Cover: Tierisch große Heldengeschichten

Tierisch große Heldengeschichten
Abenteuer zu jeder Zeit!


EUR 24,90

Format: 18 x 24 cm
Seitenanzahl: 86
ISBN: 978-3-7116-0751-5
Erscheinungsdatum: 18.09.2025
Ob kurze Mutmachgeschichten oder große Vorleseabenteuer – hier werden die Kleinsten ganz groß! Mit Herzlichkeit, Fantasie und einem Lächeln zwischen den Zeilen erzählt dieses Buch von tierisch guten Freundschaften und dem Zauber, über sich hinauszuwachsen.
Wann werde ich ein Schmetterling?


An einem warmen Frühlingstag kroch die kleine Raupe Lilli fröhlich über die Blätter im Garten. Lilli liebte es, die Welt zu erkunden und die saftigen Blätter zu knabbern. Doch in letzter Zeit hatte sie bemerkt, dass viele ihrer Freunde nicht mehr zu sehen waren.
„Wo sind alle hin?“, fragte sich Lilli.
Plötzlich hörte sie, wie die Schmetterlingskönigin rief: „Liebe Tiere des Waldes! Schaut euch diejenigen an, die sich zu Beginn des Frühlings zu wunderschönen Schmetterlingen entwickelt haben! Sie sehen wundervoll aus! Glückwunsch an alle frisch gebackenen Schmetterlinge!“
Lilli konnte den Worten der Schmetterlingskönigin nur zustimmen. Sie war ganz fasziniert von dem einzigartigen bunten Muster der Flügel, die sich elegant durch die Lüfte bewegten.
Zwei Schmetterlinge flogen auf Lilli zu.
„Na, wie geht’s?“, erkundigten sie sich neugierig. Lilli traute ihren Ohren und Augen nicht! Aus ihren Freundinnen Wanda und Pia waren doch tatsächlich wunderhübsche Zitronenfalter geworden!
„Es geht mir gut, aber ich möchte auch so sein wie ihr!“, antwortete Lilli.
„Warte es ab, Lilli! Bald wirst du auch mit uns über die Blumen schweben können!“
Noch ein weiterer Schmetterling gesellte sich zu ihnen. Lilli erkannte sofort, dass es Paula war, die immer böse zu allen anderen war und nicht vorhatte, etwas daran zu ändern. So verwunderte es auch nicht, dass sie Paula schnippisch begrüßte:
„Da kannst du lange warten, Lilli! Du wirst niemals so schöne Flügel wie wir haben! Du wirst für immer eine kleine Raupe bleiben!“ Lilli fühlte sich plötzlich sehr klein und traurig. Wanda und Pia versuchten sie aufzuheitern.
„Hör nicht auf Paula“, sagte Wanda.
„Bald wirst du auch ein Schmetterling sein!“, fügte Pia hinzu.
Lilli fühlte sich gleich etwas besser, trotzdem gingen ihr Paulas verletzende Worte nicht mehr aus dem Kopf.
„Warum bin ich immer noch eine Raupe?“, fragte sie sich. „Warum kann ich nicht auch so schön sein wie die anderen?“
Etwas niedergeschlagen kroch sie in die Baumkrone zurück, wo sich ihr Zuhause befand. Dort wurde sie schon von ihrer Mama erwartet, die gemütlich auf einem Blatt saß.
