Das Wunder von Wichtel Salim
EUR 27,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 176
ISBN: 978-3-99131-853-8
Erscheinungsdatum: 23.10.2024
Robin und Luna wünschen sich eines Nachts in den Wald. Auf wundersame Weise wird ihr Wunsch Wirklichkeit. Sie erleben mit einer Maus und einem Fuchs eine unvergessliche Zeit – in einer Welt, in der Wichtel Salim sehnlichst auf ein Wunder hofft.
Das Wunder von Salim
Hört mit euren Herzen
und die Kinder werden euch
die ihren schenken.
Seht mit euren Herzen
und die Kinder werden euch
auf eine Reise zurück in die
Kindheit mitnehmen.
Erzählt mit euren Herzen
und in den gemeinsamen Stunden
werdet ihr ein Teil von Salims Wunder.
Erklärt und erlebt die Natur
und findet den Weg in eure
eigene Kindheit zurück.
Lasst los alle Grenzen und taucht ein
in die Welt der Fantasie.
Genießt die Zeit mit euren Kindern
und werdet selber zur Magie!
Salim, der Wichtel
Er steht da, im Schatten der größten Eiche am Waldrand. Seine spitzen, grünlichen Ohren und das gewellte, schneeweiße struppige Haar unter der grauen Filzmütze versteckt, seine Knollennase ist rot vor Kälte und die runden, dunklen Augen schauen traurig auf die Wiese vor dem Wald. Die dunkelgrüne Jacke, mit einem aus Weide geflochtenen Gürtel, kommt ihm bis zu seinen Knien. Die schwarzen Stiefel so hoch, dass von den hellgrauen Hosen kaum etwas zu sehen ist. Angestrengt schaut er hin und her, als würde er etwas suchen. Doch so klein wie der Fichtenzapfen selbst, kann er außer dem sattgrünen Gras nichts erkennen. Dabei weiß er doch ganz genau, dass er an der richtigen Stelle steht. Hier muss es sein. Genau hier war es immer. Jedes seiner 147 Jahre war es um diese Zeit hier. Schon sein Großvater hat ihn mitgenommen und zusammen haben sie es hier gesehen. Nur dieses Jahr kommt es nicht.
Salim schaut durch die Äste der riesigen Fichte hinauf in den blauen Himmel. Die Sonne wird gleich untergehen. Wie kann das nur
sein? Wo ist es denn? Traurig senkt er den Kopf, dreht sich um und verschwindet im Dämmerlicht des Waldes.
„Und, hast du es gesehen?“, fragt Dil-
ma, Salims Wichtelfrau. „Nein, heute auch nicht“, antwortet Salim und hängt seine Jacke an den kleinen Ast im Eingang.
Dilma steht am Herd und rührt in einer Pfanne. Sie trägt eine rotweiße Schürze über ihrem blauen Filzkleid, das ihr fast bis zu den Knöcheln kommt. Ihre kleinen Füße stecken in viel zu großen braunen Filzpantoffeln und ihr silbergraues Haar hängt ihr wild über die Schultern.
Dilmas grüne Knopfaugen schauen ganz konzentriert in die Pfanne. Die kleinen spitzen grünen Ohren sind unter dem zerzausten Haar kaum zu erkennen. Die Wichtelfrau zieht ihre Schultern hoch, wirft Salim einen kurzen, prüfenden Blick zu und widmet sich wieder ihrer Pfanne.
Salim setzt sich auf die kleine Holzbank im Eingang. Mit einem tiefen Seufzer zieht er sich die Stiefel aus. Schön ordentlich platziert er sie unter seiner Jacke, die er schon aufgehängt hat, und setzt sich auf den Stuhl am runden Tisch.
Dilma hat schon aufgedeckt und eingeschenkt. Müde nimmt Salim einen Schluck Kräutertee. Der schmeckt gut und wärmt ihn auf. Dilma bringt die Pfanne auf den Tisch und schöpft Suppe in die beiden Schalen, die aus hellem Ton gefertigt sind. „Wir danken für unser Mahl“, murmelt sie etwas undeutlich und beide beginnen die Suppe aus der Schale zu löffeln. Die Ellenbogen auf den Tisch gestützt, schlürfen sie wortlos Schluck für Schluck der wohlriechenden Suppe.
Robins Reise
Robin sitzt traurig auf seinem Bett und bewegt seine nackten Zehen auf und ab. Mit beiden Händen hält er sich die Ohren zu.
