Cover: Zauberei im Kindergarten

Zauberei im Kindergarten
Erster Zauber: Der Zauber des Lächelns


EUR 30,90

Format: 21 x 29,7 cm
Seitenanzahl: 70
ISBN: 978-3-99130-779-2
Erscheinungsdatum: 07.05.2026
Der erste Tag im Kindergarten und schon erleben Lucifer und die anderen Kinder eine Überraschung: Ihre Erzieherin zaubert mit ihnen! Hinter der Zauberei aber verbirgt sich ein mentales Training, durch das die Kleinen lernen, positiv zu denken und zu handeln.
Hallo, mein Name ist Lucifer,

ich bin nun 4 Jahre alt und gehe in den Kindergarten. Ich möchte dir eine Geschichte erzählen. Komm mit, denn wir können tatsächlich so etwas wie zaubern …
Es war ein schöner, warmer Sommertag. Heute ist mein erster Kindergartentag. Ich bin ein wenig nervös, freue mich allerdings gleichzeitig darauf, was jetzt auf mich zukommt. Ich schaffe das!

Wir sind eine kleine Gruppe: drei Mädchen und drei Jungs. Sehen alle nett aus, das wird großartig. Mit einem breiten Lächeln sehe ich mich um. „Tschüss, Lucifer!“ Mama gibt mir noch einen Kuss auf die Stirn und geht. „Kinder, kommt! Wir stellen uns vor!“, höre ich nun die Stimme von Frau Sonnenschein. „Willkommen im Kindergarten!“, sagt Frau Sonnenschein mit einem so lieben Lächeln, dass alle Kinder anfangen zu strahlen.
„Mein Name ist Laura Sonnenschein und ab heute bin ich eure Kindergärtnerin. Stellen wir uns der Reihe nach vor. Sagt bitte euren Namen. Und erzählt das Schönste, das euch heute geschehen ist.“ Alle sind plötzlich still. So eine komische Frage. „Ich fange an. Mein Name ist Laura. Das Schönste ist, dass ich ein Geheimnis mit euch teilen darf.“ Frau Sonnenschein macht eine Pause und sieht uns alle der Reihe nach an. „Nämlich, dass wir alle etwas Ähnliches wie zaubern können“, beendet sie nach der Pause den Satz. Alle fangen an zu lachen. Zaubern??! Mama und Papa, alle Großen sagen doch, das gibt’s nicht,
Magie und Zauberei gibt’s nur in Märchen oder Animes. So eine witzige Kindergärtnerin. Ich sehe sie an, aber sie lächelt nur. Komisch, meint sie das wirklich ernst? Nicht nur ich, alle sehen sie fragend an. Als alle mit Lachen fertig sind, sieht sie uns liebevoll an.
„Wer möchte fortfahren?“, fragt Frau Sonnenschein, das war alles. Es scheint sie nicht zu kümmern, dass wir gelacht haben. „Ich bin Lena. Das Schönste, hmmm … ah ja, dass ich heute mein Lieblingskleid tragen kann.“
„Sehr schön“, lächelt Frau Sonnenschein. „Ich bin Kyo. Das Schönste, … dass mein Bruder mit mir heute gespielt hat. Normalerweise hat er immer keine Zeit oder Lust zu spielen.“ „Jetzt ich! Mein Name ist Diana. Das Schönste … oh ja!! Dass ich bald eine große Schwester werde“, verkündet Diana stolz, sie strahlt bis über beide Ohren. „Mein Name ist JJ. Das Schönste ist, dass ich heute Geburtstag habe und meine Oma besuchen darf.“ „Mein Name ist Lucifer. Das Schönste für mich heute ist, dass meine Mama mit mir herumgealbert hat.“ „Mein Name ist Hikari. Das Schönste für mich ist, dass ich heute mit meiner Katze Flöckchen gespielt habe.“ Als alle sich vorgestellt und das Schönste, was sie heute erlebt haben, gesagt haben, klatscht Frau Sonnenschein.
