Der kleine Eisbrecher Karl

Der kleine Eisbrecher Karl

Thomas Ebeling


EUR 22,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 66
ISBN: 978-3-99107-950-7
Erscheinungsdatum: 08.11.2021
Drei eingeschworene ungleiche Freunde sind auf Rettungsaktion für ihren alten Weggefährten im Nordmeer unterwegs und kämpfen gegen die unbändige Kraft des arktischen Nordens. Ein fesselndes Rennen gegen die Zeit beginnt. Schaffen sie es noch rechtzeitig?
Es war vor vielen, langen Jahren, da wurde der kleine Eisbrecher Karl für die Schweden gebaut. Er sollte dafür sorgen, dass die anderen Schiffe auch im kalten schwedischen Winter im Meer fahren können, dass kein Fischer mit seinem Kutter im Eis stecken bleibt und dass die Fähren, von denen es in Schweden sehr viele gibt, die Menschen von einer Insel zur anderen bringen können. Ohne die Fähren kommen die Menschen nicht zu ihrer Arbeit oder zu ihren Freunden.
Auch die Bottenwiek, ein Teil im Norden der Ostsee zwischen Schweden und Finnland, muss von Eis freigehalten werden. Die Bottenwiek ist ungefähr 40 Meter tief und durch ihre nördliche Lage vereist sie im Winter fast vollständig. Hier herrscht die Eisdecke über 120 Tage vor und kann eine Mächtigkeit von bis zu einem Meter erreichen.
Das ist dann schon ganz schön schwere Arbeit für Karl. Da muss er sich richtig anstrengen. Oder er überlässt diese Arbeit seinen größeren Freunden.
Eigentlich ist Karl ja gar nicht so klein. Mit fast 43 m Länge ist er schon fast ein Großer. Aber unter seinen Eisbrecherfreunden ist er eben der Kleine. Und so hat er seinen Spitznamen, „Karl, der kleine Eisbrecher“, erhalten.
Karl wohnte in einem kleinen Hafen auf der Insel Gotland im Norden, in Valleviken. Dort war es im Sommer immer schön warm und die vielen Touristen, die hier Urlaub machten, kamen oft in den Hafen und spazierten an Karl vorbei. Karl freute sich immer über das bunte Treiben und lauschte den vielen Menschen. Die Kinder spielten im Hafen und am Ende des Kais gab es eine Eisbude. Da holten sie sich gerne das Leckeis. Wenn Karl das sah, bekam er wieder Sehnsucht nach Eis. Aber nicht nach Schokoladen- oder Vanilleeis, sondern nach dem großen Eis. Nach den Eisschollen, die im kalten Winter auf dem Meer entstehen. Karl träumte sich in den Winter zurück, in seine Eiszeit. Er konnte es kaum erwarten, bis es wieder richtig kalt wurde.
Wenn sich dann der Herbst verabschiedete und der Winter ankündigte, kam jedes Jahr der Hafenmeister Trelloson zu ihm und bereitete Karl auf den Winter vor. Der Motor wurde frisch geölt, das Ruder überprüft, die Elektrik inspiziert. Es wurde alles auf einen kalten, strengen Winter vorbereitet.
Dann war es endlich wieder Zeit aufzubrechen. Karl freute sich jedes Jahr darauf, denn zum Winter hin durfte er umziehen. Dann ging es zu seinem Winterhafen nach Tröllisunde. Ein kleiner Hafen mit vielen freundlichen Menschen, der Hafenkneipe „Zum Klabautermann“, dem alten Fischer Siegbert, der wartete dort bereits auf ihn und freute sich jedes Jahr, wenn er Karl im Hafen begrüßen konnte.
