8 - 10 Jahre

Hanna Himbeere

Sa Bü

Hanna Himbeere

Leseprobe:

Hanna Himbeere

Lisa und Tim wohnen in einem kleinen Haus mit einem großen Garten.
Heute ist schönes Wetter und Lisa möchte mit ihrer Mama die vielen neuen Pflanzen, die sie in der Gärtnerei gekauft haben, im Garten anpflanzen.

Sie ist schon früh wach und nach dem Frühstück rennt sie in den Garten und ruft ganz ungeduldig nach ihrer Mutter: „Mama, komm, ich warte schon soooo lange auf dich!“
Langsam geht Lisas Mama, beladen mit Kisten und Kartons, aus der Haustür in den Garten.
„OOOH, sind das alle Pflanzen?“, fragt Lisa.
„Ja, hilf mir bitte einmal. Ich brauche dich, damit wir alle Pflanzen auspacken und auf den Tisch stellen können.“
Lisa nimmt den Karton und beginnt damit, die Pflanzen genauer anzusehen:
Also, da gibt es große Pflanzen mit wenig Blättern und kleine, die ganz viele Blätter haben. Manche haben auch Stacheln und Lisa passt auf, dass sie sich nicht verletzt, denn die Stacheln piksen.
Viel Arbeit, aber Lisa freut sich.
Sie graben Löcher und setzen die neuen Pflanzen in die Erde.
„Puh, fast fertig!“, ruft Lisa nach einiger Zeit.
Alle Pflanzen bis auf einen Strauch sind eingebuddelt.
„So, du kannst die letzte Pflanze jetzt allein einpflanzen. Ich gieße die neuen Pflanzen“, sagt Mama.

Lisa freut sich besonders, denn der letzte Strauch trägt Lisas Lieblingsfrucht: ein Himbeerstrauch!

Sorgfältig und langsam will Lisa den kleinen Übertopf von den Wurzeln abziehen. Geht nicht! Sie versucht es noch einmal.
Auf einmal glaubt sie, eine leise Stimme zu hören. Sie beugt sich der Pflanze entgegen und horcht. Nix!!
Noch einmal zieht Lisa an der Pflanze.
„Au, pass doch auf!!“, tönt eine Stimme jetzt lauter vom Himbeerstrauch.
Lisa blinzelt und streicht sich über die Augen. Sie hat den Strauch aus dem Topf bekommen – da sieht sie ein winzig kleines Mädchen, das sich ihr lila Kleid von der Brust zu den Beinen herunter glattzieht.
Lisa zwickt sich in den Arm und schüttelt ihren Kopf. „Das gibt‘s doch nicht“, denkt sie sich und schaut nach ihrer Mutter. Die ist aber gerade mit dem Gießen beschäftigt.

„Wer bist du?“, fragt Lisa das kleine Mädchen verblüfft.
„Ich bin Hanna Himbeere und wohne in diesem Himbeerstrauch.“
„Und was machst du da?“, fragt Lisa die kleine Hanna.
Hanna steht jetzt auf ihren Beinen und hat die Hände in ihre Hüfte gestemmt.

„Ich bin die Wächterin dieses Himbeerstrauchs und passe auf, dass niemand ihm schadet.“
„Wie meinst du das?“, wundert sich Lisa.
„Ja wenn zum Beispiel ein Käfer seine Eier auf einem Blatt ablegen will, muss ich ihn verjagen. Die Würmer, die aus den Eiern schlüpfen, fressen die Blätter“, erklärt Hanna.
„Aber wer bist du? Wieso kannst du mich sehen?“
„Ich heiße Lisa und wohne in dem Haus dort“, sie zeigt mit dem Finger auf das kleine Haus am Rande des Gartens. Beide Mädchen sind sehr aufgeregt. Was war hier los?
„Aber wie lebst du in dem Strauch?“, fragt Lisa neugierig.
„Ich klettere den ganzen Tag zwischen den Blättern meines Himbeerstrauchs herum. Da reinige ich die Blätter und spreche mit der Pflanze. Wie es ihr geht und was sie sich wünscht. Ich erzähle ihr auch, wenn Tiere an ihren Blättern knabbern wollten. Wenn die Sonne scheint, liege ich auf einem Blatt und wenn es regnet, stelle ich mich unter eines. Wenn der Wind kommt, halte ich mich am Stamm des Strauchs fest.“

„Wieso kann ich dich sehen und hören? Ich habe noch nie gehört, dass Pflanzen Wächter haben. Ich habe gedacht, wir Menschen passen auf euch Pflanzen auf. Wir gießen euch, zwicken die welken Blätter ab und freuen uns, wenn wir die Früchte ernten dürfen.“
Lisa ist sehr aufgeregt. Hanna lacht.

