Cover: Die Abenteuer der kleinen Hexe Murmele

Die Abenteuer der kleinen Hexe Murmele


EUR 21,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 294
ISBN: 978-3-7116-0711-9
Erscheinungsdatum: 30.04.2025
Murmele ist eine hilfsbereite und friedliebende kleine Hexe. Doch böse Hexen, machtgierige Zauberer und finstere Kreaturen verbreiten Angst und Schrecken. Mit all ihren Zauberkünsten, ihrem Mut und ihren Freunden sorgt Murmele für Frieden im Hexenwald.
1


Die kleine Hexe Murmele

Tautropfen hingen in den Spinnennetzen. Die Sonnenstrahlen erreichten kaum den Boden zwischen den hochaufragenden Bäumen. Hier, tief im Wald, lebte die kleine Hexe Murmele. Sie wohnte in einem kleinen Häuschen, umgeben von einem wunderschönen Garten. Ihre großen, bösen Hexenverwandten hausten dagegen in den dunklen Höhlen des Waldes.

Murmele war so gar keine typische Hexe. Sie sah überhaupt nicht hexenmäßig aus, eher nett, niedlich und jung.

Als kleine, junge Hexe musste sie noch viel lernen. Aber auf ihrem Hexenbesen war sie bereits eine Meisterin. Hui, flog sie damit durch die Luft, schlug Saltos und landete in den höchsten Baumwipfeln. Wenn ein Mensch das hörte, dachte er: „Heute geht aber wieder ein kräftiger Wind.“

Und die kleine Hexe mochte Kinder – ganz im Gegensatz zu ihren großen, bösen Verwandten. Die hatten Kinder höchstens zum Fressen gerne.

Eines Abends verirrten sich ein Mädchen und ein Junge im Hexenwald. Beide waren erst fünf Jahre alt. Sie hatten große Angst. In der Dämmerung sahen die Bäume wie unheimliche schwarze Wesen aus. Sie knarrten und ächzten im eisigen Wind. Das dornige Dickicht wurde immer dichter und zerfetzte ihre Mäntel und Strümpfe.

Zu allem Überfluss hatten die großen, bösen Hexen die beiden schon entdeckt. Mit funkelnden, gelben Augen spähten sie zwischen den Zweigen nach ihnen. „Wir müssen sie fangen und braten, dann gibt es ein Festmahl, hihihi“, sagten sie und fuhren sich mit ihren langen Zungen über die schrecklichen Lippen und Zähne. Mit ihren krummen Beinen konnten die großen Hexen aber nicht schnell genug laufen, um die Kinder zu fangen.

„Wir dürfen sie nicht entwischen lassen.“ So berieten die Hexen, wie sie die Kinder am besten in eine Falle locken konnten. „Wir wollen eine Grube bauen und mit Zweigen bedecken. Wenn die Kinder auf die dünnen Zweige treten, fallen sie in die Grube und sind gefangen, hihihi.“

Der Plan schien ihnen gut und mit ihren Hexenkräften gruben sie eilig ein großes Erdloch auf dem Weg, den die Kinder entlang gingen. Sorgfältig schichteten sie die Zweige darüber, sodass die Grube nicht zu erkennen war. Zufrieden versteckten sie sich in ihren Höhlen.

Die kleine Hexe Murmele hatte alles mit verfolgt. Oje! Was sollte sie nur tun, um die Kinder zu retten. Diese waren schon so nahe bei der Falle. Nur noch ein paar Schritte und sie würden hineinstürzen. Selber konnte sie die beiden nicht warnen, schließlich gehörte auch sie zur Hexenfamilie und die großen Hexen wären sicher sehr böse auf sie.

„Vielleicht kann mir ja mein bester Freund helfen“, dachte Murmele und lief, so schnell sie konnte, zum Bau des schlauen Füchsleins.

Das kluge Tier wusste auch gleich, was zu tun war. Es lief zu der Grube und sprang hinein. Die Zweiglein zerbrachen und das Erdloch war nun gut zu sehen.

Gerade noch rechtzeitig! Hand in Hand kamen die Kinder des Weges. Erschrocken blieben sie am Rand der Falle stehen. Das Füchslein begann zu jaulen und lief in der Grube hin und her. „Der arme Fuchs“, sagte der Junge, „wir wollen ihn retten.“ Rasch holte er eine Liane vom Baum und warf das eine Ende in das Erdloch. Der Fuchs biss fest hinein und mit vereinten Kräften zogen die Kinder ihn aus der Falle.

