Roby und Bips

Roby und Bips

Christine Giersberg


EUR 17,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 144
ISBN: 978-3-99107-958-3
Erscheinungsdatum: 29.03.2022

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Roby Robotto erwacht

Die Geschichte begann an einem heißen Freitagabend im Monat Juli.
Ein kleiner Roboter, der fast genauso aussah wie ein kleiner Junge, stand in einer Fabrikhalle, irgendwo in einer großen Stadt. Diese Fabrik stellte Roboter in allen Größen her, die von hier aus in die ganze Welt verschickt wurden.
An diesem Freitagabend, als das Abenteuer des kleinen Roboters begann, hatte es der Mann, der in der großen Fabrikhalle arbeitete, sehr eilig. Er wollte so schnell wie möglich nach Hause kommen.
Denn er hatte vor, gleich nach der Arbeit mit seiner Frau und seinen beiden Kindern zu einem verlängerten Wochenendurlaub an einen See zu fahren, und er freute sich schon sehr auf seinen Feierabend und den Ausflug.
Es war die ganze Woche schon so heiß gewesen und er sehnte sich nach frischer Luft, denn in der Fabrikhalle, wo er die meiste Zeit verbrachte, war es von Tag zu Tag drückender und stickiger geworden.
Darum, als er endlich nach Hause gehen konnte, übersah er in der Eile, dass die Tür zu der großen Halle, in der die vielen Roboter gelagert waren, nicht richtig verschlossen war. Ein kleiner Spalt stand noch offen.
So stand also der kleine Roboter, der keinen Namen, sondern nur eine Nummer hatte, nämlich die Nummer 3687 ZLX, in der Hitze der Halle zwischen hundert anderen Robotern in verschiedenen Größen.
Sie alle warteten stumm und unbeweglich auf ihre Verschickung in die ganze Welt, wo man sie dann aktivieren, d. h. einschalten würde, um sie für ihre verschiedenen Aufgaben einsetzen zu können.
Unser kleiner Roboter jedoch, von dem hier erzählt werden soll, war etwas ganz Einzigartiges, denn er war ein besonderes Versuchsmodell, mit dem man testen wollte, wie gescheit und wie lernfähig er war und welche Möglichkeiten man hatte, die Roboter so menschenähnlich wie möglich zu machen.
So stand er an der Wand der Halle in der Nähe des Sicherungskastens, in dem alle elektrischen Kabel der Fabrik zusammenliefen.
Und das war auch der Grund dafür, dass seine Elektronik in Gang gesetzt wurde.
Denn in dieser Nacht zog ein schlimmes Gewitter über das Land.
Blitze zuckten vom Himmel herab und tauchten die Stadt in grelles, sekundenlang dauerndes Licht. Donner auf Donner grollte und dicke, schwere Regentropfen prasselten auf die erhitzten Straßen und Dächer.
Ein schwerer Sturm kam auf und brachte Hagel mit sich. Heftige Windböen drückten die Bäume zu Boden, Äste peitschten an Häuser und Fenster.
Der Sturm rüttelte an Dachziegeln und Fensterläden und der Hagel trommelte auf die Dächer und zerfetzte die Blätter der Pflanzen und Bäume.
Die Menschen schreckten aus dem Schlaf hoch und horchten ängstlich nach draußen.
Und auf einmal – es war, als ob das Unwetter sich mit einer letzten fürchterlichen Drohung verabschieden wollte – schlug der Blitz in die Fabrikhalle ein, in der der kleine Roboter stand.
Der Blitz fuhr in die Sicherungen, es knisterte, zischte, krachte – und dann war Stille.
Das Unwetter hatte sich ausgetobt.
Der Mond kam hinter den schnell dahinziehenden Wolkenfetzen hervor, die Menschen drehten sich in ihren Betten erleichtert auf die Seite und schliefen wieder mehr oder weniger gut weiter.
Ruhe und Stille lagen wieder über der Stadt.
Doch nicht so in unserer Fabrikhalle.
Dort hatte nämlich der kleine Roboter mit der Nummer 3687 ZLX etwas von der elektrischen Ladung abbekommen, als der Blitz in den Sicherungskasten einschlug.
Und die setzte nun seine Elektronik in Gang.
Er erwachte sozusagen zum Leben, wenn man das von einem Roboter so sagen kann.
Als Erstes begannen seine Augen aus Kunststoff zu blinken: an, aus, an, aus, bis sie endlich richtig eigestellt waren.
Und von diesem Moment war das Programm in seinem Elektronikgehirn in Gang gesetzt worden und der kleine Roboter 3687 ZLX nahm die Welt um sich herum wahr.
Langsam drehte sich sein Kopf zuerst nach rechts, dann nach links, wieder nach rechts, nochmals nach links, bis er wieder, noch etwas benommen und sehr erstaunt, an sich herunterblickte.
Dabei bemerkte er, dass er außer seinem Kopf noch viel mehr bewegen konnte: Langsam hob er einen Arm hoch, betrachtete ihn erstaunt, besah seine Finger und versuchte einen nach dem anderen zu bewegen.
Das ging ja wunderbar und siehe da – auf der anderen Seite seines Körpers hatte er das Gleiche noch einmal.
Nun begann er, mutig geworden, beide Arme auf und ab zu bewegen, nach vorne nach hinten, nach rechts, nach links.
Aus Versehen schlug er seine Hände vor sich zusammen, dass es laut klatschte.
Erschrocken hielt er inne und besah sich seine beiden Hände.
Plötzlich traf ihn ein sanfter, blauer Strahl.
Langsam ließ Roboter 3687 ZLX seine Augen nach oben wandern.
Von ganz weit oben blickte ein großes, rundes Etwas zu den Fenstern der Fabrikhalle herein.
Die Augen des kleinen Roboters wurden vor Erstaunen hell und leuchtend.
„Sei gegrüßt, kleiner Roboter“, sagte das freundliche Gesicht, das der kleine Roboter nun in der großen, leuchtenden Scheibe erkennen konnte.
„Wer, was …“, erschrocken hielt er inne. Was war denn das eben für ein Geräusch? Du liebes Elektronenhirn, das war ja er selbst!
Er hatte sich doch noch nie vorher sprechen hören, ja nicht einmal gewusst, dass er so etwas konnte, und war darum total verwirrt.
Doch das war ja toll und begeistert fasste er Mut weiterzumachen: „Wer bist denn du und wieso hängst du denn so hoch da oben? Komme doch herunter zu mir!“
„Ich bin der Mond“, antwortete das Scheibengesicht lachend, „und ich hänge hier auch nicht. Ich bin hier, weit, weit oben im Himmel.“
„Mond, Himmel, was ist denn das?“, fragte der kleine Roboter neugierig. „Ich glaube, das ist in meinem Gehirn noch nicht gespeichert.“
Die Ingenieure, die den kleinen Roboter programmierten, hatten ihm ja schon das Nötigste mitgegeben, wie das Sprechen, Sehen und Bewegen, alles fast wie bei einem Menschenkind. Doch um die Welt richtig zu verstehen, gab es für den kleinen Roboter noch so unendlich viel dazuzulernen.
„Der Himmel ist überall um die Weltkugel. Er ist die Heimat von Millionen von Sternen, der Sonne und mir. Und die Sonne, ein riesiger glühender Stern, ist meine besondere Freundin, denn nur wenn ihr Licht mich trifft, kann ich leuchten, sodass ich bei Nacht, wie jetzt, zu sehen bin. Und ohne sie wäre auf der Erde, wo du zu Hause bist, kein Leben möglich“, fügte der Mond noch hinzu.
„Fan… fan… fanstatistisch“, stotterte der kleine Roboter. Eigentlich hatte er fantastisch sagen wollen, doch sein kleines Elektronikgehirn lief noch nicht auf vollen Touren, er musste erst noch üben.

