Bauernhof statt Meer

Bauernhof statt Meer

Horst Reingruber


EUR 18,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 124
ISBN: 978-3-99131-011-2
Erscheinungsdatum: 10.11.2021
Die Eltern von Daniela und Günther entscheiden sich zum Entsetzen der Kinder, den Urlaub auf einem Bauernhof statt wie bisher am Meer zu verbringen. Doch der Widerstand der Kinder schmilzt von Tag zu Tag, da sie Tage mit aufregenden Erlebnissen verbringen.
Bauernhof statt Meer
Die Zehners sind eine durchaus normale Familie, die in Wien wohnt und ihren jährlichen Urlaub mit Tochter Daniela und Sohn Günther immer am Meer verbringt. Vater Richard, ein dunkelhaariger Mann knapp über vierzig Jahre, ist Mechaniker, groß und kräftig gebaut, sagte zwar immer, dass ihm der Wirbel am Meer auf die Nerven gehe, aber da Danielas Mutter Sonja, Verkäuferin bei einem Juwelier, eine gutaussehende, schlanke Frau mit langem schwarzem Haar, gerne am Strand in der Sonne lag, kam niemand auf die Idee, dass es je einen anderen Urlaub geben könnte.
„Das darf doch nicht wahr sein“, dachten Daniela und ihr Bruder. Sie verbargen nur schwer ihre Enttäuschung, als ihnen ihr Vater mitteilte, dass sie dieses Jahr den gemeinsamen Urlaub auf einem Bauernhof verbringen würden.
Die meisten ihrer Schulfreunde würden den Urlaub irgendwo am Meer verbringen und Ursula, ihre Sitznachbarin, durfte sogar zu Bekannten nach England fliegen.
Daniela, die wegen ihrer langen blonden Haare und ihrer Größe bereits älter als zwölf Jahre wirkte, kam sich deswegen auch ziemlich erwachsen vor und ein Urlaub auf einem Bauernhof war für sie ziemlich das Letzte. Dies teilte sie all ihren Freunden auf Facebook enttäuscht mit und wollte alles versuchen, ihre Eltern von der in ihren Augen irrsinnigen Idee abzubringen. Das Echo ihrer Freundinnen war unterschiedlich. Einige fanden die Idee nicht schlecht, einmal etwas anderen Urlaub zu machen, während andere ihr zustimmten und meinten, dass es stinklangweilig sein wird.
Sie dachte an das lustige Treiben am Strand, das Herumtollen im Wasser und an die schönen Stunden, in denen sie sich, auf einer Luftmatratze liegend, von den blauen, sanft sich bewegenden Wellen treiben ließ. Dies alles sollte sie nun gegen einen Urlaub auf einem stinkenden Bauernhof eintauschen. Es war einfach unvorstellbar! Daniela war bereits einige Male auf Ausflugsfahrten an Bauernhöfen vorbeigefahren und das Einzige, das ihr jedes Mal auffiel, war der unangenehme Geruch, der aus den Ställen und von den Misthäufen drang, sowie der Schmutz, der oft zu sehen war.
Obwohl Daniela mit ihrem um zwei Jahre jüngeren Bruder, der seinem Vater sehr ähnlich war und nur die dunklen Haare der Mutter hatte, häufig zankte, versuchte sie, ihn zu überreden, gemeinsam Papa von der verrückten Idee abzubringen. Doch Günther sah sich bereits im Geiste nach Indianerart im Wald herumschleichen oder auf einem Pferd sitzend über die Wiesen reiten. Er lehnte daher diese gemeinsame Aktion zum Ärger Danielas ab. Sie sagte etwas von einem blöden Bruder und zog sich schmollend in ihr Zimmer zurück. Dieser Urlaub würde für sie, so war sie überzeugt, die bisher größte Enttäuschung ihres Lebens werden. Sie versuchte noch all ihre Überredungskunst bei ihrem Vater, der sonst recht oft ihren Schmeicheleien erlag, blieb diesmal aber erfolglos. Er hätte es satt, sich mit hunderten von Menschen um einen Platz in der Sonne oder um einen Liegestuhl zu raufen und außerdem sei das Meerwasser schon so verschmutzt, dass ein Baden darin sogar gesundheitsschädlich sein könnte. Aber alle diese Argumente prallten an ihr ab.

