Anne wartet auf die Wolke
EUR 19,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 84
ISBN: 978-3-7116-1094-2
Erscheinungsdatum: 01.10.2025
Die Fee Anne wohnt im Baumhaus inmitten der Blumenwiese. Bei Anne und ihren Freunden ist immer etwas los und ganz besonders interessant wird es, wenn die kleine Wolke über dem Baumhaus zum Stehen kommt, denn dann erlangt Anne eine ganz besondere Fähigkeit ...
Anne wartet auf die Wolke
Hoch oben in einem Kirschbaum ist ein kleines Haus. Also ein Baumhaus. Doch es ist nicht irgendein Baumhaus, denn es ist ganz klein. Fast schon winzig. Und in diesem Baumhaus wohnt Anne, die kleine Fee.
Anne ist eine gut gelaunte kleine Fee. Oft ist sie damit beschäftigt, ihr kleines Häuschen hübsch zu machen, oder sie schaut sich die Blumen an, die auf der Wiese rund um ihren Baum und das Baumhaus wachsen. Doch die meiste Zeit verbringt Anne damit, sich mit ihren Freunden zu treffen und auf die Wolke zu warten.
„Wo ist denn nur mein Fernglas?“, fragt Anne und läuft dabei in ihrem Baumhaus hin und her. Jede Schublade macht sie auf und durchsucht sie. Ebenso macht sie es mit allen Schranktürchen, jeder Kiste, der Bettdecke und sogar unter dem Sofa sieht sie nach. Langsam schwindet ihre gute Laune, denn das Fernglas braucht sie gerade sehr dringend. Anne muss nachsehen, wann die Wolke wiederkommt. Gerade ist sie auf dem Weg in die Küche, denn im Backofen und im Kühlschrank hat sie noch nicht nachgesehen, als es an der Türe klopft.
„Wer ist da?“, fragt Anne. „Ich habe jetzt keine Zeit!“, ruft sie noch, doch dann öffnet sie die Türe doch und sieht Marius, den Marienkäfer, vor der Türe stehen. „Hallo Marius“, sagt Anne. „Hallo Anne“, entgegnet ihr Marius, „was ist los mit dir? Du siehst so traurig aus. Sonst bist du doch immer so gut gelaunt.“ „Ach, Marius“, sagt Anne traurig, „ich suche mein Fernglas. Es ist verschwunden. Dabei muss ich dringend nachschauen, wann die Wolke wiederkommt. Warte doch kurz, dann gehe ich in die Küche und schaue noch im Backofen und im Kühlschrank nach. Da war ich nämlich noch nicht. Sonst habe ich alles abgesucht, wie du siehst.“ Und Marius kann wirklich sehen, dass Anne bereits alles abgesucht hat, denn in dem kleinen Baumhaus herrscht ein riesiges Chaos. Schubladen und Schränke sind geöffnet, die Kissen vom Sofa liegen auf dem Boden herum und die sonst so schönen Blumen, die Anne immer aufgestellt hat, sehen auch sehr traurig aus. So, als hätten sie schon länger kein frisches Wasser mehr bekommen. Marius legt die Kissen vom Sofa wieder ordentlich hin und wartet auf Anne. Als sie wieder aus der Küche kommt, sieht sie noch immer traurig aus. Das Fernglas hat sie nicht gefunden.
„Soll ich dir beim Suchen helfen?“, fragt er Anne. „Das ist eine gute Idee. Danke Marius“, entgegnet Anne erleichtert, als es schon wieder an der Türe klopft. „Wer kann das nur sein?“, fragt sich Anne, „ich kann gerade wirklich keinen weiteren Besuch gebrauchen. Ich muss mein Fernglas finden.“ Doch Anne öffnet dennoch die Türe und ist überrascht, als Fridolin Frosch aus dem Nachbarteich, mit dem Fernglas in der Hand, vor ihr steht. „Fridolin!“, ruft Anne zugleich erleichtert und erschrocken. „Das Fernglas. Wie kann … Warum hast …“ Anne weiß gar nicht so recht, was sie sagen soll. „Anne? Alles gut bei dir?“, fragt Fridolin irritiert. „Ich wollte dir nur dein Fernglas wiederbringen. Das hast du mir doch letzte Woche ausgeliehen.“ Anne ist erleichtert, denn das hatte sie ja total vergessen. Schnell schnappt sie sich das Fernglas und schaut aus dem Fenster hinauf in den Himmel. Anne sucht die Wolke, auf die sie so dringend wartet. Währenddessen geht Fridolin zu Marius. Gemeinsam sehen sie Anne zu und wundern sich, warum sie so dringend auf eine Wolke wartet. Die meisten freuen sich, wenn es schön warm und sonnig ist, und Anne? So haben sie ihre Freundin noch nie gesehen.
