Cover: Aquantikus

Aquantikus


EUR 20,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 88
ISBN: 978-3-7116-1853-5
Erscheinungsdatum: 13.10.2026
Umwelt, Verantwortung und ein kleines Wunder: Die große Liebe des kleinen Wassermanns Aquantikus ist in Gefahr. Mit viel Herz und Mut wird ausgerechnet der Postbote Herr "Nico Laus" zum Retter – in einer warmherzigen Geschichte voller Fantasie und Humor.
Als Herr Nico Laus beschließt,
sich Fische zu kaufen


Fragen Sie mich nicht, wann mir das aufgefallen ist.
Aber Hauptsache ist wohl, dass es mir aufgefallen ist.

Es war kurz vor Weihnachten. Die Menschen liefen geschäftig durch die Straßen. Sie eilten von Geschäft zu Geschäft, um ihren Lieben noch etwas zu kaufen.

Vielleicht eine warme lange Hose für Opa oder ein duftendes Parfüm für Oma. Die vielen Kinderwünsche, die es so an Weihnachten gibt, will ich hier jetzt gar nicht alle aufzählen. Da wäre dann kein Platz mehr für meine Geschichte.

Ach ja, ich habe mich euch noch gar nicht vorgestellt.
Mein Name ist Nico … Nico Laus. Also, Vorname Nico und Nachname Laus.
So wie Müller, Meyer oder Schmidt. Ich klinge zwar nach dem Selbigen, habe aber in meiner Verwandtschaft keinen. Also keinen Nikolaus, meine ich.

Ich lebe allein in einer kleinen Wohnung in der Stadt. Von Montag bis Freitag fahre ich mit meinem Fahrrad Briefe und kleine Pakete aus.
Ihr ahnt schon, was ich bin? Richtig. Briefträger!

Das macht mir riesigen Spaß, da ich so viele Leute dabei kennenlerne.
So wie Jonathan.

Jonathan ist sieben Jahre alt und geht in die erste Klasse. Er ist nicht nur in der ersten Klasse. Nein, er hat auch ein tolles Aquarium.
Das weiß ich, weil ich ihm einmal eine Zeitschrift über Fische gebracht habe. Da hat Jonathan mir sein Becken gezeigt.

„Der mit dem roten Schwanz ist ein Feuerfisch“, erklärte mir Jonathan.

Ich fand den Namen ziemlich gefährlich.

„Is’er aber nich“, sagt Jonathan, „der macht nämlich Dreck weg.“

Sehr sympathisch, so ein Haustier hätte ich auch gerne. Der alles sauber macht.

Der Gedanke an Fische ließ mir keine Ruhe mehr.

An meinem freien Nachmittag bin ich dann in die Zoohandlung auf der Hauptstraße. Nur mal so zum Gucken.
So viele Aquarien hatte ich noch nie gesehen. Und was es da für Fische gab. Toll!! Ich muss ziemlich lange und hilflos dagestanden
haben.
Eine freundliche Stimme hinter mir fragte: „Kann ich Ihnen helfen?“

Als ich mich umdrehte, schaute ich in tiefgrüne Augen. Plötzlich hatte ich einen Kloß im Hals. „Fische“, war das Einzige, was ich rausbrachte.
„Haben Sie schon welche?“, fragte das Fräulein mit den grünen Augen.
„Nö!“
„Haben Sie schon ein Becken?“
„Becken?“
„Ein Aquarium.“
„Nö.“
„Dann nehmen wir am besten das für Einsteiger, haben wir für Weihnachten
im Angebot.“
„Klar“, gab ich zur Antwort.
„Einrichten können wir es schon. Mit den Fischen müssen wir noch etwas warten. Wollen wir trotzdem schauen?“
„Klar.“

Ich glaube, ich habe mir von Frl. Sybille, das stand auf ihrem Namensschild am Pullover, jeden einzelnen Fisch zeigen lassen.
Frl. Sybille legte mir dann Kies in das Aquarium und steckte mir ein paar Pflanzen in eine Tüte.
„Wollen wir lieber einen Stein oder eine Wurzel nehmen?“
So eine schmutzige Wurzel aus der Erde konnte ich mir in meinem Becken nicht vorstellen. Also antwortete ich: „Stein.“

In großen Kisten stehen vor uns lauter kaputte und verstaubte Steine.
Den Eindruck machen sie wenigstens auf mich.
Ich schaute Frl. Sybille erstaunt an. „Die soll ich meinen Fischen zumuten“, sage ich.

Da fällt mein Blick auf ein Becken mit zwei Glitzersteinen.

„So einen will ich.“
„Das sind zwei Einzelstücke.“
„Die sehen aber toll aus“, meine ich und gehe auf das Becken zu.
„Sind aber auch teuer!“, antwortete Frl. Sybille.
„Macht nix.“
„Ich weiß im Moment auch nicht, wie ich die da rausholen soll.“
„Macht nix, ich warte.“

Frl. Sybille hatte wohl bemerkt, dass ich nicht lockerlasse, und verschwand hinter dem Becken. Ich fand die Steine super und wenn sie so teuer waren, langt ja erst mal einer.
Ich drückte mir die Nase an der Scheibe platt, um den Stein besser sehen zu können. Er hatte viele Furchen und schien ausgehöhlt zu sein. Und im Inneren schien sogar was zu leuchten. Ja, sich sogar was zu bewegen? Vielleicht ein Fisch?

