Julius träumt von Weihnachten
EUR 21,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 64
ISBN: 978-3-99130-611-5
Erscheinungsdatum: 05.11.2025
Julius, ein kleines Ziegenböcklein mit dem großen Traum, den Weihnachtsschlitten zu ziehen, will zu Weihnachten die Welt verzaubern. Eine herzerwärmende Geschichte über Mut, Freundschaft und die Kraft der Träume – voller Fantasie und weihnachtlichem Zauber.
Komm mit mir und träume, ich liebe Träume! Schließe die Augen und du kannst dich auf einem weißen Drachen reiten sehen. Du siehst dich auf fernen Planeten mit den tollsten Bewohnern eine neue Welt bauen, so wie sie dir gefällt. Du siehst dich neue Maschinen und Autos erfinden, die nicht mehr fahren, sondern über Straßen gleiten, ohne Geräusche zu machen. Du gehst bei Frau Holle nach dem Rechten sehen, wenn es nicht zu schneien beginnt, und erfindest einen automatischen Bettenschüttler. Du erträumst dir alles, was du möchtest und irgendwann, wenn du so groß bist wie ich, wirst du dir deinen Traum erfüllen.
Du glaubst nicht daran? Folge mir, wir wollen heute einen ganz besonderen Träumer, einen guten Freund von mir, besuchen. Ich lernte ihn im Land der Träume kennen, er erzählte mir von sich, und das muss ich dir unbedingt weitererzählen. Schließe die Augen und komm mit mir in das wundervolle Land Grasegrün.
Du siehst traumhafte grüne Wiesen mit riesigen weißen Margeriten, die die Schmetterlinge zum Morgensport bitten. Auch die tollsten blauen Glockenblumen findest du hier, die jeden Abend den Bienen ihr Abendliedchen spielen. Umgeben ist das Land von hohen Bergen und von Wäldern mit riesigen alten Bäumen, die dir 1000 Jahre alte Geschichten erzählen, denen du stundenlang zuhören kannst. Und wenn der Wind in den Zweigen spielt, dann singen sie für alle Bewohner dieses Landes ein Lied über die Schönheit der Natur. Es ist Spätherbst geworden, und man könnte das Land jetzt Kunterbunt nennen, denn der Herbstwichtel hat die Blätter mit den schönsten Farben bemalt: Gelb, Gold, Orange, Rot und Weinrot. Genau hier gibt es ein kleines Dorf mit Namen Ziegenhein, und genau hier wohnt unser kleiner Held ein Ziegenböcklein mit Namen Julius Meckerich. Er wohnt mit seinen Eltern und seiner Schwester Julia in Ziegenhein. Es ist ein wundervolles Dorf. Die Häuser sind so einzigartig, dass du genau hinsehen musst, um sie zu entdecken. Sie sind zwischen grünen, mit Moos bedeckten Hügeln versteckt, wo nur ab und zu ein kleiner Schornstein zu entdecken ist, aber nur, wenn Rauch aufsteigt. Zu jedem Haus gehört eine kleine Scheune, wo die Einwohner ihr Feuerholz und die Stroh- und Heuballen für den Winter einlagern. Gut toben lässt es sich dort! Und da die Bäume in den Gärten jetzt im Spätherbst ihre bunten Blätter abwerfen, musst du noch genauer hinsehen, um die Häuser zu entdecken. Die Bäume sehen so zauberhaft in den verschiedenen Farben aus und an jedem Einzelnen hängen die verschiedensten und schönsten Früchte. Einfach nur genial. Deshalb ist es kein Wunder, dass auch hier die verschiedensten Vogelfamilien wohnen. Allen geht es gut hier, denn vor allen Dingen ist es ruhig in Ziegenhein und – tja – somit der richtige Platz zum Träumen.
Träumen, das ist auch eine von Julius Lieblingsbeschäftigungen, aber halt!