„Sehr schön. Nun, wer möchte gern den ersten Zauber lernen?“ Wieder lautes Gelächter. „Meinen Sie das ernst?“, frage ich etwas schroff, denn sie lächelt immer noch. Sie sieht nicht im Geringsten danach aus, als ob sie scherze. „Keineswegs“ sagt Frau Sonnenschein mit freundlicher Stimme.
„Wir können tatsächlich etwas Ähnliches wie zaubern. Viele Menschen tun das, ohne zu wissen, dass sie es tun. Ich wollte immer wissen, was der Unterschied ist zwischen glücklichen Menschen, die zufrieden sind, und solchen, die es nicht sind, da ich schon immer sehr wissbegierig war.“ Dabei schaut sie erneut uns alle der Reihe nach an. „Also habe ich mir Menschen gesucht, die so sind, wie ich sein möchte. Und viel an mir gearbeitet. Nun habe ich begonnen, das weiterzugeben.“
Damit beendet sie ihre Erklärung, erstaunte Kinderaugen ruhen nun auf Frau Sonnenschein.
„Das Zaubern beginnt mit Selbstbewusstsein. Die drei größten, stärksten Zauber beherrschst du, wenn du diese drei Fragen sicher beantworten kannst: Wie kann ich das erreichen? Was macht mich liebenswert? Und womit kann ich mich stundenlang beschäftigen und habe Spaß daran?“ Frau Sonnenschein strahlt richtig, als sie die drei Zaubersprüche aufzählt. Nach einer kurzen Pause fährt sie fort mit Erzählen. „Das sind die drei größten Zaubersprüche. Wenn du sie beantworten kannst, bist du ein Zaubermeister. Wir fangen allerdings mit den kleinen Zauberübungen an. Seid ihr bereit?“ „Wozu braucht man das denn?“, fragt Diana skeptisch mit zusammengekniffenen Augen. „Kennt ihr einen Menschen, der beinahe immer guter Laune ist und Spaß hat? Der ein großartiges Leben zu haben scheint?“, fragt Frau Sonnenschein, immer noch mit dieser warmen Stimme. Diana denkt nach.
„Ja! Mein Opa, der lächelt immer und wirkt zufrieden. Sogar als ihm mal ein anderes Auto eine Beule in sein Auto gemacht hat, war der gar nicht sauer. Als das Gleiche meinem Papa passierte, war er richtig sauer“, antwortet Diana. Frau Sonnenschein nickt. „Hast du deinen Opa gefragt, warum er nicht sauer war?“, fragt sie Diana.
„Nein“, entgegnet Diana. Sie scheint sich das wohl nie gefragt zu haben. Kenne auch ich so einen fast immer fröhlichen Menschen? Da kommt mir plötzlich jemand in den Sinn. Meine Mama ist auch fast immer fröhlich. „Das hat viel damit zu tun, wie wir die Dinge betrachten.“ Mit diesem Satz holt mich Frau Sonnenschein aus meinen Gedanken. „Kennt ihr das Fernglas?“ Frau Sonnenschein zieht eins aus der Kiste neben sich. „Schaut bitte mal alle durch die eine und dann durch die andere Seite.“ Sie gibt das Fernglas Diana. „Nanu, alles ganz nah und groß oder winzig klein!“, bemerkt Diana erstaunt.
Als wir alle durchgesehen haben, schaut Frau Sonnenschein uns an.
„Dinge, die uns geschehen, können wir wie durch ein Fernglas betrachten. Dein Opa hat die Beule am Auto so gesehen wie durch die Seite, auf der alles klein erscheint.
Er war wahrscheinlich froh, dass niemand zu Schaden gekommen ist, das war ihm wichtiger. Dein Papa hat es genau andersherum gemacht, die Beule war für ihn eine Katastrophe.“ Sie macht eine Pause. Sie denkt wohl nach, wie sie das leichter erklären kann.
Mama tut das auch gern, Dinge so leicht wie möglich erklären. Als Frau Sonnenschein eine Idee kommt, spricht sie weiter. „Wenn, sagen wir mal, jemand euch ein Spiel kaputt macht. Wie möchtet ihr dann gern reagieren?“ „Kann man sich das Aussuchen?“, höre ich mich selbst ganz erstaunt. „Da wird man doch sauer.“ Frau Sonnenschein schaut mich verständnisvoll an.