Es dauert eine Ewigkeit, ehe Anne sich vom Fenster zurückzieht, doch ihre gute Laune scheint sie dort nicht gefunden zu haben. „Was ist das mit deiner Wolke?“, wollen Fridolin und Marius jetzt wissen. „Die meisten freuen sich, wenn es schön warm und sonnig ist, und du … wartest auf eine Wolke.“ „Ja wisst ihr denn gar nicht, warum ich auf die Wolke warte?“, fragt Anne irritiert. „Ich war mir sicher, dass ihr es schon längst herausgefunden habt.“ Anne, Marius und Fridolin setzen sich auf Annes gemütliches Sofa, auf dem übrigens auch lauter kleine Blümchen sind, und lauschen gespannt auf Annes Erklärungen.
„Ich bin…“, fängt Anne an, „also ich bin nicht einfach nur Anne, …“ Marius und Fridolin schauen sich fragend an, doch sie sagen nichts. Sie warten ab, was Anne ihnen zu sagen hat, und hören aufmerksam zu. „Ich bin eine Fee. Und ab und zu, wenn die Wolke genau über meinem Baumhaus zum Stehen kommt, dann kann ich zaubern. Genau einmal. Dann zieht die Wolke weiter. Das heißt, dass ich mir immer gut überlegen muss, was ich zaubern möchte. Es ist immer etwas ganz Besonderes. Und damit ich besser weiß, wann die Wolke wieder kommt, dazu brauche ich nun mal mein Fernglas. Deshalb war ich vorhin so aufgeregt und traurig, als ich es nicht gefunden habe.“ Fridolin und Marius schauen sich an. Sie wissen gar nicht so recht, was sie dazu sagen sollen. Anne, eine Fee? Die auch noch zaubern kann? „Und was willst du so dringend zaubern?“, fragt nun Marius. „Denn es ist dir ja anscheinend sehr wichtig, dass die Wolke bald kommt.“
„Ich war vor zwei Tagen auf dem Feenmarkt einkaufen und da habe ich einen kleinen Zwerg entdeckt. Er saß traurig und alleine zwischen zwei Marktständen. Ich habe ihn beobachtet und er hat immer ganz neidisch auf all die Leckereien geschaut, die die Feen so eingekauft haben. Dem will ich eine Freude machen und ihm etwas zaubern. Es sah so aus, als hätte er Hunger. Da habe ich ihm ein Stück von meinem Feenbrot gegeben und er hat sich sehr gefreut. Dann hat er mir noch erzählt, dass er ganz alleine hier ist und schrecklichen Hunger hat. Für ihn möchte ich eine Tasche zaubern, in der er immer etwas zu essen hat.“
„Das ist ja fürchterlich.“, sagt Marius. „Und wann kommt deine Wolke jetzt, damit du dem Zwerg helfen kannst?“, will Fridolin wissen. „Das ist ja das Traurige.“, entgegnet die Fee. „Ich habe keine Ahnung, wann sie wiederkommt. Die kleine Wolke ist nirgends zu sehen.“
Gemeinsam überlegen die drei, wie sie dem Zwerg helfen können, und nach langem Hin und Her springen sie alle drei auf, flitzen durch das Baumhaus, dann gehen sie hinaus, sausen durch die Blumenwiese, die rund um das Baumhaus ist. Anne, Fridolin und Marius klopfen an allerlei Türen und Fenstern. Sie sprechen mit dem Eichhörnchen, Familie Maus, der Amsel und natürlich auch mit den Ameisen. Kurze Zeit später ist auf der Wiese richtig was los. Alle Tiere wuseln durcheinander. Die Amsel und das Eichhörnchen bringen Holzstückchen herbei und es wird laut. Ein richtiger Krach ist das hier.