Mein Julius, ein toller Bursche, ganze 6 Jahre alt und, wie man unter Ziegen so sagt, ein toller Traumfelli! Mal wollte er ein Vogel sein und die ganze Welt von oben besehen. Mal stellte er sich vor, wie ein Maulwurf durch den Boden zu buddeln und verborgene Schätze auszugraben.
Und sein neuester Traum, der hielt nun schon seit dem Sommer an. Er träumte nämlich davon, den Weihnachtsmann im Herbst zu besuchen. Er wollte ganz keck vor ihn treten und ihn bitten, seinen Schlitten ziehen zu dürfen. Julius stellte sich das wundervoll vor.
Sein schönes weißes Fell war in seiner Fantasie mit einem roten Umhang umhüllt, auf dem glitzernde Sterne blinkten. Und um den Hals … ja, um den Hals ein Band mit goldenen Glöckchen, damit die Kinder auch zeitig genug merkten, wenn der Weihnachtsmann und das Christkind mit den Geschenken in die Städte und Dörfer einzogen. Julius wollte so gern das Menschenreich besuchen, um den Kindern eine Freude zu bereiten. Es sollte das Traumhafteste werden, was er je erlebt hatte.
Julius drehte und wendete sich vor dem Spiegel in seinem Kinderzimmer, in ein rotes Tischtuch gehüllt, und träumte vor sich hin. Seine Augen glänzten dabei, und seine kleinen Hörner leuchteten im Mondlicht. Er konnte sich so gut vorstellen, wie wundervoll er aussähe, und wie man ihn bewundern würde. Auf dem Fensterbrett saß lauschend und in sich hinein kichernd Otto, der freche Spatzenjunge vom Nachbarbaumhaus. Er wollte gerade laut lospiepen, als Mutter Meckerich das Zimmer betrat. Da Frau Meckerich nicht viel für den frechen Otto übrighatte, suchte er schnell hinter der Gardine Unterschlupf.
Als die Mutter ihren träumenden Julius ansah, lächelte sie und streichelte sanft sein Köpfchen.
„Ach, Mutti“, sagte Julius, „ich wünsche mir so sehr, dass ich den Menschenkindern zu Weihnachten eine Freude bereiten kann. Wie gern würde ich den Schlitten des Weihnachtsmannes ziehen, und wenn ich mich anstrenge, ziehe ich den Weihnachtsmann und das Christkind gleich mit.“ Die Mutter lachte über diese Worte, denn sie konnte sich nicht vorstellen, dass ihr kleiner Junge zu solch einer Tat fähig wäre. Julius war enttäuscht und sagte: „Lach nur! Ich finde es so ungerecht! Jedes Jahr darf Herr Ren aus Norwegen den Schlitten ziehen. Es wird wirklich Zeit, ihn einmal abzulösen.“ Die Mutter schüttelte den Kopf und erwiderte: „Herr Ren ist auch viel, viel stärker als du, hat seine Freunde dabei und kennt die Strecke genau. Sie schweben gemeinsam geschwind von Ort zu Ort.“ „Von wegen stärker. Ich bin stark und viel kräftiger, sieh her!“, entgegnete Julius. Voller Überzeugungskraft stellte er sich auf die Hinterbeine und stemmte die Vorderbeine gegen die Tür, sodass diese zu knacken begann. Die Mutter runzelte die Stirn, das tat sie immer, wenn sie böse wurde. Gleich darauf begann sie auch schon, mächtig zu schimpfen. Und schimpfen, das konnte Frau Meckerich! „Julius, nun ist es aber genug, du hörst jetzt sofort mit dem Unsinn auf. Wenn die Tür zerbricht, musst du in der Kälte schlafen.“ Julius beruhigte seine Mutter mit den Worten: „Ach, Mami, das war doch nicht mal die halbe, nicht mal die Viertel-Kraft voraus und …“ Aber zum Weiterreden kam er nicht, denn die Mutter hob hinweisend die Hand und sprach: „Du musst endlich mit deiner Träumerei aufhören. Finde dich damit ab.