„DAS hast du geglaubt? Nein, jede Pflanze hat einen Wächter. Ihr Menschen seht und hört uns nur nicht. Ich bin gerade eben vom Ast des Strauchs gepurzelt und ganz schön erschrocken. Durch meinen lauten Aufschrei hast du mich gehört und nur DU kannst mich jetzt sehen und mit mir sprechen.“

„Lisa, wie weit bist du?!“, ruft Lisas Mama durch den Garten.

„Ich bin gleich fertig“, ruft Lisa zurück. Sie will noch nicht nach Hause.
So viele Fragen hat sie noch an das Mädchen Hanna.

„Liiiisa, komm jetzt endlich! Du hast noch Turnstunde!“, Mamas Stimme wird lauter.

„So, liebe Hanna. Ich gebe noch ein bisschen Erde auf die Wurzeln. Ich besuche dich morgen wieder, okay?“
„Au ja, dann kannst du mir von den Menschen erzählen und ich dir von uns Wächtern.“

„Prima, das wird toll!“, freut sich Lisa.

„Tschüss Hanna, schön, dass wir uns jetzt kennen!“

„Tschüss Lisa, bis morgen!“ Sie lachen und winken sich zu.
Lisas Mama kommt um die Ecke und überrascht sie mit der Idee, bei so schönem Wetter nach dem Turnen doch noch ein Eis zu essen.




Der nächste Tag

Heute kann Lisa das Ende der Schule gar nicht erwarten. Wird Hanna wirklich noch da sein? Lisa glaubt zu träumen, als sie die Stimme aus dem Himbeerbusch hört. Noch vor dem Einschlafen gestern wollte sie gar nicht mehr glauben, was passiert war. Heute Morgen hatte sie keine Zeit, in den Garten zu gehen und nach Hanna zu suchen

Jetzt ist es endlich soweit und Lisa stürmt in den Garten. Vor dem Himbeerbusch bleibt sie stehen und fragt mit lauter Stimme:
„Hanna, hallo, bist du da?!“

Sie hört nur ein Geraschel und sonst nichts. Sie versucht es noch einmal:
„Hallo Hanna, wo bist du …?“

Nach einiger Zeit kommt eine leise Stimme aus dem Busch:
„Oh, du hast es nicht vergessen!“

„Wieso sollte ich dich vergessen? Du warst so nett! Aber ich wusste auch nicht, ob ich unsere Begegnung gestern nicht doch nur geträumt habe.
Zum Glück nicht, denn ich möchte mehr von dir wissen“, plappert Lisa aufgeregt.

„Das war aufregend. Die Menschen sind so anders als wir und ich habe mit dir gesprochen. Du kannst mich sehen und hast keine Angst vor mir, aber als ich mich gestern Abend bei der weisen Kassandra gemeldet habe, hat sie mit mir geschimpft.“ Hanna schaut traurig nach unten auf den Boden.

„Wer ist jetzt diese Kassandra und warum hat sie mit dir geschimpft?“, fragt Lisa.

„Kassandra ist die Wächterin des alten Kastanienbaumes in deinem Garten. Bei ihr müssen sich alle neuen Wächter im Garten vorstellen. Sie ist schon soo alt und weiß soo viel, dass sie uns neuen Wächtern alle Fragen, die wir haben, beantworten kann“, sagt
Hanna.

„Wieso neu? Wo warst du denn vorher?“
Lisa versteht nun gar nichts mehr.

