Koboldgeschichten

Koboldgeschichten

Joana v. Lorit


EUR 22,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 110
ISBN: 978-3-903067-52-3
Erscheinungsdatum: 24.08.2016
Die Kobolde Dummerich und Tunichtgut sind die allerbesten Freunde. Am liebsten treiben sie ganz viel Schabernack! Doch sie müssen auch lernen, dass man für seine Fehler einstehen muss und dass man zu Recht auch mal dafür bestraft wird …
Kobolde im Moor

Das Rehlein Bibi lebte mit seiner Mutter im Garten von Schloss Merci.

Oft wanderte die Mutter mit ihrem Rehlein durch den Wald. An einem sonnigen Sonntag spazierten Mutter und Rehkind wieder auf die Lichtung im Buchenwald zu, um frisches Futter zu suchen.

Zur selben Zeit trafen sich Kobold Dumm-erich und sein bester Freund Tunichtgut. Wie immer hatten die beiden nur Streiche im Kopf.
„Tunichtgut, ich habe eine Idee“, meinte Dummerich.
„Was meinst du?“, wollte Tunichtgut wissen. „Siehst du die beiden Rehe dort auf der Lichtung?“
„Ja klar, und was ist mit den Tieren?“, fragte Tunichtgut.
„Komm, wir erschrecken sie und jagen sie durch den Wald, das wird lustig“, ereiferte sich Dummerich.
„Glaubst du wirklich wir sollten das tun? Es ist ja eine Mutter mit ihrem Rehkind“, zweifelte Tunichtgut an dieser Tat.
Doch Dummerich überredete Tunichtgut und so schlichen die beiden zur Lichtung und versteckten sich im dichten Laub der Bäume.
„Ich zähle bis drei, dann springen wir gemeinsam auf die Tiere zu“, befahl Dumm-erich.

Gesagt, getan. „Eins, zwei, drei und los“, schrie Dummerich. Die zwei Kobolde hüpften schreiend aus ihrem Versteck auf die Rehe zu. Diese erschraken so sehr, dass sie zuerst wie angewurzelt stehen blieben und erst nach ein paar Sekunden auseinander sprangen. Die Mutter rief ihrem Rehlein noch hinterher, dass es zum Schlossgarten zurücklaufen sollte, doch Bibi hörte das nicht mehr.

Bibi lief und lief, bis sie nicht mehr konnte. Vor Erschöpfung fiel sie ins hohe Gras. Zitternd vor Angst kauerte sich das Rehkind auf den Boden und gab keinen Laut von sich. Sein Herz klopfte wie eine Trommel in seinem kleinen Körper.

Die Rehmutter sprang im Zickzack durch das Dickicht und hoffte, die Kobolde von ihrem Kind abzulenken. Ohne Rücksicht auf ihr eigenes Leben lief die Rehmutter immer tiefer in den Wald. Sie vergaß dabei, dass sie gefährlich nahe an das Moor kam. Beide Kobolde verfolgten sie schreiend und lachten über sie. Urplötzlich blieb die Rehmutter aber stehen. Die Kobolde rechneten nicht damit, daher flogen die beiden in hohem Bogen über den Rücken der Rehmutter geradewegs ins Moor.

Als den beiden ihre aussichtslose Lage bewusst wurde, schrien sie um Hilfe. Die Rehmutter beobachtete die beiden, wie sie zappelten und mit dem Moor kämpften.

Tunichtgut beschimpfte seinen Freund, dass er diese Idee gehabt und ihn überredet hatte, diese in die Tat umzusetzen. Dummerich schimpfte zurück, dass Tunichtgut ein Langweiler sei und er nicht hätte mitmachen müssen. „Es war ja nur ein Spaß“, schrie Dummerich voller Angst und Verzweiflung.
Die beiden gerieten immer mehr in Streit und bemerkten dabei nicht, dass sie immer tiefer im Moor versanken.

Als ihnen die schwarze Masse buchstäblich bis zum Halse stand, sie keine Luft mehr bekamen und immer weiter in die Tiefe sanken, war der Streit ganz plötzlich vergessen.
Die beiden Freunde nahmen sich an den Händen und warteten auf ihren sicheren Tod.

Die Rehmutter dachte, dass auch diese zwei Buben eine Mutter hatten, welche sehr traurig wäre, wenn sie nicht nach Hause kämen.
Daher zog das Reh einen großen Ast ans Moor und rief den beiden Bösewichten zu: „Haltet euch am Ast fest, ich versuche euch herauszuziehen.“
Dummerich und Tunichtgut klammerten sich an das rettende Holz und die Reh-mutter zog mit aller Kraft die Kobolde aus dem Moor.

Als die beiden völlig erschöpft, doch gerettet im Gras lagen, schämten sie sich ihrer Tat.

Beide rappelten sich auf und gingen mit gesenkten Köpfen zur Rehmutter. Sie bedankten sich für ihre Rettung und entschuldigten sich für ihren Streich. Sie versprachen, in Zukunft den Wald und seine Bewohner zu achten und keine Späße mehr mit ihnen zu treiben.