„Wenn es aber einen Weg geben würde, mit dem du lernst, wie der Opa von Diana, dennoch fröhlich zu bleiben. Möchtest du das dann können?“ „Weiß nicht.“ Ich zucke mit den Schultern, ich spüre, wie es mich traurig macht, das nicht beantworten zu können. „Wenn ihr mögt, zeig ich euch den ersten Zauber.“ Frau Sonnenschein bemerkt meine Traurigkeit und kniet sich nun vor mir auf den Boden. „Manchmal ist es einfacher, etwas zu tun, als es zu verstehen.“ Ich und auch Frau Sonnenschein sehen uns um. Die meisten, ich selbst auch, nicken. „Gut, dann schließt bitte eure Augen. Denkt an etwas, das euch zum Lächeln bringt. Dabei atmet ihr ruhig und tief ein und wieder aus. Ich zähle leise für euch, damit es leichter ist. Ich sag euch nach einer Minute Bescheid.“ Wir machen die Augen zu. Hmmm, was bringt mich zum Lächeln? … Oh ja, draußen spielen.
Frau Sonnenschein beginnt leise: „Tief einatmen, 1, 2, 3 … und ruhig ausatmen. 1, 2, 3, 4 … einatmen, 1, 2, 3 …“, so geht es eine Weile weiter. „Die Minute ist vorbei“, höre ich Frau Sonnenscheins warme Stimme. „Nun macht bitte eure Augen auf. Wie fühlt ihr euch jetzt?“ „Nanu“, bemerke ich fast ein wenig überrascht. Sie schaut mir mit einem warmen Lächeln direkt in die Augen. „Irgendwie fröhlicher“, melde ich mich rasch, alle anderen nicken und sind erstaunt. „Das ist der erste Zauber. Wenn ihr mal wütend oder traurig seid, ist das ok. Jedes Gefühl hat einen unglaublich genialen Nutzen und ein Geschenk in sich verborgen.“ Ihre Augen leuchten, sie scheint das wirklich zu glauben. „Wenn ihr euch nur kurz so fühlen wollt, könnt ihr das mit dem Zauber erreichen. Auch eure Eltern können das, wenn sie es üben. Am Anfang oder je nach Umständen kann einem das schwerfallen, aber mit Üben und dem Vorsatz, sich selbst nicht zu verurteilen, geht es irgendwann ganz leicht.“ „Aber wie geht das? Vorhin war ich wirklich ein bisschen traurig.“ Ein wenig verlegen wende ich meinen Blick ab. „Ich dachte, Sie nehmen uns nicht ernst. Mein Papa sagt immer, Magie und Zauberei gibt es nicht“, höre ich mich sagen. „Ich kann dich gut verstehen. Richtig verstanden habe ich das erst, als ich mich sehr lange damit beschäftigt habe. Dein Papa oder viele Erwachsene würden dazu eher mentale Techniken oder Persönlichkeitsentwicklung sagen.“ Ich sehe sie verwundert an. Frau Sonnenschein denkt nach, ob sie es mir anders erklären kann. Meine Mama sieht genauso aus, wenn sie nachdenkt.
Ich muss ein wenig schmunzeln. „Bei diesem Zauber ist das so. Wir können nie mehr als einen Gedanken zur selben Zeit denken“, unterbricht Frau Sonnenschein die Stille. „Wenn du an etwas denkst, das dich lächeln lässt, kannst du nicht gleichzeitig an etwas denken, das dich ärgert oder traurig macht. Unser Gehirn“, sie tippt sich an den Kopf „kann das nicht. Du und ich nicht, wir alle übrigens.“ Sie schaut uns an. „Wir können uns aber klar entscheiden, was wir denken wollen.“ „Das versteh ich nicht.“ Enttäuscht schaue ich zu Boden. „Das ist ok. Weißt du, ich habe das alles erst gelernt, als ich selbst Mama geworden bin.“ Frau Sonnenschein lächelt traurig, aber nur ganz kurz. „Darum ist es leichter, etwas zu tun. Das Verstehen kommt mit der Zeit. Ihr macht das großartig und seid sehr klug, vergesst das bitte niemals.“ Sie macht wieder eine kurze Pause. „Für heute haben wir genug gezaubert und darüber gesprochen. Ich würde sagen, wir lernen jede Woche einen Zauber oder vertiefen unser Wissen. Seid ihr damit einverstanden?“ Alle sind einverstanden. „Denn wir sind nicht nur zum Lernen hier, sondern auch, um Spaß zu haben.“ Damit endete unsere erste Lektion in Zauberei. Frau Sonnenschein steht auf und winkt uns mit einem Lächeln raus zum Spielen.