Der Urlaub beginnt
Es nahte das Ende des Schuljahres. Daniela und Günther erhielten ihre Zeugnisse, die ganz passabel waren. Doch Daniela interessierten ihre Noten gar nicht, da sie die meisten ohnehin schon wusste. Sie dachte nur an den sicher verpatzten Urlaub und hatte denkbar schlechte Laune. Der Tag der Abreise kam immer näher und ihre Mutter begann bereits, die Koffer zu packen. Die vorbereiteten Kleidungsstücke unterschieden sich wesentlich von denen der früheren Urlaube. Wohl waren Badeanzüge, Badehauben, Luftmatratzen und Sonnenöl dabei, doch auch feste Schuhe, Pullover, Regenmäntel und ähnliches. Dies alles brauchte man für die Urlaube am Meer in den letzten Jahren nicht.
Das Wochenende und damit der Tag der Abfahrt näherte sich. Ihr Vater verstaute die Koffer und Taschen im Kofferraum ihres alten Ford, der fast platzte, forderte alle zum Einsteigen auf und es ging los. Der Weg führte sie durch Wien zur Südautobahn über den Wechsel in Richtung Hartberg. Ohne großes Interesse saß Daniela gelangweilt im Auto, spielte auf ihrem Handy und zeigte allen, wie verärgert sie ist. Günther machte sich bereits Gedanken, ob auf dem Bauernhof auch Pferde wären und was es sonst noch für Tiere geben würde.
Bald kamen sie in Hartberg an. Ihr Vater blickte noch kurz während eines Stopps an einer Ampel auf einen kleinen Zettel, auf welchem er sich die Fahrtstrecke notiert hatte. Der alte Ford hatte natürlich noch kein Navi und ihr Vater weigerte sich, die Route mit dem Handy zu planen. Old school natürlich! Die Fahrt ging durch den Ort und nach einigen Minuten zügiger Fahrt zweigte von der Hauptstraße eine kleine Seitenstraße ab, in welche er einbog. Nach einigen Metern konnte man auf einer Holztafel lesen: „Zufahrt zum Brandtner-Hof“. Die Tafel war nett gestaltet. Die Buchstaben waren in das Holz eingebrannt und zusätzlich war – ziemlich kunstvoll – ein großer ebenfalls eingebrannter Pferdekopf zu sehen. Günther stieß einen Freudenschrei aus, denn nun gab es keinen Zweifel. Dort musste es sicher Pferde oder zumindest ein Pferd geben. Sein Traum schien sich zu erfüllen.
Nur Daniela war jetzt auf ihren Bruder noch schlechter zu sprechen, da er ihr so in den Rücken gefallen war. Ihr kamen nun wieder die Worte ihrer Eltern in den Sinn: „Du wirst schon sehen, dass es hier sehr schön werden wird und Du hast endlich die Gelegenheit, die Tiere und auch die Menschen sowie deren Arbeit auf dem Lande näher kennenzulernen. Du kannst im Wald spazieren gehen und nach Pilzen und Beeren suchen. Die gute Luft auf dem Land wird uns sicher allen guttun.“ Diese Worte hörte sie in letzter Zeit schon so oft, dass alleine der Gedanke daran sie schon erzürnte und ihr Blut in Wallung brachte.
Nach kurzer Fahrt kamen sie zu einem Bauernhof, der recht nett und ordentlich aussah. Man sah, dass er erst vor kurzem renoviert worden war. Die Mauern strahlten in hellem Gelb und vor den Fenstern, die mit Holzläden zu verschließen waren, sah man Blumenkästen mit prachtvollen Blumen. Sie leuchteten von zartem Rosa bis zum brillantem Rot und selbst Daniela konnte sich der Pracht trotz ihres Zorns nicht verschließen. „So schlecht sieht es gar nicht aus!“, sagte sie.