Er kann es nicht mehr hören. Heute ist doch sein 7. Geburtstag. Eine Träne rollt ihm über die Wange und noch eine und noch eine. Seine Nase läuft und er nimmt sich sein Taschentuch unter dem Kopfkissen hervor. Sie streiten sich schon wieder. Er wischt sich die Tränen aus dem Gesicht und schnäuzt sich die Nase. Dann legt er das Taschentuch zurück unter sein Kissen, kriecht unter die Decke, dreht sich zur Wand und schließt die Augen. Er wünscht sich einfach weg von hier. In einen tiefen Wald, wo ihn niemand findet.
Robin ist endlich eingeschlafen. Niemand hat ihm „Schlaf gut“ gewünscht und auch nicht mehr gute Nacht gesagt. Doch wenn man ganz ruhig ist und aufmerksam hinhört, kann man ihn schnaufen hören.
Bei jedem seiner Schritte raschelt das Laub. Eine leichte Brise zieht durch die Bäume. Hie und da bewegt sich ein Ast. Robins Augen haben sich an die Dunkelheit gewöhnt.
Er bleibt stehen: Ist das eine Maus unter der großen Baumwurzel? Aber ja, da kommt sie vorsichtig hervorgekrochen. Sie stellt sich auf die Hinterbeine, putzt sich mit ihren Vorderpfoten die Nase und schaut Robin neugierig an: „Was machst du denn da, kleiner Mann?“, fragt sie.
Robin glaubt seinen Ohren nicht. „Äm …“, stottert er.
„Ich spaziere nur so durch den Wald“, antwortet er überrascht.
„Ach, du spazierst nur so durch den Wald“, piepst die kleine Maus und hüpft ein paar Schritte näher. „Und warum spazierst du nur so durch den dunklen tiefen Wald? Das ist kein Ort für einen kleinen Jungen wie dich und schon gar nicht alleine mitten in der Nacht!“
„Äm …“, stottert Robin wieder. „Ich habe mich von Zuhause weggewünscht und hier bin ich.“
Die kleine Maus ist in der Zwischenzeit schon bei ihm angelangt. Sie steht wieder auf die Hinterbeine und schaut den kleinen, verlegenen Jungen liebevoll an. „Von Zuhause weggewünscht“, wiederholt sie.
Robin kniet sich nieder und die kleine Maus hüpft erschrocken ein paar Schritte zurück. Der Junge lacht und setzt sich auf einen Stein. „Und warum kannst du sprechen?“, fragt er.
„Sprechen?“, piepst die Maus überrascht.„Ich kann schon immer sprechen, aber warum kannst du mich verstehen?“
Robin, selber etwas verunsichert, meint: „Das ist sicher nur ein Traum.“
„Ein Traum“, wiederholt die kleine Maus etwas schroff. „Bin ich etwa keine Maus? Denkst du, ich sei nicht wirklich?“ Beleidigt senkt sie ihren Kopf.
Salims Sorgen
Salim kniet vor der kleinen, aus Steinen gefertigten Feuerstelle im Wohnzimmer des Häuschens. Eigentlich ist es ein ausgehöhlter Baumstamm einer riesigen Fichte. Mit ihren Ästen reicht sie bis weit in den Himmel hinauf. Sie ist einer der ältesten Bäume in diesem Teil des Waldes. Es gibt keine Fenster, denn der Winter ist sehr kalt hier. Ein großer getrockneter Fichtenzapfen dient den beiden als Tür. Ein Holzwurmloch führt von der Feuerstelle direkt nach draußen und wirkt als Kamin. Mitten in der Baumhöhle liegt ein grauer Stein, mit weißen Kalkstreifen durchzogen, den sie als Tisch nutzen. Die Stühle hat Salim aus Weiden geflochten. Neben der Feuerstelle sind zwei Wurzeln, die wie Schaukelstühle hin und her wippen, wenn sie sich draufsetzen. Der Boden ist mit fein gehackten Holzschnitzeln aufgefüllt. Dilmas Küche, auf die sie besonders stolz ist, hat Salim mit kleinen Steinen und Lehm zusammengebaut. Mittendrin ein Feuerloch, über dem sie ihren Topf zum Kochen bringt. Gegenüber der Feuerstelle liegt eine mit Federn gefüllte Filzmatratze auf dem Boden. Die farbig gestrickte Decke ist säuberlich zusammengefaltet.
Salim beginnt das Holz, das neben der Feuerstelle aufgestapelt ist, kunstgerecht in der Feuerstelle aufzuschichten. Dann zieht er selbstgefertigte Streichhölzer aus seiner Hosentasche und zündet das Feuer an. Schnell beginnen die kleinen, feinen Äste zu brennen und bald schon lodert ein wärmendes Feuer.