Die Ziegenfamilien haben noch nie solche Dinge getan. Weder Schlitten gezogen, noch Glöckchen getragen, geschweige denn Kinder überrascht. Spar dir deine Kraftübungen für andere Sachen.
Im Übrigen ist das Feuerholz ausgegangen. Schnapp dir also den Korb und geh in die Scheune, um deine Pflichten zu tun.“ Damit drehte sie ihrem Sohn den Rücken zu und verließ das Zimmer, um sich um ihren Haushalt und das Abendessen zu kümmern. Julius verschlug es die Sprache. So hatte seine Mutter ja noch nie mit ihm gesprochen!
Ganz bedrückt wollte er sich an die ihm übertragene Arbeit machen, als Otto, der alles mitangehört hatte, ins Zimmer schwirrte und sofort mit dem Lästern begann: „Da hört sich ja alles auf. Ein Ziegenbock mit Hörnern und Bart. Ach, was sag ich, mit Bärtchen und Hörnchen, so klein wie Pflaumenkernchen. Hihi, hihi, hi. Willst du, dass an Weihnachten alle Menschen vor Lachen auf dem Boden liegen? Der Weihnachtsmann wird dich krummbeinigen Ziegenjockel gerade nehmen. Pah, dass ich nicht lache! Deine Mutter hat recht, kümmere dich lieber um deine Arbeit und überlass das Schlittenziehen fähigen Tieren. Du kennst ja nicht einmal die Himmelsrichtungen, da du ja noch in den Kindergarten gehst. Du würdest den Weihnachtsmann statt in Toronto in Tokio oder Moskau absetzen. Sieh dich doch an, du Traumjulius, hi, hi. Traumziegenjulius, hi, hi.“ Otto klatschte sich auf den Bauch vor Lachen. „Ich kann mir das verdutzte Gesicht des Weihnachtsmannes gut vorstellen. Anstatt des Fernsehturms in Berlin sieht der gute alte Mann den Eiffelturm in Paris, statt der Freiheitsstatue in New York findet er sich vor der Sagrada Familia in Barcelona wieder! Ich bekomme mich nicht mehr ein vor Lachen!“ Otto lag johlend auf dem Rücken und wackelte mit den Beinen und Flügeln in der Luft. In Julius Augen wurde es plötzlich feucht und sein Herz klopfte ganz laut vor Aufregung. Wie konnte Otto nur so gemein sein. „Scher dich weg!“, rief Julius. „Und lass dich hier nicht mehr sehen, sonst …“ „Was sonst?“, zischte Otto. „Denkst du, ich habe vor einer Traumziege Angst? Ehe du deine Hufe gehoben hast, bin ich schon längst aus dem Fenster.“ Und kaum hatte Otto ausgesprochen, flatterte er auch schon davon. Man hörte ihn noch lange zwitschern: „Traumziegen … Träumerjulius … Traumziegenjulius. Hihi.“ Da stand Julius nun, Tränen in den Augen, seine rote Decke in der Hand, und nur der Mond schien ihn zu verstehen, denn er lächelte zum Fenster herein.
All seine Träume waren zerplatzt wie Seifenblasen im Wind. Julius war traurig und enttäuscht.
Otto hatte wohl recht. Er war eben ein Schwächling, ein Träumer und ein Dummkopf.