Ankunft am Bauernhof
Danielas Vater stellte den Motor ab, sagte: „Ich werde kurz fragen, ob wir hier auch richtig sind“, und stieg aus dem Auto. Als er zum Tor ging, hörte man das zornige Bellen eines Hundes und Günther, der schon immer etwas Angst vor Hunden hatte, sagte: „Sehr freundlich hört sich das nicht an!“ Herr Zehner öffnete das große quietschende Holztor und betrat den Hof, wo der Hund an der Kette zerrte und bellte.
Im Hof sah es recht nett und sauber aus. An beiden Seiten erstreckten sich zwei Gebäude, von denen das linke offensichtlich der Stall war, aus dem man muhende Rinder hören konnte. Auf der rechten Seite befand sich das einstöckige Wohnhaus, das ebenso wie die Außenfront in schönem Gelb erstrahlte und unter den Fenstern blühten in schönen Blumenkästen farbenfroh die herrlichsten Blumen.
Zwischen Stall und Wohnhaus lag noch die Scheune, in der Traktoren und Heuwägen abgestellt waren. Erst vor einigen Tagen eingebrachtes frisches Heu lag noch auf dem Boden. Während sich Herr Zehner noch neugierig umsah, erschien in der Eingangstüre des Wohnhauses ein Mann in Arbeitskleidung. „Kusch, Rigo!“, rief er dem Hund zu, worauf dieser sofort verstummte und sich leise knurrend in seine Hütte zurückzog. Herr Zehner trat auf den Mann zu, grüßte freundlich und fragte, nachdem dieser seinen Gruß ebenso freundlich erwidert hatte, ob dies der Brandtner-Hof sei: „Jo, dös ist er und i bin der Brandtner-Bauer.“ Herr Zehner reichte ihm die Hand und sagte: „Da sind wir ja richtig! Mein Name ist Zehner und wir haben bei
Ihnen für drei Wochen zwei Zimmer bestellt.“
Erfreut hieß ihn der Bauer herzlich willkommen, fragte ihn nach dem Rest der Familie und bot sich an, beim Tragen des Gepäcks zu helfen. Neuerlich bellte Rigo den fremden Eindringling an, war aber auf Zuruf des Bauern sofort ruhig. Gemeinsam gingen die beiden Männer zum Auto, wo Herr Zehner seine Familie vorstellte. „Das ist meine Frau Sonja und hier sind meine Kinder Daniela und Günther. Günther, meine Frau und ich freuen uns schon auf den Urlaub am Land, nur unsere Tochter ist noch nicht überzeugt, dass es ihr hier gefallen wird.“ Lächelnd trat der Brandtner-Bauer zu Sonja Zehner, reichte ihr die Hand und wünschte einen schönen Aufenthalt bei ihm auf dem Bauernhof. Dann ging er zu Günther, schüttelte auch diesem kräftig die Hand und meinte: „Ich bin froh, dass Du Dich schon auf den Urlaub bei uns freust und sicher können wir beide mithilfe meiner Buben auch Deine Schwester überzeugen, dass es hier sehr schön ist!“ Hierauf schritt er zu Daniela, legte ihr seine kräftige Hand auf die Schulter und sagte: „Ich wette mit Dir um eine große Tafel Schokolade, dass es Dir bei uns so gut gefallen wird, dass Du ungern nachhause fahren wirst!“

Danielas Bedenken werden kleiner
Durch diese herzliche Begrüßung bröckelte ein Teil von Danielas innerem Widerstand ab und es kam ihr ein eher trotziges: „Wir werden ja sehen!“ über die Lippen. Gemeinsam trugen sie nun ihre Koffer und Taschen auf die Zimmer im obersten Stockwerk und hier bestätigte sich der erste gute Eindruck. Die Zimmer waren blitzsauber, freundlich und gemütlich eingerichtet. Betten, Kästen und Nachtkästchen waren mit bäuerlichen Motiven bemalt und durch eine breite Glastür konnte man auf den Balkon blicken, den große Blumenkisten mit herrlichen Blumen zierten.

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