Dilma hat sich schon in den Schaukelstuhl gesetzt, während Salim noch unschlüssig auf und ab geht. Sie greift in einen geflochtenen Korb neben dem Stuhl und nimmt ihre Strickarbeit heraus. Eifrig beginnt sie weiterzustricken. Das Klappern der Holznadeln und das Knistern des Feuers übertönen die schleifenden Schritte von Salims Filzpantoffeln, der noch immer hin und her läuft.
„Jetzt setz dich endlich hin!“, faucht Dilma ungeduldig. „So wird es auch nicht besser und heute kannst du sowieso nichts mehr tun.“
„Weiß ich auch“, murrt Salim und setzt sich schließlich in seinen Schaukelstuhl, sein besorgtes Gesicht in die Hände gestützt.
Mit den Zehenspitzen berührt er ab und zu den Boden, sodass sein Stuhl langsam hin und her schaukelt.
„Es ist ja noch Zeit“, lenkt Dilma ein.
„Was bedeutet uns schon Zeit“, jammert er weiter und zupft sich an seinem Bart. „Du weißt ganz genau, was passieren wird, wenn es ausbleibt! Ich verstehe das nicht.“ Unruhig steht er auf und sein Stuhl wackelt noch hin und her, während er sich schon wieder am Feuer zu schaffen macht.
„Du kannst es nicht ändern, das weißt du doch. Du nicht!“
Ihre Nadeln flitzen auf und ab.
Der kleine Wichtelmann hat genug gehört. Verärgert setzt er sich den Spitzhut auf den Kopf, nimmt die Jacke vom Haken und stapft in seinen Pantoffeln zum Eingang. Schwungvoll rollt er den Zapfen zur Seite. Ein fieser kalter Wind pfeift durch die Türe und Dilma schaudert. „Mach sie zu, du sturer Dummkopf!“ Ihre Augen schauen ihm wütend nach. Sie schüttelt den Kopf und murmelt unverständliche Worte, während sie weiterstrickt.
Was ist nur los mit diesem alten Wichtelkerl? Als könnte er die Welt verändern. Ausgerechnet er, nicht größer als ein Fichtenzapfen. Ihre Nadeln klappern, doch ihr Blick verrät sie. Verlegen schaut sie ihm nach. Armer Kerl, denkt sie. Pass auf dich auf und nimm’s dir nicht so zu Herzen. Es wird schon kommen.
Es war immer so und wird immer so sein.
Doch Salim hört ihre Gedanken nicht. Noch immer verärgert und gleichzeitig besorgt stampft er in den Pantoffeln durchs Dickicht des Waldes in die dunkle Nacht hinaus.
Hört mit euren Herzen
und die Kinder werden euch
die ihren schenken.
Seht mit euren Herzen
und die Kinder werden euch
auf eine Reise zurück in die
Kindheit mitnehmen.
Erzählt mit euren Herzen
und in den gemeinsamen Stunden
werdet ihr ein Teil von Salims Wunder.
Erklärt und erlebt die Natur
und findet den Weg in eure
eigene Kindheit zurück.
Lasst los alle Grenzen und taucht ein
in die Welt der Fantasie.
Genießt die Zeit mit euren Kindern
und werdet selber zur Magie!
Salim, der Wichtel
Er steht da, im Schatten der größten Eiche am Waldrand. Seine spitzen, grünlichen Ohren und das gewellte, schneeweiße struppige Haar unter der grauen Filzmütze versteckt, seine Knollennase ist rot vor Kälte und die runden, dunklen Augen schauen traurig auf die Wiese vor dem Wald. Die dunkelgrüne Jacke, mit einem aus Weide geflochtenen Gürtel, kommt ihm bis zu seinen Knien. Die schwarzen Stiefel so hoch, dass von den hellgrauen Hosen kaum etwas zu sehen ist. Angestrengt schaut er hin und her, als würde er etwas suchen. Doch so klein wie der Fichtenzapfen selbst, kann er außer dem sattgrünen Gras nichts erkennen. Dabei weiß er doch ganz genau, dass er an der richtigen Stelle steht. Hier muss es sein. Genau hier war es immer. Jedes seiner 147 Jahre war es um diese Zeit hier. Schon sein Großvater hat ihn mitgenommen und zusammen haben sie es hier gesehen. Nur dieses Jahr kommt es nicht.
Salim schaut durch die Äste der riesigen Fichte hinauf in den blauen Himmel. Die Sonne wird gleich untergehen. Wie kann das nur
sein? Wo ist es denn? Traurig senkt er den Kopf, dreht sich um und verschwindet im Dämmerlicht des Waldes.