„Mama?“, setzte Lilli an. „Warum bin ich noch eine Raupe? Alle meine Freundinnen sind schon Schmetterlinge geworden, nur ich nicht. Was mache ich falsch?“
Lillis Mama lächelte liebevoll und streichelte ihre kleine Tochter.
„Lilli“, sagte sie sanft, „jeder wächst in seinem eigenen Tempo. Es ist nicht wichtig, wie schnell du dich veränderst. Wichtig ist, wer du bist und was du in deinem Herzen trägst.“
Lilli schaute zu ihrer Mama auf.
„Aber ich möchte auch ein Schmetterling sein. Ich möchte genauso schön sein wie die anderen.“
„Geduld, mein Schatz“, beruhigte sie ihre Mama. „Dein Körper weiß, wann es Zeit ist. Bis dahin genieße die Welt um dich herum und habe keine Angst. Jeder wird irgendwann zu einem Schmetterling, aber jeder zu seiner eigenen Zeit. Und außerdem musst du dir keine Gedanken darüber machen, dass du nicht so schön wie die anderen bist. Du bist wunderschön und hast dazu noch ein so gutes Herz!“
Lilli dachte über die Worte ihrer Mama nach. Vielleicht hatte sie recht. Vielleicht musste sie einfach ein wenig Geduld haben. Genau! Schon bald machte sich Lilli weniger Sorgen und erfreute sich wieder am Leben einer Raupe. Sie kroch über die Blätter, spielte im Gras und beobachtete die bunten Schmetterlinge, die über ihr flogen.
Tage und Wochen vergingen, und Lilli fühlte sich jeden Tag ein bisschen stärker und zufriedener. Eines Tages spürte sie, dass die Zeit gekommen war, einen Kokon zu spinnen. Lilli erinnerte sich an die Worte ihrer Mama und blieb geduldig. Sie wartete und wartete, bis sie eines Tages das Licht der Morgensonne durch den Kokon schimmern sah. Vorsichtig begann sie, sich herauszuwinden. Als sie endlich draußen war, streichelte ein sanfter Wind ihre neuen, bunten Flügel. Lilli war ein Schmetterling geworden.
„Juhu!“, jubelte Lilli voller Freude. Ihre prächtigen Flügel erstrahlten in den schönsten Farben. Die anderen Schmetterlinge versammelten sich um sie und bestaunten Lillis wunderschöne Flügel.
„Lilli, du bist der schönste Schmetterling von allen!“, riefen Wanda und Pia. Paula blickte neidisch Lillis Flügel an.
„Wir alle sind wunderschön!“, stellte Lilli selbstsicher klar, lächelte und fühlte sich glücklich. Sie wusste jetzt, dass ihre Mama recht hatte.
Es war nicht wichtig, wie schnell man wuchs, sondern was man in seinem Herzen trägt. Lilli hatte Geduld gezeigt, und das Warten hatte sich gelohnt. Glücklich und zufrieden flatterte Lilli mit all ihren Freunden über die Wiesen.