Doch Anne ist auf der Wiese nirgends zu entdecken. Sie ist unterwegs zum Feenmarkt. Dort sucht und findet sie den Zwerg. Er sitzt wieder traurig zwischen den beiden Marktständen und schaut neidisch auf die Leckereien, die die anderen Feen so eingekauft haben. Kurz unterhalten sich die Fee und der Zwerg, dann bekommt er große Augen und schaut die Fee ungläubig an. Sie nickt ihm aufmunternd zu und dann gehen beide los. In Richtung der Blumenwiese.
Hier warten schon alle ganz aufgeregt auf die Rückkehr der Fee mit dem Zwerg. „Ich bin so gespannt, ob alles geklappt hat“, denkt Anne noch, als sie mit dem Zwerg um die Ecke biegt. Doch da sieht sie schon alle ihre Freunde stehen und alle strahlen sie freudig an. Anne schaut fragend zu Fridolin und Marius und die beiden nicken ihr aufmunternd zu.
Dann … „Überraschung!“, rufen alle gleichzeitig und treten einen Schritt beiseite. „Lieber Zwerg“, sagt die Fee nun feierlich, „das hier ist dein neues Haus. Wenn du möchtest. Du kannst gerne hier bei uns wohnen und bis die Wolke das nächste Mal da war, helfen wir dir, immer etwas zu essen zu haben. Die Mäuse zum Beispiel können wunderbar backen und das Eichhörnchen findet immer die besten Nüsse.“ „Ob ich möchte?“, fragt der Zwerg. „Klar möchte ich! DANKE! Im Gegenzug kann ich euch gerne mal helfen, denn ich bin ein hervorragender Handwerker und kann nahezu alles reparieren!“
Das klingt doch gut, und gemeinsam feiern alle ein schönes Fest. Sie essen, trinken, lachen und schauen sich begeistert das neue Häuschen vom Zwerg an. Alle haben Spaß und bemerken gar nicht, dass in der Zwischenzeit die Wolke angekommen ist. Sie sieht von oben herunter und lächelt. „Na, da bin ich wohl zu spät gekommen“, denkt sie, „doch das macht nichts. Dann komme ich eben ein andermal wieder.“ Als kleine Überraschung für die nun endlich wieder gut gelaunte Fee und ihre Freunde lässt die Wolke drei Wunschtropfen regnen.
Wer sie fängt, kann sich etwas wünschen.
Die Wunschtropfen
Als der erste Wunschtropfen landet, sind alle dabei, fröhlich über die Wiese zu tanzen. Und der erste Tropfen, er leuchtet herrlich grün, landet genau auf dem Kopf von Mama Maus. Zuerst bemerkt sie es gar nicht. Denn er ist federleicht und nicht sehr groß. Doch als sich Mama Maus bückt, um ihr jüngstes Mäuse-Kind auf den Arm zu nehmen, da kullert der Tropfen vom Kopf und sie kann ihn gerade noch mit der Pfote auffangen. „Nanu, was ist das?“, fragt sich Mama Maus. „Ein leuchtender, grüner Regentropfen?“ Die anderen Tiere wissen auch nicht so recht. Doch als Anne den Tropfen sieht, blickt sie gleich nach oben und sieht gerade noch, wie die Wolke weiterzieht. Da ist ihr alles klar. „Das ist ein Wunschtropfen“, erklärt Anne den anderen. „Die Wolke war gerade da und wir haben es nicht bemerkt, weil wir am Feiern sind. Anscheinend hat sie uns einen Wunschtropfen geschenkt. Mama Maus, du hast jetzt einen Wunsch frei. Überlege ihn dir gut, denn es gibt wirklich nur diesen einen Wunsch für dich.“ Wow! Alle Tiere und der Zwerg sind sprachlos. Ein Wunschtropfen? Das ist wirklich etwas ganz Besonderes. Mama Maus überlegt und überlegt. Doch als sie so den Mäuse-Papa und ihre vielen Mäuse-Kinder anschaut, da weiß sie schon, was sie sich wünscht, und fängt an zu lächeln. „Ich wünsche mir “, fängt sie an zu sprechen, und alle auf der Wiese lauschen gespannt, „ich wünsche mir, dass unsere Mäuse-Höhle wirklich groß genug ist für unsere Familie, denn jetzt ist es wirklich sehr, sehr eng bei uns.“
