Cover: Reisen ohne Reisigbesen – Abenteuer mit dem Lustigen Kleeblatt

Reisen ohne Reisigbesen – Abenteuer mit dem Lustigen Kleeblatt
Band 1: Freundinnen auf der Hexenschule


EUR 30,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 516
ISBN: 978-3-99130-433-3
Erscheinungsdatum: 03.07.2024
Das Zauberhafte Kleeblatt sind vier Mädchen eines Jahrgangs, die mehr oder weniger gut vorbereitet in die Ausbildung an der Hexenschule hineinstolpern. Sie erleben eine Mischung aus Pannen, Späßen und Abenteuern auf dem Weg in die Unabhängigkeit.
Vorwort


Immer wenn ein Schuljahr zu Ende ging, freute ich mich auf die Reise ans Meer. Allerdings war es diesmal etwas anders als in den vergangenen Jahren denn nun befand ich mich ja im Ruhestand. Nur wusste ich noch nicht so recht, was ich mit meiner Zeit anfangen sollte. Das wollte ich mir in diesem Urlaub überlegen. Ach ja, das hätte ich beinahe vergessen zu erwähnen, mein Name ist Carlotta Frohgemut. Statt aber nun einfach Urlaub zu machen, kaufte ich ein Haus. Da es für mich allein aber viel zu groß gewesen wäre und ich nicht den ganzen Tag untätig herumsitzen wollte, eröffnete ich eine Pension für Feriengäste darin. Seitdem habe ich schon so manch interessanten Gast bei mir beherbergt. Die meisten Gäste kamen am liebsten in den Sommermonaten. Doch wenn der Sommer zu Ende ging, die letzten Gäste abgereist waren, dann besuchte mich oft Amalia, eine besonders liebenswerte ältere Dame. Obwohl wir schnell Freundschaft schlossen, erfuhr ich erst nach einiger Zeit, dass sie ebenso wie ich Lehrerin war. Allerdings brachte sie im Unterschied zu mir ihren Schülerinnen nicht schreiben, lesen oder rechnen bei, sondern zaubern. Tja, auch wenn ich das bis dahin für unmöglich gehalten hatte, es gibt Hexen und meine Freundin Amalia war eine von ihnen und eine fantastische noch dazu. Die meisten Geschichten, die sie mir erzählt hat, handelten nebenbei bemerkt von vier kleinen Hexenmädchen mit den Namen Anna, Neele, Lina und Emmy. Das darf natürlich keiner wissen. Vor allem nicht, dass sie mir nicht einfach nur irgendwelche Geschichten über sich und ihre Schule erzählt hat, sondern regelrecht erleben ließ. Du willst doch sicherlich wissen, was diese Mädchen in ihrer Schulzeit und danach erlebt haben? Nein? Nun ja, selbst wenn du jemand bist, der gar nicht an die geheime Welt der Hexen und Zauberer glaubt, könnte es doch sein, dass es dich trotzdem interessiert, welche Geheimnisse mir Amalia noch so anvertraut hat? Das erfährst du natürlich nur, wenn du dieses Buch liest.