Dick verschmiert mit schwarzem Moor liefen die Kobolde durch den Wald und halfen der Rehmutter, ihr Kind zu suchen. Bibi, das Rehkitz, lag immer noch im hohen Gras und schlief tief und fest, als die drei es fanden.

Überglücklich, alles gut überstanden zu haben, wanderten alle wieder nach Hause.
Von diesem Tage an waren die Kobolde immer an Bibis Seite und achteten auf das kleine Reh, wenn seine Mutter nicht da war.

***

Dummerich und Tunichtgut müssen zur Schule

Wie alle Kinder müssen auch Kobolde zur Schule gehen. Endlich war es auch für Dummerich und Tunichtgut so weit. Der erste Schultag stand vor der Tür.
„Nur noch ein Mal schlafen“, meinte Dummerich, „dann geht’s los.“
Tunichtgut erwiderte seinem Freund:
„Eigentlich mag ich überhaupt nicht in die Schule gehen. Mein großer Bruder Willwas hat mir erzählt, dass es in der Schule fad ist.“
„Du kannst es dir ja einmal anschauen“, wollte Dummerich seinen Freund überzeugen. Doch Tunichtgut spazierte mit gesenktem Kopf nach Hause, denn er wollte Schabernack treiben und nicht in der Schule still sitzen. „Dann bis morgen um halb acht“, rief Dummerich ihm fröhlich nach.

Die Mutter schickte Dummerich früh ins Bett, damit er am Morgen ausgeschlafen war und rechtzeitig in die Schule kam. Er konnte jedoch nicht schlafen. Immer wieder drehte er sich von einer Seite zur anderen. Er stand auf, um Wasser zu trinken. Er zählte Schafe, wie es ihm sein Vater schon einmal gesagt hatte, doch alles half nichts.

Am Morgen, als die Mutter ihn weckte, war Dummerich noch sehr müde und dachte: „Ich mag die Schule auch nicht. In der Nacht kann man nicht schlafen und am Morgen ist man müde und muss doch aus den warmen Federn.“ Die Mutter ermahnte ihn zur Eile, weil er sonst zu spät käme, doch Dummerich war das egal. Erst als seine Mutter böse wurde, beeilte er sich. Endlich fertig, stapfte er unwillig die Straße entlang bis zur großen Mühle. Dort wartete er auf seinen Freund Tunichtgut.

Dummerich saß gemütlich im Gras und schaute den Bienen zu. Endlich kam Tunichtgut. Dieser setzte sich zu seinem Freund ins Gras. Er berichtete, was er gestern noch alles angestellt hatte. Dummerich erzählte, dass er nicht hatte schlafen können, weil er so aufgeregt war und jetzt noch sehr müde sei.
„Das ist doch kein Problem“, meinte Tunichtgut, „wir legen uns ein wenig in die Sonne und ruhen uns aus. Wenn es uns wieder gut geht, dann können wir immer noch zur Schule gehen.“
„Glaubst du, das können wir machen?“, fragte Dummerich ängstlich.
„Ja doch, warum denn nicht?“, kam es selbstsicher aus Tunichtguts Mund. Gesagt, getan, die beiden Kobolde streckten sich im Gras aus und schliefen augenblicklich ein.

Die Sonne stand schon hoch am Himmel, als Dummerich aufwachte. Er weckte seinen Freund und beide liefen so schnell sie konnten in Richtung Schule. Von Weitem hörten sie die Kinder lachen und toben. Als sie um die Ecke bogen, sah sie bereits die Lehrerin, Fräulein Klug. Eilig ging sie den beiden Buben entgegen. „Ja sagt einmal, wo wart ihr denn? Ihr habt zwei Schulstunden versäumt und das schon am ersten Schultag. Schämt euch. Heute werde ich euch das noch einmal nachsehen, aber das nächste Mal müsst ihr die versäumten Stunden am Nachmittag nachholen. Ist das klar?“, sagte Fräulein Klug streng.

„Die Pause ist zu Ende, Kinder! Alle wieder in die Klasse“, rief Fräulein Klug. Artig machten die Kinder eine Reihe und spazierten ins Klassenzimmer. „So, meine Kinder, das sind Dummerich und Tunichtgut. Auch für sie ist heute der erste Schultag. Leider haben sie sich verspätet, daher wiederholen wir den Stoff der beiden Stunden noch einmal“, erklärte die Lehrerin.

„Blödmann“, „Stinkstiefel“, „Langschläfer“, „Dumm, dumm, Dummerich“, „Tu-nicht-gut“, hörte man in der Klasse wispern. Die zwei Freunde wurden immer kleiner und kleiner und rutschten unruhig auf ihrer Bank hin und her. „Schulschwänzer, Faulpelz“ ging es weiter, bis die Lehrerin sich umdrehte und böse in die Klasse schaute.

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