Der kleine Rabe

Der kleine Rabe

Ursula Meerle G.


EUR 16,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 42
ISBN: 978-3-99107-954-5
Erscheinungsdatum: 23.11.2021
Ein zusätzliches Ei im Adlernest fällt nicht auf, also brütet Mutter Adler beide Eier liebevoll aus. Nach dem Ausschlüpfen versorgt sie den kleinen Raben, als wäre es ihr eigenes Junges und der junge Adler freut sich, denn er hatte einen Bruder.
Widmung

Für meine Erdenengel Hayley,
Amber und Alina

Der kleine Rabe

Der kleine Rabe wurde in einem großen Nest geboren … einem riesengroßen Nest … einem Adlernest.
Nun, Mutter Adler war sehr fürsorglich und freute sich über diesen fremden Nachwuchs (sie hatte einfach plötzlich ein kleines Ei zusätzlich in ihrem Nest) und so brütete sie liebevoll und voller Neugier beide Eier aus. Nach dem Ausschlüpfen versorgte sie auch den kleinen fremden Vogel, nun sah sie, es war ein kleiner Rabe. Der junge Adler freute sich, er hatte ein Geschwister.
Da ja der junge Adlerbruder immer den kleinen Raben als gegenüber hatte, war ihm gar nicht bewusst, wie groß er eigentlich war.
Gleichzeit freute sich der kleine Rabe, dass er so riesig war, er hatte ja seinen großen Adlerbruder als Gegenüber, somit war er der Meinung, er sei auch so riesig.
Nun wuchsen sie gemeinsam Tag für Tag auf und wurden immer größer und kräftiger, gleichzeitig natürlich die liebsten Freunde.
Als eines Tages der junge Adler von seiner Mama mitgenommen wurde auf eine Jagd, flog natürlich der kleine Rabe mit.
So ein Spektakel … all die Beute, die Mutteradler ins Auge fasste, waren ja fast so gross wie der kleine Rabe selber.
Und er konnte gar nicht verstehen, warum er alles so groß empfand??
Sein Adlerbruder war ein erfolgreicher Jäger und verspeiste ohne Anstrengung kleine Mäuse und auch mal ein Eichhörnchen.
Der kleine Rabe begnügte sich mit den Resten, die sein Bruder übrigließ.
Er konnte natürlich nicht solche riesige Bissen schlucken, ihm blieb einfach das Staunen.
Und doch machte es ihn traurig, dass er nicht selber seine Mahlzeit jagen oder finden konnte.
Eines Tages flogen beide Vogelkinder gemeinsam durch die Lüfte, denn beim Fliegen war auch der kleine Rabe unglaublich akrobatisch und flink wie sein Adlerbruder.
So kam es, dass sie einen ganzen Tag flogen und schwebten, sich erfreuten in den Lüften und dem wunderbaren Sein.
Gegen den späten Nachmittag waren beide etwas hungrig, sie flogen einen hohen Baum an, direkt am obersten Wipfel ließen sie sich nieder.
Wunderschön, so ganz hoch oben und auf alles herunterzuschauen!
Sein Adlerbruder konnte unglaublich viele Mäuse erspähen, sie wurden ganz hungrig.
Der kleine Rabe hatte einen riesigen Hunger, jedoch war er viel zu hoch, um genau zu erspähen, was es so alles zu picken gab.
Also flog er seinem lieben Adlerbruder hinterher und beobachtete, wie er so flink und gezielt seine Beute anflog und packte.
Sein Adlerbruder spendete ihm eine kleine Maus – soooo viel Herzliebe …
Wunderbar, er war ja so hungrig.
Er packte die Maus und flog auf ein Fensterbrett bei einem ganz verlassenen Haus, eigentlich eine alte Hütte mit Fenstern.
Ganz sorgfältig landete auch sein Adlerbruder auf der Fensterbank, beide verzehrten und genossen ihre Beute.
Als sich der kleine Rabe im Fenster betrachtete, sah er plötzlich, dass ja sein Adlerbruder gar nicht aussah wie er …!!!!