Alle klatschen und freuen sich. Das ist ein richtig guter Wunsch. Denn Familie Maus hat sieben Kinder, Mama Maus ist schwanger, und da kommen bald noch mehr Babys hinzu. Sie brauchen wirklich mehr Platz. „Das ist ein guter Wunsch“, sagt jetzt auch Anne. „Doch wo ein Wunschtropfen ist, sind in der Regel auch noch zwei weitere. Lasst sie uns suchen.“ Gesagt, getan. Alle machen sich an die Arbeit und suchen und suchen. Naja, nicht alle suchen mit. Denn Familie Maus beschließt, nicht mitzusuchen, da sie ja schon einen Wunschtropfen gefunden haben und den anderen nun den Vortritt lassen wollen. Die übrigen Tiere, der Zwerg und Anne finden das sehr anständig von Familie Maus, und so kommt es, dass Familie Maus in ihrer Mäuse-Höhle verschwindet, während die anderen quer über die Wiese flitzen, immer in der Hoffnung, einen der beiden verbleibenden Wunschtropfen zu finden.
Schon nach ein paar Minuten erklingt ein freudiger Jauchzer von Marius Marienkäfer. „Ich habe ihn! Ich habe den zweiten Wunschtropfen gefunden! Er ist orange.“ Schnell kommen alle zusammen. Sie freuen sich für Marius und sind gespannt, was er sich wünschen wird. Marius überlegt ein kleines Weilchen, dann schaut er entschlossen in die Runde und sagt mit fester Stimme: „Ich wünsche mir, dass ich beim nächsten Mal, wenn ich zum See fliege, tauchen kann. Denn Marienkäfer können zwar fliegen, doch wie es unter dem Wasser aussieht und wo die Fische wohnen, habe ich noch nie gesehen. Das will ich einmal erleben.“ „Das ist auch ein schöner Wunsch“, sagt Anne, und schon wollen sich alle daran machen, den letzten verbleibenden Wunschtropfen zu suchen.
„Bevor wir uns nun auf die Suche nach dem letzten Wunschtropfen machen, sollten wir überlegen, welche Wünsche wir denn haben und wer ihn finden soll. Was meint ihr?“ Der Zwerg, Fridolin Frosch, die Eichhörnchen und die Ameisen schauen irritiert zu Anne, denn natürlich wollen sie alle gerne den Wunschtropfen finden und sich etwas wünschen. „Anne hat recht“, sagt Marius. „Familie Maus hat nun endlich eine Höhle, die groß genug für die ganze Familie ist. Ich habe mir etwas gewünscht, von dem ich schon lange träume. Doch wer von uns hat noch einen großen Wunsch, der auf natürlichem Wege nicht erfüllt werden kann? Demjenigen sollten wir den Wunsch überlassen. Oder?“ „Ich bin dafür“, sagt Fridolin Frosch. Nach kurzem Überlegen stimmen nun auch die anderen zu und denken angestrengt nach, welchen Wunsch sie haben.
Nach einer weiteren Pause, weil nun alle über ihre Wünsche nachdenken, findet der Zwerg als Erster seine Sprache wieder: „Ich möchte mir nichts wünschen. Ich war ganz alleine, hatte keine Freunde, kein Zuhause und auch nichts zu essen. Dank euch habe ich jetzt ein kleines Häuschen hier auf der wunderschönen Blumenwiese, viele neue Freunde und bestimmt auch etwas zu essen. Ich danke euch so sehr, dass ich den letzten Wunsch meinen neuen Freunden schenken möchte.“ Dann kommt Anne: „Danke, lieber Zwerg. Auch ich möchte auf den Wunsch verzichten, denn ich kann mir, wenn die Wolke wiederkommt, ja etwas wünschen und herbeizaubern. Jetzt seid ihr dran.“ Anne schaut in die Runde. Dann bleiben jetzt noch die Ameisen, die Eichhörnchen und Fridolin Frosch übrig.
