Geschichten - erzählt für dich

Geschichten - erzählt für dich

Derk Schmithals


EUR 18,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 162
ISBN: 978-3-99107-816-6
Erscheinungsdatum: 21.12.2021
Was macht ein Delfin am Strand, die Artisten im Zirkus oder eine Familie in Angola? Kann man Amerikaner und heiße Hunde wirklich essen - oder warum landet so viel Essen im Müll? Nette Kinder und Erwachsene erzählen dir von ihrem Leben auf der weiten Erde.
***
Dieses Buch ist für dich gedacht. Mit mehreren kleinen Geschichten. Wenn du gerne am Abend liest, mache es dir gemütlich und lese.

Am besten liest du die Geschichte, die du liest, bis zu ihrem Ende. Denn alle Geschichten waren ursprünglich „Gute-Nacht-Geschichten“. Meinen Kindern habe ich früher diese und weitere Geschichten erzählt. Sie sollten anschließend noch gut schlafen können, was auch immer die Geschichte beinhaltete.

Ihre Lehrerinnen und Lehrer wurden darauf aufmerksam und fragten neugierig nach – und sie baten mich, diese Geschichten aufzuschreiben.


Diese Geschichten sind in diesem Buch enthalten

Zehn kleine Hoffnungen

Schön, dich zu sehen

(Große) Kinder erzählen ihre Geschichten

Melanie Moos

Sendero Luminoso

Ein Tag in der Schule

Daniel und Andrea

Ein Amerikaner in Deutschland


Zehn kleine Hoffnungen

Endlich klingelte es in der kleinen Schule zur Pause. Ramon stand auf, um auf den Hof zu gehen, als der etwas kleinere Paul an ihm vorbeieilte und dabei fröhlich sang.

„Zehn kleine Negerlein, die …“ war eines von Pauls Lieblingsliedern, welches er heute ein ums andere Mal sang. Auch auf dem Schulhof sang er dieses Lied immer weiter, bis auf einmal Lilly, ein Mädchen aus der parallelen Klasse, ihm einen kräftigen Stoß versetzte, so dass Paul stürzte. Sofort fingen sein Knie und sein Ellbogen an zu bluten. Ramon sah sich um. Doch Lilly war verschwunden. Er lief sofort zu der Lehrerin, die Aufsicht führte, doch bekam erst kein Wort heraus, bis es aus ihm herausplatzte: „Paul liegt da und blutet!“

Frau Schreiner, die Lehrerin, ging sofort mit ihm zu Paul und sah, wie der Junge aus mehreren Wunden heraus noch immer blutete. Sie rief sofort den Schulsanitäter, der den Krankenwagen alarmierte.

Als sie sah, dass Paul Hilfe bekam, wandte sie sich Ramon zu: „Sag mal, was ist denn geschehen?“

Ramon schluckte. Tränen schossen ihm ins Gesicht. Auch wenn Paul ein kleiner Wirbelwind war, er war sein Freund.

„Paul hat hier gespielt und gesungen, dann kam Lilly und hat ihn gestoßen!“

Frau Schreiner, die auch seine Klassenlehrerin war, sah sich um, fand Lilly aber nicht. Doch dann nahm sie Ramon mit und suchte eine Ecke in der Nähe der Müllcontainer auf, wo Lilly saß und schuldbewusst wegsah, als beide kamen.

„Lilly?“, fragte Frau Schreiner vorsichtig, innerlich auf dem Sprung, ein weglaufendes Mädchen an der Flucht zu hindern. Lilly hingegen sah sie mit verweintem Gesicht an. Erschrocken setzten sich beide zu ihr.

„Lilly, warum hast du Paul denn so schwer verletzt?“, fragte Frau Schreiner schließlich, „er ist jetzt sogar auf dem Weg ins Krankenhaus!“

Lilly sah sie jetzt erschrocken an … „Ich habe ihn doch nur gestoßen, und er ist hingefallen!“

„Warum hast du das getan?“

„Ich wollte doch nur … der hat immer ‚Zehn kleine Negerlein‘ gesungen!“

Frau Schreiner verstand nicht so ganz: „Hat dich das Singen denn so genervt?“

„Nein“, Lilly wurde noch weinerlicher, „Mama sagt immer, ich darf das nicht singen, das singen nur böse Menschen!“

„Aber“, Ramon wunderte sich, „Paul ist doch nicht böse, dem macht das Singen Spaß!“

Die Schelle klingelte wieder und rief so zur nächsten Schulstunde.