Ein geheimnisvoller Feriengast


Seit langem fuhr ich nun schon in meinen Sommerferien immer in die gleiche Stadt am Meer. Vor wenigen Tagen war es endlich wieder so weit. Das Schuljahr war beendet, die Kinder waren jubelnd davongestürmt und ich machte die Eingangstür meiner Dorfschule hinter mir zu. Ein paar Stunden später befand ich mich bereits auf dem Weg in die kleine Stadt, die mir im Laufe der vergangenen Jahre richtig ans Herz gewachsen war. Dabei beschlich mich diesmal ein komisches Gefühl. Eigentlich konnte ich es noch gar nicht so recht glauben, dass ich nach diesen Ferien nicht mehr in die Schule zurückkehren sollte. Zumindest nicht, um Kinder zu unterrichten. In Zukunft würde diese Aufgabe nämlich eine andere Lehrerin übernehmen. Da es mir nach meiner Pensionierung nun nicht mehr an Zeit mangelte; überlegte ich, ob ich diesmal vielleicht etwas länger als bisher am Meer bleiben sollte? Vor allem, wo das Wetter in diesem Sommer einfach traumhaft schön war.
Während ich auf der Uferpromenade entlanglief, schaute ich mich um. Dabei entdeckte ich etwas abseits auf einem kleinen Hügel ein Schild, auf dem zu lesen war: „Zu verkaufen“ Es befand sich in einem Vorgarten eines recht nett anzuschauenden Hauses. Überrascht blieb ich stehen. Sogleich fragte ich mich aber, ob das Schild bereits gestern dort gestanden und ich es übersehen haben könnte. Ohne weiter nachzudenken, ging ich den Hügel hinauf und läutete die alte Glocke neben der Eingangstür. Nachdem einige Augenblicke vergangen waren und sich im Haus nichts regte, wand ich mich enttäuscht dem Ausgang des Vorgartens zu. Gerade als ich mich anschickte, diesen zu verlassen, vernahm ich plötzlich Schritte im Haus und ging wieder zurück. Nur einen Augenblick später öffnete eine ältere Frau mit freundlichen Augen ein wenig die Tür. Schnell erkundigte ich mich bei ihr, ob das Haus noch zu haben sei. Sie musterte mich einige Sekunden lang so eindringlich durch den schmalen Türspalt, als würde sie sich im Stillen fragen, ob ich die Richtige für ihr Haus sein könnte. Plötzlich nickte sie zufrieden und bat mich herein. Rasch stellte ich mich ihr vor. Carlotta Frohgemut. Kaum hatte ich dies getan, führte sie mich auch schon durch das Haus, und zwar bis ganz hinauf zum Dachboden. Eilfertig zeigte sie mir Raum für Raum und erzählte nebenher Geschichten von ihrer Familie. Das Haus war in Wirklichkeit viel größer, als ich vermutet hatte, und es steckte voller Erinnerungen. Es schien fast so, als brauchte man nur die Augen zu schließen, um die vielen Bilder, die sich überall im Haus befanden, lebendig werden zu lassen. In dem Moment, als ich mir gerade vorzustellen versuchte, wie es hier mal aussehen könnte, wenn ich …, da fragte mich die nette Dame, ob es mir gefiele und ich es tatsächlich haben möchte. Da ich etwas mit meiner Antwort zögerte, fügte sie ihrer Frage rasch hinzu, dass sie gern bald zu ihrer Enkelin ziehen würde. Doch zuvor wolle sie dieses Haus noch unbedingt in die Hände von jemandem geben, den sie mochte. Dabei käme es ihr nicht auf das Geld an. Manchmal werden sogar die geheimsten Träume wahr. Noch am gleichen Tag wurde ich nämlich die Besitzerin dieses Hauses. Ein Haus am Meer hatte ich mir ja eigentlich schon immer gewünscht. Zugegeben, den Glauben daran, tatsächlich einmal eines zu besitzen, hatte ich allerdings längst aufgegeben. Noch am selben Abend reiste ich mit dem Zug zurück nach Hause, in mein kleines Dorf – jedoch nur, um recht schnell wiederzukommen und dann für immer zu bleiben. Im darauffolgenden Sommer kamen bereits die ersten Feriengäste zu mir, denn ich eröffnete in diesem Haus meine eigene kleine Ferienpension. Das Haus bot ja dafür wirklich Platz genug. Die anfängliche Befürchtung, es