…
Hoch oben in einem Kirschbaum ist ein kleines Haus. Also ein Baumhaus. Doch es ist nicht irgendein Baumhaus, denn es ist ganz klein. Fast schon winzig. Und in diesem Baumhaus wohnt Anne, die kleine Fee.
Anne ist eine gut gelaunte kleine Fee. Oft ist sie damit beschäftigt, ihr kleines Häuschen hübsch zu machen, oder sie schaut sich die Blumen an, die auf der Wiese rund um ihren Baum und das Baumhaus wachsen. Doch die meiste Zeit verbringt Anne damit, sich mit ihren Freunden zu treffen und auf die Wolke zu warten.
„Wo ist denn nur mein Fernglas?“, fragt Anne und läuft dabei in ihrem Baumhaus hin und her. Jede Schublade macht sie auf und durchsucht sie. Ebenso macht sie es mit allen Schranktürchen, jeder Kiste, der Bettdecke und sogar unter dem Sofa sieht sie nach. Langsam schwindet ihre gute Laune, denn das Fernglas braucht sie gerade sehr dringend. Anne muss nachsehen, wann die Wolke wiederkommt. Gerade ist sie auf dem Weg in die Küche, denn im Backofen und im Kühlschrank hat sie noch nicht nachgesehen, als es an der Türe klopft.
„Wer ist da?“, fragt Anne. „Ich habe jetzt keine Zeit!“, ruft sie noch, doch dann öffnet sie die Türe doch und sieht Marius, den Marienkäfer, vor der Türe stehen. „Hallo Marius“, sagt Anne. „Hallo Anne“, entgegnet ihr Marius, „was ist los mit dir? Du siehst so traurig aus. Sonst bist du doch immer so gut gelaunt.“ „Ach, Marius“, sagt Anne traurig, „ich suche mein Fernglas. Es ist verschwunden. Dabei muss ich dringend nachschauen, wann die Wolke wiederkommt. Warte doch kurz, dann gehe ich in die Küche und schaue noch im Backofen und im Kühlschrank nach. Da war ich nämlich noch nicht. Sonst habe ich alles abgesucht, wie du siehst.“ Und Marius kann wirklich sehen, dass Anne bereits alles abgesucht hat, denn in dem kleinen Baumhaus herrscht ein riesiges Chaos. Schubladen und Schränke sind geöffnet, die Kissen vom Sofa liegen auf dem Boden herum und die sonst so schönen Blumen, die Anne immer aufgestellt hat, sehen auch sehr traurig aus. So, als hätten sie schon länger kein frisches Wasser mehr bekommen. Marius legt die Kissen vom Sofa wieder ordentlich hin und wartet auf Anne. Als sie wieder aus der Küche kommt, sieht sie noch immer traurig aus. Das Fernglas hat sie nicht gefunden.
„Soll ich dir beim Suchen helfen?“, fragt er Anne. „Das ist eine gute Idee. Danke Marius“, entgegnet Anne erleichtert, als es schon wieder an der Türe klopft. „Wer kann das nur sein?“, fragt sich Anne, „ich kann gerade wirklich keinen weiteren Besuch gebrauchen. Ich muss mein Fernglas finden.“ Doch Anne öffnet dennoch die Türe und ist überrascht, als Fridolin Frosch aus dem Nachbarteich, mit dem Fernglas in der Hand, vor ihr steht. „Fridolin!“, ruft Anne zugleich erleichtert und erschrocken. „Das Fernglas. Wie kann … Warum hast …“ Anne weiß gar nicht so recht, was sie sagen soll. „Anne? Alles gut bei dir?“, fragt Fridolin irritiert. „Ich wollte dir nur dein Fernglas wiederbringen. Das hast du mir doch letzte Woche ausgeliehen.“ Anne ist erleichtert, denn das hatte sie ja total vergessen. Schnell schnappt sie sich das Fernglas und schaut aus dem Fenster hinauf in den Himmel. Anne sucht die Wolke, auf die sie so dringend wartet. Währenddessen geht Fridolin zu Marius. Gemeinsam sehen sie Anne zu und wundern sich, warum sie so dringend auf eine Wolke wartet. Die meisten freuen sich, wenn es schön warm und sonnig ist, und Anne? So haben sie ihre Freundin noch nie gesehen.