Doch da zuckte ich zusammen, denn ein Arm senkte sich in das Becken und holte den Stein raus. Sofort hörte das Leuchten auf. Irgendwas musste da drin sein, aber was?
„So, hier ist Ihr Stein.“ Frl. Sybille hielt mir mit nassem, tropfendem Ärmel den Stein vor die Nase.
„Der glitzert ja gar nicht mehr“, stellte ich fest.
„Der glitzert ja auch nur im Wasser“, knurrte Frl. Sybille.
„Können Sie mir ihn dann in eine Tüte mit Wasser legen?“

Frl. Sybille wirkte langsam etwas genervt. Sie gab schon keinerlei Widerworte mehr, sondern ging sofort zu den Tüten, füllte eine mit Wasser und legte den Stein hinein.
„Zufrieden?“
Ich schaute in die Tüte. Dann schaute ich Frl. Sybille an. Dann wieder den Stein.
Langsam begann dieser wieder zu leuchten.
Zufrieden und mit einem Lächeln sah ich Frl. Sybille an, die jetzt auch wieder lächeln konnte. Ein Lächeln der Erleichterung, fand ich.

Der Stein war wirklich teuer, aber einen Rückzieher wollte ich jetzt nicht mehr machen.

Zuhause angekommen, begann ich, genau nach Anweisung von Frl. Sybille, das Aquarium aufzustellen. Ich merkte bald, dass das nicht so einfach war. Aber ich hatte von Frl. Sybille ein Buch mit Anleitung bekommen. Ich glaube, aus Mitleid.
Beim Filter habe ich mich wirklich angestrengt, und irgendwann hat es dann endlich geblubbert. Jetzt weiß ich auch, warum da nicht gleich Fische reinkamen.
Ich vermute mal, dass es den Fischen in der Tüte, nicht so lange gut da drin gegangen wäre.
Ach ja, mein Stein! Der war ja noch in der Tüte. Vorsichtig nahm ich ihn raus und legte ihn im Becken auf den Boden. Zum Schluss steckte ich noch die Pflanzen in den Kies. Die kleinen nach vorne, die großen nach hinten.
Zufrieden holte ich mir einen Stuhl und setzte mich davor.
Selbst gemacht, dachte ich, und ganz allein. Das wollte ich morgen Jonathan berichten.

Da man als Briefträger morgens früh auf steht, gehe ich abends auch zeitig ins Bett. Alles war still in der Wohnung. Nur das Aquarium blubberte vor sich hin.
Das Geräusch war ungewohnt für mich, und so drehte ich mich von einer Seite auf die andere, solange, bis ich dann doch aufstand, um nachzusehen, ob alles in Ordnung war. Vielleicht hatte ich was falsch gemacht?

Sonst war es im Wohnzimmer dunkel. Jetzt schien irgendwo eine Lampe zu brennen. Bestimmt hatte ich sie vergessen auszuschalten. Mein Blick schweifte durch das Zimmer. Die Lampen waren alle aus.
Mmh, das Aquarium? War da eine Lampe in dem Stein, die ich ausmachen muss?
Ich drückte meine Nase an die Scheibe des Beckens. War da was drin?

Das wollte ich jetzt genau wissen und hob den Deckel des Aquariums an. Das Leuchten ließ ein wenig nach. Ich krempelte meine Ärmel hoch und griff hinein. Aus!
Mit einem Mal war es dunkel, sehr dunkel. Mein Ärmel rutschte ins Wasser, bäh. Im Dunkeln tapste ich mit nassem Ärmel durch die Wohnung und stolperte über ein paar Möbel. Man war das ärgerlich.
Ich beschloss, die Wohnzimmertür zuzumachen und wieder ins Bett zu gehen.
Dann sehe ich nichts mehr und hören kann ich dann auch nichts mehr.

Hätte Herr Nico Laus an diesem Abend etwas mehr Geduld gehabt, hätte er gesehen, wer in diesem Stein das Licht an- und ausknipste. So wurde er die nächsten Tage erst einmal genau beobachtet.




Aquantikus


Da gab es jemanden, der sehr traurig war.
Der saß die ganze
Zeit still in seiner Ecke und starrte
Löcher ins Wasser.
Manchmal konnte sein kleines Herz all
den Schmerz nicht
mehr aufnehmen. Dann saß er da und
hielt seinen Kopf
mit beiden Händen fest und weinte.

Dann stand er auf und schaute nach
draußen. Aber er war
einfach nicht mutig genug, um aus dem
Haus zu gehen.
Lieber setzte er sich wieder in seinen
Sessel und seufzte.

Wie sollte das schon weitergehen?
Erst wurde er von seiner Familie getrennt
und jetzt auch
noch von seiner Frau, ausgerechnet jetzt.
Die Vorbereitungen waren in vollem
Gange, und jetzt saß er
hier in diesem dummen Wasserbecken
und konnte nichts unternehmen.
In einem Aquarium!
Was für ein jämmerliches
Gefängnis für einen Wassermann.

War er doch seinen großen, klaren
Bergsee gewohnt. Mit all
den vielen Fischen und Höhlen. Ja, und
dann gab es ja noch
sie. Aquantika! Des Wassermanns große
Liebe.
Was wohl aus ihr geworden ist?
Da kamen einfach diese Menschen und
nahmen sich Sachen,
die ihnen nicht gehörten. Einfach so,
ohne zu fragen.

„Ja, dürfen die das denn eigentlich?“,
überlegte Aquantikus.
So hieß nämlich der kleine Wassermann.
Aquantikus
Aquarikus! Die Familie Aquarikus lebte
schon seit vielen,
vielen Jahren im Bergsee Taufrisch.
Aquantikus ist von Natur aus sehr
schüchtern. Deshalb hat
es solange gedauert, bis Aquantika sein
klopfendes, verliebtes
Herzchen offenbarte.

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