könnte mir womöglich in meinem Ruhestand langweilig werden, kam mir absurd vor. Obwohl man selbst in den Sommermonaten nicht mehr ganz so vielen Fremden wie früher unten am Strand oder in den Gassen der Stadt begegnete, fehlte es mir in den folgenden Jahren nie an netten Gästen und damit auch nicht an Beschäftigung. Im Sommer hatte ich immer unglaublich viele Gäste. Dabei war es auch in den übrigen Monaten des Jahres hier nicht weniger schön, nur eben etwas ruhiger. Tagsüber ging es zu jeder Jahreszeit recht beschaulich zu. An den Sommerabenden hingegen, wenn die größte Hitze des Tages vorüber war, zog es viele Leute hinunter an den Strand. Die einen schauten den Fischern ein Weilchen bei ihrer Arbeit zu. Andere plauderten mit Nachbarn oder Freunden, die sie zufällig trafen, oder setzten sich einfach nur irgendwo hin, um dem Spiel der Wellen zuzuschauen. Gelegentlich fanden sich auch ein paar Künstler und Musikanten am Strand ein und erfreuten die Vorbeikommenden mit ihren Darbietungen. Bei besonders schönem Wetter machten einige Leute auch ganz gern einen etwas längeren Spaziergang, und zwar hinauf auf die Klippen. So, wie ich es selbst häufig und gern in den Abendstunden tat. Von dort oben war nämlich die Aussicht aufs Meer hinaus besonders schön. Ja, so war es hier schon seit eh und je und daher dachte ich, dass sich daran auch in Zukunft nichts ändern würde. Das traf auch lange Zeit zu. Allerdings änderte sich das, als es eines Abends im Spätsommer unerwartet an meiner Tür läutete. Die letzten Feriengäste für diesen Sommer waren am Morgen abgereist, und da es im Haus nichts Wichtiges mehr für mich zu tun gab, hatte ich mich gerade entschlossen, noch ein Weilchen hinunter zum Strand zu gehen. Da kündigte, wie gesagt, meine Türglocke einen Gast an. Verwundert fragte ich mich, wer das sein könnte, denn ich erwartete ja niemand. Rasch öffnete ich die Tür und staunte nicht schlecht, denn da stand eine mir völlig unbekannte Dame. Ihre Kleidung war ebenso wie die lederne Reisetasche, die sie bei sich trug, etwas aus der Mode gekommen. Dennoch machte sie auf mich einen sehr eleganten Eindruck. „Waren wir für heute verabredet?“ Fragte ich sie unsicher. „Nein, nein. Das waren wir keineswegs.“ Sagte sie und lächelte mich charmant an. Gleich darauf nannte sie mir ihren Namen, Amalia. Dann erzählte sie, dass sie gerade angekommen wäre und nun auf der Suche nach einer Unterkunft sei. Auf ihrem Weg durch die Stadt hätte sie zufällig ein paar Leute über diese Pension reden hören und so erfahren, dass es hier sehr schön und die Wirtin besonders nett sein soll. Daraufhin lächelte Amalia erneut, zuckte mit den Schultern und sagte: „Ja, und wie es aussieht, haben die Leute völlig recht, mit dem, was sie sich über diese Pension erzählen. Deshalb würde es mich sehr freuen, wenn ich ein paar Tage hier wohnen dürfte. Vorausgesetzt, sie haben noch ein freies Zimmer für mich?“ Na, und ob ich noch ein Zimmer für sie hatte! Amalia durfte sich sogar eines aussuchen, denn wie bereits erwähnt hatten ja am Morgen meine letzten Sommergäste ihre Heimreise angetreten und neue erwartete ich in diesem Jahr nicht mehr. Wir beide waren uns vom ersten Moment an sehr sympathisch. Wer Amalia jedoch war, erfuhr ich erst einige Jahre später. Bis dahin war sie ein Gast wie jeder andere, wenn auch einer, auf den ich mich seit unserer ersten Begegnung immer ganz besonders freute. Übrigens kam Amalia nie, bevor meine anderen Feriengäste abgereist waren. Auch wenn ich lange Zeit nicht wusste, warum sie das tat, war es mir natürlich sehr recht. Dann gab es nämlich für mich weniger in meiner Pension zu tun und ich konnte viel Zeit mit Amalia verbringen. So kam es, dass wir uns recht schnell anfreundeten.