„Und, hast du es gesehen?“, fragt Dil-
ma, Salims Wichtelfrau. „Nein, heute auch nicht“, antwortet Salim und hängt seine Jacke an den kleinen Ast im Eingang.
Dilma steht am Herd und rührt in einer Pfanne. Sie trägt eine rotweiße Schürze über ihrem blauen Filzkleid, das ihr fast bis zu den Knöcheln kommt. Ihre kleinen Füße stecken in viel zu großen braunen Filzpantoffeln und ihr silbergraues Haar hängt ihr wild über die Schultern.
Dilmas grüne Knopfaugen schauen ganz konzentriert in die Pfanne. Die kleinen spitzen grünen Ohren sind unter dem zerzausten Haar kaum zu erkennen. Die Wichtelfrau zieht ihre Schultern hoch, wirft Salim einen kurzen, prüfenden Blick zu und widmet sich wieder ihrer Pfanne.
Salim setzt sich auf die kleine Holzbank im Eingang. Mit einem tiefen Seufzer zieht er sich die Stiefel aus. Schön ordentlich platziert er sie unter seiner Jacke, die er schon aufgehängt hat, und setzt sich auf den Stuhl am runden Tisch.
Dilma hat schon aufgedeckt und eingeschenkt. Müde nimmt Salim einen Schluck Kräutertee. Der schmeckt gut und wärmt ihn auf. Dilma bringt die Pfanne auf den Tisch und schöpft Suppe in die beiden Schalen, die aus hellem Ton gefertigt sind. „Wir danken für unser Mahl“, murmelt sie etwas undeutlich und beide beginnen die Suppe aus der Schale zu löffeln. Die Ellenbogen auf den Tisch gestützt, schlürfen sie wortlos Schluck für Schluck der wohlriechenden Suppe.
Robins Reise
Robin sitzt traurig auf seinem Bett und bewegt seine nackten Zehen auf und ab. Mit beiden Händen hält er sich die Ohren zu.
Er kann es nicht mehr hören. Heute ist doch sein 7. Geburtstag. Eine Träne rollt ihm über die Wange und noch eine und noch eine. Seine Nase läuft und er nimmt sich sein Taschentuch unter dem Kopfkissen hervor. Sie streiten sich schon wieder. Er wischt sich die Tränen aus dem Gesicht und schnäuzt sich die Nase. Dann legt er das Taschentuch zurück unter sein Kissen, kriecht unter die Decke, dreht sich zur Wand und schließt die Augen. Er wünscht sich einfach weg von hier. In einen tiefen Wald, wo ihn niemand findet.
Robin ist endlich eingeschlafen. Niemand hat ihm „Schlaf gut“ gewünscht und auch nicht mehr gute Nacht gesagt. Doch wenn man ganz ruhig ist und aufmerksam hinhört, kann man ihn schnaufen hören.
Bei jedem seiner Schritte raschelt das Laub. Eine leichte Brise zieht durch die Bäume. Hie und da bewegt sich ein Ast. Robins Augen haben sich an die Dunkelheit gewöhnt.
Er bleibt stehen: Ist das eine Maus unter der großen Baumwurzel? Aber ja, da kommt sie vorsichtig hervorgekrochen. Sie stellt sich auf die Hinterbeine, putzt sich mit ihren Vorderpfoten die Nase und schaut Robin neugierig an: „Was machst du denn da, kleiner Mann?“, fragt sie.
Robin glaubt seinen Ohren nicht. „Äm …“, stottert er.
„Ich spaziere nur so durch den Wald“, antwortet er überrascht.
„Ach, du spazierst nur so durch den Wald“, piepst die kleine Maus und hüpft ein paar Schritte näher. „Und warum spazierst du nur so durch den dunklen tiefen Wald? Das ist kein Ort für einen kleinen Jungen wie dich und schon gar nicht alleine mitten in der Nacht!“
„Äm …“, stottert Robin wieder. „Ich habe mich von Zuhause weggewünscht und hier bin ich.“
Die kleine Maus ist in der Zwischenzeit schon bei ihm angelangt. Sie steht wieder auf die Hinterbeine und schaut den kleinen, verlegenen Jungen liebevoll an. „Von Zuhause weggewünscht“, wiederholt sie.
Robin kniet sich nieder und die kleine Maus hüpft erschrocken ein paar Schritte zurück. Der Junge lacht und setzt sich auf einen Stein. „Und warum kannst du sprechen?“, fragt er.
„Sprechen?“, piepst die Maus überrascht.„Ich kann schon immer sprechen, aber warum kannst du mich verstehen?“
Robin, selber etwas verunsichert, meint: „Das ist sicher nur ein Traum.“
„Ein Traum“, wiederholt die kleine Maus etwas schroff. „Bin ich etwa keine Maus? Denkst du, ich sei nicht wirklich?“ Beleidigt senkt sie ihren Kopf.