Was würde nur Vater von ihm denken? Er hatte sich doch einen Sohn gewünscht, der weiß, was er will, und der später einmal die Familie unterstützen sollte. Nein, das konnte Julius nicht auf sich sitzen lassen. Er wusste doch, was er wollte, und ein Ziegenjunge wie er gab niemals auf. Aber was sollte er tun? Noch etwas benommen trottete er in die Küche, nahm wortlos den leeren Korb, um in der nahe gelegenen Scheune Holz zu holen. Er schlenderte über den Hof. Dunkel war es und Julius merkte, wie die Herbstluft kühl und sanft über sein Gesicht streichelte. Roch es da nicht schon etwas nach Schnee? Sollte der Winter in diesem Jahr schon so zeitig kommen? Eigentlich konnte Ende November schon mit Schnee gerechnet werden. Sagte zumindest der alte Jonathan, und der hatte in Ziegenhein schon viele Jahre verbracht und wusste über alle Wettererscheinungen Bescheid. In der Scheune füllte Julius rasch den Holzkorb. Seine Gedanken waren dabei aber ganz weit weg. Als er das Tor zur Scheune abgeschlossen hatte und sich zum Haus begeben wollte, sah er plötzlich einen hellen Lichtstrahl am Himmel. Wie schön, dachte Julius, eine Sternschnuppe. Als er aber genauer hinsah, bemerkte er, dass die Sternschnuppe ein kleiner Engel war. Dieser landete vor dem verdutzten Ziegenjungen und sprach: „Nicht traurig sein! Auch wenn andere zu dir sagen, dass du ein Träumer bist. Träumen ist doch das Wunderbarste auf dieser Welt. Wenn Tiere und Menschen keine Träume hätten, wonach würden sie streben? Sie hätten dann keine Ideen für die Zukunft mehr. Daher ist Träumen so wichtig! Sei mutig und erfülle dir deinen Traum, denn erst dann wirst du sehen und erkennen, wie schön die Wunder dieser Erde sind.“
So schnell wie es gekommen war, so geschwind verschwand das Licht wieder und mit ihm der kleine Engel. Hatte er geträumt? Julius fasste sich an den Hörnern und zog fest daran. „Au! Ich bin wach, hellwach! Was hat er gesagt? Den Traum erfüllen! Natürlich, das ist die Lösung!“
Julius nahm seinen Holzkorb auf und stellte ihn in der Küche ab. Mutter, Vater und Julia warteten schon mit dem Abendbrot auf ihn. Keiner sprach ein Wort, denn die Eltern waren müde von der vielen Arbeit. Ab und zu sahen Vater und Mutter zu Julius hinüber, der mit großem Appetit sein Essen verspeiste. Als viel später die Lichter erloschen und es still im Haus wurde, kam der Schlaf, um allen eine gesegnete Nacht zu wünschen. Aber was war das? Ein Bett im Haus der Familie Meckerich war leer. Das gab es doch noch nie, dachte der Schlaf. Der Ziegenjunge war sonst immer der Erste, der die Augen schloss und träumen wollte.
…
Du glaubst nicht daran? Folge mir, wir wollen heute einen ganz besonderen Träumer, einen guten Freund von mir, besuchen. Ich lernte ihn im Land der Träume kennen, er erzählte mir von sich, und das muss ich dir unbedingt weitererzählen. Schließe die Augen und komm mit mir in das wundervolle Land Grasegrün.
