Cover: Flynns Geheimnis hinter der Kellertür

Flynns Geheimnis hinter der Kellertür


EUR 15,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 78
ISBN: 978-3-7116-2022-4
Erscheinungsdatum: 22.10.2026
Der zehnjährige Flynn entdeckt im Keller der Apotheke seines Großvaters ein rätselhaftes Geheimnis. Plötzlich erhält er überraschende Ratschläge, die ihm helfen, Konflikte, Ängste und Herausforderungen des Schulalltags mutig zu meistern.
VORWORT


ICH WÜNSCHE MIR EIN GEHEIMNIS

Jede Geschichte hat einen Anfang.

Unsere Geschichte beginnt mit dem Wort Geheimnis und der Bub, der diese einzigartige Geschichte erleben darf, heißt Flynn und ist zehn Jahre alt.

Ehrlich gesagt, wollte Flynn schon immer ein Geheimnis haben. Er fand jedoch, trotz ernsthaften Nachdenkens, wirklich nichts, was niemand wissen durfte. Am ehesten war da noch die Geschichte mit Rudis nass gemachter Jogginghose. Das war sein Werk. Er hatte sie aus dessen Sporttasche gezogen, unter den Wasserhahn gehalten und fertig. Der Vorschlag dazu kam von Lukas, manchmal hat dieser eben fantastische Ideen. Von Zeit zu Zeit möchte man eben „cool“ sein, deshalb hatte er ihm versprochen, es zu tun. Und gehalten.

Flynn wollte ja nur Rudis Gesicht sehen, als er das Teil anzog. Das war’s wert!

Außerdem hatte es ihm das Wort „heim“ in Geheimnis angetan. Heimlich, geheim, verheimlichen, insgeheim, das klang wie Musik in seinen Ohren. Das hatte sogar etwas Verruchtes, Verbotenes an sich. Aber „Geheimnis“ toppte alles. Darum wollte er eines.

Zu diesem Thema machte Flynn fortlaufend Beobachtungen.Besonders am Schulweg bemerkte er, dass sich Mädchen und Buben oft etwas ins Ohr flüsterten und dabei die Hand zum Schutz vorhielten. Was wurde da wohl weitergegeben, das niemand hören durfte?

War ein Mädchen vielleicht insgeheim in jemanden verliebt? Das würde ja wohl bedeuten, dass dieser es noch nicht wüsste, ja, vielleicht nicht einmal ahnte.

Oder auch in seiner Klasse tuschelten manchmal zwei Mitschüler beim Umziehen für den Sportunterricht. Warum durften das nicht auch die restlichen Klassenkameraden erfahren? Das musste doch auch ein regelrechtes Geheimnis sein.

Jetzt stand es fest, es gab nichts mehr daran zu rütteln: Er, Flynn, wollte auch so eines, und zwar kein winziges, oder kleines, unbedeutendes, das man im Nu wieder vergisst.

Für ihn müsste es mit absoluter Sicherheit ein Riesengeheimnis sein.

Und ihr werdet sehen, das bekam er dann auch!




KAPITEL 1


FIT FÜR DIE SCHULE

Der erste große Streit in der Schule, an dem Flynn beteiligt war, spielte sich im September ab. Eigentlich war das sein Lieblingsmonat.Alles erstrahlte in bunten Farben. Es war noch
angenehm warm, jedoch bereitete sich die Welt rund um ihn auf das Ende des Jahres vor. Die farbenfrohen Blätter schwebten mühelos in ihren eleganten Tänzen zu Boden und die Regenwürmer gruben mit anfänglicher Leichtigkeit ihren Stollen in das noch lockere Erdreich.

