Bezaubernde, lebende Tiergeschichten
EUR 18,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 114
ISBN: 978-3-7116-1384-4
Erscheinungsdatum: 13.04.2026
Kurzgeschichten zum Vorlesen: spannende Tiererlebnisse aus Wald, Urwald, Wasser sowie aus warmen und kalten Regionen. Keine süßen Geschichten, sondern Erzählungen aus dem Leben – ergänzt durch Fantasiegeschichten zwischen Rotkäppchen und Aschenputtel.
1
Die Biber haben Zahnschmerzen
Papa- und Mama-Biber saßen auf einem umgefallenen Baum im Gras. Sie weinten und fühlten sich so elendig, denn ihre zu langen Zähne bereiteten ihnen Zahnschmerzen. Und weißt du, was auch noch schlimm war? Sie mussten immer ihren langen, schwarzen Schwanz hinter sich herziehen, ohne zu wissen, wofür er gut sein könnte. Nicht einmal die lästigen Mücken konnten sie damit vertreiben.
Der Fuchs kam vorbei, schaute die beiden Biber an und sagte: „Wie hässlich ihr mit euren langen Zähnen und diesem großen Ding da seid – ist das überhaupt ein Schwanz?“ Lachend ging er weiter, während er laut sprach: „Oh, was seid ihr hässlich, sooo hässlich!“
Auch der Bär kam vorbei. Er sah die beiden Biber im Gras sitzen, schüttelte den Kopf und sagte mit seiner tiefen Stimme: „Oh, wie abscheulich… Ihr seid wirklich hässlich!“ Dann ging er laut lachend weiter.
Und schließlich kam der hungrige und schmutzige Vielfraß vorbei. Er sagte: „Ich bin schon hässlich, aber ihr seid noch viel hässlicher – und das sehe ich auch an eurem Verhalten. Steht auf, tut etwas, und hört auf, hier so elendig herumzusitzen und zu klagen. Das bringt euch auch nicht weiter!“ Doch weil der Vielfraß großen Hunger hatte, ging er weiter, um nach etwas Essbarem zu suchen. „Ihr seid mir sowieso zu hässlich, um meinen Hunger zu stillen“, murmelte er.
Am Abend wachte die weise Eule auf, denn tagsüber schläft sie immer. Sie flog an den noch immer weinenden Bibern vorbei, hielt an, setzte sich auf einen Ast und fragte: „Was ist los mit euch? Warum seid ihr so schrecklich traurig?“ Papa-Biber antwortete der weisen Eule: „Wir haben Zahnschmerzen, und unsere Zähne werden immer länger. Außerdem haben wir diesen schweren Schwanz ohne Haare. Alle lachen uns aus. Das Leben macht keinen Spaß mehr!“
Die Eule dachte kurz nach und sagte dann: „Ich könnte mich irren, aber ich glaube, ihr müsst eure langen Zähne gebrauchen, damit sie sich abnutzen und kürzer werden. Ihr müsst mit den Zähnen an den Bäumen nagen. Und euer Schwanz – er sieht aus wie ein gutes Steuerruder, wie bei einem Boot. Damit könnt ihr bestimmt gut schwimmen.“
Die Biber schauten sich an und sagten: „Wir sollten es versuchen, so kann es jedenfalls nicht weitergehen.“
Also begannen die Biber, mit ihren großen Zähnen an den Bäumen zu nagen, und sie fühlten sich dabei wohl. Am nächsten Morgen fingen sie schon früh an und nagten so lange an den Bäumen, bis diese umfielen. Einer nach dem anderen fiel um, und die Zähne der Biber wurden immer kürzer. Schließlich verschwanden auch die Zahnschmerzen.
Das Beste war, dass die Bäume und deren Rinde selbst sogar gut schmeckten!
Mit den Ästen der umgefallenen Bäume gingen sie ins Wasser und bauten große Biberburgen. Weil sie mit ihrem großen Schwanz hervorragend schwimmen und tauchen konnten, versteckten sie den Eingang ihrer Burg unter Wasser. So konnten nur sie selbst hinein, und kein Feind konnte ihr Nest erreichen.
Aus den restlichen Zweigen bauten sie einen Damm. Das Wasser stieg und niemand konnte mehr zu ihrer Biberburg gelangen.
Die Biber hatten keine Zahnschmerzen mehr, aber sie mussten immer fleißig arbeiten, um ihre Zähne kurz zu halten. Sie waren der weisen Eule sehr dankbar und hatten gelernt, dass man auch dann glücklich und zufrieden sein kann, wenn man anders ist.