Ich freunde mich mit Diana und JJ an. Wir unterhalten uns beim Spielen noch etwas über den Zauber des Lächelns. Die Zeit vergeht wie im Flug. Wir spielen und lachen. Schon ist es Zeit, nach Hause zu gehen.
„Kommt bitte nochmals zum Kissenkreis. Eure Eltern werden euch bald abholen kommen“, ruft Frau Sonnenschein in den Garten hinter dem Kindergarten. Ich, Diana und JJ sind gerade mit unserer Sandburg fertig geworden. Zufrieden sehen wir uns an, die ist uns richtig gut gelungen. Drinnen angekommen, setzen wir uns alle hin und sehen Frau Sonnenschein an. „Bevor eure Eltern kommen und ihr nach Hause geht … Wer möchte nochmals gemeinsam den Zauber üben?“ Alle Kinder heben die Hand und lächeln. Irgendwie zweifelt nun keiner mehr von uns daran, dass es so etwas wie Zauberei gibt. „Gern. Dann schließt bitte eure Augen. Denkt an etwas, das euch zum Lächeln bringt und atmet dabei ruhig tief ein und wieder aus.“ Ich mache meine Augen zu und höre wieder, wie Frau Sonnenschein ruhig zählt, während sie selbst tief ein- und ausatmet. „Einatmen, 1, 2, 3 … Ausatmen, 1, 2, 3, 4 …“ Nach einer Weile hören wir Frau Sonnenschein mit sanfter Stimme: „Die Minute ist vorbei“ sagen. Wir öffnen die Augen und ich glaube, mein breites Lächeln ist noch ein wenig größer geworden. „Zum Schluss möchte ich euch um zwei Dinge bitten. Zum einen, diesen Zauber einmal am Tag zu üben. Einfach so, auch ohne wütend oder traurig zu sein. Denn dadurch wird der Zauber zu einem Teil von euch selbst.“ Sie sieht uns alle mit diesem warmen Lächeln an.
„Das Zweite, worum ich euch bitten möchte, ist, dass ihr diesen Zauber mit euren Eltern, Großeltern und so vielen Menschen wie möglich teilt, wenn ihr die Möglichkeit dazu habt. Vielen Dank für heute, bis morgen!“ Damit verabschiedet sich Frau Sonnenschein von uns. Wir nehmen unsere Rucksäcke und gehen vor die Tür, wo bereits unsere Eltern warten. „Hallo Mama!!“ Ich renne auf sie zu. „Hallo Lucifer! Wie war dein erster Tag?“ Mama nimmt mich in den Arm. „Ich habe was ganz Großartiges gelernt, aber ich möchte das auch Papa erzählen!“ Ich gebe ihr einen Kuss auf die Wange, bevor sie mich wieder loslässt. „Dann werde ich mich gedulden. Schön, dass es dir Spaß gemacht hat.“ Mama lächelt mich lieb an und will gerade mit mir losgehen.
„Tschüss, Diana und JJ! Bis morgen!!“ Ich dreh mich noch rasch um und verabschiede mich von meinen neuen Freunden. „Tschüss! Bis morgen!“
Wir winken uns noch zu,
bevor wir uns wieder unseren Eltern zuwenden. „Du auch?“, höre ich Mama kichern. „Ich war auch oft so, dass ich vor lauter Freude beinahe vergessen hab, mich zu verabschieden.“
...

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