Sie waren schon viele Jahre dicke Freunde. Hier blieb er dann den ganzen Winter und wartete auf seine geliebte Arbeit, das Eisbrechen.
So fuhr Karl im Winter jeden Morgen auf das große Meer und freute sich, wenn das Eis so richtig dick war. Denn er liebte es, wenn an seinem dicken Bauch die Eisschollen kratzten und rumpelten. Karl, der kleine Eisbrecher, freute sich, wenn er durch das kalte Meer pflügen konnte.
Ganz besonders froh ist er, wenn er auf seine Freunde Waldimare, den dicken Buckelwal, und Roberti, die schnelle freche Robbe, traf. Sie verabredeten sich dann draußen auf dem Meer und spielten oft mit den großen Wellen, die vom Wind gepeitscht schäumten und gurgelten. Dann war er glücklich, das macht so viel Spaß.
Wenn Karl auf die dicken Eisschollen traf, rumpelte und pumpelte es an seinem dicken Bauch, in dem war der starke Motor, der richtig viel Kraft hatte, und Karl sicher durch alles Eis der Meere brachte.
Karl und seine beiden Freunde Waldimare und Roberti kannten sich schon viele Jahre. Wenn Karl nicht arbeiten musste, weil kein Eis da war, fuhr er sehr gerne raus auf die offene See und traf sich mit seinen Freunden. Dann veranstalteten sie oft ein Wettrennen. Waldimare und Roberti holten tief Luft und tauchten ab. Karl startete den Motor und raste los. Wer war der Erste an der alten Boje, die draußen im Meer vor sich hinschaukelte? Waldimare und Roberti konnten nämlich ganz lange Luft anhalten und tauchen. Wenn sie beide unter Wasser waren, waren sie richtig schnell. Karl aber kämpfte wie ein Rennfahrer und versuchte, als Erster an der Boje zu sein. Na ja, manchmal schaffte er es auch. Nur Waldimare und Roberti sagten ihm nicht, dass sie dann extra langsam getaucht waren, damit Karl auch mal jubeln konnte und stolz war, wenn er ein Rennen gewonnen hatte. Sonst war er immer traurig und das wollten die beiden Freunde nun auch nicht. Pst! Aber nicht verraten.
Wenn Karl zu Hause im Winterhafen ist, freut er sich immer über die vielen Leute, die mit dicker Jacke und Pudelmütze an ihm vorbeispazieren und dann mit Schneebällen versuchen, seinen Schornstein zu treffen. Er liebt den Winter mit den dicken, weißen Flocken, wenn alles so schön weiß eingehüllt ist, und man den Schmutz nicht mehr sieht, der in mancher Ecke rumliegt. Wenn dann die Sonne scheint, der Himmel blau leuchtet und der kalte Wind um seinen Bug wirbelt, döst Karl gerne vor sich hin und träumt von spannenden Abenteuern auf dem Meer.
Das ist dann die Gelegenheit für Elke, einen Schabernack mit Karl zu treiben.
Elke ist eine kleine, dicke Möwe und kommt eigentlich aus Deutschland. Seit sie geschlüpft ist, beobachtet sie die vielen Schiffe, die in Bremerhaven, wo ihr Heimatnest lag, jeden Tag im Hafen ankommen und, wenn sie wieder neu beladen sind, zurück auf hohe See hinausfahren. Gerne würde sie einfach mal auf so einem großen Schiff anheuern, mitfahren und sich die weite Welt anschauen.