Als die großen, bösen Hexen zur Grube kamen, fanden sie darin nur ein paar rötliche Haare. Da tobten sie und ersannen einen neuen Plan. „Wir locken sie auf den höchsten Felsen im Wald, sodass sie weder vor- noch zurückgehen können. Dann haben wir sie gefangen, hihihi!“ Eilig bereiteten sie den Weg zum Felsen. Jetzt war es der einzige Pfad, dem die Kinder durch das Dornengestrüpp noch folgen konnten.

Die kleine Hexe hatte, versteckt hinter Büschen, alles mit angesehen. Auch den Tieren des Waldes war das schreckliche Treiben der großen Hexen nicht verborgen geblieben. Aufgeregt kam eine Tannenmeise geflogen und setzte sich neben Murmele auf einen Ast: „Die Eltern suchen schon verzweifelt nach ihren Kindern“, zwitscherte sie. „Aber sie suchen im schattigen Tal weit weg von hier.“ „Dann müssen wir ihnen den richtigen Weg zeigen“, sagte Murmele. „Mein lieber Freund“, bat sie den Fuchs, „du kennst alle geheimen Pfade im Wald. Bitte hole die Eltern.“

Im schattigen Tal irrten Vater und Mutter verzweifelt umher. „Maxi! Mimi!“, riefen sie immer wieder, aber ihre Stimmen verhallten ungehört.

„Ach“, sprach der Vater, „wie sollen wir sie nur finden in diesem Dickicht. Der Wald ist so groß und dunkel und es ist so kalt! Hoffentlich kommen wir noch rechtzeitig, bevor ihnen ein Unglück geschieht.“
„Schau“, rief die Frau „ein Fuchs! Er ist gar nicht scheu!“ Sie deutete aufgeregt auf das Füchslein. „Er schaut sich immer wieder nach uns um, als ob er uns etwas zeigen will. Folgen wir ihm. Wir wissen ja ohnehin nicht mehr, wohin wir gehen sollen!“

Die beiden folgten dem Fuchs. Er führte sie über verschlungene Wege, die nur die Tiere des Waldes kannten, vorbei an rauschenden Bächen, riesigen alten Eichen und dichtem, dornigen Himbeergestrüpp, immer tiefer in den Wald hinein.

Da – plötzlich auf einer kleinen Lichtung – ihre Kinder! Überglücklich schlossen die Eltern sie in die Arme. Maxi und Mimi weinten vor Freude, Mutter und Vater wiederzusehen.

Die großen, bösen Hexen erkannten, dass ihr Plan gescheitert war. Sie konnten den Kindern nichts mehr anhaben. Wütend fuhren sie mit ihren Besen durch die Baumwipfel, dass diese sich fast bis zum Boden bogen. Drohende dunkle Wolken zogen auf.

Schnell nahmen die Eltern die Kinder an den Händen und liefen mit ihnen durch den Wald nach Hause. Gerade als sie die Türe hinter sich schlossen, begann ein heftiges Unwetter mit Blitz, Donner und peitschendem Regen.

Die Familie aber saß wohlbehalten in ihrem Häuschen um ein kleines Feuer. Die Kinder tranken heiße Schokolade und erzählten von ihren Abenteuern. Davon, wie sie den Fuchs gerettet hatten und von den vielen gelben Lichtern zwischen den Zweigen.




2


Wie die kleine Hexe Murmele zu
ihrem Namen kam

Die kleine Hexe kannte viele Tiere im Wald: Hasen, Igel, Rehe, Wildschweine und die kleinen flinken Mäuse, die immer sehr vorsichtig waren, damit sie kein Uhu erwischte. Auch die Kühe auf der Weide vom Bauernhof am Waldrand kannte sie – sogar mit Namen. Und natürlich ihren besten Freund, den Fuchs. Dieser wohnte in einem gemütlichen Bau nahe ihrem Häuschen. Wann immer sie Zeit hatte, besuchte sie ihn. Dann spielten sie die lustigsten Spiele und jagten sich ausgelassen um die Baumstämme herum.