Schwalbe Sina und das Ende des Regenbogens


April, April, der weiß nicht, was er will. Ständig wechselt das Wetter! Aber nun hat der Regen lange genug gedauert. Wo bleibt die Sonne? Langsam zogen die dunklen Regenwolken davon und die Sonne kam hervor.
„Kinder, die Sonne scheint wieder!“, rief Mama Schwalbe.
Endlich! Die Schwalbenkinder flatterten aufgeregt aus ihrem Nest heraus, um draußen ein paar Runden zu fliegen. Nur Schwalbe Sina, die kleinste von ihnen, flog ganz nach oben in die Baumkrone und setzte sich auf einen Ast. Von dort aus konnte sie das Schönste beobachten, das die Sonne nach dem Regen mitbrachte: einen Regenbogen!
Sina liebte die vielen Farben, die sich über den Himmel erstreckten. Rot, Orange, Gelb, Grün, Hellblau, Dunkelblau und Violett zogen sich wie ein langes Band über das ganze große Tal, in dem Sina lebte. Staunend betrachtete sie die Farben und verfolgte den Regenbogen mit ihren Augen von einem Ende zum anderen. Doch nirgends konnte sie sehen, wo er begann oder aufhörte. Da fragte Sina sich: Wo endet der Regenbogen eigentlich?
Plötzlich hatte Sina eine Idee.
„Mama, Mama!“, zwitscherte sie begeistert, „Ich werde zum Ende des Regenbogens fliegen!“
Mama Schwalbe schaute Sina lächelnd an.
„Ach, mein Schatz. Noch niemand hat es bisher geschafft, bis zum Ende des Regenbogens zu gelangen!“
„Dann werde ich eben die Erste sein!“, sagte Sina entschlossen.
Ihre Geschwister hatten von ihrem Vorhaben gehört und mischten sich in das Gespräch ein.
„Träum weiter!“, nahm Sinas großer Bruder ihr den Mut. „Niemals wirst du das schaffen! Du bist doch viel zu klein dafür! Und außerdem liegt auf dem Weg der große, dunkle Wald!“
Doch Sina ließ sich von ihrem Ziel nicht abbringen: „Ihr werdet schon sehen! Ich wage die Reise durch den großen, dunklen Wald und werde das Ende des Regenbogens finden!“
Gesagt, getan. Sina nahm all ihren Mut zusammen und startete ihren Flug zum Ende des Regenbogens.
Hoch oben über den Bäumen, über die Wiesen und Felder schwebte sie und stellte sich vor, was sie wohl am Ende des Regenbogens erwarten würde.
Nach einiger Zeit kam sie an einem Waldrand an, um eine Pause zu machen. Dort sah sie ein kleines Häschen, das traurig unter einem Baum saß.
„Warum bist du so traurig?“, fragte Sina.
„Alle anderen Häschen können wunderbar hoppeln, aber ich fürchte mich davor, zu springen“, antwortete das Häschen. „Sie lachen mich deswegen aus.“
„Komm mit mir“, schlug Sina vor. „Ich fliege zum Ende des Regenbogens. Vielleicht finden wir dort etwas, das dir hilft.“
„Das wäre großartig! Und ich könnte allen beweisen, dass ich doch kein Angsthase bin! Ich bin übrigens Hansi.“
Sina freute sich darüber, Hansi als Reisebegleiter gefunden zu haben. Die beiden machten sich auf den Weg.
Kurz darauf kamen sie zu einem Teich, auf dem ein Entlein schwamm. Es weinte bitterlich.
„Warum bist du so traurig?“, wollte Sina wissen.
„Alle Enten können gut schwimmen, aber ich habe Angst, tief ins Wasser zu tauchen“, schluchzte das Entlein. „Die anderen Enten lachen mich deshalb aus.“
„Komm mit uns“, lud Sina sie ein. „Wir suchen das Ende des Regenbogens. Vielleicht finden wir dort etwas, das dir Mut macht.“
„Oh, wie gern begleite ich euch! Ich heiße übrigens Ella!“
Und so setzten Sina, Hansi und Ella ihre Reise fort.
Nach einer Weile erreichten sie einen großen, dunklen Wald. Dort entdeckten sie einen gefährlich großen Schatten, der sehr bedrohlich wirkte. Hansi bekam Angst.
„Oh nein, das sieht aber gruselig aus! Welchem riesigen, gefräßigen Tier wohl dieser Schatten gehört? Bestimmt kommt es gleich zum Vorschein!“
Je näher das Tier auf die Gruppe zukam, desto kleiner wurde der Schatten. Eine kleine Wühlmaus rannte aus dem Wald direkt auf sie zu. Hansi atmete erleichtert auf.
Sina sah, dass die Maus unglücklich aussah.
„Was bekümmert dich?“, fragte Sina.
„Ach“, seufzte die Maus, „alle anderen Mäuse können gut Löcher buddeln, doch ich kann das gar nicht! Ich möchte den Menschen ihre Gärten nicht kaputt machen. Dafür bin ich, Wilma Wühlmaus, einfach viel zu lieb!“