Sie träumt von den großen Containern, die wie ein buntes Türmchenspiel auf den riesigen Frachtschiffen gestapelt sind. Das würde bestimmt Spaß machen, da oben zu sitzen und den Schnabel in den Wind zu halten, die Augen zu schließen, zu träumen und über den großen Ozean zu schippern.
„So schön“, denkt sich Elke und seufzt ganz tief. Denn diese große Strecke würde Elke nicht schaffen zu fliegen.
Eines schönen Tages, es war einer von diesen typischen Frühlingsmorgen, wo die Sonne schon voller Freude lacht, aber der kalte Wind von der See noch die letzten Gedanken an den Winter wachhält, da sagt sie zu sich: „Elke, gib dir einen Ruck. Jetzt oder nie!“ Man wird nicht jünger, denkt sie sich und hier so rumzuhocken macht auch keinen
Spaß mehr.
„Die Welt, sie liegt mir zu Füßen, ich starte jetzt und will die Ferne grüßen“, singt sie vor sich hin und grinst in sich hinein.
Da ist dieses stattliche Schiff. Was steht da am Bug?
„Ocean Fürste“. Genau das ist mein Schiff. Groß wie eine Kathedrale mit vielen bunten Containern.
‚Mein buntes Traumkreuzfahrtcontainerschiff‘, denkt sie sich und fliegt auch schon direkt darauf zu.
Der Frachter nimmt Fahrt auf und Elke landet auf der Reling und ist stolz auf sich, den Traum, ihren großen Traum, endlich umzusetzen. Jetzt beginnt eine neue Zeit, ein neues Abenteuer. Sie ist ganz neugierig, wohin die Reise wohl geht.
Die Wellen klatschen an das große Frachtschiff und wirbeln Gischt auf. Das Meer duftet nach Salz und in den Ohren pfeift der Wind.
„Hurra“, ruft sie gegen den Wind, „ich bin auf großer Fahrt!“
Das Frachtschiff fährt viele lange Stunden. Elke hat kein Gefühl mehr für die Zeit.
„Na und“, denkt sie sich, „egal, wie lange es dauert, mal gucken, wo ich lande.“
Die Fahrt ist ganz schön schaukelig, es dauert lange, bevor Elke am Horizont Land sieht. Ohne lange zu überlegen, welches Land das wohl sein mag, ohne sich die Frage zu stellen: „Wo bin ich gelandet?“, entscheidet sie sich ganz spontan und fliegt los. Sie will die Welt entdecken.
An Land angekommen, steuert sie auf den kleinen Hafen zu.
Das sieht hier so schön fröhlich aus. Mit vielen bunten Schiffen, kleinen Motorbooten, jeder Menge Segelbooten, einem alten Kutter und einem kleinen Eisbrecher. Der liegt straff vertäut und schaukelt in den Wellen leicht hin und her, als ob er vor sich hintanzt.
Im Hintergrund ist die Hafenmeisterei.
„Aha, hier arbeitet bestimmt der Hafenchef“, denkt sich Elke.
Eine alte baufällige Baracke sieht sie da auch noch. Davor liegt ein großer Anker. Nanu, was soll das denn? Während sich diese Frage durch Elkes kleines Gehirn arbeitet, geht die Tür der Baracke auf und zwei alte Seemänner kommen, Arm in Arm laut singend, heraus. Da erkennt sie, was das ist. Es ist keine baufällige Baracke, sondern eine gemütliche Hafenkneipe und der Anker ist Dekoration. Sie hört noch, bevor sich die Tür wieder schließt, wie fröhliche Seemannslieder aus der Kneipe herausklingen.
Mann, da ist ja richtig Stimmung.
Neugierig, wie Elke nun mal ist, fliegt sie hin, landet auf dem Fensterbrett und linst durch das verstaubte Fenster. Die Leute da drinnen singen und tanzen zur Musik. Elke ist begeistert. Hier bleibe ich, hier ist es schön!
Der kleine Eisbrecher schaut ganz verschmitzt zu Elke hin. Sie fliegt hinüber und sagt: „He, wer bist du denn? Du siehst ja knuffig aus. Und gar nicht so riesig wie die „Ocean Fürste“, auf der ich gefahren bin.“
Der kleine Eisbrecher guckt die Möwe an und sagt fröhlich: „Ich heiße Karl und arbeite hier!“ Und voller Stolz in der Stimme: „Wenn es Winter ist und die Eisschollen durch die See treiben, sorge ich dafür, dass die vielen Schiffe ohne Probleme fahren können.“
Und so lernten sich Elke und Karl, der kleine Eisbrecher, kennen.
Elke hockt gern auf Karls schwarzem Schornstein und Karl erzählt von seinen vielen Einsätzen im Eis. Das sind spannende Geschichten. Die großen Abenteuer im Sturm. Die harte Arbeit, wenn das dicke Eis droht, die Schiffe zu zerdrücken. Oder wenn er die Fahrtrinne immer und immer wieder freibrechen muss, damit die Schiffe auch sicher in den Hafen kommen und ihre Ladung löschen können.
Elke erzählt Karl, wie sie es geschafft hat, mit dem Frachtschiff nach Schweden zu kommen, und was sie noch alles für Ideen hat, was sie alles sehen will und wo sie noch unbedingt hinmöchte, denn sie will ja die große weite Welt kennen lernen.
5 Sterne
Eine schöne Kindergeschichte - 30.12.2021
Andreas Matzken

Das Buch erzählt eine sehr schöne und kindegerechte Geschichte über Freundschaften.Der Autor versteht es gut einen Spannungsbogen aufzubauen.Weiter so.

5 Sterne
Tolles Buch! - 28.11.2021
Lilli

Das Buch hat mir sehr gut gefallen! Es war lustig und sehr spannend! Ich freue mich auf die Fortsetzung des Abenteuers.

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