Es dauert eine Ewigkeit, ehe Anne sich vom Fenster zurückzieht, doch ihre gute Laune scheint sie dort nicht gefunden zu haben. „Was ist das mit deiner Wolke?“, wollen Fridolin und Marius jetzt wissen. „Die meisten freuen sich, wenn es schön warm und sonnig ist, und du … wartest auf eine Wolke.“ „Ja wisst ihr denn gar nicht, warum ich auf die Wolke warte?“, fragt Anne irritiert. „Ich war mir sicher, dass ihr es schon längst herausgefunden habt.“ Anne, Marius und Fridolin setzen sich auf Annes gemütliches Sofa, auf dem übrigens auch lauter kleine Blümchen sind, und lauschen gespannt auf Annes Erklärungen.
„Ich bin…“, fängt Anne an, „also ich bin nicht einfach nur Anne, …“ Marius und Fridolin schauen sich fragend an, doch sie sagen nichts. Sie warten ab, was Anne ihnen zu sagen hat, und hören aufmerksam zu. „Ich bin eine Fee. Und ab und zu, wenn die Wolke genau über meinem Baumhaus zum Stehen kommt, dann kann ich zaubern. Genau einmal. Dann zieht die Wolke weiter. Das heißt, dass ich mir immer gut überlegen muss, was ich zaubern möchte. Es ist immer etwas ganz Besonderes. Und damit ich besser weiß, wann die Wolke wieder kommt, dazu brauche ich nun mal mein Fernglas. Deshalb war ich vorhin so aufgeregt und traurig, als ich es nicht gefunden habe.“ Fridolin und Marius schauen sich an. Sie wissen gar nicht so recht, was sie dazu sagen sollen. Anne, eine Fee? Die auch noch zaubern kann? „Und was willst du so dringend zaubern?“, fragt nun Marius. „Denn es ist dir ja anscheinend sehr wichtig, dass die Wolke bald kommt.“
„Ich war vor zwei Tagen auf dem Feenmarkt einkaufen und da habe ich einen kleinen Zwerg entdeckt. Er saß traurig und alleine zwischen zwei Marktständen. Ich habe ihn beobachtet und er hat immer ganz neidisch auf all die Leckereien geschaut, die die Feen so eingekauft haben. Dem will ich eine Freude machen und ihm etwas zaubern. Es sah so aus, als hätte er Hunger. Da habe ich ihm ein Stück von meinem Feenbrot gegeben und er hat sich sehr gefreut. Dann hat er mir noch erzählt, dass er ganz alleine hier ist und schrecklichen Hunger hat. Für ihn möchte ich eine Tasche zaubern, in der er immer etwas zu essen hat.“
„Das ist ja fürchterlich.“, sagt Marius. „Und wann kommt deine Wolke jetzt, damit du dem Zwerg helfen kannst?“, will Fridolin wissen. „Das ist ja das Traurige.“, entgegnet die Fee. „Ich habe keine Ahnung, wann sie wiederkommt. Die kleine Wolke ist nirgends zu sehen.“
Gemeinsam überlegen die drei, wie sie dem Zwerg helfen können, und nach langem Hin und Her springen sie alle drei auf, flitzen durch das Baumhaus, dann gehen sie hinaus, sausen durch die Blumenwiese, die rund um das Baumhaus ist. Anne, Fridolin und Marius klopfen an allerlei Türen und Fenstern. Sie sprechen mit dem Eichhörnchen, Familie Maus, der Amsel und natürlich auch mit den Ameisen. Kurze Zeit später ist auf der Wiese richtig was los. Alle Tiere wuseln durcheinander. Die Amsel und das Eichhörnchen bringen Holzstückchen herbei und es wird laut. Ein richtiger Krach ist das hier.
