6 - 7 Jahre

Beas abenteuerliche Reise in den Dschungel

Beate Sol

Beas abenteuerliche Reise in den Dschungel

Leseprobe:

Wie alles anfing
„Beas abenteuerliche Reise in den Dschungel“ zu schreiben war ein schon sehr lang gehegter Wunsch von mir.
Seit 30 Jahren, ich war damals gerade Anfang 40, lag der Entwurf bei mir in der Schub­lade.
Es mussten wohl noch viele Jahre vergehen, um diese Geschichte zu Papier zu bringen.
Während dieser Zeit habe ich mehrere wochenlange Reisen in verschiedene Dschungelgebiete unternommen und verschiedene Stämme besucht.
Ich fand es sehr spannend, mit den einheimischen Indios zu sprechen, denn ihre Sprache und ihr Wissen kommen aus der Seele. Ein Phänomen, das wir kaum noch kennen.

Dabei kamen mir natürlich meine guten Kenntnisse der spanischen Sprache zu Hilfe, der Sprache, mit der ich aufgewachsen bin.
In Ecuador konnte ich mich lange mit einem Schamanen über seine Heilkunst unterhalten.
Ich fühle mich seelisch sehr mit diesen Menschen verbunden und habe große Achtung vor ihrem Wissen, das sie aus der Tradition ihrer Ahnen und der tiefen Verbindung zur Natur schöpfen. Pachamama ist die Göttin der Erde, die über alles wacht und ihnen hilft.

In den vielen Jahren, in denen ich im kreativen Bereich mit Kindern im Alter von sechs bis zehn Jahren in meinem Atelier in der Schule der Phantasie gearbeitet habe, sah es oft aus wie im Urwald mit Erde, Wurzeln, Steinen und anderen Naturmaterialien.

An einem Tag hatten wir das Eltern-Kind-Projekt „Robinson“.
Dazu bauten wir mit den Kindern aus alten Paletten und Kunststoffrohren als Schwimmer ein Floß.
Einige Kinder fuhren dann damit an einen kleinen See nördlich von München zu einer dortigen Sandinsel. Danach wurde eine Hütte aus Ästen und Zweigen im nahe gelegenen Wald gebaut.
Ein weiteres Projekt war ein zweitägiges Seminar für Lehrer und Erzieher mit einer meiner Urwaldgeschichten „Pepito besucht den Indianer Papancho im Urwald“ als Schattentheater mit menschlichen Darstellern.
Weil ich den Kindern viele meiner selbst erlebten Geschichten erzählen konnte, entstand daraus für sie eine zusätzliche Motivation für eigene Geschichten.
Sie wurden dadurch mit einer noch ursprünglichen Welt bekannt, die es bei uns in der heutigen Zeit kaum noch gibt.

Bei einigen Kindern entwickelte sich daraus eine besondere Kreativität, was in einem Fall sogar dazu führte, dass ein Junge eine meiner Erzählungen mitschrieb und sie dann mit einer Vogelfeder wie in früheren Zeiten zu Papier brachte.

Die Sehnsucht nach dem Wissen unseres Ursprungs ist bei den meisten Menschen vorhanden und sie hilft uns, unsere eigene Welt besser zu verstehen.

Garching im Jahr 2020

Vorbereitung und Aufbruch

Bea war ein fröhliches, lebhaftes Mädchen. Es hüpfte gerne am Bordstein entlang und versuchte über Steine zu springen.
Bea sammelte gerne Kieselsteine und war am glücklichsten, wenn sie einen in Herzform fand. Da fing sie vor Freude immer an zu singen.
An diesem sonnigen Frühlingstag schmolz der letzte Schnee, der auf den Feldern noch im Schatten lag.
Da rief die Mutter Bea zu sich und sagte, dass sie ihr etwas erzählen wolle. Dazu setzten sie sich auf die hölzerne Eckbank in der Küche.
„Bea, hol deinen kleinen Rucksack und pack deine Lieblingssachen ein“, sagte ihre Mutter. „In zwei Wochen fahren wir in den südamerikanischen Dschungel.“
Bea war sechs Jahre alt und wusste nicht, wo dieser Dschungel war. Ihre Mutter erklärte ihr, dass sie mit einem riesengroßen Schiff, das Marco Polo hieß, über den Ozean fahren würden. In Lima, in Peru, würde die Reise mit einem Zug beginnen und danach auf Maultieren weitergehen und das Abenteuer im Urwald beginnen. Dort gäbe es viele besondere Tiere und Affen, die von Baum zu Baum hüpfen.
Bea sprang vor Freude auf und holte als Erstes ihre Puppe, die Rotkäppchen hieß. Außerdem nahm sie einen kleinen Zeichenblock und Malstifte mit, denn Malen war eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen.
Ihr Vater, der Schreiner und Künstler für Intarsien war, packte seine wichtigsten Werkzeuge in eine Kiste und ihre Mutter vor allem Wäsche in einen großen Koffer.
Zuerst fuhren sie mit dem Zug nach Italien zum Hafen von Genua und von dort mit dem Schiff durch das Mittelmeer.

Drei lange Wochen schipperten sie über den Atlantik. Oft war es sehr stürmisch und die hohen Wellen schlugen über das Deck, sodass durch das andauernde Schaukeln alle seekrank wurden.



