Cover: Ein Hauch Fantasie

Ein Hauch Fantasie


EUR 19,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 84
ISBN: 978-3-99146-830-1
Erscheinungsdatum: 15.01.2025
Ein Pinguin, der friert. Ein Drache, der Seifenblasen spuckt. Eine Kuh, die Afrika bereist. „Ein Hauch Fantasie“ erzählt in 20 Kurzgeschichten für große und kleine Kinder von amüsanten Begebenheiten, die gleichzeitig lehrreich sind.
Der Pinguin mit dem Pyjama

Es war einmal ein kleiner Pinguin. Dieser lebte mit seiner Familie in einer Schneehöhle. Doch er war nicht wie die anderen Pinguine. Er fror. Während alle anderen vergnügt draußen in der verschneiten Landschaft herumtollten, verkroch er sich zu Hause in seinem Bett. Einsam und allein machte er es sich jeden Tag zwischen den Federn im Nest gemütlich. Doch etwas fehlte ihm- Freunde. So gerne die anderen Pinguine ihn auch besucht hätten, es ging nicht. Tagsüber war es für sie in der Schneehöhle zu warm, für ihn jedoch draußen viel zu kalt. So sah der fröstelnde Pinguin tag-ein tag-aus immer dieselben Gesichter, nämlich die seiner Eltern und Geschwister. Diese wiederum konnten es nicht mehr ertragen, ihn so einsam und traurig zu sehen. Sie beratschlagten lange und oft über eine Lösung des Problems, doch ihnen wollte keine vernünftige einfallen. Gerade, als sie niedergeschlagen aufgeben wollten, ergriff plötzlich die jüngste Schwester das Wort. Ihr Vorschlag bestand darin, ihrem Bruder anstelle von gewöhnlicher Winterbekleidung aus Wolle doch ganz einfach welche aus den weichen Daunenfedern zu weben. Diese lagen zur Genüge in den Nestern der Pinguinfamilie. Das war die Idee! Die perfekte Lösung für ihr Problem!
Gleich am nächsten Morgen machten sich alle ans Werk. Die Federn entnahmen sie den Nestern, als der kleine Pinguin noch in tiefem Schlummer lag. Es waren immer nur so wenige, dass er es nicht bemerkte, schließlich sollte es eine Überraschung sein. Als jeder noch ein paar seiner eigenen Federn dazugab, hatten sie endlich genug, um diese auch zu einem Kleidungsstück verarbeiten zu können. Das taten sie dann auch. Mama Pinguin stickte die Federn zunächst Reihe für Reihe in eine Hose ein und danach in ein dazu passendes Oberteil. Dabei halfen ihr die anderen Familienmitglieder, indem sie die Federn sortierten und ihr reichten. Mama Pinguin steckte je eine Feder in eine Masche ihrer Strickarbeit und zog diese anschließend fest. Auf diese Weise lagen die wärmenden Federn eng beieinander und konnten nicht so leicht herausfallen oder verrutschen.
Eine Woche später war der Pyjama fertig. Das war jedoch nicht das einzige besondere Ereignis: Der Geburtstag des fröstelnden Pinguins stand bevor. An besagtem Morgen versammelte sich die ganze Familie im Kreis um ihn herum und weckte ihn mit einem fröhlichen Geburtstagslied. „Was für eine schöne Art geweckt zu werden“, dachte der kleine Pinguin. Als er schließlich sein Geschenk bekam, begann er vor Freude zu weinen. Er umarmte seine Familie stürmisch und bedankte sich mehrmals überschwänglich bei ihr. Schnell zog er den liebevoll hergestellten Pyjama an und stellte recht schnell fest, dass er endlich nicht mehr fror. Er begann sogar zu schwitzen! Um sich der Wärme der Schneehöhle zu entziehen, watschelte er nach draußen. Dort umgab ihn, trotz Minusgraden, immer noch eine wohlige Wärme. Doch das war noch längst nicht alles. Ihn erwartete eine große Schar junger Pinguine, die ihn alle kennenlernen und mit ihm spielen wollten. Seine Einsamkeit und sein Zittern waren endlich Teil der Vergangenheit Die Kälte war komplett aus seinem Körper gewichen. Der kleine Pinguin tollte, spielte und tobte von früh bis spät mit den anderen Pinguinen durch den Schnee. Bald schon hatte er echte Freundschaften geschlossen. Die unzertrennlichen jungen Pinguine bestanden gemeinsam zahlreiche Abenteuer und hielten immer zueinander.
So gib auch du die Hoffnung nicht auf, die Einsamkeit wird vergehen! Hab keine Angst davor, Neues zu entdecken. Ich wünsche dir und deinen Freunden viel Spaß bei euren künftigen Abenteuern!