Flynn nahm sich gern einige Minuten Zeit, um dieses jährlich wiederkehrende Schauspiel zu beobachten. Er fand es durchwegs unterhaltsam, manchmal klang jedoch auch ein bisschen Wehmut mit. Das war auch so, als sein Vater das Familienauto Rob dem Nachbarn zum Verkauf dagelassen hatte. Zart streichelte er noch einmal über das schwarze Heck, als würde es auch dem Wagen schwerfallen, den Besitzer wechseln zu müssen. Seine Mama beteuerte immer, froh darüber zu sein, dass er und seine Schwester Nova zu tiefen Gefühlen fähig wären. Und Recht hatte sie damit.

Der Schultag hatte eigentlich sehr gut begonnen. Vor dem liebevoll aus Früchten und Brot bereiteten Frühstück schaute Flynn eine Folge von Checker Tobi. Er fand es großartig, wie dieser auch ziemlich schwierige Themen gut und einfach erkl.ren konnte. An diesem Tag hieß die Folge „Der Blut-Check“.

Er machte sich schulfertig, packte seine Jausenbox ein und streifte seinen neuen blauen Wollpullover über, den er zum Geburtstag bekommen hatte. Er und seine Mutter legten großen Wert auf Kleidung, seine Mama, die Lehrerin war, kleidete sich mit Bedacht. Auch der Rest der Familie interessierte sich für Mode. Seine Schwester Nova w.hlte mit ihren fünf Jahren schon vor dem Kindergarten Hosen, Blusen oder Kleider alleine aus, ganz nach Tagesverfassung, und sein Vater musste ohnehin immer gut gekleidet im Büro erscheinen.

Flynn verließ die Wohnung im 3. Stock und sauste die Stiegen hinunter. Im Erdgeschoss öffnete er die Tür zum Hof und kettete seinen Roller ab, der dort abgestellt war.

Er hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, dass er nach der ersten Kreuzung am Schulweg seiner Mutter oder seinem Vater noch einmal zuwinkte. So wussten diese, dass er den Rest des Weges sicher schaffen würde.

Noch durch einen kleinen Durchgang rollen und dann lag seine Schule vor ihm. In großen Buchstaben konnte man „Albert Einstein Schule“ lesen. Er ging sehr gerne hin, heuer in die 4. Klasse Volksschule, die lustigerweise im 4. Stock beheimatet war. Der Unterricht wurde zweisprachig geführt, es wurde in Englisch und Deutsch unterrichtet. Flynn beherrschte zwei Sprachen, da sein Papa aus England stammte und dieser mit ihm und seiner Schwester nur Englisch sprach. Er fand das eine tolle Sache, konnte er am Laptop und im Fernsehen auch englischen Beiträgen folgen.

Nach der Schule hatte Flynn es stets eilig, zu seinen Großeltern zu gehen. Sie betrieben ganz in der Nähe der Schule eine Apotheke. Sein Großvater war sehr groß, hatte einen Oberlippenbart und hieß Gustav. Er war überaus gebildet und trug jeden Tag einen frischen schwarzen Seidenarbeitsmantel. Mit seiner stets höflichen Art kam er sehr gut bei seinen
Kunden an.

Da er ein Fachmann in Naturheilkunde war, beriet er sehr kompetent bei kleineren und größeren Wehwehchen, mischte Tees und rührte auch viele Salben selbst an.

Seine Oma Emma war eine Perle, der gute Geist des Hauses. In früheren Zeiten arbeitete sie als Lehrerin, doch seit ihrer Hochzeit half sie im Geschäft mit. Und sie kochte, sie kochte so gut, dass er in der Schule schon von ihrem Essen träumte. Die Knödel, die Suppen und Mehlspeisen waren unvergleichlich gut. Einmal hatte Flynn fünf Semmelknödel auf einen Schlag verdrückt. Das Essen war stets fertig, wenn er zu ihr kam. Sie schaute sogar beim offenen Fenster hinaus, um ihn zu erspähen. Dann rief er außer Atem: „Oma, was gibt’s denn heute?“, und es gab immer etwas nach seinem Geschmack. Er glaubte sogar, dass sie seine Lieblingsspeisen absichtlich in ihren Speiseplan hineinmogelte. Er fand dies richtig toll!
...

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