„Lilly“, begann Frau Schreiner, „komm doch jetzt mit in Ramons Klasse, da habe ich Unterricht. Dann erzähle ich euch mal eine Geschichte über dieses Lied. Aber sag mal, warum denkt deine Mama denn so? Weißt du das?“

„Mama sagt, ‚Neger‘ ist ein Schimpfwort …“

„Aber Lilly, das ist doch ein Kinderlied. Glaubst du, erwachsene Liedermacher schreiben böse Schimpfworte in ein Kinderlied?“

Hilflos sah Lilly zu ihr, dann zu Ramon, dann wieder zu ihr.

„Ich weiß es nicht …“, stammelte sie.

„Lilly“, erklärte Frau Schreiner, „habe keine Angst, die Schule wird dich nicht bestrafen, aber ich will, dass deine ganze Familie zum nächsten Elternabend kommt, auch du und deine Geschwister. Und das, was ich mit euch gleich im Unterricht mache, werde ich mit allen Eltern machen, das verspreche ich dir.“

„Und Paul?“, fragte Ramon, aber Frau Schreiner drängte beide jetzt in den Unterricht, nicht, ohne Lilly bei ihrem Lehrer abzumelden.


Zehn kleine Negerlein

Zehn kleine Negerlein,
die krochen mal auf die Scheun’,
da ist das eine runtergefall’n,
da waren’s nur noch neun.
Ein klein’, zwei klein’, drei klein’,
vier klein’, fünf klein’ Negerlein,
sechs klein’, sieben klein’, acht klein’,
neun klein’, zehn klein’ Negerlein.
Neun kleine Negerlein,
die gingen auf die Jagd,
das eine wurde totgeschossen,
da waren’s nur noch acht.
Ein klein’, zwei klein’, drei klein’,
vier klein’, fünf klein’ Negerlein,
sechs klein’, sieben klein’, acht klein’,
neun klein’, zehn klein’ Negerlein.
Acht kleine Negerlein,
die gingen in die Rüb’n,
da ist das eine steckengeblieben,
da waren’s nur noch sieb’n.

Ein klein’, zwei klein’, drei klein’,
vier klein’, fünf klein’ Negerlein,
sechs klein’, sieben klein’, acht klein’,
neun klein’, zehn klein’ Negerlein.
Sieben kleine Negerlein,
die gingen mal zu ’ner Hex’,
das eine wurde aufgefressen,
da waren’s nur noch sechs.
Ein klein’, zwei klein’, drei klein’,
vier klein’, fünf klein’ Negerlein,
sechs klein’, sieben klein’, acht klein’,
neun klein’, zehn klein’ Negerlein.
Sechs kleine Negerlein,
die liefen mal ohne Strümpf,
das eine hat sich totgefror’n,
da waren’s nur noch fünf.
Ein klein’, zwei klein’, drei klein’,
vier klein’, fünf klein’ Negerlein,
sechs klein’, sieben klein’, acht klein’,
neun klein’, zehn klein’ Negerlein.
Fünf kleine Negerlein,
die gingen mal zum Bier,
das eine hat zu viel getrunken,
da waren’s nur noch vier.
Ein klein’, zwei klein’, drei klein’,
vier klein’, fünf klein’ Negerlein,
sechs klein’, sieben klein’, acht klein’,
neun klein’, zehn klein’ Negerlein.

Vier kleine Negerlein,
die kochten heißen Brei,
das eine hat zu heiß gegessen,
da waren’s nur noch drei.
Ein klein’, zwei klein’, drei klein’,
vier klein’, fünf klein’ Negerlein,
sechs klein’, sieben klein’, acht klein’,
neun klein’, zehn klein’ Negerlein.
Drei kleine Negerlein,
die aßen ein hartes Ei,
das eine hat zuviel gegessen,
da waren’s nur noch zwei.
Ein klein’, zwei klein’, drei klein’,
vier klein’, fünf klein’ Negerlein,
sechs klein’, sieben klein’, acht klein’,
neun klein’, zehn klein’ Negerlein.
Zwei kleine Negerlein,
die fingen an zu weinen,
der eine hat sich totgeweint,
da gab es nur noch einen.
Ein klein’, zwei klein’, drei klein’,
vier klein’, fünf klein’ Negerlein,
sechs klein’, sieben klein’, acht klein’,
neun klein’, zehn klein’ Negerlein.
Ein kleines Negerlein,
das fuhr mal in der Kutsch,
da ist es unten durchgerutscht,
da war’n sie alle futsch.

Ein klein’, zwei klein’, drei klein’,
vier klein’, fünf klein’ Negerlein,
sechs klein’, sieben klein’, acht klein’,
neun klein’, zehn klein’ Negerlein.

(Es existieren mehrere deutsche Versionen!)

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