Du siehst traumhafte grüne Wiesen mit riesigen weißen Margeriten, die die Schmetterlinge zum Morgensport bitten. Auch die tollsten blauen Glockenblumen findest du hier, die jeden Abend den Bienen ihr Abendliedchen spielen. Umgeben ist das Land von hohen Bergen und von Wäldern mit riesigen alten Bäumen, die dir 1000 Jahre alte Geschichten erzählen, denen du stundenlang zuhören kannst. Und wenn der Wind in den Zweigen spielt, dann singen sie für alle Bewohner dieses Landes ein Lied über die Schönheit der Natur. Es ist Spätherbst geworden, und man könnte das Land jetzt Kunterbunt nennen, denn der Herbstwichtel hat die Blätter mit den schönsten Farben bemalt: Gelb, Gold, Orange, Rot und Weinrot. Genau hier gibt es ein kleines Dorf mit Namen Ziegenhein, und genau hier wohnt unser kleiner Held ein Ziegenböcklein mit Namen Julius Meckerich. Er wohnt mit seinen Eltern und seiner Schwester Julia in Ziegenhein. Es ist ein wundervolles Dorf. Die Häuser sind so einzigartig, dass du genau hinsehen musst, um sie zu entdecken. Sie sind zwischen grünen, mit Moos bedeckten Hügeln versteckt, wo nur ab und zu ein kleiner Schornstein zu entdecken ist, aber nur, wenn Rauch aufsteigt. Zu jedem Haus gehört eine kleine Scheune, wo die Einwohner ihr Feuerholz und die Stroh- und Heuballen für den Winter einlagern. Gut toben lässt es sich dort! Und da die Bäume in den Gärten jetzt im Spätherbst ihre bunten Blätter abwerfen, musst du noch genauer hinsehen, um die Häuser zu entdecken. Die Bäume sehen so zauberhaft in den verschiedenen Farben aus und an jedem Einzelnen hängen die verschiedensten und schönsten Früchte. Einfach nur genial. Deshalb ist es kein Wunder, dass auch hier die verschiedensten Vogelfamilien wohnen. Allen geht es gut hier, denn vor allen Dingen ist es ruhig in Ziegenhein und – tja – somit der richtige Platz zum Träumen.
Träumen, das ist auch eine von Julius Lieblingsbeschäftigungen, aber halt!
Mein Julius, ein toller Bursche, ganze 6 Jahre alt und, wie man unter Ziegen so sagt, ein toller Traumfelli! Mal wollte er ein Vogel sein und die ganze Welt von oben besehen. Mal stellte er sich vor, wie ein Maulwurf durch den Boden zu buddeln und verborgene Schätze auszugraben.
Und sein neuester Traum, der hielt nun schon seit dem Sommer an. Er träumte nämlich davon, den Weihnachtsmann im Herbst zu besuchen. Er wollte ganz keck vor ihn treten und ihn bitten, seinen Schlitten ziehen zu dürfen. Julius stellte sich das wundervoll vor.
Sein schönes weißes Fell war in seiner Fantasie mit einem roten Umhang umhüllt, auf dem glitzernde Sterne blinkten. Und um den Hals … ja, um den Hals ein Band mit goldenen Glöckchen, damit die Kinder auch zeitig genug merkten, wenn der Weihnachtsmann und das Christkind mit den Geschenken in die Städte und Dörfer einzogen. Julius wollte so gern das Menschenreich besuchen, um den Kindern eine Freude zu bereiten. Es sollte das Traumhafteste werden, was er je erlebt hatte.
Julius drehte und wendete sich vor dem Spiegel in seinem Kinderzimmer, in ein rotes Tischtuch gehüllt, und träumte vor sich hin. Seine Augen glänzten dabei, und seine kleinen Hörner leuchteten im Mondlicht. Er konnte sich so gut vorstellen, wie wundervoll er aussähe, und wie man ihn bewundern würde. Auf dem Fensterbrett saß lauschend und in sich hinein kichernd Otto, der freche Spatzenjunge vom Nachbarbaumhaus. Er wollte gerade laut lospiepen, als Mutter Meckerich das Zimmer betrat. Da Frau Meckerich nicht viel für den frechen Otto übrighatte, suchte er schnell hinter der Gardine Unterschlupf.
Als die Mutter ihren träumenden Julius ansah, lächelte sie und streichelte sanft sein Köpfchen.