Er war viel größer, mächtiger, hatte einen riesigen Schnabel, Riesenkrallen und ein wunderschönes Federkleid.
Plötzlich befiel ihn eine unglaubliche Angst, er war so klein und ganz schwarz gefiedert.
Sein Adlerbruder bemerkte sein unsicheres Verhalten und fragte, „was hast du, schmeckt dir die Maus nicht?“ Der kleine Rabe erstickte fast vor Angst und konnte kaum sprechen. Jedoch sein Adlerbruder war geduldig und wartete, bis er antworten konnte.
„Ich hab im Fensterspiegel gesehen, dass du ein viel größerer Vogel bist als ich und nun bin ich ganz eingeschüchtert über das, was ich im Spiegel gesehen habe“, gab der kleine Rabe zur Antwort.
„Ja ja, ich weiß schon lange, dass meine Mama dich im Nest gefunden hat und du mein allerliebster Rabenbruder bist, mir spielt es keine Rolle, wie klein du bist, wie du aussiehst und woher du kommst, ich hab dich einfach ganz fest lieb.“
Wau, das war ja eine Geschichte, der kleine Rabe entspannte sich ganz langsam und allmählich.
Sein Adlerbruder blickte in den Fensterspiegel und schmunzelte, „Ja das ist doch ein grosser Unterschied zwischen uns beiden, weißt du, ich bin in meinem Herzen wie du und was uns das Spiegelbild zeigt, ja … das ist einfach Realität von aussen … ok?“
„Das versteh ich nicht“, gab der kleine Rabe zurück.
„Ja weißt du, wenn du die Augen schließt, bist du genau so groß wie ich und ich so klein wie du, das ist alles nur Realität oder äußere Wahrnehmung.“
Das war zuviel für den kleinen Raben. Er verstand überhaupt nichts mehr.
Nun, sein großer Adlerbruder wusste, dass es so war!!! Er konnte seine Flügel spannen und fühlte sich mit allem und jedem verbunden. Er wusste, dass er der große Vogel der geistigen Welt war und fühlte sich unendlich. Seine Aufgabe war, den Himmel auf Erden zu bringen und den Rest besorgten seine Ahnen, seine Ahnenfamilien.
Er war geborgen und aufgehoben in allem und jedem … Seine Liebe zu den Bäumen und Blumen, zu den Wolken und Regentropfen, zu den Bergen und Seen, und allen anderen Tieren waren für ihn das richtige Leben.
Der keine Rabe sah und fühlte, wie warm und liebevoll ihn sein Adlerbruder anschaute.
Für ihn war alles Neuland, er hatte noch nie so klar und bewusst seinen Adlerbruder gesehen … jedoch es tat ihm gut … so gut …
nun fühlte er sich so geborgen und angenommen.
Er hüpfte ganz nah an die Seite seines Adlerbruders und legte ganz sanft seinen kleinen Kopf an seine Seite. Sein Adlerbruder neigte geleichzeitig seinen Kopf und beide verweilten in einer tiefen Zuneigung zueinander … ganz lange …
Der Mond zeigte sich schon am Himmel und beide flogen gemeinsam, ganz leise und still, ihrem Felsen entgegen, wo sie gemeinsam ihr Nest hatten.
Mutter Adler erahnte schon von weitem die Harmonie und Liebe, die die beiden in den Horst brachten.
Es machte sie glücklich. Sie erwartete ihren Adlersohn und den kleinen Raben. Sie hatte bereits das Mittagessen bereit … feine Mäuse und Eichhörnchen.
Der Mond war schon sehr hoch am Himmel und beide Vogel Kinder legten sich in ihr Nest … sie genossen ein ausgedehntes Mittagessen, das bis zum Abend dauerte.
Beide schliefen ganz tief. Der kleine Rabe träumte, wie sich sein Federkleid vergrößerte und er als großer Rabe durch die Lüfte schwebte, wie er seine riesigen Flügel spannte und vom Wind getragen wurde, leicht und sanft und kraftvoll …
Ein herrliches Gefühl …

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