6 - 7 Jahre

Du sollst leben, kleiner Hase

Damaris Wüst

Du sollst leben, kleiner Hase

Leseprobe:

Das Leben ist so schön!

In einem Garten steht nahe beim hölzernen Türchen ein Hasenstall.
Es ist Frühling. Fröhlich hoppeln neun kleine Hasenkinder um die große weiße Hasenmutter. Die Kleinen sind schwarz und braun. An jedem Morgen und Abend bekommen die Hasen ihr Futter: duftende Kräuter von der Wiese, Salatblätter, Karotten, Kartoffelschalen, Heu und Hafer. An den Stalltüren sind auch Flaschen mit Wasser befestigt. Wenn sie durstig ist, trinkt die Hasenmutter daraus. Die Kleinen werden noch gesäugt. Die Mutter hat am Bauch sechs Zitzen, aus denen die Hasenkinder leckere Milch saugen. Danach lecken und putzen sie sich die Schnäuzchen. Manchmal träumen sie, manchmal spielen sie und jagen durch das raschelnde Stroh. Das Leben ist so schön!



Was ist geschehen?

Wie an jedem Morgen ruft eine freundliche Stimme den Hasen ein „Guten Morgen!“ zu. Die Stalltüren werden geöffnet, die flauschigen Rücken gestreichelt und die Schüsseln mit Futter gefüllt.
Ein braunes Hasenkind lässt die Frau aufmerken. Mühsam hoppelt es heran und zieht eine verdrehte Hinterpfote nach. Ein Jammern und Stöhnen entringt sich der Frau und vorsichtig hebt sie das Häschen aus dem Stroh. Wie tut ihr das Herz weh, als sie sieht, dass die Pfote nur noch an einer Sehne und dem blutigen Fell baumelt. „Nein, oh nein“, bringt sie mühsam hervor und birgt das Häschen weinend an ihrer Brust. Ein zarter weißer Knochen ragt zerbrochen aus Pfote und Bein. „Was musst du für Schmerzen haben“, flüstert sie mit gesenktem Kopf in das weiche Fell.

Ganz still lässt es der Hase geschehen. Hier ist jemand, der ihm helfen wird. Die Hasenmutter beobachtet, was mit ihrem Kind geschieht. Noch einmal darf sie an ihm schnuppern, es liebkosen, dann schließt sich die Stalltür und das Hasenkind wird von großen Händen geschützt fortgetragen.



Ein Hase will hoppeln

Weißt du wie lange es dauert, bis ein gebrochenes Bein geheilt ist? Es muss einige Wochen ganz stillgehalten werden von einem Gipsverband, bis der Knochen wieder zusammengewachsen ist.
Laufen und hüpfen geht überhaupt nicht. Ein Hasenkind hält aber nicht still und sein Bein kann nicht über Wochen in einem Gipsverband sein. Ein Hase will hoppeln. Er kann das unheimlich schnell. Denn in der Natur muss er vor Gefahren davonlaufen, Haken schlagen und sich ganz flink verstecken können. In der Freiheit würde ein Hase mit gebrochenem Bein sterben. Er wäre eine leichte Beute für seine Feinde.



„Ich helfe dir, du sollst leben.“

Das sagt die Frau immer wieder. Dabei überlegt sie angestrengt, wie das Häschen zu retten sei. Die gebrochene Pfote ist nicht mehr zu gebrauchen, sondern eher hinderlich.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 30
ISBN: 978-3-99048-410-4
Erscheinungsdatum: 22.12.2015
EUR 15,90
EUR 9,99

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