Wie der Mond seine Flecken bekam

Wie der Mond seine Flecken bekam

Günter Wideburg


EUR 18,90

Format: 21 x 29,7 cm Querfor
Seitenanzahl: 48
ISBN: 978-3-99130-096-0
Erscheinungsdatum: 31.05.2022
Habt ihr euch den Vollmond schon mal genauer angesehen? Er hat dunkle Flecken. Aber was sind das für Flecken, und wie kamen sie dorthin? Die Bärenkinder Tabsi und Bina erleben ein nächtliches Abenteuer und sind vielleicht nicht ganz unschuldig an den Flecken.
Vorwort

Ich möchte euch eine Geschichte erzählen, die ich für meine Tochter Sabrina erfunden habe, als sie klein war. Ich habe ihr viele Geschichten erzählt, so viele, dass sie eines Tages sagte, ich solle sie doch mal aufschreiben, damit andere Kinder sie auch lesen oder andere Eltern ihren Kindern diese Geschichten vorlesen können. Ihr widme ich auch dieses Buch zum Dank für die vielen schönen Jahre, die sie in mein Leben gebracht hat.

So, jetzt passt schön auf, es geht los.


Tabsi und Bina besuchen ihre Oma

Tabsi und Bina sind Bärenkinder. Tabsi ist sechs Jahre alt und geht schon in die erste Klasse. Bina ist seine kleine Schwester. Sie ist ein Jahr jünger und geht noch in den Kindergarten.

Aber im Moment gehen beide gar nicht in die Schule, denn es sind Ferien, und beide sind zu Besuch bei ihrer Oma Zensi in Kleinbärenstein. Kleinbärenstein ist ein kleines Dorf nahe bei Großbärenstein, schön idyllisch am Fuß eines bewaldeten Hügels gelegen, den alle Honigkugel nennen.

Oma Zensi hat den beiden erklärt, der Name käme von der kugeligen Form des Hügels und von den vielen Bienenvölkern, die dort im Wald den leckeren Waldhonig sammeln. Oma Zensi hat früher dort selbst bei der Honigernte geholfen, heute ist sie zu alt für die schwere Arbeit auf dem Berg geworden.
Oma Zensi hat ein kleines Haus mit einem schönen Garten, in dem Obstbäume stehen und viele schöne Blumen wachsen. Hinter dem Haus gibt es einen Brunnen, aus dem das Wasser geschöpft wird. Etwas seitlich steht ein Geräteschuppen, mit vielen Gartengeräten, Werkzeugen und altem Gerümpel. An der Wand des Schuppens angelehnt türmen sich Berge von Brennholz empor, denn Oma Zensi hat noch einen alten gusseisernen Holzofen, mit dem sie ihr kleines Häuschen heizt und auf dem sie sogar kocht.

Tabsi und Bina sind gestern bei der Oma angekommen. Die Reise dauerte vier Stunden. Zuerst mussten sie dreieinhalb Stunden mit der Bärenbahn bis Großbärenstein fahren. Von dort ist es dann noch eine halbe Stunde mit dem Bus. Immer wenn sie bei Oma Zensi zu Besuch sind, richtet sie ihnen das alte Kinderzimmer von Omas Kindern her. Das älteste Kind von Oma Zensi heißt Franz und ist der Vater von Tabsi und Bina. Das Zimmer ist einfach eingerichtet, mit einem Stockbett, einem Kleiderschrank und einem großen Fenster. Aber das Beste an dem Zimmer ist die Kommode. Die ist nämlich über und über voll mit Spielsachen, die Oma Zensi aufgehoben hat, damit ihre Enkel etwas zum Spielen haben, wenn sie zu Besuch sind.

Tabsi und Bina hatten den ganzen Tag mit der Eisenbahn gespielt, die gut zu dem Puppenhaus passt, in der eine kleine Bärenpuppenfamilie lebt. Bina ist mit der Bärenpuppenfamilie verreist, und Tabsi war der Lokführer. Das hat Spaß gemacht, aber auch müde.


Tabsi und Bina können nicht einschlafen

Draußen wurde es langsam dunkel, als Oma Zensi ins Kinderzimmer kam und sagte: „Na, wollt ihr heute gar nicht mehr aufhören mit Spielen? Aber ich weiß, was euch bestimmt aus dem
Kinderzimmer lockt.“
„Was denn?“, fragte Tabsi.
„Das Abendessen ist fertig“, sagte Oma Zensi. „Es gibt Apfelstrudel mit Honigkruste.“
„Juhuu!“, schrien beide wie aus einer Bärenschnauze und stürmten aus dem Kinderzimmer hinaus in die Wohnküche, in der es lecker roch. Beinah hätten sie Oma Zensi umgerannt.