Das graue Ampelmännchen

Wir alle kennen die Ampelmännchen, die an jeder Straßenecke auf uns warten und für unsere Sicherheit sorgen. Sie sind immer so schön bunt und hell. Alle wirken so fröhlich und freundlich in ihren leuchtenden Farben. Meist sind sie zu zweit: grün und rot. Das Grüne erlaubt dir, die Straße zu überqueren, das Rote zeigt dir, dass es dafür noch zu gefährlich ist. Wenn sie zu dritt sind, dann hilft das Gelbe den Autofahrern, zu erkennen, dass du gerade die Straße überqueren möchtest. Dann müssen sie nämlich langsamer fahren und bei Rot anhalten. Am gelben Ampelmännchen erkennst du außerdem, dass gerade von Grün zu Rot oder von Rot zu Grün gewechselt wird.
Doch nicht alle Ampelmännchen haben das Glück, zu leuchten. Es gab einst ein Ampelmännchen, welches vollkommen grau war. Es wusste nicht einmal mehr, welche Farbe es ursprünglich gehabt hatte. So sehr es sich auch bemühte, es konnte einfach nicht leuchten. So wurde es aussortiert und auf den Schrottplatz gebracht. Wie traurig und einsam es von nun an war, könnt ihr euch sicher vorstellen. Es gab niemanden, den es hätte beschützen können. Nicht einmal ein Kind auf dem Schulweg. So durfte es nicht bleiben. Es musste doch eine Möglichkeit geben, endlich zu leuchten! Das graue Ampelmännchen fasste den Entschluss umherzuziehen, bis es ein schöneres Fleckchen fand, an dem es gern bleiben mochte. Und vielleicht würde es dann auch endlich wieder die Kraft haben zu leuchten. So zog es Jahre in der Ferne umher, bis es auf einen ebenfalls einsamen Erfinder traf. Dieser fragte es, warum es nicht bei seinen Freunden sei und weshalb es nicht leuchtete. Nachdem es ihm sein Leid geklagt hatte, tröstete der Erfinder das kleine graue Männchen und nahm es mit in seine Werkstatt. Dort stellte er fest, dass die Glühbirnen im Inneren des Ampelmännchens kaputt waren, und bot an, diese auszutauschen. Das Ampelmännchen stimmte zu, gab jedoch zu bedenken, dass es sich doch gar nicht mehr erinnern konnte, in welcher Farbe es einst erstrahlt war. War es grün oder rot gewesen? Oder vielleicht doch gelb? Es schluchzte verzweifelt. Da kam dem Erfinder eine Idee. Anstatt sich für eine Farbe entscheiden zu müssen und womöglich die falsche auszuwählen, setzte er neue Glühbirnen in jeder Farbe ein. So konnte das Ampelmännchen entweder in allen Farben abwechselnd oder sogar gleichzeitig erstrahlen. Seit diesem Tag verspürte es nie wieder Traurigkeit. Das nun bunte Ampelmännchen blieb bei seinem Freund, dem Erfinder. Sie waren von da an nicht mehr einsam und bald in der ganzen Stadt bekannt.
Halte durch und sei geduldig. Auch deine Zeit zu leuchten wird kommen.

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