Doch Anne ist auf der Wiese nirgends zu entdecken. Sie ist unterwegs zum Feenmarkt. Dort sucht und findet sie den Zwerg. Er sitzt wieder traurig zwischen den beiden Marktständen und schaut neidisch auf die Leckereien, die die anderen Feen so eingekauft haben. Kurz unterhalten sich die Fee und der Zwerg, dann bekommt er große Augen und schaut die Fee ungläubig an. Sie nickt ihm aufmunternd zu und dann gehen beide los. In Richtung der Blumenwiese.
Hier warten schon alle ganz aufgeregt auf die Rückkehr der Fee mit dem Zwerg. „Ich bin so gespannt, ob alles geklappt hat“, denkt Anne noch, als sie mit dem Zwerg um die Ecke biegt. Doch da sieht sie schon alle ihre Freunde stehen und alle strahlen sie freudig an. Anne schaut fragend zu Fridolin und Marius und die beiden nicken ihr aufmunternd zu.
Dann … „Überraschung!“, rufen alle gleichzeitig und treten einen Schritt beiseite. „Lieber Zwerg“, sagt die Fee nun feierlich, „das hier ist dein neues Haus. Wenn du möchtest. Du kannst gerne hier bei uns wohnen und bis die Wolke das nächste Mal da war, helfen wir dir, immer etwas zu essen zu haben. Die Mäuse zum Beispiel können wunderbar backen und das Eichhörnchen findet immer die besten Nüsse.“ „Ob ich möchte?“, fragt der Zwerg. „Klar möchte ich! DANKE! Im Gegenzug kann ich euch gerne mal helfen, denn ich bin ein hervorragender Handwerker und kann nahezu alles reparieren!“
Das klingt doch gut, und gemeinsam feiern alle ein schönes Fest. Sie essen, trinken, lachen und schauen sich begeistert das neue Häuschen vom Zwerg an. Alle haben Spaß und bemerken gar nicht, dass in der Zwischenzeit die Wolke angekommen ist. Sie sieht von oben herunter und lächelt. „Na, da bin ich wohl zu spät gekommen“, denkt sie, „doch das macht nichts. Dann komme ich eben ein andermal wieder.“ Als kleine Überraschung für die nun endlich wieder gut gelaunte Fee und ihre Freunde lässt die Wolke drei Wunschtropfen regnen.
Wer sie fängt, kann sich etwas wünschen.
Die Wunschtropfen
Als der erste Wunschtropfen landet, sind alle dabei, fröhlich über die Wiese zu tanzen. Und der erste Tropfen, er leuchtet herrlich grün, landet genau auf dem Kopf von Mama Maus. Zuerst bemerkt sie es gar nicht. Denn er ist federleicht und nicht sehr groß. Doch als sich Mama Maus bückt, um ihr jüngstes Mäuse-Kind auf den Arm zu nehmen, da kullert der Tropfen vom Kopf und sie kann ihn gerade noch mit der Pfote auffangen. „Nanu, was ist das?“, fragt sich Mama Maus. „Ein leuchtender, grüner Regentropfen?“ Die anderen Tiere wissen auch nicht so recht. Doch als Anne den Tropfen sieht, blickt sie gleich nach oben und sieht gerade noch, wie die Wolke weiterzieht. Da ist ihr alles klar. „Das ist ein Wunschtropfen“, erklärt Anne den anderen. „Die Wolke war gerade da und wir haben es nicht bemerkt, weil wir am Feiern sind. Anscheinend hat sie uns einen Wunschtropfen geschenkt. Mama Maus, du hast jetzt einen Wunsch frei. Überlege ihn dir gut, denn es gibt wirklich nur diesen einen Wunsch für dich.“ Wow! Alle Tiere und der Zwerg sind sprachlos. Ein Wunschtropfen? Das ist wirklich etwas ganz Besonderes. Mama Maus überlegt und überlegt. Doch als sie so den Mäuse-Papa und ihre vielen Mäuse-Kinder anschaut, da weiß sie schon, was sie sich wünscht, und fängt an zu lächeln. „Ich wünsche mir “, fängt sie an zu sprechen, und alle auf der Wiese lauschen gespannt, „ich wünsche mir, dass unsere Mäuse-Höhle wirklich groß genug ist für unsere Familie, denn jetzt ist es wirklich sehr, sehr eng bei uns.“