Nachdem die kleinen Bärenbäuche gefüllt waren, sagte Oma Zensi: „So, nun ab zum Zähne­putzen und dann ins Bett mit euch. Es ist schon dunkel draußen, und ihr wollt morgen ja nicht den ganzen Tag verschlafen.“

„Ja, ich bin auch schon ganz müde“, sagte Bina.
„Und ich auch“, sagte Tabsi.

Beide gingen ins Badezimmer, zogen ihre Schlafanzüge an und putzten die Zähne. Im Kinderzimmer kletterte Tabsi nach oben ins Stockbett, und Bina legte sich ins untere Bett und zog die Bettdecke über sich.
„Gute Nacht, meine kleinen Lieben, schlaft gut und träumt was Schönes“, sagte Oma Zensi, machte das Licht aus und schloss die Tür.

Tabsi und Bina schwärmten noch eine Weile von dem schönen Tag und dem leckeren Apfelstrudel, bis sie sich eine gute Nacht wünschten und die Augen schlossen.

Es dauerte nicht lange, da wurde es wieder hell im Zimmer, als ob jemand mit einer großen Lampe durchs Fenster leuchtete, genau in die Gesichter der Bärenkinder. Sie machten ihre Augen auf und sahen draußen vor dem Fenster den Mond, der sich langsam über die Honigkugel in den Himmel schob und das Zimmer in ein fahles Licht tauchte. Es war Vollmond und die Nacht sternenklar. Keine Wolke, die das Licht des Mondes etwas dämpfen würde, und kein Rollladen am Fester, der den Mond aus den Gesichtern der Kinder aussperren könnte.

So lagen sie nun da und versuchten vergeblich einzuschlafen.

„Bist du wach?“, flüsterte Bina, um Tabsi nicht zu wecken, falls er schon schlief.

„Ja“, sagte er, „ich kann bei dem hellen Licht nicht einschlafen.“
„Ich auch nicht“, antwortete Bina. „Der Mond scheint mir genau ins Gesicht, und der ist heute besonders hell. Wenn man den doch nur ausschalten könnte“, sagte sie, dann könnte ich endlich schlafen.
„Den kann man bestimmt ausschalten“, überlegte Tabsi. „Den hat ja schließlich auch jemand eingeschaltet, dann muss man ihn auch wieder ausschalten können.“
„Dann schalte den Mond doch bitte aus, damit wir endlich schlafen können“, bat Bina.
„So einfach ist das nicht. Dafür müssen wir erst auf den Mond fliegen, denn der Mondlichtschalter ist sicher auf dem Mond“, sagte Tabsi.
„Dann lass uns zum Mond fliegen und den Lichtschalter suchen!“, sagte Bina entschlossen.
„Aber du, Tabsi, was, wenn wir den Lichtschalter nicht finden?“, fragte Bina.
„Dann hängen wir einfach unsere Leintücher über den Mond und dunkeln ihn damit ab. Schau, der Mond ist ja nur sooo groß.“ Tabsi ging zum Fenster und breitete seine Arme aus, um den Mond wie einen Ball zu fangen, dann behielt er seine Arme in der Position und drehte sich zu Bina um, um ihr die Größe zu zeigen; er nahm dabei seine Arme langsam nach unten und versuchte das gemessene Maß nicht zu verändern.
„Und wie kommen wir da hin?“, fragte Bina.
„Hmm. Ich glaube, auf den Mond kommt man nur mit einer Mondrakete“, antwortete Tabsi.
„So etwas hat Oma aber nicht“, sagte Bina.
„Dann müssen wir uns wohl eine Mondrakete bauen“, erwiderte Tabsi.
„Das ist eine gute Idee“, sagte Bina ganz aufgeregt. „Lass uns eine Mondrakete bauen. Dann fliegen wir auf den Mond, suchen den Mondlichtschalter, schalten den Mond aus und können dann endlich in Ruhe schlafen. – Aber weißt du eigentlich, wie man eine Mondrakete baut?“

Tabsi antwortete ganz stolz: „Aber klar doch. Ich bin doch der weltbeste Bäronaut. Wir müssen nur das ganze Material zusammensuchen. Komm! Wir gehen in den Geräteschuppen, dort finden wir bestimmt alles, was wir brauchen.“


Tabsi und Bina bauen eine Mondrakete

Auf Tatzenspitzen schlichen Tabsi und Bina an Omas Schlafzimmer vorbei aus dem Haus und stolperten im Mondlicht über den Hof in den Geräteschuppen. Das alte Gerümpel sah im Dunkeln richtig gruselig aus. Die Dinge standen wie Gespenster in den finsteren Ecken und schienen die beiden zu beobachten. Bina blieb zitternd an der Tür stehen und wartete, bis Tabsi den Lichtschalter gefunden hatte. Als das Licht anging und die Gespenster wieder die Gestalt von Rechen, Schaufeln und anderen ungefährlichen Gegenständen annahmen, atmete Bina erleichtert auf.

