Cover: Die Schmetterlingsfreunde und das Rätsel der alten Wassermühle

Die Schmetterlingsfreunde und das Rätsel der alten Wassermühle


EUR 23,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 66
ISBN: 978-3-99130-677-1
Erscheinungsdatum: 19.05.2025
Um die alte Wassermühle rankt sich ein geheimnisvolles Rätsel. Die vier Freunde Lydia, Maya, Fennya und Janko wollen unbedingt herausfinden, was dahintersteckt. Seid dabei, wenn sie das Rätsel lösen!
Neue Nachbarn


Fennya! Fennya, schau dir das an!“ Aufgeregt stürmte Maya, meine Zwillingsschwester und gleichzeitig beste Freundin, in unser Zimmer. Ich war gerade dabei zu malen, wie wir letzte Woche auf Teneriffa die Delfine gesehen hatten. „Was ist denn los? Geht die Welt unter oder ist Sultan in den Teich gefallen?“, neckte ich sie lachend.
Maya stutzte. Dann schüttelte sie heftig den Kopf. „Katzen sind doch wasserscheu. Das weißt du genau! Nein, mal im Ernst. Das musst du sehen! Komm mit!“ Ein bisschen zu schnell legte ich mein Bild zur Seite, sodass ein hässlicher Strich neben dem Katamaran entstand. Na toll. Trotzdem machte ich, dass ich so schnell, wie ich konnte, Maya hinterherkam, die zum Fenster im Schlafzimmer unserer Großeltern lief. Es stand weit offen. Von hier aus konnte man die alte Wassermühle nebenan gut sehen. „Aber … das sieht ja so aus, als würden da Leute einziehen!“, stammelte ich. Die Mühle stand schon seit Jahren leer. „Ich habe doch gesagt, das musst du sehen!“, rief Maya aufgeregt. „Komm, lass uns runtergehen und sie begrüßen!“ So schnell wir konnten, liefen wir die alten Stufen des Fachwerkhauses runter, durch das Wohnzimmer und in den Flur. Maya riss die Haustür auf, neben der das große Schild

FAMILIE MIELKE

hing und ich schmiss sie hinter uns wieder zu. Dann verlangsamten wir unser Tempo und liefen zur Wassermühle. Ein rundlicher Mann und eine schlanke Frau räumten gerade ein Sofa in das Wohnhaus neben der Mühle. Das heißt, sie versuchten es. Das schokoladenbraune Ding schien ziemlich schwer zu sein. „Guten Tag“, sagte Maya. „Wir sind Fennya und Maya von nebenan. Herzlich willkommen in unserem Dorf.“ Die Frau versuchte sich an einem Lächeln, wobei sie allerdings kurz nicht aufpasste, ihr ihre Sofaecke aus der Hand rutschte und ihr auf den Fuß knallte. „Aaaauuuaaa!“, kreischte sie. „Oh, entschuldigen Sie, das wollte ich nicht!“, rief Maya und machte ein zerknirschtes Gesicht. Aber diese winkte ab. „Aber du kannst gar nichts dafür, mein Kind. Ich bin Regina und das ist mein Mann Robert.“ Sie hob die Sofaecke wieder an, nickte ihrem Mann zu und dann tippelten sie samt Sofa in Richtung Eingang der Mühle. Sie waren fast da, da stürmte ein Junge heraus, stieß seinen Vater aus Versehen an und diesem viel seine Sofaecke aus der Hand. „Aaaauuuaaa!“, schrie er, als sie auf seinem Fuß landete. „Sorry, Papa“, murmelte der Junge und kam dann auf uns zu. „Hi. Ich bin Janko und wer seid ihr?“ Maya wiederholte: „Wir sind Maya und Fennya von nebenan.“ Janko schaute zu unserem Haus hinüber. „Cool. Gibt es noch mehr Kinder im Dorf?“ Maya nickte und lachte. „Ziegenberg ist voll von Kindern. Unsere beste Freundin Lydia wohnt direkt an der St. Marienkirche.“ Janko schaute uns verwundert an. „Aber meine Mama meinte, es gebe hier gar keine Schule.“
„Ja, aber im Nachbarsdorf Hirschhausen, da gehen alle Kinder aus unserem Dorf auch hin“, erklärte ich. Da hörte man einen Schrei vom Inneren der Wassermühle. „Aaaaauuuu! Mensch, Robert. Pass doch auf. Wenn das Sofa noch ein weiteres Mal auf meinen Fuß fällt, ist der bestimmt gebrochen.“
Wir drei schauten uns an und mussten uns ein Lachen verkneifen. Dann liefen wir in die Mühle, um beim Einzug zu helfen.