2
Das Eichhörnchen und der Bussard
Es waren die letzten Herbsttage. Draußen war es trocken, und das Eichhörnchen saß in der Sonne und knabberte an einer Nuss aus seinem Wintervorrat. Es hatte seine Höhle in einem teilweise abgestorbenen Buchenbaum. Der dicke Baumstamm hatte vom Boden bis zur Höhe der Höhle keine Äste, außer einem kleinen Ast, der noch nicht verrottet war. Diese alte Buche stand nicht allein; ihre oberen Zweige berührten die Zweige der benachbarten Bäume.
Die Häuser der Menschen waren nur einen Steinwurf entfernt. Dort holte das Eichhörnchen meistens sein Futter. Die Menschen freuten sich immer, das niedliche Eichhörnchen zu sehen. Auch wenn es manchmal frech war – so klaute es zum Beispiel Material für den Nestbau, wie eine Socke, oder es fraß die Erdnüsse weg, die eigentlich für die Vögel gedacht waren.
Trotzdem wollten die Menschen das niedliche Eichhörnchen um keinen Preis missen.
Über dieses Gebiet flog auch ein feindlich gesinnter Bussard, denn auch er war hier zu Hause. Vor Hunger rief er oft von oben: „Kii-kii-kii!“ Jedes Tier in der Umgebung wurde sofort wachsam, wenn es den Bussard hörte.
An diesem Tag saß das Eichhörnchen faul in der Sonne und hatte fast alles um sich herum vergessen.
Plötzlich bemerkte das Eichhörnchen einen Schatten zwischen der Sonne und seinen Augen. Es war sofort hellwach, sprang instinktiv hinter den Baumstamm – und entkam im allerletzten Moment den Klauen des Bussards.
Der Bussard spürte Leere zwischen seinen Krallen und wusste, dass er das Ziel verfehlt hatte. Doch er hatte noch genug Schwung und setzte sofort zur Verfolgung an. Er jagte das Eichhörnchen: hinunter, um den Baum herum, wieder hinauf, um den Baum herum und herum, dabei kräftig und verzweifelt mit seinen Flügeln schlagend.
Der Abstand wurde immer kleiner, und in all dem Durcheinander erreichte das Eichhörnchen den kleinen Ast. Es sprang darüber hinweg, hinter den Baum, so schnell es konnte, hinauf zu den oberen Ästen, und es hatte Glück.
Und dachte, dort war es sicher und gerettet vor den Klauen des Bussards.
Der Bussard jedoch hatte den kleinen Ast nicht bemerkt. Oh je – er prallte voll dagegen und stürzte benommen zu Boden.
So kam es, dass der Bussard, nur auf sein Essen fixiert, einen großen Fehler machte und gegen den ganz kleinen Ast prallte. Nach einer Weile flog der Bussard unversehrt davon, und das Eichhörnchen konnte sich wieder von dem lebensgefährlichen Schreck erholen.
...
Die Biber haben Zahnschmerzen
Papa- und Mama-Biber saßen auf einem umgefallenen Baum im Gras. Sie weinten und fühlten sich so elendig, denn ihre zu langen Zähne bereiteten ihnen Zahnschmerzen. Und weißt du, was auch noch schlimm war? Sie mussten immer ihren langen, schwarzen Schwanz hinter sich herziehen, ohne zu wissen, wofür er gut sein könnte. Nicht einmal die lästigen Mücken konnten sie damit vertreiben.
Der Fuchs kam vorbei, schaute die beiden Biber an und sagte: „Wie hässlich ihr mit euren langen Zähnen und diesem großen Ding da seid – ist das überhaupt ein Schwanz?“ Lachend ging er weiter, während er laut sprach: „Oh, was seid ihr hässlich, sooo hässlich!“
Auch der Bär kam vorbei. Er sah die beiden Biber im Gras sitzen, schüttelte den Kopf und sagte mit seiner tiefen Stimme: „Oh, wie abscheulich… Ihr seid wirklich hässlich!“ Dann ging er laut lachend weiter.
Und schließlich kam der hungrige und schmutzige Vielfraß vorbei. Er sagte: „Ich bin schon hässlich, aber ihr seid noch viel hässlicher – und das sehe ich auch an eurem Verhalten. Steht auf, tut etwas, und hört auf, hier so elendig herumzusitzen und zu klagen. Das bringt euch auch nicht weiter!“ Doch weil der Vielfraß großen Hunger hatte, ging er weiter, um nach etwas Essbarem zu suchen. „Ihr seid mir sowieso zu hässlich, um meinen Hunger zu stillen“, murmelte er.