Ohne sich anmerken zu lassen, dass ihr der Schreck noch in den Gliedern saß, fragte sie Tabsi: „Was brauchen wir denn alles für eine Rakete?“ Tabsi antwortete: „Das Wichtigste ist erst mal ein dickes Rohr, in das wir hineinpassen, das wird dann der Rumpf der Rakete. Dann brauchen wir noch eine Raketenspitze und Raketenflügel und noch einen Steuerknüppel, damit wir auch lenken können.“

Ein dickes Rohr fanden die beiden nicht, aber da stand ein altes Holzfass herum.

„Schau, Bina, ich glaube, ich habe unseren Raketenrumpf gefunden. Komm mal her, wir setzen uns mal hinein und schauen, ob wir darin zu zweit Platz haben.“

Tabsi kletterte in das Fass und half Bina ebenfalls hinein. Sie setzten sich hin. „Das ist aber unbequem!“, beschwerte sich Bina. „Gibt es in einer Rakete denn keinen Raketenstuhl?“ Tabsi antwortete: „Upsi, das hätte ich fast vergessen. Natürlich bauen wir auch noch einen Raketenstuhl ein. Und auch noch ein Fenster, sonst sehen wir ja gar nicht, wo wir hinfliegen. Hol du schon mal zwei Stühle, ich kümmere mich in der Zwischenzeit um das Fenster.“

Während Bina aus dem Fass stieg und sich auf die Suche nach zwei Stühlen machte, nahm Tabsi eine Säge aus dem Werkzeugschrank und sägte ein rundes Loch in den Raketenrumpf, das er anschließend mit einer durchsichtigen Folie wieder zuklebte.

Bina hatte zwei alte Gartenstühle gefunden, die sich unter einer alten Blechbadewanne vor ihr verstecken wollten. Sie zerrte die Stühle hervor und trug sie zur Rakete. Tabsi stellte die Stühle hinein und nagelte sie fest, damit sie auf dem Flug nicht hin und her rutschen konnten.

Bina fragte: „Was brauchen wir als Nächstes?“

Tabsi überlegte: „Willst du lieber den Steuerknüppel suchen oder die vier Raketenflügel?“

Bina antwortete sofort: „Die Flügel! Ich hab mir nämlich schon mal Engelsflügel für Fasching gebastelt. Da weiß ich, wie das geht.“

Tabsi machte sich auf die Suche nach einem Steuerknüppel. Er fand auch bald einen geeigneten Stock, den er in der Rakete befestigte. An dessen Ende steckte er einen aufgeschnittenen Tennisball, der als Schaltknauf diente. So fühlte es sich wie ein richtiger Steuerknüppel an.

Bina fand einen großen Pappkarton, auf den sie die Flügel aufzeichnete und mit einer Schere ausschnitt. So bastelte sie vier gleiche Flügel, die sie stolz zu Tabsi brachte. „Hier sind die Flügel!“, sagte sie. Tabsi antwortete: „Danke, Bina. Die sind aber schön geworden. Hilf mir sie zu befestigen.“

Tabsi hielt einen Flügel an der Position der Rakete an, an der er befestigt werden sollte. „Halt den Flügel mal so fest“, sagte er zu Bina. Bina hielt ihn, und Tabsi klebte ihn mit zwei Streifen
Klebeband an der Rakete fest. Das wiederholten die zwei Raketenbauer mit den anderen Flügeln. Beide gingen ein paar Schritte zurück und betrachteten mit prüfenden Blicken ihr
Kunstwerk.
4 Sterne
Ein tolles Kinderbuch über die Reise zum Mond  - 02.06.2022
Tara Baumann

Das schön illustrierte Kinderbuch ist sehr empfehlenswert für abenteuerlustige Kinder, die gerne spannende Geschichten verfolgen. Neben den selbstgemalten Bildern vom Autor, ist der Inhalt auch noch witzig formuliert.

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