Ankunft und Weiterreise

Endlich kam das Schiff mit Sirenengeheul und lauter Musik im Hafen von Callao in Peru an. Nun waren sie also in Südamerika gelandet.
Taumelnd stieg Bea mit ihren Eltern von Bord und wurde von ihrem Onkel Miguel herzlich empfangen und umarmt.
Er lebte schon viele Jahre im Dschungel und kannte sich dort gut aus. Die Freude war riesig, endlich wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Gleichzeitig war Bea aber auch neugierig und voller Abenteuerlust. Weder sie noch ihre Eltern wussten, was sie erwarten würde. Überall hörte sie fremdartig klingende Stimmen und Laute, denn die Leute dort sprachen spanisch.
Mit dem wenigen Gepäck, das sie bei sich hatten, fuhren sie zum Bahnhof. Dort stand ein uralter Zug bereit. Viele Indios mit Kindern waren unterwegs und einige saßen schon im Zug und unterhielten sich in ihrer eigenen Sprache, Quechua. Diese fast singende Sprache ist sehr melodisch und schön anzuhören. Die Kleidung der Leute war besonders bunt. Bea staunte über die leuchtenden Farben. Die Frauen trugen außerdem viele Röcke übereinander, weil es oben in den Bergen oft sehr kalt ist.
Auch Bea und ihre Eltern holten ihre Jacken heraus, denn die Fahrt sollte bis auf eine Höhe von fast 5000 Metern gehen. Sie stiegen in den Zug und los ging die Reise mit der höchsten Eisenbahn der Welt. Auf einer Höhe von 4000 Metern fiel Bea das Atmen immer schwerer. Ein Schaffner kam mit einer kleinen Sauerstoffflasche und gab sie ihr, denn ihre Lippen waren vom Sauerstoffmangel schon ganz blau geworden.

An einem Haltepunkt auf einer Höhe von 3500 Metern stieg Bea mit ihrer Familie aus. Sie waren an einer Stelle angekommen, wo außer einigen Grasbüscheln alles kahl war. Nur einige Lamas, Alpakas und Vikunjas weideten in der Nähe.
Mit ihrem Gepäck mussten sie auf die nächste Transportmöglichkeit warten. Plötzlich tauchte ein Indianer mit mehreren Maultieren auf. Vier davon waren für das Gepäck, je eins für Papa und Bea, Mama und Onkel Miguel. Der Indio führte die Tiere und so ritten sie stundenlang, bis sie zu einer Lehmhütte kamen, in der eine Indiofamilie lebte.

In der Hütte sollten sie übernachten. Doch auf dem kalten, harten Boden konnte Bea nur schwer einschlafen. Viele seltsame Geräusche drangen von draußen zu ihr herein.

In der Nacht bemerkte sie ein ungewöhnliches Brummen und schaute durch die Türöffnung der Hütte. Draußen schlich leise ein Tier herum, aber sie blieb ganz still, um seine Aufmerksamkeit nicht auf sich zu ziehen. Die alte Indianerin, die in der Hütte wohnte, flüsterte ihr zu, dass es in der Gegend Pumas und Bären gäbe. Erst nach Sonnenaufgang sollten daher sie die Behausung wieder verlassen.
Als die Sonne schon warm vom Himmel schien gab es für Bea und die anderen heißen Tee und gebratene Yuccas zum Frühstück.
Die Berglöwen hatten sich längst wieder verzogen.
Am zweiten Tag ihrer Reise an Land erreichten sie mit der Muli-Karawane auf 3000 Metern den Ort Portachuelo, was Tür zum Himmel bedeutet.

Von dort aus ritten sie zwischen zwei großen Felsen hindurch, danach ging es lange in Zick-Zack-Wegen nach unten bis zur Playa Pampa.

Noch immer waren sie aber auf einer Höhe von über 2000 Metern. In den nächsten beiden Tagen ritt die Familie immer weiter bergab, sodass bald schon die warme Luft des Dschungels spürbar wurde. Alle genossen die wohltuende Wärme nach der Kälte im Hochland.
Vorbei an Wasserfällen und klaren Bächen, die aus den Felshängen sprudelten, führte der Weg. Mit dem Hut ihres Vaters fingen sie das Wasser auf, um direkt aus dem Hut ihren Durst zu stillen.
Bea staunte über die Vielzahl verschiedener unbekannter Pflanzen und bewunderte die herrlichen blauen Schmetterlinge, die aus einer Höhle flatterten. Viele farbenprächtige Orchideen wuchsen am Weg und auf den Bäumen.

Bea war müde von den Anstrengungen der letzten Tage, als sie die Dunkelheit überraschte, die in den Tropen gegen sechs Uhr abends sehr plötzlich eintritt.
Auf einmal entdeckte sie ein Tier ganz in der Nähe, das sie für einen Hund hielt. „Da ist ein Hund“, sagte sie leise.
„Nein, das ist ein Puma“, antwortete Onkel Miguel. „Er sieht satt aus und wird uns nicht angreifen. Außerdem sind wir viele, da hat er Angst.“

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 60
ISBN: 978-3-99107-206-5
Erscheinungsdatum: 11.11.2020
EUR 22,90
EUR 13,99

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