„Da hast du recht, kleiner Roboter“, schmunzelte der Mond. „Die Welt ist voller fantastischer Dinge.“
„Und wo, sagst du, ist die Welt, die voll von diesen Dingen ist?“, Roby war neugierig geworden.
„Überall! Überall! Dort, wo du bist, ist die Welt! Du bist auf der Welt! Wohin du auch blickst, überall um dich herum kannst du viele neue, wunderbare Dinge entdecken!“
„Dinge? Hm …?“, meinte der kleine Roboter. „Dann bist du auch ein Ding? Und Himmel, Sonne, Sterne, sind das alles Dinge?“
„Ja, und diese Dinge haben alle einen Namen, und mein Name ist Mond!“
„Alle Dinge haben Namen, sagst du? Und ich? Bin ich auch ein Ding? Habe ich dann auch einen Namen?“
„Ja, mein Kleiner, alles hat einen Namen. Auch du. Eigentlich bist du ein kleiner Roboter, eine kleine, programmierte elektronische Maschine, die aber einem Menschenkind nachempfunden ist. Und weil du so aussiehst, nenne ich dich von nun an … mhm …“, der Mond überlegte, „tja, wie denn nur? Halt, jetzt weiß ich es: Du bist Roby Robotto.“
„Au ja, der bin ich!“, freute sich der kleine Roboter. „Ich bin Roby Robotto!“
„So, mein kleiner Roby, ich muss nun weiterziehen. Doch keine Sorge, wir treffen uns wieder“, fügte der Mond schnell hinzu, als er sah, wie Robys Augen sich angstvoll verdunkelten.
„Ich verändere mich zwar immer, mal ist mehr, mal weniger von mir zu sehen – manchmal sieht es sogar so aus, als ob ich ganz verschwunden wäre, je nachdem, wie der Schatten der Erde auf mich fällt und das Sonnenlicht mich dann nicht treffen kann. Doch auch wenn man mich einmal nicht sieht, ich bin immer hier oben. Also, lebe wohl, kleiner Roby. Wenn mir keine Wolken vor der Nase vorbeiziehen, sehen wir uns schon morgen Abend wieder.“
„Lebe wohl, lieber Mond, und vielen Dank für meinen Namen!“
Der Mond war weitergewandert auf seinem Weg durch die Nacht. Bald schon musste er – jetzt, mitten im Sommer – der Sonne den Himmel überlassen, deren erste zarte, rötlich schimmernde Strahlen bald den fernen Horizont emporkriechen würden.
Unser Roby Robotto schaute sich inzwischen noch einmal neugierig in der Fabrikhalle um und setzte dann vorsichtig ein Bein vor das andere, immer eins nach dem anderen, vorsichtig, ganz vorsichtig.
Er war noch ein wenig unbeholfen, da er das Gehen ja auch erst üben musste.
Rrrrt, rrrrrt, rrrrrt, rrrrt, summte es noch leise, als er sich langsam durch die Halle bewegte, denn seine Gliedmaßen mussten erst einmal richtig in Gang kommen.
Überall standen Roboter in den verschiedensten Ausführungen herum, doch keiner war so perfekt einem Menschen nachempfunden wie der kleine Roby.
„He, du, wer bist du und du und du?“, sprach er einen nach dem anderen die stumm und unbeweglich dastehenden Roboter an. „Ich bin der Roby. Den Namen hat mir der Mond gegeben.“

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