Das Fachwerkhaus der Mielkes


Als Erstes schnappten wir uns zu dritt eine große Stehlampe, um sie ins Haus zu tragen. Janko zeigte uns, wo das Wohnzimmer war, in dem schon ein großes Regal, das schokoladenbraune Sofa und ein Tisch mit sechs Stühlen standen. Wir stellten die Lampe rechts in die Ecke. „Da steht sie gut“, sagte Janko mit schief gelegtem Kopf. Auf dem Weg nach draußen trafen wir Regina, die zusammen mit Robert den Sessel trug. „Kinder, nehmt nur leichte Sachen, die nicht zu groß sind, und nur welche für das Erdgeschoss, ja?“ Beinahe wäre ihr der Sessel wieder auf die Füße gefallen, aber Janko konnte ihn rechtzeitig auffangen. „Das war knapp …“, murmelte ich. Maya stimmte zu: „Alles klar, wir nehmen nur kleinere Sachen.“ Sie verdrehte aber die Augen, als die Erwachsenen weitergingen. Als Nächstes nahm sich jeder von uns einen weißen Stuhl für die Küche. Dort standen schon der Tisch, ein Regal und die Küchenzeile mit Waschbecken, Ofen, Herd, Kühlschrank und die Gefriertruhe war ebenfalls schon eingebaut. Die hatten die vorherigen Besitzer Frau und Herr Anderson hinterlassen. Allerdings waren die beiden schon vor fünf Jahren ausgezogen. „Stellt die Stühle auf diese Seite. Auf die andere kommt eine Eckbank“, meinte Janko. Die beiden Mädchen stellten sie so hin, dass man durch das Fenster das Fachwerkhaus sehen konnte. „Habt ihr die Möbel mitgenommen oder neu gekauft?“, wollte Maya wissen. „Teils, teils …“, antwortete der Junge. Dann gingen sie wieder nach draußen und versuchten, zu dritt einen Teppich ins Haus zu tragen. Der kam wieder ins Wohnzimmer.

Eine Stunde später waren alle Möbel aus dem Transporter ins Haus getragen worden. „Jetzt haben wir uns aber ein Eis verdient, oder Papa?“, fragte Janko erschöpft. „Au ja! Bei Tante Tinka gibt es das beste Eis der Welt!“, schloss sich meine Schwester an und ich nickte eifrig. „Also ich weiß nicht. Ich könnte auch was Leckeres vertragen, aber wir kennen uns doch noch gar nicht hier aus …“ „Aber das lässt sich doch ändern. Außerdem kommen wir doch mit“, wandte Maya ein. „Oder ihr kommt einfach zu uns!“, sagte plötzlich eine Stimme hinter uns, die ich nur zu gut kannte. Es war Papa. So kam es, dass wir unseren Nachbarn unser Haus zeigten. Das Wohnzimmer mit der gemütlichen Sofakuschelecke, das Bad mit den Meeresdekorationen, das Schlafzimmer von Oma und Opa, die aber gerade Urlaub auf Fehmarn machten, das von Mama und Papa, unser Zimmer mit dem Hochbett, die Küche mit Tür zur Terrasse und den riesigen Garten mit den Schaukeln. „Hey, ihr habt ja ein Baumhaus!“, rief Janko aufgeregt, als er die alte Hütte in der dicken Kastanie entdeckte. „Ja. Cool, was?“, meinte Maya triumphierend. „Aber wie kommt man denn da hoch?“, fragte Janko nachdenklich. Maya sah ihn schmunzelnd an und zog an einem Seil, das unser Nachbar vorher gar nicht gesehen hatte. Eine Strickleiter fiel aus dem Geäst der Bäume. „Komm mit!“ Ich kletterte eifrig die Leiter hinauf und krabbelte in das Baumhaus. Die anderen folgten mir und zogen die Leiter dann wieder nach oben. Maya lief zum kleinen Fenster, was von orangenen Vorhängen geschmückt wurde. „Schau, von hier aus kann man die ganze Landschaft überblicken.“ Gespannt blickte Janko aus dem Fenster. „Wahnsinn! Man kann bis zum Nachbardorf gucken! Wartet mal. Die anderen essen ja Kuchen! Das dürfen wir uns nicht entgehen lassen, oder?“ Nun warf auch ich einen Blick nach draußen. „Tatsächlich. Und dann auch noch Bienenstich. Kommt, worauf wartet ihr noch!“ So flink wie ein Äffchen hangelte ich die Leiter wieder hinunter und raste zur Terrasse. „He, fangt nicht ohne uns an!“ Maya und Janko kamen mir hinterhergeeilt. Zusammen setzten wir uns an den schon etwas klapprigen Gartentisch und genossen alle den Kuchen. Es war herrlich. Die Erwachsenen plauderten und wir Kinder lachten. Als dann aber plötzlich Sultan angesprungen kam, endete das Ganze allerdings im Chaos. Man hörte noch Rufe wie „Halt!“, „Sultan, nicht!“, „Huch …“ und „Achtung, der Kuchen!“. Doch zu spät. Der schöne Kuchen flog vom Tisch, die gerade gebackenen Kekse von Mama landeten ebenfalls auf dem Boden und auf dem Tisch ergoss sich eine Pfütze aus der Mischung von Kaffee und Apfelsaft. Und mittendrin saß Sultan, dieser freche Kater und guckte wie das unschuldigste Unschuldslamm überhaupt.
...
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