„Ach, Mutti“, sagte Julius, „ich wünsche mir so sehr, dass ich den Menschenkindern zu Weihnachten eine Freude bereiten kann. Wie gern würde ich den Schlitten des Weihnachtsmannes ziehen, und wenn ich mich anstrenge, ziehe ich den Weihnachtsmann und das Christkind gleich mit.“ Die Mutter lachte über diese Worte, denn sie konnte sich nicht vorstellen, dass ihr kleiner Junge zu solch einer Tat fähig wäre. Julius war enttäuscht und sagte: „Lach nur! Ich finde es so ungerecht! Jedes Jahr darf Herr Ren aus Norwegen den Schlitten ziehen. Es wird wirklich Zeit, ihn einmal abzulösen.“ Die Mutter schüttelte den Kopf und erwiderte: „Herr Ren ist auch viel, viel stärker als du, hat seine Freunde dabei und kennt die Strecke genau. Sie schweben gemeinsam geschwind von Ort zu Ort.“ „Von wegen stärker. Ich bin stark und viel kräftiger, sieh her!“, entgegnete Julius. Voller Überzeugungskraft stellte er sich auf die Hinterbeine und stemmte die Vorderbeine gegen die Tür, sodass diese zu knacken begann. Die Mutter runzelte die Stirn, das tat sie immer, wenn sie böse wurde. Gleich darauf begann sie auch schon, mächtig zu schimpfen. Und schimpfen, das konnte Frau Meckerich! „Julius, nun ist es aber genug, du hörst jetzt sofort mit dem Unsinn auf. Wenn die Tür zerbricht, musst du in der Kälte schlafen.“ Julius beruhigte seine Mutter mit den Worten: „Ach, Mami, das war doch nicht mal die halbe, nicht mal die Viertel-Kraft voraus und …“ Aber zum Weiterreden kam er nicht, denn die Mutter hob hinweisend die Hand und sprach: „Du musst endlich mit deiner Träumerei aufhören. Finde dich damit ab.
Die Ziegenfamilien haben noch nie solche Dinge getan. Weder Schlitten gezogen, noch Glöckchen getragen, geschweige denn Kinder überrascht. Spar dir deine Kraftübungen für andere Sachen.
Im Übrigen ist das Feuerholz ausgegangen. Schnapp dir also den Korb und geh in die Scheune, um deine Pflichten zu tun.“ Damit drehte sie ihrem Sohn den Rücken zu und verließ das Zimmer, um sich um ihren Haushalt und das Abendessen zu kümmern. Julius verschlug es die Sprache. So hatte seine Mutter ja noch nie mit ihm gesprochen!
Ganz bedrückt wollte er sich an die ihm übertragene Arbeit machen, als Otto, der alles mitangehört hatte, ins Zimmer schwirrte und sofort mit dem Lästern begann: „Da hört sich ja alles auf. Ein Ziegenbock mit Hörnern und Bart. Ach, was sag ich, mit Bärtchen und Hörnchen, so klein wie Pflaumenkernchen. Hihi, hihi, hi. Willst du, dass an Weihnachten alle Menschen vor Lachen auf dem Boden liegen? Der Weihnachtsmann wird dich krummbeinigen Ziegenjockel gerade nehmen. Pah, dass ich nicht lache! Deine Mutter hat recht, kümmere dich lieber um deine Arbeit und überlass das Schlittenziehen fähigen Tieren. Du kennst ja nicht einmal die Himmelsrichtungen, da du ja noch in den Kindergarten gehst. Du würdest den Weihnachtsmann statt in Toronto in Tokio oder Moskau absetzen. Sieh dich doch an, du Traumjulius, hi, hi. Traumziegenjulius, hi, hi.“ Otto klatschte sich auf den Bauch vor Lachen. „Ich kann mir das verdutzte Gesicht des Weihnachtsmannes gut vorstellen. Anstatt des Fernsehturms in Berlin sieht der gute alte Mann den Eiffelturm in Paris, statt der Freiheitsstatue in New York findet er sich vor der Sagrada Familia in Barcelona wieder! Ich bekomme mich nicht mehr ein vor Lachen!“ Otto lag johlend auf dem Rücken und wackelte mit den Beinen und Flügeln in der Luft. In Julius Augen wurde es plötzlich feucht und sein Herz klopfte ganz laut vor Aufregung. Wie konnte Otto nur so gemein sein. „Scher dich weg!“, rief Julius. „Und lass dich hier nicht mehr sehen, sonst …“ „Was sonst?“, zischte Otto. „Denkst du, ich habe vor einer Traumziege Angst? Ehe du deine Hufe gehoben hast, bin ich schon längst aus dem Fenster.“ Und kaum hatte Otto ausgesprochen, flatterte er auch schon davon. Man hörte ihn noch lange zwitschern: „Traumziegen … Träumerjulius … Traumziegenjulius. Hihi.“ Da stand Julius nun, Tränen in den Augen, seine rote Decke in der Hand, und nur der Mond schien ihn zu verstehen, denn er lächelte zum Fenster herein.
