Asinus und Mirinda

Asinus und Mirinda

Robert Seidinger


EUR 18,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 68
ISBN: 978-3-99131-625-1
Erscheinungsdatum: 27.09.2022
Asinus ist ein einsamer Esel. Leider interessiert das den gemeinen Bauern Hasenbutz wenig, denn dieser hat nur im Sinn, wie viel er mit dem kleinen Esel verdienen kann. Kein Wunder also, dass Asinus bei der nächsten Gelegenheit ausbüxt.
Kapitel 1 - Die schlimme Zeit im Stall

Etwas traurig ist er, der Esel Asinus, ein kleiner, treuherziger Geselle mit kugelrunden, braunen Augen, riesigen Lauscherohren und struppigem Fell.
„Ach“, seufzt er, während er zwei Marienkäferchen, die sich auf dem morschen Fensterbrett tummeln, beobachtet. „Ach wie schön wäre es, wenn ich auch einfach wegfliegen könnte.
Weg von den lästigen Fliegen, die mir immer auf der Nase herumtanzen, weg vom Bauer Hasenbutz, vor dem ich mich so sehr fürchte.“
Der Bauer Hasenbutz ist ein alter, grausiger, übelriechender Mann, der unserem Esel Asinus nichts Gutes will und den armen Kerl in diesem dunklen, stickigen Stall einsperrt, nur weil er ihn dann, wenn Asinus groß und stark ist, an den strengen und brutalen Oberförster Wuznzapf verkaufen will.
Der Oberförster braucht Asinus aber nur für die harte Holzarbeit nächsten Winter im Zitterpappelwald.
„Fliegt weg ihr zwei Käferchen, fliegt weg! Ihr könnt mich sowieso nicht befreien!
Fliegt in die warme Aprilsonne, fliegt, bevor der Bauer Hasenbutz wiederkommt und euch auch noch was antut!“
„Ich würde euch so gerne beschützen, weil ihr meine einzigen Freunde hier im Stall seid!“
Ja, so ist er. Der liebe Esel Asinus.
Ein warmherziger, liebevoller, aber auch ein trauriger, einsamer, kleiner Esel.


Kapitel 2 - Die beiden Marienkäferchen

Plötzlich fliegen die beiden Marien­käferchen durchs Fenster in die Freiheit und es schaut für Asinus fast so aus, als würden die beiden Glücklichen ihm noch einmal zuwinken und sagen: „Mach’s gut, unser lieber Freund! Vielleicht sehn wir uns mal wieder!“
Tieftraurig setzt sich Asinus auf den kalten Lehmboden.
Nicht einmal eine Hand voll Stroh hat ihm der alte Bauer Hasenbutz in den Stall gebracht.
Jetzt wo die beiden Marienkäfer auch verschwunden sind, ist Asinus noch einsamer und trauriger. „Jetzt hab ich meine einzigen Freunde auch noch verloren und ich weiß noch nicht einmal ihre Namen.“
„Ich glaub ich nenn sie einfach Josef und Maria. Ich glaub die beiden sind sicher sehr glücklich.“
Noch nie hat Asinus mit seinen riesigen, rehbraunen Augen so traurig durch das alte, morsche Fensterkreuz geschaut wie heute.
„Ach … schön wär’s schon … schön wär’s … Wie würde sie wohl aussehen? Eine liebe Eselin an meiner Seite.“

„Würde sie mit mir auch durch die Jahreszeiten wandern, so wie Josef und Maria, das verliebte Marien­käfer­pärchen?“
„Wäre schon ein schönes Eselleben.“


Kapitel 3 - Ein böser Traum

Still ist’s draußen. Und der Gedanke an eine wunderhübsche Eseldame lässt Asinus seine Sorgen und Ängste für einen Moment lang vergessen.
„Schön ist er, der Mond … Fleder­mäuse huschen draußen vorbei.“
„Ja, meine Freunde sind wieder bei mir! Josef und Maria. Jetzt bin ich doch nicht allein!“
Asinus war leider nur kurz eingenickt und streicht sich die lästigen Stallfliegen mit seinen Vorderhufen von der Nase. Die werden wohl auch bald schlafen gehen.
„Gute Nacht, ihr Stallfliegen, gute Nacht, Josef und Maria, gute Nacht, alle meine unbekannten Freunde da draußen … gute Nacht, meine Eselin.“
Endlich versinkt Asinus ins Tal der Träume und kann im Schlaf alle schlimmen Erinnerungen hinter sich lassen.


Kapitel 4 - Die Flucht

Der Nachthimmel wird immer dunkler und schwärzer und unser kleiner Vierbeiner merkt gar nicht, dass sich mächtige Gewitterwolken auftun, die immer näherkommen.
Plötzlich ein lauter Knall, Blitz und Feuer als würde die Welt untergehen.
Asinus springt fast zu Tode erschrocken auf, das Dach der Scheune stürzt brennend auf den Lehmboden, auf dem er gerade noch gelegen hatte.
Mit letzter Kraft rettet er sich durch das zerbrochene Scheunentor, springt immer noch panisch über den Holzzaun, den der Bauer Hasenbutz gebaut hat und läuft, so schnell er nur kann, in den finsteren, dichten Wald.
Viele hunderte Meter weiter legt er sich völlig erschöpft ins Moos.
Sein Herz rast, sein Zottelfell riecht verbrannt, aber sein Leben hat der kleine tapfere Esel gerettet.
Was war passiert?
Ein Blitz hat in den Stall eingeschlagen. Er hat Asinus zwar einen gewaltigen Schreck eingejagt und ihm sein Fell verbrannt, aber er hat ihm auch die Freiheit geschenkt.
„Oh Gott, was soll ich jetzt tun? Zum Bauer Hasenbutz zurückkehren und an den Oberförster Wuznzapf verkauft werden, oder mich auf eine gefährliche Reise begeben und ein neues und vielleicht schöneres Eselleben beginnen?“


Kapitel 5 - Die mühsame Reise durch den Wald

„Hasenbutz und Wuznzapf?“, klingt es plötzlich aus der Krone einer hohen Tanne.
Asinus sieht nur zwei riesige, leuchtende Augen.
„Zieh deines Weges und geh nicht zurück! Glaub mir, du wirst dein Glück finden, wenn du nur daran glaubst. Und jetzt geh in dein neues Leben und viel Glück mein zotteliger, tapferer Freund.
Ich werde dich immer von oben beobachten und dich warnen, wenn du in Gefahr bist.“
Ein kurzes Rascheln und Eulalia, eine große, sehr alte Eule verschwindet im schwarzen Tannenwald.
Plötzlich ein gewaltiger Donner, die Baumstämme krachen, die Wipfeln der hohen Nadelbäume drohen abzubrechen und wie das brennende Scheunendach auf den kleinen, wehrlosen Esel zu stürzen.
Er legt seine Riesenohren nach hinten und rennt wieder um sein Leben in eine Richtung, die er nicht kennt.
Nach einiger Zeit wird der Boden unter den Hufen des kleinen Esels immer matschiger und schwerer.
Die Bäume werden weniger und das Gehen auf dem völlig durchweichten Erdreich immer mühsamer.
Aber die großen Augen unseres erschöpften Freundes glänzen, denn die Unwetter sind vorbei, die Frühlingssonne geht auf, die Vögel zwitschern und Asinus ist endlich heraus aus diesem Wald, vor dem er sich die ganze Nacht so sehr gefürchtet hat.

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