Alle klatschen und freuen sich. Das ist ein richtig guter Wunsch. Denn Familie Maus hat sieben Kinder, Mama Maus ist schwanger, und da kommen bald noch mehr Babys hinzu. Sie brauchen wirklich mehr Platz. „Das ist ein guter Wunsch“, sagt jetzt auch Anne. „Doch wo ein Wunschtropfen ist, sind in der Regel auch noch zwei weitere. Lasst sie uns suchen.“ Gesagt, getan. Alle machen sich an die Arbeit und suchen und suchen. Naja, nicht alle suchen mit. Denn Familie Maus beschließt, nicht mitzusuchen, da sie ja schon einen Wunschtropfen gefunden haben und den anderen nun den Vortritt lassen wollen. Die übrigen Tiere, der Zwerg und Anne finden das sehr anständig von Familie Maus, und so kommt es, dass Familie Maus in ihrer Mäuse-Höhle verschwindet, während die anderen quer über die Wiese flitzen, immer in der Hoffnung, einen der beiden verbleibenden Wunschtropfen zu finden.
Schon nach ein paar Minuten erklingt ein freudiger Jauchzer von Marius Marienkäfer. „Ich habe ihn! Ich habe den zweiten Wunschtropfen gefunden! Er ist orange.“ Schnell kommen alle zusammen. Sie freuen sich für Marius und sind gespannt, was er sich wünschen wird. Marius überlegt ein kleines Weilchen, dann schaut er entschlossen in die Runde und sagt mit fester Stimme: „Ich wünsche mir, dass ich beim nächsten Mal, wenn ich zum See fliege, tauchen kann. Denn Marienkäfer können zwar fliegen, doch wie es unter dem Wasser aussieht und wo die Fische wohnen, habe ich noch nie gesehen. Das will ich einmal erleben.“ „Das ist auch ein schöner Wunsch“, sagt Anne, und schon wollen sich alle daran machen, den letzten verbleibenden Wunschtropfen zu suchen.
„Bevor wir uns nun auf die Suche nach dem letzten Wunschtropfen machen, sollten wir überlegen, welche Wünsche wir denn haben und wer ihn finden soll. Was meint ihr?“ Der Zwerg, Fridolin Frosch, die Eichhörnchen und die Ameisen schauen irritiert zu Anne, denn natürlich wollen sie alle gerne den Wunschtropfen finden und sich etwas wünschen. „Anne hat recht“, sagt Marius. „Familie Maus hat nun endlich eine Höhle, die groß genug für die ganze Familie ist. Ich habe mir etwas gewünscht, von dem ich schon lange träume. Doch wer von uns hat noch einen großen Wunsch, der auf natürlichem Wege nicht erfüllt werden kann? Demjenigen sollten wir den Wunsch überlassen. Oder?“ „Ich bin dafür“, sagt Fridolin Frosch. Nach kurzem Überlegen stimmen nun auch die anderen zu und denken angestrengt nach, welchen Wunsch sie haben.
Nach einer weiteren Pause, weil nun alle über ihre Wünsche nachdenken, findet der Zwerg als Erster seine Sprache wieder: „Ich möchte mir nichts wünschen. Ich war ganz alleine, hatte keine Freunde, kein Zuhause und auch nichts zu essen. Dank euch habe ich jetzt ein kleines Häuschen hier auf der wunderschönen Blumenwiese, viele neue Freunde und bestimmt auch etwas zu essen. Ich danke euch so sehr, dass ich den letzten Wunsch meinen neuen Freunden schenken möchte.“ Dann kommt Anne: „Danke, lieber Zwerg. Auch ich möchte auf den Wunsch verzichten, denn ich kann mir, wenn die Wolke wiederkommt, ja etwas wünschen und herbeizaubern. Jetzt seid ihr dran.“ Anne schaut in die Runde. Dann bleiben jetzt noch die Ameisen, die Eichhörnchen und Fridolin Frosch übrig.
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