, die sich immer wieder neu anordneten, bis sie ihren Platz gefunden hatten und stehen blieben.
Lakrizia machte einen Schritt von der Mauer weg,
um das gesamte Bild besser sehen zu können.
„Das sieht ziemlich kompliziert aus. Dann schauen wir doch mal, ob wir es lösen können!“
Sie hörte ein leises Zischeln. Lakrizia guckte in die Richtung, aus der das Geräusch kam, und entdeckte eine Schlange. Das musste Esmeralda sein. Von ihr hatte Lakrizia schon gehört.
Esmeralda war die boshafte Gehilfin des Zauberers.
Er hatte sie wahrscheinlich losgeschickt, um Lakrizia zu behindern und ihr den Weg noch schwerer zu machen.
Doch Lakrizia ließ sich nicht so einfach entmutigen. Schließlich hatte sie ihre Fledermäuse Flick und Flack und, wie sie hoffte, ein schlaues Kind an ihrer Seite.
Die Schlange schielte böse zu Lakrizia.
Doch die Hexe lächelte nur und drehte sich wieder
dem Rätsel zu.
„Lass uns loslegen! Zeigen wir Knurzelbeck, was wir
können!“, flüsterte Lakrizia und sah zuversichtlich auf
die Rätselmauer.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 102
ISBN: 978-3-99003-556-6
Erscheinungsdatum: 02.11.2011
Durchschnittliche Kundenbewertung: 5
EUR 19,90
EUR 11,99

Halloween-Tipps