Fliege Agathe

Fliege Agathe

Wilhelmine H. Bauregger


EUR 17,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 32
ISBN: 978-3-95840-482-3
Erscheinungsdatum: 24.08.2017
Eines Tages verirrt sich eine Fliege ins Haus von Maria. Doch Fliegen summen und surren, sie stören! Kein Wunder, dass sich Maria mit der Fliegenpatsche auf die Jagd nach der Fliege macht. Doch dann passiert etwas komplett Unerwartetes …
Schwüle herrscht draußen vor den Fenstern des Hauses Nummer eins in einer kleinen bayerischen Stadt, während drinnen ein Hauch behaglicher Kühle weilt. Das monotone Ticken einer Porzellanuhr hallt von der pastellfarbenen Wand, begleitet vom Surren einer Fliege, die rastlos und doch graziös ihre Runden dreht. Ihre Flügel schillern im Licht wie ein Regenbogen, und sie blickt neugierig mit ihren großen Augen durch den Raum. Sie spürt mit ihren kleinen Fühlern, dass heute ein perfekter Tag für Neuentdeckungen ist. Surrend lässt sie sich auf dem großen Holztisch nieder.
Dort sitzt Maria, eine junge Frau, die erst seit Kurzem in der Nummer eins wohnt. Einige Strähnen ihres blonden Haares fallen aus dem schlecht sitzenden Pferdeschwanz, die ihr schmales, gebräuntes Gesicht liebevoll umrahmen. Heute hat sie ihren freien Tag, den sie zunächst gemütlich mit einer Tasse Kaffee und einer Zeitung verbringen möchte.
Sie schlägt die Zeitung auf und da hört sie, wie sich summend eine Fliege nähert, die sich schließlich auf dem Küchentisch niederlässt. „Was soll’s“, denkt sich Maria, „die Fliege will sicher auch nur eine Pause machen, es ist ja ganz schön warm hier.“ Maria schlägt die Lokalnachrichten auf, doch plötzlich sitzt dort die Fliege und blickt sie neugierig an.

„Jetzt reicht es aber, du Biest, warum setzt du dich ausgerechnet auf die Lokalnachrichten, die ich lesen möchte? Bleib doch auf dem Tisch, wo du mich nicht störst! Sonst hol ich die Fliegenpatsche!“
Ärgerlich wedelt sie mit der Hand durch die Luft, doch die Fliege bleibt sitzen.
„Okay, du willst es nicht anders, ich habe dich gewarnt!“
Ärgerlich springt Maria von ihrem Stuhl auf und ruft wütend: „He Fliege, dein Sss wird bald ein Ende haben, da hat sich es ausgessst.“
Sie verlässt die Küche auf der Suche nach der Fliegenpatsche. „Wo ist die denn, hab ich die … oder, ach ja, jetzt fällt es mir ein, im Wohnzimmer, in der untersten Schublade der Kommode.“
Doch dort findet sich nur der Weihnachtsschmuck von letztem Jahr. Von einer rosafarbenen Fliegenpatsche ist nichts zu sehen.
„Das gibt es doch nicht“, murmelt Maria vor sich hin. Seufzend dreht sie sich um und blickt zum Fenster. Und dort auf der Fensterbank, da liegt sie. Triumphierend schnappt sie sich die Fliegenpatsche und kehrt in die Küche zurück.
„So, jetzt hat aber dein letztes Stündlein geschlagen!“, ruft Maria und schlägt kräftig auf die Zeitung. Doch die Fliege ist verschwunden.
Erschrocken surrt das flinke Tierchen davon. Die kleine Fliege hat doch nur wissen wollen, was dieses merkwürdige Wesen machte. Doch anscheinend hat sie es verärgert, denn es hat die ganze Zeit nach ihr geschlagen und mit seinen riesigen Fühlern umhergefuchtelt.
„Aus einer Fliege muss man doch nun wirklich keinen Elefanten machen“, denkt sich die Fliege. „Lieber verstecke ich mich noch ein Weilchen und warte ab, bis es sich wieder beruhigt hat.“
Maria legt die Patsche neben die noch aufgeschlagene Zeitung und denkt: „Ach was, da mach ich mir doch erst noch eine große Tasse Kaffee. Die Fliege kommt sicher wieder zurück. Und dann bin ich gerüstet!“ Sie stellt den Wasserkessel auf den Herd, blickt zur Küchenuhr, die zwischen Eckfenster und Bauernschrank an der Wand hängt. Es ist zehn Uhr.
„Hab ich es mir doch gedacht! Da hast du dich versteckt!“, ruft sie entsetzt. „Was machst du denn da, Fliege? Ich hab die Porzellanuhr erst gestern geputzt und du Mistvieh kackst sie an. Na warte, dich kriege ich!“
Doch schon pfeift der Kessel und Maria muss sich erst um das heiße Wasser kümmern. Als sie nach kurzer Zeit auf die Uhr guckt, ist die Fliege weg. „Mist!“, geht es Maria durch den Kopf. „Schon wieder ist sie entwischt. Ach, trink ich erst mal meinen Kaffee und lese endlich die Zeitung, Oma will ja auch gleich anrufen.“ Maria setzt sich zurück an den Holztisch und liest die Lokalnachrichten. Da hört sie es. Direkt neben ihrer Kaffeetasse ertönt ein leises Summen.
Die Fliege ist schon sehr erschöpft. Doch hinter dem großen Zeiger der Porzellanuhr hat sie ein gutes Versteck gefunden. „Dort findet mich das Wesen sicherlich nicht. Ich glaube, Mensch wird das genannt. Aber für Verfolgungsjagden bin ich wirklich nicht geschaffen. Ich muss mich jetzt erst mal ausruhen.“
Kurz darauf zieht ein wunderbarer Duft durch den Raum, der auch in den Rüssel der Fliege steigt.
„Oh, was ist das nur für ein Duft? Das riecht ja vorzüglich! Wo kommt der her? Das muss ich wissen!“, summt sie immer lauter vor sich hin. Und schon ist die Müdigkeit vergessen und die Fliege surrt erneut lautstark durch den Raum.
In der Zwischenzeit ist Maria mit dem Lokalteil fertig und murmelt vor sich hin: „Komisch, jetzt ist es so ruhig hier. Kein Ssss mehr. Fast vermiss ich dich schon, kleine Fliege.“
Sie legt die Zeitung zusammen, und da sieht sie sie wieder: Die Fliege sitzt am Rand ihrer Kaffeetasse und saugt mit ihrem Rüssel ein paar Tropfen Kaffee auf, die heruntergelaufen sind.
Maria traut ihren Augen kaum: „Das ist ja, als könntest du mich verstehen, Fliege. Ach nein, Fliege ist ein schlechter Name für ein so kluges Tierchen wie dich! Ich glaube, ich nenne dich Agathe. Ja, das ist ein schöner Name für dich: Fliege Agathe! Sicherlich hast du großen Durst, ist ja kein Wunder bei den Tempe­­raturen.“
Die Fliege Agathe schaut sie freundlich aus ihren großen Augen an und lässt sich auf der Tischplatte nieder. „Jetzt könnte ich dich … Aber nein, das bringe ich nicht mehr übers Herz. Du bist viel zu putzig“, denkt sich Maria und trinkt den Rest ihres Kaffees aus.

Da klingelt das Telefon. Maria zuckt zusammen, springt auf und nimmt den Hörer ab.

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