Eine ungewöhnliche Reise


Mittlerweile waren Amalia und ich richtig gute Freundinnen geworden. Obwohl wir über alles Mögliche redeten, erzählte Amalia nie etwas über sich selbst. Trotzdem konnte ich sie mir gut als Lehrerin vorstellen. Warum ich sie aber nie gefragt habe, ob meine Annahme stimmte, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Vielleicht lag es daran, dass sie mir trotz unserer langen Freundschaft immer noch ab und zu so seltsam unnahbar vorkam. Eines Tages saßen wir, wie schon so oft, auf den Klippen vor der Stadt. Es dämmerte bereits. Doch Lust, nach Hause zu gehen, hatten wir beide noch nicht. Nur etwas, worüber wir uns unterhalten könnten, fiel uns auch nicht ein. Nachdem wir ein Weilchen schweigend nebeneinandergesessen und aufs Meer hinausgeschaut hatten, fragte ich sie, wo sie herkäme. Bevor sie mir auf meine Frage eine Antwort gab, überlegte sie erstaunlich lange. Doch dann begann sie zu erzählen und ich lauschte wie verzaubert ihren Worten. In den darauffolgenden Stunden erfuhr ich unter anderem von ihr, dass sie in einem wunderschönen Wald mit uralten Bäumen zu Hause wäre. Sie erzählte mir von der Schule, die sich in dem Wald befindet und in der sie schon viele Jahre wohnen und Mädchen unterrichten würde. Erstaunlicherweise schien Zeit für sie keine große Bedeutung zu haben. Sie erwähnte nämlich mit keiner Silbe, wie lange sie bereits dort Lehrerin war oder wie alt sie ist. „Amalia, da lag ich mit meiner Vermutung, dass du ebenso wie ich selbst eine Lehrerin sein könntest, doch gar nicht so falsch!“, stellte ich erfreut fest. „In gewisser Weise hast du völlig Recht“, erwiderte sie etwas zögerlich. Dann sagte sie mit einer bedeutungsvollen Miene, dass die meisten ihrer Schülerinnen allerdings außerordentlich begabt wären. „Och Amalia, kluge Mädchen gibt es doch überall auf der Welt.“ Entgegnete ich etwas befremdet. „Daran zweifle ich keinen Augenblick.“ Meinte Amalia. Einen Moment lang schien sie noch über irgendetwas nachzudenken. Dann sagte sie, dass sie auch ein paar „Dinge“ tun könne, die nicht jeder kann. Verwundert schaute ich sie an. Daraufhin lächelte sie und sagte, als wäre es das Normalste auf der Welt, dass Hexen nun mal die eine oder andere besondere Gabe besäßen. Sie selbst könne sogar noch ein bisschen mehr als die meisten von ihnen. Im ersten Moment wusste ich nicht so recht, was ich davon halten sollte. Deshalb fragte ich sie auch, ob sie wirklich gerade allen Ernstes behauptet hätte, eine Hexe zu sein. „Ja selbstverständlich habe ich das ernst gemeint. Mit so etwas macht man doch keine Scherze. Ja, und da du nun schon mal weißt, wer oder besser gesagt was ich bin, könnte ich dir ja eigentlich auch noch etwas mehr über mich und meine Schülerinnen erzählen. Natürlich nur, wenn es dich interessiert.“ Erwiderte sie und zwinkerte mir zu. Mir eine so fantastische Gelegenheit entgehen lassen, von einer echten Hexe etwas über Zauberei und Magie zu erfahren? Das wäre mir doch niemals in den Sinn gekommen. Zumal ich schon immer wissen wollte, ob es so etwas wie Zauberei gibt. Also sagte ich auch, dass ich mich darüber sehr freuen würde. Doch warum ich zuvor meine Augen schließen und sie auch nicht wieder öffnen sollte, bis sie es mir sagen würde, verstand ich ganz und gar nicht. Das kam mir, ehrlich gesagt, sogar ausgesprochen albern vor. Weil ich nicht gleich ihrem Wunsch nachkam, nahm Amalia einfach meine Hände und mir fielen wie von selbst die Augen zu. Kaum war dies geschehen, da befand ich mich auch schon in einem Wald. Jedenfalls hatte ich das Gefühl, tatsächlich dort zu sein, und dass, obwohl ich durchaus wusste, dass es überhaupt nicht möglich sein konnte. Da hörte ich Amalia sagen: „Schau Carlotta, auf diesem Weg gelangen wir direkt zu meinen Mädchen.“
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