Hanna kichert. „Ihr habt mich doch mit dem Himbeerbusch in der Gärtnerei gekauft, also bin ich neu in eurem Garten.“

„Aber warum musst du dich melden, und warum hat diese Kassandra geschimpft?“, Lisa versteht gar nichts mehr.
„Also, wie ich gesagt habe, alle Neuen müssen sich melden. Kassandra weiß dann Bescheid, wer alles im Garten ist und wen sie beschützen muss“, erklärt Hanna.

Lisa ist perplex.

„Warum hat sie dann geschimpft? Du hast doch alles richtig gemacht.“ Lisa überlegt.

„Neiiiiin, eben nicht. Ihr Menschen könnt uns normalerweise nicht hören und sehen. Ich habe nicht aufgepasst und du kannst mich jetzt hören und sehen. Das war nicht gut. Jetzt haben alle anderen Angst, dass du uns verrätst und wir keine richtigen Wächter mehr sein können“ Hanna ist ratlos.
Sie ist überrascht, dass sie mit Menschen reden kann und sehr neugierig, das Mädchen Lisa näher kennenzulernen.

„Die anderen können dich nicht hören und sehen. Das sagst du selbst. Wie soll ich euch dann verraten???“Sie würden mir ja doch nicht glauben.

Hanna überlegt. Das hört sich gut an. Ja, sehr gut! Dann haben die anderen keine Angst mehr und lachen wieder mit ihr.

„Du hast recht. Ich muss den anderen erst Bescheid geben und es ihnen erklären. Das dauert aber. Kommst du nochmal wieder?“
„Au ja, das wäre prima! Ich möchte noch so viel von dir erfahren. Bis heute Nachmittag? Ich muss noch Hausaufgaben machen und meiner Mama sagen, dass ich im Garten spielen will. Ich komme bald wiiieder. Tschüüüss.“
Lisa hüpft vor Freude ins Haus zurück. Sie mag ihre neue Freundin jetzt schon.




Wer ist Hanna?

Nach den Hausaufgaben möchte Lisa sofort Hanna sehen. Sie läuft in den Garten. Ob Hanna schon da ist? Sie musste ja zu Kassandra gehen und ihr erklären, wie es zu dem Treffen und dem Gespräch zwischen den zwei Mädchen gekommen ist. Ob die anderen Wächter wieder mit Hanna reden? Sie möchte die anderen Wächter auch sehen und mit ihnen sprechen. Natürlich will sie den Wächtern nicht schaden. Warum auch? Ach, das ist alles so aufregend …

„Hanna, bist du da?“, ruft Lisa.

Es raschelt im Busch. Die Zweige und Blätter bewegen sich.

„So, jetzt ist alles wieder in Ordnung. Alle anderen sind beruhigt und lachen wieder. Das ist wichtig, denn durch die gute Laune des Wächters kann die Pflanze oder der Baum, in dem ein Wächter wohnt, besser wachsen“, antwortet Hanna.

Lisa möchte gerne wissen, wie viele Wächter es noch gibt und wie sie heißen.
„Wie viele Wächter gibt es hier im Garten? Sehen die auch so aus wie du?“, fragt sie.

Hanna überlegt, ob sie Lisa alles erzählen soll. Aber warum eigentlich nicht? Lisa kann ja nichts verraten. Nur sie kann die Wächter sehen und hören.

„Jeder Busch und Baum im Garten hat einen eigenen Wächter. Sie sind alle so klein wie ich. Die Büsche haben Mädchen als Wächter und die Bäume Jungs. Eine Ausnahme gibt es bei Kassandra. Sie als höchste Wächterin durfte sich einen Baum aussuchen.“

„Das ist ja toll. Kann ich die auch sehen?“ Lisa ist ganz aufgeregt.

So etwas wird keiner glauben. Ihre Mama nicht und ihre Frende und Freundinnen in der Schule auch nicht.

„Du kannst jetzt alle sehen, wenn sie sich zeigen wollen“, erklärt Hanna.

„Ich finde das toll, aber ich will wissen, wer DU bist“, lacht Lisa.

„Du siehst mich doch!“, Hanna versteht nix.

„Ja, aber wie alt bist du? Musst du auch in eine Schule? Hast du Eltern?“

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 94
ISBN: 978-3-95840-992-7
Erscheinungsdatum: 30.10.2019
Durchschnittliche Kundenbewertung: 5
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Krampus & Nikolo