Eines Tages belauschte die kleine Hexe zwei Wanderer, die es sich auf einer Bank auf der Waldlichtung gemütlich gemacht hatten. Einer erzählte begeistert von seiner letzten Bergtour. „Stell dir vor, die Murmeltiere waren so zahm, dass sie mir Kekse aus der Hand gefressen haben.“ „Das ist ja putzig“, sagte sein Freund und sie unterhielten sich noch ein Weilchen über diese niedlichen Tiere.
„Murmeltiere, was ist denn das?“, dachte die kleine Hexe. „Wie sehen die aus? Etwa wie ein Dachs, ein Hirsch oder ein Vogel?“ Die kleine Hexe beschloss, sich die Murmeltiere einmal selber anzusehen.

Im Dämmerlicht des Abends bestieg sie ihren Hexenbesen und flog in Richtung der hoch aufragenden Berge am Horizont. Es war ein langer Ritt. Ab und zu umschwirrten sie große Nachtfalter, bevor diese lautlos wieder in der Dunkelheit verschwanden.

Endlich war sie am Fuße der Berge angelangt. Hoch und steil ragten sie in den Himmel empor. Die kleine Hexe sah beeindruckt nach oben.

Der Morgen graute bereits und die ersten Sonnenstrahlen erleuchteten die Gipfel. Die kleine Hexe bestieg wieder ihren Hexenbesen und begann, den steilen Hang emporzufliegen. Unten am Hang wuchsen noch Bäume, dann Sträucher und dann nur noch Gras zwischen den nackten Felsen. Dort, so hatten die Wanderer erzählt, lebten die Murmeltiere.

Auf einmal streikte ihr Hexenbesen. Um nichts in der Welt wollte er höher fliegen. Die Luft war einfach zu dünn. Wohl oder übel musste die kleine Hexe zu Fuß weiter gehen. Es wurde immer steiler und steiniger. Ein paar Blumen, die sie noch nie gesehen hatte, duckten sich zwischen den Steinen. Sie dufteten so süß.

Ganz außer Atem setzte sich die kleine Hexe auf ein Moospolster. Sie war schon so lang unterwegs. Plötzlich verdunkelte sich der Himmel über ihr und ein schwarzer Schatten fiel auf sie. „Sind mir am Ende die großen, bösen Hexen gefolgt und kreisen nun über mir?“, dachte sie erschrocken.

Vorsichtig spähte sie nach oben. Ein riesiger Vogel mit weit ausgebreiteten Schwingen flog direkt über ihr. Plötzlich legte er die Flügel an und kam im Sturzflug zur Erde geschossen. Unmittelbar neben der kleinen Hexe landete er. Scharfe Augen über einem krummen Schnabel schienen sie zu durchbohren, spitze Krallen umklammerten den Felsen. Der Vogel sah etwa aus wie ein Falke – den kannte Murmele aus dem Wald. Aber er war viel größer, majestätischer.

Nachdem sich die kleine Hexe von ihrem Schrecken erholt hatte, fragte sie: „Guten Tag, lieber Vogel, bist du vielleicht ein Murmeltier?“ Wie alle Hexen konnte sie die Sprache der Tiere. „Pah, Murmeltier“, sagte der Vogel. „Ich bin ein Adler und der König der Lüfte!“ „Entschuldigung, Eure Majestät“, stammelte Murmele und machte einen artigen Knicks. Da war sie ja gehörig ins Fettnäpfchen getreten! „Ausnahmsweise“, sagte der Adler, „du bist ja nicht von hier.“ Dann breitete er seine Schwingen aus und flog pfeilschnell in den Himmel. Die kleine Hexe sah ihm bewundernd nach.

Als sie wieder ein Weilchen gesessen war, hörte sie leise Tritte hinter sich. Schlich sich eine große, böse Hexe an? Vorsichtig drehte sie sich um. Da schritt ein mächtiges Tier mit braunem Fell und langen, gebogenen Hörnern an ihr vorbei. Das Tier sah etwa aus wie ein großer Hirsch – den kannte die kleine Hexe aus dem Wald. Aber es war noch stolzer, majestätischer.

„Guten Tag, liebes Tier“, sagte die kleine Hexe, „bist du vielleicht ein Murmeltier?“ Das Tier warf ihr einen hochmütigen Blick zu. „Pah, Murmeltier“, sagte es. „Ich bin ein Steinbock und der König der Berge!“ „Entschuldigung, Eure Majestät“, stammelte Murmele und machte einen artigen Knicks. Wieder ein Fettnäpfchen!
„Ausnahmsweise“, sagte der Steinbock „du bist ja nicht von hier.“ Dann drehte er sich um und sprang mit großen Sprüngen die steile Felswand empor. Die kleine Hexe sah ihm bewundernd nach.
...

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