All seine Träume waren zerplatzt wie Seifenblasen im Wind. Julius war traurig und enttäuscht.
Otto hatte wohl recht. Er war eben ein Schwächling, ein Träumer und ein Dummkopf.
Was würde nur Vater von ihm denken? Er hatte sich doch einen Sohn gewünscht, der weiß, was er will, und der später einmal die Familie unterstützen sollte. Nein, das konnte Julius nicht auf sich sitzen lassen. Er wusste doch, was er wollte, und ein Ziegenjunge wie er gab niemals auf. Aber was sollte er tun? Noch etwas benommen trottete er in die Küche, nahm wortlos den leeren Korb, um in der nahe gelegenen Scheune Holz zu holen. Er schlenderte über den Hof. Dunkel war es und Julius merkte, wie die Herbstluft kühl und sanft über sein Gesicht streichelte. Roch es da nicht schon etwas nach Schnee? Sollte der Winter in diesem Jahr schon so zeitig kommen? Eigentlich konnte Ende November schon mit Schnee gerechnet werden. Sagte zumindest der alte Jonathan, und der hatte in Ziegenhein schon viele Jahre verbracht und wusste über alle Wettererscheinungen Bescheid. In der Scheune füllte Julius rasch den Holzkorb. Seine Gedanken waren dabei aber ganz weit weg. Als er das Tor zur Scheune abgeschlossen hatte und sich zum Haus begeben wollte, sah er plötzlich einen hellen Lichtstrahl am Himmel. Wie schön, dachte Julius, eine Sternschnuppe. Als er aber genauer hinsah, bemerkte er, dass die Sternschnuppe ein kleiner Engel war. Dieser landete vor dem verdutzten Ziegenjungen und sprach: „Nicht traurig sein! Auch wenn andere zu dir sagen, dass du ein Träumer bist. Träumen ist doch das Wunderbarste auf dieser Welt. Wenn Tiere und Menschen keine Träume hätten, wonach würden sie streben? Sie hätten dann keine Ideen für die Zukunft mehr. Daher ist Träumen so wichtig! Sei mutig und erfülle dir deinen Traum, denn erst dann wirst du sehen und erkennen, wie schön die Wunder dieser Erde sind.“
So schnell wie es gekommen war, so geschwind verschwand das Licht wieder und mit ihm der kleine Engel. Hatte er geträumt? Julius fasste sich an den Hörnern und zog fest daran. „Au! Ich bin wach, hellwach! Was hat er gesagt? Den Traum erfüllen! Natürlich, das ist die Lösung!“
Julius nahm seinen Holzkorb auf und stellte ihn in der Küche ab. Mutter, Vater und Julia warteten schon mit dem Abendbrot auf ihn. Keiner sprach ein Wort, denn die Eltern waren müde von der vielen Arbeit. Ab und zu sahen Vater und Mutter zu Julius hinüber, der mit großem Appetit sein Essen verspeiste. Als viel später die Lichter erloschen und es still im Haus wurde, kam der Schlaf, um allen eine gesegnete Nacht zu wünschen. Aber was war das? Ein Bett im Haus der Familie Meckerich war leer. Das gab es doch noch nie, dachte der Schlaf. Der Ziegenjunge war sonst immer der Erste, der die Augen schloss und träumen wollte.
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