Am Abend wachte die weise Eule auf, denn tagsüber schläft sie immer. Sie flog an den noch immer weinenden Bibern vorbei, hielt an, setzte sich auf einen Ast und fragte: „Was ist los mit euch? Warum seid ihr so schrecklich traurig?“ Papa-Biber antwortete der weisen Eule: „Wir haben Zahnschmerzen, und unsere Zähne werden immer länger. Außerdem haben wir diesen schweren Schwanz ohne Haare. Alle lachen uns aus. Das Leben macht keinen Spaß mehr!“
Die Eule dachte kurz nach und sagte dann: „Ich könnte mich irren, aber ich glaube, ihr müsst eure langen Zähne gebrauchen, damit sie sich abnutzen und kürzer werden. Ihr müsst mit den Zähnen an den Bäumen nagen. Und euer Schwanz – er sieht aus wie ein gutes Steuerruder, wie bei einem Boot. Damit könnt ihr bestimmt gut schwimmen.“
Die Biber schauten sich an und sagten: „Wir sollten es versuchen, so kann es jedenfalls nicht weitergehen.“
Also begannen die Biber, mit ihren großen Zähnen an den Bäumen zu nagen, und sie fühlten sich dabei wohl. Am nächsten Morgen fingen sie schon früh an und nagten so lange an den Bäumen, bis diese umfielen. Einer nach dem anderen fiel um, und die Zähne der Biber wurden immer kürzer. Schließlich verschwanden auch die Zahnschmerzen.
Das Beste war, dass die Bäume und deren Rinde selbst sogar gut schmeckten!
Mit den Ästen der umgefallenen Bäume gingen sie ins Wasser und bauten große Biberburgen. Weil sie mit ihrem großen Schwanz hervorragend schwimmen und tauchen konnten, versteckten sie den Eingang ihrer Burg unter Wasser. So konnten nur sie selbst hinein, und kein Feind konnte ihr Nest erreichen.
Aus den restlichen Zweigen bauten sie einen Damm. Das Wasser stieg und niemand konnte mehr zu ihrer Biberburg gelangen.
Die Biber hatten keine Zahnschmerzen mehr, aber sie mussten immer fleißig arbeiten, um ihre Zähne kurz zu halten. Sie waren der weisen Eule sehr dankbar und hatten gelernt, dass man auch dann glücklich und zufrieden sein kann, wenn man anders ist.
2
Das Eichhörnchen und der Bussard
Es waren die letzten Herbsttage. Draußen war es trocken, und das Eichhörnchen saß in der Sonne und knabberte an einer Nuss aus seinem Wintervorrat. Es hatte seine Höhle in einem teilweise abgestorbenen Buchenbaum. Der dicke Baumstamm hatte vom Boden bis zur Höhe der Höhle keine Äste, außer einem kleinen Ast, der noch nicht verrottet war. Diese alte Buche stand nicht allein; ihre oberen Zweige berührten die Zweige der benachbarten Bäume.
Die Häuser der Menschen waren nur einen Steinwurf entfernt. Dort holte das Eichhörnchen meistens sein Futter. Die Menschen freuten sich immer, das niedliche Eichhörnchen zu sehen. Auch wenn es manchmal frech war – so klaute es zum Beispiel Material für den Nestbau, wie eine Socke, oder es fraß die Erdnüsse weg, die eigentlich für die Vögel gedacht waren.
Trotzdem wollten die Menschen das niedliche Eichhörnchen um keinen Preis missen.
Über dieses Gebiet flog auch ein feindlich gesinnter Bussard, denn auch er war hier zu Hause. Vor Hunger rief er oft von oben: „Kii-kii-kii!“ Jedes Tier in der Umgebung wurde sofort wachsam, wenn es den Bussard hörte.
An diesem Tag saß das Eichhörnchen faul in der Sonne und hatte fast alles um sich herum vergessen.
Plötzlich bemerkte das Eichhörnchen einen Schatten zwischen der Sonne und seinen Augen. Es war sofort hellwach, sprang instinktiv hinter den Baumstamm – und entkam im allerletzten Moment den Klauen des Bussards.
Der Bussard spürte Leere zwischen seinen Krallen und wusste, dass er das Ziel verfehlt hatte. Doch er hatte noch genug Schwung und setzte sofort zur Verfolgung an. Er jagte das Eichhörnchen: hinunter, um den Baum herum, wieder hinauf, um den Baum herum und herum, dabei kräftig und verzweifelt mit seinen Flügeln schlagend.
Der Abstand wurde immer kleiner, und in all dem Durcheinander erreichte das Eichhörnchen den kleinen Ast. Es sprang darüber hinweg, hinter den Baum, so schnell es konnte, hinauf zu den oberen Ästen, und es hatte Glück.
Und dachte, dort war es sicher und gerettet vor den Klauen des Bussards.
Der Bussard jedoch hatte den kleinen Ast nicht bemerkt. Oh je – er prallte voll dagegen und stürzte benommen zu Boden.
So kam es, dass der Bussard, nur auf sein Essen fixiert, einen großen Fehler machte und gegen den ganz kleinen Ast prallte. Nach einer Weile flog der Bussard unversehrt davon, und das Eichhörnchen konnte sich wieder von dem lebensgefährlichen Schreck erholen.
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