Salims Sorgen
Salim kniet vor der kleinen, aus Steinen gefertigten Feuerstelle im Wohnzimmer des Häuschens. Eigentlich ist es ein ausgehöhlter Baumstamm einer riesigen Fichte. Mit ihren Ästen reicht sie bis weit in den Himmel hinauf. Sie ist einer der ältesten Bäume in diesem Teil des Waldes. Es gibt keine Fenster, denn der Winter ist sehr kalt hier. Ein großer getrockneter Fichtenzapfen dient den beiden als Tür. Ein Holzwurmloch führt von der Feuerstelle direkt nach draußen und wirkt als Kamin. Mitten in der Baumhöhle liegt ein grauer Stein, mit weißen Kalkstreifen durchzogen, den sie als Tisch nutzen. Die Stühle hat Salim aus Weiden geflochten. Neben der Feuerstelle sind zwei Wurzeln, die wie Schaukelstühle hin und her wippen, wenn sie sich draufsetzen. Der Boden ist mit fein gehackten Holzschnitzeln aufgefüllt. Dilmas Küche, auf die sie besonders stolz ist, hat Salim mit kleinen Steinen und Lehm zusammengebaut. Mittendrin ein Feuerloch, über dem sie ihren Topf zum Kochen bringt. Gegenüber der Feuerstelle liegt eine mit Federn gefüllte Filzmatratze auf dem Boden. Die farbig gestrickte Decke ist säuberlich zusammengefaltet.
Salim beginnt das Holz, das neben der Feuerstelle aufgestapelt ist, kunstgerecht in der Feuerstelle aufzuschichten. Dann zieht er selbstgefertigte Streichhölzer aus seiner Hosentasche und zündet das Feuer an. Schnell beginnen die kleinen, feinen Äste zu brennen und bald schon lodert ein wärmendes Feuer.
Dilma hat sich schon in den Schaukelstuhl gesetzt, während Salim noch unschlüssig auf und ab geht. Sie greift in einen geflochtenen Korb neben dem Stuhl und nimmt ihre Strickarbeit heraus. Eifrig beginnt sie weiterzustricken. Das Klappern der Holznadeln und das Knistern des Feuers übertönen die schleifenden Schritte von Salims Filzpantoffeln, der noch immer hin und her läuft.
„Jetzt setz dich endlich hin!“, faucht Dilma ungeduldig. „So wird es auch nicht besser und heute kannst du sowieso nichts mehr tun.“
„Weiß ich auch“, murrt Salim und setzt sich schließlich in seinen Schaukelstuhl, sein besorgtes Gesicht in die Hände gestützt.
Mit den Zehenspitzen berührt er ab und zu den Boden, sodass sein Stuhl langsam hin und her schaukelt.
„Es ist ja noch Zeit“, lenkt Dilma ein.
„Was bedeutet uns schon Zeit“, jammert er weiter und zupft sich an seinem Bart. „Du weißt ganz genau, was passieren wird, wenn es ausbleibt! Ich verstehe das nicht.“ Unruhig steht er auf und sein Stuhl wackelt noch hin und her, während er sich schon wieder am Feuer zu schaffen macht.
„Du kannst es nicht ändern, das weißt du doch. Du nicht!“
Ihre Nadeln flitzen auf und ab.
Der kleine Wichtelmann hat genug gehört. Verärgert setzt er sich den Spitzhut auf den Kopf, nimmt die Jacke vom Haken und stapft in seinen Pantoffeln zum Eingang. Schwungvoll rollt er den Zapfen zur Seite. Ein fieser kalter Wind pfeift durch die Türe und Dilma schaudert. „Mach sie zu, du sturer Dummkopf!“ Ihre Augen schauen ihm wütend nach. Sie schüttelt den Kopf und murmelt unverständliche Worte, während sie weiterstrickt.
Was ist nur los mit diesem alten Wichtelkerl? Als könnte er die Welt verändern. Ausgerechnet er, nicht größer als ein Fichtenzapfen. Ihre Nadeln klappern, doch ihr Blick verrät sie. Verlegen schaut sie ihm nach. Armer Kerl, denkt sie. Pass auf dich auf und nimm’s dir nicht so zu Herzen. Es wird schon kommen.
Es war immer so und wird immer so sein.
Doch Salim hört ihre Gedanken nicht. Noch immer verärgert und gleichzeitig besorgt stampft er in den Pantoffeln durchs Dickicht des Waldes in die dunkle Nacht hinaus.