„Komm mit uns“, schlug Sina vor. „Wir suchen das Ende des Regenbogens. Vielleicht finden wir dort etwas, das dir hilft.“
Begeistert schloss sich Wilma der Gruppe an.
Je weiter sie in den Wald hineinkamen, desto schauriger wurde es. Die Freunde hatten ziemliche Angst vor den Tiefen des Waldes und der gruseligen Dunkelheit. Doch sie hatten ihr Ziel vor Augen, ließen sich nicht davon abbringen und liefen weiter.
Mitten im Wald kamen sie an einen breiten Fluss, der ihren Weg versperrte. Sina konnte leicht darüber hinwegfliegen, aber Hansi, Ella und Wilma standen ratlos am Ufer.
„Wie sollen wir nur den Fluss überqueren?“, klagte Hansi verzweifelt.
„Ich habe eine Idee!“, rief Ella. „Ich kann zwar nicht tief tauchen, aber ich bin eine gute Schwimmerin. Ich werde Hansi und Wilma auf meinem Rücken über den Fluss bringen.“
So brachte Ella ihre Freunde sicher ans andere Ufer, und die Gruppe konnte fröhlich die Reise fortsetzen.
Im tiefen Wald wurde es zunehmend steil und felsig. Sina konnte leicht darüber hinwegfliegen, aber Wilma und Ella kamen nicht weiter.
„Keine Angst, ich werde euch helfen!“, beschloss Hansi.
„Aber Hansi!“, wunderten sich die anderen. „Hast du denn gar keine Angst zu springen?“
„Wenn meine Freunde Hilfe brauchen, tue ich alles für sie! Ich besiege sogar meine Angst!“, sagte Hansi.
Da hoppelte Hansi, der keine Angst mehr hatte, die steilen Felsen hinauf und zeigte den anderen den sicheren Weg.
Nach einer Weile schrie Sina plötzlich laut auf: „Aua!“ und konnte nicht mehr weiterfliegen. Sie hatte sich in einem Netz verfangen!
„Oh nein, wie sollen wir Sina nur befreien?“, fragten sich die anderen.
„Keine Sorge!“, beruhigte Wilma. „Ich kann zwar keine Löcher buddeln, aber ich bin clever und habe einen Plan, wie ich Sina retten kann!“ Blitzschnell flitzte Wilma an dem Seil, an dem das Netz hing, hoch. Sie begann mit ihren klitzekleinen Zähnchen das Seil zu zerknabbern.
Schon war Sina frei!
„Vielen Dank!“, sagte Sina erleichtert.
Alle freuten sich. Nun hatten sie alle Hindernisse überwunden und waren am Rand des Waldes angekommen. Auf einem Baumstumpf hockte eine alte, weise Eule.
„Hallo, weise Eule!“, grüßte die Gruppe. „Kannst du uns das Ende des Regenbogens zeigen?“
Da antwortete die Eule: „Das Ende des Regenbogens? Wo das ist, weiß ich nicht. Aber geht doch noch ein paar Schritte weiter. Dort hinter dem Wald kommt ihr an eine wunderschöne Lichtung!“
Die Freunde folgten dem Rat der Eule. Hinter dem Wald wartete eine grüne, sonnige Lichtung auf sie. Saftiges Gras, ein Platz zum Spielen und zum Glücklichsein. Der Regenbogen sah auf dieser Wiese einfach bezaubernd aus! Aber auf dieser Lichtung war immer noch nicht das Ende des Regenbogens.
„Schaut mal!“, rief Hansi überrascht. „Der Regenbogen ist überall um uns herum!“
Die Freunde blickten um sich und sahen, wie der Regenbogen den Himmel mit bunten Farben schmückte. Er war nicht nur an einem Ort, sondern überall.
Die weise Eule kam aus dem Wald heraus und sprach zu ihnen:
„Die wahrhaft schönen Dinge sind nicht am Ende des Regenbogens zu finden. Die schönen Dinge sind immer ganz nah bei uns!“
Sina dachte über die weisen Worte der Eule nach. Sie stellte fest:
„Der Regenbogen ist genau wie unsere Freundschaft. Er hat kein Ende und ist immer bei uns.“ Hansi, Ella und Wilma stimmten zu.
„Das wahre Ziel unserer Reise war unser gemeinsamer Weg!“, meinte Wilma. „Und wir haben etwas viel Wertvolleres gefunden als das Ende des Regenbogens: unsere Stärken und unsere Freundschaft!“
Die Tiere hüpften fröhlich umher. Von diesem Tag an lachte niemand mehr über Hansi, Ella und Wilma, denn sie wussten, dass jeder von ihnen etwas ganz Besonderes zu bieten hatte.
Fröhlich kehrten sie gemeinsam nach Hause zurück.
Und die kleine Schwalbe Sina? Sie wusste jetzt, dass die schönsten Dinge im Leben niemals weit weg sind, sondern immer ganz nah bei sich selbst. Genau dort, wo Liebe und Freundschaft wohnen. Und am allerschönsten ist es doch immer bei denen, die man am meisten lieb hat.
...

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